SIEBENUNDDREISSIGSTES KAPITEL

SIEBENUNDDREISSIGSTES KAPITEL

DIE WIRBELTIERE MAZEDONIENS

Die einzige größere Tiergruppe, bei welcher schon ein allgemeiner Überblick über unsere wesentlichen Forschungsresultate gegeben werden kann, sind die Wirbeltiere. Unter ihnen treten die Säugetiere und Fische an Zahl der Sammlungsexemplare und auch an Bedeutung der wissenschaftlichen neuen an ihnen geförderten Ergebnisse zurück. Dagegen haben die Sammlungen der Amphibien, Reptilien und Vögel mancherlei interessante Funde und Tatsachen ergeben, die in diesem Buch schon gebracht werden können. So lohnt es sich, sie hier in diesem Kapitel knapp zur zusammenfassenden Darstellung zu bringen.

Aus ihr wird hervorgehen, daß wie stets ein solcher erster Vorstoß in ein unbekanntes Land und eine im wesentlichen unbekannte Fauna nur vorläufige Ergebnisse und viele neue Fragestellungen bringt. Vor allem die Säugetierfauna bedarf noch sehr genauer Durchforschung, die viel zum Verständnis der Verbreitung der Säugetierwelt Europas beitragen dürfte. Zu einer rationellen Durchforschung der Säugetiere Mazedoniens bedürfte es des Zusammenwirkens von Sportsleuten mit Wissenschaftlern, um vor allem die Zugehörigkeit der Rehe, Hirsche, Gemsen, der Bären, Wölfe, Schakale, der Wildschweine und all der Kleinsäugetiere zu erweisen.

Nicht allzu reich waren die Erfahrungen, welche ich mit meinen Helfern über die mazedonischenSäugetieresammeln konnte. Bei der vielseitigen Tätigkeit, die sich auf wenig Mitarbeiter verteilte, kamen die Säugetiere, deren Jagd und Beobachtung so zeitraubend ist, schlecht weg. Immerhin gewann ich einen gewissen Einblick in die Säugetierwelt Mazedoniens. Auch Prof.Müllerbeschäftigte sich so viel wie möglich mit diesen Tieren; seine Aufzeichnungen habe ich hier mit benützt.

Fledermäuseflogen nicht selten in der Luft; ihre Schlafstellen in den vielen Ruinen, in alten Bäumen, so in den hohlen Platanen des Nikolatales und an anderen Orten, habe ich öfterabgesucht. Leider fing ich im Bergwerk bei Rabrovo im Mai 1918 nur mehr einige Exemplare von zwei Arten. Im Winter war nach Aussage der Soldaten der verlassene Schacht von hunderten dieser Tiere erfüllt gewesen, die aber, als ich in der Gegend ankam, ihn schon verlassen hatten.

Unter denNagetierenwar die Hausmaus häufig; ich habe auch die Waldmaus gesehen. Die Ratten waren teils Hausratten, teils wohl sicherMus rattus alexandrinus. Prof.Müllerhält die von ihm gesammelten Tiere für von beiden abweichend. Eine weißgelbe Ratte mit dunkeln Augen kam in Veles vor.

Eichhörnchensind auch in den ausgedehnteren Wäldern offenbar selten. Ein schwarzbraun gefärbtes Exemplar im Sommerkleid wurde von Prof.Müllerim Buchenwald oberhalb des Han Abdipasa im Babunagebirge bei 1300 m Höhe erlegt. VomZiesel(Citillus citillusL.) war im Kapitel 26 die Rede; auch in der Golesniza Planina, unserem dort beschriebenen Fundort, handelt es sich offenbar um die typische Form. Aber das Vorkommen in etwa 2000 m Höhe ist sicher bemerkenswert.

