Chapter 8

Mein Schwager.

Christiane's Bruder Karl war stiller, milder, aber auch witzig und satyrisch. Er ließ es bei den dramatischen Privatübungen bewenden, und studirte Theologie; aber so gewissenhaft, daß er niemals fertig werden konnte, obgleich er mehreren Candidaten half, die die beste Censur bekamen. Die theologischen Professoren baten ihn, doch endlich zur Prüfung zu gehen, da sie ihn nichts mehr lehren könnten, und versicherten ihm, er könne überzeugt sein, daß er gut bestehen würde; denn sie kannten ihn von den Examinatorien her. Es half Nichts! Der selige Bischof Münter, damals Professor, besuchte Rahbek, bei dem Karl Heger wohnte, einmal deßhalb, um diesen zu überreden; aber er verbarg sich vor dem Professor im Garten hinter den Bäumen, gleich Adam nach dem Sündenfalle vor unserm Herrgott; obgleich er nicht gesündigt hatte, sondern im Gegentheile für seine Tugenden gelobt werden sollte.

Dieser „kunstliebende Klosterbruder“, mein treuer, vieljähriger Freund, fand später als Bibliothekar bei Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Christian Frederik einen Platz, der sich am Besten für seine stille literarische Neigung und für seine bescheidne, contemplative Natur eignete.

Preisfrage.

Ich studirte nun ziemlich fleißig Jura, doch konnte ich es nicht unterlassen, kleine Streifereien in das Gebiet der schönen Literatur zu machen. Im Jahre 1800 wurde an der Universität die Preisfrage in der Aesthetik aufgestellt: „Wäre es nützlichfür die schöne Literatur des Nordens, wenn die alte nordische Mythologie eingeführt und statt der griechischen allgemein angenommen würde?“ Das war Wasser auf meine Mühle; ich hatte mich viel mit der alten nordischen Literatur und mit der nordischen Götterlehre beschäftigt. Oersteds fanden auch, daß es hübsch sein würde, wenn ich eine akademische Preismedaille gewönne; und nun sattelte ich wieder mein Steckenpferd und schrieb eine Abhandlung, in der ich den Charakter der nordischen Götterlehre und ihre noch unbenutzten Schönheiten im besten Lichte darzustellen suchte.

Es wurden außer der meinigen noch zwei Abhandlungen eingeliefert, die eine vonStoud Platou, späterm Professor in Christiania, die andere vonJens Möller, der als Professor der Theologie in Kopenhagen starb. Stoud Platou führte die Sache der griechischen Mythologie. Das Urtheil des Professors Jakob Baden, das in dem Universitätsjournale abgedruckt wurde, lautete also:

„Ueber die ausgesetzte Preisfrage sind drei Abhandlungen eingegangen, welche alle sich durch Fleiß in der Untersuchung, durch Eifer und Wärme für die schöne Literatur im Allgemeinen, wie für die nordische ins Besondere, durch gründliche Einsicht in die Bedürfnisse dieser Literatur und Kenntniß der besten Schriften im mythologischen Fach, endlich durch einen klaren Vortrag und einen leichten und angenehmen Styl empfehlen. So viel Freude diese Gleichheit in den Verdiensten mir als Leser verursachte, so muß ich doch bekennen, daß sie mir die Lust als Richter benommen hat, irgend ein entscheidendes Urtheil über eins der eingereichten Stücke zu fällen, um so mehr, als ich nicht allein ein Urtheil fällen soll. Ich lasse es daher dabei bewenden, meine private Meinung zu sagen, die ich auf keine Weise für maßgebend und inapellabel betrachtet wissen will, da sie nur die Ansicht eines privaten Mannes ist.“ Darauf erkannte er Stoud Platou's Abhandlung, als der ausführlichsten und — nach seiner Ansicht — wahrsten, den Preis zu. Doch erklärte er selbstden Theil der Abhandlung, der ungeachtet der Vorliebe des Verfassers für die griechische Mythologie, die geschmackvolle Anwendung der nordischen Mythologie bespricht und billigt, für das Beste und Wichtigste; und den ersten Theil, in dem der Verfasser von uns abweicht, tadelt er als zu weitläufig und die aufgegebene Frage zum großen Theile unberührend. Ueber meine Abhandlung mit dem Motto:

Nil intentatum nostri liquere poetae,Nec minimum meruere decus, vestigia graecaAusi deserere, et celebrare domestica facta.

Nil intentatum nostri liquere poetae,Nec minimum meruere decus, vestigia graecaAusi deserere, et celebrare domestica facta.

Nil intentatum nostri liquere poetae,Nec minimum meruere decus, vestigia graecaAusi deserere, et celebrare domestica facta.

sagt Baden: sie ist weniger weitläufig, scheint aber mehr die Frage Berührendes zu enthalten; ein Theil der Preisschrift ist mit Neuheit und Interesse ausgeführt, und würde den Verfasser, meiner Ansicht nach, würdig machen, den Preis mit dem Ersten zu theilen, wenn derselbe sich theilen ließe. Aber da der Preis nicht wohl der erstern Abhandlung vorenthalten werden kann, so verdient diese doch das erste Accessit. — Das zweite Accessit kann meiner Ansicht nach der dritten Preisabhandlung nicht verweigert werden. Auch dieser Verfasser zeichnet sich durch eine wohldurchdachte Vertheidigung der nordischen Mythologie aus.

Später bekam Professor Kjerulf den Auftrag, in Verbindung mit Baden zu urtheilen und er unterschrieb dessen Ausspruch.

All' das war nun recht gut; aber ich kam doch um die schöne Goldmedaille, die ich so gern meinem Vater nach Hause gebracht hätte, der sich noch mehr darüber gefreut haben würde als ich. — Ich ahnte damals nicht, daß diese Abhandlung mir mit der Zeit bessere Früchte, als eine Medaille tragen würde. Ihr hatte ich es ohne Zweifel zu danken, daß ich nach meiner Reise ins Ausland als Professor der Aesthetik bei der Universität angestellt wurde, da ich durch die Abhandlung, die einer Prämie würdig erklärt worden war, als akademischer Bürger das Recht erhalten hatte, ein Amt zu suchen, von dem mich sonst vielleicht die Form ausgeschlossen haben würde.

Baggesen's Abreise.

Baggesen wollte abreisen, um, wie man glaubte, für immer fortzubleiben. Ich hatte oft mit großer Freude seine „komischen Erzählungen,“ seine „Jugendarbeiten,“ sein „Labyrinth“ gelesen. Die wunderbare Mischung von Witz und Gefühl, von Begeisterung und Spott, von Vielseitigkeit und stark hervortretender Persönlichkeit bei ihm hatte etwas Aehnlichkeit mit Jean Paul, obgleich ich in Baggesen's graciösen Witzen bald das Herz und die Geistestiefe jenes unsterblichen Dichters vermißte. Aber dann konnte Baggesen wieder diese allerliebsten, leicht fließenden Verse schreiben! Daß er als ein armer Junge so Viel in der lateinischen Schule in Slagelse hatte ausstehen müssen, rührte mich auch. Trotz Armuth und Krankheit war er stets lustig geblieben; nur die Sehnsucht der Liebe konnte ihn wehmüthig und niedergeschlagen machen.

