ZEHNTES KAPITEL

ZEHNTES KAPITEL

AM DOIRANSEE

VomDoiranseewurde beim mazedonischen Heer viel erzählt. An seinen Ufern wurde im Frühjahr 1917 hart gekämpft. Sein blauer Spiegel sei wundersam von der braungelben Landschaft eingerahmt; reizvoll spiegle sich die weiße StadtDoiranin seinem Wasser. So faßte mich denn Sehnsucht, den schönen See zu sehen. Auch für den Naturforscher mußte er Interessantes versprechen. Ein großer See im Binnenland, der kaum erforscht war, mußte eine eigenartige Tierwelt beherbergen.

Ich plante eine Expedition zum See, stieß aber sogleich auf viele Schwierigkeiten. Es war ja Krieg, und wie bei den anderen großen mazedonischen Seen, so ging auch hier die Front mitten durch den See. Die Ufer wurden viel beschossen und jedes Schiff, welches sich hinauswagte, wurde mit Schrapnells und Granaten bedeckt. Aber so gut unsere Soldaten es am See jetzt seit Jahren aushielten, so gut mußte es für den Naturforscher möglich sein, dort seine Arbeit zu tun.

Der Plan wurde ausgearbeitet und fand bei den militärischen Behörden Verständnis und tatkräftige Unterstützung. Da bei Tag jedes Boot von den gut eingeschossenen englischen Batterien unter Feuer genommen wurde, konnte ein Versuch nur nachts unternommen werden. Militärische Hilfe war notwendig, alle deutschen und bulgarischen Posten und Batterien mußten verständigt werden, damit nicht das Feuer unserer Truppen sich auf uns richtete.

Unsere Fahrt war in allen Einzelheiten aufs sorgfältigste vorbereitet und alles klappte prachtvoll. Am Abend des 8. Juli 1917 kam es zum ersten Besuche des Doiransees. Zwei Tage vorher waren meine Netze, Planktonapparate, Thermometer und sonstigen Instrumente aus Deutschland angekommen. Gute Hilfe leisteten mir wissenschaftliche Kollegen, welche als Offiziere bei den deutschen Truppen der 1. Bulgarischen Armee standen. Einer von ihnen, einer meiner alten Schüler, HauptmannFrischholz, befehligte einen Pionierpark im Wardartal. Von ihm hatte ich schon mancheHilfe erfahren. Er begleitete mich auf der Doiranfahrt und übernahm die militärische Führung. Angeschlossen hatte sich noch der Münchener Geologe Dr.Leuchs, der als Kriegsgeologe im Gebiet tätig war.

Abends nahm uns am Bahnhof inDedeliein Auto des A.O.K. auf und brachte uns rasch über denFurkapaßdurch das Tal vonCernistein die Nähe des Sees. Ein rotgoldener Abendhimmel überstrahlte das westlich vom See gelegene Gebiet desDubund der angrenzenden Berge, als wir uns in ihrem Schatten dem See näherten. Vorsichtig mußten wir die im Schußbereich der feindlichen Artillerie liegende Straße benützen. Vorsicht hieß rasch fahren und etwas riskieren. Es dunkelte schon, als ein Reiter uns empfing und uns durch die Granattrichter die Straße entlang soweit geleitete, als Fahren möglich und erlaubt war. Der Spiegel des Sees blinkte auf, als wir aus dem Wagen stiegen, um zu Fuß in einer Wanderung von wenig Kilometern das Boot zu erreichen. Viel konnte man hier vom See nicht erkennen. Denn das ganze Nordufer und ein großer Teil des Westufers sind flach; ein breiter Schilfgürtel faßt hier den See ein. Der Abendwind rauschte in den Binsen, leise plätscherten die Wellen, während wir bei steigender Dunkelheit nach dem Boot suchten. Es lag versteckt im Schilf nahe bei der Stadt Doiran.

Schon war es vollkommen dunkel, als wir den auf uns wartenden Pionierponton fanden; in der Finsternis leiteten uns das leise Rasseln der Ketten und die Stöße der Ruder am metallenen Rumpf des Bootes. Deutsche Pioniere nahmen uns auf und ruderten langsam seewärts. Es war nicht einfach, in der dunklen Nacht durch den mehrere hundert Meter breiten Schilfwald den Weg zu finden. Aber unsere Soldaten — sie waren meist von Beruf Fischer und Seeleute — kannten sich im Gebiet gut aus und brachten uns bald aufs freie Wasser hinaus.

Dunkelheit umfing uns, als wir aus dem krachenden Schilf auf die Fläche des Sees hinausglitten. Leise mußten die Ruder eingetaucht werden; denn weit tönte der Schall über das Wasser. Wir machten unsere Apparate bereit, brachten die Seile und Schnüre in Ordnung. HauptmannFrischholzwarnte vor Benutzung der Taschenlaternen, um den Feind nicht auf uns aufmerksam zu machen. Am dunklen Himmel strahlten die Sterne stark und schön in der warmen Julinacht; manche warfen einen blinkenden Streifen über die Wellen. Drüben am feindlichen Uferblitzten Lichter auf, roter Rauch von Lagerfeuern stieg in die Höhe. Leise fuhr unser Boot über dem schwarzen, leise gurgelnden Wasser. Es war eine eigenartige Empfindung, so einsam, fern von allen Menschen, als Einzige auf dem dunklen See zu treiben.