Hasengab es reichlich in den Ebenen und Hügeln Mazedoniens. Unsere Offiziere und Soldaten haben ihrer viele erlegt; allein die Flieger im Wardartal bei Dedeli haben in einem Winter ihrer über 100 zur Strecke gebracht. In ganz Mazedonien kam ein großer, stattlicher Hase vor. Über seine Zugehörigkeit kann ich noch keine näheren Angaben machen. DerLepus europaeus mediterraneuskann es nicht sein, da dieser offenbar, von Sardinien beschrieben, eine kleine Inselform ist. Die Balkanhasen müssen erst noch genauer untersucht werden.

Igel, Maulwurf und Spitzmäuse wurden von uns beobachtet und auch erbeutet. Sie scheinen sich von den unseren nicht wesentlich zu unterscheiden, wenigstens die Formen, die uns zu Gesicht kamen.

Von kleinen Raubtieren wurden Marder, Fuchs, Dachs, Wiesel, Hermelin, der Tigeriltis und die Fischotter festgestellt. Bälge bei Händlern in Kalkandelen beweisen ziemlich sicher das Vorkommen vonLuchsundWildkatzeim Schardakh.Wölfegibt es überall in Mazedonien im Gebirge; sie wurden von unseren Soldaten am Peristeri, bei Gopes und in anderen Gebirgen erlegt. Von dem von mir mitgebrachten Wolf aus der Golesniza Planina ist im 26. Kapitel berichtet. Auch derBärwurde während meines Aufenthalts am Peristeri einmal von Truppen dort erlegt.Schakalescheinen besonders im Süden nicht selten zu sein; von ihnen sah man auch schlecht erhaltene Felle gelegentlich bei Händlern.

Gar nicht so sehr selten scheint dasWildschweinin den Bergen zu sein. Von vergeblichen Jagden und aufgefundenen Spuren ist ja in verschiedenen Kapiteln einiges erwähnt worden.RehundHirschscheinen aber sehr selten und verscheucht zu sein. Sie leben wohl nur noch in den Wäldern der hohen Gebirge. Mehrfach wurden im Babunagebirge, in der Marianska Planina, und in anderen Bergen Rehe zur Strecke gebracht. VonHirschenerfuhr ich seltener; doch erwarben wir in Koinsko einmal eine schöne Decke, und ein stattliches Achtergeweih, das in der Treskaschlucht im Freien gefunden wurde, hatte ich zu sehen Gelegenheit. Es ist hier abgebildet (Abb. 267).

Mit den Wäldern sind natürlich alle diese jagdbaren Tiere immer mehr vertrieben und in die unwegsamsten Gebirgsgegenden verscheucht worden. Das gilt selbst für dieGemsen, welche weit außerhalb der bewohnten Gegenden leben, aber im albanischen Grenzgebiet von den Gebirgsvölkern eifrig gejagt werden. Ihr Vorkommen im Schardakh und den umliegenden Bergen konnte ich durch Erwerbung eines Gehörns und durch Besichtigung einer schönen Winterdecke beim Bürgermeister des Dorfs Veseca an der Kobeliza feststellen. Auch im Korab kommen Gemsen wohl sicher vor.

Abb. 267. Geweih und Schädeldecke eines mazedonischen Hirsches.

Abb. 267. Geweih und Schädeldecke eines mazedonischen Hirsches.

Damit sind nicht allzu eingehende Kenntnisse über die Säugetiere Mazedoniens gewonnen. An ihnen ist noch viel zu tun. Im großen und ganzen zeigt sich die Säugetierfauna aus typisch europäischen Formen zusammengesetzt, doch werden unter denKleinsäugetieren sich wohl auch zahlreiche südliche und östliche Formen nachweisen lassen.

Viel tiefer konnten wir in die Vogelwelt Mazedoniens eindringen. Außer vielen Beobachtungen brachten wir eine Sammlung von 3200 gut präparierten, genau bezeichneten Vogelbälgen heim. Diese liegt, von Dr.Erwin Stresemannbearbeitet, auch schon publiziert vor. Über das Vorkommen der Tiere ist in den Kapiteln dieses Buches manches mitgeteilt worden, wobei die Benennungen der Vögel sich stets auf die Arbeit Dr.Stresemannsstützten.

