ACHTUNDZWANZIGSTES KAPITEL

ACHTUNDZWANZIGSTES KAPITEL

KLIMA UND SEUCHEN IN MAZEDONIEN

Wie auf die Tier- und Pflanzenwelt, so hat das Klima eines Landes auch auf den Menschen einen starken Einfluß. Und vor allem macht sich die Wirkung eines ungewohnten Klimas sehr bemerkbar, wenn größere Bestandteile eines Volkes plötzlich in ein Klima versetzt werden, das stark von dem ihres Heimatlandes abweicht. So hatten denn deutsche Soldaten an den verschiedenen Fronten sehr unter Klimaeinflüssen zu leiden. Und gerade in Mazedonien galt das Klima bei unsern Truppen als besonders ungesund.

Das ist nun in dieser Verallgemeinerung unrichtig. Allerdings brachte es für unsere Soldaten manche Überraschungen. Ganz anders als in Italien oder Südfrankreich war der Gegensatz zwischen Sommer und Winter in Mazedonien außerordentlich groß. Während im Hochsommer Temperaturen bis 42° C im Schatten auftraten, in Kaluckova z. B. im Juli und August regelmäßig solche von 35-40° C gemessen wurden, sank das Thermometer im Dezember und Januar nicht selten auf -10° C, ja es wurden gelegentlich selbst im Flachland Temperaturen von -23 bis -28° C gemessen. Das sind ungeheuere Gegensätze.

Wie kommt es nun, daß dieses Land ein so ganz anderes Klima besitzt als Süditalien und Sizilien, mit dem es unter gleicher Breite liegt. Das ist durch den Einfluß der Nachbarländer bedingt. Das heitere Wetter, der andauernd blaue Himmel desSommerssind bewirkt durch den Einfluß des subtropischen Hochdruckgebietes, welches über das Mittelmeer bis zum Balkan sich ausdehnt. Dazu kommt aber die Einwirkung der stark erhitzten Landflächen Vorder- und Südasiens. Diese erzeugt vor allem die Regenarmut und Dürre. Sie hat auf den Hauptteil Mazedoniens einen stärkeren Einfluß als das ferner gelegene Meer.

Das macht sich auch imWinterbemerkbar. In dieser Zeit ist das ganze Mittelmeergebiet dem subtropischen Einflußentzogen. So herrscht wie in jenem auch in Mazedonien regnerisches Wetter und Wolkenbedeckung vor. Sehr oft macht sich aber dann die innerasiatische Kälte bemerkbar, dann fallen eiskalte Nordwinde in das Land ein, dann tritt Schneefall ein und sinkt die Temperatur oft sehr tief.

So entstehen jene Kontraste, welche die Tier- und Pflanzenwelt beeinflussen und unter denen unsere Soldaten so sehr zu leiden hatten, weil sie sich gegen sie zunächst nicht zu schützen wußten.

Im allgemeinen kann man die Jahreszeiten in Mazedonien folgendermaßen charakterisieren. Der Sommer ist sehr heiß und trocken; sonniges Wetter herrscht von Mai bis Oktober unter Luftströmungen, die in der Hauptsache von NW nach SO gerichtet sind. Gewitter kommen nicht selten vor, sind aber meist durch geringe Regenmengen ausgezeichnet. Ende September bis Anfang Oktober beginnt derHerbst, der durch kalte Regen, und zwar mit großen Regenmengen auffällt. In dieser Zeit strömen große Wassermassen die Berge herunter, die Hauptarbeit an den Schluchten wird geleistet, Überschwemmungen treten ein. Im Dezember tritt gewöhnlich derWinterein, der in der Hauptsache vom Januar bis März dauert. Starke Schneefälle und tiefe Temperaturen sind für ihn charakteristisch.

DerFrühling, der meist erst Anfang April beginnt, nicht selten aber früher schon Vorstöße macht, ist eine schöne Jahreszeit auch in Mazedonien. Der April kann noch recht kalt sein. Er ist die Zeit der prachtvollen Wolkenbildungen, die auch im Mai und Juni die Landschaft wunderbar verschönen. Auch im Lenz bringen starke Regengüsse nicht selten Überschwemmungen. So haben wir also zwei Regenperioden im Jahre; der Frühling ist aber keine eigentliche Regenzeit, diese ist vielmehr der Herbst.

Das ist das Klima, wie es sich hauptsächlich in den Ebenen und im Hügelland darstellt; in den Gebirgen herrscht dagegen ein Klima, welches vollkommen demjenigen Mitteleuropas gleicht, also für unsere Truppen sicher gesund war. Aber dennoch gab es in Mazedonien, unabhängig von Klima und Temperaturen, Regionen, die man gesundheitlich als gut und als schlecht bezeichnen konnte. Berüchtigt als ungesund waren die größeren Städte, wie Üsküb, Veles, Prilep u. a. und ebenso die Sumpfgebiete an der Front. Als Regionen mit besonders viel Krankheitsfällen wurden viel genannt der Doiransee, die Gegend bei Bogdanci und Negorciam Wardar, der Prespasee. Dazu kamen die Übernachtungsquartiere der Urlauber, was ich im nächsten Kapitel fürDrenovoerklären werde (S. 470).