Eine ritterliche Achtung, ja Anbetung für das schöne Geschlecht, eine starke Begeisterung für das Hohe in der Natur zeichnete ihn vor anderen humoristischen Dichtern aus. Daß er nicht den gesunden Verstand eines Holberg's und eines Wessel's hatte; daß er wohl brillanter in seiner Satyre, aber weniger wahrheitsliebend und billig war, daß seine Begeisterung sich oft in einem Schwulst verlor, konnte ich noch nicht recht bemerken. Ich liebte diesen Proteus:

Erstlich ward er ein Leu mit fürchterlich wallender Mähne,Drauf ein Pardel, ein bläulicher Drach' und ein zürnender Eber,Floß dann als Wasser dahin und rauscht' als Baum in den Wolken.

Erstlich ward er ein Leu mit fürchterlich wallender Mähne,Drauf ein Pardel, ein bläulicher Drach' und ein zürnender Eber,Floß dann als Wasser dahin und rauscht' als Baum in den Wolken.

Erstlich ward er ein Leu mit fürchterlich wallender Mähne,Drauf ein Pardel, ein bläulicher Drach' und ein zürnender Eber,Floß dann als Wasser dahin und rauscht' als Baum in den Wolken.

ich wollte ihn gern fassen und ihn einmal in der Nähe betrachten, ehe er sich ins Wasser verlor, und vielleicht für ewig unser Eiland verließ. Auf dem Theater hatte ich ihn freilich oft als administrirenden Director in seinem großen gelben Ueberwurf umhergehen sehen. Aber da lief er umher, wie auf dem Deck in Meeresnoth ein Schiffer, der selbst das Steuern nicht versteht und den Nächstkommandirenden schalten und walten läßt. Dort war er mir auch zu vornehm; der Abstand zwischen unswar zu groß, und ich mochte mich ihm nicht nähern, aus Furcht, daß er zu stolz sein würde.

Alles, dessen ich mich von seiner Administrationszeit erinnere, ist, daß mein Auge oft auf dem Fleck in seinem Ueberwurf ruhte, der mit einem Pletteisen eingebrannt war. Auch entsinne ich mich deutlich, wie eine Schauspielerin ohne viel Talent, aber stets häuslich mit Nähnadel und Zwirn in der Tasche versehen, ihn eines Abends im Foyer aufhielt, um ihm einen Riß zuzunähen, der eine allzuweite Fortsetzung des Schlitzes an seinem Mantel bildete; unter dieser Operation verhielt er sich sehr höflich, aber auch etwas passiv. —

Nun wollte er fort und uns vielleicht auf ewig verlassen! Er hatte gesagt, daß er in der Zukunft nicht mehr dänisch schreiben wolle. Dies Alles betrübte uns, seine jungen Bewunderer. Wir hatten den allzufrühen, nationalen Tod eines schönen Geistes zu beklagen.

In diesem Gefühle faßten Hans Christian Oersted und ich den Entschluß, ein Fest in Dreyer's Klub, dessen Mitglied ich geworden war, zu veranstalten. Wir ließen eine Einladung umhergehen, und, obgleich Baggesen schon damals viele ausgezeichnete Männer gegen sich hatte, welche gerade heraus sagten, daß er es nicht verdiene, so setzten wir es doch durch. Er wurde zu einer Abendgesellschaft eingeladen, bei welcher Gelegenheit ich folgendes Gedicht an ihn verfaßt hatte, das die Gesellschaft für ihn begeisterte:

Der mit Geistes Waffen schweigen machteDummheit, der die Lüge kühn bezwang,Der ins Auge frohes Lächeln brachte,Aus dem eben noch die Thräne drang;Der Gefühl und Wärme hat gegossenIn die Brust uns, wo sein Bild jetzt weilt,Sei von unserm Bruderarm umschlossen,Eh' von Dänemark er nun enteilt.Darum hörst Du, seltner Dichter, klingenUnsre Stimme, die im Chor sich hebt,Darum, edler Dichter, wir Dir bringenWas für Dich in unserm Herzen lebt.Schwach ist unsre Stimme! Gleich der DeinenSteigt sie nicht zum Pindus hoch empor,Voller Wehmuth nun wir uns vereinen,Rufen Lebewohl Dir zu im Chor.Habe Dank für jedes Deiner Lieder,Das bei frohem Mahle hier erklang!Oft wohl singen wir sie freudig wieder,Denken stets des Dichters beim Gesang.Wenn die Stimmen dann sich laut erheben,Wenn sie tönen an dem dän'schen Strand,Möge ahnend dann Dein Herz erbeben,Wenn Du denkst ans theure Vaterland.Willst Du jetzt auch in die Ferne ziehen,Kehrst Du doch, wir hoffen's, einst zurück.Sahst ja hier die ersten Tage fliehen,Hier verlebtest Du der Jugend Glück.Nirgends blühen ja die Rosen reicher,Nirgends sind die Dornen ja so klein,Nirgends, nirgends ist das Lager weicher,Als, wo unsre Wiege stand, allein.Aber mußt DuSeinGebot erfüllen,Giebt das Schicksal Dir ein fernes Grab,Soll die fremde Erde Dich umhüllen —Blick' vondortauf Dän'mark dann herab!Jedes Auge wird die Thräne feuchten,Jede Lippe flüstert weh und bang:Möge Freud' für jede Freud' Dir leuchten,Die den Dänen schenkte Dein Gesang.

Der mit Geistes Waffen schweigen machteDummheit, der die Lüge kühn bezwang,Der ins Auge frohes Lächeln brachte,Aus dem eben noch die Thräne drang;Der Gefühl und Wärme hat gegossenIn die Brust uns, wo sein Bild jetzt weilt,Sei von unserm Bruderarm umschlossen,Eh' von Dänemark er nun enteilt.Darum hörst Du, seltner Dichter, klingenUnsre Stimme, die im Chor sich hebt,Darum, edler Dichter, wir Dir bringenWas für Dich in unserm Herzen lebt.Schwach ist unsre Stimme! Gleich der DeinenSteigt sie nicht zum Pindus hoch empor,Voller Wehmuth nun wir uns vereinen,Rufen Lebewohl Dir zu im Chor.Habe Dank für jedes Deiner Lieder,Das bei frohem Mahle hier erklang!Oft wohl singen wir sie freudig wieder,Denken stets des Dichters beim Gesang.Wenn die Stimmen dann sich laut erheben,Wenn sie tönen an dem dän'schen Strand,Möge ahnend dann Dein Herz erbeben,Wenn Du denkst ans theure Vaterland.Willst Du jetzt auch in die Ferne ziehen,Kehrst Du doch, wir hoffen's, einst zurück.Sahst ja hier die ersten Tage fliehen,Hier verlebtest Du der Jugend Glück.Nirgends blühen ja die Rosen reicher,Nirgends sind die Dornen ja so klein,Nirgends, nirgends ist das Lager weicher,Als, wo unsre Wiege stand, allein.Aber mußt DuSeinGebot erfüllen,Giebt das Schicksal Dir ein fernes Grab,Soll die fremde Erde Dich umhüllen —Blick' vondortauf Dän'mark dann herab!Jedes Auge wird die Thräne feuchten,Jede Lippe flüstert weh und bang:Möge Freud' für jede Freud' Dir leuchten,Die den Dänen schenkte Dein Gesang.

