XXVII.Eine unerwartete Nachricht.

XXVII.Eine unerwartete Nachricht.

Ha, wir sind frei, und Spott und Hohn,Ist euer Theil nun, tück’sche Schergen!. . .

Ha, wir sind frei, und Spott und Hohn,Ist euer Theil nun, tück’sche Schergen!. . .

Ha, wir sind frei, und Spott und Hohn,Ist euer Theil nun, tück’sche Schergen!. . .

Ha, wir sind frei, und Spott und Hohn,

Ist euer Theil nun, tück’sche Schergen!

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Dem Gewittertage und der stürmischen Nacht war ein herrlicher Morgen gefolgt, der selbst in dieser schon unfreundlichern Jahreszeit alle Annehmlichkeiten eines lieblichen Maimorgens bot.

Aber alle Reize der Natur blieben von dem Oberprofosen unbeachtet und ungefühlt.

Aus einem übergroßen Pfeifenkopfe qualmend, ritt er gemächlich dahin, aufmerksam dem Gespräche der dicht hinter ihm folgenden Dragoner horchend, die anfangs sich im Anpreisen der köstlichen Bewirthung, der weichen Betten und der anmuthigen Freundlichkeit der Ancillen überboten, dann auf die Erzählungen der Jägerburschen übergingen, wiediese mit Muth und Klugheit so manchen Wilddieb und auch erst im verflossenen Jahre eine höchst berüchtigte Zigeunerbande eingefangen hatten.

Das war für Herrn Hilmer eine gar angenehme Unterhaltung. Die Dragoner mußten ihm zur Seite reiten und bis auf den geringfügigsten Umstand alles wiederholen, was ihnen die tapfern Waidmänner zum Besten gegeben hatten.

Förster Krause hatte seine Gäste zum Frühstücke mit Schinken und Rum bewirthet.

Herr Hilmer fühlte jetzt Durst und trabte frisch darauf los, um bald eine Schenke zu erreichen.

Kaum hatte er sich vom Rosse geschwungen und für sich und seine Reiter eine Kanne Bier erhalten, als ein ländlich- aber wohlgekleideter Mann an die Schenke trat und sich ein Glas Doppelkümmel reichen ließ. Schweigend und mit einer Miene, die Kummer und Bangigkeit verrieth, nahm er am Tische des Oberprofosen Platz.

„Mit Gunst, mein lieber Mann! Woher des Weges und warum so niedergeschlagen?“ — fragte Hilmer, der, nur immer mit Plänen zur Einfangung des Raubgesindels beschäftigt, mit jedem, der ihm aufstieß, ein Gespräch pflog, um vielleicht dort und da etwas ihm Nützliches zu erspähen.

„Ich bin der Krämer von dem nächstgelegenen Dorfe,“ — erwiederte der Mann — „und kehre von Dresden nach Hause, wo ich Waaren bestellt habe. Der Herr fragt mich, warum ich so niedergeschlagen bin? Ach, lieber Himmel, wer kann denn noch ein frohes Herz im Leibe haben bei diesen schweren Zeiten, wo man keinen Augenblick vor Beraubung, Mord und Brandstiftung sicher ist. Unser Dorf zählt an Männern und mannhaften Burschen 64 Köpfe, lauter gesunde, stämmige Leute, alle mit Waffen versehen, und doch muß bereits seit einem Jahre immer die Hälfte davon die ganze Nacht hindurch im Dorfe und um selbes patrouilliren, wenn wir gegen Zigeuner, Diebe und Räuber unsere Habe kräftig schützen wollen.“

„Ihr werdet bald ruhiger leben,“ — tröstete der Oberprofos den Bekümmerten — „Unser allergnädigster Landesherr hat ein gar mächtiges Mandat gegen das Diebs- und Raubgesindel erlassen und wir dürfen von dem bekannten Eifer der Behörden mit Zuversicht erwarten, unser beängstigtes Sachsen in kurzer Zeit der Gefahr und Furcht erledigt zu wissen.“ —

„Ach, Herr Kriegsmann,“ — sprach der Krämer — „ich fürchte, die Gefahr sei jetzt beinahe noch größer und das Verderben sicherer, als selbst in derbisherigen, so unsichern Zeit. In verflossener Nacht sind auf dem Festungsbaue zu Dresden acht Gefangene ausgebrochen, worunter sich der so gefürchtete Lips Tullian befindet.“

„Hölle und Teufel!“ — schrie der Oberprofos und sprang mit grimmiger Geberde auf.

