Meine Lebensart.

Meine Lebensart.

Meine Lebensart würde nicht jeder Europäer gepriesen haben. Ich kam in die römische Fastenzeit. Die lateinischen Mönche aßen nichts, als Brot, Kräutersuppen, Hülsenfrüchte, Gemüse, Fische, Oelbeeren u. dgl. Zudem dürfen diese Speisen nicht mit Butter oder Schmalz, sondern sie müssen mit Oel abgekocht werden. Das wäre allerdings eine engherzige und harte Vorschrift für Bewohner von Ländern, wo das Oel selten und theuer, die Butter hingegen im Ueberflusse und zu wohlfeilem Preise zu haben ist. Uebrigens wird von Kundigen die Thatsache nicht bestritten, daß das Pflanzenfett weniger reizende Eigenschaften besitzt, als das Thierfett, wie: die Butter.

Die magere oder Fastenkost (il magro) eignet sich, beim Lichte betrachtet, in der That, die sinnlichen, d. h., die thierischen Gelüste des Menschen abzutödten, mithin die Weltüberwindung eher in den Kreis der Möglichkeit hereinzuziehen. Wundern muß man aber sich, daß der gemeine Genuß des Weins, welchen die strengste Diät, wie die mohammetanische Rechtgläubigkeit verbietet, und welcher schon so manche Sünde veranlaßte, im römischen Fastenspeisezettel einen Platz behauptet. Gibt man nun auch zu, daß man mit dem Fastenden Zweck der Weltüberwindung näher oder minder nahe erstrebt, so darf man darum auf der andern Seite das Nachtheilige nicht verschweigen, daß es hier und da den Zunder zu Krankheiten legt, nicht bloß, wenn auch vorzüglich bei den Griechen, wie wir schon oben in Gaza vernommen haben, sondern auch bei den Lateinern.

Da ich von einer Unpäßlichkeit immer nicht hergestellt ward, so unterwarf ich meine Ernährungsweise der ernstesten Prüfung, deren Ergebniß war, daß ich anfing, die Ursache meiner Nichtwiedergenesung in der Fastenspeise zu suchen. Ich sann auf Abhilfe der magern Kost. Auf meine der Gesundheit geltenden Gründe erlaubte mir der Pater Superior mit aller Bereitwilligkeit, was ich wollte; bloß eine Kleinigkeit fehlte, nämlich der Koch vollführte nicht. Ich wünschte unter Anderem Milch. Ich wendete mich deswegen an den Pater Superior, an den Koch, an den KonsulDamiani, an den Schulmeister der Maroniten, an einen Italiener, dem ich empfohlen war, und der sie täglich trank, — ich goß nur Wasser ins Meer. Schienen die Einen vergeßlich zu sein, so war die Vergeßlichkeit in der That eine milde und tröstliche im Gegenhalte derjenigen des KaisersKlaudius, der Viele dem Tode überlieferte und einen Tag nach der Hinrichtung sie wieder zu Tische und zum Spiele einlud.

Zwei Tage aß ich freiwillig nichts, als Brot und im Wasser gekochten Reiß, ohne Oel, ohne Butter, ohne Salz, kurz, ohne eine Zugabe; Wasser diente als Getränke. Besorgt endlich für meine bevorstehende Seereise bei dieser entkräftenden Nahrung, ging ich zu Markte, verschaffte mir ein Huhn, und so wurde mir nach Belieben gekocht. Ueberdies kaufte ich Butter und Honig, — und Brot, Butter und Honig auf einander schmeckten mir eben so köstlich, als einst auf den Kindsbeinen, wenn ich diesen Leckerbissen aus der freigebigen Hand meiner alten Großmutter empfing.

Indessen würde man sich um die jaffanische Butter, neben der vorarlbergischen und schweizerischen in der Gebirgsgegend, schwerlich reißen. Wer leicht Ekel empfindet, isset sie nicht. Sie sieht schmutzig aus, und die Haare sind in solcher Menge in sie geflochten, als wäre es mit Fleiß geschehen, damit sie nicht von einander falle. Dessen ungeachtet schmeckt die Butter nicht übel, einzig etwas säuerlich, keineswegs aber ranzicht. Sie wird auf dem Markte feil geboten. Ein Verkäufer hatte einen hohen, unordentlich gekneteten Haufen auf dem Teller. Zum Zeichen meiner Kauflust streckte ich ihm einen Piaster dar. Gleich ergriff er die kupferne Schalenwage, krabbelte mit den ausgebreiteten Fingern flink von der Butter, wog ab und ich bekam, nackt von Hand zu Hand, mehr, als ich erwartete. Ich vergesse nicht, beizufügen, daß der Verkäufer ein Mohammetaner war. Wäre er ein morgenländischer Christ gewesen, ich würde wahrscheinlich minder erhalten haben. Ich muß dieser Vermuthung an der Fackel einer neuen Thatsache leuchten. Beim Einkaufe des Mundvorraths sah ich mich um Zwieback um. Der käufliche aus Zypern ist sehr gut: kleine, runde, etwa zwei Daumen dicke Brote, oben mit fünf Punktirungen. In einer Bude, in die ich zufällig trat, machte man das Anerbieten, mir sogleich Zwieback zu holen. Die Leute in der Bude benahmen sich mit so vieler Artigkeit, daß sie mir Zutrauen einflößten; sie bezeugten auch Freude darüber, daß ich ein Christ, und zwar kein griechischer sei. Sie forderten für eine Ocke drei Piaster. Wirklich kaufte ich sieben Ocken. Nach dem Kaufe fragte ich gelegentlich vor den mohammetanischen Buden.Keiner verlangte mehr, als drittehalb Piaster.Der Abendländer erzählt mit Schmerz eine solche Thatsache, die einen so auffallenden Unterschied zwischen Christen und Moslim herausstellt.

Honig findet man in einigen Buden. Man bewahrt ihn in einem enghälsigen Kruge, schöpft ihn mit einem hölzernen Löffel, und wägt ihn auf der Schalenwage. Zuerst, um eines kleinen Versuches willen, legte ich ein Kohlblattauf meine Hand, und begehrte für wenige Kreuzer. Ein Mohammetaner wies mich ab. Ein Anderer weigerte sich Anfangs, später aber deutete er mir, daß ich, weil ich mit keinem Gefäße versehen war, die Hand recht hohl machen solle. Als in der Folge für sieben bis acht Kreuzer (R. V.) eine Achtelsmaß (ein halber Schoppen) Honig in mein Trinkglas gewogen wurde, konnte ich mir leicht erklären, warum der erste Mohammetaner an mich keinen verkaufen wollte; denn für das Geldstück, das ich ihm zeigte, würde mir mehr gehört haben, als ich hätte versorgen können. Der Honig, wenn auch ein wenig trübe, schmeckt gut.


Back to IndexNext