Die Fleischbank.
In der Absicht, meinen faden Reistisch zu verbessern, ging ich zur Fleischbank am Marktplatze. Ausgezogene Schafe hingen an Haken. Die herumstehende Menge war so groß, daß man sich, wie bei uns zu den Osterrindern, ordentlich durchdrängen mußte. Endlich öffnete sich eine Lücke am hölzernen Geländer, und ich füllte sie auf der Stelle, von allen Seiten gedrückt, nur von der Bank her nicht. Ein sauertöpfischer Fleischer konnte nicht genug abschneiden und abhauen, so sehr rissen sich die Leute um das Fleisch. Ein Wohlgenährter saß auf seinen Beinen und nahm die Zahlung an. Ein Anderer war damit beschäftigt, die sonderbar geformten Gewichte in die Wagschale zuwerfen und daraus zu nehmen. Bereit lag ein Schreibzeug, eine lange metallene Büchse, welche sonst der Schriftgelehrte vor der Brust zwischen das Oberkleid schiebt, und nicht ohne einigen Stolz einen Theil davon hervorschauen läßt. Man sieht, daß der Fleischverkauf ja auf eine großartige Weise betrieben ward. Schon harrte ich längere Zeit; jetzt wurde ich aber des Wartens überdrüssig. Man hat mich als Fremden und Franken doch zu wenig beachtet. Ich verließ die Schlachtbank.
Um meiner Mißstimmung mit einem Balsam zu begegnen, spazirte ich die Stadt hinaus. Besser, als das saure Gesicht des Schlächters gefiel mir das üppige Grün im Mauergraben, welcher die Stadt in einen Halbzirkel sperrt. Indessen wollte es mir auf dem mohammetanischen Leichenacker auch nicht behagen. Meine Gedanken richteten sich noch immer nach dem übelriechenden Aas, welches in demselben eine Woche früher ein Rudel Hunde mit einer Begierde aufzehrte, daß der Fraß mit Raufhändeln gewürzt wurde. Heute war Alles aufgefressen bis an die größern Knochen; nicht mehr verpestete das Aas den lieblichen Ort, — Dank der einsichtigen, wohllöblichen Gesundheitspolizei — der Hunde.
Ich kehrte um. Vor mir schritt ein Offizier durch das Thor. Die Wache, ein alter Kerl mit einem magern Gesichte, präsentirte unverzüglich das Gewehr. Kaum aber hatte er es zur Seite genommen, als er mit der rechten Hand buckelmachend die Lenden rieb, wahrscheinlich aus Ehrerbietigkeit gegen seine Leibwache.
Umsonst war ich Willens, im Rückwege gegen meinen Fleischer eine recht mürrische Miene aufzupflanzen. Es stand eine andere Fleischbank offen, und ich säumte nicht, mein Glück hier zu versuchen. Ich rief aus voller Kehle, und es half. Unter dem Nachrufe vonhaidientfernte ich mich mit meinem Fleische in fröhlicher Stimmung.
Die Araber, diese klugen Leute, glauben, daß der Fremde ein Strohkopf sei, sofern er, in Beobachtung der Bescheidenheit und des Anstandes, nicht spreche oder, um es genauer auszudrücken, nicht maule. Wenn er nur den Mund spaltet, gleich viel, was er donnere, er wird sogleich ein Gegenstand der Ehrfurcht. Ich machte diese Erfahrung nicht nur dieses, sondern auch andere Male. Kurz und gut, im Nu ward, auf meinen Lärm, mir Fleisch zugewogen.