Häusliche Verhältnisse.
Aber es ist Zeit, daß ich Etwas von meinen häuslichen Verhältnissen erzähle, die einen so großen Einfluß auf mein Leben und auf das der Meinigen ausübten.
Als ich die Studien verließ, um mich der Kunst hinzugeben, versprach mein Vater, mich jährlich mit hundert Reichsthaler zu unterstützen, bis ich seiner Hülfe nicht mehr bedürfen würde. In meinem damaligen Alter und meinen Verhältnissen mir dies Geld selbst geben, wäre dasselbe gewesen, als es in den Brunnen werfen und mich im höchsten Grade unglücklich machen; als guter Vater bemühte er sich also, mich für diese Summe in Kost und Logis zu geben, ebensowie damals, wo ich die Schule in Kopenhagen besuchte; denn er betrachtete mich noch als ein Kind, was ich in meinem achtzehnten Jahre auch wirklich vollständig war.
Die Pension.
Das Glück war mir stets günstig, wenn ich mich auf diese Weise einquartieren sollte; ich hatte es sehr gut bei Gosch, bei Laasbye, ich war nicht minder wohl aufgehoben bei Madame Möller; und zehn Jahr später in Paris war Madame Gauthier eine Mutter gegen mich. Bei Frau Stael-Holstein aber in Coppet lebte ich wie Adam im Paradies.
Mein Vater hatte sich an einen alten Bekannten gewandt, um eine passende Stelle für mich zu finden; dieser brave Mann, den ich selbst nur den Namen nach, und weil wir uns grüßten, kannte, war HerrHvalsöe, der als Junge von meiner Wiege weggelaufen war, vor Schreck, daß ich keine Arme hatte. Er sprach mit der Färberwitwe, Madame Möller, und diese nahm mich gegen die sehr billigen Bedingungen bei sich auf. Ich hatte ein hübsches Zimmer, das mein Vater möblirte, und bekam Alles so gut, wie die Familie. Daß sie bei diesem Contract nicht Seide spann, versteht sich von selbst; aber es lag ihr auch nichts an Seide; sie und ihre Schwester Benedicte gingen in selbstgewebten Zeugen gekleidet, aber sie war eine reiche Frau. Die Bauern kamen haufenweise und ließen ihre wollenen Stoffe blau, grün, hochroth und violett färben, und die Schürzen der Bäuerinnen druckte sie auf dunklem Grunde voll mit weißen Blumen. Sie war von munterm, naivem Charakter und mochte sehr gern junge Leute um sich haben, um sich ihrer mütterlich anzunehmen. Daran fehlte es denn auch nicht. Das Parterrelocal ihres Hauses bestand aus einem Zimmer nach der Straße, in das die Bauern häufig kamen, aus einem tiefen Zimmer nach dem Hofe zu, in dem wir jungen Leute mit ihr, ihrer Schwester und den Gesellen aßen. Im Anfange stutzte ich freilich etwas darüber, daß diese mit dunkelblauen Händen bei Tische saßen, aber ich gewöhnte mich sehr bald daran, wie an die grünen Gräten eines gekochten Hornfisches. Der Werkführer war ein ächter Troels in Holberg's Wochenstube oder Henrik im Kannegießer, nur mit dem Unterschiede, das er nicht witzig war; aber er war lustig, naiv,durchtrieben und mochte gern mit der Madame scherzen, sie auf alte Weise „Mutter“ und „Ihr“ nennen, was sie nicht leiden wollte, wenn Fremde zugegen waren, weil sie fürchtete, daß es mißverstanden werden könne. —
Da sie selbst aus Slagelse war, so hatte sie eine Vorliebe für die Slagelsener, und hatte eine Art Stipendium in dem vordersten Zimmer für zwei Studenten aus Slagelse errichtet; die dort immer freien Tisch, obgleich nicht immer freie Arme hatten, wenn nämlich allzu große Haufen farbelustiger Bauern mit ihrem Zeug hereinstürmten. Unter diesen stillen ehrbaren jungen Leuten, welche eilig aßen und dann wieder gingen, ohne ein Wort zu sagen, war auch ein gewisser Herr Rosenkilde. Ich hatte nichts weniger geglaubt, als daß er als Schauspieler mir dreißig, vierzig Jahre später das Zwergfell so sehr erschüttern würde. — Das war die Marschallstafel, wir Anderen, die wir zum echten Blute der Familie gehörten oder zu ihr gezählt wurden, aßen an der eigentlichen Familientafel in den inneren Gemächern. Madame Möller stand der Färberei vor, ihre Schwester hatte das Küchendepartement übernommen, und die Köchin bereitete die Speisen unter ihrer — Aufsicht — kann man gerade nicht sagen; denn diese übrigens herzensgute alte Jungfer hatte unglücklicher Weise die Schlafsucht; was dazu beitrug, daß die Speisen, übrigens reichlich eingekauft, zuweilen mißglückten. Ich habe sie in Tante Ursula, in den „Inseln im Südmeere“ geschildert. Sie stand wirklich am Heerde mit hellblauem Filzhut, den sie schräg über eine große Tour gesetzt hatte, und in so vielen steifen Unterröcken, daß ich glaube, sie konnte ohne Füße, ebenso wie die bekannten Nürnberger Puppen, aufrecht stehen; dies ist ihr übrigens oft zu Nutzen gekommen und hat sie von dem Lebendigverbranntwerden, wie die indischen Frauen gerettet, welcher Tod um so trauriger gewesen sein würde, da sie niemals verheirathet war.
Ein Krämer, der nicht weit von Madame Möller wohnte, besuchte uns oft. Er trug eine gepuderte Zopfperrücke, hatteeinen dicken Leib und etwas, wie soll ich es nennen, nobel Elephantisches in seinen Bewegungen. Er sprach nur kurz, aber oft, dann stets im Lapidarstyl, und lagen auch nicht viel gute Gedanken darin, so hatte er doch selbst um so bessere Gedanken davon. Ich mußte oft an Ludwig XIV. oder wenigstens an Ludwig XV. denken, wenn ich ihn mit der Würde ankommen sah, die über seinem ganzen Wesen ausgebreitet lag. Er hatte das eigenthümlichste Talent, jeden Augenblick etwas Einfältiges auf eine pikante und imponirende Weise zu sagen.
Einen kleinen, dummen, spitznasigen Schulmeister hatte das Schicksal neben ihn als scharfen Gegensatz zu seiner behaglichen Rundung gestellt. Alles, worin sie sich glichen, waren ihre Geistesgaben und die Perücken. Aber der Krämer war ein Herr „vom Leder,“ wie man es in den deutschen Bergwerken nennt, der Andere „von der Feder.“ Jener konnte mit gutem Profit Waaren verkaufen, Dieser lebte durch sein Latein und sprach von grammatikalischen Fehlern, wie von Handlungen, durch die man sich für ewig prostituiren könne.
Ein fremder Färber, der Madame Möller besuchte, vereinigte Gelehrsamkeit mit dem Handwerk; er hörte Kratzenstein's Vorlesungen über die Experimentalphysik. Am ersten Abend, wo ich mit ihm zusammen war, wollte er mir seine Fertigkeit im Latein zeigen, und da die Rede davon war, das Licht mitten auf den Speisetisch zu setzen, sagte er: „Wir wollen es incentrum gravitatissetzen,“ hob es dann auf und ließ etwas Docht auf die Decke fallen.
