Der Meeressturm und der Schiffbruch.

Der Meeressturm und der Schiffbruch.

Nun aber hatte Joppe von Natur aus keinen Hafen und keine Anfurt; denn das Ufer war hoch und gähe, auch beiderseits mit krummen und rauhen Felsen, daran das Meer heftig schlägt und brauset, wohl verwahret.Flavius Josephus.Zu beiden Seiten der Stadt Joppe liegen große Steine und Felsen, die aus dem Meere hervorgucken. Die Lage des Ortes und die Gestalt der Sachen zeigen an, daßAndromedahier gewesen und dem Wallfische sei vorgeworfen worden, wie die alten Fabeln glaubwürdig sagen. Wenn der Nordwind gegen das Ufer geht, so treibt er das Wasser über sich, und schlägt es an die Felsen, daß es ein groß Getöse gibt, und daß das Meer davon gar ungestüm wird, wenn die Wasserwellen zurückfallen. Daher ist es viel gefährlicher am selbigen Orte als in den Wüsten.Egesippus.

Nun aber hatte Joppe von Natur aus keinen Hafen und keine Anfurt; denn das Ufer war hoch und gähe, auch beiderseits mit krummen und rauhen Felsen, daran das Meer heftig schlägt und brauset, wohl verwahret.

Flavius Josephus.

Zu beiden Seiten der Stadt Joppe liegen große Steine und Felsen, die aus dem Meere hervorgucken. Die Lage des Ortes und die Gestalt der Sachen zeigen an, daßAndromedahier gewesen und dem Wallfische sei vorgeworfen worden, wie die alten Fabeln glaubwürdig sagen. Wenn der Nordwind gegen das Ufer geht, so treibt er das Wasser über sich, und schlägt es an die Felsen, daß es ein groß Getöse gibt, und daß das Meer davon gar ungestüm wird, wenn die Wasserwellen zurückfallen. Daher ist es viel gefährlicher am selbigen Orte als in den Wüsten.

Egesippus.

Vor meinem Fenster tauchen Klippen aus dem Meere. Schäumend brechen sich die Wellen an den Felsen, selbst bei anscheinender Meeresstille.

In der Nacht des 28. Christmondes weckte mich so lauter Donner, daß der Blitz in der Nähe niedergezuckt sein muß. Den Donner begleitete ein Chor von Geheul der erzürnten See. Wenn die Wogen über die Wehrmauer platschten, bebte unser Gotteshaus. Ich konnte den Schlaf nicht leicht wieder finden.

Endlich leuchtete mir der Tag auf das furchtbar schöne Schauspiel. Der Nordwind wühlte in den Wassern. Wäre von dem Meere, wie von einem Kochkessel, Dampf emporgestiegen, so hätte man sich nicht täuschen können, daß es in Sud gerathen sei. Die Wogen spritzten ihren schaumigen Bogen über Mauer und Gasse, über Schiffe und Häuser. Ich wohnte im Hospiz durch Mauer und Gasse vom Ufer getrennt und über dem Erdgeschoße im zweiten Stockwerke, und selbst am Fenster ereilte mich der Sprengwisch des Meeres.

Auf der Gasse schaukelten die Fässer im Meerwasser. Die griechischen Pilger, sonst jederzeit ziemlich langfingerige Holzaufleser, rafften abgesprungene Reife im Vorbeigehen zusammen. Mußte doch den Christusdurstigen selbst der Sturm behilflich sein. Pflaster- und Mauersteine löseten sich vor der Gewalt. Die Gasse bildete ein Wassergerinne im Augenblicke, da die Woge überschlug. Wer vorüberging, war unsicherer, als unter dem Platzregen. Ehe er sich versah, stand er unter der Meerestraufe. Weiße Flocken flogen zierlich umher — etwa Schneeflocken? Es waren vom Winde zerzettelte Bäuschchen schneeichter Baumwolle. Von einem Hause am Hafen, über dessen Zinne die Wellen gleichsam scherzend hüpften, flüchtete man Waaren. Schon schwamm Wrack. Es war der Fingerzeig, daß es Ernstgelte. Richtig wälzten die Fluthen ein unbemanntes Schiff mit zerknicktem Fockmaste daher. Das Fahrzeug, gleichsam unwillig über die treulose Rhede, riß sich von den Tauen los. Dem Beherrscher der Meere, dem Sturme, zu wohlfeilem Preise überlassen, wippte es sich zuerst unsicher umher, bis es, gegen Mitternacht gleich an der Stadt, am halbmondigen Strande scheiterte. Im Ausfahren aus der Rhede riß indeß dieses Schiff das Tau eines andern ab, welches ohnehin mit genauer Noth sich hielt. Und so kam es, daß bald auch dieses Schiff flott war, nackt, gleich einem entblätterten Baume, doch noch mit einiger Bemannung. Grausig, wie der Anblick einer menschenleeren Brandstätte, war derjenige des erstern entvölkerten Schiffes; beängstigend ist der Anblick eines der Menschengewalt entzogenen und der Willkühr des Windes und Wassers dienstbar gewordenen, unstät umherwiegenden Fahrzeuges, wie der Anblick eines kleinen Kindes, das mit einem scharfen Messer spielt. Die Mannschaft, welche dem zweiten Schiffe vertraute, schien ihre Hoffnung auf den Nordwind zu bauen, welcher nur gegen das Land treiben werde. Wirklich rannte es sich bei der Stadtmauer fest, ohne den größten Schaden zu erleiden, und gerettet waren die Schiffleute.

Auf der Stelle bewegte sich eine Last Leute nach den losgerissenen Schiffen. Eilends mischte ich mich unterdie Menge. Ich sah viel Augen und lauter trockene; die meisten drückten weit mehr Neugierde, als Theilnahme an dem Unglücke aus.

Abends und in der darauf folgenden Nacht wichen der Macht des Sturmes noch drei andere Schiffe. Eines ward mit Wuth ans Land geworfen, und in viele Stücke zerschmettert. NureinSchiff trotzte standhaft im sogenannten Hafen. Der Meeressturm soll seit einem Jahrzehn nie mehr so heftig geworden sein.

Vor einem Jahre ereigneten sich hier ähnliche Unfälle. Ich sprach in Jerusalem eine Deutsche, die, wie sie sagte, einzig durch Zufall ihr Leben davon brachte; manche Habseligkeiten gingen über dem Schiffbruche zu Grunde.

Es wäre vielleicht unschwer, in Jaffa einen Hafen anzulegen. Die Araber kennen freilich den Gemeinsinn, der solche nützliche Einrichtungen ins Dasein rufen würde, nicht mehr, und laufen lieber alle Jahre Gefahr, Schiffe und Leute zu verlieren. Die Reisenden erzählen einstimmig, daß die Menge gescheiterter Fahrzeuge an der phönizischen Küste in Erstaunen und Grausen setze. Wer aber gleichgültig genug ist, für die Gesundheit seines Beines keine Sorge zu tragen, klage denn auch nicht, wenn dasselbe, wegen der Unheilbarkeit, abgeschnitten und mit einem hölzernen vertauscht wird.


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