Mozart! stehst Du dort ein König, schön im Bronce, groß,An dem Ort, wo Du geboren, wo so klein Dein Loos?Als Du lebtest, Wen'ge kannten Dich, der oft verkannt;So verwechselt stets der Haufe Glas mit Diamant!Heiße Thränen muß ich weinen. Ach, nach Deinem TodBauten sie Dir diese Säule, Dankbarkeit gebot;Sie ließ Deinen Namen steigen aus dem trüben Dunst;Denn Natur ist ew'ge Schwester von der ew'gen Kunst.Mozart! mein geliebter Bruder! Ach — ein schwach GedichtWeih' ich Dir. Mit Augen sah ich Dich im Leben nicht;Aber meine Ohren hörten, und mein Herz empfand! —Nord und Süd? Wir hatten beide docheinVaterland.Dank für Deine schönen Töne! Wie ein Zauber fälltDeiner Flöte Lieder in Aladdin's Zauberwelt.Melpomene hört' ich warnen in Erinnyenklang,Als den schönen frechen Sünder Höllenglut verschlang.Und die Lust des heitern Lebens, bunt und leicht und froh,Als zum Ideal erhoben Frankreichs Figaro,Hört' ich staunend — und der Liebe zarte Tändelei,Als Susanna Du, Zerlina, rufest hold herbei.Und wo Deine Lieder tönten, stark und süß und weich,Wolfgang Amadeus Mozart! kannten wir Dich gleich.O wie oft hast Du entzücket Nordens Dichterherz!Und nun steh' ich hier und weine vor dem kalten Erz.Freut Euch Oesterreich und Salzburg! Stolz wohl könnt Ihr sein,Weimar trägt nicht größre Namen auf dem Leichenstein.Wie in Mekka, in Medina treu der Pilger steht,Andachtsvoll neig' ich mich dankbar vor dem Tonprophet!
Mozart! stehst Du dort ein König, schön im Bronce, groß,An dem Ort, wo Du geboren, wo so klein Dein Loos?Als Du lebtest, Wen'ge kannten Dich, der oft verkannt;So verwechselt stets der Haufe Glas mit Diamant!Heiße Thränen muß ich weinen. Ach, nach Deinem TodBauten sie Dir diese Säule, Dankbarkeit gebot;Sie ließ Deinen Namen steigen aus dem trüben Dunst;Denn Natur ist ew'ge Schwester von der ew'gen Kunst.Mozart! mein geliebter Bruder! Ach — ein schwach GedichtWeih' ich Dir. Mit Augen sah ich Dich im Leben nicht;Aber meine Ohren hörten, und mein Herz empfand! —Nord und Süd? Wir hatten beide docheinVaterland.Dank für Deine schönen Töne! Wie ein Zauber fälltDeiner Flöte Lieder in Aladdin's Zauberwelt.Melpomene hört' ich warnen in Erinnyenklang,Als den schönen frechen Sünder Höllenglut verschlang.Und die Lust des heitern Lebens, bunt und leicht und froh,Als zum Ideal erhoben Frankreichs Figaro,Hört' ich staunend — und der Liebe zarte Tändelei,Als Susanna Du, Zerlina, rufest hold herbei.Und wo Deine Lieder tönten, stark und süß und weich,Wolfgang Amadeus Mozart! kannten wir Dich gleich.O wie oft hast Du entzücket Nordens Dichterherz!Und nun steh' ich hier und weine vor dem kalten Erz.Freut Euch Oesterreich und Salzburg! Stolz wohl könnt Ihr sein,Weimar trägt nicht größre Namen auf dem Leichenstein.Wie in Mekka, in Medina treu der Pilger steht,Andachtsvoll neig' ich mich dankbar vor dem Tonprophet!