Eine erfreuliche Bekanntschaft.
Einer unserer eigenen Färbergesellen sah sehr weich und wehmüthig aus; er betete immer sehr lange, wenn man zu und von Tische ging, mit gefalteten dunkelblauen Händen. Er war ein Verwandter des sel. Etatsrath Prof. Börge Risbrigh, der ihn zu Madame Möller in die Lehre gebracht, „weil er“ — sagte er — „keinen Kopf zum Studiren hat.“ Hierüber wurde Madame Möller, die ihr Geschäft nicht allein als Handwerk, sondern auch als Kunst hochachtete, etwas verletzt, und bemerkte,daß auch Kopf dazu gehöre, Färber zu werden, welches Risbrigh als guter Philosoph nach genauer Ueberlegung durchaus nicht bestreiten konnte, so daß er Mühe hatte, sich gut heraus zu ziehen. Später lud er den Verwandten ein Mal auf folgende Weise zu sich: „Du kannst den ersten Osterfeiertag zu mir kommen und bei mir essen; wenn Du gegessen hast, eine Tasse Kaffee trinken, und dann kannst Du Deiner Wege gehen.“
Die Gebrüder Oersted.
Dies waren also die wichtigsten Planeten in unserm Sonnensysteme. Oft kam noch eine kleine Ceres, Pallas oder Juno, die dem Ganzen entsprach; denn es wimmelte von Tanten und Cousinen. Ich wende mich nun zu den Kometen, die zwar dem Mittelpunkte sehr nahe kamen, aber nur um dann in kühnen Ellipsen in weite Fernen zu eilen. Unter diesen — zu denen ich selbst mich zu rechnen wage — war einer, der vor Kurzem seinen langen hellen Schweif, — ich meine seinen langen, blonden Zopf — verloren hatte, der ihm den Rücken entlang hing; es war dies der Brudersohn der Madame Möller, ein junger Langeländer, der vor nicht langer Zeit Student geworden war. Sein um ein Jahr älterer Bruder hatte dunkles Haar, ebenso wie ich, doch nicht ganz so schwarz; — ob er eben so schönes Haar hatte, wie der Blonde, davon meldet die Geschichte Nichts.
Diese beiden Brüder kamen mir gleich am ersten Tage freundlich entgegen, wir schütteten unsere Herzen vor einander aus und theilten uns unsere Gedanken und Ansichten mit. Ich war ganz entzückt darüber, so viel Weisheit in einem Färberladen bei so jungen Leuten zu finden. Wie sie hießen hörte ich auch, vergaß es aber gleich wieder, da es mir immer schwer wurde, fremde Namen zu behalten. Ich schrieb daher in mein Tagebuch am nächsten Morgen: „Ich habe gestern Abend die Bekanntschaft der jungen Herren (hier war ein offener Raum, um die Namen auszufüllen, wenn ich sie wieder hörte) gemacht. Es sind ein paar vortreffliche Menschen; ich bin überzeugt, daß wir die besten Freunde werden.“ — Am nächsten Tage beiTisch sah ich sie wieder und es war mir auffallend, daß der Blonde fast einen ganzen Eßlöffel Salz in seine Suppe warf. Ich fragte nun meinen Nachbar flüsternd, wie denn der junge Student eigentlich heiße, und die Antwort war:Anders Sandöe Oersted. Der Bruder, der mit dunklem Haare, hießHans Christian Oersted. — Nun vergaß ich sie nicht wieder. Ich wußte, daß es zu Holberg's Zeiten einen Schauspieler gleichen Namens gegeben, der ihr Großonkel gewesen war; und daher kam es vielleicht, daß Madame Möller kein Vorurtheil gegen die Schauspielkunst hatte; ich danke es vielleicht den Manen des sel. Oersted, daß ich in das Haus seiner Nichte gekommen und so früh ein Freund seiner Nachkommen geworden bin.
Es währte nicht lange, bis wir vertraute Freunde wurden und ich richtete folgendes Gedicht an sie:
Freundschaft, schönste du der Himmelsgaben,Ach, den Glücklichsten erscheinst du kaum.Oftmals träumt' ich, einen Freund zu haben,Doch er schwand, zugleich mit meinem Traum.Eigennutz, ein flüchtiges Empfinden,Laune — wurden Freundschaft oft genannt,Und da sie die Herzen nie verbinden,Löste bald sich das geknüpfte Band.Zweifel schon erfüllt' mich, daß hieniedenUns bescheert sei diese Seligkeit,Hier, wo uns so wenig Lust beschieden,Wo uns trifft so vieles herbe Leid.Doch da fand ich Euch. Kein Zweifel kränkteNun mein Herz. An Eurer warmen BrustFühlt' den Trost ich, den der Himmel schenkteUns, den armen Sterblichen, zur Lust.O Ihr Edlen! Laßt mich immer fühlenDiesen Trost, der meinen Geist durchdringt.Lasset bösen Neid das Band nie kühlen,Das uns warm, und fest und treu umschlingt.Reine Freuden wollen wir genießenIn des Lebens heitrer Frühlingszeit;Thränen wollen wir vereint vergießen,Thürmt in Wolken sich das trübe Leid.Und als Männer laßt uns einig streben,Laßt uns wirken mit verschiedner That.Einigkeit wird Kraft und Stärke geben,Freundschaft leiten uns mit weisem Rath.Froh dann, an des Grabes dunkeln StufenSteigen wir hinab, sobald es Zeit,Wenn des Todes Engel uns gerufen,Lächelnd, zu der ew'gen Seligkeit.
Freundschaft, schönste du der Himmelsgaben,Ach, den Glücklichsten erscheinst du kaum.Oftmals träumt' ich, einen Freund zu haben,Doch er schwand, zugleich mit meinem Traum.Eigennutz, ein flüchtiges Empfinden,Laune — wurden Freundschaft oft genannt,Und da sie die Herzen nie verbinden,Löste bald sich das geknüpfte Band.Zweifel schon erfüllt' mich, daß hieniedenUns bescheert sei diese Seligkeit,Hier, wo uns so wenig Lust beschieden,Wo uns trifft so vieles herbe Leid.Doch da fand ich Euch. Kein Zweifel kränkteNun mein Herz. An Eurer warmen BrustFühlt' den Trost ich, den der Himmel schenkteUns, den armen Sterblichen, zur Lust.O Ihr Edlen! Laßt mich immer fühlenDiesen Trost, der meinen Geist durchdringt.Lasset bösen Neid das Band nie kühlen,Das uns warm, und fest und treu umschlingt.Reine Freuden wollen wir genießenIn des Lebens heitrer Frühlingszeit;Thränen wollen wir vereint vergießen,Thürmt in Wolken sich das trübe Leid.Und als Männer laßt uns einig streben,Laßt uns wirken mit verschiedner That.Einigkeit wird Kraft und Stärke geben,Freundschaft leiten uns mit weisem Rath.Froh dann, an des Grabes dunkeln StufenSteigen wir hinab, sobald es Zeit,Wenn des Todes Engel uns gerufen,Lächelnd, zu der ew'gen Seligkeit.
