Chapter 2

Medea (ohne sich vom Platz zu bewegen, die Leier zurückziehend).Umsonst!

Jason (ihre zurückziehenden Hände mit den seinigen verfolgend).Gib!

Medea

(die Leier im Zurückziehen zusammendrückend, daß sie krachendzerbricht).Hier!Entzwei!

(Die zerbrochene Leier vor Kreusa hinwerfend.)

Entzwei die schöne Leier!

Kreusa (entsetzt zurückfahrend).Tot!

Medea (rasch umblickend).Wer?—(Ich) lebe! (lebe)!

(Sie steht da hoch emporgehoben vor sich hinstarrend.)

(Von außen ein Trompetenstoß.)

Jason.Ha, was ist das?—Was stehst du siegend da?Dich reut noch, glaub ich, dieser Augenblick.

(Noch ein Trompetenstoß.)(Der König kommt rasch zur Türe herein.)

Jason (ihm entgegen).Was kündigt an der kriegerische Schall?

König.Unglücklicher, du fragst?

Jason.Ich frage, Herr!

König.Der Streich, den ich gefürchtet ist gefallen,Ein Herold steht vor meines Hauses Pforten,Gesandt vom Stuhl der Amphiktyonen.Er frägt nach dir, und hier nach deinem Weib,Den Bann ausrufend in des Himmels Lüfte!

Jason.Auch das noch!

König.Also ist's. Doch still, er naht!

(Die Pforten öffnen sich. Ein Herold tritt herein; hinter ihm zweiHornbläser, weiter zurück mehreres Gefolge.)

Herold.Die Götter und ihr Schutz in dieses Haus!

König (feierlich).Wer bist du und was suchst du hier bei mir?

Herold.Ein Gottesherold bin ich, abgesandtVom Altgericht der Amphiktyonen,Das spricht in Delphis hochgefreiter Stadt;Mit Bann verfolg ich und mit RachespruchDie schuldigen Verwandten König Pelias',Der einst auf Jolkos saß, nun aber tot ist.

König.Suchst du die Schuld'gen, suche sie nicht hier,In seinem Haus, bei seinen Kindern such sie!

Herold.Ich fand sie hier und so sprech ich sie an:Fluch Jason dir! Fluch dir und deinem Weib!Verruchter Künste bist du angeklagt,Der Schuld an deines Oheims dunkeln Tod.

Jason.Du lügst, nicht weiß ich um des Königs Sterben.

Herold.Frag diese dort, die weiß es besser wohl.

Jason.Tat sie's?

Herold.Nicht mit der Hand, durch Künste, die ihr kennt,Die ihr herüberbrachtet aus dem fremden Lande.Denn als der König krank—vielleicht schon da ein Opfer,So seltsam waren seiner Krankheit Zeichen—Da traten seine Töchter zu Medeen hin,Um Heilung flehend von der Heilerfahrnen.Sie aber sagt' es zu und ging mit ihnen.

Jason.Halt! sie ging nicht! Ich wehrt' es, und sie blieb.

Herold.Das erstemal. Doch als die Mädchen drauf,Dir unbewußt, zum zweitenmal ihr nahten,Da ging sie mit, allein das goldne Vlies,Das ihr ein Greu'l sei, ein verderblich Zeichen,Als Preis der sichern Rettung sich bedingend.Die Mädchen aber sagen's ihr voll Freude zu.Und sie tritt ein beim König, wo er schlief.Geheimnisvolle Worte sprach sie ausUnd immer tiefer sinkt der König in den Schlaf.Das böse Blut zu bannen, heißt dem Herrn sieDie Adern öffnen und auch das geschieht;Er atmet leichter als man ihn verbandUnd froh sind schon die Töchter der Genesung.Da ging Medea fort, von dannen wie sie sagte,Und auch die Töchter gehn, da jener schlief.Mit eins ertönt Geschrei aus seiner Kammer,Die Mädchen eilen hin und—gräßlich! greulich!Der Alte lag am Boden, wild verzerrt,Gesprungen die Verbande seiner Adern,In schwarzen Güssen strömend hin sein Blut.Am Altar lag er, wo das Vlies gehangen,Und das war fort. Die aber ward gesehen,Den goldnen Schmuck um ihre Schultern tragend,Zur selben Stunde schreitend durch die Nacht.

Medea (dumpf vor sich hin).Es war mein Lohn.Mich schaudert, denk ich an des alten Mannes Wut!

Herold.Damit nun solcher Greu'l nicht länger währeUnd unser Land mit seinem Hauch vergifte,So sprech ich aus hiemit den großen BannOb Jason dem Thessalier, Aesons Sohn,Genoß einer Verruchten, selbst verruchtUnd treib ihn aus, kraft meines heil'gen Amts,Aus, von der Griechen gottbetretnen Erde,Und weis ihn in das Irrsal, in die Flucht,Mit ihm sein Weib und seines Bettes Sprossen.Kein Teil sei ihm am vaterländ'schen Boden,An vaterländ'schen Göttern ihm kein Teil,Kein Teil an Schutz und Recht des Griechenlandes.

(Nach den Himmelsgegenden.)

Verbannt Jason und Medea!Medea und Jason verbannt!Verbannt!Jason und Medea! Wer aber ihn beherbergt, ihn beschützt,Von hier nach dreien Tagen und drei Nächten,Dem künd ich Tod, wenn es ein Einzelmann,Und Krieg, wenn's eine Stadt, wenn es ein König!So fügt's der Spruch der AmphiktyonenUnd so verkünd ich es zu Recht,Damit ein jeder wisse sich zu wahren. Die Götter und ihr Schutz indieses Haus!

(Er wendet sich zum Abgehen.)

Jason.Was steht ihr da, ihr Mauern? stürzet ein,Erspart die Müh' dem König, mich zu töten!

König.Halt ein, o Herold, und vernimm noch dies!

(Zu Jason gewendet.)

Glaubst du, mich reute schon was ich gelobt?Hielt' ich für schuldig dich, und wärst du auch mein Sohn,Ich gäbe hin dich jenen, die dich suchen;Doch du bist's nicht und so beschütz ich dich,Bleib hier. Wer aber wagt es Kreons Freund,Für dessen Unschuld er sein Wort verpfändet,—Wer wagt es meinen Eidam anzutasten?Ja Herold, meinen Eidam, meiner Tochter Gatten!Was einst beschlossen ward in frühern Tagen,In Tagen seines Glücks, ich führ es ausJetzt da des Unglücks Wogen ihn umbranden.Sie sei dein Weib, du bleibst bei deinem Vater.Also vertret ich's vor den Amphiktyonen;Und wer beschuldigt noch wen Kreon freisprach,Freisprach durch seiner eignen Tochter Hand? Das sag du jenen, diedich hergesandtUnd in der Götter Schutz sei nun entlassen.

(Der Herold geht.)

Doch diese, die die Wildnis ausgespieen,Zu deinem, aller Frommen Untergang,Sie, die die Greu'l verübt, der man dich zeiht,Sie bann ich aus des Landes Grenzen fortUnd Tod ihr, trifft der Morgen sie noch hier.Zieh hin aus meiner Väter frommen StadtUnd reinige die Luft, die du verpestest!

Medea.Das also wär's? Mir gält' es, mir allein?Ich aber sag euch, ich hab's nicht getan!

König.Genug hast du verübt, seit er dich sah.Hinweg aus meinem Haus, aus meiner Stadt.