Hier sei noch einiges Zusammenfassende über die Ornis Mazedoniens mitgeteilt. Nach der Durcharbeitung unserer Ausbeute stellt sich Mazedonien, wie für andere Tiergruppen, auch für die Vögel als Mischgebiet dar. Dabei erscheinen mitteleuropäische und mediterrane Formen fast im gleichen Verhältnis beteiligt. Allerdings im südlichen Wardartal stechen die südlichen Formen besonders hervor.

Dabei ist ein Vordringen südlicher Formen nordwärts und umgekehrt nördlicher Formen südwärts zu erkennen, wobei die Verbreitungsgrenzen Schwankungen zu unterliegen scheinen. Besonders bemerkenswert ist, daß nördliche Formen, wenn sie weiter südlich vordringen, dort höher in die Gebirge aufsteigen und dort ihnen zusagende Klimazonen aufsuchen.

Zu diesen Elementen gesellen sich östliche Formen, die teils auf den Nordosten, also auf die Steppen Südrußlands und den Nordrand des schwarzen Meers, teils auf den Südosten und damit auf das Kaukasusgebiet und Kleinasien hinweisen. Mehr noch als unter den Vögeln zeigen sich solche Beziehungen in der Pflanzenwelt und unter den Insekten.

Schon in den bisher angeführten Tatsachen zeigen sich Abhängigkeiten von klimatischen Einflüssen. Solche haben wir in vielen der früheren Kapitel dieses Buches in ihrem Einfluß auf die Tier- und Pflanzenwelt, selbst auf die Oberflächengestaltung des Landes kennen gelernt. So fanden wir auch in den verschiedenen Formationen mit einer bestimmten Pflanzenwelt immer charakteristische Vögel beieinander. Eine knappe Zusammenstellung in der Reihenfolge vom Tal ins Hochgebirge wird interessante Gesichtspunkte vor Augen führen.

Im Tal, z. B. bei Hudova, in den Maulbeerpflanzungen fanden wir Zaun- und Kappenammer, Rotkopfwürger, Maskenwürger(Lanius nubicus) (Abb. 201,S. 403) Blaurake, Bienenfresser. An den Felswänden der Schluchten, die vom Tal abzweigten, gab es die Aasgeier, Turm- und Rötelfalken, Felsentauben, Blaumerle und Steindrossel, Felsenkleiber, Steinsperling, Felsenschwalbe und Mehlschwalbe.

Stiegen wir auf die Hügel vor den Gebirgen, woPaliurusundQuercus cocciferawuchsen, so saßen auf diesen der Rotrückenwürger, Feld- und Haussperling, schlüpften durch die Sträucher der Hänfling, der Heckensänger (Agrobates). Hier gab es alle Grasmücken.

Darüber in den Geröllfalten an den Berglehnen hausten der graue Steinschmätzer und der Mittelmeersteinschmätzer. Die Gehölze und Kulturlichtungen diesersubmontanenRegion bewohnten der Buntspecht (Dryobates major balcanicus), der Grünspecht, die Blau- und Kohlmeise, Turteltaube, Eichelhäher, Elster, Nachtigall, Seidenrohrsänger, Kuckuck usw.

Abb. 267 a. Die Balkan-GimpelammerEmberiza pyrrhuloides reiseriHart.

Abb. 267 a. Die Balkan-GimpelammerEmberiza pyrrhuloides reiseriHart.

DiemontaneZone, wie sie etwa von der Plaguša Planina in dem Buschwald aus weichblätterigen Eichen dargestellt war, beherbergte den Pirol, die Trauermeise, den Wendehals.

DerBuchenwald, wie wir ihn in der Mala Rupa, am Liseč in der Golesniza Planina und in anderen Gebirgen fanden, war das Wohngebiet von Amsel, Misteldrossel, Singdrossel, Rotkehlchen, Nonnenmeise, Kleiber, Waldbaumläufer, Liljefordspecht, Mittelspecht und Waldlaubsänger.