Mozart! stehst Du dort ein König, schön im Bronce, groß,An dem Ort, wo Du geboren, wo so klein Dein Loos?Als Du lebtest, Wen'ge kannten Dich, der oft verkannt;So verwechselt stets der Haufe Glas mit Diamant!Heiße Thränen muß ich weinen. Ach, nach Deinem TodBauten sie Dir diese Säule, Dankbarkeit gebot;Sie ließ Deinen Namen steigen aus dem trüben Dunst;Denn Natur ist ew'ge Schwester von der ew'gen Kunst.Mozart! mein geliebter Bruder! Ach — ein schwach GedichtWeih' ich Dir. Mit Augen sah ich Dich im Leben nicht;Aber meine Ohren hörten, und mein Herz empfand! —Nord und Süd? Wir hatten beide docheinVaterland.Dank für Deine schönen Töne! Wie ein Zauber fälltDeiner Flöte Lieder in Aladdin's Zauberwelt.Melpomene hört' ich warnen in Erinnyenklang,Als den schönen frechen Sünder Höllenglut verschlang.Und die Lust des heitern Lebens, bunt und leicht und froh,Als zum Ideal erhoben Frankreichs Figaro,Hört' ich staunend — und der Liebe zarte Tändelei,Als Susanna Du, Zerlina, rufest hold herbei.Und wo Deine Lieder tönten, stark und süß und weich,Wolfgang Amadeus Mozart! kannten wir Dich gleich.O wie oft hast Du entzücket Nordens Dichterherz!Und nun steh' ich hier und weine vor dem kalten Erz.Freut Euch Oesterreich und Salzburg! Stolz wohl könnt Ihr sein,Weimar trägt nicht größre Namen auf dem Leichenstein.Wie in Mekka, in Medina treu der Pilger steht,Andachtsvoll neig' ich mich dankbar vor dem Tonprophet!
Auch Heydn liegt hier begraben. Es sind hier gleichfalls viele herrliche Denkmäler des Alterthums, unter andern einein den Felsen gemauerte Höhle, die dem ersten Eremiten im vierten Jahrhundert gehört hat. Der jähe Fels erstreckt sich bis an die Häuserreihe der Stadt. Aber ich will nicht in detaillirte Beschreibungen verfallen — das thun Andere viel besser als ich — aus bereits gedruckten Büchern. Auch will ich nicht Veranlassung nehmen, die Geschichte Becker's oder eines Andern abzuschreiben. Ihr sollt mich in meinen Briefskizzen ganz und gar so erblicken, wie ich alter poetischer Knabe in meinem fünfundsechzigsten Jahre zu guter Letzt durch Deutschland und Frankreich u. s. w. wandere. Wie ich auch immer mehr und mehr dieses hochweise Kritisiren hasse! Nein! wie ein Kind gehe ich wiederum jetzt hier in München und erstaune, freue mich und werde von den unsterblichen Kunstwerken hingerissen, welche die Welt und künftige Zeiten dem Kunstenthusiasmus eines Königs zu danken haben. Ich bin kein Kritikaster, wenn man mir auch einen Fehler an Sachen zeigen will, die ihre großen Schönheiten besitzen; einen solchen Fehler hinterher zu entdecken ist leicht; aber fast unmöglich ihm da zuvorzukommen, wo so viel Großes und Herrliches plötzlich, wie durch einen Zauberschlag entsteht. Ich lasse mich auch nicht auf bürgerliche, wenn auch gegründete Klagen über einseitige Richtungen ein, unter welchen das Ganze leidet. Gott weiß es, daß Keiner seinen Nächsten mehr als ich liebt; aber ich weiß auch, daß lange Zeiten verstrichen, in welchen das Spießbürgerthum auf Kosten der Kunst und alles höheren Geistigen blühete; wenn jetzt vielleicht hier das Umgekehrte der Fall ist, so thut es mir leid, aber wenn die Jetztzeit kein Wort mehr zu uns redet, weil sie verschwunden und vergessen sein wird, so stehen diese herrlichen Werke noch für die Ewigkeit da.
Die Kunst in München.
