XXXVII.Lips Tullian und Margarethe in Prag.
Er seine alten Plane aufgegeben?Ich sag’ euch, daß er wachend, schlafend mitNichts anderm umgeht.Schiller.
Er seine alten Plane aufgegeben?Ich sag’ euch, daß er wachend, schlafend mitNichts anderm umgeht.Schiller.
Er seine alten Plane aufgegeben?Ich sag’ euch, daß er wachend, schlafend mitNichts anderm umgeht.
Er seine alten Plane aufgegeben?
Ich sag’ euch, daß er wachend, schlafend mit
Nichts anderm umgeht.
Schiller.
Schiller.
Was noch von den Kleinodien aus dem Raube in dem gräflich Beuchling’schen Palaste zu Dresden Lips Tullian in der Felsenschlucht gefunden hatte, war von großem Werthe, aber Lips Tullian würde es gern tief unter dem Preis dahingegeben haben, hätte er gleich baares Geld dafür bekommen.
Mit einem Reichthume in seinen Taschen, der die Wohlhabenheit einer ganzen Familie hätte begründen können, war Lips Tullian jetzt in der Lage, kaum für sich und Margarethe den nöthigsten Lebensunterhalt beschaffen zu können.
Das wenige Gelt, welches er bei seiner Flucht gehabt hatte, die unbedeutende Baarschaft des erschlagenen Handwerksburschen, und der Erlös aus dem Verkauf der beiden Uhren war in der kürzesten Zeit dahin, denn Lips Tullian aß und trank gern das Beste, und nichts war ihm zu theuer, wonach ihm gelüstete.
Auch mußte er drei Tage in einem Dorfwirthshause bleiben, da Margarethe im muthwilligen Springen über einen breiten Graben den Fuß verstaucht hatte.
Als ein Reisender ohne Kutsche, ohne Gefolge irgend Jemand eine Schnur orientalischer Perlen, einen Ring mit großen Brillanten vom ersten Wasser, ein juwelenreiches Armband zum Kaufe anzubieten, wäre höchst unklug gewesen, da wohl eine strenge Frage würde gedrohet haben, wie ein wandernder Schlossergeselle zum Besitze dieser höchst werthvollen Kleinodien gekommen sei.
So gern Lips Tullian Prag vermieden hätte, so mußte er doch dahin gehen, wohl wissend, daß es dort Leute genug, besonders unter den Juden, gebe, denen er ohne Furcht vor lästigen Fragen seine Sachen anbieten könne.
Zur Bestreitung der Reisekosten wurden nun Kleidungsstücke von Wirthshaus zu Wirthshaus verkauft; Margarethens Reisebündel und sein Felleisen lieferte die Mittel zu manchem leckern Gerichte und mancher guten Flasche Wein. Selbst das Felleisen mußte noch für die Schwelgerei in der letzten Nachtherberge vor Prag hingegeben werden.
Nicht von dem mindesten Gepäcke belästigt, gleichsam wie von einem Spaziergange heimkehrend, schlichen Lips Tullian und Margarethe durch die dunkle Thorwölbung der uralten slavischen Stadt.
Das kleine, verwitterte, dunkle Wirthshaus zum blauen Fuchs, in einer wenig belebten Gasse der Altstadt gelegen, nahm die Reisenden auf.
Unter den vielen Winkelschenken in Prag, wo das Gesindel Zuflucht findet, kannte Lips Tullian aus seinem frühern Aufenthalte den blauen Fuchs als eine vollkommene Raubhöhle, wo in der Zechstube jeden Abend einige recht wackere Bürger sich bei der Flasche, beim mäßigen Kartenspiele und mit traulichem Geplauder vergnügen, während im Hintergebäude ein Paar kellerartige Gewölbe von liederlichen Hausvätern und feilen Dirnen, von verdächtigen Reisenden und lichtscheuem Gesindel belebt sind.
Mit Freude erblickte Lips Tullian in dem freundlich begrüßenden Wirthe den nämlichen, der bei seiner Anwesenheit zu Prag hier die Wirthschaft getrieben hatte, und auch ihn erkannte der Wirth nach einem scharfen Beschauen, sich wohl erinnernd der hübschen Summe, die bei ihm der schmucke Schlossergeselle vergeudet hatte, daher sich der Ankunft des fröhlichen Gastes hoch erfreuend.
Ein traulicher Handschlag verbürgte stillschweigend die Erneuerung sonstiger Vertraulichkeit, und als der Wirth Lips Tullian fragte, wo er sein Gepäcke habe, hätte ihm dieser mit Bias antworten können: „Omnia mecum porto.“ Er verständigte den Frager nur flüchtig, daß sein Koffer nachkomme, und erbat sich mit einem bedeutenden Winke ein apartes Zimmer, in welches ihn nebst Margarethen der Wirth schleunigst führte.
Das Zimmer war recht bequem eingerichtet, der Tisch gleich mit Wein und kalter Küche besetzt, und Lips Tullian nahm sich vor, hier einige Tage nur der Tafel und Ruhe sich zu ergeben, und dann erst den Verkauf seiner Kostbarkeiten zu besorgen, wie auch ein kleines Nebengeschäft zu versuchen, um Prag nicht ohne Gewinn zu verlassen. —
Am andern Morgen erzählte ihm der Wirth, daß er außerhalb der Stadt noch einen kleinenGasthof besitze, wo sich Abends junge, reiche Leute versammelten, um in dem abgelegenen Gartenhause Hazardspiele zu treiben, da diese in der Stadt seit einiger Zeit sehr verpönt seien; übrigens werde dort Niemand zugelassen, für den nicht der Wirth selbst, in Beziehung auf Verschwiegenheit und Spielmittel, Bürgschaft leiste.
Lips Tullian, durch Verkauf seiner Kleinodien im Besitze einer sehr bedeutenden Summe, und von der Lust gereizt, wie in Spaa glänzend zu erscheinen, stattete sich und Margarethe mit Kleidern und Pretiosen aus, in welchen nur Reiche und Vornehme sich zeigen können.
Als Baron Horn mit Gemahlin, im Mecklenburgischen begütert, wurde er der Gesellschaft von dem Wirthe vorgestellt. In den vier Wochen seines Aufenthalts zu Prag besuchte er jeden Abend das Gartenhaus, im Wechsel des Gewinnes und des Verlustes, je nachdem er einen noch ärgern Betrüger als seinen Meister fand, oder ein kluges Benehmen gegen die argwöhnischen Mitspieler ihm Gewinn oder Verlust vorschrieb. Mit einer gewonnenen Summe von 430 Dukaten verließ er Prag.