Medea (zu Jason).Und muß ich fort, nun wohl, so folge mir!Gemeinsam wie die Schuld, sei auch die Strafe!Weißt noch den alten Spruch? Allein soll keines sterben,Ein Haus, ein Leib und ein Verderben!Im Angesicht des Todes schwuren wir's;Jetzt halt es, komm!

Jason.Berührst du mich?Laß ab von mir, du meiner Tage Fluch!Die mir geraubt mein Leben und mein Glück,Die ich verabscheut, wie ich dich gesehn,Nur töricht Liebe nannte meines Wesens Ringen!Heb dich hinweg, zur Wildnis, deiner Wiege,Zum blut'gen Volk, dem du gehörst und gleichst.Doch vorher gib mir wieder was du nahmstGib Jason mir zurücke, Frevlerin!

Medea.Zurück willst du den Jason?—Hier!—Hier nimm ihn!Allein wer gibt Medeen mir, wer mich?Hab ich dich aufgesucht in deiner Heimat?Hab ich von deinem Vater dich gelockt?Hab ich dir Liebe auf-, ja aufgedrungen?Hab ich aus deinem Lande dich gerissen,Dich preisgegeben Fremder Hohn und Spott?Dich aufgereizt zu Freveln und Verbrechen?Du nennst mich Frevlerin?—Weh mir! ich bin's!Doch wie hab ich gefrevelt und für wen?Laß diese mich mit gift'gem Haß verfolgen,Vertreiben, töten, diese tun's mit Recht,Denn ich bin ein entsetzlich, greulich Wesen,Mir selbst ein Abgrund und ein Schreckensbild,Die ganze Welt verwünsche mich, nur (du) nicht!Du nicht, der Greuel Stifter, einz'ger Anlaß, du!Weißt du noch, wie ich deine Knie umfaßte,Als du das blut'ge Vlies mir stehlen hießest:Ich mich zu töten eher mich vermaßUnd du mit kaltem Hohne herrschtest: Nimm's!Weißt du, wie ich den Bruder hielt im Arm,Der todesmatt von deinem grimmen Streich,Bis er sich losriß von der Schwester BrustUnd deinem Trotz entrinnend Tod in Wellen suchte?Weißt du?—Komm her zu mir!—Weich mir nicht aus!Verbirg nicht hinter jene dich vor mir!

Jason

(vortretend). Ich hasse, doch ich scheu dich nicht!

Medea.So komm!

(Halblaut.)

Weißt du?—Sieh mich nicht so verachtend an!—Wie du den Tag vor deines Oheims Tod,Da eben seine Töchter von mir gingen,Die ratlos ich auf dein Geheiß entließ,Wie du zu mir in meine Kammer tratstUnd mit den Augen so in meine schauend,—Als säh' ein Vorsatz, scheu in dir verborgen,Nach seinesgleichen aus in meiner Brust—Wie du da sagtest: Daß zu mir sie kämenUm Heilung für des argen Vaters Krankheit,Ich wollt' ihm einen Labetrank bereiten,Der (ihn) auf immer heilen sollt' und (mich)!Weißt du? Sieh mir ins Antlitz wenn du's wagst!

Jason.Entsetzliche! Was rasest du gen mich?Machst mir zu Wesen meiner Träume Schatten,Hältst mir mein Ich vor in des deinen SpiegelUnd rufst meine Gedanken wider mich?Nichts weiß ich, nichts von deinem Tun und Treiben,Verhaßt war mir von Anfang her dein Wesen,Verflucht hab ich den Tag, da ich dich sah,Und Mitleid nur hielt mich an deiner Seite.Nun aber sag ich mich auf ewig von dir losUnd fluche dir, wie alle Welt dir flucht.

Medea.Nicht so, mein Gatte, mein Gemahl!

Jason.Weg da!

Medea.Als mir's mein greiser Vater drohte,Versprachst du, nie mich zu verlassen. Halt's!

Jason.Selbst hast du das Versprechen dir verwirkt,Ich gebe hin dich deines Vaters Fluch!

Medea.Verhaßter komm! Komm mein Gemahl!

Jason.Zurück!

Medea.In meinen Arm, so hast du's ja gewollt!

Jason.Zurück! Sieh hier mein Schwert! Ich töte dichWenn du nicht weichst!

Medea (immer näher tretend).Stoß zu! Stoß zu!

Kreusa (zu Jason).Halt ein!Laß sie in Frieden ziehn! Verletz sie nicht!

Medea.Du auch hier? weiße, silberhelle Schlange?O zische nicht mehr, züngle nicht so lieblich!Du hast ja, was du wolltest, den Gemahl!War's darum, daß du dich so schmeichelnd wandstUnd deine Ringe schlangst um meinen Hals?O hätt' ich einen Dolch, ich wollte dichUnd deinen Vater, den gerechten König!Darum sangst du so holde Weisen?Darum gabst du mir Saitenspiel und Kleid?

(Ihren Mantel abreißend.)

Hinweg! Fort mit den Gaben der Verruchten!

(Zu Jason.)

Sieh! Wie ich diesen Mantel durch hier reißeUnd einen Teil an meinen Busen drücke,Den andern hin dir werfe vor die Füße,Also zerreiß ich meine Liebe, unsern Bund.Was draus erfolgt, das werf ich dir zu, dir,Dem Frevler an des Unglücks heil'gem Haupt.Gebt meine Kinder mir und laßt mich gehn!

König.Die Kinder bleiben hier.

Medea.Nicht bei der Mutter?

König.Nicht bei der Frevlerin!

Medea (zu Jason).So sagst auch du?

Jason.Auch ich.

Medea (gegen die Türe).So hört ihr Kinder mich!

König.Zurück!

Medea.Allein gehn heißt ihr mich? Wohlan es sei!Doch sag ich euch: bevor der Abend grautGebt ihr die Kinder mir. Für jetzt genug!Du aber, die hier gleisend steht, und heuchelndIn falscher Reinheit niedersieht auf mich,Ich sage dir, du wirst die weißen Hände ringen,Medeens Los beneiden gegen deins.

Jason.Wagst du's?

König.Hinweg.

Medea.Ich geh doch komm ich wiederUnd hole das was mir, und bring was euch gebührt.

König.Was soll sie drohen uns ins Angesicht?Wenn Worte nicht

(zu den Trabanten)

laßt eure Lanzen sprechen!

Medea.Zurück! Wer wagt's Medeen anzurühren!Merk auf die Stunde meines Scheidens, KönigDu sahst noch keine schlimmre, glaube mir!Gebt Raum! Ich geh! Die Rache nehm ich mit!

(Ab.)

König.Die Strafe wenigstens, sie folget dir!

(Zu Kreusen.)

Du zittre nicht, wir schützen dich vor ihr!

Kreusa.Ich sinne nur, ob recht ist, was wir tun;Denn tun wir recht, wer könnte dann uns schaden?

(Der Vorhang fällt.)

Dritter Aufzug

(Vorhof von Kreons Burg. Im Hintergrunde der Eingang von derWohnung des Königs; rechts an den Seitenwänden ein Säulengang zuMedeens Aufenthalt führend.)(Medea im Vorgrunde stehend, Gora weiter zurück mit einem Dienerdes Königs sprechend.)

Gora.Sag du dem Könige:Medea nehme Botschaft von Sklaven nicht,Hab' er Werbung an sie,Komm' er selbst,Vielleicht hört sie ihn.

(Der Diener ab.)