Wir haben die großen Maler Kaulbach und Heß in ihren Ateliers besucht, auch in Schwanthaler's Atelier sind wir gewesen. Er selbst war nach Italien gereist. Was soll ich sagen von diesen herrlichen steinernen, oft marmornen Gebäuden mit ihren Säulen, Fresken und Goldzierrathen, mit ihren Schätzenvon Gemälden und Bildhauerarbeiten. Hier gäbe es ein ganzes Jahr für jeden Tag etwas zu sehen — und wir müssen Alles in wenigen Tagen durchfliegen. Kaulbach und Heß sind große Meister; sie sind Cornelius ebenbürtig. Schwanthaler steht in genialer Production gewiß nicht weit hinter Thorwaldsen. Die Pinakothek besitzt einen großen Reichthum vorzüglicher Gemälde; aber Verschiedenes, das man für Werke Correggio's, Leonardo da Vinci's u. A. ausgiebt, ist schwerlich von diesen Meistern. Ich wunderte mich, als man mir einige kindische Schmierereien von Cimabue und Giotto zeigte; aber Dr. Ernst Förster (Herausgeber des Cotta'schen Kunstblattes) versicherte mir später, es sei nicht von ihnen und zeigte mir Zeichnungen, die er in Italien nach ihnen gemacht hatte, welche ganz anders waren. Der Commissionsrath Waagen, den wir von Berlin und Dresden kannten, erzeigte uns große Freundschaft, begleitete uns täglich auf unsern Wanderungen, und wir haben einen Abend bei ihm verbracht, wo ich meine Dina vorlas. Gestern Abend waren wir bei Förster, dessen freundliche, geistreiche Frau eine Tochter Jean Paul's ist. Es freute mich von seiner Tochter die Worte zu hören: „Er achtete Sie nicht blos als Dichter — erliebteSie.“ Ich habe die Bekanntschaft des berühmten Philologen Thiersch gemacht; er kam mir außerordentlich freundlich entgegen, und als ich unseren Madvig nannte, sagte er: „Der ist unser größte Lateiner.“ — Es kitzelte mich in die Seele hinein, dies zu hören. Unser kleines Dänemark besitzt doch auch Leute, von denen sich jeder in seiner Richtung auszeichnet. Letzthin kam ein alter Mann, um mich zu besuchen; blickte mich mit seinen großen Augen an, und sagte freundlich: „Kennen Sie mich nicht wieder?“ Ich mußte verneinen; er aber erwiderte: „Und ich kannte Sie sogleich — Sie haben sich in den achtundzwanzig Jahren gar nicht verändert“. Es war der Baron Hormayr, der jetzt bairischer Gesandter in Hamburg ist. Er machte mir ein Geschenk mit seinem letzten Werke.
Den 30. Juli.
Gestern hatte man mir zu Ehren eine kleine Stunde außerhalb der Stadt eine Gesellschaft eingeladen und ein Fest veranstaltet, das sehr schön und ehrend war. Ich saß auf derselben Stelle, wo Thorwaldsen bei einer ähnlichen Gelegenheit gesessen hatte. Ein Becher nach dem andern wurde auf dänische und deutsche Bruderschaft geleert und drei Gedichte an mich wurden recitirt.
Heute habe ich das Schloß gesehen. Es ist schön und königlich, und die Hände herrlicher Künstler haben auch für die Ehre deutscher Dichter Sorge getragen: Göthe's, Schiller's, Tieck's, Wieland's. In der That, die Namen Cornelius, Kaulbach, Heß, Schnorr, Schwanthaler sind große Namen und der macht sich selbst nur klein, der sie verkleinern will! — Heute Abend habe ich ein Stück von Töpfer gesehen: „Karl XII. Heimkehr“, das miserabel ging und in welchem Karl XII. von einer Person gespielt wurde, die wie ein altes zahnloses Weib aussah. Morgen reisen wir nach Augsburg, um von dort nach Nürnberg zu gehen.
Augsburg. Nürnberg.
Paris, den 25. August.
Wir verließen einander in München, das sich immer mehr und mehr seines Namens würdig macht, da das Mönchswesen strebt die Oberhand zu gewinnen. Der gute König Ludwig hat so sehr viele schöne katholische Kirchen gebaut, in welchen die großen Künstler Engel und Heilige in übernatürlicher Größe auf goldenem Grunde gemalt haben. Da die Theater jetzt fertig sind, wird er auch in diesen die alten Mysterien aufführen lassen, und deshalb mystificirt er das Volk; ich kann es sonst nicht begreifen; daß es persönliche Bigotterie sein sollte, glaube ich nicht, und politisch ist es auch nicht.