DieLatschenregion, wie wir sie in der Golesniza entdeckten, war der Zufluchtsort von Heckenbraunelle, der Tannenmeise und des Hausrotschwanzes. Darüber in deralpinenGrasflur der Mattenregion des gleichen Gebirges gab es den Wasserpieper, die Ohrenlerche, die Feldlerche und das Braunkehlchen. Darüber schließlich grenzte die Gipfelregion der Solunska mit ihren Felsengraten, mit ihren Schneefeldern und Spalten, in der nun die Hochalpenvögel anzutreffen waren: Die Alpenbraunelle, Alpendohle, Steindrossel und Mauerläufer.

Dazu kommen als besonders interessante Zonen, in denen die Wasser-, Strand- und Rohrvögel hausten, die Schilfwälder der Seen, des Doiran-, Prespa- und Ochridasees, die wir aber am kleinenKatlanovoseeam besten studieren konnten. Da war besonders interessantEmberiza pyrrhuloides reiseriHart. (Abb. 267aS. 547) und die anderen Rohrammern, die Rohrweihen, die Rohrdommeln, die ganze große Gruppe der Reiher, der Enten und Gänse, der Teichhühner, Strandläufer und was da alles zusammen kam, vom Cormoran bis zum Pelikan.

Nicht weniger bemerkenswert war das Steppengebiet mit dem Wiedehopf, den Trappen, den Wachteln, den vielen Falken.

Hervorheben möchte ich schließlich noch einmal in diesemZusammenhang, daß dassüdliche Wardartalbis in die Gegend vonHudovasowie die mit ihm zusammenhängende Region desDoiranseessich als reich an südlichen Vogel-, Reptilien- und Insektenformen herausgestellt hat. Es ist offenbar eine der Pforten, durch welche südliche Formen nordwärts vordringen. Ähnliche Verhältnisse dürften bei genauerer Erforschung auch südlich des Prespasees und des Peristeri zu finden sein.

Gerade die Tatsachen über die Verbreitung der Vögel geben einen interessanten Einblick in die Art und Weise, wie Tiere überhaupt in Mazedonien sich verbreitet haben können. Ich zitiere hier direkt die Ergebnisse, welche Dr.Stresemannaus der Bearbeitung unserer mazedonischen Ausbeute gezogen hat. „Als Ausgangspunkt der gegen Mitteleuropa vorgedrungenen ostmediterranen Vögel wollen wir die kleinasiatische Küste bei Smyrna betrachten; sie war noch gegen Ausgang der Pliozänzeit durch eine Landbrücke, die „Ägäis‟, mit Griechenland breit verbunden. Uns interessiert hier die Wanderstraße, welche von Griechenland weiter zur Mündung des Wardar und von da den Wardar hinauf bis Üsküb führt, um dann ins Tal der „Bulgarischen‟ Morawaeinzuschwenken und ihr ins nordserbische Flachland zu folgen. Der Strom der Wanderer wird auf diesem Wege allmählich dünner. Es drangen vor:

Nur bis Smyrna:

Bis zu den Kykladen(Kythnos usw.):

Ceryle rudis rudis

Bis Griechenland:

Bis zur Wardarmündung:

Bis zum Fuß der Plaguša-Planina:

Bis Veles:

Bis Üsküb:

Bis Vranje:

Cettia cetti

Bis Nisch:

Bis Palanka:

Ebenso allmählich sehen wir den faunistischen Übergang in umgekehrter Richtung sich vollziehen, wenn wir von den mitteleuropäischen Formen ausgehen und deren südliche Verbreitungsgrenzenfeststellen. Hierbei fällt auf, daß Arten, welche bei uns auch oder ausschließlich in den Niederungen brüten, mit zunehmender Annäherung an die mediterrane Klimaprovinz das Flachland mehr und mehr räumen, um sich dafür im kühleren Gebirge anzusiedeln. Im mittleren Mazedonien sind diese Verhältnisse schon scharf betont. Dort brüten nicht im Tiefland und der submontanen Region, sondern

a) ausschließlich in den Wäldern der montanen, ja oft sogar in denen der subalpinen Region:

Serinus canaria serinus, Fringilla coelebs, Emberiza citrinella, Emberiza cia, Anthus trivialis, Certhia familiaris, Certhia brachydactyla, Ficedula albicollis, Phylloscopus collybita, Turdus philomelos, urdus viscivorus, Turdus merula, Erithacus rubecula;

b) nur in der alpinen Region:

Alauda arvensis, Saxicola rubetra, Prunella modularis, Phoenicurus ochruos gibraltariensis.