Der mit Geistes Waffen schweigen machteDummheit, der die Lüge kühn bezwang,Der ins Auge frohes Lächeln brachte,Aus dem eben noch die Thräne drang;Der Gefühl und Wärme hat gegossenIn die Brust uns, wo sein Bild jetzt weilt,Sei von unserm Bruderarm umschlossen,Eh' von Dänemark er nun enteilt.Darum hörst Du, seltner Dichter, klingenUnsre Stimme, die im Chor sich hebt,Darum, edler Dichter, wir Dir bringenWas für Dich in unserm Herzen lebt.Schwach ist unsre Stimme! Gleich der DeinenSteigt sie nicht zum Pindus hoch empor,Voller Wehmuth nun wir uns vereinen,Rufen Lebewohl Dir zu im Chor.Habe Dank für jedes Deiner Lieder,Das bei frohem Mahle hier erklang!Oft wohl singen wir sie freudig wieder,Denken stets des Dichters beim Gesang.Wenn die Stimmen dann sich laut erheben,Wenn sie tönen an dem dän'schen Strand,Möge ahnend dann Dein Herz erbeben,Wenn Du denkst ans theure Vaterland.Willst Du jetzt auch in die Ferne ziehen,Kehrst Du doch, wir hoffen's, einst zurück.Sahst ja hier die ersten Tage fliehen,Hier verlebtest Du der Jugend Glück.Nirgends blühen ja die Rosen reicher,Nirgends sind die Dornen ja so klein,Nirgends, nirgends ist das Lager weicher,Als, wo unsre Wiege stand, allein.Aber mußt DuSeinGebot erfüllen,Giebt das Schicksal Dir ein fernes Grab,Soll die fremde Erde Dich umhüllen —Blick' vondortauf Dän'mark dann herab!Jedes Auge wird die Thräne feuchten,Jede Lippe flüstert weh und bang:Möge Freud' für jede Freud' Dir leuchten,Die den Dänen schenkte Dein Gesang.

Ein Exemplar dieses Gedichts, das er während des Absingens in der Hand gehalten hatte, gab er mir von Thränen durchnäßt zurück, indem er mich umarmte, mich küßte und mir seine „dänische Lyra“ vermachte, die er nun nicht mehr zu schlagen gedachte. — Einige Tage darauf reiste er fort und ich übernahm die Korrektur des ersten Theils seiner Werke, die er bei Brummer herausgab.

So machte ich die Bekanntschaft des Mannes, der einige Zeit darauf eifrig meine Freundschaft suchte und später, ohne Grund, mein bitterster Feind wurde.

War es nun Apollo mit seinen neun Musen oder Bragi bei der Harfe und Idun mit ihren Aepfeln der Verjüngung, die mich immer, wenn ich recht fleißig Jura studiren wollte, störten? — Ich weiß es nicht. Aber gestört wurde ich; und war es nicht geradezu von ihnen, so riefen sie bald Venus oder Freia, bald Mars oder Thor zu Hülfe; ja wir werden sehen, wie sogar Mimer oder Minerva sich hinterlistig gegen meine Jurisprudenz verbinden.

Der zweite April 1801.

Der zweite April 1801 erschien, an welchem Tage eine große englische Flotte von unserm Dutzend Blockschiffen hart mitgenommen wurde, die nach der Schlacht Wracks waren, wie vorher. Nelson, der Schreck der europäischen Seemächte, wurde in diesem Kampfe durch einen kleinen Haufen dänischer Seeoffiziere überstrahlt. Es ist Wahrheit, es ist ein Factum! Darum achtete Napoleon die dänischen Seeleute hoch und hat von dieser Schlacht stets mit ehrender Bewunderung gesprochen.

Das Gefühl der alten Heldenehre zur See hatte sich ganz der Nation, und besonders der Hauptstadt bemeistert. Alle kleinlichen Laster der Zeit: Mißgunst, Geiz, Hochmuth, Eitelkeit, Verleumdung, hatten sich gleich feigen Verbrechern im Dunkeln verborgen. Dagegen traten überall Brudersinn, Wohlwollen, gegenseitige Hülfe und Beistand hervor. Fremde Menschen, die sich nie früher gesehn hatten, drückten einander begeistert die Hand, wenn sie sich auf der Straße begegneten. Eine unbeschreibliche Munterkeit verbreitete sich über die ganze Stadt. Der alte Matrosenwitz schien sich allen Einwohnern mitgetheilt zu haben, und es regneten Einfälle und Spöttereien über die Engländer.

Bei dieser Gelegenheit wurden, ehe der Feind sich demSunde näherte, mehrere Freicorps errichtet; auch die Studenten vereinigten sich, und bildeten unter dem Commando des berühmten Physikers, Oberhofmarschalls Hauch, zwei Bataillone.

Man wußte nicht, ob die Engländer die Stadt bombardiren würden. Die Studenten erhielten die ehrenvolle aber gefährliche Aufgabe das Zündrohr aus den hereingeworfenen Bomben zu ziehen, ehe sie sprangen. Wir lachten, verstanden die Gefahr nicht, und ließen das Schicksal walten. Bald bemerkten wir, daß die englischen Bomben uns nicht erreichen konnten, weil die Blockschiffe einen breiten Wall rund um Kopenhagen bildeten.

Ich stand mit mehreren Bekannten auf dem Altan der Seecadetten-Akademie, und blickte auf die Schlacht, welche nicht weit entfernt, gerade vor unseren Augen gekämpft wurde. Wenn zehn Mal von den englischen Schiffen geschossen wurde, so hörten wir es nur ein Mal von den Blockschiffen donnern. Oft flog eine glühende Kugel von der Quintusbatterie empor. Wir sahen jeden Augenblick englische Kugeln in den Wellen zischen, oder sich matt in den Sand der Küste bohren. Ueber unsere Häupter flogen die Bomben, gleich Raketen dahin, und sprangen in der Luft; nur sehr wenige erreichten das Land. Wir waren Alle in der gespanntesten Erwartung.

Um 4 Uhr war die Schlacht vorüber, und Nelson sandte einen Parlamentair ans Land, der einen Waffenstillstand vorschlagen sollte. Wir waren Alle froh, und gingen nach Hause, um unsern Gründonnerstags-Kohl zu essen. Unten auf dem Platze standen eine Menge bewaffneter Bürger. Ein kleiner jovialer Mann, mit der Kokarde am runden Hut, dem Säbel an der Seite, der Patrontasche auf dem Rücken und dem Gewehr auf der Schulter, stand unter den Anderen, und fragte mich, als ich vom Altan hinunterkam und vorüber ging: „Nun, wie ist es abgelaufen?“ „„Ach, mein lieber Landsmann!““ rief ich, und drückte ihm die Hände, „„Gott beschützt uns, unsere Brüder haben wie Löwen gekämpft!““ Ich würde mehr mit diesem wackern Landsmanne gesprochen haben, aber ein Student meiner Bekanntschaftzog mich an dem Aermel, und flüsterte mir in's Ohr: „Bist Du von Sinnen, daß Du auf offner Straße mit dem Kerl sprichst? das ist ja der berüchtigte Wirth, Prinz Kehraus!“ — „„Ich kenne ihn nicht,““ antwortete ich lachend, „„aber mag er sein, wer er wolle, in diesem Augenblick sind wir Alle Dänen und Alle Soldaten.““

Was weiter kommen würde, wußten wir nicht; aber fürs Erste konnte man nichts Besseres thun, als die Waffenübungen fortzusetzen, da in diesem Lärm doch weder Zeit noch Ruhe zu friedlicher Beschäftigung war. Das Studentencorps wurde unter dem Namen „Leibcorps des Kronprinzen“ organisirt, wir bekamen hübsche Uniformen, dunkelblaue Jacken mit weißen Litzen, grauen Hosen, Halbstiefeln mit Quasten, runden Hüten mit weißen Kokarden und schwarzen Federn. Die Unteroffiziere trugen silberne Epaulettes.

