Nach Jaffa am Mittelmeer.

Nach Jaffa am Mittelmeer.

Abermals allein gereist; der Regen des heiligen Landes behagt mir nicht; Beschwerden vom Reiten her; ein Araber, der ein Huhn verloren, redet mich auf italienisch an; Nachts in Ramle;Clausura per le donne, quoiqueundparceque; durch die Ebene Saron mit nassem Sack und Pack; bald in Jaffa.

Abermals allein gereist; der Regen des heiligen Landes behagt mir nicht; Beschwerden vom Reiten her; ein Araber, der ein Huhn verloren, redet mich auf italienisch an; Nachts in Ramle;Clausura per le donne, quoiqueundparceque; durch die Ebene Saron mit nassem Sack und Pack; bald in Jaffa.

Freitags den vierten Christmonat schied ich von Jerusalem. Den Rückweg bis Ramle kennen wir. Ich bemerke bloß ein paar Dinge:

Ich reiste abermals allein, nach der goldenen Regel: Lieber keine, als eine schlechte Gesellschaft. Ein Franzose, dem ich mich anheischig machte, die Reise nach Jaffa zu bezahlen, wenn er die Merkwürdigkeiten Jerusalems mirzeige[4], sollte zwar mitreisen; weil er aber ein Trunkenbold und ohnehin ein unzuverlässiger Mann war, so zog ich vor, ihn vorangehen zu lassen. Daher kam es, daß ich über das Gebirge bloß einen Araber, den Führer, zum Gefährten hatte.

Erst gegen eilf Uhr Mittags verließ ich das Neuhaus, nachdem ich den Führer lange umsonst erwartet hatte. Daraus erwuchs mir der Nachtheil, daß gerade schlimme Witterung sich einstellte, die sich während des ganzen Zuges über das Judengebirge wirklich sehr unordentlich aufführte. Der Regen goß in Strömen hernieder, indeß dann und wann der Nebel in seiner gespenstergrauen Farbe herumschlich. Einmal wollte ich mich gerade in einer tiefen Gebirgsschlucht trocken decken. Ich entfaltete den Polster, auf dem ich saß, um mich in denselben, wie in einen Mantel, zu hüllen. Naß, müde, ja halb krumm unter der Regentraufe und für den Augenblick der Besinnung gleichsam bar, legte ich den durchnäßten Deckmantel, den ich bisher trug, auf den Sattel. Nun wurde ich natürlich auch da, wo ich bis jetzt trocken blieb, benäßt. Um das Maß der Unannehmlichkeiten zu füllen, trat noch ein anderer übler Umstand hinzu. DerSattel des Thieres war ungebührlich breit und überhaupt schlecht, so daß mein rechtes Bein roth und blau sich rieb[5].

Von der Bergreise will ich noch eine Begebenheit berühren. Es kamen Araber entgegen, welche mit Hühnern beladene Esel vor sich hin trieben. Einer derselben fragte mich auf italienisch, wie viel Uhr es sei. Ohne anzuhalten, antwortete ich:Non sò(ich weiß es nicht). Ich möchte mich für den Verdacht nicht bestimmt erklären, daß der Fragesteller gerne meine Uhr gesehen und als gelegene Beute mitgenommen hätte. Verdacht wäre sonst um so gegründeter, als die Uhren oder die Werkzeuge zur Zeitmessung unter den Arabern, insbesondere unter den Beduinen, als eine große Seltenheit gelten, weil sie das Bedürfniß künstlicher Zeitmessung in ihrem, dem Naturzustande nahe stehenden Leben bereits gar nicht fühlen. Schon waren die Araber wenige Schußweiten von uns entfernt, als ich ein Huhn, unzweifelhaft einen verlorenen Theil der Ladung, am Wege daliegen sah. Ich war im Begriffe, die Araber, als die höchst wahrscheinlichen Eigenthümer, zu rufen; allein der Grund überwog, den verdächtigen Burschen nicht gleichsam die Hand zur Rückkehr zu bieten, und mein Führer unterließ beides, zu rufen und das Huhn für sich aufzuheben.

Kaum recht aus dem Gebirge, kaum die Ebene von Ramle vor den Augen, und die Nacht ließ ihren dunkeln Vorhang vor mir, dem bis auf die Haut Durchnäßten, fallen. Mich fror es inzwischen nicht eigentlich; denn die Witterung, auf den Bergen und dem Niederlande so verschieden, wie dort Tag und hier Nacht, war jetzt lieblich, gleich dem milden Blicke unschuldiger Kinder. Ein Regenbogen beim Mondesscheine (erstes Viertel) entzückte mich zum ersten Male.

Ich langte wiederum Nachts in Ramle an. Ich nahm schon deswegen die Einkehr im lateinischen Hospiz, weil ein Theil meines Gepäckes dort zurückblieb. Es wäre ungerecht, wenn ich das Nachtessen tadeln wollte; aber zur Schmeichelei werde ich ebenso wenig hinunterkriechen, daß im Hospiz Reinlichkeit an der Tagesordnung sei. Bei uns speiset mancher Bettler mit einem saubern Löffel, mit einem reinern Messer und einer gefälligern Gabel, als der Reisende in diesem mönchischen Gasthause. Ueber einem Gange steht, wie im Erlöserkloster zu Jerusalem, in italienischer Sprache geschrieben (clausura per le donne), daß den Frauen der Eintritt verboten sei. Ganz wohl; denn dieunreinlichen Männer müßten sich vor den Weibern schämen, die in der Küche nach einem bessern Geschmacke sich einzurichten wissen.

Den 5.

Mit nassen Hand- und Druckschriften im Felleisen und selber noch nicht in trockenen Kleidern, setzte ich, bei guter Witterung und in Gesellschaft eines Militärinstruktors, eines italienischen politischen Flüchtlings, den Weg fort nach Jaffa durch eine ausgedehnte Ebene, die Saron, welche mit dem Brautgewande des Lenzes geschmückt war. Man erblickt die Küstenstadt schon in einer Stunde Entfernung von einer sanften Anhöhe aus, wodurch die Saronebene beinahe nichts Nennenswerthes an ihrer Einförmigkeit verliert. Gleichsam zur Entschädigung dafür belebt vor den Mauern der Stadt den Ankömmling der angenehme Geruch üppiger Gärten, worin Goldäpfel die Bäume beschweren. Vor Mittag schon ritt ich durch das Thor von Jaffa.

Von Gaza bis Ramle sind zwölf Stunden zu Fuß, von Jerusalem bis Ramle ebenso neun Stunden und von hier bis Jaffa viertehalb Stunden.


Back to IndexNext