Die Nordgrenze Serbiens bildet annähernd die südliche Verbreitungsgrenze für:

Bis zur Südgrenze geschlossener Fichtenwaldungen (Kopaonik-Planina, vielleicht sogar Schardakh) reicht das Brutgebiet vieler echter Nadelwaldbegleiter:

Es sind ferner nach unserer Kenntnis verbreitet:

Bis zum Fuße des Schardakh:

Bis zur Golesniza bzw. Babuna Planina:

Bis zur Linie Belasiča Planina — Mala Rupa — Baba Planina:

Bis zur Wardarmündung:

Passer montanus.

Bis Nordgriechenland:

Sturnus vulgaris.

Neben einer südöstlichen Einwanderung (von Kleinasien her) und einer nördlichen (von Mitteleuropa her) hat auf der Balkanhalbinsel nach aller Wahrscheinlichkeit auch eine solche von Nordosten, d. h. von den Tiefländern am Nordrand des Pontus her bestanden. Die Mehrzahl der Arten, die wir hierzu rechnen, hat die doppelte Schranke, welche ihnen Balkan-Gebirge und Thrakische Masse auf ihrem nach dem Adriatischen und Ägäischen Meer gerichteten Vordringen entgegenstellten, nicht zu überwinden vermocht. Zu den wenigen, die bis nach Mazedonien gelangten, gehören vielleichtMelanocorypha calandra,Lanius minor,Falco vespertinus,Asio flammeus,Otis tetrax.‟

Auch über den Vogelzug konnte manche Beobachtung gemacht werden. Es ist wohl keine Frage, daß eine wichtige Zugstraße durch Mazedonien führt. Manche Vögel, die hier vorkommen, müssen aus den verschiedenen Gebieten des Nordens stammen. Bei manchen ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß sie nordrussischer Herkunft sind. So erscheinen mit großer Regelmäßigkeit als Wintergäste in Mazedonien der Bergfink, die Singdrossel sowieFalco columbarius aesalonundAnser albifrons.

Bemerkenswert ist die Tatsache, daß im Frühjahr die Vögel kaum früher ankommen als in Mitteleuropa. Die Mehrzahl der Zugvögel kommt bei Monastir, Veles und Üsküb kaum 14 Tage früher als bei Wien oder München an, oft ist der Unterschied noch geringer.

Beim Herbstzug zeigt sich dagegen ein gewisser Unterschied, indem in Mazedonien die Vögel länger zögern. Manche Art, wie z. B.Sylvia hippolais,Sylvia atricapilla,Sylvia curruca,Saxicola rubetrafindet man noch im Lande, nachdem sie aus Mitteleuropa schon wochenlang vollkommen verschwunden sind. Regelmäßig überwintern, von den spezifisch südosteuropäischen Arten undPhylloscopus collybitaabgesehen, in Mazedonien ungefähr dieselben Arten wie am Niederrhein. Das ist ein Unterschied gegenüberGriechenland mit seinem maritim beeinflußten Klima, wo z. B. die Mönchsgrasmücke undPhylloscopus trochilusden Winter in großen Scharen zubringen. Manche Arten scheinen auch auf Frühjahrs- und Herbstzug länger Station in Mazedonien zu machen. Ich erwähnte in einem früheren Kapitel die ungeheuere Menge von Wildgänsen und Enten, die einige Wochen vor Weihnachten im Wardartal und an den Seen verweilten, ehe sie definitiv verschwanden.

