XXXV.Die Ermordung eines Handwerksburschen.
Laßt uns nicht stille stehen, denn geschäftig sindDie Feinde rings, den Weg uns zu verschließen.Schiller.
Laßt uns nicht stille stehen, denn geschäftig sindDie Feinde rings, den Weg uns zu verschließen.Schiller.
Laßt uns nicht stille stehen, denn geschäftig sindDie Feinde rings, den Weg uns zu verschließen.
Laßt uns nicht stille stehen, denn geschäftig sind
Die Feinde rings, den Weg uns zu verschließen.
Schiller.
Schiller.
Sein Erwachen war nicht das angenehmste. Mariane, Sarberg, Eckold, Schöneck und Schickel hatte er unter den Schüssen und Hieben seiner Feinde niedersinken gesehen. Mit Recht mußte er befürchten, daß auch Lehmann, Hentzschel und seine übrigen Vertrauten die blutigen Opfer ihrer wüthenden Feinde geworden.
Auf eine Verbindung mit der Bande durfte er nicht mehr hoffen, nur zu gut kennend den Haß des Welschen und den Einfluß, welchen dieser tückische, gewandte Wohlredner auf die Bande hatte; ja Lips Tullian war überzeugt, selbst von seinen frühern Kameraden, denen er einst das Höchste ihrer Liebe, ihrer Treue, ihres Vertrauens gewesen, dem nächsten Gerichte verrathen oder überliefert zu werden, sobald er wieder zu ihnen zurückkehre.
Nach langer, ernster Selbstberathung bestimmte er sich dahin, seine noch übrigen, in der Felsenschlucht vergrabenen Kostbarkeiten zu sich zu nehmen, nach Wien zu gehen, und dort theils von den Mitteln, die ihm der Verkauf dieser Kleinodien gewähre, theils vom falschen Spiele so lange zu leben, bis sich ihm eine Gelegenheit biete, eine kleine, tüchtige Rotte zu sammeln und an ihrer Spitze den Pfad seiner bisherigen Industrie wieder zu betreten.
Für den Augenblick war ihm eine Kopfbedeckung und ein anderer Anzug das Nöthigste.
Das Glück begünstigte den Bösewicht. Lips Tullian hatte sich kaum von der Quelle entfernt, als er auf einen Fußpfad kam und von ferne einen Handwerksburschen mit hoch aufgepacktem Reisebündel daher kommen sah.
Der Handwerksbursche verrieth durch seine große, kräftige Gestalt eine Körperstärke, mit welcherLips Tullian, vom Blutverluste und dem langen, eiligen Marsche geschwächt, die seinige nicht messen zu können befürchtete.
Durch List mußte das Ziel erreicht werden. Er sah sich bisher von dem Reisenden noch nicht bemerkt. Schnell kauerte er sich unter einem Baume nieder, und begann zu stöhnen und zu wimmern.
Der Handwerksbursche wurde aufmerksam und schritt rascher heran. Als er einen Verwundeten sah, der wie ohnmächtig vor Schwäche und Schmerzen ächzte, fragte der Gutherzige mit recht menschenfreundlicher Theilnahme, ob er einige Hülfe leisten könne.
Lips Tullian bat mit leiser Stimme und den Geberden des Schmerzens und der Entkräftung, ihn nur einige Schritte tiefer in den Wald zu führen, wo er eine Quelle wisse.
Der Handwerksbursche warf seinen dicken, schweren Stachelstock nieder, und reichte Lips Tullian beide Hände, um ihm empor zu helfen. Lips Tullian that, als könne er ohne Hülfe nicht einen Schritt fortwanken. Er ließ sich den Stock geben, stützte sich auf den Handwerksburschen und wankte so mit schleppenden Füßen einige Schritte fort. Jetzt stand er, zog seine Uhr und ließ sie, als hättenseine zitternden Hände nicht mehr die Kraft, sie einzustecken, zur Erde gleiten.
Dienstfertig bückte sich der Handwerksbursche. Im Augenblicke hatte Lips Tullian den wuchtvollen Stachelstock geschwungen, und dem Arglosen solch’ einen mörderischen Schlag auf das Hinterhaupt gegeben, daß er entseelt aufs Angesicht hinstürzte.
Schnell riß Lips Tullian den Mantelsack an sich, fand darin einen fast neuen, vollständigen Anzug, feine Wäsche und manches gute Kleidungsstück. In wenigen Augenblicken war er umgekleidet, und der ganze Anzug paßte ihm vollkommen.
Nun durchsuchte er die Tasche des Todten, fand eine silberne Uhr, einen Beutel mit Geld und eine Kundschaft. Er zog den Ermordeten nackt aus, packte dessen Kleider in den Mantelsack, seine eigenen aber warf er ins nächste Dickicht, hing ihn auf den Rücken und zerschnitt und verstümmelte das Gesicht des Todten auf das Gräßlichste, daß man den Unglücklichen nicht wieder erkenne, vielleicht gar für ihn, Lips Tullian, zu halten veranlaßt werde, da er sich gleich vorgenommen hatte, das Gerücht von seiner Ermordung überall zu verbreiten, um auf seinen Wegen vor der Aufmerksamkeit der Behörden und ihrer Diener mehr gesichert zu sein.
Ungeachtet der Einbruch der Nacht nicht fern war, so eilte er doch nicht auf dem Fußwege fort, der ihn bald würde zu einem Dorfe geführt haben, sondern schlug eine andere Richtung ein, um Orte zu vermeiden, durch welche der Handwerksbursche gegangen sein mochte. —