Wir hatten nicht Zeit uns lange Stimmungen hinzugeben. Wir mußten rasch unsere Arbeiten erledigen, um nicht das Leben deutscher Soldaten zwecklos zu gefährden. Unsere Thermometer wurden in verschiedene Tiefen gesenkt, die Temperaturen gemessen. Währenddessen wurde gelotet und unsere Planktonnetze schwebten im klaren Wasser. Unter dem KommandoFrischholz'bewegte sich das Boot gewandt und zweckentsprechend. In kurzer Zeit konnte ich alle gewünschten Untersuchungen durchführen. In den Glasgefäßen hatte sich wohl eine vielgestaltige Welt von Planktontieren angesammelt, die wir nur ahnten, noch nicht feststellen konnten. Denn der Hauptmann gestattete nur sekundenlange Lichtblitze aus den Taschenlampen zum Ablesen der Uhren, zur Überwachung der Apparate, der Netze, der Seile und Drähte.

Unter langsamen Ruderschlägen hatte das Boot mehrere Kreise in der Mitte des Sees gefahren. Währenddessen hatten wir die vorgenommenen Untersuchungen erledigt und der Hauptmann mahnte in seiner großen Gewissenhaftigkeit zur Rückkehr zum Ufer.

Mittlerweile waren die Berge am jenseitigen östlichen Ufer allmählich deutlicher geworden. Ein zarter goldner Schein begann am Himmel hinter ihnen emporzusteigen und ließ ihre Umrisse scharf hervortreten. Der Mond nahte hinter ihnen und mußte bald seine Strahlen über die Fläche des Sees werfen.

Wir wandten uns zum Ufer und die Pioniere zogen die Riemen kräftig an. Mit dumpfem Gerumpel drehte sich das Boot. Hatte dies Geräusch zu stark über den See geschallt oder war doch vorher unser Lichtblinken beobachtet worden, plötzlich blitzten die beiden englischen Scheinwerfer am jenseitigen Ufer auf und warfen breite Lichtbahnen über den See. Einige Schüsse krachten, Maschinengewehrfeuer weckte das Echo der Berge.

Dann war es wieder dunkel. Die Pioniere legten sich fest in die Ruder, unser schweres Boot rollte gurgelnd über den Wellen und bald strich es prasselnd durch einzelne Schilfgruppen, die vor dem eigentlichen Schilfwald aufragten. Wir suchten in der Dunkelheit lange nach den Gassen, die den Schiffern vertraut waren. Es war nicht leicht, in der Nacht in der gleichmäßigen Schilfwanddie richtige Einfahrt aufzufinden. Schließlich fuhren wir in eine Gasse ein und hielten aufs Ufer zu. Bald schloß sich aber der Weg, wir gerieten in dichtes Schilf, das rauschend und knisternd vor unserem Boot sich bog und brach und sich schließlich so verfilzte, daß unser Boot umklammert und festgehalten wurde. Wir steckten fest im Schilf und es kostete starke Arbeit bis wir uns wieder freigemacht hatten. Nun fuhren wir weiter durch das dicke Schilf, in dem es keinen Durchblick und keinen Überblick gab. Hoch ragten die Schilfhalme, etwa 3 m lang, über unsere Köpfe, selbst wenn wir uns auf Kisten und Eimer stellten und hoch emporreckten. Wir kamen durch mehrere offene Stellen im Schilf, die wie stille Weiher aussahen. Sie waren aber selbst wieder vom Schilfwald umgeben, in den wir immer wieder eindrangen, um noch mehrmals hängen zu bleiben. Plötzlich saßen wir auf einer Sandbank fest.

Um uns immer das eintönige Rascheln des Schilfes, das Säuseln des Nachtwindes in seinen Halmen. Es wurde etwas unheimlich in der dunklen Nacht in dieser Wirrnis der Pflanzen. Hatten wir auch nicht die Richtung verloren, gerieten wir nicht in das Gebiet der Engländer?

Mit kräftigem Entschluß befahl schließlich der Hauptmann wieder aus dem Schilfwald herauszurudern. Wir kamen durch, bohrten uns bis an seinen Rand zum offenen Wasser und ruderten nun am Schilf entlang bis zu einer neuen Straße, die durch einen verfallenen Pfahlbau gekennzeichnet, unsere Schiffer zu einem bekannten Landungsplatz führte. Wir waren etwas weiter nach Norden, also weg von den Engländern ans Land gekommen.

