NEUNTES KAPITEL
DAS GELIEBTE VELES
Wie verhaßt war Veles bei vielen in unserer Armee, welche dort längere Zeit hatten liegen müssen und wie sehr geliebt war es von anderen, welche mit für die Schönheit geöffneten Augen diese malerischste Stadt Mazedoniens nur als Gäste besucht hatten.Koprülü, die Brückenstadt, war der türkische Name dieser Stadt, deren Häuser steil an beiden Ufern des Wardar die Berge hoch hinauf bedeckten. Es war wohl eine Plage, in der glühenden Hitze eines Sommertages oder auch in einer schwülen dunklen Nacht die engen, steilen Gassen mit ihrem Pflaster, das aus Kanonenkugeln zusammengesetzt zu sein schien, emporzuklettern. Eng schlossen die Häuser zusammen, ein schmaler Streifen dunkelblauen Himmels strahlte von oben herab, grell eingefaßt von den blendenden Mauern. Aus den Fenstern neigten sich Blütenbüsche und die unvermeidlichen Paprikaschoten herab. Einige hundert Meter über dem Fluß war man hinaufgestiegen, bis man in einer der obersten Straßen bei seinem Quartier anlangte.
Oben aber öffneten sich Ausblicke von überraschender Schönheit; hier hatte man den türkischen Orient mit seinen grellen Kontrasten, mit allem seinem Reiz für die Phantasie des Nordländers vor sich. Ein steiler Weg führte zur alten hölzernen Brücke hinunter, über welche ein starker Verkehr zwischen beiden Ufern wechselte. Neben der Brücke erhoben sich hoch über den Fluten des Wardar stattliche Gebäude, welche zum Teil mit einigen Stockwerken auf schiefen Streben über den Fluß hinausragten. Diese vorgebauten Häuserteile faßten Nischen mit Veranden zwischen sich, welche ebenso lauschig aussahen, wie Säulengalerien unter dem Dach dahinter gelegener Häuser. Die schön geschnitzte, dichte Holzvergitterung der Fenster verriet, daß es sich um Haremliks handelte. Die eingesperrten Frauen hatten hier wenigstens einen schönen Blick auf den Fluß und sein Tal vor sich.
In allen Teilen der Stadt ragten Minarets empor und auch während meiner Besuche hörte man abends regelmäßig von ihrenGalerien den Gesang der Muezzins. In den Straßen von Veles sah man viele Männer in Turban und Fez, die Frauen, meist schwarz gekleidet, gingen verschleiert. So war der starke türkische Einschlag in der Bevölkerung unverkennbar. Aber in den ärmeren Vierteln gab es nicht wenig Bulgaren und wohl auch Serben; die letzteren bekannten sich aber nur in den seltensten Fällen zu ihrer Nation.
Das eine Mal wohnte ich auf dem linken Wardarufer hoch am Berg; mein Quartier war in einem Block von Häusern, welche ganz eng zusammengebaut waren und sich freie Luft nur auf vorgebauten Holzveranden und Balkonen gesichert hatten, von denen man einen weiten Überblick über Stadt und Flußtal hatte. Das tröstete einen über die düsteren, fensterlosen Stuben, in denen die Möbel kaum Platz hatten. Viele staubige Vorhänge, Divans im Staatszimmer und Einrichtungsgegenstände deuteten auf türkische Herkunft, obwohl die Quartiergeber bulgarisch sprachen.
Abb. 64. Veles, Ostufer des Wardar mit Haremshäusern.
Abb. 64. Veles, Ostufer des Wardar mit Haremshäusern.
Die Zimmer waren stets reich an Ungeziefer; ein wanzenfreies Quartier galt für eine große Auszeichnung vom Quartieramt. Schließlich sah man sich hier, wie überall in Mazedonien, genötigt, wanzenfreie Soldaten- und Offiziersheime und Verpflegungsanstaltenzu schaffen. Dann war man allerdings in weniger romantischer Umgebung; aber auf solche legte der Durchschnittssoldat weniger Wert. Auch unter den Offizieren zeigte sich erstaunlich wenig Anpassungsfähigkeit an Fremdes und ein Kleben an Traditionellem, welches es manchem unmöglich machte, die Vorteile und Besonderheiten des Aufenthalts im fremden Land in der richtigen Weise auszunützen.
Abb. 65. Veles und der Wardar vom Kloster Sveti Panteleimon.
Abb. 65. Veles und der Wardar vom Kloster Sveti Panteleimon.
