Die Stadt Rhodos.

Die Stadt Rhodos.

Kaum war ich angelandet, als ich einen Scioten traf, der mir in einem Athem seine Schicksale, seine Leiden schilderte. Leidensgefährten leihen einander gerne das Ohr. Er erzählte, daß er, den 5. Christmonat des vergangenen Jahres von Beirut abgereist, wegen der entsetzlichen Stürme erst vor acht Tagen hier anlangte. So schlimm diese Nachricht an und für sich lautete, so sehr durfte ich nun froh sein, daß ich über das böse Wetter in Jaffa verblieb. Ich war doch auf festem Boden und unter trockenem Obdache, und, wenn man so sagen will, auch bei trockenen Mönchen.

Rhodos sprach mich sogleich freundlich an. Ich brachte Gott meinen Dank dar, daß ich den häßlichen Städten Palästinens entronnen war. Die Stadt nebst den einen Büchsenschuß abliegenden, städtisch gebauten Dörfern ist von nicht ganz unbedeutender Größe, und steht dem Umfange nach dem schweizerischen St. Gallen nicht nach.

Die Häuser, mit meistens platten Dächern, sind ziemlich hoch, ihre Mauern gerade, davon manche mit Kalk übertüncht. Die Vorderseite vieler Wohnungen, gleich über den Pforten, schmücken die Wappen der alten Johanniter. Man freut sich hier ordentlich wieder der Glasfenster, von denen Wohnlichkeit entgegenglänzt. Die Kamine ragen als kleineThürmchen hinauf, die eine Pyramidenspitze und auf dieser etwas Spießartiges tragen. Mehr, als neun runde, dünne Moscheethürme steigen empor, und, Abends beleuchtet, goßen sie goldene Säulen über den schwarzen Wasserspiegel des Hafens bis zum — vergangenen Riesenbilde.

Anmerkung.Bekanntlich soll als eines von den sieben Wundern der alten Welt eine eherne Riesensäule desHelios Phöbusam Eingange des Hafens gestanden und als Leuchtthurm gedient haben. Dieser Koloß, woher die Rhodier Kolosser genannt wurden, war nachPliniussiebenzig, nach Andern achtzig Ellen hoch; allein sechsundfünfzig Jahre nach der Aufstellung des Riesen stürzte der Stolz menschlicher Unternehmungen durch ein Erdbeben zusammen. So baut der Mensch mit Zuversicht in die Gegenwart, damit die Nachwelt staune, doch weniger über seine größten Werke, als vielmehr über das Wunder, womit eine andere Hand, als die seinige die Zukunft leitet. Noch die Trümmer wurden bewundert. Wenige vermochten den Daumen des Riesenbildes mit den Armen zu umspannen. Die Trümmer blieben bis zum Jahre 656 n. Chr., da sie an einen jüdischen Handelsmann verkauft wurden, welcher damit neunhundert Kameele belud.

Anmerkung.Bekanntlich soll als eines von den sieben Wundern der alten Welt eine eherne Riesensäule desHelios Phöbusam Eingange des Hafens gestanden und als Leuchtthurm gedient haben. Dieser Koloß, woher die Rhodier Kolosser genannt wurden, war nachPliniussiebenzig, nach Andern achtzig Ellen hoch; allein sechsundfünfzig Jahre nach der Aufstellung des Riesen stürzte der Stolz menschlicher Unternehmungen durch ein Erdbeben zusammen. So baut der Mensch mit Zuversicht in die Gegenwart, damit die Nachwelt staune, doch weniger über seine größten Werke, als vielmehr über das Wunder, womit eine andere Hand, als die seinige die Zukunft leitet. Noch die Trümmer wurden bewundert. Wenige vermochten den Daumen des Riesenbildes mit den Armen zu umspannen. Die Trümmer blieben bis zum Jahre 656 n. Chr., da sie an einen jüdischen Handelsmann verkauft wurden, welcher damit neunhundert Kameele belud.

Die Gassen sind enge und krumm. Ueber denselben wölbt sich an manchen Stellen von einer Häuserreihe zur andern eine schmale Bogenbrücke, jene zu verbinden, und so eher den Schaden der Erdbeben zu verhüten, die, wie sie in den alten Zeiten, z. B. beim Sturze der Riesensäule, ihre Stärke durch Verheerungen ankündigten, so bis auf den heutigen Tag von den Rhodiern gefürchtet werden.

Der Kai ergötzte mich mit seinem feinen Straßenpflaster, das überhaupt in der Stadt sehr schön ist, selbst mit seinen wohlgemeinten Zierereien nicht überall in den Hauptstädten Europens Nebenbuhler findet. Es drängt sich das schneidende Gegentheil auf: In Syrien die elendesten Gassen, in Rhodos reine und zierliche. Die Pflaster sind wohl eine der Hauptzierden und ein Ehrenpunkt bei den Rhodiern. Man betritt sogar hübsch gepflasterte Landwege. Man hat Ursache, das Lob, dasSalomo Schweiggervor drittehalb Jahrhunderten dem Pflaster spendete, vollkommen zu bestätigen. Die Bassar sind schön, gewiß schöner, als viele der unsrigen, aber nicht sehr belebt. In einigen Gassen frohlockt als ein Siegeszeichen der Christenfeinde eine Gruppe sehr großer Steinkugeln, die von den türkischen Erobern hereingeschleudert worden.

Die Stadt wird von einer mehrfachen Mauer und einem doppelten Wallgraben umzingelt. An den sehr starken Thoren, wie an andern Theilen des Festungswerkes, sind die Spuren der alten christlichen Machthaber, der Johanniter-Ritter, noch nicht ausgelöscht. So erblickt man über den Thoren Kreuze, welche den Verehrern des Halbmondes wenig Anstößiges darzubieten schienen. Wie bald würden manche Christen Mond und Sterne zerstören, sobald sie ein Mond- und Sternland unter ihre Botmäßigkeit gebracht hätten. Ich sah über einem Thore, selbst in halb erhabener Arbeit, das Bild eines Mannes, wenn ich nicht irre, des ApostelsPaulus. Ich verwunderte mich um so lebhafter darüber, als bekanntlich sonst der Islam die Erzeugnisse der bildenden Künste nicht duldet.

In und bei der Stadt bewegen sich mehrere Windmühlen; eine neben einer großen, in den Felsen geteuften uralten Zisterne.


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