Wir kletterten am Ufer hinauf; vorsichtig luden wir Instrumente und Netze sowie die Gläser mit der kostbaren Ausbeute aus. Wir standen im tiefen Dunkel, in für uns alle unbekanntem Land, als das Rauschen im Schilf wieder anhob und uns verriet, daß unsere getreue Schiffmannschaft ohne Abschied, ohne unseren Dank abzuwarten, in der Nacht verschwunden war.

Wir fanden aber bald die uns bekannte, am See entlang laufende Landstraße, die uns orientierte. Nun hätten wir in mehrstündigem Marsch zu Quartieren gelangen können, um dort den Rest der Nacht zu verbringen. Ich hatte aber die Absicht, den nächsten Tag noch am Ufer des Doriansees zu verbringen und weitere Untersuchungen zu machen. So stiegen wir seitlich vom See einen Hügel hinan, um in einiger Entfernung von der Straßeuns zwischen Büschen ein Nachtlager zu suchen. Wir hatten außer unseren Apparaten keinerlei Gepäck bei uns. In der lauen Julinacht konnten wir ohne Scheu am Boden im Gras schlafen. Wir wanderten aber einige hundert Meter über die Straße bergauf, weil wir wußten, daß jene nachts regelmäßig mit schwerem Geschütz beschossen wurde, da sie die einzige Etappenverbindung für unsere Truppen in der Doiranstellung darstellte.

UnterhalbKara Oglularfanden wir eine mit Büschen der Stacheleiche bedeckte Mulde, die wir uns als Nachtquartier erwählten. Kaum waren wir angelangt, so wurden beim Schein der Taschenlampen die Planktonfänge geprüft, die nötigen Konservierungen vorgenommen und der mitgebrachte Proviant verzehrt.

In den Gläsern fand sich ein Gewimmel von durchsichtigen glitzernden Planktontieren. Beim unsicheren Licht der Taschenlampen konnte man gerade noch erkennen, daßCopepodenundDaphnidenim Wasser schwirrten, ja ich glaubte schon, einen größeren Planktonkrebs zu sehen, der sich dann später tatsächlich als eine interessante Form, als eine Verwandte derLeptodorades Bodensees erweisen ließ.

Müde legten wir uns dann am Boden nieder, um einige Stunden zu schlafen. Leuchtkäfer leuchteten zwischen den Gräsern und schwirrten durch die Luft, als wir in Gruben uns schmiegten, um uns vor dem aufkommenden Seewind zu decken. Wir kamen aber nicht zum Schlafen, denn wir wurden alsbald von Mückenschwärmen umsummt, die sich in Massen auf unsere Gesichter und Hände niederließen. Das mußte uns beunruhigen, denn wir alle wußten, daß die Ufer des Doiransees zu den schlimmsten Malariagegenden des Kriegsschauplatzes gehörten. Natürlich glaubten wir, von den gefährlichen Malariamücken, denAnopheles, umschwärmt zu sein.

Am Morgen konnte ich feststellen, daß unsere Sorge umsonst war. Denn ich fand, als es hell wurde, daß die dichten Mückenschwärme von einer harmlosen nicht stechendenFedermückeaus der GattungChironomusgebildet wurden. Ihre Larven erfüllten in Massen das Uferwasser des Doiransees und selbst im nachts gefischten Plankton aus der Mitte des Sees waren sie zahlreich vertreten.

Wir nahmen nun alle pflichtgemäß unsere bis dahin unter den starken Eindrücken vergessene Chinindosis und bewegten uns etwas weiter bergauf. Und das hatten wir nicht zu bereuen; mittlerweile war der Mond aufgegangen und beleuchtete den Seeund die umgebenden Berge mit seinem silbernen Licht. Er kam spät herauf, da er im Abnehmen begriffen war. Dem hatten wir unsere ungestörte Kreuzfahrt im Dunkeln zu verdanken. Jetzt aber genoß ich mit meinen Begleitern das wundervolle Landschaftsbild, welches das Licht des Mondes vor unseren Augen enthüllte.

Von unserem Standpunkt hatten wir den ganzen ovalen See vor uns ausgebreitet; nur zur Rechten verdeckten die Berge die StadtDoiranund einen Teil des Südendes des Strandes. Auf dem leichtbewegten Spiegel des Sees blinkelten die Silberreflexe des Mondes, eine breite Bahn von den Feinden zu uns herüberziehend. Die schöngeformten Berge jenseits waren von einem feinen blauen Licht durchleuchtet; leichte Nebel hoben sich über dem sumpfigen Nordrande des Sees.

Am Abhang liegend, freuten wir uns des schönen Bildes; aber Ruhe zum Schlafen bekamen wir nicht. Mit dem steigenden Mond hatte sich auch eine starke Beschießung mit schweren Kalibern von feindlichen Geschützen erhoben, welche der Seestraße galt. Wir waren ganz froh, daß wir unsere Schlafgruben, von den Mücken verjagt, im Stich gelassen hatten, denn im Mondschein erkannten wir sie als Granattrichter von früheren Beschießungen, sahen auch nahe die spärlichen Reste eines zusammengeschossenen Dorfes.