Quartiere in Höhenregionen von 800-1200 m waren gesundheitlich günstiger als solche in der Ebene. Das hing insofern indirekt mit dem Klima zusammen, als in den kühleren Gebieten die Landeseinwohnerschaft von Seuchen weniger verfolgt war. Vor allem war aber für gewisse Krankheiten von größter Bedeutung, daß in der Höhe die sie übertragenden Insekten nicht vorkommen. Wir werden das unten bei den Malariamücken und denPappataccizu besprechen haben.

Sicher spielten für die Gesundheitsverhältnisse bei unseren Truppen die Quartierverhältnisse eine große Rolle. Wir Deutsche sind gewöhnt, unser Klima in guten, dicht gebauten, im Winter heizbaren, im Sommer kühl zu erhaltenden Häusern zu ertragen. Das fanden wir in Mazedonien nicht vor. Die vielfach baufälligen primitiven Häuser waren im Winter sehr kalt; wie oft mußten unsere Soldaten in ganz primitiven Hütten, in Baracken und Unterständen hausen, in denen man nicht warm bekommen konnte.

Das war besonders in den ersten Jahren der Besatzung schlimm. Da gab es in den Häusern keine Heizöfen, Heizmaterial war kaum zu beschaffen. Der Nachschub für diese Dinge war ganz besonders schlecht. Nicht besser war es im Sommer, wo ein Schutz gegen die Hitze ebenso notwendig gewesen wäre. In den letzten Jahren des mazedonischen Feldzuges hatte man wenigstens in den Lazaretten im Winter für Heizung, im Sommer für berieselte Zelte und für kühle Steingebäude gesorgt. Ich habe in verschiedenen Kapiteln darauf hingewiesen.

Aber in den Quartieren konnte durchaus nicht überall für erträgliche Verhältnisse gesorgt werden. Jeder suchte sich zu helfen so gut es ging, und so wetteiferten unsere Soldaten mit den Bulgaren im Raubbau am Holz. Wie viele verlassene Dörfer wurden nur wegen des Holzmangels zerstört, wie viel hunderttausend Bäume, die sich Mazedonien noch erhalten hatte, fielen der Holznot zum Opfer. Auch in ganz Mitteleuropa hat ja die Kohlennot die Ausbreitung von Krankheiten ganz enorm befördert. Wie mußte das erst in einem Lande wie Mazedonien der Fall sein, wo so viel Einflüsse die Widerstandsfähigkeit der Körper herabsetzten.

Was aber für die Ausbreitung vonSeuchenbesonders gefährlich war, war die Zusammendrängung vieler Menschen in gewissenGebieten des Landes. Nicht nur die Menge der einquartierten Soldaten, auch die Zivilpersonen, welche von den Fronten sich geflüchtet hatten, die vielen Menschen, deren Gewerbe und Handel sie an die Soldaten ketteten, sammelten sich in den größeren Städten und Lagern an. Wo die Menschen dicht beieinander sitzen ist die Übertragung und Ausbreitung von Seuchen besonders begünstigt. Das wurde in Mazedonien, ähnlich wie in Polen, in Rußland, in der Türkei besonders schlimm durch die Vernachlässigung der Wohnungen, den Schmutz in den Häusern, in den Dörfern und Städten, durch die Primitivität in hygienischen Verhältnissen, den Mangel an reinlichen Aborten, an Wasserleitungen, an Kanalisierung usw.

Dazu kam auf dem Balkan als besonders erschwerendes Moment die Masse desUngeziefersin den Wohnstätten der Menschen und an ihrem eigenen Körper. Jeder Balkankrieger wird mit Grausen an die Flöhe und Wanzen denken, die dort in jedem Bauern- und Bürgerquartier in Massen über ihn herfielen. Ganz besonders schlimm war dieWanzenplage. Ein wirklich wanzenfreies Quartier gab es in Mazedonien überhaupt nicht. Dem General ging es da nicht besser als dem Landsturmmann und dem Burschen.

Ein Erlebnis wird mir unvergeßlich bleiben und ich möchte es als besonders charakteristisch schildern. Eines Abends saß ich beim Oberbefehlshaber der 11. Armee, General vonSteuben, mit den Herren seines engeren Kreises in seinem Salon bei behaglichem Gespräch. Es war ein einfaches Zimmer, die Wände mit Teppichen behängt. Plötzlich trat eine Stockung im Gespräch ein, aller Blicke waren krampfhaft auf mich gerichtet. Auch ich schwieg und überlegte mir, ob ich wohl eine taktlose oder törichte Äußerung getan hätte oder was sonst passiert wäre. Da bat mich der General, mich einmal umzusehen und als ich das tat, sah ich an der Wand hinter mir eine Karawane von 20-30 Wanzen in langer Reihe auf mich losmarschieren.