Es wurden verschiedene Feste nach der Schlacht zu Ehren der Seehelden veranstaltet. Die Gefallenen wurden zusammen in einem großen Grabe beerdigt, und Ein Hügel wurde über sie, wie über die Helden des Alterthums, aufgeworfen. Bei dieser Gelegenheit schrieb ich einige Gedichte. Es wurden viel gute Lieder gedichtet, aber auch unendlich viel schlechte und trivielle, was bei der eiteln Wiederholung des Abgenutzten nur die Begeisterung travestirte.

Nun wurden auch Unteroffiziere und Sergeanten für die Studenten gewählt. Offiziere konnten damals nur wirkliche Militairs werden; nur ein Paar Veteranen,RahbekundThomas Christoffer Bruun, die aus alter Studentenliebe in das Corps eingetreten waren, wurden als Lieutenantsà la suiteangestellt. Bei dieser Gelegenheit zeichnete Rahbek sich sowohl durch seinen außerordentlichen Eifer für den Dienst, wie durch seine Unbeholfenheit aus, die sich besonders beim Marschiren zeigte, wenn er bei feierlichen Gelegenheiten als Lieutenant mit dem Säbel in der Hand marschirte.

Ich wurde gleich Unteroffizier, und kurze Zeit darauf Sergeant und Fahnenjunker beim ersten Bataillon. Meine ästhetische Preisabhandlung und einige im „Zuschauer“ und in der „Charis“ abgedruckte Gedichte verschafften mir vielleicht die Stimmen zu dieser Wahl; denn ich hatte nur wenige persönliche Bekanntschaften unter den Studenten gemacht.

Das Lied vom braven Manne.

Ein seltsames Ereigniß muß ich erzählen, das zu dieser Zeit eintraf. Ich hatte Bürgers „Lied vom braven Manne“ gelesen, es begeisterte mich, und ich übersetzte es in's Dänische. Gerade als ich es beendigt hatte, trat L. Kruse in mein Zimmer. Ich frage: „Was giebt's Neues?“ — „„Hast Du nichts von dem heftigen Sturme heute Nacht gemerkt?““ — „Nein, ich habe ruhig geschlafen.“ — „„Es ist gewiß viel Unglück auf dem Meere geschehen,““ fuhr Kruse fort — „„aber ein Unglück wenigstens ist durch den Heldenmuth eines Seemanns verhindert worden. Die Leute auf einem gestrandeten Schiffe, weit draußen auf der Rhede, konnten sich nicht retten; tausend Menschen standen auf der Zollbude, keiner wagte sich hinaus. Da kam der GrossirerStaal Hagen, und versprach Demjenigen eine bedeutende Summe, welcher sie retten würde. Der FischerLars Baggespringt in ein Boot, rettet die Schiffbrüchigen mit Lebensgefahr, und bittet den Kaufmann, diesen das Geld zu geben; selbst wolle er nichts haben.““ — „Nein!“ — rief ich aus — „das ist zu seltsam!“ — „„Was meinst Du?““ — „Da liegt die ganze Geschichte poetisch beschrieben auf dem Tische! Ich brauche nur die Namen und einige Nebenumstände zu verändern.“ Ich erzählte nun Kruse den Zusammenhang, und er war eben so erstaunt wie ich. Das Gedicht wurde gedruckt und gefiel; aber den wunderbaren Zufall verschwieg ich, aus Furcht, daß man ihn für erdichtet halten würde. Viele Jahre später habe ich das Ereigniß in meinen gesammelten Gedichten, in dem kleinen Gedichte „die Vorahnung,“ welches der RomanzeLars Baggefolgt, erzählt.

Der ehrwürdige alte Tode war Rector in dem Jahre, wo ich Student wurde; er hatte meine kleinen Gedichte gelesen, und besonders hatte Lars Bagge ihm gefallen. In einem kleinen Gedichte, das er mir für mein Siofna gab, hat er mir zuviel Lob gespendet; unter Anderm stand da:

„Das Volk wird Dich preisenAls Schöpfer so herrlicher Weisen!Lars Bagge besangst Du, die That die ihn ehrt,Dein Lied ist des Retters, des trefflichen, werth.“

„Das Volk wird Dich preisenAls Schöpfer so herrlicher Weisen!Lars Bagge besangst Du, die That die ihn ehrt,Dein Lied ist des Retters, des trefflichen, werth.“

„Das Volk wird Dich preisenAls Schöpfer so herrlicher Weisen!Lars Bagge besangst Du, die That die ihn ehrt,Dein Lied ist des Retters, des trefflichen, werth.“

Ich fand das Lob übertrieben, ließ diese Verse weg, und bat den Verfasser, mir das Streichen derselben zu verzeihen. Aber dies war erst im Jahre 1802, und bereits im Jahre 1800 zeigte er mir väterliche Aufmerksamkeit. — Doch — ich habe ein Lied zu seiner Ehre in Dreier's Klub geschrieben. Als ich ihm nun die zehn Reichsthaler für meinen akademischen Bürgerbrief zahlen wollte, gab er mir dieselben mit den Worten zurück: „Clericus clericum non decimat.“ Dies rührte mich ungemein und gab mir Muth; es war die größte Ehre, die ich bis dahin genossen hatte.

Brief von Baggesen.

Baggesen sandte mir kurz nach der Schlacht vom 2. April einen Brief, angeblich mit Liedern, die jedoch nicht beigefügt waren, welche er mich dem Volke vorzusingen bat. Der Brief lautet folgendermaßen:

Paris, den 13. April.

Mein Freund!

Dir, dem ich meine dänische Lyra hinterließ, sende ich, dem Rachen des Todes entflohen, meinen ersten Seufzer an das Leben in beifolgenden drei Kriegsgesängen für die Vertheidiger Dänemarks.Mein Herz glüht vor Sehnsucht darnach, mit meinen Brüdern zu stehen und zu fallen; aber ich bin gefesselt und krank mit meiner kranken Geliebten.

Dir, dem ich meine dänische Lyra hinterließ, sende ich, dem Rachen des Todes entflohen, meinen ersten Seufzer an das Leben in beifolgenden drei Kriegsgesängen für die Vertheidiger Dänemarks.

Mein Herz glüht vor Sehnsucht darnach, mit meinen Brüdern zu stehen und zu fallen; aber ich bin gefesselt und krank mit meiner kranken Geliebten.

Laß die Kraft und das Feuer Deiner Jugend in die Seele der Dich umgebenden Brüder flammen! Singe ihnen zugleich mit den Deinigen meine Lieder! Laß sie fühlen, daß Baggesen's Geist mitten unter den Flammen bei ihnen ist!Zehn Männer mit Dichtermuth sind in den Augenblicken des Schreckens mehr werth, als hundert Fehde-Prosaisten; hundert todestrotzende Helden dem Feinde gefährlicher, als zehntausend Söldlinge!Laß eine Menge Exemplare, so wie die „Matrosenlieder gedruckt in diesem Jahre“, drucken.Theile Exemplare der „Hymne für die Alumnen“ unter meinen lieben akademischen Mitbürgern aus.Lösche meinen Durst nach Nachrichten durch die erste, zweite und dritte Post.