Bald nahmen die deutschen schweren Batterien das Duell auf und hoch über uns brummten und schwirrten die schweren Granaten herüber und hinüber, während wir in Ruhe den schimmernden See bewunderten.

So kamen wir kaum zum Schlaf und setzten uns im dämmernden Morgen gegen 4 Uhr in Bewegung, um den Nordrand des Sees zu umwandern. Dabei waren wir immer noch von dichten Schwärmen der Federmücken umgeben, die auf unsere Uniformen niederfielen, in die Ärmel und den Hals rutschten und uns unangenehm belästigten. Viele Millionen der Tiere schwirrten in der Luft, und mehr noch schwammen als Larven und Puppen im Wasser des Sees.

Es war ein dunstiger Morgen, während wir durch ein flaches Buschland wanderten, hinter welchem niedere stark zerrissene, dürre Hügel emporstiegen; als wir weiter nach Osten am Nordrand des Sees hinwanderten, stiegen im Norden blaue Berge vor uns auf, die wenig charakteristischen Gipfel der Belasiza Planina. Wir liefen soweit nach Osten, bis wir in einem tiefeingeschnittenenTal, das ostwärts zog, die Gräben bei dem OrtBresterkannten. Hier reichte die feindliche Front weit nach Norden, während sie am Westufer des Sees nur dessen südlichen Rand erreichte. Da sahen wir wirklich weißleuchtend die StadtDoiranam Strand sich erheben und im blauen Wasser des Sees sich spiegeln. Man konnte meinen, große Paläste und zierliche Villen dort stehen zu sehen. Leider aber wußten wir, daß die Stadt ganz zerschossen und von der Bevölkerung verlassen war. Eine reizvolle und malerische Stadt muß es einst gewesen sein; das beweisen die Photographien aus der Stadt, die ich von befreundeter Seite erhielt. Nördlich der Stadt fallen Felsenufer steil zum See ab, während sonst die Ufer am ganzen See ziemlich flach sind.

Abb. 71. Doiransee aus der Artilleriestellung in der Belasiza Planina.

Abb. 71. Doiransee aus der Artilleriestellung in der Belasiza Planina.

In den ersten Morgenstunden, solange Dunst und Nebel die Fernsicht behinderten, durchstreifte ich mit dem InsektensammlerRangnowdie Fläche, die sich zwischen dem See und den Hügeln ausdehnt. Es ist ein dürres Gelände, zum Teil Schwemmland und ist von einem kleinen Bach durchströmt, der in den Doiransee mündet. Die Umgebung war enttäuschend kahl und reizlos. Fast nur Stacheleichen und der gefürchtete Judendorn bildeten Buschgruppen, die zerstreut auf dem gelben zerissenenBoden wuchsen. Dazwischen ragten mächtige Disteln mit purpurroten Blüten empor. Niederes Brombeergestrüpp hinderte überall das Weiterkommen. Größere Bäume, meist Ulmen, erhoben sich nur am Bachufer und vereinzelt in dem Sumpf, der an den See grenzte. Es waren dies auffallend stattliche alte Baumriesen.

Eigenartig wirkte der breite saftgrüne Sumpfstreifen vor dem leuchtend blauen See; die beiden grellen Farbflecken waren harmonisch verbunden durch den grauen Schilf, der zwischen ihnen sich weit in den Sumpf erstreckte; am äußeren Rand vermischten sich graugrün und blau, indem der Schilfbestand wie eine feine Tüpfelung sich im blauen Wasser auflöste. Man konnte durch den Schilf nicht ans Wasser gelangen und unsere schönen Pläne, im See ein erfrischendes Bad zu nehmen, konnten nicht zur Ausführung kommen.

Die Sonne stieg höher, die Ferne wurde klarer. HauptmannFrischholzwünschte, daß wir uns nicht mehr am Seeufer zeigten, da erfahrungsgemäß selbst kleine Menschengruppen Beschießung auf sich zogen. Ich war gerne bereit auf die Hügel zu steigen, da das Seeufer wenig zoologische Ausbeute versprach. Am Bach hatte ich große Flüge von Libellen beobachtet, die auch über dem Schilf flogen und eifrig die Federmücken fingen. Heuschrecken in verschiedenen Larvenstadien hüpften im Sumpfgras.

Als wir den Hügeln zuwanderten, bemerkte ich hunderte von Schnecken, Vertreter einer Helix-Art, welche in gedeckeltem Zustand an den dürren Gräsern hingen, schon im Sommerschlaf versenkt. Wir marschierten in glühender Hitze vom See weg, setzten uns am Hügelrand in den Schatten eines einsamen Baumes und ließen uns von unserem Geologen erzählen, was er sich von der Entstehung dieses Seebeckens dachte.