„Das passiert alle Abende‟, sagte der General, „drum sitzen wir alle mit Abstand von der Wand, was ich Ihnen auch empfehlen möchte‟. Und dann begannen die allgemeinen Klagen über die Wanzenplage, die man überall hören mußte. Überall gab es dieses Ungeziefer und selbst in jedes neugebaute Quartier, in jede Baracke wurden sie verschleppt. Ich werde nie den Jammer der jungen Flieger in ihren ganz verwanzten Baracken vergessen,die früh morgens nach schlafloser Nacht zum Flug nach Saloniki oder sonstwie zur Front aufsteigen mußten, unerfrischt vom Schlaf, mutlos und an der Hoffnung der Wiederkehr verzweifelnd, da sie körperlich und geistig nicht über ihre vollen Kräfte verfügten.

Mit aller Energie wurde an vielen Orten, besonders in den Städten, gegen das Ungeziefer gearbeitet; es gelang aber nur an einzelnen Stellen, in Quartieren, Offiziersheimen und Kasernen oder Lazaretten einen vorübergehenden Erfolg mit Schwefeldämpfen zu erzielen. In den undicht gebauten Häusern der Mazedonier waren alle solche Versuche vergeblich. Die Mittel fehlten, ebenso die Arbeitskräfte, um solche Arbeiten durchzuführen. Hindernd trat da auch die Bürokratie der Militärverwaltung und vor allem unseres Sanitätswesens entgegen. Was habe ich gekämpft, um einmal die Erlaubnis vom Armeearzt zu erhalten, in den freistehenden Baracken meiner Fliegerfreunde einen Versuch mit der damals neu erprobten Cyankalimethode zu machen. Da keine Vorschriften und Paragraphen darüber existierten, durfte so etwas nicht gemacht werden.

Etwas mehr Erfolg hatte in Mazedonien der Kampf gegen dieKleiderläuse, weil hier die Natur mithalf. In manchen Gegenden, so in Serbien und Albanien, waren Läuse sehr verbreitet, Kopfläuse, Kleiderläuse wie Filzläuse. Die Kleiderläuse hielten sich vor allem leicht in den Wollgewändern der Menschen. Während Wanzen und Flöhe offenbar nur gelegentlich Bakterien und andere Krankheitserreger beim Blutsaugen von einem Menschen auf den anderen übertragen, scheinen die Kleiderläuse gesetzmäßig mit der Übertragung derSpirochaete recurrentis, dem Erreger desRückfallfiebersund mit dem noch unbekannten Erreger des gefährlichenFlecktyphusverknüpft zu sein. So war das Vorkommen der Kleiderläuse eine Vorbedingung für das epidemische Auftreten der genannten gefährlichen Seuchen.

Wie an allen anderen Fronten waren diese Krankheiten auch in Mazedonien anfangs in sehr beängstigenden Prozentzahlen beim Heer aufgetreten; auch hier wurde bald die Entlausung eingeführt und streng auf sie gehalten. Und da der Urlaubsschein vom Entlausungsschein und jede Grenzüberschreitung von vollzogener Entlausung abhing, so gelang es in ziemlich kurzer Zeit diese Plage erheblich einzudämmen. Zumal war der heiße mazedonische Sommer der Entwicklung der Läuse sehr ungünstig, so daß nur im Winter eine Zunahme der Verlausung und damit im Zusammenhang ein Aufflackern von Rückfallfieber und Flecktyphusin den Jahren 1917 und 1918 sich noch zeigte. Herde von Flecktyphus gibt es auf dem Balkan seit jeher und so ging von diesen immer wieder einmal eine Epidemie aus. Da für die Bekämpfung aber alles sehr gut organisiert war, so gelangte eine solche nicht mehr zu größerer Ausdehnung. Auch von unseren Soldaten haben diese Seuchen manches Leben vernichtet, aber so furchtbare Epidemien, wie sie in Polen, unter den Serben und Rumänen wüteten, haben unser mazedonisches Heer nicht betroffen.

Um so schlimmer war aber auf dem Balkan das Wechselfieber, dieMalaria. Die hat uns manchen Soldaten gekostet und noch mehr für viele Jahre ihres Lebens in Arbeitsfähigkeit und Lebensfreude beeinträchtigt.

Bekanntlich stellt dieMalariain doppelter Weise einzoologischesProblem dar. Der Parasit, der in den roten Blutkörperchen des Menschen lebt, diese zerstört und ihn dadurch blutarm und durch seine Giftwirkung fieberkrank macht, ist ein einzelliges Tier aus der Gruppe der Protozoen. Und damit dieser Parasit durchdieHaut des Menschen in dessen Blutgefäße und so in die Blutkörperchen gelangen kann, bedarf er eines Transportmittels und einer Hilfe beim Einspritzen ins Blut des Menschen. Beides leistet ihm wiederum ein Tier; und zwar ist es ein blutsaugendes Tier aus der Gruppe derStechmücken.

Alle blutsaugenden Insekten ernähren sich in der Hauptsache vom Blut der Wirbeltiere. Dabei saugen sie mit einem Stechrüssel das Blut in ihren Darm als Nahrung; damit das Blut genügend durch die feine Wunde nachfließt, spucken die meisten Blutsauger beim Saugen ihren Speichel hinein, der in manchen Fällen die Blutgerinnung hindert, stets aber eine Entzündung hervorruft. Diese hat ihre Bedeutung für den Sauger und den Gesaugten. Bei letzterem bringt sie das Zusammenströmen von reichlich Blut zur Wunde zustande. So kommt es zur Schwellung und zu dem bekannten unangenehmen Jucken beim Insektenstich. Für den Blutsauger bedingt das einen reichen Blutzufluß zu dem saugenden Rüssel und sichert ihm eine richtige Portion zum Sattwerden nach einem oder einigen Stichen.