Daß Veles seinen alten Bestand an slavischen, christlichen Bewohnern hatte, bewiesen schon die stattlichen Kirchen und Klöster, die im Süden der Stadt meist hoch am Berg lagen. Auf dem Ostufer ragte, von Bäumen umgeben, weiß leuchtend aus der grünen UmgebungSveti Spasmit einem serbischen Friedhof, gegenüber, malerisch in die Felsen eingebaut, das große bulgarische KlosterSveti Panteleimon. Von dessen Terrasse aus hatte man durch Bäume hindurch einen prachtvollen Blick auf das Häusermeer der Stadt, das sich eigentümlich in alle Falten und Schluchten der Berge einfügte, so daß man kaum merkte, wo Stadt aufhörte und Felsen anfingen. Das hatte zum Teil seinen Grund darin, daß die Bausteine den Felsen entstammten, an die sich die Häuseranlehnten. So waren es vornehmlich die dunkelroten Ziegeldächer, welche den Umriß der Stadt hervorhoben.
VELES MIT ALTER WARDARBRÜCKE.
VELES MIT ALTER WARDARBRÜCKE.
So dürr und verstaubt die Stadt mit ihren engen Gassen, ihren ausgetrockneten Bächen im Sommer aussah, so waren dennoch die stattlichen Bäume bei den Klöstern nicht die einzigen im Stadtbild von Veles. Wo der Boden es hergab, wurde an Bäumen erhalten, was gewachsen war. An den Stadtausgängen standen mächtige Pappeln, Brunnen waren von Eschen und Platanen beschattet und halfen die reizvollsten Straßenbilder herstellen.
Eine riesige alte Platane am rechten Wardarufer wird jedem Besucher der Stadt in Erinnerung geblieben sein; sie beschattete den Treffpunkt der Lastwagen. Dort waren immer die Töpfereien zum Verkauf ausgestellt, welche ein wichtiges Erzeugnis von Veles und seiner Umgebung waren. Besonders wichtig unter ihnen waren die roten, porösen Tonkrüge, welche als Wassergefäße dienten. Der durch ihre Wand durchgeschwitzte feuchte Überzug ihrer Außenseite hielt im heißen Sommer das Wasser in ihrem Innern durch Verdunstungsabkühlung frisch. Sowie der Sommer nahte, tauchten in Mazedonien diese Tonkrüge in Mengen auf und brachten einen neuen Farbton in das Straßenbild und eine Erinnerung an die Tropen.
Die alte Platane ist uns Zoologen in guter Erinnerung geblieben durch einen mächtigenUhu, der sich eines Abends auf ihr niederließ und nach aufregender Jagd erlegt wurde. Es war die typische Form, welche jetzt in der Wissenschaft den tönenden NamenBubo bubo buboL. führt.
In früheren Zeiten war ein Produkt des Gewerbefleißes von Veles das roteSafianleder, aus dem die türkischen Pantoffeln und feinen Schuhchen der Haremsdamen angefertigt wurden. Man sieht noch die Gerbereien, in denen das dünne Leder gegerbt wurde, wenn auch in ihnen während des Krieges kaum Leder und kaum Betrieb war. Ging man über die alte Brücke und am trocken liegenden Bach die Schlucht hinauf, gegen den Berg am Ostufer des Flusses, so kam man vor einigen hohen Pappeln zu Häusern, um welche herum die Gerbereibetriebe lagen. Auf der einen Seite war dieWeißgerberei, auf der anderen dieRotgerberei, welch letztere hier noch weniger wohlriechend war, als in unseren Städten. Eigenartig waren die Einrichtungen der Weißgerberei. Eine Anzahl ovaler Steinbottiche standen am Rand der Straße, halb im Boden eingegraben (Abb. 66); dieser war wie sie an dieser Seite vom Alaunschneeweiß, während die übelriechende Region der Lohgerberei rotbraun gefärbt war. Hier war also einst viel von dem feinen roten Leder erst weißgegerbt worden, ehe es in anderen Teilen der Stadt gefärbt und zu den zarten Schuhen umgearbeitet wurde, die bestimmt waren, feine Frauenfüße zu umkleiden.
Abb. 66. Anlagen der Weißgerberei in Veles.
Abb. 66. Anlagen der Weißgerberei in Veles.