Der See lag blinkend in der glühenden Mittagssonne vor uns. Tiefblaue Streifen wechselten mit breiten, wie Quecksilber schimmernden Bändern. Besonders im Süden zeigten die Berge einen rötlichen Schimmer.

Herr Dr.Leuchswar der Meinung, der Doiransee sei früher viel größer gewesen; er vermutete einen früheren Abfluß nach Osten über das flache Tal beiBrestund eine Verbindung mit der Struma. Diese Verbindung sei später gesperrt worden, indem Gerölle von der Belasiza Planina das Tal auffüllten. Der See habe einen neuen Abfluß nach Süden gewonnen, der jetzt bei dem Bahnhof Doiran austritt und eine Verbindung mit dem Ardzanseeherstellt. Er meinte, der See sei früher ein viel größeres Becken gewesen, habe sich weit in das Tal von Cerniste gegen Nordwesten erstreckt und sei wohl, den südlichen Seen vergleichbar, eine Lagune, wenn nicht ein Meeresabschnitt gewesen.

Unsere zoologischen Beobachtungen an der Seefauna ergaben keine Belege für eine solche Annahme einstigen Zusammenhangs mit dem Meere.

Wir mußten nachmittags die Gegend des Sees verlassen, um den Treffpunkt zu erreichen, an welchem das Auto uns abends wieder abholen sollte. Es war ein glühend heißer Tag geworden und der Marsch, bei welchem wir die Instrumente und Netze tragen mußten, war sehr anstrengend. Es war einer der Tage, an denen die Schattentemperatur auf 40° C stieg.

Flieger-Abt. 34 phot.Abb. 72. Blick aus der Stadt Doiran auf den See.

Flieger-Abt. 34 phot.Abb. 72. Blick aus der Stadt Doiran auf den See.

Flieger-Abt. 34 phot.

Abb. 72. Blick aus der Stadt Doiran auf den See.

Während wir am Nordrande des Sees entlang marschierten, begann eine starke Beschießung der Stadt Doiran und unserer südlich von hier sich hinziehenden Stellungen. Dort lagen bulgarische Truppen der I. Armee, welche sich sehr gut schlugen und deren tapfere Verteidigung der Doiranfront immer sehr anerkannt wurde. Schweres Geschütz der Engländer begann ein regelmäßiges Feuerauf die Stadt Doiran und die Stellungen. Mächtige Rauchsäulen stiegen in regelmäßigen Abständen auf und verrieten die Einschlagstellen. Bei der geringen Entfernung — der Nord-Süd-Durchmesser des Sees mißt 8 km — konnte man die Beschießung gut über den See hinweg verfolgen.

Wir sahen die weiße Stadt über dem dunkelblauen Wasser aufragen, den gelbgrauen Berg hinansteigend, seinen Falten angeschmiegt. Wir konnten in die Straßen hineinblicken, erkannten am Strand große Lagerhäuser, grüne Baumgruppen dahinter und aus dem Gewirre der Mauern tauchten zwei Minarets und der Turm einer christlichen Kirche auf. Was wir aber aus der Ferne nicht sehen konnten, waren die fürchterlichen Zerstörungen des Krieges, welche die Stadt, die uns so wohlerhalten schien, zu einem Trümmerhaufen machten.

Abb. 73. Hügel bei Cerniste mit typischen Erosionsschluchten.

Abb. 73. Hügel bei Cerniste mit typischen Erosionsschluchten.

Granate auf Granate fiel ein; es war ein großer Tag am Doiransee. Rauch- und Staubsäulen fuhren hoch in die Lüfte und hielten sich bei der mittäglichen Windstille lange in der Höhe, so daß man den Zug der Schützengräben und Verhaue aus ihnen entnehmen konnte.

Während dieses Schlachtgetöses marschierten wir schwitzend und seufzend mit unseren Lasten durch die Gluthitze des Julitagesam Nordrand des Sees entlang. Unsern Marsch richteten wir, wenn es irgendwie möglich war, auf einen der wenigen Bäume, die in der kahlen Landschaft noch aufragten. In dem kargen Schatten dieser Bäume rasteten wir mehrmals. Wir kamen durch die geringen Reste eines ehemaligen OrtesHasanli, der einer Bewegung der Front einmal zum Opfer gefallen war. Wie ein Fabrikschornstein ragte der Rest eines Minarets aus dem Trümmerhaufen empor. Einige Kilometer weiter fanden wir den letzten Schattenbaum auf dieser Strecke und lagerten unter ihm und wollten dort ruhen bis gegen Abend, da wir nicht mehr allzuweit vom Treffpunkt für das Auto entfernt waren. Wir hatten uns vom See entfernt, Hügel hatten sich zwischen uns und ihn gelegt. Dreieckig abgeschnitten sahen wir seine blaue Fläche aus dem dürren, gelbbraunen Lande aufleuchten.

Zur Ruhe sollten wir aber im Schatten des Baumes nicht kommen. Fliegergeschwader erschienen in der Luft und kämpften miteinander. Abwehrbatterien feuerten von verschiedenen Bergsätteln. Der blaue Himmel war mit zahllosen Schrapnellwölkchen gefleckt. Es war ein großer Kampftag in Mazedonien.