So ist das Stechen der Wanzen und Flöhe zwar sehr unangenehm, aber in der Regel nicht gefährlich, keine Seuche übertragend. Das ist auch bei der großen Mehrzahl derStechmückender Fall. Auch solche spielten in Mazedonien an vielen Orten eine höchst unangenehme Rolle. So warenVeles, TeilevonÜsküb, derPrespasee, derDoiranseeund andere Abschnitte der mazedonischen Front berüchtigte Stechmückennester, wo die Menschen ganz bös von diesen Plagegeistern gequält wurden. Das war ganz besonders schlimm, wenn sie zu den Wanzen und Flöhen und allerhand anderem Gesindel noch dazu kamen. Zum Glück hatten wir es in Mazedonien nicht so schlecht, wie unsere Feinde. Die Franzosen in der Wardarebene beiSalonikiund besonders die Engländer an derStrumafrontmüssen in reinen Stechmückenhöllen gesessen haben. Wir hörten das aus ihren Berichten und konnten es daran merken, daß in der Frontgegend oft mächtige Rauchsäulen aufstiegen, wenn sie sich durch Abbrennen des Schilfs in den Sümpfen zu retten suchten. Sie zogen sogar manchmal wegen der Schnakenplage ihre Front etwas auf höher liegendes Gelände zurück und konnten sicher sein, daß wir ihnen in diese Hölle in der Schnakenzeit nicht nachfolgten.

Die Schnaken, die am meisten plagten, zum Teil auch am Tage bei heißer Sonne stachen, gehörten zu den GattungenCulex,Culicada,Aedesu. a., von denen man jetzt seit etwa 20 Jahren weiß, daß sie sich an der Übertragung des menschlichen Malariaparasitenniemalsbeteiligen. Seither weiß man nämlich, daß es nur die Stechmücken der GattungAnophelessind, welche in allen Teilen der Erde die menschliche Malaria übertragen. So wie also der Mensch der einzige Organismus ist, welcher die echte Malaria bekommt, so ist es auch nur die gleiche Parasitenform, die in ihm gedeiht und nur durch Arten der Gattung Anopheles vermittelt werden kann, also nur in solchen lebensfähig bleibt. So sehen wir denn in dieser gesetzmäßigen Verkettung dreier Organismen von verschiedener Art, von denen das eine nicht leben kann, ohne daß beide anderen vorhanden sind, ein interessantes zoologisches Problem vor uns.

Da ich nun selbst Protozoenforscher bin und mich mit dem Malariaproblem und seinen biologischen Grundlagen früher viel beschäftigt hatte, so war es naheliegend, daß ich meine Kenntnisse in diesem Gebiet sogleich in den Dienst der Heeresleitung und meiner leidenden Kameraden stellte und untersuchte, was über die Zoologie der Malaria in Mazedonien festzustellen war und was man etwa durch neue Beobachtungen zu ihrer Bekämpfung beitragen könne.

Vorläufig war noch nicht bekannt, welcheMalariamückenin Mazedonien vorkommen. Man weiß jetzt längst, daß auf derganzen Welt mehrere Dutzend Anophelesarten leben, welche alle die Menschenmalaria zu übertragen vermögen. In Europa sind bisher vier Arten nachgewiesen worden, von denen nur zwei in Deutschland vorkommen. Diese heißenAnopheles maculipennisMeig. undAnopheles bifurcatusL. ... Zu diesen kam noch eine für Mazedonien besonders interessante ArtAnopheles superpictusGrass u. Fel., während die vierte europäische Art bisher auf dem Balkan nur in Rumänien und im Donaugebiet gefunden wurde; es ist diesAnopheles pseudopictusGrass u. Fel. Wahrscheinlich fehlt sie in Mazedonien. Jedenfalls konnte ich sie trotz eifrigen Nachforschens in den zwei Jahren 1917 und 1918 nicht finden.

Anopheles maculipennisundbifurcatusleben auch hier in der altbekannten Weise im Larvenzustand in stehenden Tümpeln. So konnte man sie in der auch sonst in der Welt üblichen Methode bekämpfen, indem man entweder die Brutstätten zuschüttete, Abläufe anlegte und ihr Entstehen und Bestehen in der Nähe menschlicher Siedelungen verhinderte. War eine Beseitigung der Wasseransammlungen nicht möglich — und das war in Mazedonien oft der Fall, wo das Wasser zur Bewässerung von Feldern und Gärten vielfach angestaut werden mußte, so konnte man durch Aufgießen einer dünnen Schicht von Petroleum oder Saprol die Puppen und Larven der Stechmücken am Atmen verhindern und so ersticken. Denn die Entwicklungsstadien der Stechmücken sind Luftatmer und müssen in kurzen Abständen sich an der Wasseroberfläche immer wieder Luft zum Atmen holen. Sperrt man ihnen diese durch eine dünne Ölschicht ab, so müssen sie ersticken und sterben.