Freundschaft, schönste du der Himmelsgaben,Ach, den Glücklichsten erscheinst du kaum.Oftmals träumt' ich, einen Freund zu haben,Doch er schwand, zugleich mit meinem Traum.Eigennutz, ein flüchtiges Empfinden,Laune — wurden Freundschaft oft genannt,Und da sie die Herzen nie verbinden,Löste bald sich das geknüpfte Band.Zweifel schon erfüllt' mich, daß hieniedenUns bescheert sei diese Seligkeit,Hier, wo uns so wenig Lust beschieden,Wo uns trifft so vieles herbe Leid.Doch da fand ich Euch. Kein Zweifel kränkteNun mein Herz. An Eurer warmen BrustFühlt' den Trost ich, den der Himmel schenkteUns, den armen Sterblichen, zur Lust.O Ihr Edlen! Laßt mich immer fühlenDiesen Trost, der meinen Geist durchdringt.Lasset bösen Neid das Band nie kühlen,Das uns warm, und fest und treu umschlingt.Reine Freuden wollen wir genießenIn des Lebens heitrer Frühlingszeit;Thränen wollen wir vereint vergießen,Thürmt in Wolken sich das trübe Leid.Und als Männer laßt uns einig streben,Laßt uns wirken mit verschiedner That.Einigkeit wird Kraft und Stärke geben,Freundschaft leiten uns mit weisem Rath.Froh dann, an des Grabes dunkeln StufenSteigen wir hinab, sobald es Zeit,Wenn des Todes Engel uns gerufen,Lächelnd, zu der ew'gen Seligkeit.
Man sieht aus dem Tone, der in diesem Gedichte herrscht, daß ich nicht zufrieden war. Aber Viel Schuld trägt auch der damalige herrschende Geschmack in der Poesie, der elegisch war und ein gewisses sentimentales Wimmern über seinen Zustand forderte. Hierin war besonders Rahbek uns mit einem übeln Beispiele vorangegangen. In einer Elegie, die er in seinem siebzehnten Jahre geschrieben haben soll, beweint er die gute, alte, entschwundene Zeit und die nie mehr wiederkehrenden Freuden.
Die Gebrüder Oersted lebten übrigens sehr einsam. Den ersten Winter, wo ich sie kennen lernte, gingen sie in langen Mänteln, die ihnen wie Schlafröcke, fast bis an die Knöchel reichten. Arm in Arm klammerten sie sich fest und hielten sich an einander, so daß sie beinahe einem zusammengewachsenen Zwillingspaare glichen. Aber vor allen Mitstudirenden strahlten sie wie Dioscuren, selbst ältere Gelehrte merkten bald, was in ihnen lebte. Die Früchte ihres Geistes und ihres Fleißes zeigten sich in Preisabhandlungen und gewonnenen Goldmedaillen.
Nun besuchte ich sie oft in Ehler's Collegium — und wie verschieden war diese Umgebung von meiner früheren. Das war nicht mehr das lustige Friedrichsberg, die lustige Schule, daslustige Theater, die lustige Mittags- und Abendgesellschaft bei Madame Möller. Wie in einer dunkeln Mönchszelle saßen Oersteds hier stumm und studirten! — Hier wurde es mir erst klar was es eigentlich hieße: mit Anstrengung, ernstlich, aus Liebe zur Wissenschaft zu arbeiten. Da ergriff mich ein tiefes, wehmüthiges Gefühl! Ich hatte die innere starke Empfindung, daß auch ich zu einem echten Musensohn geschaffen sei, und nun trieb ich mich umher und wurde Nichts! Rosing war zwar überzeugt, daß ich es als Schauspieler weit bringen könne, aber die meisten Anderen nicht; ich fand keine Aufmunterung, es kam mir keiner meiner Vorgesetzten freundlich entgegen. Und außerdem — wenn auch Alles glückt — war ich bereits dieses Lebens, dieser Kunst müde, die von so vielem Fremdartigen abhängig ist. Meiner Natur war es Bedürfniß, sich in höherem Schwunge auszudrücken, in selbstbewußter Ahnung der Fähigkeiten, die noch nicht entwickelt waren, weßhalb meine Bekannten mich auch zum Spott den „Mann mit den verborgenen Talenten“ nannten.
Wiedererwachende Lust zum Studiren.
Aber was sollte ich anfangen? Mit dem Studiren glaubte ich, sei es zu spät. Ich verbarg meine Verzweiflung im eignen Busen, nicht einmal meinen Freunden Oersted vertraute ich den Kummer an. Hans Christian war Bibliothekar im Collegium, das eine schöne, große Büchersammlung in dem großen Saale gerade gegenüber dem Auditorium hatte, — wo ich zehn Jahre später als Professor meine Vorlesungen begann und sie sechsundzwanzig Jahre fortsetzte. In dieser Bibliothek stand ich einmal einsam da und stellte traurige Betrachtungen an. Ich starrte auf die vielen Bände, besonders auf die alten Folianten, wie auf Schätze, die mir ewig verschlossen waren. Die Thränen strömten über meine Wangen herab. In diesem Zustande fand mich der ältere Hans Christian, tröstete mich und versicherte mir, daß es durchaus noch nicht zu spät zum Studiren sei, wenn ich es wolle. Er brachte mich zu seinem Bruder, der gleicher Ansicht war. Wir wurden darüber einig, daß ich etwas mehrLatein lernen und das lateinische juridische Vorbereitungsexamen ablegen solle; dann wollte Anders Repetitorien mit mir halten, und wenn ich dann das Examen gemacht hätte, sollte ich eine Probe als Advokat ablegen und vor die Schranken des höchsten Gerichts treten. Das war nun herrlich! Indessen beschloß ich doch mit dem Abschiede vom Theater zu zögern, bis die Saison vorüber war. Aber als ich einmal neben anderm Verdruß in Strafe genommen wurde, weil ich mich in einer kleinen Rolle mit einem Worte versprochen hatte — wurde ich ärgerlich und dachte, es ist am Besten, das Ding gleich abzumachen, worauf ich am nächsten Tage der Direction schrieb:
„Gründe haben mich bewogen, das Theater zu verlassen. Die erste und letzte Freundlichkeit, die mir die Direction beweist, wird darin bestehen, mir je eher je lieber meinen Abschied zu geben.“
„Gründe haben mich bewogen, das Theater zu verlassen. Die erste und letzte Freundlichkeit, die mir die Direction beweist, wird darin bestehen, mir je eher je lieber meinen Abschied zu geben.“
Abschied vom Theater.
Es währte noch eine Zeitlang, ehe ich loskam. Vermuthlich hielt man meinen Brief für eine Uebereilung, die mir bei kälterem Blute leidthun würde. Baggesen kam eines Tages auf dem Theater ganz freundlich zu mir und sagte, daß mein Brief ihm aus zwei Gründen auffallend gewesen sei: erstens habe er seit langer Zeit nicht eine so schöne Handschrift gesehen, zweitens sei ihm noch kein Brief an die Direction, in diesem Ton geschrieben, vorgekommen. Ich antwortete ihm: daß Alles einmal zum ersten Male geschehen müsse, und daß die Direction mich selbst zu diesem Tone gestimmt habe.