Laß die Kraft und das Feuer Deiner Jugend in die Seele der Dich umgebenden Brüder flammen! Singe ihnen zugleich mit den Deinigen meine Lieder! Laß sie fühlen, daß Baggesen's Geist mitten unter den Flammen bei ihnen ist!

Zehn Männer mit Dichtermuth sind in den Augenblicken des Schreckens mehr werth, als hundert Fehde-Prosaisten; hundert todestrotzende Helden dem Feinde gefährlicher, als zehntausend Söldlinge!

Laß eine Menge Exemplare, so wie die „Matrosenlieder gedruckt in diesem Jahre“, drucken.

Theile Exemplare der „Hymne für die Alumnen“ unter meinen lieben akademischen Mitbürgern aus.

Lösche meinen Durst nach Nachrichten durch die erste, zweite und dritte Post.

Dein

Baggesen.

Sende mir doch ein Exemplar des ersten Theils. Hiermit bezahle ich zugleich meine Liederschuld an den lieben Dreyer'schen Klub.Grüße Rahbek und Rosing.

Sende mir doch ein Exemplar des ersten Theils. Hiermit bezahle ich zugleich meine Liederschuld an den lieben Dreyer'schen Klub.

Grüße Rahbek und Rosing.

Später erhielt ich noch folgenden Brief:

Paris, den 11. Juli 1801.

Lieber Oehlenschläger!

Ich lebe, meine Frau und meine Kinder leben; ich liebe Sie, und werde Sie immer lieben.Ich habe Ihren freundlichen lieben Brief mit den beigelegten Liedern erhalten; aber ich habe Ihnen seitdem zwei Mal geschrieben. Dies ist das dritte Mal.Ich habe noch kein Exemplar vom ersten Theile, oder meinen Oden erhalten; ich wünschte ein solches doch sehr. Ich kann Brummer nicht begreifen. Er scheint mit dem Absatze zufrieden, wünscht mehr Manuscript, und macht mirdoch die Fortsetzung unmöglich, indem er mir den Anfang nicht sendet. Wie soll ich die Noten ausarbeiten, wenn ich keinen Text habe?Ich habe unaufhörlich, seitdem ich Kopenhagen verließ, bis vor wenigen Tagen unbeschreiblich schlecht gelebt. Mein geliebtes Weib war beständig bettlägerig, meine Kinder ab und zu kränkelnd und ich selbst gefährlich krank. In Bezug auf meine Existenz habe ich unersetzliche Verluste erlitten. Erst jetzt bin ich im Stande zu arbeiten.Ich mußte vomquai Voltairewegen Mangel an frischer Luft nach demhôtel de l'Elisée Bourbon, Rue du Faubourg Nr. 66.ziehen, wo ich nun schön, bequem und so gut, wie auf dem Lande, auf den elyseischen Feldern, wohne.Meiner Frau geht es etwas besser, und ich bin also — viel munterer. Aber —Dania! quid merui? quo te, mea patria, laesi?Noch immer seufze ich vergebens nach eigentlichen Nachrichten. Außer einigen kleinen Briefen habe ich keine Antwort auf meine letzten zwölf Schreiben erhalten.Auch Sie, Oehlenschläger! ertheilen mir sparsam Ihre Grüße.Ich habe mit dieser Post an Brummer geschrieben. Veranlassen Sie ihn doch, mir endlich das mir zukommende Exemplar des ersten Theiles meiner Schriften zu senden. Früher schicke ich wahrhaftig keine Fortsetzung.Wenn es Ihnen möglich ist, so sammeln und senden Sie mir die Blätter, in denen meine Unbedeutenheit, seitdem ich Dänemark verlassen habe, erwähnt ist. Es versetzt mich doch immer ein wenig in meine alte Stellung zurück, und giebt mir eine Illusion literarischer Anwesenheit, deren ich hier, wo kein dänisches Laub oder Blatt sich bewegt, sehr bedarf.Haben Sie meine Ihnen zugesandten Kriegsgesänge dieohne meine Schuld, — denn sie waren vor der Katastrophe in der Mitte Mai gedichtet und hier gedruckt — so ärgerlich zu spät kamen, erhalten?Ich fürchte, daß sie in Kopenhagen, nach Gott weiß welchen Varianten gedruckt, von Fehlern gewimmelt haben.Verzeihen Sie meine Kürze! Ichschreibekurz, aberantwortedesto länger. Schreiben, schreiben, schreiben Sie an

Ich lebe, meine Frau und meine Kinder leben; ich liebe Sie, und werde Sie immer lieben.

Ich habe Ihren freundlichen lieben Brief mit den beigelegten Liedern erhalten; aber ich habe Ihnen seitdem zwei Mal geschrieben. Dies ist das dritte Mal.

Ich habe noch kein Exemplar vom ersten Theile, oder meinen Oden erhalten; ich wünschte ein solches doch sehr. Ich kann Brummer nicht begreifen. Er scheint mit dem Absatze zufrieden, wünscht mehr Manuscript, und macht mirdoch die Fortsetzung unmöglich, indem er mir den Anfang nicht sendet. Wie soll ich die Noten ausarbeiten, wenn ich keinen Text habe?

Ich habe unaufhörlich, seitdem ich Kopenhagen verließ, bis vor wenigen Tagen unbeschreiblich schlecht gelebt. Mein geliebtes Weib war beständig bettlägerig, meine Kinder ab und zu kränkelnd und ich selbst gefährlich krank. In Bezug auf meine Existenz habe ich unersetzliche Verluste erlitten. Erst jetzt bin ich im Stande zu arbeiten.

Ich mußte vomquai Voltairewegen Mangel an frischer Luft nach demhôtel de l'Elisée Bourbon, Rue du Faubourg Nr. 66.ziehen, wo ich nun schön, bequem und so gut, wie auf dem Lande, auf den elyseischen Feldern, wohne.

Meiner Frau geht es etwas besser, und ich bin also — viel munterer. Aber —

Dania! quid merui? quo te, mea patria, laesi?Noch immer seufze ich vergebens nach eigentlichen Nachrichten. Außer einigen kleinen Briefen habe ich keine Antwort auf meine letzten zwölf Schreiben erhalten.

Auch Sie, Oehlenschläger! ertheilen mir sparsam Ihre Grüße.

Ich habe mit dieser Post an Brummer geschrieben. Veranlassen Sie ihn doch, mir endlich das mir zukommende Exemplar des ersten Theiles meiner Schriften zu senden. Früher schicke ich wahrhaftig keine Fortsetzung.

Wenn es Ihnen möglich ist, so sammeln und senden Sie mir die Blätter, in denen meine Unbedeutenheit, seitdem ich Dänemark verlassen habe, erwähnt ist. Es versetzt mich doch immer ein wenig in meine alte Stellung zurück, und giebt mir eine Illusion literarischer Anwesenheit, deren ich hier, wo kein dänisches Laub oder Blatt sich bewegt, sehr bedarf.