Diese Methoden waren in Mazedonien von den Armeehygienikern, unter denen besonders der erfahrene ProfessorFüllebornaus Hamburg sich hervorgetan hatte, in den ersten Jahren schon an vielen Stellen mit Erfolg angewandt worden. Es hatte sich aber herausgestellt, daß in vielen Gegenden die Maßregeln nicht eingeschlagen hatten. So hatten sie besonders an verschiedenen Lazaretten versagt, welche man am Ende von Schluchten aufgeschlagen hatte, um sie mit fließendem Wasser leicht versorgen zu können.

Gerade in meinem StandquartierKaluckovawar dies der Fall gewesen und hier speziell hatte man die betrübende Beobachtung machen müssen, daß die Ruhrkranken, die an diesem Ort konzentriert wurden, fast regelmäßig noch dazu im Lazarett an Malaria erkrankten und damit viel schwerer behandelt und demdrohenden Tod entrissen werden konnten. Das mußte besondere Ursachen haben, und diese zu untersuchen, nahm ich mir vor.

Schon im Jahre 1917 gelang es mir festzustellen, daß gerade in der Gegend von Kaluckova die kleinste der europäischenAnophelesarten(Anopheles superpictus) auffallend häufig vorkam. Außer durch ihre Kleinheit ist sie besonders von der auch häufigen ArtA. maculipennisdurch die Anordnung der dunkeln Flecken auf den Flügeln leicht zu unterscheiden. Die vier Flecken liegen nämlich am Vorderrand der Flügel in einer Reihe hintereinander (vgl. die untenstehende Abb. 212). Auch sonst zeigt sie einige leicht nachweisbare Unterschiede von den anderen Arten.

Abb. 212.Anopheles superpictusGr. u. Fel. Schluchtenfiebermücke.AWeibchen.BMännchen. Vergr. 5.

Abb. 212.Anopheles superpictusGr. u. Fel. Schluchtenfiebermücke.AWeibchen.BMännchen. Vergr. 5.

Wie war es wohl zu erklären, daß gerade diese Form bei Kaluckova die häufigste war? Die Untersuchungen der Schluchten klärten diese Frage auf. Es stellte sich dabei heraus, daß geradeAnopheles superpictusin denSchluchtbächenbrütet. Und zwar findet man die Larven nicht, wie man das bisher für alleAnopheles-Arten annahm, nur im ruhenden Wasser stehenderTümpel, sondern auch im strömenden Schluchtbach. Da lagen sie vor allem in charakteristischer Lage mit dem Hinterende an den Steinrändern des Bachufers angelehnt. So wurden sie von der leisen Strömung nicht mitgerissen.

Auch in den Sammelgläsern und Glasschalen, in denen ich die Larven aufhob, zeigten sie eine ganz besondere Neigung sich mit dem Hinterende an die Glaswand anzulegen, was für eine mit ihrer Lebensweise zusammenhängende Besonderheit spricht.

Die Larven vonAnopheles superpictuskonnte ich dann in vielen Gegenden Mazedoniens als bevorzugte Bewohner der Schluchtbäche feststellen, in denen gelegentlich auch diejenigen vonA. maculipennisvorkommen. So waren denn die Schluchten nicht mehr als harmlose Nachbarschaft von Lazaretten und Truppenquartieren anzusehen und unter anderen erwies sich die Verlegung bzw. Aufhebung des LazarettsKaluckovavor dem nächsten Sommer als notwendig.

Immerhin war die Bekämpfung der Malariamücken auch in den Schluchten nicht unmöglich. Ich gab dafür ein Mittel an, welches die Natur mich gelehrt hatte und welches mir in diesem Lande selbst für die Einwohner ausnützbar und mit wirtschaftlichen Zwecken verknüpfbar erscheint. Nachdem ich nämlich beobachtet hatte, daß nach starken Regengüssen die Tümpel der Schluchtbäche von dem angeschwollenen Wasser glatt von Schnakenlarven ausgespült werden, welche dann auf den Geröll- und Sandbetten des im Sommer austrocknenden Unterlaufs absterben, empfahl ich dafür eine Nachahmung des natürlichen Vorganges durch einfache Handgriffe.

Bei geeigneter Auswahl der richtigen Stelle kann man in jeder Schlucht mit einer Arbeitskraft in einem Tage aus dem vorhandenen Geröll eine labile Sperre herstellen, welche eine Wassermasse staut, genügend für eine einmalige radikale Durchspülung der Schlucht. Gleichzeitig könnte in dieser Weise angestautes Wasser zur Bewässerung von Anbauland ausgenützt werden und nur periodisch alle paar Wochen zur Schnakenbekämpfung Dienste tun.

Auch andere Malariabeobachtungen konnten auf dem Balkan gemacht werden, die nicht ohne Interesse waren. So zeigte sich die Verschleppung der Malaria stets an das Vorhandensein derAnophelesgeknüpft, wobei die Menschen als Dauerträger der Parasiten eine große Rolle spielten. So wurde die Malaria besondersin der schlimmen Form der Tropica in vielen Gegenden des Balkan erst während des Krieges eingeschleppt, in denen sie früher gefehlt hatte. Es zeigte sich, daß das neue Auftreten von Tropikafällen fast immer mit dem Erscheinen von meist asiatischen, türkischen Truppen und an der feindlichen Front von farbigen Abteilungen in Zusammenhang stand; diese hatten als Malariaträger in ihrem Blut die Infektionsformen des für das Land neuen Parasiten mitgebracht.