Da der erste Brief Nichts half, schrieb ich einen zweiten, in welchem der Ton noch schroffer war, und nun bekam ich meinen Abschied. — Als ich zum letzten Male mit Steffen Heger auf dem Theater stand, sagte er: „Nun sollst Du Deinen Fuß nicht eher, denn als Director hieher setzen!“ — Das wurde ich nun freilich nicht; indessen setzte ich meinen Fuß erst zehn Jahre darauf, bei der Probe von Axel und Valborg dorthin, nachdem man zwei Jahre zuvor Hakon Jarl und Palnatoke gespielt hatte.
Das Examen.
Nun begann ich in meinem neunzehnten Jahre wieder fleißig zu studiren, d. h. Latein zu lesen und zu schreiben; denn von dem Uebrigen, das ich zum Vorbereitungsexamen, eine Verschmelzung desexamen artiumundphilosophicum, gebrauchte, konnte ich bis auf das Griechische fast Alles. — Doch mußte ich noch Risbrigh's Logik und Gamborg's Thelemathologie lernen. Jene langweilte mich und ich konnte nicht begreifen, warum man, um gesund und ordentlich zu denken, die Gedanken in ein so steifes Schnürleib spannen müsse. Indessen war der alte Risbrigh ein gelehrter, geistreicher Mann, und ich zweifle nicht, daß der Fehler in meiner Jugend und in meinem Temperamente lag. Das Einzige, dessen ich mich aus seiner Logik noch entsinnen kann, und das ich nie vergesse, ist der folgende, sehr richtige Gedanke, den jeder Richter und namentlich jeder Kunstrichter stets vor Augen haben sollte:
„Um nicht ein falsches Urtheil zu fällen, muß man zuweilen seinjudiciumsuspendiren.“
„Rath“:
„Um nicht immer seinJudiciumzu suspendiren, muß man sichprimoeinen Vorrath von Kenntnissen,secundoKlarheit in selbigen erwerben.“
Ich hörte keine Vorlesungen bei den Professoren, bezahlte ihnen auch Nichts, und doch ging es recht gut mit meinem Examen; nur erhielt ich keine öffentliche Auszeichnung, was ich doch gehofft hatte, da ich mehr anzugeben vermochte, als nothwendig war.
Professor Sander.
Kurz darauf erneuerte ich die Bekanntschaft des Verfassers von Niels Ebbesen, des Secretairs, späteren Professors Sander. In der Schule „für die Nachwelt“ hatte er mich ein halbes Jahr lang Deutsch gelehrt, und immer von der Tugend gesprochen, so daß ich ihn für den größten Tugendhelden hielt. Ich las ihm ungefähr die Hälfte des ersten Buches der Aeneide in einer mittelmäßigen Hexameterübersetzung vor, und er lobte meinen Fleiß. Sander war ein kleiner, kränklicher Mann, tüchtigerKopf, durch die Lectüre der besten deutschen Werke gebildet. Er war Lehrer in einem Erziehungsinstitute mit Basedow gewesen und hatte mehrere deutsche Romane geschrieben, die wenig bekannt waren. Nach Dänemark war er als Hauslehrer der Kinder des Grafen Reventlow gekommen und nun bei der Straßenbaucommission angestellt. Er hatte gute Fortschritte in der dänischen Sprache gemacht und schrieb plötzlich den Niels Ebbesen. Dieses Trauerspiel machte großes Glück und Sander wurde gleich von Vielen als einer der größten Dichter Dänemarks angesehen. Was Wunder, wenn das den kränklichen Mann ganz wirr im Kopf machte: und muß man es ihm nicht verzeihen, wenn er später einen Schüler mit bitterm Haß verfolgte, weil er glaubte, daß dieser ihn mit Unrecht verdunkele? —
So lange ich Sander meine dramatischen Versuche vorlegte und ihn geduldig das Eine nach dem Andern cassiren ließ, hörte er mich mit freundlicher Aufmerksamkeit an, und hatte die beste Hoffnung für mich. Aber als ich selbständig werden wollte, war's mit der Freundschaft aus. —
Zu seinem Lobe muß ich übrigens sagen, daß er im Anfange ganz richtige Bemerkungen machte, als ich ihm meine ersten unreifen Jugendproducte vorlas. Ich verdanke ihm auch meine erste Bekanntschaft mit Göthe. In meinem neunzehnten Jahre hatte ich — unbegreiflich genug — noch Nichts von diesem großen Dichter gelesen. Man hatte ihn mir immer als einen überspannten Schwärmer genannt, der Leute dazu verführte, sich eine Kugel durch den Kopf zu schießen. Die Uebersetzung von Werther's Leiden war früher hier zu Land verboten gewesen und das Verbot nicht zurückgenommen worden. Ich glaubte lange Zeit, daß Göthe ein unmoralischer Schriftsteller sei, dessen Werke junge Leute nicht lesen dürften. Auch Sander sprach von ihm mit einer Art Grauen, wie von einem Manne mit wilden stolzen Leidenschaften, der sein schönes Genie gemißbraucht habe. Doch könne man ihm Genie nicht absprechen; im Gegentheile müsse man gestehen, daß er eine ungewöhnlichePortion davon besitze. Sander lieh mir einige von Göthe's Werken mit väterlicher Ermahnung und Vorsicht, als ob es Pulver und Blei, oder giftige Medicamente seien, die eben so leicht schaden, wie nützen könnten; und mit großer Neugier nahm ich Werther's Leiden und Götz von Berlichingen mit nach Hause. —
Eindrücke von Schiller.
Schiller's erste Werke hatte ich bereits gelesen. Ich entsinne mich deutlich, daß die Räuber einen tiefen Eindruck auf mich machten, besonders Karl Moor's liebenswürdige Schwärmerei und edler Tiefsinn mitten im Kreise der herrlich geschilderten Verbrecher; wo die schönen Reste der verführten Ehrlichkeit des derben Schweizers einen so interessanten Gegensatz zur Schurkerei des niederträchtigen Spiegelberg bilden. In dem letztern glaubte ich einige Aehnlichkeit mit einem alten Jugendbekannten, dem französischen Cartouche, zu finden. Roller's Abenteuer, wie er vom Galgen mit dem Stricke um den Hals herbeirannte, spannte mich ganz besonders; Karl's unglückliche Liebe rührte mich; und in der letzten Scene, wo er hingeht und sich selbst der Gerechtigkeit überliefert, war ich mit ihm versöhnt und fühlte ein inniges Mitleiden mit dem Unglücklichen.
Von dem Eindrucke, den Fiesco und Kabale und Liebe damals auf mich machten, kann ich mir keine klare Rechenschaft geben. In Fiesco habe ich gewiß ein lebendiges Bild von Italiens Ueppigkeit und Leidenschaft gesehen; in Kabale und Liebe glaubte ich meinen alten Bekannten, Iffland, mit dem Cothurne statt der gewöhnlichen Socken zu erblicken. Don Carlos las ich mit großer Ehrerbietung. Ich liebte den Marquis Posa, weil er liebenswürdig war; das Unhistorische in seinem Wesen bemerkte ich damals noch nicht. Das herrliche Portrait Philipps II. machte mich schaudern; ich erstarrte zu Eis, indem ich seine kleinliche Größe betrachtete. Wie lieb mir Schiller's Geisterseher war, entsinne ich mich noch ganz deutlich. Ich fühlte tief das Wunderbare darin, das nicht in dem Uebernatürlichenbesteht (denn dies, ahnt man gleich, ist Betrug), sondern in der Schilderung des geistigen Zustandes, in welchem, wie Lessing sagt: „das Samenkorn zu dem Glauben an das Uebernatürliche liegt.“ Das interessante Buch bereitete mir Tantalusqualen, weil es nur ein Fragment war. Ich sah noch nicht ein, daß es nie etwas Anderes sein konnte, und daß die Dissonanz nie aufgelöst werden durfte, wenn das Geheimniß hier — wie in der großen Natur — ein Geheimniß bleiben sollte!
