XXXI.Marianes Eifersucht und Schlauheit.

XXXI.Marianes Eifersucht und Schlauheit.

Die braunen Dirnen, die sollten mirIm Wege stehen? — Das merke Dir:Eh’ noch im Ost erglühn die Tages Stunden,Sind Eure Lieblinge schon längst verschwunden.. . .

Die braunen Dirnen, die sollten mirIm Wege stehen? — Das merke Dir:Eh’ noch im Ost erglühn die Tages Stunden,Sind Eure Lieblinge schon längst verschwunden.. . .

Die braunen Dirnen, die sollten mirIm Wege stehen? — Das merke Dir:Eh’ noch im Ost erglühn die Tages Stunden,Sind Eure Lieblinge schon längst verschwunden.. . .

Die braunen Dirnen, die sollten mir

Im Wege stehen? — Das merke Dir:

Eh’ noch im Ost erglühn die Tages Stunden,

Sind Eure Lieblinge schon längst verschwunden.

. . .

Mit Mariane und seinen sechs Vertrauten hatte Lips Tullian nach dem Liberter Brande in einem Walde bei Freiberg eine Schlucht, die beinahe unzugänglich war, zu seinem Aufenthalte gewählt. Hier beschloß er, einige Wochen in aller Zurückgezogenheit zu leben, um von hier aus die Nachricht von seinem Zuge nach Baiern zu verbreiten, um die Gerichte minder wachsam zu machen, und dann wieder freieres Feld für seine verbrecherischen Saaten zu haben.

In dieser Felsenschlucht wurde die Einrichtung einer Nomaden-Familie getroffen. Aus Zweigen flocht man Hütten, Sarberg, Eckold und Lehmann gingen als Fleischerknechte in die nächsten Dörfer, kauften ein paar Kühe, einige Schafe und Ziegen; Hentzschel lieferte Mehl, gedörrtes Fleisch und Hülsenfrüchte; Schöneck und Schickel verschafften einen tüchtigen Vorrath an Branntwein, auch ein Fäßchen mit Wein, und Lips Tullian versah die Küche mit Rehen, Hasen und Geflügel, woran es in diesem wildreichen Forste Ueberfluß gab.

Die Nomaden-Horde lebte in ihrer Art das köstlichste Wohlleben, und auch an der Befriedigung roher Sinnenlust gebrach es nicht in dieser Wildniß da Sarberg und Eckold, auf ihrem Viehkaufe unter eine Zigeunerbande gerathen, durch ihre männliche Schönheit und frohe Laune drei junge, schlanke Zigeunerdirnen so zu gewinnen wußten, daß die verliebten Dirnen nächtlicher Weile ihrer Gesellschaft entliefen und auf einem verabredeten Platze bei Sarberg und Eckold sich einfanden.

Die Dirnen waren schlau genug, schon in den ersten Stunden ihres Aufenthalts in der Felsenschlucht die fremde Gesellschaft ganz zu durchschauen, und schlossen sich desto inniger an selbe an, da sie in ihrer Schlechtigkeit sich gleichsam wohlgefielen, voneinem gewöhnlichen Diebsgesindel zu einem tüchtigen Räubervölkchen, in moralischer Beziehung vom Regen in die Traufe gekommen zu sein.

Aber Mariane hatte für die schlanken, fröhlichen hüpfenden Dirnen nur scheele Blicke und ein Herz voll Haß und Eifersucht. Es war ihr nicht entgangen, wie sehr diese verbuhlten Sprößlinge Asiens durch ihren lieblichen Gesang und ihr künstliches Zitterspiel ihres Lips Tullians Sinne aufregten. Sie sah die täglich gegen sie sich mehrende Kälte ihres sonst so feurigen Geliebten, sie sah, daß die Jugend, die frischen, üppigen Formen dieser selbst in ihrer dunkeln Farbe reizenden Dirnen ihrem Lips Tullian von Stunde zu Stunde gefährlicher wurden. Die Dirnen mußten um jeden Preis entfernt werden.

In einer Stunde, wo die Männer theils schliefen, theils auf Jagd und Vogelfang im Forste umherstrichen, bot sie jeder Zigeunerin 10 Goldstücke für das feierliche Versprechen, in diesem Augenblicke so unbemerkt als möglich diesen Ort zu verlassen, und nie wieder mit dieser Gesellschaft sich zu verbinden.

Der Glanz des blanken Geldes, die so lieb gewordene Gewohnheit des Umherschweifens von Land zu Land, von Ort zu Ort, das eintönige dieses Waldlebens machten die Dirnen rasch inMarianens Antrag eingehen. Sie nahmen die Goldstücke, stahlen zum Gratiale für genossene Bewirthung und erhaltene Geschenke, was sie in aller Geschwindigkeit unbemerkt an sich nehmen konnten, und verschwanden auf flüchtigen Sohlen.

Die Männer wütheten, als sie die feurigen Gegenstände ihrer rohen Begierden vermißten; Mariane eiferte am meisten über die schlechten, undankbaren Geschöpfe, deren Tänze, Gesänge und Zitterspiel ihr so manche Stunde erheitert, denen sie so viel Gutes erwiesen, und sich so an ihren erheiternden Umgang gewöhnt habe, daß sie nur mit recht bitterer Empfindung jetzt der Entflohenen gedenken könne.


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