Die Gegend um Veles war, soweit Berg und Felsen dies gestatteten, gut angebaut. Dazu half das Wardarwasser. Zu beiden Seiten der Stadt erweiterte sich das enge Schluchttal des Flusses zu kleinen Ebenen, welche zum Teil in Flußtäler übergingen. Hier waren üppige Felder, die alles trugen, was sonst in Mazedonien gedieh, an manchen Stellen sogar Reisanbau gestatteten. Ein äußerst malerisches Bild boten die hohen, schlanken Schöpfräder, die am Ufer aufgestellt, mit kleinen Bechern beim Eintauchen Wasser aus dem Wardar bis zum obersten Punkt, den ihr Umfang erreichte, heraufhoben, um dort das Wasser in schief zum Lande geneigte Rinnen zu gießen, die es an Gräben weitergaben. Diese wiederum führten das befruchtende Wasser in die Gärten und Felder (Abb. 67).
Die meisten Bäche und Flüsse traten in der Nähe Veles nicht durch weite Täler an den Wardar heran, sondern hatten vorher eine Bergkette zu durchbrechen, was sie in gewaltigen Schluchten taten. Zwei Flüßchen, welche kurz unterhalb Veles mündeten, waren durch ihre Durchbruchsschluchten berühmt, dieTopolkaund dieBabuna. Am südlichen Ende der Stadt mündete die kleinere Topolka, ein im Frühling und Herbst starker Bach. Die Babuna war ein Flüßchen, das hoch aus dem Gebirge kam, entsprechend wasserreicher war,und demgemäß auch eine gewaltigere Arbeit an den Felsen geleistet hatte.
Beide Schluchten boten für Naturforscher viel Interessantes und wurden daher von mir und meinen Mitarbeitern zu wiederholten Malen besucht. Jedesmal nahmen wir große Natureindrücke und interessante wissenschaftliche Beobachtungen mit.
DieTopolkaschluchtist von beiden Enden zugänglich. Wir wollen sie von ihrem oberen Ende verfolgen, das man von der Straße nach Prilep über den Babunapaß durch eine kurze Wanderung erreichen kann. Im späten Frühling war die Topolka ein schöner tiefer Bach, dessen rasch dahineilendes Wasser schon oberhalb der Schlucht Mühlen trieb. Die Mühlen bei Veles hatten alle Turbinenräder, an dessen senkrechten Achsen sich oben der Mühlstein drehte. Übermäßig sauber ging es in diesen Mühlen nicht zu und manchem deutschen Soldaten und seinen Angehörigen zuhause haben im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne geknirscht, wenn sie in dem dunklen Brot aus mazedonischem Mehl auf die Steinchen stießen, die vielleicht schon beim Dreschen zwischen die Körner geraten waren und seither sich eher vermehrt hatten.
Prof.Müllerphot.Abb. 67. Wasserschöpfrad am Wardar bei Veles.
Prof.Müllerphot.Abb. 67. Wasserschöpfrad am Wardar bei Veles.
Prof.Müllerphot.
Abb. 67. Wasserschöpfrad am Wardar bei Veles.
Kaum war man von oben in die Schlucht eingetreten, als man erstaunt in fast geschlossenem Raum sich umblickte. Hinter einem ragte ein mächtiger Kalkfelsen wie ein Denkmal mehrere hundert Meter hoch empor. Geröllhalden, von spärlicher Pflanzenwelt bewachsen, zeigten, wie das Wasser gearbeitet hatte, um diese Felsen zu modellieren. Schwer war es gewesen, einen Pfad durch die Schlucht zu schaffen. Aber als Zugang zu den 6-8 Mühlen,die in ihr liegen, war er nach allen Zerstörungen durch Hochwasser immer wieder erhalten worden. Wir freuten uns, auf ihm bald dicht an dunkelgrünen Becken tiefen, gurgelnden Wassers dicht entlang zu gehen, bald über hundert Meter emporklimmen zu müssen, um einen brausenden Fall zu umgehen, der weiß-schäumenden Gischt über rotgelbe Felsen in die Tiefe schleuderte. Die wechselnden, bald grellroten und gelben, braunen und weißen Färbungen der Kalkwände, zwischen denen blaugraue Hänge folgten, gaben der Schlucht einen eigenen Reiz, der mich nie vergessen ließ, daß ich in Mazedonien war. Wie seltsam waren die Gegensätze zwischen einem grellbeleuchteten Felsen, dessen fast wie Metall schimmernden Flanken in unendlichen Zwischentönen flimmerten und dem blauvioletten Schatten eines senkrechten Absturzes, der, ihn einrahmend, in klares, grünes Wasser sich senkte. Und dessen Oberfläche wieder war reich gegliedert durch die Schaumkronen der Wellen und die vielfachen Reflexe des Himmels auf seinem Spiegel. Und nun gar aus dem Wasser leuchteten die vielfachen Farben der Gesteinstrümmer auf, gebrochen und noch vervielfältigt und mitgenommen durch das strömende Wasser, das in verschiedenen Tiefen über ihnen dahinging.