Wir zogen also nach Augsburg, wo wir einen Tag verweilten, von dort alsdann nach Nürnberg, das ich noch nicht aufirgend einer meiner Reisen gesehen hatte. Ich sehnte mich nach dieser mittelalterlichen Stadt, ich gedachte daselbst einige Tage zu verweilen, wie früher in ihrer Schwesterstadt, Florenz, in Italien. Dort hatte ich nur mit Dante, Giotto, Brunelleschi, Benvenuto, Michel Angelo gelebt, hier wollte ich es nur mit Albrecht Dürer, Willibald Pirkheimer, Hans Sachs. Aber — der Mensch denkt, Gott lenkt. In Florenz stahl mir der Wirth einige Louisd'or; hier bekam ich einen unerwarteten Besuch von meinem alten, langweiligen Verwandten, den ich aber der Verwandtschaft wegen nicht die Thüre weisen konnte — mein guter, ehrwürdiger Herr Podagra. Ich war des Nachts im feuchten Wetter gereist und deshalb nahm Herr Podagra Veranlassung, mich mit seinem Besuche zu beehren, der eben so lange dauerte, als Gott brauchte um die Welt zu erschaffen, nämlich sechs volle Tage, während welcher ich im Wirthshause sitzen und mich langweilen mußte. Glücklicherweise war in Nürnberg doch eine Leihbibliothek. Ich las wiederum O'Meara's Buch über Napoleon, der auf Helena saß, von einem ärgeren Podagra heimgesucht, als das meinige war. — Nach sechstägigem Schiffbruche auf dieser Sandklippe wurde mein Schiff wieder flott, und ich nahm wieder den Wanderstab zur Hand. Ob nun aber das Podagra oder etwas Anderes mich grämlich gemacht hat, — genug, Nürnberg amüsirte mich lange nicht so sehr als das Spielzeug, das ich in meiner Kindheit von dort erhalten hatte. Zwar waren dort viele schöne alterthümliche Gebäude — der herrliche Brunnen auf dem Markte, eine große Menge Bilder aus der alten deutschen Schule; wir fuhren auch nach der Mäusefalle, wo Hans Sachs starb; aber — das kleinliche Philisterthum unserer Zeit, und besonders der Mangel an einer schönen Natur der Umgegend, machte mir den Aufenthalt bis auf einige herrliche Augenblicke unangenehm. Ich sehnte mich außerordentlich, wenigstens in einen schönen Garten hinaus. Unser Lohndiener versicherte uns, daß wir auf der Eisenbahn schnell einen herrlichen Ort erreichen würden — Fürth. Wir befolgten dennauch seinen Rath und kamen — wie soll ichs aber beschreiben? — an einen Ort, wo man unter einigen wenigen niederträchtigen Bäumen kaum einen Schatten von Schatten finde konnte; aber Bier gab es in Fülle. Ich war nahe daran, aus der Haut zu fahren, als ich, während William mit dem Lohndiener umherlief um die Unmerkwürdigkeiten des Ortes zu besehen, allein auf einem Stuhle dasaß mit meinem Seidel vor mir auf einem andern Stuhle (weil der Tisch über alle Beschreibung von Bier pichte) und meine Verzweiflung in Bier ertrank.
Frankfurt.
— — Frankfurt gehört nicht allein dem Mittelalter, sondern auch der jetzigen Zeit und da ich in der jetzigen Zeit lebe, so lebte ich auch etwas auf, als wir hier ankamen. Ich sah das noch schöne Haus, wo Goethe's Eltern gewohnt, und wo es ihm vom Anfange an so gut gegangen war. Nimmer konnte er sagen, daß er sein Brod mit Thränen aß und deshalb kannte er wohl auch nicht ganz „die himmlischen Mächte“, sondern gelangte nicht weiter als bis zu Jupiter, und bildete zuletzt sich selbst ein, er sei ein Jupiter. Aber mit kindlich treuem Gefühl für den großen Dichter betrat ich die Schwelle des Hauses und faßte den Griff der Thüre, den seine junge, kecke Hand so oft erfaßt und dachte: „wäre er immer doch ein frankfurter Doktor geblieben, statt eine weimar'sche Excellenz, so wäre er excellenter gewesen.“ Aber Gott segne ihn für all das Schöne, das er geschaffen und die Freude, die er mir und vielen Andern gewährt hat. Ich sah den alten Rathhaussaal u. s. w. und mein Genuß ward erhöhet, wenn ich dachte: auch diese Dinge haben Goethe's schöne junge Augen erblickt. Hier bekam er die ersten Ideen zu seinem Werther, Götz, Faust. Ich liebe ihn mehr, als ich oft selbst weiß: „O Neigung sage, wie hast du so tief im Herzen dich versteckt? wer hat dich, die verborgen schlief, geweckt? Ja Liebe, du wohl unsterblich bist!“ — Aber ich hätte auch verdient, daß er mich geliebt hätte — und es schmerzt mich bitter, jedes Mal, wenn ich diese Liebe vermisse. Jetzt wäre es doch vorbei gewesen! Und wo ich tiefe Sympathie finde, dafinde ich auch Liebe in seinen Werken. — In der Bildergalerie fanden wir schöne Gemälde von Lessing, der seinem Namen Ehre macht. Auf dem Kirchhofe sahen wir Thorwaldsen's Basrelief in der Bethmann'schen Gruft. — Jetzt ging es also wieder nach Köln auf dem Rheine. Ja, gewiß ist er ein herrlicher schöner Strom und die Ruinen üben eine großartige Wirkung aus. Aber ich vermag nicht mehr die jugendliche Trauer über den Verlust jener Zeit zu theilen, ich kann nicht mit Friedrich Schlegel ausrufen:
Du freundlich ernste, starke Woge,Vaterland am lieben Rheine,Sieh' die Thränen muß ich weinenWeil das Alles nun verloren.Die Burgen, so die Ritter sich erkoren,Traurig aus dem Wasser ragen,Wo in schönen VorzeitstagenHohe Helden muthig lebten,Voll von Ruhm und Ehre strebten u. s. w.
