Die Königin, welche die Merkwürdigkeiten ihres Landes auf eine so graziöse und geistreiche Art zeigte, lud uns auf heute Nachmittag zu einer Fahrt nach dem berühmten Eleusis ein. Die ganzeGesellschaft wurde in zwei großen, bequemen Wagen untergebracht, und so rollten wir vom Schlosse aus durch einen abgelegenen Theil der Stadt, worauf wir bald die heilige Straße erreichten, welche unter den alten Griechen von Athen aus zum Tempel des unbekannten Gottes führte. Anfangs fährt man zwischen Olivenbäumen und Weingewinden dahin, bald aber geräth man in eine romantische wüste Gegend; man muß ein enges schluchtartiges Thal durchfahren, um auf die andere Seite der Gebirgskette zu kommen, in welcher sich der Meerbusen befindet, an dessen Ende Eleusis liegt. Links und rechts von der Thalstraße liegen auf gelber Erde unzählige Felsstücke, zwischen denen einzelne Pinien-Gruppen gleich kleinen Oasen hervorragen, deren Nadeln von lebhafterem Grün sind, als das Laub unserer Bäume. Außer mehreren langsam dahin kriechenden Schildkröten sahen wir keine Spur des Lebens, bis wir mitten in dieser interessanten Wildniß an das verfallene Nonnenkloster Daphne kamen. Noch stehen einige Theile der festen fränkischen Ringmauer, der Kirche und der erbärmlichen Hütten der Nonnen. Ursprünglich ward hier ein Schloß für die Herzöge von Athen, aus der Familie Laroche gebaut, deren Nachkommen noch in Baiern bestehen sollen. Die Mauern deuten augenblicklich auf die nordischen Schöpfer derselben; später wurde das Schloß zum Kloster eingerichtet und die Kirche im byzantinischen Style noch später gebaut. In der Kuppel befindet sich ein großes Mosaïk, ein Christuskopf im typischenStyl. Da die Kirche dem griechischen Kultus geweiht ist, so befindet sich hier natürlich die stark vergoldete Wand zwischen der Gemeinde und dem Altare. Lange dicke Kerzen auf hohen, freistehenden, bunten Leuchtern, warfen ein düsteres Licht auf die großen, auf einzelnen Pulten aufgeschlagenen Evangelium-Bücher, und auf das dunkle vom Rauche geschwärzte Gemäuer. Die Stille und Leblosigkeit dieses Gotteshauses gab dem Ganzen einen mystischen Anstrich. In einer Seitenkapelle sind noch einige Gräber, auf deren einem das in Marmor gehauene Wappen der Laroche zu sehen ist. So findet man in der Umgegend von Athen alle Geschichtsperioden durch die merkwürdigsten Denkmale verewigt. In dem Klosterhofe sieht man noch einige Reste gothischer Verzierungen. Die Mauern sind alle so massiv, daß es scheint, als ob diese Herzöge sich nicht ganz sicher gefühlt hätten. – Kaum waren wir einige Zeit in dem verfallenen Gemäuer herumgeklettert, so regte es sich plötzlich, und schwarze, unheimliche, hexenartige Gestalten erschienen. In Fetzen nur zur Noth gehüllt, mit wirren grauen Haaren und dürren Gliedern, gehörten sie ganz zu den leblosen Ueberbleibseln aus vergangenen Zeiten; es fehlten nur Kessel und Besen, um das Bild zu vollenden. Es waren dies die frommen Schwestern von Daphne, welche gerade im Begriffe waren, türkischen Weizen und andere Hülsenfrüchte auf den Boden auszustreuen und zu trocknen. Mit ihrer Heiligkeit soll es jedoch nicht sehr weit her sein; wenigstens ist derErzbischof von Athen, ihr geistlicher Vorstand, dieser Ansicht. Auf jeden Fall war ihr Aeußeres nicht nur abstoßend, sondern sogar unschicklich, und sie scheinen eher eine Rotte roher Bettlerinnen, als in sich gekehrter Nonnen. Wir verließen die malerischen Ruinen, nachdem die schwarzen Gespenster der Königin mildspendende Hand Segen kreischend geküßt hatten. Bald waren wir am Ausgang des Thales, und mit Wohlgefallen ruhte das Auge auf dem Meerbusen, dem Dorfe Eleusis und den hohen schön geformten Gebirgen. Man beginnt die Spuren der heiligen, in den Felsen gehauenen Straße zu sehen, da sich der Weg ziemlich knapp zwischen dem Meere und den höheren Felsen hinzieht. Man sieht aus diesen Spuren, wie auch auf der Akropolis und an mehreren anderen Orten in Griechenland, daß die Alten nur Geleise in den Stein hieben, und daß die Räder, welche gleiche Achsenbreite hatten, in denselben liefen, so daß sich die Pferde auf dem nackten Felsen forthelfen mußten. Noch interessanter jedoch wie diese Straßenreste sind die Süßwasser-Seen, welche sich unmittelbar an der rechten Seite der Straße befinden, während die linke von den Wogen des Meeres bespült wird. Diese kleinen Seen sind ebenfalls noch aus uralter Zeit; ihre Tiefe beträgt höchstens fünf Schuh, sie liegen einige Schuh höher, als das Meer, in welches sie unter der Straße abfließen. Diese ist nur durch eine kleine sehr niedrige Mauer von den Seen getrennt. Es scheint, daß der Zweck dieser Wasseranlagen die Aufbewahrung vonFischen war. Der Zufluß kommt wahrscheinlich von unterirdischen Quellen. –
Am Eingange von Eleusis ließ die Königin halten, und man stieg aus. Zuerst besichtigten wir eine kleine, außerordentlich niedrige griechische Kapelle, welche aus Trümmern von dem berühmten Tempel des unbekannten Gottes gebaut wurde. Im Innern derselben befinden sich auch noch einzelne Theile von alten Statuen und Inschriften, für einen Archäologen, der diese Zeichen versteht, von großem Interesse. Als wir beschäftigt waren, diese Trümmer schönerer Zeiten zu bewundern, strömte die Bevölkerung des Dorfes die Anhöhe herab und umringte die geliebte »Basilissa«, welche sie mit den freundlichsten Worten in der wohltönenden griechischen Sprache begrüßte. Eine schöne Sitte ist es, daß, wenn das griechische Königspaar in die Nähe eines Dorfes kommt, die ganze Gemeinde jubelnd entgegenzieht, und ihr »zito« in die Lüfte schallen läßt. Die Bevölkerung dieses Ortes, besonders die Frauen, waren wieder ganz anders gekleidet, als in der Umgebung von Athen; ich möchte sagen noch poetischer und geschmackvoller. Die Frauen tragen lange dunkelgefärbte Röcke; über denselben haben sie bis zum Knie herab einen weißen mit schwarzen Schnüren geschmackvoll gestickten Oberrock; auch das Mieder ist reich und bunt gestickt, Kopf und Hals hüllt ein weißer Schleier ein, aus welchem lange Flechten über den Nacken, oft bis auf den Boden hängen. Der reiche Haarwuchs ist der Stolz dieser Frauen;sie helfen sich auch künstlich durch das Eindrehen von brauner Wolle. Die Mädchen tragen statt des Schleiers ihre Aussteuer auf dem Haupte, welche in einer helmartigen Kappe besteht, mit Sturmband und Quästchen, deren Bestandtheile durchlöcherte Silber- und Goldmünzen bilden; oft recht interessante kleine Münzensammlungen. Man findet türkische, griechische, österreichische und spanische Geldstücke im buntesten Gemisch. Diese ganz originelle Kopfbedeckung kleidet aber die regelmäßigen, ernsten orientalischen Züge vortrefflich. Eine große Anzahl der Frauen trägt goldene Ringe mit den schönsten antiken Cameen, welche sie beim Ackern zwischen den Schollen finden. Wir wanderten nun von der ganzen Gemeinde gefolgt auf einen felsigen Hügel, der die Grundlage des Tempels bildete. Man findet nur noch einzelne Mauertrümmer und Stücke von marmornen Säulen des berühmten Heiligthums, in welchem die eleusischen Feste gefeiert wurden, und es regt sich der Wunsch, daß Ceres wieder einmal in dieser Gegend ihr geliebtes Kind suchen möge und wenn sie käme, könnte man leider zum zweitenmale wieder singen:
Und auf ihrem Pfad begrüßte,Irrend nach des Kindes Spur,Ceres die verlass'ne Küste.Ach, da grünte keine Flur!Daß sie hier vertraulich weile,Ist kein Obdach ihr gewährt.Keines Tempels heitre SäuleZeuget, daß man Götter ehrt.
Und auf ihrem Pfad begrüßte,Irrend nach des Kindes Spur,Ceres die verlass'ne Küste.Ach, da grünte keine Flur!Daß sie hier vertraulich weile,Ist kein Obdach ihr gewährt.Keines Tempels heitre SäuleZeuget, daß man Götter ehrt.
Und auf ihrem Pfad begrüßte,Irrend nach des Kindes Spur,Ceres die verlass'ne Küste.Ach, da grünte keine Flur!Daß sie hier vertraulich weile,Ist kein Obdach ihr gewährt.Keines Tempels heitre SäuleZeuget, daß man Götter ehrt.
Und auf ihrem Pfad begrüßte,
Irrend nach des Kindes Spur,
Ceres die verlass'ne Küste.
Ach, da grünte keine Flur!
Daß sie hier vertraulich weile,
Ist kein Obdach ihr gewährt.
Keines Tempels heitre Säule
Zeuget, daß man Götter ehrt.
So streicht die Hand der Zeit über die berühmtesten Gegenden dahin, und oft ist mir schon in Griechenland das Gedicht Rückert's von dem Thale eingefallen, in welchem eine Stadt, dann Wüste, Felder, See und endlich wieder eine Stadt gestanden hat. Ein wehmüthiger Gedanke war es uns, der Jugend der Neuzeit, über die gebrochenen Steine dahin zu hüpfen, die einst das gebildetste Volk der Welt mit Mühe zusammentrug, um ein Götterwerk zu schaffen, welches der Ewigkeit trotzen sollte, und in welchem die antike Jugend die mystischen Reigen der Ceres ausführte.