Haben Sie meine Ihnen zugesandten Kriegsgesänge dieohne meine Schuld, — denn sie waren vor der Katastrophe in der Mitte Mai gedichtet und hier gedruckt — so ärgerlich zu spät kamen, erhalten?

Ich fürchte, daß sie in Kopenhagen, nach Gott weiß welchen Varianten gedruckt, von Fehlern gewimmelt haben.

Verzeihen Sie meine Kürze! Ichschreibekurz, aberantwortedesto länger. Schreiben, schreiben, schreiben Sie an

Ihren

Baggesen.

Meine Frau grüßt Sie tausend Mal, und ich grüße unbekannter Weise tausend Mal Ihre Freundin.

Meine Frau grüßt Sie tausend Mal, und ich grüße unbekannter Weise tausend Mal Ihre Freundin.

Exercierübungen.

Es schien nicht, daß wir ferner einen feindlichen Ueberfall zu fürchten hätten; aber unruhig waren die Zeiten noch, und Waffenübungen machten arge Eingriffe in meine nächtliche Ruhe, deren ich in diesen Jahren, wo ich noch wuchs, zu bedürfen glaubte. Jeden Morgen um 6 Uhr mußten wir in dem kalten Märzmonat auf der Reitbahn am Christiansburger Schlosse sein, um Exercitien zu lernen. Als Sergeant mußte ich meiner Compagnie mit gutem Beispiele vorangehen, zuerst auf dem Platze sein, wenn die Uebungen beginnen sollten, und alle Namen aufrufen. Aber dann war auch die Arbeit vorüber, denn wir Unteroffiziere exercirten nicht mehr, und deßhalb fror uns auch am meisten. Verschiedene Scherze, die vorfielen, und für den Augenblick das Zwergfell erschütterten, konnten uns doch nicht lange warm halten; einige davon waren drollig genug.

So war z. B. in unsere Compagnie, die, wie die anderen, größtentheils aus lauter schlanken Jünglingen bestand, ein großer fetter Gastwirth gekommen, der sein Recht als alter Baccalaureus geltend machte, weil er lieber im Studentencorps, als im Brandcorps oder einem andern bürgerlichen Corps dienenwollte, wo er größeren Strapazen ausgesetzt zu sein fürchtete. Er war ein witziger, lustiger Kopf, aber er konnte es nicht leiden, wenn man auf seine Dicke stichelte, und er stand wie eine Art Falstaff unter uns. Der Major, der uns einexercirte, war ein muntrer Kriegsmann, der gern mitunter einen Scherz machte. Wenn er nun commandirt hatte: „Richt't Euch!“ so hieß es oft hinterdrein zu dem corpulenten Flügelmann: „Den Bauch 'nein, lieber Freund!“ Nun zog der Flügelmann den Bauch ein. Darauf untersuchte der Major die Rückseite der Linie, und dann hieß es wieder: „den Hintern 'nein, lieber Freund!“ — Nun wurde der dicke Flügelmann ungeduldig und rief: „Aber um Gotteswillen, wie soll ich mich denn drehen und wenden? Ich kann doch nicht in mich selbst hineinkriechen, und zum Theil verschwinden. Mein Körper muß doch seinen nothwendigen Kubikinhalt haben.“ Nun lachte die ganze Compagnie, und das war es gerade, was der Major und der Flügelmann wollten.

Der Generalmarsch.

Wenn der Wirth hier den Falstaff spielte, so fand ich selbst mich bald darauf in einer nächtlichen Scene als Don Quixote. Ich war eines Abends sehr früh zu Bett gegangen, weil ich durch die vielen Morgendienste ermüdet worden war. Wie ich gerade im süßesten Schlummer liege, werde ich plötzlich durch eine Trommel geweckt. Nun war uns in den ersten Tagen bei der Parole gesagt, daß wir uns augenblicklich, so wie Generalmarsch geschlagen würde, bewaffnen und auf der Reitbahn versammeln sollten, denn dann war entweder der Feind im Lande, oder die Stadt wurde bombardirt. Kaum hörte ich also die Trommel, als ich rief: „Nun ist die Stunde gekommen! Es gilt den König und das Vaterland! In Gottes Namen, unverzagt!“ Ich hatte bereits die Strümpfe, Beinkleider und Stiefeln an, und wollte mich eben mit dem Schwerte umgürten, — als es wieder trommelte, und ich hörte, daß es derZapfenstreich sei, der jeden Abend durch die Straße ging. — Ach, mit welch seligem Gefühle schlüpfte ich wieder in's Bett, und überließ mich einem ungestörten Schlummer.

Erleichterungen im Dienste.

Früher hatten wir fast Alle nüchtern den Dienst thun müssen, denn die Meisten von uns konnten keine Erquickung zu so früher Stunde erhalten; aber nun wurde ein Marketender in den Colonnaden an der Reitbahn angestellt, bei dem man sich etwas zu Gute thun, und einen Zwieback und eine Tasse Thee bekommen konnte, wenn man zwei Schillinge hatte. (Ich hatte sie nicht immer). Freilich war der Thee so schwach, daß man ihn fast nicht schmecken konnte, und auch vom Zucker merkte man nicht gerade viel; aber für die Hauptsache war gesorgt, denn das Milchwasser war kochend heiß, und so konnte man sich doch wenigstens innerlich erwärmen.

Ein Glück kommt selten allein. Als ich eines Morgens umherging und in die königlichen Ställe blickte, während die Compagnieen excercirten, entdeckte ich einen leeren Stand mit einem Haufen frischen Strohs, wo ich fand, daß wir Sergeanten vortrefflich schlafen könnten, wenn wir die Namen verlesen hätten. Kaum hatte ich meinen Kameraden diese Entdeckung mitgetheilt, als wir einen Augenblick später auf dem Strohe lagen, wie beim Homer des Proteus flossenfüßige Seehunde auf dem Sande. Von diesem Tage an schliefen wir jeden Morgen in dem warmen Stroh, nachdem wir erst unsern heißen Thee getrunken hatten.

Bei der Fahnenweihe waren die Studenten auf dem Platz vor Amalienburg versammelt. Die Offiziere und Unteroffiziere kamen in die Zimmer zur königlichen Familie hinauf. Die Fahnen lagen auf dem Tische, und der Fahnenschmied stand dabei. Zuerst reichte er dem Kronprinzen einen Nagel; Se. Königl. Hoheit schlug ihn ein; darauf die Kronprinzessin, die ganze Königl. Familie, und endlich, nachdem der Chef und dieOffiziere ihre Nägel eingeschlagen hatten, kam auch die Reihe an uns Sergeanten. Als die Fahnen fertig waren, trugen wir Fahnenjunker sie zu den Bataillonen hinab, wo der Eid geleistet und ein kecker Thaarup'scher Gesang nach einer schönen Melodie des alten Zinck abgesungen wurde.

Feldmanoeuvres.

Die Nachmittags-Manoeuvres auf dem Felde waren amüsant, wenn das Wetter schön war. Dann zogen wir mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen durch die Straßen, während die jungen Mädchen in den Fenstern standen, um ihre Geliebten oder Brüder vorübergehen zu sehen. Wir gaben uns dann alle Mühe, um in geraden Gliedern zu marschiren. Und der Marschall ritt voran, mit seinem Stern auf der Brust, und bei feierlichen Gelegenheiten mit dem Ordensbande über der blauen Uniformjacke.