Du freundlich ernste, starke Woge,Vaterland am lieben Rheine,Sieh' die Thränen muß ich weinenWeil das Alles nun verloren.Die Burgen, so die Ritter sich erkoren,Traurig aus dem Wasser ragen,Wo in schönen VorzeitstagenHohe Helden muthig lebten,Voll von Ruhm und Ehre strebten u. s. w.
Du freundlich ernste, starke Woge,Vaterland am lieben Rheine,Sieh' die Thränen muß ich weinenWeil das Alles nun verloren.Die Burgen, so die Ritter sich erkoren,Traurig aus dem Wasser ragen,Wo in schönen VorzeitstagenHohe Helden muthig lebten,Voll von Ruhm und Ehre strebten u. s. w.
Der Rhein.
Die meisten dieser Burgen waren Raubschlösser. Sie sind niemals schöner gewesen, als gerade jetzt. Die Raupe ist aus der Seidenlarve herausgetreten und jetzt kann das poetische Gefühl sich ein schönes Kleid daraus spinnen. — Das Dampfschiff gleitet mit großer Schnelligkeit dahin, besonders, wenn es mit dem Strome geht. Es ist doch eine herrliche Erfindung um von einem Orte zum andern zu gelangen. Allerdings Veranlassung zu Reiseabenteuern giebt sie nicht. Früher, wenn Reisende sich auf einem Schiffe oder einem Postwagen begegneten, war es fast, als wenn Robinsone sich auf einer Insel trafen; jetzt ist es, als wenn Fremde in einer Restauration, bei einem Billard, oder auf einer Promenade zusammentreffen. Aber — Der, welcher fremde Bekanntschaften sucht, findet sie dessenungeachtet; — und jetzt ist man auch nichtgezwungen, Bekanntschaften zu machen, sondern man kann, wenn man will,alleinreisen, selbst mitten in dem großen Getümmel, etwas worauf ich für meinen Theil viel Werth lege.
Köln. Paris.
Und so gelangten wir in Köln an. — Welch ein wunderbares Werk ist doch der Dom! Ein echtes Bild der menschlichen Thätigkeit; das Höchste, das Herrlichste im Verein mit dem Unvollendeten, die schönste Kunst halbfertig. Dieser Chor, den derKetzerFriedrich Wilhelm restauriren, wieder vergolden und malen ließ, ist über alle Beschreibung. Das Wunderbare hier ist nicht das Große, das Kühne; denn das finden wir auch an indischen und egyptischen Gebäuden, und in der römischen Baukunst ging die griechische Schönheit zum Heroisch-Riesenhaften über. Nein, es ist die echte — wie soll ich sie nennen — Humanität, die herab von diesen Säulen und Gewölben lächelt; in dieser Hoheit ist ein süßer himmlischer Friede, eine Sicherheit verborgen, wie in der Seele, wenn sie sich unschuldig und gut fühlt. Nicht die Schwärmerei oder geistige Trunkenheit des Mittelalters haben sie aufgeführt; diese Verhältnisse sind in einer hohen, rein menschlichen Seele entstanden. In dieser religiösen Erhebung ist Sittsamkeit und Tugend. Es ist sonderbar; aber es ist doch wahr! Deshalb ist auch all das Große hier so anmuthig; später, als der Chor fertig war, trieben die Mönche ihr Gaukelspiel. Es ergreift Einem ein sonderbares Gefühl, wenn man in der heiligen Dreikönigsgruft vor Gold, Silber und köstlichen Edelsteinen steht, wo Alles echt ist, nur nicht die heiligen drei Könige. Aber auf den alten Notenpulten liegen die ältesten Notenhefte, Pergamentfolianten. Sie rührten mich mehr, denn die heiligen drei Könige. — —
Paris.