Götz von Berlichingen.
Nun las ich Götz von Berlichingen mit demselben Genusse, mit dem ich in der Kindheit meine Lieblingsbücher gelesen hatte. Das heißt, ich merkte gar nicht, daß ich las, daß es Poesie war. Es war die Begebenheit selbst, die ich erlebte. Ich war nach Deutschland in die Zeiten des Faustrechts hingezaubert, und genoß den herrlichen Anblick eines Ritters, der das treueste, edelste Herz, den liebevollsten Character zeigt, ohne sich doch ganz von den Vorurtheilen und übeln Gewohnheiten seiner Zeit loszureißen, deren Opfer er wird. Aber gerade dies macht ihn in hohem Grade poetisch. Ich folgte Göthe's Geist, wie der treue Knabe Georg seinem Herrn in der Schlacht. Ich kroch in den großen Dichterharnisch; und obgleich ich ihn noch nicht ausfüllen konnte, tröstete ich mich mit Götzens Worten: „Die künftigen Zeiten brauchen auch Männer.“ — Ich erquickte mit Götz den armen Mönch, besuchte den Bischof von Bamberg und trank noch besser, als seine Gesellschaft; denn sie bekam nur guten Rheinwein, aber ich trank den herrlichsten Dichterwein. Ich hörte Liebetraut mit der Leier tändeln, während Göthe die Harfe mit tiefem Ernst schlug. Ich verliebte mich in die schöne, stolze, sinnliche Adelheid, ebenso wie Franz; beklagte aber, daß er nicht, wie ich, Götzens Georg zum Freunde hatte, denn dieser würde ihm gewiß von jenem Schurkenstreiche abgerathen haben. Ich bewunderte den vornehmen, feinen, wankenden Ultra-Weißlingen; ich haßte ihn; aber als der Tod seine kalte Stirn küßte, war ich mit ihm versöhnt und es freute mich, daß Mariaihn noch einmal in seiner Todesstunde besucht hatte. Bei Götz auf der Burg war ich zu Hause, wie bei meinen Aeltern auf dem Friedrichsberger Schloß. Es freute mich, daß es dort nicht vornehmer herging, daß der Ritter so patriarchalisch und idyllisch, wie Abraham, zwischen seinen Dienern saß. Die letzte Flasche, der letzte Tropfen und „es lebe die Freiheit!“ füllten meine Augen mit Thränen und meine junge Brust mit großen Ahnungen. Ich habe bereits erzählt, daß ich zuweilen den Bleideckern auf das Dach folgte, und so war es mir ein Leichtes, Georg bei dem Herunterholen der Dachrinnen zu helfen. Freilich hielt ichs mit den Bürgern. Aber Bürgerdummheit war mir ebenso zuwider, wie Adelsdummheit; und es entzückte mich, als Götz mit der Eisenhand die drohenden Philister von Zahnschmerzen, Kopfschmerzen und allen anderen Uebeln curiren wollte. Wie gern streifte ich im Walde mit den Zigeunern umher! ihr wildes Wesen hatte bei alle Dem doch etwas Tröstliches. Bei ihnen ging es doch ordentlicher zu, als in dem heiligen römischen Reiche zu Götzens Zeiten. Mitten in dem Taumel und unter den vielfältigen Verbrechen, erscholl die Stimme des heimlichen Gerichtes, wie der Posaunenton des jüngsten Tages; da hörte ich wieder Vogler's Orgel. Und in dem kleinen Klostergarten sah ich die unsterbliche Seele des sterbenden Helden sich gleich einem schönen Vogel durch die Bäume in die Wolken schwingen.
Und dieses Meisterstück — dieses Product des herrlichen Dichtergeistes, hörte ich später herabwürdigen, weil es keinen Zusammenhang habe! O ihr Thoren! ihr zusammenhängenden Menschen! Ihr werdet niemals klug, lernt es niemals, den Kern der Schale vorzuziehen. Wie kalten Chinesen imponirt euch nur die äußere Form. Ein zusammenhängendes Schaffot, auf dem ein tragischer Verbrecher hingerichtet wird, kann jeder poetische Tischler euch zusammenleimen; — aber solch einen Straßburger Münster bauen — —!
Werther's Leiden.
Werther's Leiden erfreuten mich ebenso sehr, wie Götz vonBerlichingen, und so verschieden auch diese Werke sind, fand ich in beiden doch eine gewisse Gleichheit. Dort eine schöne Darstellung politischer Verwirrung, wo ein edler Geist mitten in den wildesten Thaten wirkt und endlich den Verhältnissen unterliegt; hier eine ebenso schöne Darstellung von der Verwirrung der Seele, wo ein edles Gefühl sich mitten in den wilden Leidenschaften äußert und zuletzt gleichfalls an den Verhältnissen zu Grunde geht. Das Buch bewegte mich sehr, betrübte mich aber nicht; denn es schilderte ja nur, wie alle guten tragischen Werke, dasSchöne im Unglück. Für diese herrlichen Gefühle, Naturanschauungen, großen Ideen, Begeisterungen, für diese meisterlich geschilderten Geistesverwirrungen war Werther's Unglück eben so nothwendig, wie das Wasser es ist, um ein Mühlrad zu drehen; wie die sonnenverhüllenden Wolken, um das schöne Farbenspiel der Morgen- und der Abendröthe hervorzubringen.
Ich fühle wohl, daß, indem ich diese und ähnliche Gedanken ausspreche, sich die Gefühle des Jünglings mit dem reifern Urtheile des Mannes verbinden. Wie wäre es auch anders möglich? Und deßhalb hat Göthe wohl auch seine Lebenserinnerungen „Wahrheit und Dichtung“ genannt. Er will nämlich nicht gerade sagen, daß man etwas Wahres und etwas Erfundenes in seiner Lebensbeschreibung findet, sondern: daß jede Lebenserinnerung, die durch die Kunst zusammengedrängt, von dem Störenden befreit, und mit späteren, reiferen Ansichten vermischt ist, zu einer Dichtung wird und gerade dadurch erst an echter Wahrheit gewinnt.