Wir wurden nun in zwei Häuser von Landbewohnern geführt, in welchen die prachtvollsten Mosaïk's dem Spiele der Kinder und dem Wühlen der Schweine ausgesetzt waren; quer über einen derselben läuft sogar die Hausmauer. So werden diese herrlichen Werke durch unwissende Menschen dem Verderben preisgegeben, da man sie doch mit der kleinsten Mühe vor der Unkenntniß der Bevölkerung schützen könnte. Leider stehen dem griechischen Monarchen, der den besten Willen zur Erhaltung dieser Schätze hat, nicht die Mittel zu Gebote, diesen Wunsch auszuführen. – Als wir aus der zweiten Behausung heraustraten, bildeten die schlanken, romantisch gekleideten Frauen und Mädchen von Eleusis einen Halbkreis vor der Königin und stimmten nach einer ziemlich monotonen Melodie einen rasch improvisirten Gesang an, zu welchem sie, die Arme kreuzweis haltend, einen ernsten schwingenden Tanz ausführten. Langsamneigten sie sich mit einem Schritte vorwärts, worauf sie zwei kleine Schritte rückwärts machten; nach jeder Strophe traten sie im Tacte mit den Sandalen auf den harten Boden. In diesem Tanze erkannte man die Nachkommen der alten Helenen. Es waren die Reigen, wie man sie auf den Vasen des alten Griechenlands gemalt sieht, ein interessanter schöner Anblick! Die Königin sagte mir, daß sich der Gesang auf ihre Anwesenheit bezöge. Im ersten Liede drückten sie ihre Freude aus, daß wir Fremde der Königin die Nachricht der baldigen Ankunft des Königs brächten; im zweiten wurde die »Basilissa« mit einem Orangenbaum verglichen, an dessen Fuß eine frische Quelle sprudle. Das Volk soll eine eigene Gewandtheit in diesen lieblichen Improvisationen haben! –
Wir besahen nun noch einen altgriechischen Hafendamm, welcher sich am Fuße des Städtchens auf eine kleine Strecke in das Meer hineinzieht. Er zeichnet sich durch seine außerordentlich großen Quadersteine aus. Hierauf lud uns die Königin zu einem Imbiß ein, welchen Vorschlag wir dankbar annahmen. Es war eingouté champêtre. Man brachte in aller Eile einen schlechten Tisch und einige Feldsessel; ein Koffer, der die erwünschte Ladung enthielt, wurde eröffnet, und wir stärkten uns mit kaltem Fleische, Eiern und Wein, angesichts des welthistorischen Eleusis. So ist das unglückliche Menschengeschlecht! Geist, Herz und Magen sind leider ein nothwendiges Triumvirat, welches in diesem armen Erdenleben nie getrenntwerden kann. – Nach dem kurzen Mahle wollten die Männer von Eleusis ihren Frauen nicht zurückstehen und vollführten ebenfalls einen Tanz, dem der Frauen ähnlich, nur lebhafter und wilder. Der beste Tänzer des Ortes führte den Reigen an und machte höchst possierliche, drehende Sprünge, mit denen eines Gemsbocks vergleichbar, und an die bacchantischen Geberden antiker Darstellungen erinnernd. Nachdem dies einige Zeit bewundert worden war, ließ die Königin die Kinder des Dorfes um sich schaaren, stellte einige Fragen im freundlichsten Tone an sie, und vertheilte hierauf unter dieselben die vom Mahle übrig gebliebenen Eier. Es war ein hübsches Bild, die zarte Frau mitten unter den frischen, stürmischen Kindern zu sehen; alle drängten sich um sie, ein jedes wollte eine der Gaben haben; die Ungestümen wies sie mild mit der Hand zurück, den Bescheidenen theilte sie ermunternd aus. Das war ein Geschrei und ein Jubel! So weiß sie durch liebenswürdige Art mit den einfachsten Mitteln das Herz ihres Volkes zu gewinnen. Die ganze Bevölkerung, jung und alt, stürzte uns bis zum Wagen nach, und die Königin verließ den interessanten Ort unter dem weithin schallenden Jubelruf: »zito Basilissa«! – Die besonders enthusiastische Jugend lief noch einige Zeit jauchzend neben dem Wagen her. Man sieht deutlich, daß es die Königin ist, welche durch ihre Persönlichkeit den neu errichteten Thron von Griechenland im Herzen des Volkes stützt. –
Als wir durch die schönen Weingärten dahin fuhren,warfen die einzelnen Landbewohner die schönsten Trauben ihres Besitzthums in den Wagen, welche die Königin dankend annahm; und dieses Zeichen der Liebe wurde nicht, wie bei uns, mit feilem Geld belohnt; das freundliche Nicken der Königin war den Bauern der liebste Dank. Das Volk in Griechenland ist durch und durch monarchisch, und kennt den Werth der fürstlichen Huld und Gnade, ohne daß man ihm dieselbe durch thatsächliche Bezahlung zu beweisen braucht. Am späten Abend bei funkelnden Sternen kehrten wir nach Athen zurück. –
Des andern Morgens nahmen wir das Frühstück in unseren Zimmern ein; hierauf fuhren wir um 9 Uhr in die in der Nähe des Palastes gelegenen Stallungen des Königs; sie sind geräumig und rein gehalten, und beherbergen eine schöne Auswahl orientalischer Pferde; die ausgezeichnetesten derselben wurden uns im Hofe vorgeführt. Der König und die Königin lieben es sehr, muntere Thiere zu reiten.
Daß die Pferde häufig lançadiren und in beständigem Springen und Capriolen die Reitkunst des Königs dem staunenden Volke zeigen, gehört zum griechischen guten Ton. – Den sämmtlichen Stallungen steht ein ehemaliger bairischer Offizier vor, der sich auf die Reitkunst sehr gut zu verstehen scheint. – Von hier aus begaben wir uns zur neuerbauten Universität; sie ist im altgriechischen Geschmacke; der große, noch nicht gänzlich vollendete Saal wird durch einige sehr schöne Säulen aus weißem Marmor geziert.Das ganze Institut ist erst im Werden; doch nimmt man ein erfreuliches Streben nach Bildung wahr, und die Bibliothek, welche meist aus Geschenken des Inlandes und der Fremde besteht, ist wirklich nicht ohne Bedeutung. Von diesem Symbole neuen Lebens fuhren wir zur Krone alter Größe und Pracht hinan, zu der auf stolzem Fels erbauten Akropolis, welche Alles überragt, was wir bis jetzt von antiker Kunst gesehen haben. Vom Fuße der Erhöhung bis zu dem Thore der Umfassungsmauern geht der Weg über kahle Erdpartien und ist nach neugriechischer Sitte sehr schlecht; man muß sich mit Mühe durch den Staub der Erde hinaufarbeiten, wo vor den alles zerstörenden Zeiten der antike Grieche mit Begeisterung und heiligem Schauer auf Marmorstufen zum selbstgeschaffenen Göttersitz emporschritt. Schon aus der Ferne leuchteten dem Anbeter der hehren Minerva im blauen Aether, gleich einer Sonnenburg, die stolzen Propyläen entgegen. Eifriger beflügelte er seine aufwärts strebenden Schritte und bald befand er sich in einem Säulenwalde, in welchem die Werke eines Phidias, als Perlen der menschlichen Kunst, ihm Begeisterung für seine Götterbilder und Bewunderung für sein mächtig schöpferisches Geschlecht zustrahlten. Mit enthusiastischer Kunstliebe betrachtete er die milden ernsten Züge der Göttin, die jener aus dem nahen Steinblocke des Pentelikons geschaffen, und die sein poetischer Geist sich selbst zur Schützerin bestellt hat. Keine ernsten, stillen Gebete in Furcht und Andachtvor dem höchsten Wesen konnten diesen Lippen entquillen; ihre Stelle vertrat schallender Jubel bei der Darbringung blumenbekränzter Opfer, die der Ausdruck des poetischen Naturergusses waren, deren eigentlichen Sinn aber das Lob des eigenen Selbst bildete. Die christliche Furcht vor dem lenkenden Schöpfer der Welten, nahte sich ihnen nur in den ihnen unerklärlichen Naturerscheinungen und im Tode! Die Akropolis war ein Diadem, mit welchem die stolze Menschheit das eigene leuchtende Haupt schmückte. Doch dieser Krone fehlte der reine erlösende Segen; die Spangen des eitlen Schmuckes brachen, und der Alles versinnlichende Geist wich vor dem dornengekrönten Erlöser, in dessen Sinne die Jünger ihr künstlerisches Streben zu Domen vereinten, welche sie, statt mit Perlen antiker Zeit, mit dem schlichten Sinnbilde des Kreuzes schmückten. Die Spangen brachen, die Perlen wurden von den Fluthen der Zeit hinweggespült, und dennoch erkennt man in den Ueberbleibseln, daß die Geister, die diese Werke schufen, groß und erhaben gewesen waren; in diesen Ruinen lebt noch jetzt ein poetischer Reiz und eine unwiderstehliche Macht, die auch der Eigenliebe eines Christen des 19. Jahrhunderts schmeichelt. Die Seele wird unwillkürlich von Stolz ergriffen bei dem Gedanken, diese Werke haben einst Menschen geschaffen, aus Fleisch und Blut wie du; und da die Attribute des heidnischen Kultus in den weiten stillen Räumen fehlen, so hat die Phantasie freies Spiel, und auch das christlichste Gemüthkann sich an den Malen des alten Hellas erfreuen. – Wir traten in das Thor der Umfassungsmauer ein; nachdem wir dasselbe durchschritten hatten, kamen wir zu einem Wachthäuschen, welches leider theilweise aus Ueberbleibseln von Kunstschätzen erbaut ist; rechts und links lagen zusammengefallene Steine, gebrochene Säulen; dann gelangten wir durch eine pfortenartige Maueröffnung in das Bereich der herrlichen Propyläen. Noch heute erkennt man die mächtigen Stufen, die bis zu den Fluthen des Meeres gereicht haben sollen. Rechts und links erheben sich gigantische Säulen, welche mehrere Eingangshallen zu dem eigentlichen Sanctuarium bilden. Einst waren in den marmornen Boden derart Furchen gezogen, daß man zwischen den Stufen hindurch fahren konnte. Die Säulenreihen werden von dem Innersten der Akropolis durch große Quadermauern getrennt; in der Mitte befindet sich ein dreifacher Eingang. Rechts von den Propyläen ragt auf einem Felsenvorsprunge der zierliche Tempel der Victoria hervor, welchem wir nun zuerst unsere Aufmerksamkeit schenkten; seine Dimensionen sind sehr gemessen und stehen im vollsten Einklange; vier Wände mit dorischen Säulen verziert, bilden das Gebäude, an dessen einer Seite eine schöne Pforte in das Innere desselben führt. Um das Gesimse laufen fein gearbeitete Basreliefs in sehr kleinem Maßstabe. Der Tempel hat durch seine freie Lage den reinen, blauen Aether als Hintergrund, und durch seinen Miniaturbau, der in der letzten Zeit hergestelltworden ist, etwas außerordentlich Anziehendes. Im Inneren fanden wir ein ausnehmend schönes Basrelief der Siegesgöttin an die Wand gelehnt. Die Athenienser, um den Sieg zu fesseln, bauten nicht nur der Göttin dieses Denkmal, sondern nannten es auch den Tempel der »flügellosen Victoria«, in der Meinung, daß die Siegbringende ihnen dann nicht entfliehen könne. – Hierauf begaben wir uns auf die linke Seite der Propyläen, wo sich auf dem linken Felsenvorsprung ein großes Gemach befindet, in welchem im Mittelalter die Herzoge von Athen hausten. Jetzt wird dieses Gemach und der unmittelbar davor befindliche Raum der Propyläen als Sammelort für die aus der Erde gegrabenen Alterthümer gebraucht. Hier sieht man steinerne Füße, Hände, Arme, Köpfe aufgeschichtet; nur einiges davon ist von größerer Bedeutung; doch wie gerne hätten wir, wenn auch nur den kleinsten Theil der werthlosesten Statue als Andenken mitgenommen! Dies ist aber, wie natürlich, auf das strengste verboten, da Griechenland so schon durch die Kunstliebhaber des gebildeten Europa seiner schönsten Sculpturen und Vasen beraubt worden ist. Einige Mitglieder unserer Gesellschaft erlaubten sich daher nur einzelne kleine Marmorstücke von Säulen oder Mauern im Stillen als Andenken an den historischen Platz einzustecken. Wie schade, daß der griechischen Regierung und den Erhaltungsgesellschaften das Geld, und dem Volke die Kunstliebe