VII.Sarberg,genannt:der Studentenfritz.

VII.Sarberg,genannt:der Studentenfritz.

Ein feindlich Schicksal stürmte durch mein Leben.Nein, nicht geboren ward ich, als ein DiebIn Waldesnacht mein Leben zu verdienen;Zu schönern Tagen zog das Glück mich auf,Und aufgezogen seiner Gunst vertrauend,Betrog es mich und ließ mich sinken.Th. Körner.

Ein feindlich Schicksal stürmte durch mein Leben.Nein, nicht geboren ward ich, als ein DiebIn Waldesnacht mein Leben zu verdienen;Zu schönern Tagen zog das Glück mich auf,Und aufgezogen seiner Gunst vertrauend,Betrog es mich und ließ mich sinken.Th. Körner.

Ein feindlich Schicksal stürmte durch mein Leben.Nein, nicht geboren ward ich, als ein DiebIn Waldesnacht mein Leben zu verdienen;Zu schönern Tagen zog das Glück mich auf,Und aufgezogen seiner Gunst vertrauend,Betrog es mich und ließ mich sinken.

Ein feindlich Schicksal stürmte durch mein Leben.

Nein, nicht geboren ward ich, als ein Dieb

In Waldesnacht mein Leben zu verdienen;

Zu schönern Tagen zog das Glück mich auf,

Und aufgezogen seiner Gunst vertrauend,

Betrog es mich und ließ mich sinken.

Th. Körner.

Th. Körner.

In dem Dorfe Hündorf des Fürstenthums Sagan war Sarberg geboren. Sein Vater, herrschaftlicher Verwalter, und seine Mutter, aus einer angesehenen Familie stammend, genossen den allgemeinen Ruf eines unbescholtenen Wandels.

Unter der weisen Sorge und der zärtlichen Liebe seiner biedern Eltern erwachsend, die für die Erziehung ihres einzigen Sohnes das Beste thaten, verrieth Friedrich schon in der Blüthe des Jugendaltersrecht viele Fähigkeiten, aber auch viele Neigung zu einem schwärmenden Leben, dabei einen Muth und eine Beharrlichkeit von seltener Stärke.

Zur Nachfolge im Amte seines Vaters von den Eltern und dem gräflichen Gutsherrn bestimmt, wurde Sarberg in Allem, was er für seine künftige Bestimmung zu wissen nöthig hatte, sorglich unterrichtet. Aber schon als Knabe von zwölf Jahren erklärte er mit eisernem Trotze, sein Leben nicht hinter den Pflügen, auf dem Kornboden, bei der Viehmast verleiern, sondern als Soldat oder Seemann einst große Dinge leisten zu wollen. Dieser Erklärung setzte sein Vater, der mit leidenschaftlicher Vorliebe an der Landwirthschaft hing, und sie für den wichtigsten und edelsten Zweig an dem Riesenbaume des menschlichen Wirkens hielt, das freundlichste Zureden, die herzlichste Ermahnung entgegen; diese wurden zum strengen Ernst, zur harten Behandlung, zur Androhung der Enterbung und des Fluches, als Friedrich mit aller Kälte und Festigkeit versicherte, nicht von dem Willen seines Vaters, sondern nur von seinem eigenen sich für seinen Stand bestimmen zu lassen.

In früherer Zeit der Gegenstand der zärtlichsten Liebe seiner Eltern, jetzt mit Geringschätzung, oft mit der rauhesten Härte behandelt, wurde dersonst offene Friedrich ein listiger Heuchler. Er begann mit Thätigkeit sich der Landwirthschaft anzunehmen, bei jeder Gelegenheit den Unterricht seines Vaters, den Rath erfahrner Landwirthe einzuholen und alles aufzubieten, was seine, nun so plötzlich erwachte Neigung zum landwirthschaftlichen Wirken im hellleuchtenden Lichte darzustellen vermochte. Ueber diese Sinnesänderung ihres Sohnes waren Vater und Mutter entzückt, aber bald sollten sie enttäuscht werden.

Friedrich war klug genug, recht wohl einzusehen, daß er ein hübsches Sümmchen nöthig habe, um beim Militär oder auf einem Schiffe unterzukommen, ohne als ein geldloser Wicht gleich bei seinem Erscheinen hintenangesetzt zu werden. Durch Beharrlichkeit in seiner laut ausgesprochenen Abneigung gegen die Landwirthschaft war er von allen Mitteln entfernt, sich Geld zu verschaffen; dadurch, daß er den Wünschen seiner Eltern schmeichelte und ihrem Willen ganz zu genügen schien, öffneten sich ihm wieder deren Herzen und Börsen.