Ich bin mir bewußt, daß ich nie als Mann einen Gedanken gehabt habe, der nicht bereits als Kind bei mir ein schlummernder Traum war, undeutlich, wie das Blatt in der Knospe, ehe sie sich entfaltet. Und noch jetzt kann ich, wie als Kind, als Jüngling, genießen; mich an allen schönen Einzelnheiten erfreuen und mich so in eine Vorstellung hineinträumen, daß ich für eine Zeitlang Kunst und Reflexion ganz vergesse.Wer das nicht kann, hat durch seine Bildung seine philosophische Erkenntniß nur verloren und Nichts gewonnen. Denn wir sollen von dem Baume der Erkenntniß genießen, ohne aus dem Paradiese gejagt zu werden; wir sollen, wenn wir wollen, wieder zum Baume des Lebens zurückkehren können, sonst hat unser Hochmuth gesündigt und wir erkennen zuletzt nicht einmal mehr unsere eigene Nacktheit.
Die aus unzähligen Blumen herausgepreßte ästhetische Rosenessenz ist stark und riecht gut, oft — fast zu gut — nach Rosen! Aber die kräftigste Essenz ist doch nicht mehr die Rose; und wer (den Destillateur ausgenommen) zöge nicht die einfache, poetische, lebendige Rose, wenn sie wieder blüht, die zwar nicht so stark, aber süßer und himmlischer duftet, vor.
O wie gern, Werther, kehre ich zu Deinen ländlichen Schwärmereien zurück! Wenn Du mit den kleinen Kindern sprichst, im hohen Grase liegst, und Pfänderspiele mit der holden Lotte spielst, während Dein Schicksal draußen donnert und droht. Tag für Tag lebe ich mehr mit Dir und ergehe mich mit Dir in Betrachtungen über Natur und Liebe und sehe den schönen Frühling schwinden, den warmen harmonischen Sommer sich in einen bleichen Herbst verwandeln, in dem der Ossian stürmt und sich als blasser Mond in Trauerwolken zeigt; bis der weiße Schnee Deinen kleinen Grabhügel bedeckt. Ach, Dein Unglück war nicht groß! Du schlummertest im süßen Rausch der Liebe hin, in welchem der Mensch den Egoismus so ganz vergißt, daß selbst die sonst so fürchterlichen Schrecken des Todes verschwinden. Aber Lotte beklage ich mehr, die den langen freudenlosen Weg mit dem kalten Albert gehen mußte, den sie nicht liebte, und wo nur die Pflichten gleich blätterlosen Bäumen ohne Schatten am Wege stehen.
Kalte Menschen klagen darüber, daß Werther's Leiden einige schwärmerische Jünglinge zum Selbstmorde verführt haben. Und darum sollte Göthe sein Buch nicht geschrieben haben? Dann dürfte man auch keinen Brunnen graben, weil unvorsichtigeKinder zuweilen hineinfallen und ertrinken. In Werther's Leiden ist, wie in jedem echten Dichterwerk, eine wahre Lebensquelle, und wie viele geistig Durstige haben sich nicht an dieser schönen Quelle gelabt? Wollte doch die Geschmacklosigkeit bedenken, wie viele langsame Selbstmorde der gemeine Egoismus, der kleinliche Eigennutz, die vorsichtig feige List verursachten! Sie verhalten sich zu den Selbstmorden einer überspannten Begeisterung, wie tausend zu eins! — Denn daß auch mit gefühlvoller Begeisterung coquettirt werden kann, daß kindische Affectation und Narrheit zuweilen einen oder den andern Gelbschnabel dahin brachten, Werther im Tode nachzuahmen, ohne doch nur das Geringste seines Geistes und seiner Kraft im Leben besessen zu haben, ist gewiß. Ich nehme auch nicht den Selbstmord unter irgend einer Form in Schutz; er bleibt immer eine Schwäche, eine Sünde. Meine Ansicht ist nur, daß Werther liebenswürdig, edel und rührend selbst als Sünder ist; und daß viele Sünder, ohne seine Liebenswürdigkeit, seinen Seelenadel und Verstand, mit viel gröberen Sünden, ihn in ihrer eingebildeten Weisheit thöricht tadeln.
Daß übrigens junge Leute mit poetischem Sinn allerdings in Gefahr gerathen können, indem sie mit solchen Gefühlen zu leichtspielen, ist ebenso gewiß. Ich habe selbst ein Beispiel davon erlebt. Zugleich mit mir las einer meiner Bekannten den Werther. Wir fanden es Beide sehr schön, daß Werther sich todt schoß, wir waren darüber einig, daß wir an seiner Stelle ebenso gehandelt haben würden. Einige Zeit darauf kam er finster und bewegt zu mir hinauf, nahm eine Pistole, Pulver und Kugel aus der Tasche und erzählte mir, daß er nun auf den Assistenzkirchhof ginge und sich eine Kugel durch den Kopf schieße, da er sich verliebt habe und seine Geliebte ihn nicht wieder liebe; dies würde er nun zwar ertragen haben, aber daß sie ihn verachte, das könne er nicht überleben. Mir blieb der Verstandstehen. „Bist Du toll?“ rief ich, „das wird nie geschehen.“ — „„WillstDumich daran verhindern?““ fragte er erstaunt. „„Das hätte ich nie geglaubt. Ich glaubte gerade bei Dir Unterstützung zu finden, und deßhalb bist Du der einzige Mensch, dem ich's anvertraue, und von dem ich Abschied nehme, da ich doch ein Herz haben muß, vor dem ich mich ausschütten kann.““ Ich machte ihm alle möglichen Vorstellungen, um ihn von dem Verrückten in seinem Unternehmen zu überzeugen. „Werther“, sagte ich, „schoß sich gerade todt, weil Lotte ihn liebte und ihn nicht bekommen konnte. Wie kann man sich tödten, weil man von einem Mädchen verachtet wird? Wie die Liebe Gegenliebe weckt, muß ja unverdiente Verachtung wieder Verachtung in einer hohen Seele wecken.“ — Es half Alles nichts; er wollte sich erschießen, weil sie ihn verachtete. Nun nahm ich die Pistole, steckte sie in die Tasche und sagte: „Wenn Du ein ehrlicher Kerl bist, so gehst Du nicht, bis ich wiederkomme, darauf wirst Du mir Dein Ehrenwort geben.“ Das gab er. — „Es muß ein Mißverständniß sein“, sagte ich. „Nun werde ich gleich zu dem Mädchen hinlaufen und Dir ihre Achtung holen.“ Damit ging ich. Ich kannte sie gar nicht, ließ mich melden, und bat, einen Augenblick allein mit ihr sprechen zu dürfen. Sie stutzte, bat mich aber, ihr in ein anderes Zimmer zu folgen. Hier nahm ich die Pistole aus der Tasche, hielt sie ihr hin und sagte, indem ich mich tief verbeugte: „Mit dieser Pistole wollte mein Freund sich eben erschießen, weil er glaubt, daß Sie ihn verachten.“ Sie sank auf einen Stuhl, war einer Ohnmacht nahe, und wenn in diesem Augenblick Jemand ins Zimmer gekommen wäre, und hätte die Dame halb todt hingesunken und einen fremden Menschen mit einer Pistole in der Hand gesehen, so hätten sie mich vermuthlich als einen Mörder gefaßt. Glücklicherweise kam Niemand, sie kam wieder zur Besinnung, dankte mir auf das Verbindlichste und versicherte, daß sie die größte Achtung vor meinem Freunde habe, obgleich sie gestand, daß sie ihn nicht lieben könne. „Ja, das ist schon gut“, sagte ich,„mehr verlangt er nicht.“ Ich verbeugte mich, eilte nach Hause, und brachte dem Unglücklichen die Achtung seiner Schönen; er athmete wieder leicht, beschloß zu leben und lebte noch viele Jahre. — Es waren Narrheiten! wird man sagen. Ganz richtig! Die Jugend begeht, wie das Alter, viele Narrheiten. Aber wo findet man die Grenzlinie zwischen Ernst und Tand in dem menschlichen Herzen, und wie oft hat nicht eine flüchtige Thorheit den Menschen das Leben gekostet. Es ist doch sehr möglich, daß ich das Leben des guten Freundes rettete. Er versicherte mir später oft selbst, daß es sein Ernst gewesen sei; und er war ein junger Mann von Character.
