Kleine Petschaften oder Siegel.
Kleine Männer haben gerne große Schriftzüge und große Petschaften oder Siegel. Sie wollen ihre Neigung, größer zu werden, auch darin nicht verleugnen, daß sie ein hohes I-Tüpfel auf den Kopf und eine lange Semikolonkurve unter die Füße hinmalen. Die Beobachtung ist mit nichten gesucht. Sie wird sogar ohne den Scharfsinn möglich, welchen ein Ornithologe, wie ich neulich las, im Ernste an diesem und jenem Vogel hervorhob. Und ich? — wußte noch niemals, daß ich Scharfsinn besitze. Jetzt freue ich mich natürlich der glücklichen Entdeckung, den Fall vorausgesetzt, daß die Herren Ornithologen einen Menschen den gefiederten Thieren nicht unterordnen.
Lasset uns aber die Beobachtung einmal näher würdigen. Wir drückten vielleicht das Petschaft oder Sigill zu stark auf.Quod valet de toto, valet quoque de singulo, sagt die Universitätsfibel. In Egypten und Palästina fand ichdurchwegsauffallend kleine Petschaften oder Siegel, wovon zwei etwa ein abendländisches geben würden. Also gilt mein allgemein aufgestellter Satz nicht von diesen Ländern insbesondere. Wie ich zum ersten Male in Alexandrien den kleinen Fleck auf dem Amtspapiere erblickte, glaubte ich, es wäre ein Spaß, und ich schmunzelte bei mir selber, so viel man immer über etwas Amtliches schmunzeln darf. Bisher hielt ich, als guter Abendländer, das amtliche Ansehen für unzertrennlich mit einem großen Siegel oder einem grandiösen Stempel, und in der Erste schien mir die egyptische Regierung gerade um das minder werth, als das Siegel, gegen einem europäischen Amtssiegel, kleiner war. Auch mit solchen Begriffen verläßt man das gescheute Franken-Land.
Noch mehr. Sogar das kleine egyptische Regierungssiegel hatte eine unnütze Größe. Wie kann das sein? Ich bekam in Großkairo einen gestempelten Thorschein; allein keine Zunge bekümmerte sich darum, weder am Thore, noch in und über der Wüste, und, außer dem meinigen, sah kein Auge den Stempel. Sollten etwa die Europäer auch so unnütze stempeln, es ginge bei ihnen so gewiß, als zweimal zwei vier machen, mehr verlustig, und der Vortheil fiele offenbar auf die Seite der Egypzier; man versteht mich — der Vortheil oder Gewinn, weniger zu verlieren.