Gora (vortretend).Sie meinen, du würdest gehn,Den Haß bezähmend und die Rache.Die Törichten!Oder wirst du es? Wirst du's?Fast glaub ich, du tust's,Denn nicht Medea bist du mehr,Des Kolcherkönigs königlicher Sproß,Der erfahrnen Mutter, erfahrnere Tochter;Hättest du sonst geduldet, getragenSo lange, bis jetzt?

Medea.Hört ihr's Götter? Geduldet! getragen! So lange! bis jetzt!

Gora.Ich riet dir zu weichen,Da du noch weilen wolltest,Verblendet, umgarnt;Als noch nicht gefallen der Streich,Den ich vorhersah, warnend dir zeigte:Aber nun sag ich: bleib!Sie sollen nicht lachen der Kolcherin,Nicht spotten des Bluts meiner Könige,Herausgeben die Kleinen,Die Schößlinge der gefällten Königseiche;Oder sterben, fallen,In Grauen, in Nacht!—Wo hast du dein Gerät?Oder was beschließest du?

Medea.Erst meine Kinder will ich haben,—Das andre findet sich.

Gora.So gehst du denn?

Medea.Ich weiß es nicht.

Gora.Lachen werden sie dein!

Medea.Lachen? Nein!

Gora.Was also sinnest du?

Medea.Ich gebe mir Müh', nichts zu wollen, zu denken.ob dem schweigenden AbgrundBrüte die Nacht.

Gora.Und wenn du flöhest, wohin?

Medea (schmerzlich).Wohin? Wohin?

Gora.Hier Lands ist nicht Raum für uns,Die Griechen, sie hassen, sie töten dich.

Medea.Töten? Sie mich? Ich will sie töten, ich!

Gora.Auch daheim in Kolchis wartet Gefahr.

Medea.O Kolchis! Kolchis! O Vaterland!

Gora.Du hast wohl gehört, dir ward wohl Kunde,Daß dein Vater gestorben, bald darnach,Als du Kolchis verließest, dein Bruder fiel?(Gestorben?) es klang anders, deucht' mir,Daß er den Schmerz anfassend wie ein Schwert,Gen sich selber wütend, den Tod sich gab.

Medea.Was trittst du in Bund mit meinen FeindenUnd tötest mich?

Gora.Nun siehst du wohl.Ich hab dir's gesagt, dich gewarnt.Flieh die Fremden, sagt' ich dirVor allen aber ihn, der sie führt,Den glattzüngigen Heuchler, den Verräter.

Medea.Den glattzüngigen Heuchler, den Verräter!—Sagtest du so?

Gora.Wohl sagt' ich's.

Medea.Und ich glaubte dir nicht?

Gora.Glaubtest mir nicht und gingst ins TodesnetzDas nun zusammenschlägt über dir.

Medea.Glattzüngiger Heuchler! Das ist das Wort.Hättest du so gesagt, ich hätt's erkannt;Aber du nanntest ihn: Feind und verhaßt und abscheulich,Er aber war schön und freundlich und ich haßt' ihn (nicht)!

Gora.So liebst du ihn?

Medea.Ich? Ihn?Ich haß ihn, verabscheu ihn,Wie die Falschheit, den Verrat,Wie das Entsetzlichste, wie mich!

Gora.So straf ihn, triff ihn,Räche den Vater, den Bruder,Unser Vaterland, unsre Götter,Unsre Schmach, mich, dich!

Medea.Erst meine Kinder will ich haben,Das andre deckt die Nacht.—Was glaubst du? wenn er daherzög'In feierlichem BrautgeleitMit ihr, die ich hasse,Und vom Giebel des Hauses entgegenFlög' ihm Medea zerschmettert, zerschellt.

Gora.Der schönen Rache!

Medea.Oder an Brautgemachs SchwelleLäge sie tot in ihrem Blut,Bei ihr die Kinder, Jasons Kinder, tot.

Gora.Dich selber trifft deine Rache, nicht ihn.

Medea.Ich wollt' er liebte mich,Daß ich mich töten könnte, ihm zur Qual!—Oder (sie?) Die Falsche! Die Reine!

Gora.Näher triffst du schon!

Medea.Still! still!Hinab, wo du herkamst, Gedanke,Hinab in Schweigen, hinunter in Nacht!

(Sie verhüllt sich.)

Gora.Die andern alle, die mit ihm zogenDen frevelnden Argonautenzug,Alle haben sie, rächend, strafend,Die vergeltenden Götter erreicht,Alle fielen in Tod und Schmach;Er nur fehlt noch—und wie lang?Täglich hör ich, emsig horchendHoch mich erlabend, wie sie fallen,Fallen der Griechen strahlende Söhne,Die aus Kolchis, vom Raube gekehrt.Den Orpheus erschlugen thrakische Weiber;Hylas versank im Wellengrab;Theseus, Pirithous stiegen hinabIn des Aides finstere Wohnung,Der Schatten gewaltigem Herrn zu raubenDie strahlende Gattin, Persephoneia,Doch der fing sie und hält sie gefangenIn ehernen Ketten, in ewiger Nacht.

Medea (rasch den Mantel vom Gesicht ziehend).Weil sie kamen das Weib zu rauben?Gut! Gut!—So tat auch er, tat mehr noch!

Gora.Dem Herakles, der sein Weib verließ,Von anderer Liebe gelockt,Sandte sie rächend ein leinen Gewand;Als er das antat, sank er dahinIn Qual und Angst und Todesschmerz,Denn sie hatt' es heimlich bestrichenMit argem Gift und schnellem Tod.Hin sank er und des Öta waldiger Rücken,Sah ihn vergehn, in Flammen vergehn.

Medea.Und sie selbst webt' es, das Gewand?Das tödliche?

Gora.Sie selbst!

Medea.Sie selbst!

Gora.Des Meleager rauhe Gewalt,Des kaledonischen Eberbezwingers,Tötet' Althea, die Mutter das Kind.

Medea.Verließ sie der Gemahl?

Gora.Er erschlug ihren Bruder.

Medea.Der Gatte?

Gora.Der Sohn!

Medea.Und als sie's getan, starb sie?

Gora.Sie lebt.

Medea.Tat es und (lebt)! Entsetzlich!—So viel weiß ich und so viel ist mir klar:Unrecht erduld ich nicht ungestraft.Aber (was) geschieht, weiß ich nicht, will's nicht wissen!Verdient hat er alles, das Ärgste verdient,Aber—schwach ist der Mensch;Billig gönnt man zur Reue Zeit!

Gora.Reue?—Frag ihn selbst ob's ihn reut;Denn dort naht er mit eilendem Schritt.

Medea.Mit ihm der König, mein arger FeindDer ihn verlockt, der ihn verführt.Ihm entweich ich, nicht zähmt' ich den Haß!

(Geht rasch dem Hause zu.)

Aber will (er), will Jason mich sprechen,So heiß ihn treten zu mir ins Gemach,Dort will ich reden zu ihm, nicht hier,An der Seite des Manns, der mein Feind.Sie nahen. Fort!

(Ab ins Haus.)

Gora.Da geht sie hin!Ich aber soll reden mit dem MannDer mein Kind verderbt, der gemacht,Daß ich mein Haupt legen muß auf fremde Erde,Des bittern Kummers Tränen verbergen muß,Daß nicht drüber lacht fremder Männer Mund.

(Der König und Jason kommen.)

König.Was flieht uns deine Frau? Das nützt ihr nichts.

Gora.So floh sie denn? Sie ging. Weil sie dich haßt.

König.Ruf sie heraus!

Gora.Sie kommt nicht.

König.Doch sie soll!

Gora.Geh selbst hinein und sag ihr's, wenn du's wagst.

