Der Sklavenmarkt.
Den fühlenden Menschen nimmt nicht leicht etwas lebhafter in Anspruch, als der Sklavenmarkt.
Wie die Welt anfing, zu glauben, daß Gott die Hände und Fäuste nicht derb genug geschaffen habe, womit sie sich plagen und züchtigen könne, entsprangen die Waffen. Diese sind nun die seltsamsten Wappen des Menschenadels. Mit solchen Gedanken betrachten wir die Karbatschen oder Peitschen, die aus der Haut des Nilpferdes gearbeitet sein sollen. Dort werden sie am Eingange eines Hofes verkauft, und deuten den Markt so gut an, als wäre er mit großen Buchstaben überschrieben. Sklaven in einemHofraume, andere in daran liegenden Zimmern, andere hinwieder oben in Kammern und auf einer Gallerie — das ist das Sklavenokel. Die schwarze Farbe, die Blöße der Weiber bis zu den Lenden herab, das müßige Sitzen oder Liegen der Sklaven auf kleinen Gerüsten (egyptischen Bettstellen) oder auf dem Boden befremden den Ankömmling in gleichem Grade. Ich sah keinen Sklaven weinen, manchen lachen und scherzen. Die meisten waren jung; ein einziges altes Weib erblickte ich. Wie ich das erste Mal in den Sklavenmarkt trat, mochten an zweihundert Sklaven zum Verkaufe ausgestellt gewesen sein. In wenigen Tagen waren davon viele aufgekauft. Die Sklavenverkäufer, welche, mit der Pfeife im Mund, wie ein Krämer auf den Käufer mit gespannter Seele harren, verübten vor meinen Augen keine Grausamkeit an den Sklaven. Einer unter ihnen bemühte sich nicht wenig, ein weißes junges Mädchen, die einzige weiße oder doch halbweiße Sklavin, mir aufzuschwatzen.
Mehrere Weiber besuchten den Markt und waren eben im Kaufe begriffen, ohne daß sie die Sklaven berührten. Diese werden zu sehr ungleichen Preisen losgeschlagen; ein junger Bursche etwa zu 50 bis 60 Reichsgulden und ein ausgewachsenes schwarzes Mädchen zu 120 Gulden R. W. Auch dem Europäer wird der Kauf von Sklaven gestattet.Auchererzählt mit Freude oder Reue, was für einen guten Handel von Menschen er getroffen habe. Die Polizei mischt sich nicht ein, welche Laster er an den Sklaven, als seinem Eigenthume, abkühlen würde. Ihr gilt völlig gleich, wenn er zwanzig Sklavinnen, zu jedem beliebigen Zwecke, erhandeln sollte, selbst wenn sie sich schon zum Mohammetanismus bekennen.
Jüngere Sklaven zeigten sich noch in ihrer ganzen Nazionaltracht, wie man bei uns die Wilden abgezeichnet findet. Von einem Gürtel um die Hüften hangen etwa einen halben Fuß lange Fransen herunter. Den Hals schmücken Korallen, darunter weiße, welche mit den weißen Zähnen, und dem Weißen im Auge gegen die schwarze Hautfarbe grell abstechen. Unter den Mohren gab es selten einen mit schlechten Zähnen. Mehrere Sklaven waren über und über blatternnarbig; andere litten an einer Art Krätze, welche man Nilkrätze nennt. Die meisten Weibsleute behielten den Haarputz aus ihrem Geburtslande, so viel ich weiß, Nubien oder Abyssinien. Winzig gerollte und ziemlich lange Locken erwecken eine günstige Meinung; allein der Schmutz widert im höchsten Grade an. Manche trugen die Locken scheitelförmig.
Der häßliche Geruch, welchen das Zusammenleben vieler Menschen begleitet, macht den Sklavenmarkt zu einemwenig einladenden Orte. Die Stiege, welche auf die Gallerie führt, deckt das Garstigste, was der Mensch von sich wirft, in dem Maße, daß man ihm kaum ausweichen kann, sofern man jene ersteigen will. Die Unreinigkeiten würden auf dem Sklavenmarkte wahrscheinlich noch mehr sich häufen, wenn nicht das Interesse wohlthätig ins Mittel griffe. Zuviel Nachsicht schadet der Gesundheit — so studirt man praktisch diehumaniora— und — — kranke Sklaven gelten minder, und todte verderben den Handel ganz. Es sucht doch allenthalben die Natur an der Unnatur sich zu rächen.
Nirgendwo mag man ernster aufgefordert werden, Betrachtungen über Selbstständigkeit und Freiheit des Menschen anzustellen, als auf dem Sklavenmarkte, dort wo nicht die Vernunft über dem Materiellen, sondern das Geld über der Vernunft steht. Für was Anderes wird denn die Vernunft angesehen, als für etwas grobes Wägbares, wenn man so und so viel Gold oder Silber in die eine und die von Gott verliehene Vernunft in die andere Wagschale legt? Da wird das zerknirschte Herz jubelnd dem Schöpfer danken, daß man frei geboren ist, und daß man nicht, wie das Vieh ohne freien Willen, einem Herrschlinge blinden Gehorsam leisten muß. So lange indeß der Sklavenhandel nicht abgeschafft wird, so lange ist unser jubelnder Danknicht völlig ungetrübt von Besorgnissen, so lange ist Niemand sicher vor dem traurigen, wiewohl für die große Mehrzahl von Menschen höchst unwahrscheinlichen Schicksale der Knechtschaft. Sowohl Mitleiden, das man für den Nächsten hegen sollte, als der mögliche Fall, daß man selbst in Sklaverei gerathen könnte, fordern so laut die Verstopfung jener unmenschlichen Erwerbsquelle mit einer Festigkeit, daß sie auf immer versiege.