mangelt, alle diese Schätze entweder systematisch ineigenen hierzu erbauten Localen zu ordnen oder die übrigen in verschiedenen Richtungen zerstreuten Theile mit verständigem Sinn und nach alter Ordnung zu sammeln und zu fügen, und so wenigstens theilweise den Schatten alter Prachtdenkmale herzustellen. Man hebt eine Erdscholle, sieht zwischen dem Schutt der Jahrhunderte die Formen eines herrlichen Torso erscheinen, Athen und Europa jubeln über den großen Fund und der Torso erhält seinen traurigen Ehrenplatz zwischen den andern Bruchstücken; man erzählt Wunder von dem neuaufgefundenen Meisterwerke, schreibt es einem Phidias zu, lobt es in den Kunstblättern, zeigt das wehmüthige Conterfei in Kupfer gestochen den Blicken der neugierigen Außenwelt, während in unmittelbarer Nähe der vom Rumpfe abgebrochene Kopf, die schon längst vorgefundenen Hände und Füße hier den Blicken der staunenden Reisenden als sinnlose Bruchstücke gezeigt werden. Könnte nicht ein fleißiger Künstler diese vor Jahrhunderten zusammengehörenden Glieder wieder zu einem vollendeten Götterbilde vereinen, das ein oder das andere fehlende kleine Glied mit seinem, durch das Vorbild begeisterten Meißel ergänzen? oder sollte nicht ein geschickter Architect, der sich in die Linien alter Kunstwerke hineingelebt hat, die einzelnen großen, herumliegenden Säulenstücke durch das scharfmessende Künstlerauge zusammenfügen können? doch es fehlen leider die Mittel zu einem solchen großartigen Unternehmen, und bis jetzt sind nur einzelne kleine Versuche gemacht worden,deren Gelingen jedoch gerade den Beweis giebt, wie lohnend dieses großartige, wenn auch schwierige Werk wäre. Man wundert sich, wie der faltenreiche Körper einer von ihrer alten glänzenden Stellung verdrängten Göttin auf der Akropolis ruht, während ihr lieblicher Kopf in der Ebene ausgegraben wurde und nun vielleicht im Theseustempel gezeigt wird; und doch ist dies auf ganz natürlichem, wenn auch barbarischem Wege geschehen; der grause Türke fand dieses Standbild der mythischen Dame auf der von ihm blutig erstürmten Burg, ihn erfüllte keine Begeisterung bei der Betrachtung des steinernen Kunstbildes, das Schwert seines Propheten hatte er nur zur Zerstörung gezogen; bald hatte die eiserne Faust des Barbaren ihren Zweck vollendet; der Kopf, dem Phidias mit Begeisterung Leben einhauchte, und dem er durch seinen Meisel den Ruhm einer Gottheit ertheilte, wich von dem blendenden Nacken, und nun war es ein gar artiges Spiel, dieses vom Rumpf getrennte Haupt unter Siegesjubel über die Felsen des gewonnenen Platzes in die Ebene rollen zu lassen. Doch nicht allein durch Mahommed's Söhne fielen diese Opfer des Barbarismus, sondern auch die Knechte christlicher Staaten wußten sich zu solchen Lustbarkeiten zu schicken. Nun geziemte es den Kunstfreunden des 19. Jahrhunderts im Schweiße ihres Angesichts ihren respectiven Musen ein Opfer zu bringen, die Gebeine ihrer Götter zu sammeln, und sie auf den Platz des alten Ruhmes wieder siegend aufzustellen; dochdies geschieht nicht, und soll nicht geschehen; so lehrt es die Geschichte von Jahrtausenden. Jede Periode hat auf dieser Erde ihre bestimmten Glanzpunkte, die in den Kunstdenkmalen die Bewunderung der Mitmenschen auf sich ziehen; die Aufgabe der Zeit ist es dann, diese Werke zu zerstören und der Nachwelt die Ruinen zu überlassen, damit sie ahne – lerne – und selbst schaffe. –
Durch die Pforten der Propyläen traten wir auf einen mit Steinen übersäten Raum, den eigentlich der alten Götterwelt geweihten Platz der Burg. Hier findet man noch in einem breiten großen Marmorblocke die Merkmale des Punktes, auf welchem die berühmte Minerva gestanden hatte; hier zeichnet sich in herrlichen Formen der Tempel der Erekthea; hier steht das großartigste Meisterstück griechischer Architectur, das säulenreiche gigantische Parthenon, in welchem einst der aus Gold und Elfenbein gebildete Zeus des Phidias thronte. Gleich links, wenn man aus den Propyläen tritt, ruhen, an eine große Quadermauer angelehnt, eine Anzahl aus den Metopen des Parthenon entnommener Basreliefs von seltener Schönheit; sie stellen einen Triumph- oder Heereszug dar, in dem man die wundervollsten Gestalten entdeckt; sie sind aus der Blüthe alter Kunstzeit. Doch den Hauptschatz dieser Basreliefs hat, wie bekannt, Lord Elgin, der Vertreter seiner kaufmännischen Nation nach London in das brittische Museum geschafft. Aus Dankbarkeit für den gelungenen Raub hat er dem armen Athen einen erbärmlichenGlockenthurm gebaut. So weit die mächtigen Klauen des Leoparden reichen, so weit schlagen sie Wunden, um das Herzblut zu gewinnen; und daß die Klauen des Leoparden weit reichen, zeigen die Schätze in seinem heimischen Lager.
Wir traten mit Begeisterung vor das erhabene Parthenon; die Façade ist noch ziemlich gut erhalten und giebt der Phantasie die Umrisse und Hauptpunkte an, aus welcher sie sich auf leichte Weise das herrliche alte Bild ergänzen kann. Eine breite Kolonnade im einfachsten grandiosesten Style umgiebt den geschlossenen, ebenfalls mit Säulen verzierten Tempelraum. Der First des Tempels ist leider schon sehr beschädigt, und man sieht nur aus zwei kopf- und armlosen Figuren, daß einst in demselben eine Marmorgruppe gestanden haben muß. Noch einige zerstückte Metopenspuren zeigen sich zwischen dem Dache und den Säulen. So zierlich und klein die Dimensionen beim Victoria-Tempel sind, so majestätisch und groß sind sie bei diesem Werke alter Kunst; doch stehen beide in gleich reizendem, poetisch architectonischem Einklange. Es liegt ein hinreißender Zauber in diesen Marmor-Ruinen; die Werke sind mit gesundem Sinn durchdacht und mit Begeisterung geschaffen worden; es bleibt uns ein Räthsel, wie die Männer alter Zeiten die Kräfte und Mittel hatten, jene Steinmassen auf einander zu thürmen; ja diese großen Künstler machten sogar architectonische Berechnungen, an die unsere arme schwache Zeit gar nichtgewohnt ist zu denken. So schützten sie ihre aus colossalen Steinen und ohne Mörtel errichteten Wunderbauten vor dem im Süden häufigen Erdbeben, indem sie allen Säulen eine etwas schiefe Neigung gegen das Innere des Tempels gaben, so daß die breiten gegen einander gestützten Quersteine denselben einen Halt darboten; so gaben sie den Grundlinien des Parthenon eine gegen die Mitte etwas einwärts gebogene Richtung, wodurch eine optische Täuschung entsteht, und sie diese herrlichen Bauten den Blicken größer erscheinen lassen. Für die Gestalt eines Zeus konnte kein besseres Werk als Göttersitz gewählt werden; denn es spricht aus demselben der Ernst und die Größe eines Donnergottes, und zu gleicher Zeit das poetisch Anziehende eines Nymphen-Anbeters. – Wir traten in das Innere. Wo einst das Dach war, quillt nun das hellste Licht aus blauem Aether auf den durch die Zeit in ein Goldgelb verwandelten Pentelikon-Marmor. Das Dach, zu dem das Rauchwerk der Opfernden emporwallte, liegt in Stücke geborsten auf dem Boden, über den einst das Blut der Opferthiere in reichlichem Maße floß. Auch von dem reichgeschmückten Bewohner dieser alten Marmorburg, vom Zeus des Phidias hat man keine Spuren mehr. Den goldenen Haarwuchs und Mantel wird irgend ein Eroberer zur Rundung und Auspolsterung seines Säckels gebraucht haben. Man hat im Innern zwei alte ausgegrabene Marmorthrone aufgestellt. Hier sitzen des Königsund der Königin Majestät bei archäologischen Festen, die zuweilen in diesen Räumen gefeiert werden. Wir dachten uns in die Zeiten des atheniensischen Volkes zurück, als es mit dem Fall des Kreon die Könige abschaffte; Professor K. aber nahm in antiker Begeisterung Platz auf dem Königssitze, und nun wurde ein von unserer Gesellschaft langgehegter Wunsch zur Ausführung gebracht – wir hatten nämlich vom Beginne der Reise an, eine Flasche österreichischen Weines mit aller Sorgfalt aufgehoben; nun ward sie an das Tageslicht gebracht, und ihr Inhalt wurde auf das Wohl des Vaterlandes ausgeleert. Die südlichen Gebräuche vermählten sich mit den nordischen. – Archivarius K. saß gleich einem Barden aus alter germanischer Zeit, mit dessen grauen Locken der Wind sein Spiel treibt, auf dem marmornen Thronsessel. Wir bildeten um ihn einen Kreis, worauf er einen der Stimmung des Augenblicks entsprechenden Trinkspruch mit weit vernehmbarer Stimme ausbrachte, der unserem Vaterlande einen Gruß weihte. Wir hörten seinen Worten mit Begeisterung und Rührung zu. Es war ein poetischer, der Vaterlandsliebe geweihter Augenblick, der die schöne großartige Umgebung noch erhebender machte. Wir hatten unseren Vorsatz erfüllt, auf Attika's fester Burg von den heimischen Weinbergen einen Trunk zu thun, in welchem wir in Liebe unseres theuren Vaterlandes gedachten. Ehe wir den Saft gesunder Oesterreicher-Trauben an unsere Lippen setzten, brachte ich, im Angesichte der Ueberreste alterGrößen, auf der vor dem Throne befindlichen Steinplatte, nach antiker Sitte und Gebrauch den mythischen Göttern, deren kunstvollen Bildern einst in diesen Räumen gehuldigt worden war, eine Libation. Nun that Jeder einen kräftigen Schluck, worauf ich die Flasche, um sie vor künftiger Entweihung zu bewahren, an dem Marmor zerschellte. Die griechischen Officiere, welche uns begleiteten, sahen dieser Scene verwundert zu; doch als sie ihnen erklärt wurde, bückten sie sich und lasen von der zerbrochenen Flasche Ueberbleibsel als Andenken auf. Es scheint, daß unser Patriotismus den ihrigen ebenfalls aufgefrischt hatte. – Mein Bruder konnte leider dieser Feierlichkeit nicht beiwohnen, weil ihn ein leichtes Unwohlsein zu Hause hielt.
Vom Parthenon aus gingen wir durch ein Meer von Trümmern zum Tempel der Erekthea. Auf einem massiven, um den nicht sehr großen Raum herumlaufenden Mauerwerke von Marmorquadern erheben sich schlanke Karyatiden, welche den mit Steinmetzarbeit geschmückten Oberbau auf ihren Häuptern tragen. Der reiche Faltenwurf des aufgeschürzten Gewandes, das volle wallende Haar und die ernsten Züge dieser Figuren machen einen künstlerischen, architectonisch vortrefflichen Eindruck. Die Formen und die reichen Verzierungen des niedlichen malerischen Tempelchens erinnern unwillkürlich an die schön geschnitzten Schränke der Cinquecento-Zeit. An diesem reizenden kleinen Werke hat Neugriechenland sich angestrengt und einige fehlende Karyatiden durch neue gelungene Bildhauerkunstersetzt. Auch bei diesem Tempel, wie bei allen, mit Ausnahme des dem Theseus geweihten, fehlt das Dach, wodurch sich die Ruinen mit noch schärferen Conturen auf dem Himmel abzeichnen. Die hintere Seite ist an eine Quadermauer angelehnt, wodurch die Aehnlichkeit mit einem Wandschrank noch mehr erhöht wird. Auf der andern Seite der Mauer befindet sich ein ziemlich großer Raum, der von zwei Seiten mit schönen korinthischen Säulen umgeben ist. Welcher griechischen Säulengattung der Vorzug zu geben ist, kann ich nicht entscheiden; doch entzückten mich die des Parthenon, in ihrer massiven und doch schlanken Form am meisten. Kein Schnörkelwerk, keine unnütze Zierrath verdirbt den großartigen Eindruck; es ist auch hier wie bei allem Großen und Schönen, das keines Schmuckes bedarf, um zu imponiren und zur Bewunderung hinzureißen.