Aber er begnügte sich nicht, seine wackern Eltern durch Heuchelei zu täuschen, um aus ihrer Casse zu schöpfen, sondern war bald schlecht genug, durch heimlichen Verkauf von Holz aus den herrschaftlichen Wäldern, durch Betrügereien im Kornhandelund durch manchen andern ehrlosen Gelderwerb sich nach und nach eine bedeutende Summe zu ergaunern.

Gerade als seine Kasse in einem Zustande sich befand, der ihm die Mittel zur Erfüllung seiner geheimen Pläne gewährte, rückte ein Commando des österreichischen Dragonerregiments Mansfeld in Hündorf ein. Der commandirende Officier erhielt sein Quartier im Schlosse. Nun war Friedrich in seinem Elemente. Man fand ihn nur in den Ställen bei den schmucken Dragonerpferden, oder im Wirthshause unter den Reitern, die er schon als seine Kriegsgefährten betrachtete, ja sich schon im Schlachtgewühle in ihren Reihen, bald durch Belohnung seiner Tapferkeit an ihrer Spitze sah.

Der Wachtmeister des Commando, ein alter Kriegsmann, der dem Doppellümmel vorzüglich hold war, wurde von Friedrich zu seinem Vertrauten erwählt. Des Jünglings schöne, kräftige Gestalt, seine empfehlungsreiche Haltung, der Anstand und die Gewandtheit, womit er, ein von Jugend auf geübter Reiter, das wildeste Dragonerpferd tummelte, hatten das werblustige Gemüth des Wachtmeisters bald mit dem Wunsche erfüllt, solch einen herrlichen Rekruten in die Schwadron zu bekommen. Als ihm nun Friedrich vertraute, von dem heißestenVerlangen beherrscht zu sein, in die Reihen der Mansfeldischen Reiter zu treten, doch dieses nur heimlich geschehen könne, da sein Vater dazu nie seine Einwilligung geben werde; und wie nun Friedrich den Wachtmeister um guten Rath, um sein kräftiges Wirken zur Erfüllung so heißer Wünsche bat, und diese Bitte durch einige Goldstücke unterstützte, da versprach ihm dieser mit einem derben Fluche, alles anzuwenden, was solch ein schätzbares Verlangen nach dem Glücke, kaiserlicher Majestät zu dienen, zur Erfüllung bringen könne. Auf der Stelle ging der Wachtmeister zu seinem Offizier und vertraute diesem Friedrichs Wünsche, zugleich aber auch die Hindernisse von väterlicher Seite. Der Officier, ein kaltherziger, geldsüchtiger Patron, der, um seinen Säckel zu füllen, allen Eltern ihre Söhne entführt hätte, hörte kaum vom Wachtmeister, daß der junge Mensch Geld habe, als er Friedrich zu einer geheimen Unterredung in ein nahes Wäldchen beschied, das heiße Verlangen des Kriegslustigen noch mehr entflammte, dann plötzlich Berge von Hindernissen aufthürmte, aber diese gleich wieder in die lieblichste Ebene umwandelte, als Friedrich, den Geldsüchtigen durchschauend, ihm 50 Dukaten für die Einreihung in die Schwadron, jedoch auf sehr geheimen Wegen, pränumerirte. Der Officiergab sein Wort, ertheilte Friedrich den Rath, ein Geschäft aufzufinden, welches ihn einige Tage vor dem 27., wo die Schwadron wieder aus Hündorf abmarschire, vom väterlichen Hause entferne, und dann auf Seitenwegen voran zu eilen, so daß er in Frauenfeld, wo das Commando Rasttag halte, gleich bei selbem einrücken und mit abmarschiren könne.

Einige Tage vor dem Abmarsche der Dragoner gab Friedrich gegen seinen Vater vor, so eben von einem zuverlässigen Manne erfahren zu haben, daß in Liebrode — er bezeichnete absichtlich einen, dem Marsche des Commandos in entgegengesetzter Richtung liegenden Ort — eine bedeutende Anzahl spanischer Schafe verkauft werde, und ein sehr vortheilhaftes Geschäft zu erwarten sei, da der Gutsbesitzer, von seinen Gläubigern gedrängt, die Schafe um jeden Preis verkaufen müsse. Vater Sarberg, schon lange nach jenen herrlichen Merinos lüstern, und über seines Sohnes Betriebsamkeit hoch erfreuet, gab diesem eine bedeutende Summe in Gold und seine besten Wünsche mit. Da die Hin- und Herreise, wie auch der dortige Aufenthalt mehrere Tage erforderte, so fiel es nicht auf, daß Friedrich einen vollen Mantelsack an den Sattel schnallte. Auf seines Vaters bestem Reitpferde, durch Heucheleiund Betrug im Besitze einer reichen Goldbörse, zog Friedrich von dannen, einem Leben voll Verirrungen, Laster und Verbrechen, dem schmachvollen Lohne seiner Thaten entgegen.

