Vorbereitung zur Abreise.
In Jaffa hatte ich zwei Stunden früher Tag, als die Leute in meiner Heimath. Ich saß oft am hellen Morgen mit der Feder am Tische, indeß sie im finstern Zimmer — zweifelsohne schliefen. Ungeachtet dieses heitern Glückes wollte ich nicht länger im alten Kanaan weilen; ich sehnte mich immer heißer nach — der Morgennacht meines Vaterlandes.
Es war nun meine Abreise gewiß. Man zimmerte, freilich erzlangsam, mehr und mehr sturmbeschädigte Kähne zurecht, um die Befrachtung unseres Schiffes zu fördern. O freudige Aussicht für mich, der ich länger denn fünf Wochen auf günstige Witterung für die Abfahrt hoffte und harrte. Wiewohl in Jaffa, Kaifa, Akre, Said und Beirut achtzehn Schiffe durch den letzten Sturm losgerissen oder zerschmettert wurden, so bemächtigte sich dennoch meiner nicht die mindeste Bedenklichkeit, dem Winde und Wasser mich anzuvertrauen. Mein Hauptmann hatte ja sein Schiff gerettet, und wie hätte ich zu ihm nicht Zuversicht fassen sollen. Auch rechnet heiße Sehnsucht nicht mit dem Griffel der Aengstlichkeit.
Ohne Zahlung zu leisten, konnte und wollte ich billigerweise nicht abreisen. Ich darf versichern, daß die Patres nichts weniger, als unfreundlich wurden, so oft sich mein Geldbeutel öffnete. Ich hielt für gerathener, kurze Zeit nach meiner Ankunft mich mit denselben zum Voraus über Kost und Wohnung förmlich einzuverstehen. Die Zahlung dafür war, nach der VersicherungDamianis, ziemlich stark; ich habe indeß keine Ursache zur Unzufriedenheit. Es mag aber vielleicht befremden, daß noch Keiner mit größerer Strenge meine Goldstücke untersuchte und erlas, als der Präsident (Pater Superior)Martin; fast alle von ihm ausgeworfene Stücke brachte ich an, die einen vollzählig, die wenigen mit sehr geringem Verlust. Mehr noch stutzte ich, als nach der Räumung meiner Zelle, gleich vor der Abreise, der Superior mit dem langfädenen Kohlenbarte sogleich spähend in dieselbe trat, vielleicht in Kraft des von ihm unter dem 11. Jenner mir ausgestellten Zeugnisses, „daß ich musterhaft gelebt habe.“ Ich erwähne solches nicht, um meinem Herzen gegen Ordensleute, als solche, Luft zu machen. Ich liefere nachgerade den schlagendsten Beweis dadurch, daß ich Alles nachtragen werde, was ich von den Patres Rühmliches weiß. Ich setze dabei voraus, daß man die Vorurtheile, welche die Spanier in ihrem Vaterlande einsaugen, kenne, und daß man Niemanden ein gewisses Mißtrauen gegen dieFranken im Allgemeinen verübele, weil durchschnittlich lockere Abendländer vom Schlage der Glücksritter in Syrien sich herumtummeln. Der Deutsche, dessen ich oben gedachte, wurde weit schlimmer behandelt, als ich, ob er gleich sich für einen guten Katholiken ausgab, und die Messe alle Tage barfuß anhörte. Er bewohnte ein schlechtes Zimmer, welches dem Winde und Regen nicht ganz zu wehren vermochte. Seine Bettdecke war feucht und schmutzig. Es ist der Welt Brauch, die Leute so zu empfangen, wie sie entgegenkommen. Auch reichte man ihm schlechtere Nahrung, als mir. Diese Behandlung wirft zwar allerdings im Grunde kein vortheilhaftes Licht auf die Patres; allein es erhellt daraus dochdasGünstige, daß dieselben hier gar keinen Unterschied der Glaubensbekenntnisse berücksichtigten. Ueberdies legte man mir seit dem oben berührten Strauße nicht das geringste Hinderniß in den Weg. Als ich mich, zum Zeichen, daß ich den Sonntag der Christen ehre, gegen den Pater Superior äußerte, ich wolle während der Messe mich in die Kirche begeben, erwiederte er: Thun Sie, was Sie wollen. Mit dem FraterEmanuellustwandelte ich nach jenem Wortwechsel mehr, als einmal, und half ihm für unsere Küche Spargeln suchen, die in der Umgegend von Jaffa wild wachsen. Ich kann zum Ueberflusse beifügen, daß die Ordensmänner sehr viel Zeit mit Beten hinbringenund, so viel ich bemerkte, ein durchaus sittliches, eingezogenes Leben führen.
Den Reisepaß holte ich, ohne ihn unterschreiben zu lassen. Von einem Konsulate, das mich nicht schützen konnte, wollte ich keine Unterschrift.
Mit dem Schiffshauptmanne war die Uebereinkunft getroffen, daß ich die Lebensmittel selbst mir anschaffen müsse. Ich kaufte einen Vorrath von Aquavit, Kaffee, Zwieback, Reis, Zucker, Zitronen, Pomeranzen, Fleisch, Hühnern und Durra, letzteren zur Fütterung dieser Hausthiere. Schon aber im Hospiz aß ich wegen der schmalen Fastenbrocken oft vom Zwieback. Weil der Hauptmann auf Einschiffung drang, so übertrug ich den Ankauf von Hühnern einem fränkischen Knaben, welchen ich dazu mit dem nöthigen Gelde versah. Er kehrte nicht wieder, und ich mußte selber zu Markte gehen. Auf dem Rückwege erwischte ich den losen Jungen in der lateinisch-maronitischen Schule; meine Piaster waren unter den Aermeln verborgen. Fast zu oberst am Kai besitzt die Stadt das einzige Schenkhaus, wo man Aquavit, Wein und kalte Speisen bekommen kann.