Auch wurde zum ersten Male auf dem Balkan von unseren Militärärzten auf die Wichtigkeit derKindermalariageachtet. An manchen Orten, so am Prespasee, in Struga am Ochridasee, war es sehr auffallend, wie die meisten Kinder bleich und hohläugig, vielfach abgemagert und mit vorstehendem Bauch herumliefen. Sie wurden untersucht und erwiesen sich als sogenannte Milzbäuche, d. h. als Malariaträger, bei denen durch den Einfluß des Parasiten die Milz stark geschwollen war.

Solche Kinder, welche ihre Jugend in einem ständigen Kampfe mit dem Malariatod verbrachten, waren dauernd Infektionsquellen für dieAnopheles, welche in einem so belasteten Ort während des ganzen Sommers mit Malariakeimen beladen, auf gesunde Ankömmlinge lauerten, um sie beim Stechen zu infizieren. Kam Einquartierung in einen solchen Ort, so war mit Sicherheit anzunehmen, daß dort in kürzester Frist ein hoher Prozentsatz der Leute mit Malaria infiziert wurden.

Anopheles superpictusscheint mir gegenüber den auch bei uns verbreiteten ArtenA. maculipennisundbifurcatuseine südliche Form zu sein. Darauf weist zunächst einmal hin, daß ich sie im südlichen Teile Mazedoniens viel häufiger fand als im nördlichen. Während ich in Üsküb unter zahlreichenA. maculipennisnur ganz selten einen vereinzeltenA. superpictusfand, waren es in Kaluckova zehnmal mehr von dieser letzteren kleinen Form. An allen südlichen Fundorten, so in Veles und Dedeli war sie die häufigere. Das mag ja zum Teil aus ihrer Vorliebe für Schluchten zu erklären sein.

Aber andererseits ist bemerkenswert, daßA. superpictusspäter im Frühling aus dem Winterquartier kommt und später seine Eier legt alsA. maculipennis. Das Winterquartier ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, um die Häufigkeit einer Art in einer Gegend festzustellen. Auch in Mazedonien überwintern nur die Weibchen in Kellern, Häusern, Ställen, Schuppen, aber auch in Erdspalten undHöhlen im Freien.A. superpictushat eine besondere Tendenz in solchen natürlichen Verstecken zu überwintern.

Die Weibchen vonA. maculipennishaben oft schon kurz nach dem Verlassen des Winterquartiers legereife Eier besessen, das Legen beginnt bei dieser Art schon im April. Beisuperpictushabe ich es vor Ende April bis Anfang Mai nicht beobachtet.

BeiAnophelesgibt es scheinbar als Norm im Sommer drei Generationen; bei günstiger Witterung und guten Ernährungsverhältnissen kann es wohl auch zu mehr Sommergenerationen kommen. Normal dürfte wohl folgende Reihenfolge sein: Die überwinternden Weibchen legen im Frühling Eier, aus diesen entsteht im Mai die Frühlingsgeneration, die im Mai und Anfang Juni fliegt, sich begattet und zur neuen Eiablage gelangt. Aus diesen Eiern entsteht die Sommergeneration, die meist Anfang August sich zeigt. Sie legt im Herbst ihre Eier, aus diesen entstehen wieder erwachsene Männchen und Weibchen. Erstere sterben schnell ab, die begatteten Weibchen gelangen meist nicht mehr zur Eiablage, sondern überwintern im Winterquartier, um die nächste Generation erst im Frühling hervorzubringen. Die hier eingefügte Tabelle zeigt, daß die Generationen vonA. superpictusimmer ein wenig denen vonA. maculipennisnachfolgen.

Mit den Generationen der Malariamücken hingen auch die Höhepunkte der Malariaepidemien in Mazedonien zusammen. Kurze Zeit nach der Entwicklung zahlreicher Mücken stieg die Zahl der Erkrankungen an Malaria stark an.

Die schlimmsten, unangenehmsten Quälgeister in Mazedonien waren winzig kleine Mücken, welche in gewissen Zeiten den Schlaf fast unmöglich machten. Es waren dies diePappataccifliegen, kleine 2½ mm lange Tierchen, welche einem einen brennend schmerzhaften Stich beibrachten, der auf die verschiedenen Menschen ganz verschieden ein- und nachwirkte. Wer mit ihnen ernsthaft zu tun hatte, wird sie in seinem Leben nicht mehr vergessen.

Zunächst ist man gar nicht geneigt, so kleinen Wesen, die kaum größer sind als Blattläuse, Beachtung zu schenken. Sie zwingen sich aber bald Beachtung auf. Sie sind im ganzen Orient verbreitet, kommen auch im übrigen Südeuropa, in Italien, in Malta und Nordafrika vor und sind überall sehr gefürchtet. Überall treten sie lokal auf, sind auf besondere Orte beschränkt und fehlen oft dicht daneben.

