Gesundheitszustand.

Gesundheitszustand.

Die Witterung übt im Ganzen keinen ungünstigen Einfluß auf die Bewohner. Man sieht viele Graubärte und alte Weiber. Spaß bei Seite, je mehr es alte Weiber in einem Lande gibt, desto gesunder ist es.

Um in den Gesundheitszustand der Jaffaner einzutreten, so sah ich im Todtenbuche der Lateiner und Maroniten nach. Die Kopfzahl der Gemeinde beträgt, wie ich oben anführte, in runder Summe 340. Die Pfarrkinder, unter der Seelsorge des Hospiz, sind beinahe lauter Eingeborne mit all’ der morgenländischen Tracht, Sitten, Gebräuchen, Gewohnheiten, der geistigen und sittlichen Erschlaffung. Obschon das Todtenbuch Manches zu wünschen übrig ließ, indem, statt genauer Verzeichnung des Alters, meist nur eine runde Zahl mit den Worten „plus minusve, circiter“ (mehr oder minder, ungefähr) oder „plus“ (darüber) genannt war, so verdiente es in der Hauptsache doch Vertrauen. Aus der Gesammtzahl der Verstorbenen ließ ich, bei der Berechnung der wahrscheinlichen und durchschnittlichen Lebensdauer, zwei „peregrini“, Fremde oder Pilger, und ebenso einen Erwachsenen weg, dessen Alter nicht angemerkt war. Inden 9 Jahren 1824 bis und mit 1827[7]und 1829 bis und mit 1833 starben 123 Personen, im jährlichen Durchschnitte 13, und im gleichen neunjährigen Zeitraum wurden 155, im jährlichen Durchschnitte 16 geboren. Das wahrscheinliche Leben fällt zwischen 5 und 6 Jahre, und wenn einige, vermuthlich übergangene, Todtgeburten hinzugerechnet werden, so müßte es noch niedriger stehen.

Das höchste Alter (einer Frau) ging auf 84 Jahre. Der lateinische Schullehrer, ein geborner Palästiner, dermich durch verschiedene Mittheilungen über die Sitten und Gebräuche des Landes zu steter Erkenntlichkeit verpflichtete, ist mein Gewährsmann für die Angabe, daß unlängst ein mehr denn hundertjähriger Grieche gestorben sei, und es sollen auch Mohammetaner 120 Jahre alt geworden sein. In diesem Punkte aber darf man nicht schlechthin glauben; denn Verzeichnisse der Todtenbücher gehen ab, und man knüpft die Geburtszeit etwa an eine merkwürdige Begebenheit. Ließ ich in Egypten nach dem Alter eines Kranken fragen, so erhielt ich meist zur Antwort, daß man es nicht wisse.

Die 123 Verstorbenen besaßen zusammen ein Alter von 2873 Jahren, 3 Monaten und 5 Tagen, was einen Durchschnitt von 23 Jahren gibt.

Folgendes ist das Verhältniß der Verstorbenen nach den Monaten:

a) in den 16 Jahren 1808 bis 1823:

Jenner 3; Hornung 14; Merz 2; April 8; Mai 9; Juni 8; Juli 7; August 5; September 11; Oktober 15; November 11; Dezember 7. Summa 100. Jährlicher Durchschnitt 6.

b) in den 10 Jahren 1824 bis 1833 (nebst den zwei Pilgern und dem Erwachsenen ohne Altersangabe):

Die heißesten Monate zeichnen sich in Jaffa durch die Menge der Todesfälle keineswegs aus. Der Jenner erscheint am unschuldigsten; nach ihm der April. Dagegen sind die vier letzten Monate des Jahres die reichsten an Todten; vor allen der Wintermonat, in welchem der Uebergang zu einer kältern Jahreszeit sich besonders merklich macht, und welcher der erste ganze Regenmonat ist.

Im verwichenen Weinmonate herrschte, wie in Gaza, auch hier die indische Cholera, doch richtete sie keine große Verheerungen an, indem ihr bloß 40 bis 50 Opfer fielen. Indeß aber die Pest Jerusalem heimsuchte, litt Joppe nichts von dieser Seuche.


Back to IndexNext