Die schweren Geschütze begannen ein Duell. Die Engländer schossen mit ihren Langrohren über den ganzen See hinüber. Heulend flogen die schweren Granaten hoch oben durch die Bläue des Himmels über Wasser und Berge und schlugen uns gegenüber an den Hängen des Kala Tepe (608 m) und des Dub (695 m) ein. Diese kahlen Berge trugen deutsche und bulgarische Stellungen. Wir konnten von unserem Rastplatz von hinten in sie hineinsehen.

Von dort antwortete eine unserer schweren Batterien, welche im Steilfeuer mächtige Granaten über den See zu den Engländern warfen. Auf diese Batterien hatten es offenbar die Engländer abgesehen. Immer wieder strichen ihre Flieger über sie hin. Immer wieder suchten die Einschläge der Granaten sie ab. Für uns war es ein behagliches Gefühl zu beobachten, wie die Engländer immer um einige hundert Meter zu kurz schossen.

Ich achtete aber bald nicht mehr auf diesen Kampf der Menschen; ich hörte bald das Schießen der Kanonen nicht mehr vor einem anderen Getön, das die Luft erfüllte und sie in eigentümlicher Weise erschütterte. Das Brausen und Summen rührte von einer riesigen Menge von Zikaden her, welche heute ihrenHochzeitstag hatten. Es war eine große, silbergraue Zikadenart (Cicada plebejaScop.), von denen viele Tausende an diesem heißen Julitag um den Doiransee versammelt waren. In allen Büschen, an allen Pfählen und Stämmen saßen sie und ließen ihren eigenartigen Gesang erschallen. Schon in den Tropen, in Japan, in Italien hatte ich den Gesang der Zikaden genossen und bestaunt. In der Tropennacht mischte sich die Stimme der Zikaden mit mancherlei anderen Tönen, dort auch zu einer eigenartigen und höchst reizvollen Symphonie ihren Beitrag liefernd.

Abb. 74a-d.Cicada plebejaScop. Große graue Zikade.avon oben,bvon der Seite,cLarve,dNymphenhaut, aus der das fertige Insekt durch den Rückenschlitz ausgeschlüpft ist. Verkl. ⅗.

Abb. 74a-d.Cicada plebejaScop. Große graue Zikade.avon oben,bvon der Seite,cLarve,dNymphenhaut, aus der das fertige Insekt durch den Rückenschlitz ausgeschlüpft ist. Verkl. ⅗.

Aber so wie hier im heißen Sonnenlicht des mazedonischen Nachmittags hatte der Zikadengesang niemals auf mich gewirkt. Hier wetteiferte er nur mit dem Getöse der Geschütze. Und er siegte über ihn. Wie ein gewaltiger Orgelton quoll das Unisono von tausenden von Zikadenpaaren in die heiße zitternde Luft, hob sich in die Höhe und flog in Wellen mir ins Ohr.

Der Gesang der Einzelzikade ist ein grelles Titititititi; oft klingt es wie das Trillern einer Zugführerpfeife. Es gibt aber unendliche Nüancen der Tonhöhe, des Tempos, der Stärke. So entsteht ein polyphones Gebrause, wie von einem mächtigen modernen Orchester, wirkt auf den Menschen ein und erregt seine Nerven. Das Zirpen der einzelnen Zikade mag grell und unschön klingen. Hier im ungeheuer großen Chor vereinigte es sich zu einem Brausen wie Orgelklang, das schön und eigenartig musikalisch wirkte. Es mag sein, daß der rasche Wechsel sehr wenig voneinander verschiedener Töne, die in unendlicher Mannigfaltigkeit auf das Gehörorgan einbrausen, eine ähnliche Wirkung ausübt, wie im großen modernen Orchester.

Mag das sein wie es will; mag dies Tongewimmel auf den einen Menschen so wirken, auf den anderen anders, die Wirkung auf die Zikaden selbst, die das Konzert erzeugten, war ganz einheitlich. Es war das Liebesfest, der Hochzeitstag der Zikaden; es waren ihre Saturnalien, darum das tolle Gebrause. Sie störte an diesem Tag auch der Donner der Kanonen nicht. So lange die heiße Luft des Julitages sie umhauchte, so lange sangen sie im großen Chor.

Auf all den Büschen und Bäumen der Gegend saßen Dutzende von Paaren, vor allem gern auf der heißen Rinde der in der Gegend so seltenen Ulmen und Eschen. Da sah man sie meist dem Ast dicht angedrückt, die glatten, glasigen, glänzenden Flügel wie ein Dach über den Rücken gefaltet. Ihre großen Augen glänzten in vielen Farben, während das heiße Licht der Sonne sie bestrahlte. Ihr Körper war in einem heftigen Zittern begriffen, die Teile des Leibes bewegten sich gegeneinander, als atmeten sie heftig. Männchen und Weibchen fliegen zueinander und vereinigen sich in Copula, wenn der Chorgesang sie so gereizt hat, der Spannungszustand des Körpers so gestiegen ist, daß sie bereit sind zur Begattung.