Abb. 213.Phlebotomus papatassiiL. Pappataccifliegen.AMännchen.BWeibchen mit blutgefülltem Darm. Vergr. 20.

Abb. 213.Phlebotomus papatassiiL. Pappataccifliegen.AMännchen.BWeibchen mit blutgefülltem Darm. Vergr. 20.

Im Winter sind die geflügelten Tiere vollkommen verschwunden; eine Überwinterung der Weibchen, wie bei den Stechmücken, kommt bei ihnen offenbar nicht vor. Sie treten Anfang bis Mitte Mai auf und erreichen ein Maximum der Häufigkeit in Mazedonien im Juni, dem ein zweites Maximum im September folgt. Im Oktober bis November verschwinden sie vollkommen, was nicht mit einem Überwintern zusammenhängen kann. Nach vollendeter Eiablage sterben nämlich die Weibchen.

DiePappataccihaben ein eigenartiges Aussehen; sie haben dünne nicht allzu lange Beine, lange, zart behaarte Fühler, vorstehende Augen und einen ziemlich langen Stechrüssel am Kopf. Der Leib ist beim Männchen schmäler als beim Weibchen und trägt am Hinterende einen eigenartigen Klammerapparat. Die Flügel sind lang und schmal, fein geädert und behaart und werden in der Ruhe in einer eigenartigen Stellung gehalten, welche alsEngelsflügelhaltungbezeichnet wird (vgl. die oben- und umstehenden Abbildungen 213, 214 und 215).

An der Wand sitzen sie mit stark nach unten abgebeugtem Kopf, aufrechten Fühlern und abstehenden Beinen. Rührt sich etwas in ihrer Umgebung, so nehmen sie eine Bereitschaftsstellungein, aus der sie durch einen seitlichen Sprung sich einige Meter an der Wand entfernen, um meist bald sich wieder zu setzen. Sie sind auf Tastreize, Bewegungen und Lichtreize außerordentlich empfindlich. Licht zieht sie an. Sie haben eine ausgesprochene Tendenz sich auf rauhe Unterlagen zu setzen.

Abb. 214. Pappatacciweibchen in Engelstellung von vorn.

Abb. 214. Pappatacciweibchen in Engelstellung von vorn.

Hat man abends sein Moskitonetz aufPappataccisorgfältig geprüft und vollkommen frei von ihnen gefunden, so findet man dennoch morgens oft deren 50-60 unter dem Netz. Sie sind offenbar durch den Geruch des Menschen angezogen worden und mit großer Geschicklichkeit durch die Maschen des Netzes gekrochen. Weibchen wie Männchen werden gleicherweise durch den Menschen angezogen, obwohl nur die Weibchen Blut saugen. Es werden also auch die Männchen durch den Menschengeruch angelockt, obwohl sie sich nicht an ihm ernähren. So sehen wir bei ihnen den Geruchssinn in ähnlicher Weise in den Dienst der Fortpflanzung gestellt, wie bei manchen Schwärmern unter den Schmetterlingen, wo die Geschlechter auf den Geruch gewisser Blüten sich an diesen versammeln, ohne daß sie an diesen saugen, was ihnen gar nicht möglich ist, da sie einen verkümmerten Saugrüssel haben und im Imagozustand überhaupt keine Nahrung zu sich nehmen.

Abb. 215. Pappataccimücke. Weibchen von oben: voll Blut gesaugt.

Abb. 215. Pappataccimücke. Weibchen von oben: voll Blut gesaugt.

Morgens fand ich die Weibchen stets voll Blut gesaugt auf der Innenseite meines Moskitonetzes ruhig sitzend und fing sie regelmäßig alle zu wissenschaftlichen Zwecken weg. Dabei fand ich viele Pärchen in Begattung vereinigt; dann war das Weibchen stets voll Blut gesaugt; das Männchen hing entgegen manchen Angaben stets nach unten.

In der Regel stachen diePappataccinur nachts, doch konnte ich in manchen Fällen ebenso wie bei den Anopheles auch einStechen bei Tag beobachten. Nachts war ihr Stechen vielfach qualvoll, manche Menschen reagierten auf sie sehr stark und waren am ganzen Körper nach den Stichen von Quaddeln bedeckt; die Stiche hatten oft ein Ekzem zur Folge. Die Ärzte, Schwestern, Kranken konnten in den kritischen Monaten in Kaluckova überhaupt kaum mehr schlafen und kamen auf diese Weise körperlich und seelisch sehr herunter. Kaluckova, Hudova, Veles und andere Orte waren von diesen Tieren stark geplagt, während sie in Üsküb weniger hervortraten, in Prilep fast ganz und in hochgelegenen Orten wie Gopes vollkommen fehlten. Vor allem im südlichen Wardargebiet litten unsere Truppen ganz außerordentlich unter diesen Quälgeistern.