Zwei Jahre hatte Sarberg im österreichischen Dragonerregimente Mansfeld gedient und zum Wachtmeister sich aufgeschwungen, als er in der Trunkenheit den Offizier, der ihn arretiren wollte, niederhieb, ins Stockhaus gebracht und zum Tode verurtheilt wurde. Die Tochter des Stockmeisters, eine liederliche Dirne, schon seit längerer Zeit mit Friedrich im vertrautesten Umgange und mit dessen Besitze einer bedeutenden Geldsumme bekannt, versprach, ihn aus dem Gefängnisse zu befreien, wenn er ihr auf das Feierlichste gelobe, sich mit ihr bei erster Gelegenheit trauen zu lassen. Friedrich versprach ihr seine Hand, seine unveränderliche Dankbarkeit, das herrlichste Leben mit einem kräftigen Eide. Schon in der nächsten Nacht war Friedrich, von der schlauen Dirne als Barfüßermönch verkleidet, unaufgehalten an der ehrfurchtsvoll begrüßenden Schildwache vorüber durch das Stadtthor gegangen und bald an dem verabredeten Orte angelangt, wo die Befreierin in männlicher Kleidung seiner harrte, und, einen Korb auf dem Rücken, an der Seite des vermummten Barfüßerswohlgemuth dahin zog, für einen Knaben geltend, der den geistlichen Herrn begleite, um für selben die Geschenke der Landleute zu tragen.

Jenseits der Gränze wurden die Verkleidungen in einen Teich versenkt. Aus dem Korbe ging für Friedrich ein sehr stattlicher Anzug hervor, und Elisabeth war schnell im niedlichen Frauenkleide. Friedrich, der schon als Knabe von einem Formstecher in Hündorf von dieser Kunst so manches sich angeeignet hatte, schrieb für sich und Elisabeth in der nächsten Schenke einen wohlstylisirten Reisepaß, schnitt in festes Holz das Gerichtssiegel seines Grafen, und versah sich so mit einem Dokumente, welches allen Schein der Giltigkeit hatte und seine Reise ungehindert machte. —

Daß Friedrich Sarberg nach seiner Entweichung aus dem Stockhause bei einem Reiterregimente des Churfürsten von Brandenburg, dann im dänischen Regimente Rottenstein, zwei Jahre hierauf unter den Jordanischen Kürassieren als Fourier gestanden und sich da mit Elisabeth verheirathet, hierauf im Görzischen Regimente gedient, die Schlacht bei Binschof in Polen als Fahnenjunker mitgemacht habe und als Adjutant des Dragoner-Obristen Billitz aus dem Militär-Verbande getreten sei, gehet aus den Untersuchungsakten hervor, jedoch ohneklare Beleuchtung seines Wandels in jener Zeit, über dessen Unbescholtenheit er in seinen Verhören auf das Feierlichste sich verbürgte, immerhin zum gerechtesten Zweifel des Criminalrichters, der die Narben an Sarbergs Körper, von ihm als Folgen erhaltener Wunden im Kriege angegeben, nur gar zu gut als die Merkmale ausgestandener Tortur erkannte. Endlich gelang es doch, Sarberg zum Geständniß zu bringen, daß einige dieser Narben aus einer Tortur herrührten, in welcher man zu Hohenstein seinen Körper mit Wachslichtern gebrannt hatte, um von ihm die Anerkennung eines Raubmordes zu erzwingen, welchen er während seiner Kriegsdienste in Ungarn begangen haben sollte, daran aber ganz unschuldig gewesen sei.

Nachdem Sarberg das Dragonerregiment des Obersten Billitz verlassen, vorher aber seine Elisabeth, mit ihrer freudigsten Einwilligung um 30 Dukaten an einen alten, reichen Weinhändler abgetreten hatte, ging er nach Danzig, handelte dort anfangs mit Pferden, dann mit Räucherwerk und Flachs, gewann viel Geld, trieb dabei falsches Spiel mit Würfeln und Karten, verlor aber all sein Vermögen an einen viel gewandtern Betrüger, erstach diesen in der Wuth der Verzweiflung, und floh in die Wälder, wo er sich an eine Räuberbandeanschloß, einige Mal in Haft gerieth, theils durch Ausbrechen aus den Gefängnissen, theils durch das hartnäckigste Leugnen sich frei machte, dann ohne Genossenschaft stahl, Straßenraub und Mord ausübte, endlich, wie wir alsbald sehen werden, mit Lips Tullian sich vereinigte, und die Ehre genoß, an der Spitze der Vertrauten dieses Verbrechers zu stehen.

Den Beinamen: „Studentenfritz“ hatte er erhalten, seiner Fertigkeit im Schreiben und seiner Geschicklichkeit in Verfertigung von Stempeln und Petschaften wegen, da in jenen Zeiten der ungebildete Mensch Alles Student hieß, was sich durch Fähigkeiten und Künste dieser Art über das Gemeine erhob.


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