Wir wendeten unsere Schritte in den Tempelbau, welchen die Alten den beiden Hauptbeschützern Athens, Neptun und Minerva, geweiht haben; doch das ernste, majestätische Götterweib, das aus Jovis dräuendem Haupte entsprungen war, erhielt die Oberhand über den wilden Wassermann, indem das kluge Volk von Athen Minerva's Geschenk, den Oelbaum, dem Neptun's, der das Roß aus den Wellen entspringen ließ, vorzog. Das Schönste an diesen Tempelüberresten ist die reich verzierte Eingangspforte, in deren Nähe man uns eine im Felsen befindliche Vertiefung zeigte, aus welcher Neptun mit seinem Dreizack eine Quelle gestoßen haben soll.
Der griechische Archäolog, ein sehr liebenswürdiger Gelehrter, führte uns in ein Haus, in welchem sich eine bedeutende Sammlung ausgegrabener Geschirre und anderer Gegenstände befindet. Griechenlands irdene Vasen zeichnen sich durch ihre graziösen und doch so einfachen Formen, und durch ihre schön gewählten schwarz und rothen Farben aus. Schwung und Poesie finden sich bei den Ueberresten dieser Zeit in allen Gestalten wieder. – Bemerkenswerth ist noch das an dem untern Theile der gegen die Meerseite zugekehrten Seite des mächtigen Felsens gelegene Theater des Herodes, welches nun langsam aus dem Schutte der Erde dem Tageslichte wiedergegeben wird, so daß man schon die alte Circusform, wie sie so herrlich in Verona zu sehen ist, wahrnehmen kann; dasselbe wurde von einem Krösus errichtet, der noch in den glücklichen Zeiten lebte, in denen man manchmal des Geldes zu viel hatte. Ihm war es wie folgt gegangen: er hatte einen Schatz gefunden, was damals auch schon zu den Annehmlichkeiten des Lebens gehörte; er wußte keinen Gebrauch von den Massen Goldes zu machen; er wendete sich in seinem Drangsal an Kaiser Hadrian, welcher ihm den Gedanken einflößte, den ihm so lästigen Schatz zu verbauen.
Wir verließen die Akropolis mit dem erhebenden Gedanken, Großes – Unvergängliches gesehen zu haben. Wir fühlten uns der Zeit näher, in welcher ein Perikles gewaltet, und ahnten den Schöpfungsgeist unerreichter Künstler. MitBewunderung verließen wir eine Stelle, auf welcher die größten Geister Griechenlands sich bewegt hatten, und unsere Seele nahm den Schatten des Bildes der Akropolis auf, wie sie war, als noch Einheit und Leben in diesen Räumen herrschte, als noch der Weihrauch der reichen Opfer zu dem ungetrübten Aether stieg, und der Jubel der freudetrunkenen Schaaren in das ewig grüne üppige Thal niederrauschte.
Von der Poesie ging es zur Prosa über, und ich hatte nun die nicht sehr angenehme Aufgabe, das diplomatische Corps zu empfangen. Dergleichen Dinge waren kalte Douche auf den poetischen Enthusiasmus, in welchem das Herz über alte Größe schwelgte.
Um halb fünf Uhr setzte ich mich mit der Königin zu Pferde, um wieder einen kleinen Ausflug in die merkwürdige Umgebung Athens zu machen. Das Wetter hatte sich bedeutend getrübt; die Gegend, durch welche uns die leichten orientalischen Pferde trugen, bot in der düstern Beleuchtung ein Bild der Melancholie. Nacktes, tiefgefärbtes Hügelwerk machte den Eindruck des Erstorbenen, da ihm der Wiederschein der glühenden Sonne fehlte. Die Oliven mit ihrem düstern Grau brachten kein Leben in die schwermüthige Landschaft, welche sich bald in ein weites Thal öffnete.
Am Eingange desselben stand in der Nähe der grauen Bäume ein kleines Kapellchen; vor demselben lagen im wüsten Durcheinander Steinblöcke. Hier war es wo Byron dichtete, wo sein Mädchen von Athen entstand. Die weite Aussicht,welche sich von diesem Punkte dem Blicke eröffnet, zeigt gleich einem Spiegel, die Seele des großen Dichters: Wehmuth und glühende Sehnsucht, die von einem brennenden Sonnenstrahle zur ahnungsvollen tiefen Gluth entzündet werden. Doch heute war es der griechischen Sonne nicht gegönnt, diese Hügel und die weite Ebene mit dem Farbenschmelz des Südens zu bemalen; solche Tage sind es nicht, die der glühenden allzufeurigen Dichtung günstig sind; an Tagen wie heut kann das liebeskranke Herz des Dichters nur in melancholischen Tönen singen. Es war ein Bild des schmachtenden, nicht des siegestrunkenen Byron. Nur ein einziger Punkt der Hoffnung schimmerte in weiter Entfernung in diesem trüben Bilde: ein weißes Kirchlein, umgeben von einigen Häusern und üppigen Bäumen, war dem Auge ein Trost; mit inniger Freude erfuhr ich, daß eine Colonie deutscher ausgedienter Soldaten dort wohne.
Für die Verehrer alter Bauten sind in diesem Thale zwei Aquaducte das Merkwürdigste; sie stammen aus der Römerzeit und sind aus Ziegeln erbaut; den größten Theil der Pfeiler hat jedoch die Zeit schon verschlungen. Was bei diesen zwei Wasserleitungen für den die Natur beugenden Willen der Erbauer am meisten Staunen erregt, ist, daß sie in demselben Thale in entgegengesetzter Richtung laufen. Der Zweck dieser Bauten hat aufgehört, und die Pfeiler stehen nur mehr als traurige Merkmale einstiger Kultur da. Mit einigem Kostenaufwande ließen sich diese Aquaductewohl wieder herstellen, was dem armen, dahingestorbenen Lande wenigstens einiges neue Leben bringen würde. – Kaum hatten wir diese Ruinen angestaunt, so überfiel uns ein ziemlich starker Regen; die Königin spannte einen Schirm auf, die Pferde wurden in ein lebhaftes Tempo versetzt und nun gings eilends einem kleinen in der Nähe befindlichen königlichen Maierhofe zu, der sich an den Ufern eines frischen Baches befindet. Das Auge erblickt mit Freude in seiner Umgebung einige saftige Kleefelder und Obstbäume. Im Hofe des nach deutscher Weise eingerichteten Gebäudes verließen wir die Pferde; mit Stolz zeigte uns die Königin einen herrlichen Kuhstall, der für die, nach deutscher Sitte den Kaffee Trinkenden, die Sahne liefert; auch hat man sich am Hofe wirklich nicht über die Milch zu beklagen, welche sonst in südlichen Ländern den nordischen Bewohnern so sehr abgeht. Eine breite üppige, von einem einzigen Weinstocke gebildete Laube vor den Zimmern des Maiers schützte uns vor dem Regen. Die Königin, welche sich einen vortrefflichen Appetit durch die häufige Reitbewegung zu erhalten weiß, ließ von der deutschen Hausfrau Pfannkuchen backen, welche in einem kleinen finstern Zimmer verzehrt wurden; indeß waren Wagen von Athen gekommen und wir konnten trocken nach Hause fahren. Im Fluge wurde Toilette gemacht, worauf man zum Diner ging, bei welchem Capitän W. von unserem Geschäftsträger Grafen J. der Königin vorgestellt wurde. Da die lebhafte Majestät fand,daß man am heutigen Tage noch zu wenig Bewegung gemacht hatte, so wurde nach Tisch nochà la guerregespielt. Die ganze Herrengesellschaft befleißigte sich, ihr Spieltalent zu entwickeln, was jedoch Manchem auf sehr komische Weise mißlang, wodurch es dem geübten BillardspielerDr.F. ein Leichtes wurde, obzusiegen. Mit diesem Triumphe der Wiener Kunstfertigkeit endigte der heutige Tag.
Tags darauf besuchten mein Bruder und ich noch einmal in Begleitung des Grafen C., des Archivarius K. und der beiden uns zugetheilten Adjutanten den herrlichen Theseustempel, dessen im Innern befindliche Kunstschätze wir noch nicht zur Genüge betrachtet hatten; am heutigen Morgen konnten wir alles mit Muße beschauen, ohne von den, mit Ausnahme des Professor G., für Kunst minder schwärmenden Reisegenossen gestört zu werden; dabei unterstützte uns die angenehm belehrende Erklärung des griechischen Archäologen. Der merkwürdigste im Tempelraume befindliche Gegenstand ist das Basrelief einer Heldenfigur aus der Zeit des Xerxes; es stellt Aristion, einen Verwandten des Theseus vor. Diesem seltenen Denkmale wenigstens schenkte man etwas Fürsorge, und barg es in einem gläsernen Kasten vor dem Einflusse der Luft. Man sieht aus dem Profil dieses Heldenbildes, in wie früher Zeit man in Griechenland schon ein Gefühl für Kunst hatte; ist die, späteren Zeiten vorbehaltene, schöpferische Kraft in diesem Werke auch noch gebunden, so läßt sich doch ersehen, daß einem Volke, welches schon in der Kindheit solches zu leistenvermochte, eine herrliche Zukunft bevorstehen mußte. Die Züge und Gliedmaßen der Figur sind noch steif und ungehobelt, und man konnte aus denselben schließen, wie der Funke der Kunst von den alten ernsten, steinernen Aegyptern auf das jugendfrische, lebhafte Volk der Griechen übergegangen war, und erst hier unter den Einflüssen einer glücklichen und kräftigen Natur sich zu dem hehren allbewunderten Flor entfaltet hat. Wenn wir dieses älteste Denkmal griechischer Sculptur verlassen, so finden wir schon nebenan Grabsteine aufgehäuft, welche durch die sinnreiche Idee, die ihnen innewohnt, und durch die Ausführung an Hellas Blüthezeit erinnern.
Denn nach den granitenen, schon wegen des schwer zu bearbeitenden Materials, kalten und steifen Bildern der ägyptischen Schule, hat das jüngere Streben dem weichen weißen Marmor des Pentelikon einen neuen Geist eingehaucht. Der Künstler hat schon Scenen aus dem Leben mit seinem mythischen Glauben verbunden und den mystischen Schleier gelüftet, so daß der Beschauer den Ausdruck des Gedankens, der ihn geleitet, findet. Die auf den Grabsteinen befindliche Figur des Sterbenden ist immer in sitzender Stellung und hüllt sich in einen Schleier, um das Scheiden von der Welt darzustellen; um ihn herum stehen Verwandte und Freunde, welche durch ihre Gebete die schmerzliche Trennung hindern wollen. Ist es eine Mutter, die in dem Kreise der Ihrigen stirbt, so hat der Künstler ein Kind zu ihren Knieen hingestellt,das einen Vogel im Händchen hält, wodurch er die hinfliehende Seele der geliebten Mutter versinnlicht. Dieser Grabsteine sind sehr viele aufbewahrt, und die mannigfaltigen Figuren auf denselben sind nicht typisch, es ist Fleisch und Blut vom reichsten Faltenwurfe umwallt. Unter den übrigen Gegenständen sind noch ein Sarkophag und eine treffliche Statue bemerkenswerth. Die letztere stellt einen Jüngling vor, den man als Apollo bezeichnet; ob mit Recht, weiß ich nicht, wiewohl der Gliederbau desselben eines Gottes würdig wäre. Eine ziemlich colossale Statue mit ägyptischer Bekleidung trägt die Spuren späterer Kunst in der Art ihrer Bearbeitung. Der Archäolog sagte uns, sie stellte Antinous, den Liebling des Hadrian vor. Sie ward auf dem Felde von Marathon gefunden; ich glaubte gern, daß dieses Werk der römischen Periode angehört, da man den leichten Gliederbau griechischer Kunst darin vermißt. In der Kolonnade des Hadrian, wohin wir uns nun begaben, sind in deren vorderem abgeschlossenen Raume ebenfalls Alterthümer aufbewahrt, unter denen wir noch mehrere Grabsteine nach Art der eben beschriebenen fanden.