Von den Beobachtungen, welche ProfessorMüllerüber dieReptilienundAmphibienin Mazedonien gemacht hat, habe ich in den früheren Kapiteln schon manches angeführt. Ganz interessant waren seine Feststellungen, daß manche Arten, die früher für Varietäten gehalten wurden, hier so konstant gemeinsam miteinander vorkommen, ohne daß man je eine Kreuzung antrifft, daß seine Befunde wohl sicher als Beweise dafür dienen können, daß es sich um gute Arten handelt. Das gilt z. B. für die große Smaragdeidechse (Lacerta majorBlgr.), welche sehr häufig mitLacerta viridisLaur., gemeinsam lebt. Auch für die gestreifte mazedonische Eidechse gilt dies, die mit der eigentlichen Mauereidechse in großer Anzahl auf demselben Gelände vorkommt, sobald man über 500 m in die Höhe steigt. Prof.Müllerhat das besonders am Babunapaß schön beobachtet, wo beide Arten auf den Steinen des Izvorsticabaches durcheinander wimmelten, ohne daß man auch nur eine einzige Zwischenform finden konnte. Es handelt sich in dieser Eidechse um eine Lokalform einer hauptsächlich auf den Cykladen lebenden Eidechsenart. Jene Art hat den NamenLacerta milensisde Bedr.; der mazedonischen Form wird Prof.Müllereinen neuen Namen geben.

Sehr interessant waren folgende Eidechsenfunde von uns:Lacerta agilisauf dem Peristeri, was den südlichsten bisher bekannten Fundort darstellt. Ebenso die Entdeckung vonLacerta viviparaund der SchlangeVipera macropsim Schardakh. Dort haben wir ja auchRana temporariagefunden.

Im Babunagebiet fand sichAblepharus pannonicus. Sonst sind die interessanten Funde meist in früheren Kapiteln besprochen worden.

Im allgemeinen besteht die Reptilien- und Amphibienfauna aus Formen, die auch in Mitteleuropa vorkommen. Südliche Elemente unter dencharakteristischenBewohnern Mazedoniens sindRana graeca, Molge vulgaris graeca, Clemmys caspia rivulata,estudo graeca und ibera, Gymnodactylus kotschyi, Ophisaurus apus, Lacerta major, Lacerta milensis, Typhlops vermicularis, Eryx jaculus, Zamenis dahli, Coluber leopardinus, Coluber quatuorlineatus, Tarbophis fallax, Coelopeltis monspessulana, Vipera ammodytes(Abb. 268).

Dr.Opitzphot.Abb. 268. Sandviper (Vipera ammodytesL.) n. d. Leben.

Dr.Opitzphot.Abb. 268. Sandviper (Vipera ammodytesL.) n. d. Leben.

Dr.Opitzphot.

Abb. 268. Sandviper (Vipera ammodytesL.) n. d. Leben.

Soweit wir feststellen konnten, gehen von diesen Formen im Wardartal nur folgende nordwärts über Demir Kapu hinaus:Molge vulgaris graeca,Testudo graecaundTestudo ibera,Lacerta majorundmilensis,Coluber quatuorlineatusundVipera ammodytes.

Von östlichen Formen sind hervorzuheben:Lacerta taurica,Ablepharus pannonicusundZamenis caspius. Auch der große Lachfrosch kann als östliche Form angesprochen werden.

Eine vollständige Liste der von uns beobachteten Amphibien und Reptilien ist im Anhang zu diesem Kapitel verzeichnet.

Auch den Süßwasserfischen konnten wir aus mancherlei Gründen kein allzu vertieftes Studium widmen. Immerhin wurden eine ganze Anzahl Fische erbeutet, die sich auf 5 Familien, 14 Gattungen verteilten und 20 Arten angehörten. Sie wurden bei Schilderung des Fanges in den einzelnen Kapiteln schon erwähnt und zum Teil in Lebensgewohnheiten geschildert. Eine Liste ist in den Anmerkungen zu diesem Kapitel angeführt. Aus ihr geht hervor, daß es sich wesentlich um Formen mitteleuropäischer und Mittelmeerflußgebiete handelt.


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