Doch Horaz und Baggesen sagen:

„Naturam furca pellas ex,Sie kommt doch wieder, die arge Hex'.“

„Naturam furca pellas ex,Sie kommt doch wieder, die arge Hex'.“

„Naturam furca pellas ex,Sie kommt doch wieder, die arge Hex'.“

Es war nicht so leicht, die lebhaften Jünglinge Alle in Ordnung zu halten. So hatten wir einmal den Verdruß, daß einige Kameraden, in den letzten Gliedern, mitten auf der Straße stehen blieben, um Aepfel von einer Fruchthändlerin zu kaufen. Noch größeren Aerger hatte man mit halbgebildeten Soldaten, welche verlangten, daß der Offizier ihnen den Grund zu alle Dem sagen solle, was commandirt wurde, und die noch nicht begreifen konnten, daß zur Kriegszucht der augenblickliche Gehorsam gehört.

Eines Nachmittags übten wir uns auf dem Felde im Schießen. Ein junges Blut hatte sein Gewehr geladen, aber es vergessen, den Ladestock wieder aus dem Lauf zu ziehen, und stand nun, mit der freundlichsten Miene von der Welt, und zielt auf den Marschall. Glücklicherweise bemerkte dieser es bei Zeiten, schlug das Gewehr bei Seite und rief: „MeinHerr! Wenn Sie Ihr Gewehr geladen haben, sollen Sie den Ladestock herausziehen.Ich will Ihnen den Grund sagen: Weil Sie sonst den Anführer durch den Leib schießen!“

Diese geniale Gedankenlosigkeit, die sich, wie man behauptet, besonders der Künstler und Gelehrten bemächtigt, und zu deren Ehre Baggesen eine Ode geschrieben hat, hatte sich auch einige Mal meiner bemächtigt. Wir sollten Carré formiren; der Anführer ruft dann: „Bataillon“; der Fahnenjunker läuft acht Schritte vor, und nach ihm bildet sich die Colonne. Der Marschall rief also: „Bataillon“! Aber ich stand in Betrachtungen vertieft, und rührte mich nicht von der Stelle. Plötzlich hörte ich ihn rufen: „Oehlenschläger!“ Erschreckt erwache ich, laufe zwölf, vierzehn Schritte vor, um das Versäumte wieder gut zu machen, und das ganze Bataillon hinter mir her.

Ein andres Mal hatte ich den Fahnengurt umzuhängen vergessen; ich mußte die Fahne die ganze Zeit hindurch nur mit den Händen tragen; gerade deßhalb, glaube ich, blies ein heimtückischer Sturm den ganzen Nachmittag, und der noch schwächliche Fahnenjunker wäre fast umgeworfen worden.

Zu unseren Märschen und Uebungen hörten wir immer schöne Musik. Die Mitglieder der königlichen Kapelle hatten sich selbst angeboten, unsere Hautboisten für das erste Bataillon zu sein. Das zweite Bataillon bekam die Hautboisten der Leibgarde. Komisch war es im Anfange, wie die Virtuosen der Kapelle es diesen nicht gleich machen konnten, weil sie nicht darin geübt waren, unter freiem Himmel im Gehen zu blasen; vielleicht auch, weil Einige, die gewöhnt waren, Violine und Baß zu spielen, sich auf Blaseinstrumenten versuchten. Aber es währte nicht lange, so hatten sie den Handgriff weg.

An einem schönen Sommertage, als das Vaterland wieder Frieden hatte, wurden wir Sr. Königlichen Hoheit dem Kronprinzen vorgestellt. Er war mit unseren Fortschritten zufrieden, und lobte uns. Wir wurden auf dem Felde mit Wein undBackwerk tractirt. Junge Damen aus der Stadt kamen heraus und tanzten auf dem Felde mit den Studenten. Die Alten standen in großen Kreisen als frohe Zuschauer umher. Alles war nun Lust und Freude!

Friedliche Beschäftigungen.

Nun kehrten wir zu unseren friedlichen Beschäftigungen zurück. Ich kam jeden Tag zu meinem Freunde und Leiter A. S. Oersted; das dänische Recht hatte ich repetirt, das Naturrecht ebenso, aber das römische Recht war noch durchzumachen. Collegien besuchte ich nicht mehr viel, doch hörte ich einige Mal Schlegel. Mit Oersted's aß ich Mittags bei ihrer Tante, Madame Möller; dort saßen die jungen Gelehrten und Schöngeister von einem Haufen Bürgersleuten umringt, die uns oft lebhaft an die Personen in Holberg's Comödien erinnerten. Oft las — oder richtiger gesagt — spielte ich fast ein ganzes Stück von Holberg mit veränderter Stimme zur Unterhaltung vor dieser gemischten Gesellschaft. Besonders amüsirte mich in diesem Kreise der alte pedantische Schullehrer, der Erste, der mich davon überzeugte, daß eingewurzelte Lächerlichkeit nicht durch Comödien geheilt werden könne. Wir führten nämlich einmal wirklich den Erasmus Montanus auf; ich gab den Küster Peer und copirte den Schulmeister so gut, daß die ganze Gesellschaft ihn wieder erkannte. Er war auch gegenwärtig, erkannte aber meine Copie nicht, da er sein eignes Original nicht kannte. Er war sehr zufrieden mit meinem Spiel, als das Stück beendet war, und lobte Holberg, der so gut unwissende, bornirte Pedanten geschildert habe.

Privat-Theater.

Ein norwegischer Student Bull, später Justitiarius in Norwegen, sollte im Hause mit mir zusammen wohnen; wir vereinigten uns, und Madame Möller überließ uns noch den Saal neben meiner Kammer. Sie fand sich gern darein, daß wir zuweilen Comödie spielten, und gab mir selbst die Bettlaken, die ich dann mit kleinen Nägeln an den Fenstern festmachte, um gegendas Frühjahr hin ein künstliches Dunkel aus dem Theater hervorzubringen. Nur ein Mal, als wir „Liebe ohne Strümpfe“ spielten und das Stück etwas stockte, weil Jesper seine Rolle nicht konnte, und ich, als Mads, in der Verzweiflung, um die Pause auszufüllen, das neue Psalmenbuch hervornahm und in meinem jugendlichen Uebermuthe zu singen anfing: „Wenn uns die höchste Trübsal naht!“ tadelte sie uns auf eine gutmüthige, mütterliche Weise, indem sie zu den Anderen sagte: „Sie lachen selbst darüber!“

Während einer der Proben zu diesen Vorstellungen wurde ein Glasarm von einem Kronleuchter abgeschlagen. Eine alte Frau, die im Hause wohnte, bezahlte einen Thaler, um einen neuen anzuschaffen, wollte aber, daß ich als Director ihr dieses Geld wiedergeben solle. Da ich nun nicht das Unglück angerichtet und niemals einen Schilling übrig hatte, ließ ich sie mich vergebens mahnen; und es amüsirte uns Alle, wenn sie täglich über Tisch auf mich wegen des Thalers stichelte, den sie gut zu haben glaubte. Die arme Frau hatte viele Jahre darauf ein trauriges Schicksal; denn sie fiel eines Tages vom Stuhl, als sie ihr Mittagsschläfchen halten wollte, und dies wurde ihr Tod.