Wir kehrten auch noch einmal zum Tempel der Winde zurück, der in meinen Augen durch die Erklärungen des Archäologen sehr an Interesse gewann. Zu diesem Gebäude führt, wie ich schon oben bemerkte, ein Aquadukt, dessen nunmehr vertrocknete Wässer vor Zeiten eine Broncestatue des Neptun so gleichmäßig bewegten, daß er den Mittelpunkteines Uhrwerks bildete, das nach dem Lauf der Stunden Figuren zum Vorschein brachte, deren Alter und Größe mit der Stundenzahl wuchs. Im ersten Zeitabschnitte zeigte sich ein kleines Mädchen mit einem Füllhorn, in dem sich Knospen befanden; in dem zweiten eine Jungfrau mit aufblühenden Knospen; zuletzt erschien die Gestalt eines Weibes mit ganz erschlossenen Blüthen. – Auch befindet sich an diesem Tempel eine Sonnenuhr, in deren Mittagspunkt ein Strich anzeigt, daß der Lauf der Erde sich seit zwei Tausend Jahren nicht im mindesten geändert hat; denn noch heute werfen die Strahlen der Sonne genau um Mittag den Schatten der Eisenstange auf dieses dem Stein eingefügte Merkmal. In den Windrichtungen des Octogons befinden sich große Basreliefs, welche die verschiedenartigen Winde mit ihren Eigenschaften darstellen; die kalten oder schädlichen haben ältere, bärtige Gesichter, um die Rauheit des Elements darzustellen. Die lauen Frühlingswinde erscheinen in Jünglingsgestalt; daß dieselben barfuß sind, soll in versinnlichender Weise der Griechen ausdrücken, wie leicht dieselben über die Blumenteppiche der neu erwachten Natur fortschreiten. Manche dieser Figuren tragen musikalische Instrumente in der Hand, als Zeichen ihrer Lieblichkeit; manche bringen Blumen und Früchte, als Merkmale, daß sie dieselben hervorrufen. Der den Atheniensern verhaßteste Wind hält mit der Hand eine große Muschel vor den Mund, wodurch sein tönender Lärm ausgedrückt wird.
Von dem Tempel der Winde begaben wir uns in ein ehemals von den Türken zu einem Dampfbade verwendetes Gemach; in welchem jetzt die Gypsabdrücke aller nicht mehr in Griechenland vorhandenen Kunstschätze gezeigt werden. Hier befinden sich auch die Abdrücke der von Lord Elgin gestohlenen Basreliefs des Parthenon. Old England hatte die Gnade, den armen Griechen dieselben zu schicken, um sie dadurch aufmerksam zu machen auf das, was sie verloren haben. – Von hier fuhren wir zu dem sogenannten Marktthore, welches eigentlich, einige schon verkürzte herumstehende Säulen mit inbegriffen, einen Rest des Tempels der Minerva bildet; der jetzige Name ist diesem Porticus fälschlich beigelegt. Wir besuchten auch noch die in der Nähe dieser Ruinen befindliche katholische Kirche. Sie ist klein und im höchsten Grade unansehnlich, so daß wir in diesem Punkte von den Anglicanern übertroffen werden, welche sich ein recht nettes gothisches Kirchlein erbauten, während zum katholischen Gotteshause eine Moschee umgewandelt wurde. – Um ein Uhr fuhren wir mit der Königin in einemchar à bancdem Gebirge zu. Bald aber trafen wir die königlichen Pferde, welche des uns bevorstehenden schlechten Weges halber bestiegen werden mußten. Das Wetter begünstigte uns am heutigen Nachmittage außerordentlich, so daß die interessanten Gebirgs-Parthieen noch malerischer hervortraten.
Die Kultur mangelte fast gänzlich; doch glänzte um so schöner das frische Grün der Pinien zwischen den Steinmassenund über der gelben südlichen Erde. Bald mußten unsere Pferde über die schlüpfrigen Felsen zu steigen anfangen. Als wir auf der ersten Höhe anlangten, empfingen uns die »zito's« der uns entgegengeeilten Bewohnerschaft des Dorfes Cassia, welches wir in dem sich nun erweiternden Thale, zwischen einer der felsigen Gegend mit Mühe abgewonnenen Vegetation, berührten. Es war ein hübscher, pittoresker Platz, dessen, zwischen den grauen Massen vertheiltes Grün dem Auge wohl that. Die Freude der Bevölkerung, die Königin zu sehen, war so groß und laut, daß das Pferd der Letzteren einigemal scheu zurückwich. Das Kostüme der Dorfbewohner war dem von Eleusis ganz ähnlich; je tiefer man in das Land eindringt, je höher man die Felsenburg erklimmt, desto orientalischer, desto urwüchsiger werden das Land und seine Bewohner; es sind kernige, an alle Entbehrungen gewöhnte Menschen, fest in ihrem abgeschlossenen Glauben, kräftig an Körper und Seele, und dadurch frei und stolz in ihrer Haltung, in jeder Bewegung natürlich graziös. Spukte nicht die Verschmitztheit der alten Griechen und die Schlauheit des Slaven in diesem ungezwungenen Gebirgsvolke, so würde ich es mit den felsenfesten Tyrolern vergleichen. Diese dunkle Wolke wirft auf den Hirten der bergigen Halbinsel einen trüben Schatten. Doch gerade, daß diese Berge in ihren Ausläufern am Gestade des Meeres Hafen bilden, mag diesem Volke die List des Krämers gegeben haben. Ihr kriegerisch blutiger Sinn, welcher sie dahinbrachte, sich hinter ihren Felsburgen schützend, den Feind mit lang genährter Rachelust aus dem Lande zu jagen, hat sich nicht, wie beim Tyroler, nach errungenem Siege friedlich gelegt; der Kampf war zu lang und blutig, und mit der Zuthat des listigen Elementes ist er in Räuberei ausgeartet, von welcher man selbst bei solchen größeren Ausflügen, wie wir ihn machten, nicht ganz sicher zu sein scheint; denn wir sahen heute an mehreren Punkten des Weges Gensd'armen aufgestellt. Zwar versicherte die Königin, es sei eine unnöthige Dienstbeflissenheit; doch glaube ich wahrlich nicht, daß diese Maßregel ohne Grund genommen wurde. Schon im Umfange des Ortes verengte sich der Weg durch steinige Hindernisse; doch die Königin, an dergleichen durch ihre großen Reisen im Innern des Landes gewöhnt, setzte leicht darüber hinweg, und es ging bald zu noch steileren, mit Pinien und Felsenspitzen malerisch besäeten Höhen hinauf, bald darauf abwärts über gänzlich ungeebnetes Gestein, über einen Pfad, dem man in unseren Landen nicht einmal den ehrenwerthen Titel »eines Fußsteiges« geben könnte; und hier wußten die Pferde steigend und rutschend vorwärts zu kommen. Je mehr wir uns unserem Ziele, der alten Grenzfestung Phila näherten, desto wilder und enger wurden der Weg, und desto mannigfaltiger die Formen der Felsen. Ueberall ragten die Pinien freundlich hervor. Mich erinnerten diese Punkte an unser Salzkammergut und unser Tyrol. Noch mußten wir über unregelmäßige Steinplatten, zwischeneiner Felswand und einem steilen Abhange, reiten und Angesichts der Feste eine Thalschlucht passiren; dann befanden wir uns beim herrlichsten Wetter an dem pittoresk und hochgelegenen Ziele unseres Ausflugs. Zwischen zwei Thalengen auf der Endspitze eines breiten, ziemlich üppig bewachsenen Plateau's liegen die Ruinen dieser interessanten Feste; sie bestehen aus einem nicht sehr ausgedehnten Vierecke von kolossalen schmucklosen Quadermauern; an den Ecken befinden sich vier Thürme, deren einer rund ist, was uns bezeugt, daß schon die griechischen Architekten die runden Mauern zu errichten verstanden. Phila war ein Zufluchtsort der dreißig Tyrannen, in welchem sie sich vor dem thätlichen Unwillen des atheniensischen Volkes sicherten. Man sieht, daß die Idee eines felsenfestenbuon retiro'snicht erst im Mittelalter entstand. Die dreißig Herren konnten von diesem Adlerneste aus, auch ohne Plößl'schen Tubus, die ihnen gefährliche Stadt Athen mit dem den Hintergrund bildenden Azurspiegel des Meeres durch den Einschnitt der Gebirgsmassen betrachten. Die Ketten der Tyrannen sind gebrochen, die schützenden Mauern zerfallen, und nun spinnt der friedliche Epheu, der gewöhnliche Todtenschleier, wie ein wundersam üppiges grünes Netz über das alte Gemäuer; die gefürchtete Burg ward ein romantisches Ziel für Spaziergänger. Die Aussicht auf Athen, auf die Akropolis und das herrliche Meer war wahrhaft bezaubernd; zwischen der dunkleren Gebirgsmasse schien es ein in Rahmen gefaßtes Miniaturbild zu sein.