Wie oft zogen wir hier aus dem Wasser eine der dunkelenNattern(Tropidonotus natrix persaPall.), oder dieWürfelnatter(T. tesselatusLaur.), die hier so häufig auf die kleinen Fische jagten, welche im ruhigerem Wasser bei den Mühlen oft in Scharen von Hunderten standen.
In vielen Windungen zog sich die Schlucht zum Wardar, ein prachtvolles Bild von großartiger Romantik nach dem anderen bietend, bis sie sich zum Flußtal öffnete, wo gegenüber auf grünem Rasen von Bäumen beschattet das KlosterSveti Spas, einen friedlichen Gegensatz zu der wilden Felseneinsamkeit bildete; das leise Strömen des Wardar wirkte wie tiefes Schweigen nach dem tollen Brausen und Tosen des Wassers in der Schlucht.
Fast noch großartiger waren die Verhältnisse derBabunaschlucht, welche einige Kilometer südlich von Veles den Wardar erreichte. Sie mußte ich jedesmal von unten durchwandern; denn den oberen Teil bildete eine Klamm, welche man nur bei niederstem Wasserstand durchwaten konnte; ein Weg führte nicht hindurch, da die Felswände senkrecht zum Fluß abfielen. Gerade dort war die eigenartigste Landschaft des Gebietes. 300-400 m stiegen die Felswände fast senkrecht in die Höhe, unten nur vonmäßigen Geröllhalden begleitet, welche der Fluß bei Hochwasser stets überflutete.
OBERES ENDE DER TOPOLKOSCHLUCHT BEI VELES.
OBERES ENDE DER TOPOLKOSCHLUCHT BEI VELES.
Auf dem Weg zur Babunamündung kam man am Wardar entlang wandernd an einer kleinen Kapellenruine vorbei, welche im Fluß auf einem vom Wasser umrauschten Felsen stand. Sie bot ein höchst malerisches Bild, mit ihren rötlichen Mauern, besonders im Sommer, wenn sie mit ihrem Felsen von dem grünen Wasser der Wardar umschlossen war.
Abb. 68. Mühle in der Topolkaschlucht bei Veles.
Abb. 68. Mühle in der Topolkaschlucht bei Veles.
Zoologisch war der obere Teil der Babunaschlucht besonders interessant. Ehe man die hohen Felsen erreichte, durchwanderte man einen Kessel, der fast ringsum abgeschlossen, durch Kalkberge von der Sommersonne zu einer Höllenglut erhitzt werden konnte. Legte man die Hand an die Felsenwand, so zog man sie erschrocken zurück und glaubte sie verbrannt zu haben. In diesem heißen Gebiet fanden sich unter den Steinen zahlreiche Skorpione und riesige Tausendfüßler. Die Skorpione warenEuscorpius carpathicusL. undButhus occitanus Amoreux. Hier fingen wir die GiftschlangeVipera ammodytes(L.), die Sandotter, hier lagen auf denFelsen große grüne Eidechsen mit blauen Bäuchen (Lacerta majorBlgr.), und die flinken Mauereidechsen (Lacerta muralis muralisLaur.) huschten zu Dutzenden umher, auf der Jagd nach der Insektenwelt, die in dem zur Zeit fast pflanzenlosen Gebiet unerklärlich reich erschien. Ein besonders interessanter Fang war dort eine Fliege aus der Familie der Bombyliden, die abgebildeteBombylius analisEb. mit ihrem schneeweißen Hinterende, das vom tiefschwarzen Körper eigenartig absticht. Sehr geplagt wurde man von Bremsen, besonders demTabanus aterRossi.
Abb. 69 Hummelfliege.Bombylius analisFb. (Babunaschlucht).
Abb. 69 Hummelfliege.Bombylius analisFb. (Babunaschlucht).
In ganz unglaublichen Mengen kam ein kleiner Käfer mit eigenartiger orangegelber Behaarung (Amphicoma vulpesFabr.) vor. VonSchmetterlingenfielen bei den verschiedenen BesuchenEuchloë groniH. S., ein Verwandter unseresAurorafaltersauf, dessen Männchen am Vorderflügel orange-, am Hinterflügel hellgelb gefärbt ist, während das Weibchen schwarzweiß ist. Übrigens flog dort auch der gewöhnliche AurorafalterEuchloë cardaminesL. VonBläulingengab esLycaena cyllarus, vonPerlmutterfalternArgynnis pandoraSchiff und von den dickköpfigen HesperidenAllopea lineolaOchs.