König.Wo bin ich denn und (wer)? daß dieses WeibIn ihrer Wildheit mir zu trotzen wagt?Die Magd fürwahr das Bild der Frau, und beideDas Bild des dunkeln Landes, das sie zeugte.Noch einmal: ruf sie her!

Gora (auf Jason zeigend).(Den) will sie sprechenUnd hat er Mut dazu, tret' er ins Haus.

Jason.Verwegne geh! mein Haß von Anfang her!Und sag ihr, daß sie komme, die dir gleicht.

Gora.O gliche sie mir doch! ihr trotztet nicht!Doch sie wird's noch erkennen und dann weh euch!

Jason.Ich will sie sprechen!

Gora.Geh hinein.

Jason.Das nicht!Sie soll heraus! und du geh hin und sag ihr's!

Gora.Nun wohl ich geh, euch länger nicht zu sehn,Und sag ihr's an, doch kommt sie nicht, das weiß ich,Zu sehr fühlt sie die Kränkung und sich selbst.

(Ab ins Haus.)

König.Nicht einen Tag duld ich sie in Korinth.(Die) sprach nur aus, was jene finster brütet;Allzu gefährlich dünkt mir solche Nähe!Auch deine Zweifel, hoff ich, sind besiegt.

Jason.Verfahre, Herr, in deinem Richteramt!Sie kann nicht länger stehen neben mir,So gehe sie; noch mild ist diese Strafe.Denn wahrlich, minder schuldig doch als sie,Trifft mich ein härtres Los, ein schwerers.Sie zieht hinaus in angeborne Wildnis,Und wie ein Füllen, dem das Joch entnommenStrebt sie hinfort in ungezähmten Trotz:Ich aber muß hier still und ruhig weilen,Belastet mit der Menschen Hohn und Spott,Dumpf wiederkäuend die verfloßne Zeit.

König.Du wirst dich wieder heben, glaube mir's.Dem Bogen gleich, der raschen Schwunges losschnelltUnd fliegend zu dem Ziele schickt den Pfeil,Sobald entfernt was seinen Rücken beugte,Wirst du erstarken, ist nur sie erst fern.

Jason.Ich fühle nichts in mir, das solcher Hoffnung Bürgschaft.Verloren ist mein Name und mein Ruf,Ich bin nur Jasons Schatten, nicht er selbst.

König.Die Welt, mein Sohn, ist billiger, als du.Des reifen Mannes Fehltritt ist Verbrechen,Des Jünglings Fehltritt ein verfehlter Tritt,Den man zurückzieht und ihn besser macht.Was du in Kolchis tatst, ein rascher Knabe,Vergessen ist's, zeigst du dich nun als Mann.

Jason.Könnt' ich dir glauben, selig wär' ich dann!

König.Laß sie erst fort sein und du sollst es sehn.Hin vor's Gericht der AmphiktyonenTret ich für dich, verfechte deine SacheUnd zeige, daß nur sie es war, Medea,Die das verübt, was man an dir verfolgt;Daß sie die Dunkle, sie die Frevlerin.Gelöset wird der Bannspruch, und wenn nicht,Dann stehst du auf in deiner vollen Kraft,Schwingst hoch das goldne Banner in die Luft,Das du geholt vom Äußersten der Länder,Und stromweis' wird die Jugend GriechenlandsUm dich sich scharen gegen jedermann,Um den Gereinigten, den Neuerhobnen,Den starken Hort, des Vlieses mächt'gen Held.Du hast es doch?

Jason.Das Vlies?

König.Jawohl!

Jason.Ich nicht!

König.Doch nahm's Medea mit aus Pelias' Haus.

Jason.So hat denn sie's!

König.Sie muß es geben, (muß).Dir ist's der künft'gen Größe Unterpfand.Du sollst mir groß noch werden, groß und stark,Du meines alten Freundes einz'ger Sohn!Es hat der König Kreon Macht und Gut,Und gern teilt er's mit seinem Tochtermann.

Jason.Auch meiner Väter Erbe fordr' ich dann,Vom Sohn des Oheims, der mir's vorenthielt.Ich bin nicht arm, wird alles mir zurück.

König.Sie kommt, die uns noch stört, bald ist's getan.

(Medea kommt mit Gora aus dem Hause.)

Medea.Was willst du mir?

König.Die Diener, die ich sandte,Du schicktest sie mit harten Worten fortUnd von mir selbst verlangtest du zu hörenWas ich geboten und was dir zu tun.

Medea.So sag's.

König.Nichts Fremdes, Neues künd ich dir.Ich wiederhole nur den schon gesprochnen BannUnd füge zu, daß du (noch heute gehst.)

Medea.Und warum heute noch?

König.Die Drohungen,Die du gesprochen gegen meine Tochter—Denn die gen mich veracht ich allzusehr,—Der wilde Sinn, den du nur erst gezeigtSie nennen mir gefährlich deine NäheUnd darum sollst du heute mir noch gehn.

Medea.Gib mir die Kinder und ich tu's vielleicht.

König.Du tust's (gewiß).—Die Kinder aber bleiben!

Medea.Wie, meine Kinder? Doch, wem sag ich das?Mit (dem) da laß mich sprechen, mit dem Gatten!

König (zu Jason).Tu's nicht!

Medea (zu Jason).Ich bitte dicht

Jason.Wohlan, es seitDamit du siehst, daß ich dein Wort nicht scheue.Laß uns, o König, hören will ich sie.

König.Ich tu es ungern; schlau ist sie und listig.

(Er geht.)

Medea.So, er ist fort. Kein Fremder stört uns mehr,Kein Dritter drängt sich zwischen Mann und Weib;Wir können reden, wie das Herz gebeut.Und nun sag an mir, was du denkst?

Jason.Du weißt's.

Medea.Ich weiß wohl was du willst, nicht was du meinst.

Jason.Das erstere genügt, denn es entscheidet.

Medea.So soll ich gehen?

Jason.Gehn!

Medea.Noch heute?

Jason.Heute!

Medea.Das sagst du und stehst ruhig mir genüberUnd Scham senkt nicht dein Aug' und rötet nicht die Stirn?

Jason.Erröten müßt' ich, wenn ich anders spräche.

Medea.Das ist recht gut und sprich nur immer so,Wenn du vor andern dich entschuld'gen willst,Doch mir genüber laß den eiteln Schein!

Jason.Die Scheu vor Greueln nennst du eiteln Schein?Verdammt hat dich die Welt, verdammt die Götter,Und so geb ich dich ihrem Urteil hin.Denn wahrlich unverdient trifft es dich nicht!

Medea.Wer ist der Fromme denn, mit dem ich spreche?Ist das nicht Jason? und der wär' so mild?Du Milder, kamst du nicht nach Kolchis hinUnd warbst mit Blut um seines Königs Kind?Du Milder! schlugst du meinen Bruder nicht?Fiel nicht mein Vater dir, du Frommer, Milder?Verlässest du das Weib nicht, das du stahlstDu Milder, du Entsetzlicher, Verruchter!

Jason.Du schmähest. Das zu hören ziemt mir nicht.Du weißt nun was zu tun, und so leb wohl!

Medea.Noch weiß ich's nicht, drum bleibe, bis ich's weiß.Bleib! Ruhig will ich sein. Ruhig wie du.Verbannung wird mir also? und was dir?Mich dünkt auch dich traf ja des Herolds Spruch?

Jason.Sobald bekannt, daß ich am Frevel reinAm Tod des Oheims, löst der Bann sich auf.