Nachdem sich die Pferde etwas von der Anstrengung erholt hatten, brachen wir auf. Anfangs ritten wir wieder auf dem halsbrecherischen Felsenwege, der sich an den Gebirgen längs des schmalen Thales hinzieht; wir verließen jedoch bald die auf dem Herwege eingeschlagene Richtung, um, wenn möglich, noch bedeutendere equestrische Gefahren zu bestehen. Es ging über den Bergrücken, von dem wir auf einer für Gemsen allenfalls guten Promenade uns abermals gegen ein schmales Thal abwärts senkten. Vor uns öffnete sich die steinige Schlucht, um uns ragten Felsen aus dem niedern Gestrüppe, und wir selbst schwebten auf den halb rutschenden, halb vorwärts schreitenden Pferden von Stein zu Stein längs des steilen Abhanges; ein Fehltritt des eifrigen Thieres und das betreffende Opfer ist ein Kind des Todes; dies sind die Unterhaltungs-Ritte der schaulustigen Europäer im alten Hellas, dem einstigen Sanctuarium der Civilisation und des Fortschrittes. Die Schlucht ward immer enger, und umsonst suchte mein Auge die Mauern des Klosters, welches das Ziel der nunmehrigen Todesgefahren sein sollte. Statt dessen entdeckte ich, daß derjenige Theil der Karavane, der sich hinter der Königin, meinem Bruder und mir befand, der Gefahr, in welcher wir schwebten, innegeworden zu sein schien; denn nordische und südliche Reiter, von deren Wagnissen man oft sprechen hört, hatten den Sattel verlassen, und führten gemüthlich ihre Pferde am Zügel. Sie zogen es vor, ihre Füße zu strapaziren,anstatt in der Luft über den Abhängen zu schweben. Für's theure Leben war diese Maßregel freilich besser; doch da wir sahen, daß die kühne Basilissa die Gefahr nicht scheute, blieben mein Bruder und ich sattelfest. Die merkwürdigste Stelle war uns noch vorbehalten. Da ich »Pfad« nicht sagen kann, so werde ich mich des Ausdruckes Richtung bedienen: wir kamen von der steilen Anhöhe, und unsere »Richtung« sollte nun dem Innern der Schlucht zugehen; der Punkt zum Umwenden bestand aber nur aus einem Felsenvorsprung, auf welchem ein Pferd gerade Platz zum Stehen hatte. Das Pferd der Königin gelangte auf diesen schwindelnden Raum; da ward die hohe Frau plötzlich der Gefahr inne, Roß und Reiterin wollten nicht vorwärts, doch ein Schritt zurück, führte unfehlbar den Sturz in die Schlucht herbei. Die Lage war peinlich; bald nahte jedoch die hülfreiche Hand des deutschen Stallmeisters, welcher das Pferd der Königin am Zügel vorwärts führte, worauf wir ebenfalls diesen furchtbaren Punkt, Gott sei Dank! glücklich passirten. Wir konnten nun das Ende der Schlucht, in welcher ein Wasser rauschte, wahrnehmen; doch wo war das Kloster? Die Welt schien mit Brettern verschlagen; wo sollten wir hier zwischen Felsen und Pinien, in dieser Urnatur ein Werk menschlicher Hände entdecken? Da sahen wir plötzlich nach der Wendung des Pfades, daß die Richtung, die wir einschlugen, am Ende der Schlucht in noch sehr bedeutender Höhe durch eine kleine Mauer zwischen den abhangendenFelsenmassen abgeschlossen war; doch wo sollten wir das Kloster finden? Die Schlucht ging zu Ende, die kleine Mauer war nur als eine Wegsperre zu betrachten; das Räthsel wurde immer spannender, wir standen vor dem Holzthor dieser Mauer, die Angeln knarrten und wir fanden uns plötzlich als Staffage im romantisch lieblichsten Bilde stiller Einsamkeit. Wir waren wie mit einem Zauberschlag in den Klosterhof versetzt. Von Außen drohte die Wildniß, von Innen spann sich ein großer Weinstock wie ein zarter Schutz über den stillen Frieden des Gebetes; nur das reine, blaue Auge des Himmels hatte Einlaß in diese Zuflucht frommer Seelen. Der heutige Ritt mag das Bild des Lebens von so manchem Mönche gewesen sein: er verläßt den häuslichen Herd, wo er noch zwischen den Blumen des Gartens die frohen Kinderjahre zubrachte; er tritt hinaus in die Welt, die sich ihm als eine breite Thalebene, in weiter Ferne mit malerischen Bergen begrenzt, darstellt; muthig schreitet er vorwärts, der Weg ist ja so flach, die Häuser der Freunde und Beschützer so nahe! Doch es zieht ihn zu den Bergen; er will die in der Ferne schimmernden blauen Höhen erklimmen, er naht ihrem Saume; das Werk ist leicht, so spricht er zu sich, denn mein Auge kann ja den Weg übersehen, es reicht vom Ausgangspunkte bis zum Ziele; doch die arme Seele vergißt des Fußes, der sie hintragen soll, sie vergißt, daß ein Fuß auch straucheln kann, daß, wo Höhen sind, auch Abgründe gähnen; er folgt den Sinnen und trautder Festigkeit seines Trittes. Das Thal wird enger, die Fläche steigt empor, der Erde entwachsen spitze Felsen, doch ist die Gefahr noch klein, er schreitet muthig vorwärts; die Sonne steigt am Firmamente, und wirft ihre glühenden Strahlen; der Pfad wird immer rauher; der Wanderer beginnt die Abgründe zu erblicken. Anfangs steigert dies seine Schaulust; er sieht ein Dorf vor sich, die Bewohner kommen ihm mit Freudengeschrei entgegen, sein Stolz hebt sich; doch ist er noch nicht befriedigt, er muß über die letzten Ansiedlungen wohlwollender Menschen hinaus; ihn treibt es stürmisch vorwärts; nach Ruhm geht sein Begehren: die Felsenburg muß er erklimmen, sein Blick muß über Regionen schweifen, wo nur der Adler haust; er achtet nicht der Gefahren, denn schon glaubt er den ersehnten Punkt von weitem zu erblicken; die Schluchten werden enger, schwindelnder die Höhen, er strebt empor – er hat das Ziel erreicht und findet eine Ruine gefallener Größe. Da ergreift ihn zuerst die Mattigkeit, da schwindelt ihm vor dem grausen Abgrund; in trüber Verzweiflung irrt er in der Wildniß fort, seine Wünsche sind vereitelt, seine Hoffnungen sind gebrochen; immer drohender wird die Gefahr, todtbringender jeder Schritt, immer steigt sein Weg, er kommt dem Abgrund immer näher; da tritt er auf eine Felsenspitze, ihn umgibt rauhe Wildniß, die frische Vegetation hat ihn verlassen, er steht allein im grauen Steinmeere! Jetzt sinkt sein Muth, jetzt ist er vernichtet, seine Noth aufs Höchste gestiegen. Daerblickt er eine Mauer mit einem verschlossenen Thore; mit Reue im Herzen stürzt er entkräftet an der Schwelle hin, er pocht an die Thüre, er weiß nicht, was sie ihm öffnen soll, – da knarren die Angeln und der müde Wanderer befindet sich im stillen Klosterhofe; die Rebe breitet ihre Arme zum kühlen Schatten aus, das Kirchlein ladet ihn zum reuigen Gebete ein, ernste Freunde reichen ihm die Hand und nehmen ihn in ihre friedliche Mitte auf. –
Dieses Kloster, dessen Andenken mich noch heute bewegt, ist, wie ich schon früher bemerkt, mit einer Mauer umgeben, und hängt gleich einem Schwalbenneste auf einem Felsenvorsprunge an dem steinigen Gebirge. Der kleine, innere Raum derselben ist so gut eingetheilt, daß er dem besten englischen Reise-Necessaire Ehre machen würde. Kleine steinerne Häuschen, welche das treueste Bild der menschlichen Abtödtung sind, finden an dem Felsen und der Mauer angelehnt Platz. In dem winzigen Hofe befindet sich noch eine etwas erhöhte Terrasse, welche unter dem reichen Rebendache eine malerische Bewegung in das ganze Bild bringt. Ueber diese Terrasse begiebt man sich zu dem den Hintergrund bildenden Kirchlein. Wir traten mit der Königin in dasselbe ein. Es trägt den Typus der byzantinischen Gotteshäuser; ein mystisches Dunkel herrscht im Innern, welches daher rühren mag, daß das Ende des Kirchleins in dem Felsen eingehöhlt ist. – Als wir hierauf im reizenden Hofe, in welchem man nichts von den nahen Abgründen ahnt, kurze Zeitruhten, bildete die Karavane die pittoreskeste Skizze für einen nach Originalität haschenden Genremaler.
Europas fade Dandy-Kleidung, Frankreichs elegante Amazonentracht, Neugriechenlands reiche Gewande fanden sich verkörpert in einem altorientalischen, der Entsagung geweihten Klosterhofe. Man hatte sich auf die Steine niedergelassen; es rappelte und trappelte im niedern dunklen Klostergemäuer, und eine hagere vergessene Mönchsgestalt trat mit freundlicher Miene zwischen die bunte, jugendliche Welt. Der weiße Bart des altersschwachen Mannes wallte über einen dunklen kurzen Kaftan, unter dem blaue Pumphosen zum Knie reichten. Bein und Fuß waren in weiße Strümpfe und schwarze Schuhe gekleidet. Auf dem gebückten Haupte saß eine Art persischer Mütze; von den Schultern bis zur Hand waren die Arme weiß bekleidet. Wie in den Klöstern des Occidentes brachte uns auch dieser Mönch freundliche Gaben der Natur, in Honig, Brot und Trauben bestehend. Wir erkundigten uns, wo die übrigen frommen Brüder wären. Man benachrichtigte uns, daß sie mit der Feldarbeit beschäftiget seien. Im Ganzen wohnen deren sechs in dieser Einsamkeit; ihre Einrichtung besteht so zu sagen aus nichts; sind die Wohnungen im Gegensatze zu Oesterreichs herrlichen Abteien stallähnlich, so ist auch der Geist im Vergleiche mit dem unserer reichen Benedictiner von höchster Einfalt; doch paßt diese Einfalt zu dem rauhen wilden Lande, und der alte fromme Sinn, der hier herrscht, macht keinen geringern Eindruck,als die hohe Wissenschaft in den Klöstern unseres Vaterlandes.
Bald setzten wir uns wieder zu Pferde, und verließen die uns so interessant gewordene Schlucht, an deren Ende eine Höhle sein soll, in welcher, wie uns die Königin sagte, der österreichische Gesandte, Freiherr von Prokesch einen großen Schatz an alten Vasen gefunden hat. Auf einem nicht minder malerischen Wege kamen wir wieder zu dem Dorfe Cassia zurück. Hier wurde von Neuem auf einem herrlichen mit Pinien bewachsenen Plätzchen gelagert. Feldsessel und ein kleiner Tisch wurden aufgestellt, und ein stärkendes Mahl eingenommen. Der Platz war lieblich, und die Ruhe that wohl. Ich machte die Bemerkung, daß Griechenlands uncultivirtes Volk gleich den europäischen Brüdern eine große Neigung hat, dem Essen hoher Personen zuzusehen. Ich dachte mir schon oft, daß die Leute sich einbilden müssen, daß Königinnen auf andere Art essen, wie die übrigen Menschenkinder; doch hier war das Interesse gegenseitig, denn auch für uns Reisende waren die griechischen Zuseher interessant zu betrachten. Nachdem wir von unserem Lager aufgebrochen, sprach die Königin im lieblichsten Griechisch zu den Kindern der Gemeinde. – Wir setzten nun unseren Weg zu Pferde fort; als wir in die Ebene gelangten, brach die Nacht herein und ein neues Schauspiel bot sich unseren Blicken; mit mildem, ernstem Antlitze erschien der Mond im Chor der Sterne. Wie Alles im Südenheller, feuriger, begeisterter ist, so blinken auch die Gestirne mit einem eigenthümlichen, bezaubernden Glanze herab. Im Norden scheint der Mond im Blau des Himmels seine Stütze zu finden, während er in Attika's Gefilden frei im Aether schwebt und das entzückte Auge noch in eine weitere unbekannte Entfernung zu blicken glaubt. So hell leuchtete das Gestirn durch die Nacht, daß die muthige Königin im raschen Galoppe, trotz der schlechten Straße zur Hauptstadt reiten konnte. Die Wagen, welche uns entgegen gekommen waren, wurden zu meinem großen Vergnügen nicht benutzt, und frisch dahin sausend, kamen wir durch die herrliche südliche Nacht zum königlichen Schlosse. Mit Bewunderung gesteh' ich es, daß die kühne Basilissa es versteht, ihren Gästen das Land und seine schönen Punkte zu zeigen und schätzen zu lehren.
Wir waren erschöpft von dem langen, sieben Stunden währenden Ritte; aber nur der Körper war etwas müde, der Geist thätig, und so brachte uns der herrliche, südlich laue Mondschein zum Entschluß, noch einmal unsere etwas angestrengten Glieder in Bewegung zu setzen. Es lag eine enthusiastische Unersättlichkeit der Kunstliebhaber darin, die sie hinderte, sich die Müdigkeit zuzugestehen.L'appétit vient en mangeant– und daher war auch die kleine Anzahl der Philhellenen und Antiquitäten-Verehrer wirklich selig, noch diesen Genuß zum Schlusse des thatenreichen Tages zu haben. Zur erhabenen Freude an den griechischenKunstwerken kam auch etwas Bosheit; wir ergötzten uns nämlich weidlich an den verzweifelten Mienen der prosaischen Comforthelden. – Das vortreffliche Diner ward rasch eingenommen, und wir stürzten uns hierauf, von der Basilissa angeführt, in die königlichen Kutschen. Schon während der Fahrt hatten wir Gelegenheit das klare, mild hingegossene Mondlicht zu bewundern und die Vortheile einer solchen Beleuchtung zu würdigen. Alles wirklich Erhabene tritt hell hervor, während der niedere Erdenwust im Dunkeln liegt. Die einzelnen Farben verschwinden, dem Ganzen einen sanften Ton eingebend, und die Formen der Gegenstände unterscheiden sich nur durch ihre Schatten. Am hochliegenden Thore der Akropolis wären wir fast, in Bewunderung versunken, ein Opfer unserer Kunstliebe geworden. Die Pferde, welche unseren Enthusiasmus nicht zu theilen schienen, wollten den heiligen Weg (via sacra) nicht weiter fortschreiten, und unser Wagen rutschte bedachtsam gegen die, dem steilen Wege nahen Abhänge. Die Neugriechen, welche diese Straße aus gänzlichem Mangel an Wagen nie befahren, sorgen nicht einmal für die Beruhigung der Reisenden; kein Geländer gab uns die süße Illusion einer Rettung. Die Königin ergriff daher unter verzweiflungsvollem Angstrufe das einzige uns Übrigbleibende Mittel, und stürzte sich aus dem Wagen. Das Hoffräulein, welches durch die für eine Griechin ungewohnte Emotion in eine Ohnmacht verfiel, wurde dem helfenden Lakai, einem dicken Baiern, in dieArme geworfen. Carl und ich retteten uns ebenfalls durch das von der Königin angegebene Mittel. Der Wagen, von unserer Wucht befreit, konnte durch die Pferde erhalten werden, und zu Fuß traten wir nun in das Thor des erhabenen Göttersitzes ein.
