Die Pilger.

Die Pilger.

Die griechische Kirche liefert am meisten Pilger, nicht nur viel Griechen, sondern auch viel Russen, und die verschiedenen Trachten vergönnen einen ergötzlichen Anblick. Wenn der russische Krieger sein Blut in den Schlachten nicht gespart hat, wenn er schon nicht mehr fähig ist, die Waffe zu tragen; er kehrt doch nicht zur Ruhe zurück, es erwacht in ihm, statt des weltlichen, der religiöse Kampf, und er wallfahrtet nach Jerusalem, um mit seinen Heiligthümern einen Frieden, nicht für das Hienieden, aber für die Ewigkeit abzuschließen. Die Griechen, sogar arme, verlassen ihren heimathlichen Herd, um Gott ihre Dienste anzubieten. Würden sie sonst das Leben mit Kargheit dahinbringen, so scheuen sie die Auslagen für die Wallfahrt und den Aufenthalt nicht. Ich sage ausdrücklich: denAufenthalt; denn die griechischen Priester reichen ihren Pilgern die Nahrung nicht auf Kosten des Klosters. Die Pilgrime müssen, wie verlautet, vielmehr froh sein, wenn ihre Seelsorger sich nicht von ihnen bereichern.

Lateinische Christen unternehmen die Pilgerfahrt ungemein selten. Zu ihrer Beherbergung ist das Kloster des Erlösers bestimmt.Freie Bewirthung, selbst auch für Protestanten, ward großmüthig vom Papste geboten.Unter den abendländischen Pilgern gibt es nicht lauter fromme, sondern auch solche, die von Kloster zu Kloster herumstreifen, und darin gut essen und trinken, damit die auf solche Weise zurückgelegte Prachtreise ihnen am Ende daheim zur Fundgrube eines müßigen Glückes werde. Ich kannte einen solchen Pilger, der durch ganz Palästina ohne einen Reisegefährten zu Fuß herumwandelte. Einen Andern traf ich in Ramle, später auch in Jerusalem. Ein Schlesier, sprach er deutsch. Ich erinnere mich kaum einer schmutzigern Kleidung, als dieser deutsche Gärtner trug. Man muß die Beweggründe zu seiner Reise hören, um den Gehalt des Mannes zu prüfen. Zweimal sei er auf den Tod krank gewesen, und habe zuletzt das Gelübde gethan, das heilige Land einmal zu besuchen. Mit nichts, als mit dem schmutzigen Hemde am Leibe, mit Hosen, einem Rocke, Hute, Halstuch und mit schlechten Schuhen, mit wenigenin Tücher verpackten Habseligkeiten, die er an einem Stocke auf der Schulter trug, durchstrich er das jüdische Land bis auf den Libanon, und zwar ohne Kenntniß des Arabischen oder Türkischen, des Griechischen oder Lateinischen, des Französischen oder Italienischen. Drei Tage hielt er sich in Damaskus auf, ohne den Namen der Stadt zu wissen. Heuchlerisch suchte er mich zu überreden, daß er auf einer abenteuerlichen Nachtreise das Zeugniß vom Kloster des Erlösers verloren habe. Weil ihm die Sprache abging, um sich den Mönchen verständlich zu machen, konnte er mich bewegen, daß ich mich für ihn als Dolmetscher verwendete, und die Patres waren gutmüthig genug, ein zweites Zeugniß auszufertigen. Mich erfüllte ein seltsam Erstaunen, als er mir später erzählte, daß er Alles erlogen habe. Es ist der Nämliche, welcher, nach eigenem Geständnisse, einen österreichischen Reisepaß sich zu erschleichen wußte. Ein Franzose ohne Habe, aber mit einer reichen Lügenzunge, ebenfalls ein Pilger, verwendete all’ seinen Witz, um mich zu betrügen. Der Umstand, daß ich immer schußfertig auf dem Anstande war, machte ihn gegen mich unmuthig und bitter. Solches Gesindel betet unter Kniebeugungen und Bekreuzungen an den heiligen Stellen, wo, nach den biblischen Urkunden,Christusfür die Menschen sein Blut vergoß, und wo sein Leichnam ins Grab gelegt wurde.

Es ist zudem merkwürdig, daß derlei geldentblößte Leute, die sich gegen den Gastfreund mit einem Geschenke nicht erkenntlich zeigen können, am lautesten aufbegehren und die Unverschämtheit am weitesten treiben.

Die Speisen und Getränke sollen in den Klöstern des jüdischen Landes durchgängig sehr gut sein. Vorzüglich rühmt man die Freundlichkeit der Klosterleute auf dem Libanon und ihren köstlichen Wein.


Back to IndexNext