Oersted's assistirten auch, wenn wir Comödie spielten, aber das ist nicht ihr Fach; besonders hatte A. Oersted kein Geschick dazu, selbst zu kleinen Rollen konnte ich ihn nicht gebrauchen; und als ich ihm einmal den Mathias in den Jägern einstudirt und gesagt hatte: „Nun kommst Du, die Hände nachlässig auf dem Rücken, herein“, hatte er sie so in einander verschlungen, daß er sie beinahe nicht wieder auseinander gebracht hätte.

In Madame Möller's Hause wohnte eine alte taube Frau, die ihre ganze Liebe auf einen Schooshund geworfen hatte. An einem warmen Sommertage sperrte ich den Hund in den kühlen Ofen ein. Sie konnte ihn nicht bellen hören, ging umher und suchte vergebens. Endlich befreite ich den Hund in ihrer Gegenwart aus seinem Gefängnisse. Die alte Frau wurde sehr böse,obgleich wir sonst die besten Freunde waren, und sagte: „Das rathe ich Ihnen, daß Sie mir nicht wieder den Hund zum Narren halten!“

Man sieht, daß die Lust, Comödie zu spielen, bei mir von Neuem erwachte, als ich mein eigner Herr geworden war und ich es zu meinem Vergnügen thun konnte; ich trat auch in Borup's Gesellschaft ein, spielte aber nicht oft dort, sondern größtentheils nur in häuslichen Kreisen, wo ich selbst der Geist des Ganzen sein konnte.

Die Gebrüder Mynster.

In Dreyer's Klub war eine große Punschbowle, die bei gewissen feierlichen Gelegenheiten geleert wurde. Zu diesen Trinkgelagen waren die meisten guten Trinklieder, namentlich Rahbek's, verfaßt. Ich war eine Zeitlang oft Vorsänger und trank mit den Anderen, obgleich das Trinken niemals meine Sache war; aber die begeisternde Geselligkeit und der Gesang erfreuten mich. Auf diese Weise kam ich auch in eine nähere Bekanntschaft mit mehreren älteren, ausgezeichneten Männern, welche ich sonst nicht sobald oder nicht so genau kennen gelernt haben würde. Unter diesen waren dieGebrüder MynsterundBentzon. Der Doctor, später Professor, Ole Hieronymus Mynster, war ein Jahr vorher mein Lehrer in der Naturgeschichte in der Schule für die Nachwelt gewesen. Ein vortrefflicher Kopf, voll von Humor, Verstand und Witz, ebenso wie sein Bruder, der jetzige Bischof Jakob Peter Mynster; doch war dieser stiller und gelehrter. Meine erste Bekanntschaft mit Jakob war gleich heilend, wenn auch für den Augenblick schmerzlich. Wir trafen, wie gesagt, in Dreyer's Klub zusammen, wo die Rede auf meinen Held Lafontaine kam, den Mynster so stark und scharf tadelte, daß mir die Thränen in die Augen kamen. Er hat mir später erzählt, daß es ihm herzlich leid that, als er sah, wie tief es den armen jungen Menschen schmerzte, dessen Gesicht er gleich gern mochte. — Indessen riß er mir das Band von den Augen,und überzeugte mich, daß in den Lafontaine'schen Romanen nicht Das lag, was ich bisher darin zu finden geglaubt hatte. Bentzon, der kurz darauf Regierungsrath und später Generalgouverneur in Westindien wurde, war ein junger, kräftiger Mann, obgleich er hinkte. Er hatte ein schönes Gesicht, seltene Kenntnisse, viel Scharfsinn, aber kein feines Gefühl. Er war übrigens im Umgange lebenslustig, freundlich gegen seine Freunde, bewunderte jedes Talent, achtete jede Tüchtigkeit. Gegen die Mittelmäßigkeit war er unbarmherzig, grob gegen die Eingebildetheit, im Ganzen genommen etwas arrogant, und in späterer Zeit etwas geizig. Was Wunder, daß er Feinde zu Dutzenden bekam, besonders als er durch Schimmelmann in jungen Jahren sein Glück machte. Aber er kümmerte sich nicht sehr darum.

Er war jedoch nicht ohne Eitelkeit, besonders verdroß es ihn, daß er hinkte; und obgleich er lächelte, wenn O. H. Mynster auf seine scherzende Weise sagte: „Da kommt der lahme Bentzon!“ ärgerte es ihn doch. — Da er aber gewöhnlich so hochfahrend war, freute es uns, ihn auf diese Weise etwas zu demüthigen. Eines Tages ging ich mit ihm vor dem Thore spazieren. „Oehlenschläger!“ sagte er, „sage mir aufrichtig, hinke ich sehr? ist es sehr zu bemerken?“ — „„Nein!““ entgegnete ich, „„wenn Du still stehst, merkt man fast gar Nichts.““ Diesen Zug habe ich später in meinem FragmentKnud Lavardbenutzt.

Bentzon.

Bentzon hatte ein paar Jahr vor unserer Bekanntschaft eine ästhetische Preismedaille gewonnen. Er hatte sehr viel Sinn für das Derbe und Tüchtige in der Poesie; das Flache und Trivielle verachtete er. Er verstand gut Griechisch, und liebte die Genialität in den griechischen Werken. Goethe, dessen Geist in seinen späteren Jahren eine antike Richtung genommen hatte, bewunderte Bentzon besonders in solchen Werken, in denen sich dies aussprach. Sehr viel Gewicht legte er auf folgende Goethe'sche Verse:

Also das wäre Verbrechen, daß einst Properz mich begeistert,Daß Martial sich zu mir auch der Verwegne gesellt;Daß ich die Alten nicht hinter mir ließ, die Schule zu hüten;Daß sie nach Latium gern mir in das Leben gefolgt;Daß ich Natur und Kunst zu schauen mich treulich bestrebe;Daß kein Name mich täuscht, daß mich kein Dogma beschränkt;Daß nicht des Lebens bedingender Drang mich den Menschen verändert,Daß ich der Heuchelei dürftige Maske verschmäht?Solcher Fehler, die Du, o Muse! so emsig gepflegetZeihet der Pöbel mich; Pöbel nur sieht er in mir.

Also das wäre Verbrechen, daß einst Properz mich begeistert,Daß Martial sich zu mir auch der Verwegne gesellt;Daß ich die Alten nicht hinter mir ließ, die Schule zu hüten;Daß sie nach Latium gern mir in das Leben gefolgt;Daß ich Natur und Kunst zu schauen mich treulich bestrebe;Daß kein Name mich täuscht, daß mich kein Dogma beschränkt;Daß nicht des Lebens bedingender Drang mich den Menschen verändert,Daß ich der Heuchelei dürftige Maske verschmäht?Solcher Fehler, die Du, o Muse! so emsig gepflegetZeihet der Pöbel mich; Pöbel nur sieht er in mir.

Also das wäre Verbrechen, daß einst Properz mich begeistert,Daß Martial sich zu mir auch der Verwegne gesellt;Daß ich die Alten nicht hinter mir ließ, die Schule zu hüten;Daß sie nach Latium gern mir in das Leben gefolgt;Daß ich Natur und Kunst zu schauen mich treulich bestrebe;Daß kein Name mich täuscht, daß mich kein Dogma beschränkt;Daß nicht des Lebens bedingender Drang mich den Menschen verändert,Daß ich der Heuchelei dürftige Maske verschmäht?Solcher Fehler, die Du, o Muse! so emsig gepflegetZeihet der Pöbel mich; Pöbel nur sieht er in mir.


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