Vom Vorhofe aus hatten wir den ersten zauberhaften Anblick auf das in einen Silberspiegel verwandelte Meer. Mein Auge ruht immer mit gehobenem Gefühle auf der weiten See; wie erst, wenn sie vom Vollmonde aus griechischem Himmel beleuchtet ist?
Von jeher sehnte ich mich nach und träumte ich von dem Süden; nun fand ich meine Träume verwirklicht und weit übertroffen. Mit welch' stolzem Gefühle schritt ich über die hellglänzenden Stufen der Propyläen, deren Säulen gleich Riesen aus der Götterzeit um uns standen! Schwarz und eckig entwuchs der dunklen Erde der zierlose Frankenthurm; klein und doch lieblich erhaben, schwebte zwischen Meer und dunkelblauem Himmel der zarte Victoria-Tempel, gleich einer Phantasie aus südlichen Träumen. Herrlich thürmte sich das stolze Parthenon, als sei es durch ein Götterwort erstanden. Leicht stützten die Caryatiden den Tempel der Nymphe Erecthea. Alles so schön, so groß, so phantasiereich und alles – doch nur Ruinen!
Unwillkürlich fiel mir in diesem Raum voll Trümmern, vom Monde schwärmerisch beleuchtet, der Gedanke ein: hier sei der Kirchhof der Geschichte. Fünf Völkerperioden wälztensich über diesen Platz, und nur die erste füllt uns noch mit staunender Bewunderung. Die tiefe Poesie, welche in den Werken der Griechen liegt, konnte ihnen kein anderes Volk einhauchen. Der Römer ist groß, aber erdrückend schwer; der Franke eckig, stark und plump, und von des Türken gräulicher, fanatischer Verwüstung zeugen nur kahle Schädel. Mit talentvollem Enthusiasmus führte uns die Königin auf die glücklichst gewählten Standpunkte, von wo wir die einzelnen Werke in ihrer ganzen Pracht sehen konnten. Sie betrachtet als Königin der Hellenen einen Theil des Ruhmes, der den alten Werken anhängt, als ihr Erbtheil. Stundenlang hätt' ich an diesen verschiedenen Punkten, meinen Gedanken selbst überlassen, weilen mögen – aber die Gesellschaft war zu groß, zu viel Unbedeutendes mischte sich hinein. Ich hatte das Gefühl, hier könnte ich dichten, Gedichte der Sehnsucht und Begeisterung. – Wir traten auf eine der Endspitzen des reich beladenen Felsens, von wo wir die neue Stadt sehen konnten. Sie war in ruhiger Stille ausgebreitet, und nur die beleuchteten Fenster zeigten, daß Leben in ihr walte. Wie wenn ein unmündiges Kind am Fuß des Thrones seines berühmten Ahnen sitzt, lag sie da; und die an unserer Seite stehende Basilissa, ist der Genius, der das Band zwischen Einst und Jetzt knüpft. – Wir schieden mit vollem Herzen; meine Seele hatten Töne anderer Zeiten durchrauscht. Die Königin, um die Ausdauer der Gesellschaft zu prüfen, schritt nun, zu meinergroßen Freude, von hier aus zum Areopag, auf den Fels, von welchem der heilige Paulus zu den Atheniensern vom unbekannten Gotte sprach. Auch hier war es himmlisch. Die Königin hüpfte auf den Felsblöcken so munter herum, als hätte sie den ganzen Tag geruht, zum großen Aerger der Comforthelden, welche lieber in weichen Dunen vom rosigen Champagner geträumt hätten. Als wir den Areopag verließen, sahen wir plötzlich, gegen die Meerseite zu, ein herrliches Meteor fallen, so mächtig, als stürzte der Mond herunter. Es verwandelte seine Farben in Grün und Roth, und zeichnete seinen Weg durch einen langen Funkenstreif. Man stieg in die ominöse königliche Kutsche und fuhr zu den Säulen des Jupiter. Sie sind groß, wie alles Römische; nur fehlt ihnen der liebliche poetische Hauch der griechischen Götterwerke; Pracht ohne Grazie.
Durch das Thor Hadrians kehrten wir in den königlichen Palast zurück. Mein Wunsch war, augenblicklich auf den »Kirchhof der Geschichte« zurückkehren zu können, obwohl ich den ganzen Tag in Bewegung gewesen war. So lange ich lebe, werde ich dieses Abends, und der Basilissa gedenken.
Der erste Morgen in Kleinasien, der erste Morgen im osmanischen Reiche, lachte uns freundlich entgegen; da lag der Orient mit seinen Reichthümern, mit seiner Vegetation, mit seinen tausend Sinnenblendungen vor uns. Asiens Blüthe hatte sich vor uns entfaltet, die Welt lang gehegter Träume erschlossen. Am reinen Meeresspiegel, auf leichter Erhöhung, ruhte die Stadt mit ihren tausend und abermals tausend Häusern im buntesten Farbengewirre vor uns. Schlanke Minarete, die Wegweiser des Mohammedanismus, erhoben sich in ihrer eigenthümlich graziösen Bauart neben den Kuppeln der Moscheen. Reiche Cypressen-Wälder beschirmen auf der Anhöhe mit stillem, majestätischem Ernste die Gräber der Türken. Auf dem höchsten Punkte liegt wie auf einer Terrasse die Ruine eines festen Schlosses, welches man aus diesem, an geschichtlichen Erinnerungen so reichen Boden, Alexander dem Großen zuschreibt. Im Hintergrundeerhebt sich das Gebirge mit seinen tausendfältigen Formen, umschließt wie ein Halbmond den klaren Golf und bildet an dem Ufer desselben die grünsten Abhänge und Thäler, aus welchen einzelne Ortschaften hervorblinken. Das schönste dieser Thäler führt von alten Zeiten her, dem tapferen Helden Richard Löwenherz zu Ehren, den Namen Cordeleon; auf dem andern, dem linken Ufer zeigt sich auf einer kleinen Landzunge ein von den Türken erbautes Fort, und über alle diese Pracht erhebt sich der blaue ungetrübte Azur. Jedes Minaret, jede Cypresse, jede schön gewölbte Kuppel, jedes farbenreiche Haus war für uns eine neue Erscheinung, und spannte unsere Neubegier; selig priesen wir uns daher, als die Barke an der Schiffswand herunter gelassen wurde, und wir mit mächtigem Ruderschlage über die Wellen hinhüpfend uns den Zauberbildern näherten. Der Ausdruck des Geistigen, die Verkörperung höherer Ideen ist das Erste, welches der Reisende im fremden Orte suchen muß; in diesem Sinne bildeten daher das ernste Minaret und die Moschee unser erstes Ziel auf Asiens Wunderboden. Geblendet, und vom Uebermaße des Entzückens verwirrt, schritten wir durch die Straßen und Bazare zu einem, an deren Ausgange gelegenen, erhöhten Platze, auf welchem in malerischen Formen die Moschee Kiltgezagi steht. Vor den Aufgangsstufen zu der erhöhten Terrasse, die das Fundament des unseren Augen so nahen Gebäudes bildet, steht ein von Bäumen umgebener Brunnen, welcher dem Totaleindrucke Frische undLeben gewährt. Ein schöner Gedanke ist es, daß man an den Stufen des Gotteshauses die im Oriente so seltene Erfrischung von Wasser und Bäumen bietet. Auf dem mit einem Steingitter umgebenen erhöhten Platze steht die aus einer großen Kuppelwölbung bestehende Moschee. Rechts erhebt sich das schlanke Minaret, in dessen Innerem eine kleine finstere Treppe zu der, unter dem in eine Spitze auslaufenden Ende befindlichen Gallerie führt, von welcher herab der Muezin fünfmal im Tage die Betstunde ausruft. Sowohl Minaret, als Moschee, scheinen von einem graugelblichen Sandstein gebaut zu sein. Vor den drei Eingangsthoren befindet sich eine schöne Stufenreihe, welche auf eine Terrasse mündet, die den Mohammedanern vor dem Eintritt in die Moschee als Raum zu dem Vorbereitungsgebete dient. Ueber dem Mittelthore erhebt sich ein kleines Thürmchen mit einem niedlichen Balkon, von dem herab der Iman seine Gebete ertönen läßt. – Der Consul ersparte uns das Ausziehen unserer Fußbekleidung beim Eintritte, wodurch wir jedoch nach mohammedanischen Begriffen ein Sacrilegium begingen. Erwartungsvoll betraten wir den der Erbauung gewidmeten Raum und wurden augenblicklich an die im Perrückenstyle erbauten Kirchen erinnert. Säulenreihen scheiden den Raum in drei Theile, über deren mittleren und größten sich die Kuppel erhebt. Mauern und Säulen sind mit Gold und Farbenverzierungen geschmückt, die Grundfarbe aber ist weiß; in mehreren Theilen des Gebäudes sindKoransprüche angebracht. In der Mitte der dem Thore gegenüber stehenden Wand befindet sich der Platz, wo der obenerwähnte Iman, der türkische Seelenhirt, die Hauptgebete spricht. Auf der Wand hinter demselben sind die Goldverzierungen mit größerer Verschwendung angebracht, und sowohl dieser Theil, als auch der Boden, sind mit reichen Teppichen geschmückt. Der übrige marmorne Fußboden ist mit feinen Rohrmatten bedeckt, eine Einrichtung, welche für die christlichen Knie und Füße ebenfalls sehr vortheilhaft wäre. Auf jener Stelle, an welcher in unseren Kirchen sich gewöhnlich der Altar befindet, hängen drei Bilder; das mittlere stellt das Grab des Propheten dar, rechts sieht man Medina und links Mecca mit seinen Minarets und Kuppeln. Diese Bilder sind in einer eigenthümlichen, nicht ganz mißglückten Vogelperspective ausgeführt. Das Material scheint eine Art Wasser- oder Deckfarbe zu sein. Diese Conterfei's der für die Mohammedaner heiligen Orte sind das Einzige, was von türkischer Malerei besteht; denn anderes darf der wahre Gläubige nach dem strengen Ausspruche des Korans nicht darstellen. Dies mag ein Grund sein, daß man in Europa so lange über die Sitten und Gebräuche des inneren türkischen Lebens im Dunkeln blieb, während der mohammedanische Koloß durch den Umstand, daß er keine Abbilder von Menschen, also keine religiösen, und keine Sittenbilder besitzen durfte, dazu beitrug, ihn vor fremden Einflüssen zu bewahren. Diese Befehle und Verbotedes weisen Propheten und seiner Ausleger vereinigten sich, wie eine aus tausenden von Steinen zusammengesetzte Scheidewand, um die Ungläubigen scharf von der treuen Heerde des Propheten zu trennen. Nun beginnt die Aufklärung auch in diese Gauen einzudringen; man findet die Idee des religiösen Gehorsams eine lächerliche Unbequemlichkeit, über die man sich hinaussetzen muß; man beginnt die kleineren Steine aus dem trefflich gefügten Verbande zu rücken, und bedenkt nicht, daß die größeren gar bald nachstürzen müssen. Man fängt unter dem Titel Mißbräuche auszurotten, an, alles dasjenige zu entfernen, dessen offenbaren Nutzen man nicht augenblicklich einsieht, bis das durch das erstere Gestützte, zur Erhaltung des Ganzen Nothwendige, entweder mit vollem Bewußtsein gestürzt wird, oder zum Erstaunen der Neuerer ebenfalls verschwindet. – Rechts von diesem mit Bildern geschmückten Platze erhebt sich eine schmale