Das Überraschendste war aber der Vogelreichtum in den Felswänden; Löcher im Gestein boten reiche Nistgelegenheit, welche vor allem von Felsentauben (Columba livia liviaGm.) ausgenützt wurden. Diese Stammmutter unserer Haustauben brütete dort in Dutzenden von Paaren. Ein Schuß trieb Hunderte der Vögel auf, welche einen solchen Schwarm bildeten, daß sie einen deutlichen Schatten auf den Talboden warfen, als sie erschreckt aufflogen. Weiter oben hatte der Schuß stattlichere Gäste zur Erscheinung gebracht. Ein PaarGänsegeier, dazu mehrereKaiseradlerkreisten um die Felsen und die Annahme, daß auch diese da oben brüteten, lag nahe.
Beim Rückmarsch durch das Tal konnte man die in ganz Mazedonien in steinigen Gebieten häufigenFelsenkleiber(Sitta neumayeri neumayeriMichah.) beobachten. Mit seinem blaugrauen Rücken und der weißlichen, rostrot überhauchten Brust ist dieser unruhig auf den Felsen herumlaufende Vogel eine belebende Erscheinung in den Felsenwüsten. Noch eigenartiger ist derAlpenmauerläufer(Tichodroma murariaL.), der mit den hochroten Fahnen seiner Flügelfedern, dem sonst aschgrauen, zerstreut braun-, schwarz- und weißgefleckten Gefieder und seinem eigenartigen Flügelschlag, wenn er an der Felsenwand flattert, einen ganz fremdartigen Eindruck macht.
Weiter unten gegen den Wardar, wo das Tal breiter wird, traten nochRostschwalbenund der am Wasser über die Steine huschendeWasserstarhinzu.
Abb. 70. Pappelhain am Wardar. Im Hintergrund Veles und seine Felsenberge.
Abb. 70. Pappelhain am Wardar. Im Hintergrund Veles und seine Felsenberge.
Müde von der Felsenkletterei kehrte man gern in das gastliche Lager des HauptmannsJungmannzurück, welches einen weiteren Anziehungspunkt in Veles bedeutete. Draußen, oberhalb der Stadt am Wardar befand sich ein großes Etappenlager als Basis für die Babunastraße. Dort hatte der Hauptmann eine kleine Hütte, in der man gastliche Aufnahme fand. Vor dieser Hütte war ein behaglicher Platz zum Sitzen, von dem aus man einen ganz eigenartigen, besonderen Blick auf die Stadt Veles genoß.
Vorn wälzte der Wardar an einem solchen Abend seine hochgeschwellten, trüben Fluten dahin. Von dem gelben Wasser hob sich jenseits ein Wald von Pappeln, Erlen und alten Ulmen ab. Es war eine Wildnis, die sich da längs des Flusses ausdehnte. Vor dem Dunkel der Bäume hoben sich zierlich die hohen Wasserschöpfräderab. Als es zu dämmern begann, bildete der Baumbestand eine fein umrissene dunkele Silhouette vor den Häusermassen der Stadt, die im Glanz der Abendsonne aufglühten. Klar und scharf standen dahinter die kahlen, dürren Berge mit ihrer schönen Umrißlinie. An ihren Flanken sah man die Stadt sich hinschmiegen. Tiefe Schatten fielen auf die Wände der Schluchten, ihre von Wind und Wetter verarbeiteten Formen traten in wundervoller Klarheit hervor. Von Süden zog eine Gewitterwolke heran, die den hellen Himmel allmählich verdunkelte. Die Stadt selbst glühte immer mehr auf in den Strahlen der scheidenden Sonne, welche unter der Wolkenbank sie erreichten. Einzelne Fenster sandten feurige Blitze herüber. Die aus den Wolken fallenden Regentropfen, welche in ihrer Spärlichkeit den dürstenden Boden nicht erreichten, genügten doch, um einen strahlenden Regenbogen zu erzeugen, der sich wie ein festlicher Schmuck in hohem Bogen über die leuchtende Stadt und die dämmernden Berge schwang. In diesem köstlichen Rahmen steigt wie eine Traumvision noch manchmal das Bild der Stadt Veles in meiner Erinnerung auf.
VELES VOM RECHTEN WARDARUFER.
VELES VOM RECHTEN WARDARUFER.