Ueber Lüttich und Brüssel ging es nun nach Paris, aber sonderbar genug, nicht auf Eisenbahnen, sondern auf einer Diligence Tag und Nacht, und nun befanden wir uns denn in dieser merkwürdigen, großen Stadt, wo ich einige Jahre meiner schönsten Jugend verlebt und einige meiner besten Werke geschrieben habe. Wir stiegen im Hotel de Valois ab und begaben uns gleich des Abends in die große Oper, wo wirRobert le diablesahen und gute Sänger hörten. Am nächsten Tage aber hatte das abscheuliche Podagra sich wieder eingefunden,wahrscheinlich aus derselben Ursache wie letzthin, weil ich des Nachts im feuchten Wetter gereist war. Um es etwas besser zu bekommen, wechselten wir gleich das Logis und wohnen jetzt in Rue Richelieu Nro. 3. Hier bin ich nun wieder seit vier Tagen auf den Grund gerathen und zwar dem Theater français gegenüber. Nur zwanzig Schritte vom Eingange muß ich sitzen und sehen, wie die Leute sich auf der andern Seite der Straße in das Schauspielhaus drängen, weil die Rachel spielt. Aber heute befinde ich mich doch besser; die Sonne scheint, das Wetter scheint gut zu werden und es wird dann wohl auch bald mit mir gut werden, vielleicht heute noch.
Den 8. October.
Gestern beendete ich „Das Gespenst auf Herluf'sholm“. Und als das Manuscript fertig war, nahm ich es, wie gewöhnlich in die Hand und hielt es in die Höhe, indem ich bei mir selbst sagte: „Da ist wieder eine Arbeit fertig,“ Aber was geschah! Ich fing wie ein Kind zu weinen an und war betrübt, weil es jetzt fertig war und mich verlassen sollte. Ihr werdet sehen, daß es sehr national ist. Die Liebe zum Vaterlande und zu meinen Kindern ist die Ydun, die mich begeistert hat. Jean Paul sagt irgendwo, daß, wenn er einen Roman geschrieben, er oft so von der Heldin desselben eingenommen worden, daß es ihn zuletzt schmerzte, Abschied von ihr zu nehmen. Etwas Aehnliches habe ich oft gefühlt, und dieses Gefühl wird um so inniger im fremden Lande. Das Heimweh, das meine Jugend begleitete, fühle ich noch. Wenn dieses Gefühl, das der Grundton meinerSeeleist, immer die Oberhand gewänne, würde ich in eine krankhafte, schwache Sentimentalität verfallen; aber — da meinGeistkühn, munter und thätig ist, während meine Seele treu ihrer alten Liebe bleibt — solebeich auch noch immer fort, nehme an allem Schönen, Großen und Interessanten, das mir begegnet, Theil. Selbst an einem fröhlichen Mahl in guter Gesellschaft kann ich so vollständigTheil nehmen, wie ein sanguinischer Prälat — und Keiner würde mir ansehen, daß ich vielleicht am Morgen desselben Tages mit Abälard geweint, oder mit Dante die Augenbrauen melancholisch zusammengezogen. Kurz, es geht mir wie dem berühmten französischen Schauspieler Chenard, während der Revolutionszeit im Jakobinerklub. Gewiß, der Dichter muß diese Flexibilität mit dem Schauspieler theilen; sein Vortheil ist nur der, daß sie viel größer und mit mehr Selbstständigkeit verknüpft ist. Das heißt nicht Einseitigkeit, sondern Vielseitigkeit. Diese Vielseitigkeit verbietet ihm es ausschließlich mit irgend einer einzelnen Partei der Zeit zu halten, aber er hält es mit dem Guten bei ihnen Allen in Ewigkeit.
Bild von Paris.Charakter der Franzosen.
