Der Zuckerrohrmarkt.
Niemand in Europa hat die absterbenden Zähne gerne; doch hätschelt man dort die Dinge, welche ihnen das frische Weiß rauben. Oder sind sie, mit Erlaubniß zu fragen, liebenswürdig, die Zähne von der Farbe — geräucherterSchinken und mit den Höhlen, worin die Schmerzen mit Vorliebe wüthen? Ach, wären nur die Zähne durch und durch Schinken, so könnte man sie anschneiden, und mit dem speckweißen Liebreize das ganze Menschengeschlecht entzücken. Allein selbst die Aeuglerin kann sich im dienstfertigsten Spiegel nicht ganz zurecht gucken die tintenen Zähne mit deren malerischen Schluchten, in welchen die balsamischen Quellen der Schmätze entspringen. Es thut mir leid; aber ich kann es nicht ändern.
Es ist zwar nicht der daumensdicke, manneshohe Pflanzenhalm, nicht die binsenartigen, langen Blätter, welche zu drei Fingerbreiten über einander um denselben sich ansetzen, nein, nicht dieses Gras, dieses Zuckergras, dieses Zuckerrohr ist es, welches den Zähnen so viel Verderben bringt, sondern der Saft dieses Gewächses, nachdem er durch Kochen eingedickt und dann geläutert oder raffinirt worden: derZucker.
Sehnlichst verlangte mich, den Vater eines so raffinirten Kopfes und Verwüsters der schönen Welt näher kennen zu lernen. Außer dem Thore der Stadt ist eine Menge frisches Zuckerrohr an einer Reihe ausgebreitet, worum Verkäufer und Käufer wimmeln, unter welch’ letztern ich namentlich Soldaten mit ihren halbschwarzen Gesichtern bemerkte. Ich wollte mich zuerst sattsehen; allein das Sehen nur verschafft nicht sehr viel Vergnügen, weil — es nichts kostet. Dachte ich doch, ich werde den Saft des Rohrs im Munde auch ausziehen können, wenn es Andere mit so vieler Lust thun. Ist man einmal draußen in der weiten Welt, so muß man etwas mitmachen, damit man daheim etwas erzählen kann, hört’ ich so oft schon sagen. Ich kaufte ein Zuckerrohr. Ich biß wohl oben; aber das Süßsalzige mundete mir nicht. Der Zuckerrohrhändler, meinen Fehler gewahrend, warf den obern Theil des Halmes gleich weg, und ich biß in den untern, der besser schmeckte. Ganz rein schmeckte das Süß hart über der Wurzel. Wie aber oben das Rohr weniger rein schmeckt, so schmeckt das unterste, zum Theil in der Erde steckende Glied nach Wurzeligem. Die grüne Pflanze enthält bedeutend viel Saft, welcher, wie im eingedickten und geläuterten, so auch im frischen Zustande, die angenehme, reine Zuckersüßigkeit besitzt. Das Rohr wird so genossen, daß man rohe Stücke in den Mund nimmt, und sie zerbeißt, um daraus den Saft zu verschlingen. Die faserigen Theile werden weggespieen.