Doch bald wich der Hitze rasches Aufbrausen einer ernsten Besonnenheit und das von einer wilden Aufregung dunkel entflammte Gesicht ward zur höhnisch-verächtlichen Miene, mit welcher er dem Krämer sagte: „Bewahre Er vorlauter Patron seine Zunge besser und erkühne Er sich in Zukunft nicht, dergleichen einfältige Schwänke sich gegen mich zu erlauben; denn er soll hiemit bedeutet werden, daß ich der allergnädigst bestallte Oberprofos der Festung Dresden bin, daher wohl und genau wissen müßte, wenn ein so berüchtigter Räuber, wie genannter Tullian ist, sich unter den Baugefangenen allda befinden würde.“ —

„Zürnet nicht, gestrenger Herr Oberprofos,“ — entschuldigte sich der demüthige Krämer mit einem tiefen Bücklinge, — „daß ich in meiner gemachten Aussage zu verharren mir erlaube. Benannter Lips Tullian hat einige Stunden nach seinem Ausbruche einen Brief an den Herrn Oberzeugmeister Schmit mittelst eigenen Boten gesandtund darin schwere Beleidigungen und Spottworte gegen den wohledeln Herrn Schmit, wie auch gegen alle gestrengen Herren Befehlshaber ausgestoßen. Am Schlusse dieses Briefes machte er sich besonders darüber lustig, daß man so eifrig dem Lips Tullian nachstrebe, während man ihn schon lange in Haft gehabt und den von ihm angegebenen Namen „Mengstein“ immer mit der einfältigsten Treuherzigkeit als seinen wahren angenommen habe. Auch berief sich Tullian auf zwei Baugefangene, die, als seine frühern Gefährten, nicht leugnen werden, daß er wirklich der so allgemein gefürchtete und verfolgte Lips Tullian sei. Es verhielt sich auch wirklich so. Die zwei Baugefangenen, welche gleich nach dem Einlaufe dieses Briefes in das Verhör und, weil sie hartnäckig leugneten, auf die Folter gebracht wurden, gestanden schon unter den Daumenschrauben, daß der Baugefangene Simon Mengstein wirklich der unter dem Namen Lips Tullian berüchtigte Anführer der schwarzen Garde sei.“

„Gestrenger Herr Oberprofos, gefälligen Sie, hier im Wirthshause, wie in der ganzen Gegend umher über mich Kunde einzuholen, und Sie werden hören, daß ich ein rechtschaffener, wahrheitsliebender Mann bin. Was ich hier erzählt habe, erfuhr ich schon heute gleich nach Tageseinbruch, denn derFourierschütz des Herrn Oberzeugmeisters Schmit, mein Stiefbruder, rüttelte mich aus dem Schlafe auf, um mir diese, für das ganze Land so schreckhafte Neuigkeit mitzutheilen, die mich auch bewog, gleich nach meinem Dorfe aufzubrechen, und meine Nachbarn auf die neuerdings und recht verderblich uns drohende Gefahr schleunigst aufmerksam zu machen.“

Der Oberprofos rief mit donnernder Stimme nach seinem Rosse, warf ein Stück Geld für die Zeche hin, schwang sich unter gräßlichen Flüchen über die dumme, faule, unvorsichtige Bestie von Stockmeister auf, und sprengte mit verhängten Zügeln Dresden zu.


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