Bald trennen sich die Gatten wieder. Das Männchen versteckt sich zum frühen Tod, während das Weibchen noch eine Weile zu leben hat, bis es seine Eier abgelegt und versorgt hat.

Das Hochzeitsfest dauert für die Art nur wenige Tage, wie für das einzelne Individuum nur wenige Stunden. Einige Tage nach dem 8. Juli wurden die Zikaden selten. Nur während der heißesten Sommertage ließen sie ihren Chorgesang ertönen. Früher und später im Jahre hört man nur einzelne Tiere, meist jedes von seinem Baum sein Trillern entsenden.

Das Weibchen legt seine Eier an den Wurzeln von Pflanzen, so von Eschen und anderen Bäumen ab. Die entstehende Larve saugt sich mit ihrem Rüssel an der Wurzel fest und nährt sich von deren Saft. So lebt sie mehrere Jahre unter der Erde, um dann im letzten Larvenstadium emporzusteigen und das fertige Insekt aus sich hervorgehen zu lassen. Dabei reißt die derbe Larvenhaut in einem Längsspalt in der Rückenmitte auf; das fertige Insekt schlüpft in ganz weichem, verletzlichen Zustand aus diesem Schlitz heraus und bleibt auf der Larvenhaut oder in deren Nähe sitzen, bis seine Oberfläche verhärtet ist. Dann breitet es seine Flügel aus, schwirrt in den Sonnenschein an den nächsten Baumund beginnt sein Lied zu singen. Nach dem langen Larvendasein unter der Erde lebt es eine kurze Zeit in Licht und Sonne, um nach Begattung und Eiablage eines raschen Todes zu sterben.

Ich beobachtete die grauschimmernden Zikaden den ganzen Nachmittag, bis der Abend herabsank. Als kühle Luft vom See herüberwehte, verstummten sie, das Konzert war zu Ende.

Erst jetzt achtete ich darauf, daß das Geschützfeuer auch ein Ende gefunden hatte. Tiefe Stille herrschte in der Natur, als der Abend kam. Wir wanderten in der Dämmerung die kurze Strecke zu der Wegkreuzung, wo der Wagen auf uns wartete, der in schneller Fahrt mich zu meinem Standquartier zurückbrachte.

Es war kein endgültiger Abschied vom Doiransee. Im Mai des Jahres 1918 wurde eine zweite nächtliche Forschungsfahrt auf dem See unternommen, die mit ähnlichem Erfolg endete.

Schöner als von seinen Ufern aus erscheint der Doiransee von den ihn umgebenden Gebirgen aus gesehen. Von den Bergen des Furkapasses, vom Dub und gar von derBelasiza Planinaaus gewährt er manch äußerst reizvollen Anblick.

Welch schönes malerisches Bild bot er von den Gipfeln des Gebirges aus dar, wenn man etwa aus den Buchenwäldern der Visoka Čuka, umrahmt von Baumzweigen, tief unter sich den blauen See schimmern sah, umgeben von den zahlreichen Ketten der ihn umgrenzenden Gebirge, und den Blick schweifen ließ in Fernen, wo das Ägäische Meer aufleuchtete, wo die Berge der Chalkidike und der ferne Olymp blau schimmerten und die Gedanken in weite Fernen verführten.

Über unsere Forschungen amDoiransee, bei denen mich im Jahre 1918 Dr.Nachtsheimunterstützte, kann vorläufig folgendes berichtet werden. Der See ist, nächst dem Kaltanowosee, der kleinste der von mir untersuchten mazedonischen Seen. Er liegt auch viel tiefer als die anderen, nämlich 148 m über dem Meer. Er umfaßt ein Areal von nur 42,6 qkm. Seine größte Tiefe ist 9,9 m, also nur fast 10 m. Man versteht daher die weitgehende Verschlammung seiner Ufer und den breiten Schilfrand, der ihn umgibt.

Wie bei dem allerdings beträchtlich tieferen Prespasee ist auch seinPlanktonreich anpflanzlichenBestandteilen. Bei dem Fang im Juli 1917 fanden sich zahlloseBlaualgenin den Oberflächenschichten, auch reichlichCeratien, Chrysomonadinen und andere pflanzliche Organismen. Ähnlich pflanzenreich warenauch die Fänge im Mai 1918. Diese enthielten dazu zahlreiche Daphniden (Daphnia cucullata) und Copepoden, kleine Cyklopiden (Cyclops strenuus). In diesen Frühlingsfängen kamen jungeFlohkrebse(Gammariden) in beschränkter Zahl vor. In 8 und 10 m Tiefe, also dicht über dem Boden, fanden sich auffallend vieleNauplius-Stadien von Copepoden. Das Netz muß hier fast auf dem Boden geschleift sein; in ihm hatten sich einigeMuschelkrebse(Ostracoden) und eine AnzahlWassermilbengefangen.