Medea.Und du lebst froh und ruhig fürder dann?

Jason.Ich lebe still, wie's Unglücksel'gen ziemt.

Medea.Und ich?

Jason.Du trägst das Los das du dir selbst bereitet.

Medea.Das ich bereitet! Du wärst also rein?

Jason.Ich bin's!

Medea.Und um den Tod des Oheims hastDu nicht gebetet?

Jason.Ihn befördert nicht!

Medea.Mich nicht versucht, ob ich's nicht üben wollte?

Jason.Der erste Zorn spricht manches sprudelnd ausWas reifer überdacht er nimmer übt.

Medea.Einst klagtest du dich selber dessen anNun ist gefunden, der die Schuld dir trägt.

Jason.Nicht der Gedanke wird bestraft, die Tat!

Medea

(rasch). Ich aber tat es nicht!

Jason.Wer sonst?

Medea.Ich nicht!Hör mein Gemahl und dann erst richte mich.Als ich an die Pfoste trat,Das Vlies zu holen,Der König auf seinem Lager;Da hör ich schreien; hingewendetSeh ich den Mann vom Lager springenHeulend, bäumend sich umwindend.Kommst du Bruder, schreit er,Rache zu nehmen, Rache an mir!Noch einmal sollst du sterben, noch einmal!Und springt hin und faßt nach mir,In deren Hand das Vlies.Ich erbebte und schrie aufZu den Göttern, die ich kenne.Das Vlies hielt ich mir vor als Schild.Da zuckt Wahnsinns Grinsen durch seine Züge,Heulend faßt er die Bande seiner Adern,Sie brechen, in Güssen strömt hin sein BlutUnd als ich um mich schaue, entsetzt, erstarrt,Liegt der König zu meinen FüßenIm eignen Blut gebadet,Kalt und tot.

Jason.Das sagst du mir, Zaub'rische! Gräßliche?Hebe dich weg von mir! Fort!Mir graut vor dir! Daß ich dich je gesehn!

Medea.Du hast es ja gewußt. Das erstemalAls du mich sahst, sahst mich in meinem Dienst.Und doch verlangtest, strebtest du nach mir.

Jason.Ein Jüngling war ich, ein verwegner TorDer Mann verwirft was Knaben wohlgefällt.

Medea.O schilt das goldne Jugendalter nicht!Der Kopf ist rasch, allein das Herz ist gut!O wärst du, der du warst, mir wäre besser!Nur einen Schritt komm in die schöne Zeit,Da wir in unsrer Jugend frischem GrünenUns fanden an des Phasis Blumenstrand.Wie war dein Herz so offen und so klarDas meine trüber und in sich verschloßnerDoch du drangst durch mit deinem milden LichtUnd hell erglänzte meiner Sinne Dunkel.Da ward ich dein, da wardst du mein. O Jason!So ist dir ganz dahin, die schöne Zeit,So hat die Sorge dir für Haus und HerdFür Ruf und Ruhm dir ganz getötetDie schönen Blüten von dem Jugendbaum?O sieh, in Schmerz und Jammer, wie ich bin,Denk ich noch oft der schönen FrühlingszeitUnd warme Lüfte wehn mir draus herüber.War dir Medea damals lieb und wertWie ward sie dir denn gräßlich und abscheulich?Du kanntest mich und suchtest dennoch mich,Du nahmst mich wie ich war, behalt mich, wie ich bin!

Jason.Der Dinge denkst du nicht, die seither sind geschehn!

Medea.Entsetzlich sind sie, ja ich geb es zu,Am Vater hab ich schlimm, am Bruder schlimm getan!Und ich verdamme selber mich darobMan strafe mich, ich will ja gerne büßen,Doch du sollst mich nicht strafen, Jason, du nicht!Denn was ich tat, zu Liebe tat ich's dir.Komm, laß uns fliehn, vereint, mitsammen fliehn!Es nehm' uns auf ein fernes Land!

Jason.Und welches?Wohin?

Medea.Wohin?

Jason.Du rasest und du schiltst mich,Daß ich mit dir nicht rase. Es ist aus.Die Götter haben unsern Bund verflucht,Als einen der mit Greueltat begannUnd in Verbrechen wuchs und Nahrung suchte.Laß sein, daß du den König nicht getötet;Wer war dabei, wer sah's, wer glaubt dir?

Medea.Du!

Jason.Und wenn auch ich, was kann ich? was vermag ich?Drum laß uns weichen dem Geschick, nicht trotzen!Die Strafe nehme jedes büßend hin,Du, da du fliehst, wo du nicht bleiben kannst,Ich, da ich bleibe, wo ich fliehen möchte.

Medea.Den schwerem Teil hast du dir nicht erwählt!

Jason.So wär' es leicht, zu leben als ein FremdlingIn fremden Haus, von fremden Mitleids Gaben?

Medea.Dünkt's dir so schwer, was wählst du nicht die Flucht?

Jason.Wohin und wie?

Medea.Einst warst du minder sorglich,Als du nach Kolchis kamst, die Vaterstadt verlassend,Und eitelm Ruhme nach durch ferne Länder zogst.

Jason.Ich bin nicht der ich war, die Kraft ist mir gebrochen,Und in der Brust erstorben mir der Mut.Das dank ich dir. Erinnrung des VergangnenLiegt mir wie Blei auf meiner bangen SeeleDas Aug' kann ich nicht heben und das Herz.Auch ist der Knabe Mann seit dem geworden,Und nicht mehr kindisch mit den Blüten spielend,Greift er nach Frucht, nach Wirklichkeit, Bestand.Die Kinder sind mir und kein Ort für sie,Besitztum muß ich meinen Enkeln werben.Soll Jasons Stamm, wie trocknes Heidekraut,Am Wege stehn, vom Wanderer getreten?Hast du mich je geliebt, war ich dir wert,So zeig es, da du mich mir selber gibstUnd mir ein Grab gönnst in der heim'schen Erde!

Medea.Und auf der heimischen Erd' ein neues Ehebett?Nicht so?

Jason.Was soll das!

Medea.Hab ich's nicht gehörtWie er Verwandt dich hieß und Sohn und Eidam?Kreusa locket dich, und darum bleibst du?Nicht also? Hab ich dich?

Jason.Du hattest nie mich,Und hast auch jetzt mich nicht.

Medea.(So) willst du büßen?Und darum soll Medea fort von dir?Stand ich denn nicht dabei, dabei in Tränen,Wie du mit ihr vergangne Zeit durchgingstBei jedem Schritte stillstandst, süß verweilend,Zum Echo schwandest der Erinnerung?Ich aber geh nicht, (nicht!)

Jason.So ungerecht,So hart und wild wie immer!

Medea.Ungerecht?So wünschest du sie nicht zum Weib? Sag: Nein!

Jason.Den Ort such ich, mein Haupt zur Ruh' zu legen;Was sonst kommt weiß ich nicht!

Medea.Ich aber weiß es,Und denk es noch zu wehren, hilft ein Gott.

Jason.Du kannst nicht ruhig sprechen, leb denn wohl.

(Er geht.)

Medea.Jason!

Jason (umkehrend).Was ist?

Medea.Es ist das letztemalDas letztemal vielleicht, daß wir uns sprechen!

Jason.So laß uns scheiden ohne Haß und Groll.

Medea.Du hast zu Liebe mich verlockt und fliehst mich?

Jason.Ich muß.

Medea.Du hast den Vater mir geraubtUnd raubst mir den Gemahl?

Jason.Gezwungen nur.