Besonders schlimm war aber, daß auf die Stiche derPappataccieine Krankheit auftrat, welche mehrere Tage hohes Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und ein lang anhaltendes Schwächegefühl mit sich brachte. Die Krankheit, alsPappataccifieberbezeichnet, befiel fast jeden, der in das verseuchte Gebiet kam. Auch in der Türkei, in Kleinasien, Syrien und Palästina hatten unsere Soldaten schlimm unter diesen Bestien zu leiden. Zuerst hielt man die Krankheit für harmlos und glaubte nicht an Nachwirkungen. In den späteren Jahren des Feldzugs zeigten sich aber immer schlimmere Folgeerscheinungen, so daß sie sehr gefürchtet wurde.

So tat man denn alles, um sie zu bekämpfen. Es scheint, daß die Larven vor allem in Lehmmauern, Steinspalten, Bodenritzen leben. Ich suchte in angestrengter Weise nach ihren Brutstätten in Kaluckova, Rabrovo, in Veles, in Üsküb, kurz an allen Stätten, an denen man jede Nacht Massen der Imagines sammeln konnte. Die Schwierigkeit sie zu finden, lag vor allem an der Kleinheit der Eier, Larven und Puppen. Ich kam zur Überzeugung, daß die Hauptbrutstätten in den Lehmbauten und Hausruinen des Landes sein müßten.

Ebenso intensiv wurde natürlich nach dem durch die Pappataccimücken übertragenen Krankheitserreger gesucht. Man suchte ihn im Darm der Weibchen, im Blut der Kranken, suchte dort vor allem in den ersten Krankheitstagen. Schließlich kam man zur Überzeugung, es müsse ein invisibler Virus sein. Merkwürdig ist die Tatsache, daß die überwinterten Larven Tiere aus sich hervorgehen lassen, die bald die Krankheit verbreiten können. Das mußnatürlich für alle Überlegungen über die Herkunft des Krankheitskeimes von Bedeutung sein. Man dachte an eine Vererbung durch das Ei, die ja bei anderen Parasiten festgestellt ist.

Ich habe mir nach meinen persönlichen Erfahrungen Gedanken über einen besonderen Zusammenhang gemacht, den ich hier zur Diskussion stellen möchte. Ich halte es für möglich, daß gewisse, normalerweise im Darm der Pappatacciweibchen lebende Parasiten, Bakterien oder andere Organismen, sich jedes Jahr neu an Menschenblut gewöhnen. So wären nur solche Tiere infektiös, welche mehr als einmal an Menschen gesaugt haben. In ihrem Darm wäre die Vorbereitung an das Leben im Menschenblut erfolgt. Ich versuchte, den Beweis für diese Annahme bei mir selbst zu führen, indem ich keiner Pappataccimücke gestattete, ein zweitesmal an mir zu saugen. Das führte ich durch, indem ich jeden Morgen alle Mücken unter meinem Moskitonetz wegfing und alle in meinem Zimmer vorhandenen tötete.

Obwohl ich sehr oft gestochen wurde, habe ich die Krankheit in den beiden Jahren meines Aufenthaltes in Mazedonien nicht bekommen, obwohl ich an den verseuchten Stellen lebte und meine ganze Umgebung wiederholt erkrankte. Doch gebe ich zu, daß es sich mit meiner Annahme um eine noch unbewiesene Hypothese handelt.

Von anderen Plagegeistern in Mazedonien möchte ich noch dieBremsenerwähnen, welche Menschen, Pferde, Maultiere, Rinder und andere Tiere sehr quälten. Die Pferde waren oft von Dutzenden dieser Blutsauger bedeckt. Es waren eine ganze Anzahl Arten, welche in Frage kamen. Ich nenne hierTabanus graecusFb.,T. aterRossi,T. tergestinusErs.,T. umbrinusMg., die zum Teil durch ihren Namen schon ihre südliche Zugehörigkeit zeigen. In den Anmerkungen zu diesem Kapitel gebe ich eine längere Liste der von mir beobachteten Bremsenarten. Ein unangenehmer Blutsauger war auchHaematopota pluvialisL.

Für unsere Pferde und Rinder waren auch dieLausfliegen(Hippobosca equinaL.) eine schwere Plage, zumal manchmal 50-100 dieser schwer abzulösenden Blutsauger sich unter dem Schwanz an After und Vulva der armen Tiere anhefteten. Gefährlich waren dieZecken, die Ixodiden, welche bei Pferden und Rindern dasBlutharnen, eine schwere, oft tödliche Krankheit übertrugen. AuchDasselfliegenkamen häufig vor, und man sah bei denRindern nicht selten die von ihnen erzeugten Beulen. Auch die Pferde litten unter solchen, wie daraus hervorgeht, daß zwei PferdeverfolgerOestrus (Rhinoestrus) purpureusBrauer undGastrophilus equiL. nicht selten waren.

Als Krankheitsüberträger mögen auch dieStubenfliegenundSchmeißfliegeneine Rolle gespielt haben, welche jeden Kot in ungeheuren Mengen bedeckten und von ihm auf alle Speisen flogen. Sie mögen bei der Übertragung der Ruhr und des Typhus mitgewirkt haben. Diese beiden Krankheiten spielten auch in Mazedonien ihre verderbliche Rolle; bemerkenswert ist dabei, daß es sich fast ausschließlich um Bakterienruhr handelte, während die in der Türkei häufige Amoebenruhr nur ganz selten vorkam.


Back to IndexNext