VI.Lips Tullians Flucht und Rettung.

VI.Lips Tullians Flucht und Rettung.

Beim Himmel, Herr! Sie setzen scharf euch nach,Durchsuchen jeden Busch ringsum im Thale;Ihr seid geächtet, vogelfrei erklärt, Preise stehenAuf eurem Haupt, gar hohe Preise, Herr!Friedrich Halm.

Beim Himmel, Herr! Sie setzen scharf euch nach,Durchsuchen jeden Busch ringsum im Thale;Ihr seid geächtet, vogelfrei erklärt, Preise stehenAuf eurem Haupt, gar hohe Preise, Herr!Friedrich Halm.

Beim Himmel, Herr! Sie setzen scharf euch nach,Durchsuchen jeden Busch ringsum im Thale;Ihr seid geächtet, vogelfrei erklärt, Preise stehenAuf eurem Haupt, gar hohe Preise, Herr!

Beim Himmel, Herr! Sie setzen scharf euch nach,

Durchsuchen jeden Busch ringsum im Thale;

Ihr seid geächtet, vogelfrei erklärt, Preise stehen

Auf eurem Haupt, gar hohe Preise, Herr!

Friedrich Halm.

Friedrich Halm.

Aus vielen Wunden blutend, erreichte Lips Tullian die Hütte eines Köhlers, der unter die Vertrauten der Bande gehörte und in der Nähe seines armseligen Häuschens einen sichern Versteck für umherstreifende oder verfolgte Räuber hatte, auch von der Bande zu Zeiten Geld erhielt, um für Zusprüche mit Lebensmitteln versehen zu sein. Der Köhler kannte heilsame Pflanzen, die er für des Verwundeten Wunden schnell herbeischaffte. Durch diese und sorgliche Pflege hatte er ihn schon nach einigen Tagen hergestellt.

Die Räuber hatten einen versteckten Ort mehrere Meilen von der bisher bewohnten Räuberhöhle zu ihrem Sammelplatze bestimmt. Er beschloß nun nach seiner Genesung, in der Nacht und auf den abgelegensten Wegen zu den Seinigen zurückzukehren. In einem zerrissenen Anzuge des Köhlers, Gesicht und Hände geschwärzt, eine Axt auf der Schulter, wollte er so eben seinen Versteck verlassen, als der Köhler mit lautem Wehklagen zu ihm hereinstürzte, gefolgt von seinem jammernden Weibe, das unter lautem Weinen erzählte, sie sei diesen Abend in Fichtenberg gewesen, habe dort von ihrer Base gehört, daß der neue Aufenthalt der Räuber im Forste Wildenfels von gefangenen Räubern sei verrathen, und beinahe die noch übrige ganze Bande von dem Trebnitzer Amte dort aufgegriffen worden.

„Ich wollte anfangs diese schreckliche Kunde nicht glauben,“ — schloß die Köhlerin ihre höchst fatale Nachricht — „konnte aber nicht lange an der Wahrheit dieser Kunde zweifeln, da, während wir noch sprachen, vier Leiterwagen durchs Dorf fuhren, und ich auf selben den schwarzen Wenzel, den langen Haneder, den Pferdbuben, Trolls Gustel und ihre Schwester erkannte. Hände und Füße der Gefangenen waren mit schweren Ketten belegt, und viele Soldaten, Gerichtsdiener mit großen Hunden, einigeJäger zu Pferde und Bauern mit Flinten, Mistgabeln und Knitteln umgaben die Wagen. Ich bitte Euch um alles, ungesäumt zu entfliehen, denn es sagen die Leute mit Bestimmtheit, daß in der ganzen Gegend die strengsten Nachforschungen vorgenommen werden.“ —

Lips Tullian war gleich entschlossen. Er wusch sich Gesicht und Hände, zog seine Kleidung wieder an, steckte die Doppelpistolen zu sich, hing seinen kurzen, scharfen Säbel um und hüllte sich in den weiten, feinen Mantel, den er auf dem Pferde des Jägers gefunden hatte. Er war zur Abreise gerüstet.

Der Köhler brachte ihm noch eine Zehrung in einer vollen Flasche Branntwein, Brod und Speck, überdieß einen Beutel mit 60 fl., welche er in jüngster Zeit zur Anschaffung von Lebensmitteln für einsprechende Kameraden aus den Zusammenschüssen der Bande erhalten hatte.

Daß der Köhler bei seiner Armuth und bei der Gewißheit von dem Unfalle der Bande diese Summe ausliefern wollte, ist ein Zug von Redlichkeit und Herzensgüte, der nur von einem tugendhaften Manne, aber nicht von einem Diebshehler hätte erwartet werden können. Lips Tullian trug noch die inhaltreiche Börse des Herrn von Liebenstein unangegriffen bei sich; er besaß eine nicht unbedeutendeSumme von seinem Antheile an der jüngst geschehenen Beraubung eines sehr reichen Pächters, und war daher eher geneigt, dem armen Köhler zu geben, als von ihm zu nehmen. Unter den besten Wünschen dieser Leute verließ er gegen Mitternacht die Hütte.

Böhmen war das Land, wohin er eilte, anfangs aber nur in Nachtmärschen, und kaum von mehr als Quellwasser und Waldfrüchten lebend.

An der sächsisch-böhmischen Grenze trieben damals, wie ihm wohl bekannt war, mehrere verwegene Räuber ihr Wesen, es waren dies:Sarberg, bekannt unter dem Namen derStudentenfritz;Schickel, der Brettbauer;Christian Eckhold, der schöne Böttcher;Hans Wolf Schöneck;Daniel Lehmannund der Kolmnitzer Schneider:Michael Hentzschel. Diese raubten theils einzeln auf eigene Faust, theils in Verbindung mit einander; eine geschlossene Bande war es nicht. Diese aufzusuchen, war Lips Tullians Absicht, um sich diesen anzuschließen, sie zu vereinigen und sich aus diesen verwegenen Männern eine neue Räuberbande zu bilden.

Es dürfte daher wohl jetzt an der rechten Stelle sein, diese Leute etwas näher kennen zu lernen.


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