Medea.Mein Bruder fiel durch dich, du nahmst mir ihn,Und fliehst mich?

Jason.Wie er fiel, gleich unverschuldet.

Medea.Mein Vaterland verließ ich, dir zu folgen.

Jason.Dem eignen Willen folgtest du, nicht mir.Hätt's dich gereut, gern ließ ich dich zurück!

Medea.Die Welt verflucht um deinetwillen mich,Ich selber hasse mich um deinetwillen,Und du verläßt mich?

Jason.Ich verlaß dich nicht,Ein höhrer Spruch treibt mich von dir hinweg.Hast du dein Glück verloren, wo ist meins?Nimm als Ersatz mein Elend für das deine!

Medea.Jason!

(Sie fällt auf die Knie.)

Jason.Was ist? Was willst du weiter?

Medea (aufstehend).Nichts!Es ist vorbei!—Verzeihet meine Väter,Verzeiht mir Kolchis' stolze GötterDaß ich mich selbst erniedriget und euch.Das Letzte galt's. Nun habt ihr mich!

(Jason wendet sich zu gehen.)

Medea.Jason!

Jason.Glaub nicht mich zu erweichen!

Medea.Glaub nicht ich wollt' es. Gib mir meine Kinder!

Jason.Die Kinder? Nimmermehr!

Medea.Es sind die Meinen!

Jason.Des Vaters Namen fügt man ihnen beiUnd Jasons Name soll nicht Wilde schmücken.Hier in der Sitte Kreis erzieh ich sie.

Medea.Gehöhnt von Stiefgeschwistern? Sie sind mein!

Jason.Mach nicht, daß sich mein Mitleid kehr' in Haß!Sei ruhig, das nur mildert dein Geschick.

Medea.Wohl denn, so will ich mich auf Bitten legen!—Mein Gatte!—Nein, das bist du ja nicht mehr—Geliebter!—Nein, das bist du nie gewesen—Mann!—wärst du Mann und brächst dein heilig Wort—Jason!—pfui! das ist ein Verrätername—Wie nenn ich dich? Verruchter!—Milder! Guter!Gib meine Kinder mir und laß mich gehn!

Jason.Ich kann nicht, sagt' ich dir, ich kann es nicht.

Medea.So hart? Der Gattin nimmst du ihren Gatten,Und weigerst nun der Mutter auch ihr Kind!

Jason.Nun wohl, daß du als billig mich erkennst,Der Knaben einer ziehe denn mit dir!

Medea.Nur einer? Einer?

Jason.Fordre nicht zuviel!Das wen'ge fast verletzt schon meine Pflicht.

Medea.Und welcher?

Jason.Ihnen selbst, den Kindern sei die Wahl.Und welcher will, den nimmst du mit dir fort

Medea.O tausend Dank, du Gütiger, du Milder!Der lügt fürwahr, der dich Verräter nennt.

(König kommt.)

Jason.O König komm!

König.So ist es abgetan?

Jason.Sie geht. Der Kinder eines geb ich ihr.

(Zu einem, der mit dem Könige kam.)

Du eile, bring die Kleinen zu uns her!

König.Was tust du? Beide bleiben sie zurück!

Medea.Was mir so wenig scheint, dünkt dir zuviel?Die Götter fürchte, allzu strenger Mann!

König.Die Götter auch sind streng der Freveltat.

Medea.Doch sehn sie auch was uns zur Tat gebracht.

König.Des Herzens böses Trachten treibt zum Bösen.

Medea.Was sonst zum Übeln treibt, zählst du für nichts?

König.Ich richte selbst mich streng, drum kann ich's andre.

Medea.Indem du Frevel strafst verübst du sie.

Jason.Sie soll nicht sagen, daß ich allzuhart,Drum hab ich eins der Kinder ihr gewährt,In Leid und Not der Mutter lieber Trost.

(Kreusa kommt mit den Kindern.)

Kreusa.Die Kinder fordert man, ward mir gesagtWas will man denn, und was soll denn geschehn?O sieh, sie lieben mich, nur erst gekommen,Als ob wir jahrelang uns sähn und kennten.Mein mildes Wort, den Armen ungewohnt,Gewann mir sie, wie mich ihr Unglück ihnen.

König.Der Kinder eines soll der Mutter folgen.

Kreusa.Verlassen uns?

König.So ist's, so will's der Vater!

(Zu Medeen, die in sich versunken dagestanden ist.)

Die Kinder, sie sind hier, nun laß sie wählen!

Medea.Die Kinder! Meine Kinder! Ja, sie sind's!Das einz'ge was mir bleibt auf dieser Erde.Ihr Götter, was ich schlimmes erst gedacht,Vergeßt es und laßt sie mir beide, beide!Dann will ich gehn und eure Güte preisen,Verzeihen ihm und—nein (ihr) nicht!—(Ihm) auch nicht!Hierher ihr Kinder, hier!—Was steht ihr dortGeschmiegt an meiner Feindin falsche Brust?O wüßtet ihr was sie mir angetan,Bewaffnen würdet ihr die kleinen Hände,Zu Krallen krümmen eure schwachen Finger,Den Leib zerfleischen, den ihr jetzt berührt.Verlockst du meine Kinder? Laß sie los!

Kreusa.Unselig Weib, ich halte sie ja nicht.

Medea.Nicht mit der Hand, doch hältst du, wie den Vater,Sie mit dem heuchlerischen, falschen Blick.Lachst du? Du sollst noch weinen, sag ich dir!

Kreusa.O strafen mich die Götter, lacht' ich jetzt!

König.Brich nicht in Zorn und Schmähung aus, o WeibTu ruhig was dir zukommt, oder geh!

Medea.Du mahnest recht, o mein gerechter KönigNur nicht so gütig, scheint es, als gerecht.Wie oder auch? Nun ja, wohl beides gleich!Ihr Kinder seht, man schickt die Mutter fort,Weit über Meer und Land, wer weiß wohin?Die güt'gen Menschen, euer Vater aberUnd der gerechte, gute König da,Sie haben ihr erlaubt, von ihren Kindern,Der Mutter von den Kindern eines, eins—Ihr hohen Götter hört ihr's? (Eines) nur!—Mit sich zu nehmen auf die lange Fahrt.Wer nun von beiden mich am meisten liebt,Der komm' zu mir, denn beide dürft ihr nicht.Der andre muß zurück beim Vater bleibenUnd bei des falschen Mannes falscher Tochter!—Hört ihr?—Was zögert ihr?

König.Sie wollen nicht!

Medea.Das lügst du, falscher, ungerechter König!Sie wollen, doch dein Kind hat sie verlockt!Hört ihr mich nicht?—Verruchte! Gräßliche!Der Mutter Fluch, des Vaters Ebenbild!

Jason.Sie wollen nicht!

Medea.Laß jene sich entfernen!Die Kinder lieben mich, bin ich nicht Mutter?Doch sie winkt ihnen zu und lockt sie ab.

Kreusa.Ich trete weg, ist gleich dein Argwohn falsch.

Medea.Nun kommt zu mir!—Zu mir!—Natterbrut!

(Sie geht einige Schritte auf sie zu; die Kinder fliehen zu Kreusen.)

Medea.Sie fliehn mich! Fliehn!

König.Du siehst Medea nun,Die Kinder wollen nicht, und also geh!