Abb. 75. Blick von der Visoka Čuka auf den Doiransee.

Abb. 75. Blick von der Visoka Čuka auf den Doiransee.

In den Julifängen fällt besonders eine stattlicheCladocere, eine Art der GattungLeptodora, auf. Dieses schöne durchsichtige Tier, aus unseren süddeutschen Seen bekannt und vonWeismannvor vielen Jahren im Bodensee genau studiert, kommt in vielen Varietäten und Arten in süd- und osteuropäischen Seen vor. In den Julifängen war die Art des Doiransees sehr reichlich in Männchen und Weibchen, jugendlichen und erwachsenen Exemplaren vertreten, viel reichlicher als in den Maifängen des Jahres 1918. Der Höhepunkt der Entwicklung scheint also im Hochsommer zu liegen. Im Juli war auch der Reichtum anRädertierchen(Asplanchniden) bemerkenswert, sowie das Vorkommen einerBosmina-Art, einer Daphnide, die beide im Mai fehlten. Selbst weitdraußen im See schwammen zwischen den zarten Planktontieren die plumperen Larven der Federmücken.

Im Doiransee kommt auch derFlußkrebs(Astacus fluviatilisL.) vor, und zwar erreicht er dort eine beträchtliche Größe. Die Doirankrebse waren in der Armee sehr berühmt und beliebt.

Leider war es mir unmöglich, Fische aus dem Doiransee zu erhalten. Nur kleine Fischlarven waren in den Planktonfängen enthalten.

Außer den früher erwähntenInsektenmöchte ich aus derSchilfregiondes Doiransees den Reichtum an schönen, auffallend gefärbtenStratiomyiden, denWaffenfliegen, erwähnen, welche in verschiedenen Arten vertreten waren, soLasiopa tenuirostrisLw.,Rhynchomyia impavidaRossi,Rh. speciosaLw.,Stratiomyia erythroceraEgger undStr. chamaeleonL. — Unangenehm machte sich an dem heißen Julitag dieBremseTabanus umbrinusMg. bemerkbar.

Von Käfern fand ich als auffallende Form an den Baumstämmen einen kleinen braunen, goldglänzendenBorkenkäfer(Capnosa tenebriosaFal.). Im Juli kamen wir für dieRohrkäfer(Donacien) zu spät und bei dem Besuch im Mai konnten wir nur nachts uns am See aufhalten.

Abb. 76.Leptodorasp. Großer durchsichtiger Planktonkrebs aus Doiran- und Prespasee. Vergr. 10.

Abb. 76.Leptodorasp. Großer durchsichtiger Planktonkrebs aus Doiran- und Prespasee. Vergr. 10.

Von Spinnen fing ichOxyopes ramosusPanz.,Thanatus arenariusThor.,Epeira rediiLeop.,E. patagiataClerck,Agalena labyrinthicaClerck undPythonissa exornataC. L. Koch.

Wie schon die Gegend von Mravinca und Dedeli, so trug die Umgebung des Doiransees in ihrer Tierwelt einensüdlichenCharakter. Es wäre zu wünschen gewesen, daß wir mehr Gelegenheit zu Arbeit und längerem Aufenthalt in diesem Gebiet gehabt hätten. Immerhin wurden unsere Forschungen ergänzt durch die Sammlungen, welche Prof.Burgeff, Botaniker an der Münchener Universität, der als Soldat längere Zeit an der Doiranfront stand, dort anlegte. Unter ihnen sind dieReptilienbesonders interessant, so dieWasserschildkröte(Clemmys caspica rivulataVal.); der kleineGecko, dessen Wohnen in meinem Schlafzimmer ich im zweiten Kapitel beschrieb (Gymnodactylus kotchyiStud.) ist auch eine ausgesprochen südliche Form. Östliche und südliche Beziehungen zeigt eine mit den Riesenschlangen verwandte kleine Schlange (Eryx jaculusL.), dieSandschlange. Ein ähnlich interessanter Fund warTyphlops vermicularisMerr., die im Boden lebendeBlindschlange. Auch der seltsameScheltopusik(Ophisaurus apusPall.), wie die Blindschleiche einer Schlange gleichend und doch so ganz anders plump gebaut als diese, erscheint als fremdartiges Element in diesem Land, das in seinem Charakter eine so starke Durchmischung südlicher und nördlicher, östlicher und westlicher Bestandteile zeigt.

Die Doiranseegegend bildet offenbar in vielen Beziehungen einen Übergang zu dem südlichsten Teil der Balkanhalbinsel. Hier geht die Landschaft allmählich über ins flache Land bei Saloniki. Hier zeigt sich schon der beginnende Einfluß des Meeres und damit eine Annäherung an die Verhältnisse Griechenlands und an die adriatische Küste des Balkans.


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