Stufenreihe und führt in ein von vier Säulen getragenes Thürmchen. Der Eingang in dieses kleine, zierlich errichtete Schilderhaus ist durch einen rothen Vorhang geschlossen. Ein, in eine Spitze auslaufendes Dach ragt hoch an der Hauptwand empor und trägt diesem Häuschen zum Schutze am äußersten Ende den Halbmond, dieses einst so furchtbare Sinnbild der Mohammedaner, das gleich einer Sichel Stämme und Völker ohne Schonung dahin mähte. In diesem reichgeschmückten, hocherhobenen Häuschen ist es des Imans Aufgabe, für das Wohl desSultans zu beten; ein Gebrauch, der für einen monarchisch absoluten Staat, dessen Oberhaupt zugleich der Vorsteher der Kirche ist, wie geschaffen erscheint; denn unwillkürlich muß es dem Volke einen großen Eindruck machen, daß sein Herrscher einen eigenen, von allen andern Menschenkindern abgeschlossenen Raum hat, zu welchen man nur wie auf einer Jacobsleiter emporsteigen kann, und zwar auch nur der Priester, damit dieser in höheren Regionen, wie aus den Wolken herab, das Gebet für den Nachfolger Mohammeds ertönen lasse. Diesem Häuschen gegenüber, auf der linken Seite der Wand, befindet sich eine reiche, weiß und goldverzierte Kanzel, auf welcher den Mohammedanern ihr Buch der Bücher, oder vielmehr das einzige ihnen bekannte Buch vorgelesen wird. Alle diese Einzelheiten der Moscheen haben große Aehnlichkeit mit denen unserer katholischen Kirchen. Dieses reich verzierte kleine Gebäude erinnerte an unser Sacraments-Häuschen; die Kanzel ist ganz, selbst der Form und den Zierrathen nach, denjenigen, welche wir in unseren Gotteshäusern haben, ähnlich; ja selbst unseren Chor finden wir über dem Eingangsthore wieder; nur erhebt sich statt der Orgel in der Mitte eine große vergitterte Abtheilung, in welcher der Sultan dem Gottesdienste beiwohnt. Als wir den Chor bestiegen, fanden wir wie natürlich den für den Großherrn bestimmten Raum geschlossen; auch in dieser Einrichtung zeigt sich ein Beweis richtiger Berechnung; das andächtige Volk ahnt die Nähe des Herrschers, und doch istdie Person desselben den fragenden Blicken entzogen, wodurch die Neugier und eine Art mysteriöser Verehrung in der Menge genährt wird. Bemerkenswerth ist die große Anzahl von Lampen, Straußeneiern und Hirschgeweihen, welche in der Moschee hängen, und ihr hiedurch den echt orientalischen bunten Reiz gewähren; man fragt natürlich, was Straußeneier und Hirschgeweihe in einem Gotteshause zu thun haben? Auch wir thaten diese Frage, und lernten hiebei ein Stück mohammedanischen Aberglaubens kennen; die Rechtgläubigen hängen diese Gegenstände in ihre Moscheen auf um das schadenbringende Lob der Ungläubigen unschädlich zu machen; tritt nämlich ein Christ in die Moschee und lobt die Schönheit des Baues oder die Pracht der Ausstattung, so muß sein herumschweifender bewundernder Blick unwillkürlich auf die Jettatura fallen, und das Unglück, welches seinem Lobe folgen müßte, ist verhütet. Dieser Glaube, so bizarr er ist, schadet nicht dem Effekte, den die Gegenstände auf den Beschauer machen. Der Total-Eindruck, den eine Moschee mit ihrer hohen Kuppel, mit ihren Säulenreihen und Seitengallerien macht, ist erhebend, still und großartig; nichts Abstoßendes trifft das Auge des Christen, kein überladener Prunk, keine allzugroße Entblößung versetzen den Beschauer in eine unangenehme Stimmung. Nur ein Kleinod vermißt das Auge des Christen: es ist der Altar. Dieser trostbringende Platz für eine bedrängte Seele, fehlt dem mohammedanischen Gotteshause, und dieserMangel ist es, der für uns den Gottesdienst kalt und gefühllos macht; es fehlt die Einigung, das alles umfassende, jedes Gebet einschließende Opfer. Hiedurch entsteht eine Leere im Gotteshaus; es drängt sich einem der Gedanke auf, daß man sein Gebet eben so gut zu Hause feiern könnte; daß man hiezu keiner Synagoge, keiner Moschee und keines Bethauses bedarf. Der Jude ist's, der dies am wärmsten fühlt; sein Tempel ist zerstört, sein Opferplatz vernichtet, die Perle seiner Religion geraubt, und nachdem er nur glaubte in Sion opfern zu können, so fühlt er jetzt in seiner Synagoge nur eine haltlose Sehnsucht, ein klagendes Verlangen nach dem einstigen Glücke der Väter. Uns Jüngern des Messias war es vorbehalten, im prachtvollsten Tempel, wie in der kleinsten Kapelle etwas Höheres zu finden, als es je im Weltwunder Salomons vollbracht wurde. Mit Wehmuth suchen wir daher im Gotteshause der Andersgläubigen den verehrten Platz, zu welchem sich die Blicke der betenden Schaar während der heiligen Handlung wenden. Obwohl es Freitag, also der türkische Festtag war, erlebten wir in den Mauern der Moschee dennoch keinen Gottesdienst. Die Stunde war zu früh und noch kein Betender im Inneren angelangt. Eine Art Iman führte uns in den Räumen herum; er trug einen Turban, einen gestreiften Seidenkaftan mit einer Binde und einen Oberrock. Zu dieser Kleidung ein indolentes Gesicht mit gelber Hautfarbe und schüttern Bart, gaben ein ganz charakteristisches Bild.Als wir die Moschee verließen, um das Minaret zu besteigen, hatten wir auf der zum Vorbereitungsgebete bestimmten Terrasse den erhebenden Anblick eines im Gebete versunkenen Türken. Derselbe kniete auf einem nach türkischer Gewohnheit selbst mitgebrachten Teppiche; sein Anzug bestand in einem violettrothen faltenreichen Kaftan und einem schneeweißen Turban; die Schuhe hatte er ausgezogen und neben sich gestellt; in den Händen bewegte er den im Oriente so beliebten Kugelkranz, vom braunen Gesichte wallte über die Brust ein schneeweißer Bart, seine Augen waren in tiefster Andacht niedergeschlagen, seine Züge ernst und gesammelt; es war ein ergreifendes Bild. Nur zuweilen blickte er schmerzlich, ängstlich herum, und durch unser vielleicht zu lautes Gespräch gestört, fielen seine dunklen schwärmerischen Augen einen Augenblick auf uns. Als er die Neugier und geringe Achtung der Ungläubigen bemerkte, verfiel er in ein herzzerreißendes Weinen und sang leise und schmerzlich wimmernd seine Gebete vor sich hin. Es war nicht der Ausdruck des kalten gehässigen Vorwurfs gegen die neugierigen Christen, es war ein wehmüthiges Bedauern, ein stilles Jammern über den unbewußten Frevel, den wir wahrscheinlich in seinen Augen begangen. Mit Rührung, Mitleid und Achtung vor diesem frommen Beter verließen wir den Platz und betraten die kleine finstere Steintreppe, welche uns in das schmale kleine Minaret führte. Wir stiegen nicht bis auf die ganze Höhe, sondern verließen auf einem Ausgangspunktedas Minaret und seine mysteriöse Stiege, um uns auf die Seitendächer der Moschee zu begeben. Herrlich zeigte sich uns von hier aus Smyrna, die stolze Fürstin des Orients; reich entwickelte sich der von Menschenhänden geschaffene Schmuck, reicher der, den Mutter Natur ihr gönnte. Weithin streckten sich des silberblauen Kleides schöne Flächen, und majestätisch ruhte das gekrönte Haupt mit den Zacken und farbigen Gestirnen seines Schmuckes auf grünem Pfühle. Mitten im Häusermeere zeichnete sich der zu unseren Füßen gelegene kleine Platz, welcher den Bazar-Gassen als Ausgangspunkt zum Gotteshause dient, als besonders belebt und charakteristisch. Gedrängt füllten ihn Menschen in den verschiedensten Trachten, in den mannigfaltigsten Haut- und Kleiderfarben, um die ungläubigen Gäste zu erblicken, denen zu Ehren der Pascha eine Truppenzahl vor die Moschee gestellt hatte. Als wir das Gewirre zu unseren Füßen mit Interesse betrachteten, hörten wir plötzlich ein eigenthümliches Glockengeläute; neugierig warteten wir deß was da kommen würde. Plötzlich theilte sich die Menge und wir sahen braune Massen im pathetischen gleichförmigen Schritt und Tritt sich einherbewegen. Es war ein Zug eigenthümlicher Art, ein Zug aus tausend und einer Nacht, ein Bild, oder vielmehr eine Reihe von Bildern, wie sie Horace Vernet malt; eine Erscheinung, die man sich mit der glühendsten Phantasie nicht vorstellen, die man mit der beredtesten Feder nicht beschreiben kann; dennnur im tiefsten Orient, in den Gefilden Asiens, in den reichen lebensvollen Bazaren von Smyrna, Damaskus und Bagdad, nur da, wo Mohammeds Schwert regiert, wo die Palme grünt und der Halbmond durch die Wüste schimmert, sieht man, was wir sahen: einen mit Waaren und Früchten reich beladenen Zug von – Kamelen. – Sie erschienen vor uns, die Herolde, die Repräsentanten des ältesten Welttheils. Dies Thier, welches des Arabers dürftige Familie gleich einem Schiffe durch die Sandwellen trägt, welches ihm Milch zum einfachen Mahle giebt, welches ihm als schützende Mauer gegen den Samum dient und in der äußersten Bedrängniß als Opfer fällt, um den Gebieter den verborgenen Keller zu erschließen. Sollte da der Ankömmling nicht verwundert fragen, warum dieses Thier, eines der nützlichsten welches Gott schuf, so häßlich, ja fast geisterhaft schauerlich ist? Die Antwort, daß das wahrhaft Nützliche, das streng Genügsame, gar oft auf dieser Erde in einem widrigen, rauhen Kleide erscheint, muß genügen. Alles ist an diesem Thiere eigenthümlich; schwankend und doch nicht ohne Würde tritt der weiche Polsterfuß auf den heißen Boden; lang dehnt sich am magern Halse der schlangenartige Kopf, hoch wölbt sich gleich einem kahlen formlosen Berge der schwerbeladene Rücken. Bald passiv, bald wuthentbrannt ist das kluge Auge, ledern ist die dicke Haut, braun und doch eigentlich farblos der ganze mißgeformte Körper. Bald verschwanden die Söhne der Wüste in den Straßen des Bazars. –Wir kehrten auf das Minaret zurück, nachdem wir, während wir die Dächer beschritten, auch das Innere der Kuppel auf einer Gallerie besehen hatten, die rings um das Innere läuft und einen so niederen Rand hat, daß Jeder, der an Schwindel leidet, es aufgeben sollte, den Moscheenraum in der Vogelperspektive zu betrachten. Als wir das Minaret verlassen hatten, war unser Türke aus dem Vorhofe verschwunden und schien bereits in die Moschee eingetreten zu sein. Wir verließen die terrassenartige Erhöhung und verloren uns im bunten Leben des Bazars.