Medea.Sie wollen nicht? Die Kinder die Mutter nicht?Es ist nicht wahr, unmöglich!—Ason, mein Ältester, mein Liebling!Sieh deine Mutter ruft dir, komm zu ihr!Ich will nicht mehr rauh sein und hartDu sollst mein Kostbarstes sein, mein einzigs GutHöre die Mutter! Komm!—Er wendet sich ab! Er kommt nicht!Undankbarer! Ebenbild des Vaters!Ihm ähnlich in den falschen ZügenUnd mir verhaßt wie er!Bleib zurück, ich kenne dich nicht!—Aber du Absyrtus, Schmerzenssohn,Mit dem Antlitz des beweinten Bruders,Mild und sanft wie er,Sieh deine Mutter liegt hier knieendUnd fleht zu dir.Laß sie nicht bitten umsonst!Komm zu mir, mein AbsyrtusKomm zur Mutter!—Er zögert!—Auch du nicht?—Wer gibt mir einen Dolch?Ein Dolch für mich und sie!

(Sie springt auf.)

Jason.Dir selber dank es, daß dein wildes WesenDie Kleinen abgewandt, zur Milde hin.Der Kinder Ausspruch war der Götter Spruch!Und so geh hin, nie aber bleiben da.

Medea.Ihr Kinder hört mich!

Jason.Sieh! sie hören nicht!

Medea.Kinder!

König (zu Kreusen).Führ sie ins Haus zurückNicht (hassen) sollen sie, die sie gebar.

(Kreusa mit den Kindern zum Abgang gewendet.)

Medea.Sie fliehn, (meine) Kinder fliehn vor mir!

König (zu Jason).Komm! Das Notwendige beklagt man fruchtlos!

(Sie gehen.)

Medea.Meine Kinder! Kinder!

Gora (die hereingekommen ist).Bezwinge dichGönne nicht deinen Feinden ihres Sieges Anblick!

Medea (die sich zur Erde wirft).Ich bin besiegt, vernichtet, zertretenSie fliehn mich, fliehn!Meine Kinder fliehn!

Gora (über sie gebeugt).Stirb nicht!

Medea.Laß mich sterben!Meine Kinder!

(Der Vorhang fällt.)

Vierter Aufzug

(Vorhof vor Kreons Burg wie im vorigen Aufzuge. Abenddämmerung.) (Medea liegt hingestreckt auf die Stufen, die zu ihrer Wohnung führen. Gora steht vor ihr.)

Gora.Steh auf Medea und sprich!Was liegst du da, starrst schweigend vor dich hin?Steh auf und sprich!Rate unserm Jammer!

Medea.Kinder! Kinder!

Gora.Fort sollen wir, eh' dunkelt die Nacht,Und schon senkt sich der Abend.Auf! Rüste dich zur Flucht!Sie kommen, sie töten uns!

Medea.O meine Kinder!

Gora.Steh auf, UnglückseligeUnd töte mich nicht mit deinem Jammer!Hätt'st mir gefolgt, mich gehört,Wären wir daheim in Kolchis,Die Deinen lebten, alles wär' gut.Steh auf! Was hilft Weinen? Steh auf!

Medea (sich halb aufrichtend und nur mit den Knien auf den Stufenliegend).So kniet' ich, so lag ich,So streckt' ich die Hände aus,Aus nach den Kindern und batUnd flehte: Eines nur,Ein einziges von meinen Kindern—Gestorben wär' ich, mußt' ich das zweite missen!—Aber auch das eine nicht!—Keines kam.Flüchtend bargen sie sich im Schoß der Feindin

(aufspringend)

(Er aber lachte drob und sie!)

Gora.O des Jammers! Des Wehs!

Medea.Nennt ihr das Vergeltung, Götter?Liebend folgt' ich, das Weib dem Mann;Starb mein Vater, hab (ich) ihn getötet?Fiel mein Bruder, fiel er durch (mich)?Beklagt hab ich sie, in Qualen beklagt.Glühende Tränen goß ich ausZum Trankopfer auf ihr fernes Grab.Wo kein Maß ist, ist keine Vergeltung.

Gora.Wie du die Deinen, verlassen sie dich!

Medea.So will ich sie treffen, wie die Götter mich!Ungestraft sei kein Frevel auf der Erde,Mir laßt die Rache, Götter! ich führe sie aus!

Gora.Denk auf dein Heil, auf andres nicht!

Medea.Und was hat dich denn so weich gemacht?Schnaubtest erst Grimm, und nun so zagend?

Gora.Laß mich! Als ich die Kinder fliehn sahDen Arm der Mutter, der Pflegerin,Da erkannt' ich die Hand der Götter,Da brach mir das Herz,Da sank mir der Mut.Hab sie gewartet, gepflegt,Sie meine Freude, mein Glück.Die einz'gen reinen Kolcher sie,An die ich wenden konnteDie Liebe für mein fernes Vaterland.Du warst mir längst entfremdet, längst;In ihnen sah ich Kolchis wieder,Den Vater dein und deinen Bruder,Mein Königshaus und (dich,)Wie du (warst), nicht wie du (bist.)Hab sie gehütet, gepflegt,Wie den Apfel meines AugesUnd nun—

Medea.Lohnen sie dir, wie der Undank lohnt!

Gora.Schilt nicht die Kinder, sie sind gut!

Medea.Gut? Und flohen die Mutter?Gut? Sie sind Jasons Kinder!Ihm gleich an Gestalt, an Sinn,Ihm gleich in meinem Haß.Hätt' ich sie hier, ihr Dasein in meiner Hand,In dieser meiner ausgestreckten Hand,Und ein Druck vermochte zu vernichtenAll was sie sind und waren, was sie werden sein,—Sieh her!—Jetzt wären sie nicht mehr!

Gora.Oh, weh der Mutter, die die Kinder haßt!

Medea.Und was ist's auch mehr? was mehr?Bleiben sie hier beim Vater zurück,Beim treulosen, schändlichen Vater,Welches ist ihr Los?Stiefgeschwister kommen,Höhnen sie, spotten ihrerUnd ihrer Mutter,Der Wilden aus Kolchis.Sie aber, entweder dienen als Sklaven,Oder der Ingrimm, am Herzen nagend,Macht sie arg, sich selbst ein Greuel:Denn wenn das Unglück dem Verbrechen folgt,Folgt öfter das Verbrechen noch dem Unglück.Was ist's denn auch zu leben?Ich wollt', mein Vater hätte mich getötet,Da ich noch klein war,Noch nichts, wie jetzt, geduldet,Noch nichts gedacht—wie jetzt.

Gora.Was schauderst du? was überdenkst du?

Medea.Daß ich fort muß, ist gewißMinder aber noch, was sonst geschieht.Denk ich des Unrechts, das ich erlitt,Des Frevels, den man an mir verübt,So entglüht in Rache mein HerzUnd das Entsetzlichste ist mir das Nächste.—Die Kinder liebt er, sieht er doch sein Ich,Seinen Abgott, sein eignes SelbstZurückgespiegelt in ihren Zügen.Er soll sie nicht haben, soll nicht!(Ich) aber will sie nicht, die Verhaßten!

Gora.Komm mit hinein, was weilst du hier?

Medea.Dann leer das ganze Haus und ausgestorben,Verwüstung brütend in den öden Mauern,Nichts lebend als Erinnerung und Schmerz.

Gora.Bald nahen sie, die uns vertreiben. Komm!

Medea.Die Argonauten, sagtest du,Sie fanden alle ein unselig Grab,Die Strafe des Verrats, der Freveltat?

Gora.So ist's und Jason findet es wohl auch.