Tod meiner Mutter.
Wie ich kurz darauf selbst verliebt wurde, aber glücklicher, als mein Freund, werde ich bald erzählen. Zuerst aber traf eine traurige Begebenheit ein, nämlich meiner geliebten Mutter Tod.
Meine Mutter hatte einen seltenen Verstand, ein starkes Gefühl, das sich in ihrem Krankheitszustande doch etwas der Schwärmerei näherte. In ihren letzten Jahren suchte sie meistentheils Trost in der Religion, las viel in Schmolke's Andachtsbuch, in Gellert's und den alten deutschen Psalmen. Besonders war „Jesus, meine Zuversicht“ ihr Lieblingspsalm. Auch las sie fleißig Predigten, wenn sie nicht in die Kirche gehen konnte. Sie hatte sich stets bemüht, die Herzen ihrer Kinder frühzeitig für fromme Gefühle zu stimmen. Wir setzten in unserer Kindheit am Weihnachtsabend große Zinnteller auf den Tisch im Staatszimmer und gingen in die andere Stube, wo wir das Evangelium lasen und Weihnachtspsalmen sangen. Indessen hörten wir den Engel drinnen im verschlossenen Zimmer die Teller mit Nüssen, Aepfeln und Confect füllen. Mehrere Jahre glaubten wir wirklich, daß ein schön geflügelter Engel vom Himmel herabkam und uns die Gaben brachte. Eines Weihnachtsabends spielte ich vorher mit meiner Schwester auf dem Hofe; der Himmel war mit Wolken bedeckt, nur ein kleinerklarer Fleck war von der blauen Luft zu sehen. „Siehst Du“, sagte ich, „da ist das Loch! da kommt er gewiß durch.“
Während nun vierschrötige, lustige Holsteiner, die mit Grützwaaren und Käse nach Kopenhagen segelten, meinen Vater besuchten und mit ihm von ihrer Jugend schwatzten: suchten in der letzten Zeit, als meine Mutter schwächer geworden war, einige fromme Handwerksmeister von den sogenannten Heiligen, sie für ihre Secte zu gewinnen. Sie brachten Gebetbücher mit, und ich hörte sie viel von „des Lammes Blut“ sprechen. In den Gebetbüchern waren auch Kupferstiche, mit Lämmern darauf, welche Siegesfahnen hielten. Nach einigen vergebens angestellten Versuchen zogen die Frommen sich doch zurück und sollen gesagt haben: Bei der Frau wäre vielleicht noch einige Hoffnung gewesen, aber mit dem Manne sei kein Auskommen. Sie kränkelte nun mehr und mehr und näherte sich dem Grabe. Sie hatte stets innigen Antheil an meinem Schicksale genommen, hatte mir nicht nur das Leben geschenkt, sondern es mir auch durch mütterliche Pflege in einigen Kinderkrankheiten gerettet. Meine Mutter liebte mich innig und ich glich ihr sehr. Das Gefühl der Wehmuth und einen tiefen Ernst bekam ich von ihr, von meinem Vater Gesundheit und Munterkeit. Einbildungskraft und Feuer hatten sie Beide, er mehr für das Lustige; das Tragische erbte ich von meiner Mutter. Und doch sollte sie keine Früchte meiner Muse sehen und sich darüber freuen! Kein Lorbeerblatt sollte ich ihr bringen und es mit ihr theilen; nur auf ihr Grab konnte ich es legen. Und wie groß wäre ihre Freude gewesen, wenn sie nur eine Ahnung davon gehabt hätte, daß ihr Sohn etwas mehr, als das ganz Gewöhnliche werden würde. — Aber die hatte sie doch! Ich theilte ihr meine ersten kleinen Jugendversuche mit, und diese erfreuten sie.
An dem Abend, wo ich zum ersten Male auf der Bühne auftrat, war mein Vater im Theater gewesen, meine Mutter und Schwester waren aber zu Hause geblieben. In dem kalten, dunkeln Winterabend, gerade in dem Augenblicke, wo das Stückanfangen sollte, wurde meine Mutter so unruhig, daß sie es nicht länger im Zimmer aushalten konnte; sie ging in den Bogengang hinaus, weinte und betete für mich zu Gott. Hier traf sie die Frau des Wächters, die ihre Gefühle mißverstand. „Ach, Madame“, sagte sie, „weinen Sie doch nicht, er kann sich ja noch bekehren.“
Von dieser Bekehrung, welche die gute Wächtersfrau prophezeihte, war meine Mutter doch noch Zeuge gewesen; und obgleich sie Nichts gegen mein erstes Vornehmen gehabt hatte, so freute mein veränderter Lebensplan sie doch nichts destoweniger, weil sie fühlte, daß mein schüchternes, empfindliches Wesen der Freiheit und Ruhe bedürfe, wenn es sich recht entwickeln solle.
Ich sah sie also hinsinken, nachdem sie einen zärtlichen Abschied von uns Allen genommen hatte. Ich sah ihre Augen, die den meinigen so sehr glichen, erlöschen und brechen. Die Hände, die mich so oft gehegt und gepflegt hatten, griffen unstet nach dem Bettzeug, und die kalten Fingerspitzen berührten einander in dem gewöhnlichen Todesspiele. Und so schlummerte sie ein; mein Vater drückte ihr die Augen zu, und Gellert's Psalmen, die sie im Leben so begeistert gesungen hatte, legte er auf ihre Brust. Nun ruht sie auf dem Friedrichsberger Kirchhof, wohin mein Vater und meine Schwester ihr folgten, wo Camma Rahbek ruht, und wo auch ich einmal zu ruhen wünsche.
Christiane Heger.
Gleich nach dem Tode meiner Mutter machte ich auf dem Hügelhause die Bekanntschaft der Schwester der Frau Rahbek, einer Tochter des Justizraths, späteren Etats- und Conferenzraths Heger;Christiane Georgine Elisabeth Heger: ein sehr hübsches Mädchen von siebzehn Jahren, gesund und kräftig, mit großen, blauen Augen, schneeweißer Haut, Rosenwangen und mit einer Haarfülle, wie ich ihres Gleichen nie gesehen habe; denn wenn sie die langen blonden Haare herabfallen ließ, so konnte sie sich ganz darin einhüllen. Als ich sie zum ersten Malesah, band sie einen Kranz von Kornblumen, ich habe den Kranz aufbewahrt, und einige der abgefallenen Blätter blieben lange Zeit blau. Jetzt sind auch sie gebleicht. Sie ist nicht mehr! —
Wie gern ich also zu Rahbek's „Hügelhause“ ging, begreift man leicht. Nach einem schönen Spaziergange traf ich dort einen launigen Dichter, eine lustige, witzige Freundin, eine seltne Gastfreundschaft und ein schönes Mädchen, die sehr ruhig bei ihrer Handarbeit saß, in deren Augen ich aber doch, wenn sie von der Arbeit aufblickte, eine gewisse Aufmerksamkeit für mich zu lesen glaubte.