Medea.Er wird's, ich sage dir, er wird's!Den Hylas schlang das Wassergrab hinab,Den Theseus fing der Schatten düstrer KönigUnd wie hieß sie, das Griechenweib,Die eignes Blut am eignen Blut gerächt?Wie hieß sie? Sag.

Gora.Ich weiß nicht, was du meinst.

Medea.Althea hieß sie.

Gora.Die den Sohn erschlug?

Medea.Dieselbe, ja! Wie kam's, erzähl mir das.

Gora.Den Bruder schlug er ihr beim Jagen tot.

Medea.Den Bruder nur, den Vater nicht dazu,Sie nicht verlassen, nicht verstoßen, nicht gehöhntUnd dennoch traf sie ihn zum TodDen grimmen Meleager ihren Sohn.Althea hieß sie,—war ein Griechenweib!—Und als er tot?

Gora.Hier endet die Geschichte.

Medea.Sie endet! Du hast recht der Tod beendet.

Gora.Was nützen Worte?

Medea.Zweifelst an der Tat?Sieh! bei den hohen Göttern! hätt' erDie Kinder (beide) mir gegeben—Nein!Könnt' ich sie (nehmen), gäb' er sie mir auch,Könnt' ich sie lieben wie ich jetzt sie hasse,Wär' etwas in der weiten Welt geblieben,Das er mir nicht vergiftet, nicht zerstört:Vielleicht, daß ich jetzt ginge, meine RacheDen Göttern lassend; aber so nicht, nun nicht!Man hat mich bös genannt, ich war es nicht:Allein ich fühle, daß man's werden kann.Entsetzliches gestaltet sich in mir,Ich schaudre—doch ich freu mich auch darob.Wenn's nun vollendet ist, getan—

(ängstlich)

Gora!

Gora.Was ist?

Medea.Komm her!

Gora.Warum?

Medea.Zu mir!Da lagen sie die beiden—und die Braut—Blutend, tot.—Er daneben rauft sein Haar.Entsetzlich, gräßlich!

Gora.Um der Götter willen!

Medea.Ha, ha! Erschrickst wohl gar?Nur lose Worte sind es, die ich gebe,Dem alten Wollen fehlt die alte Kraft.Ja, wär' ich noch Medea, doch ich bin's nicht mehr!O Jason! Warum tatest du mir das?Ich nahm dich auf, ich schützte, liebte dich,Was ich besaß, ich gab es für dich hin,Warum verlässest und verstößt du mich?Was treibst du mir die guten Geister ausUnd führest Rachgedanken in mein Herz?Mir Rachgedanken, ohne Kraft zur Rache!Die Macht, die mir von meiner Mutter ward,Der ernsten Kolcherfürstin Hekate,Die mir zum Dienste dunkle Götter band,Versenkt hab ich sie, dir zulieb' versenkt,Im finstern Schoß der mütterlichen Erde.Der schwarze Stab, der blutigrote Schleier,Sie sind dahin und hilflos steh ich da,Den Feinden, statt ein Schrecken, ein Gespött!

Gora.So sprich davon nicht, wenn du's nicht vermagst!

Medea.Ich weiß wohl, wo es liegt.Da draußen an dem Strand der Meeresflut,Dort hab ich's eingesargt und eingegraben,Zwei Handvoll Erde weg—und es ist mein!Allein im tiefsten Innern schaudr' ich aufDenk ich daran und an das blut'ge Vlies.Mir dünkt des Vaters und des Bruders GeistSie brüten drob und lassen es nicht los.Weißt noch, wie er am Boden lagDer greise Vater, weinend ob dem SohnUnd fluchend seiner Tochter? Jason aberSchwang hoch das Vlies in gräßlichem Triumph.Da schwor ich Rache, Rache dem Verräter,Der erst die Meinen tötete, nun mich.Hätt' ich mein Blutgerät, ich führt' es ausAllein nicht wag ich es zu holen;Denn säh' ich in des goldnen Zeichens GlutDes Vaters Züge mir entgegenstarren,Von Sinnen käm' ich, glaube mir!

Gora.Was also tust du?

Medea.Laß sie kommen!Laß sie mich töten, es ist aus!Von hier nicht geh ich, aber sterben will ich,Vielleicht stirbt er mir nach, von Reu' erwürgt.

Gora.Der König naht, trag Sorge doch für dich!

Medea.Erarmt bin ich an Macht, was kann ich tun?Will er zertreten mich? er trete nur!

(Der König kommt.)

König.Der Abend dämmert, deine Frist ist um!

Medea.Ich weiß.

König.Bist du bereit zu gehn?

Medea.Du spottest!Wenn (nicht) bereit, müßt' ich drum minder gehn?

König.Mich freut, daß ich dich so besonnen finde.Du machst dir die Erinnrung minder herbUnd sicherst deinen Kindern großes Gut:Sie dürfen nennen, welche sie gebar.

Medea.Sie dürfen? Wenn sie wollen, meinst du doch?

König.Daß sie es wollen, sei die Sorge mein.Erziehen will ich sie zu künft'gen Helden,Und einst, wer weiß? führt ihre RitterfahrtSie hin nach Kolchis und die Mutter drücken sie,Gealtert, wie an Jahren, so an Sinn,Mit Kindesliebe an die Kindesbrust.

Medea.Weh mir!

König.Was ist dir?

Medea.Ach, ein Rückfall nurUnd ein Vergessen dessen was geschah.War dies zu sagen deines Kommens GrundWie, oder willst du andres noch von mir?

König.Noch eins vergaß ich und das sag ich nun.Von Schätzen nahm dein Gatte manches mitAus Jolkos fliehend nach des Oheims Tod.

Medea.Im Hause liegt's verwahrt, geh hin und nimm's!

König.Wohl ist das goldne Kleinod auch dabei,Das Vlies, der Preis des Argonautenzugs?Was wendest du dich ab und gehst? Gib Antwort!Ist es darunter?

Medea.Nein.

König.Wo ist es also?

Medea.Ich weiß es nicht.

König.Du nahmst es aber fortAus Pelias' Haus; der Herold sagte so.

Medea.Hat er's gesagt, so ist's auch wahr.

König.Wo ist es?

Medea.Ich weiß es nicht.

König.Glaub nicht uns zu betrügen!

Medea.Wenn du mir's gibst, mein Leben zahl ich drum;Hätt' ich's, du stündest drohend nicht vor mir!

König.Nahmst du's von Jolkos nicht mit dir?

Medea.Ich nahm's.

König.Und nun?

Medea.Hab ich's nicht mehr.

König.Wer sonst?

Medea.Die Erde.

König.Versteh ich dich? das also wär' es, das?

(Zu seinen Begleitern.)

Bringt her was ich gebot. Ihr wißt es ja!

(Sie gehen ab.)

Denkst du zu täuschen uns mit Doppelsinn?Die Erde hat es; nun versteh ich dich.Schau nicht hinweg! nach mir sieh her und höre!Am Strand des Meers, wo ihr heut nacht gelagert,Als einen Altar man auf mein GeheißDem Schatten Pelias' erbauen wollte,Fand man—erbleichst du?—frisch im Grund vergraben—Ein Kistchen, schwarz, mit seltsam fremden Zeichen.

(Die Kiste wird gebracht.)

Sieh zu, ob's dir gehört?

Medea (drauf losstürzend).Ja! Mir gehört es!—Mein!

König.Ist drin das Vlies?

Medea.Es ist.

König.So gib's!

Medea.Ich geb es!

König.Fast reut das Mitleid mich, das ich dir schenkte,Da hinterlistig du uns täuschen wolltest.


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