Nun ging es ganz vortrefflich mit lustigen Erzählungen und Gesprächen den ganzen Abend. Frau Rahbek hatte eine eigne Art, sich Freunde und Anhänger zu erwerben: sie neckte sie unaufhörlich, lauschte ihnen ihre Eigenheiten und kleinen Schwächen ab, hatte sie auf die liebenswürdigste Art von der Welt zum Besten, machte mit unendlichem Witz ihre Persönlichkeiten nach (denn sie hatte, wie alle Hegers, das Talent, die Stimme und Bewegung anderer Menschen höchst treffend nachzuahmen), und gab ihnen Spitznamen, und Keiner, der zu ihr kam, wurde von ihr bei seinem rechten christlichen Namen genannt. Mich nannte sie denAdagiospieler, weil ich einem Adagiospieler gleichen sollte, den sie gekannt hatte; ihre Schwester nannte sieAtair, weil Christiane einmal diesen Stern genannt hatte, und weil Camma (eine Zusammenziehung von Karen-Margaretha) fand, das sei zu viel Astronomie für ein so junges Mädchen. Rahbek, der etwas diogenisch in seinen Manieren war, mußte sich als liebes Kind darein finden, viele Namen zu haben. Meine Schwester nannte sieOder so was, weil Sophie, wenn sie sprach, diese Worte oft wiederholte. Mein Vater hießPole, weil er mit seiner weichen, raschen Zunge größtentheils Polekum, statt Publikum sagte.
Auch Freunde wurden von dieser Anabaptistin umgetauft; und dann konnte es zuweilen wohl nach Verdienst treffen, daß die Satyre etwas geißelte. Uebrigens wußte sie stets mit Grazieund Feinheit, Achtung und Schonung mit ihrem Uebermuthe zu vereinigen; so daß sich Jeder sogar einen solchen Beinamen von ihr wünschte.
Da nun alle diese Benennungen eine historische oder allegorische Bedeutung hatten, so bildete sich nach und nach unter uns auf dem Hügelhause eine Art Mythologie, in die man eingeweiht sein mußte, um die Kunstwerke solcher Laune und Munterkeit zu genießen, zu der wir Anderen auch unser Schärflein beitrugen. Ein Fremder hätte nicht ein Wort von unseren täglichen Scherzen verstanden.
Meine Verlobung.
Begleitete ich nun nach einem solchen muntern Abende Christianen im schönen Mondscheine oder in einer sternenklaren Nacht nach Hause, so verstummte plötzlich die Munterkeit; ich wurde stumm, verlegen und ernst, und sie gleichfalls. Größtentheils gingen wir Arm in Arm in unseren eigenen Gedanken. Endlich gab die Liebe mir Muth, nachdem sie ihn mir so lange geraubt hatte; ich stammelte eine Liebeserklärung hervor; sie verstand meine Aphorismen ganz gut, und obgleich sie mir nicht sofort entgegenkam, ließ sie mich doch ohne Verzweiflung nach Hause gehen.
Mein Schwiegervater.
Bald erlaubte sie mir, mit ihrem Vater darüber zu sprechen. Das war ein merkwürdiger Mann. Er war Witwer und bewohnte die unterste Etage seines eigenen Hauses. Vor dem Bombardement war er sehr wohlhabend. Er hatte eine Brauerei von seinem Vater geerbt; und obgleich er Assessor im Hof- und Stadtgericht war, konnte er doch mit Leichtigkeit die Brauerei verwalten, da er ein entschiedenes Talent für alle mechanischen Arbeiten und Künste besaß. Er stand sich gut und übte deßhalb viele Dinge nur zu seinem Vergnügen, und obgleich er es nicht in Allem zur Meisterschaft brachte, so kam er doch in vielen Dingen außerordentlich weit.
Er hatte sein schönes, großes Haus nach eignem Plane gebaut und außerdem die Zeichnung zu einem andern sehr hübschen Grundstücke gemacht. Er war ein guter Schmied, ein guterTischler und Drechsler. Auch auf die Gärtnerei hatte er sich gelegt, und wetteiferte mit seinem Freunde Käsemacher, dem Gärtner des botanischen Gartens, wer die frühesten und besten Erdbeeren bekam. Er zeichnete hübsch und beschäftigte einige junge Maler in seinem Hause mit Decorationsmalereien. Auch Thorwaldsen brachte einige Jahre hindurch die Abende bei ihm zu, und zeichnete Bilder mit Bleistift für Karen Margaretha und Christiane, die noch klein war. Der Kapellmeister Schultz war Heger's Freund gewesen; von ihm hatte er Etwas von der Composition gelernt; er las fleißig in Kirnberger, componirte hübsche Melodieen und spielte sie auf dem Fortepiano, das er selbst verbessert hatte. Es konnte ihn amüsiren, ganze Stunden lang zu phantasiren, und wir Anderen hörten ihm gern zu. Er hatte sich fleißig auf die Optik gelegt; schliff Gläser zu großen Fernröhren, machte die Papparbeit dazu selbst, und schrieb ein kleines Buch in französischer Sprache über die Optik zu seinem eigenen Gebrauch. In Papparbeiten war er ein Meister, der in der ganzen Stadt nicht seines Gleichen fand; er machte die schönsten Kasten, außerordentlich dauerhaft mit hübschen, selbstgemalten Landschaften verziert und mit einem unvergänglichen Lackfirniß überzogen. Er war sehr freigebig mit diesen Arbeiten, schenkte deren an alle seine Freunde, und seine Tochter Karen Margaretha lernte von ihm die Kunst und die Freigebigkeit. Er war auch einmal ein eifriger Feuerwerker gewesen und machte Raketen, welche die gewöhnlichen um Vieles übertrafen. Aber als er eines Abends das Unglück hatte, daß eine Rakete, die er von einem Boote aus in die Luft ließ, in eine Scheune fiel, ohne doch weiter Schaden zu verursachen, verlor er die Lust zur Feuerwerkerei. Er liebte die italienische Sprache und erzählte gern von der Zeit, woSartiKapellmeister gewesen war, und woAlsaniund andere Virtuosen italienische Opern auf dem Hoftheater aufgeführt hatten.
Zu diesem seltnen Manne kam ich nun schüchtern und bange; ich sagte ihm Alles rein heraus, daß ich seine Tochterliebe, daß ich hoffe, wieder geliebt zu sein, daß ich Advokat werden wolle, und daß Oersted mir versprochen habe, mich in zwei Jahren so weit zu bringen. Höflich und ruhig hörte er meinen Wunsch, klingelte, ließ seine Tochter rufen, sagte ihr mit wenigen Worten, wovon die Rede sei, legte unsere Hände in einander, und fing darauf gleich an, von anderen Dingen zu reden, womit er mir einen großen Dienst erwies; und mit einem solchen Manne konnte man gewiß über Vieles sprechen.