Aber, Ihr wollt ein Bild von Paris, so wie es vor meiner Seele steht? Hm — soll es vielleicht so sein wie Goethe's Schilderung des römischen Carnevals? Das ist unmöglich! Weshalb? Weil Goethe's Schilderung Original war, und ich, wenn ich ihm nachahmen wollte, nur eine Copie liefern würde. Doch halt — jetzt geht mir ein Licht auf. — Paris hat sehr hoch hervorragende Schornsteine und Brandmauern; welche in der Entfernung den Häusern ihre Schönheit rauben. Die unterste Etage ist ein fortlaufender, ungeheuer großer, schöner, kostbarer Galanterieladen. Dieser Galanterieladen ist größer als Kopenhagen und besteht nicht allein aus Galanteriewaaren, aus Juwelen, Porzellan, Shawls, Stoffen, sondern auch aus Stiefeln, Würsten, Schinken, ja selbst aus Brennholz und Steinkohlen; denn Alles ist hier galant und nett bis zu einem gewissen Grade, insoweit man von der Straße und dem Laden aus es zu sehen vermag. Die schönste Eleganz ist mit Sicherheit und Annehmlichkeit verbunden. Deshalb die hohen Schornsteine, damit die Kamine nicht rauchen und die Häuser nicht abbrennen. Paris ist und bleibt der Mittelpunkt europäischer Cultur und — Humanität. Ja, es unterliegt keinem Zweifel, daß hier die größtegesellschaftlicheHumanität in Europa zu Hause ist. Guizot (zu dem ich eingeladen gewesen und dermir große Artigkeit und Freundlichkeit erwies) hat ein Buch geschrieben „Cours d'histoire moderne.“ In einem Abschnitte desselbenhistoire de la civilisation en France, vergleicht er die Engländer, Deutschen und Franzosen. Die Engländer lobt er des Reellen, die Deutschen des Ideellen, die Franzosen aber einer Vereinigung beider wegen, wodurch sie der englischen Plumpheit und der deutschen Spitzfindigkeit entgehen. Hierin hat er ohne Zweifel Recht; die Engländer sind tiefer, die Deutschen höher, als die Franzosen — aber wenn eine harmonische Verbindung der Kräfte (welcher die einseitige Virtuosität zum Opfer gebracht werden muß) das am meisten Menschliche ist — denn wir können nicht Alles besitzen — so herrscht auch die Humanität nirgends mehr, als unter dem französischen Volke. Das alte Gerede von der Leichtfertigkeit und Unzuverlässigkeit der Franzosen ist aus der Luft gegriffen. Die größte Tüchtigkeit und Ehrlichkeit findet sich bei Vielen, bei sehr Vielen. Es ist keine kalte Höflichkeit, die den Franzosen zur Artigkeit bewegt, es istbon sens, es ist feines, edles Menschengefühl. Die Franzosen machen einander nichtsofortgroße Aufopferungen, aberwerthut das? Wo ist die deutsche, englische, nordische Tugend, die das thut? Dem ehrlichen Finder wird ein raisonables Douceur versprochen! Die Franzosen besitzen zwar ein selbstbehagliches — wenn man will — eitles Gefühl ihrer Vorzüge — aber sie sind gutmüthig und wirklichbescheiden; das ist mehr, als man von den Norddeutschen sagen kann, bei welchen Einbildung und Neid nicht selten vorkommen. Was den Franzosen besonders noch fehlt, ist die Kenntniß mehrerer Sprachen. Dieserkennensie aber an. Sprachunterricht im Deutschen und Englischen verbreitet sich bei den Kindern, und man findet oft ältere Leute — ich habe mehrere getroffen, — die gut Deutsch sprechen. In einigen Abenden bin ich bei einem General Baron Pellatier eingeladen, dessen eine Tochter den größten Theil von Jean Paul's Hesperus übersetzt hat. Man spricht so viel von französischen Thorheiten in politischerRichtung, man urtheilt aber nach den Oppositionsparteien der Zeitungen. Wo finden sich solche Thorheiten nicht? Es giebt auch hier eine große Masse billiger, vernünftiger Leute, und was nun die französischen politischen Thorheiten betrifft, die geschehen sind, so wollen wir darüber nicht die Nase zu sehr rümpfen! Mit seinem Blute hat Frankreich politische Experimente für ganz Europa gemacht. — Europa hatFrüchtedavon geerntet, und es würde unedel sein, den Nutzen, den man gehabt hat, mit Verachtung zu vergelten. Selbst die gräßliche Schlächterwuth während der Schreckenszeit der Revolution wird als ein Wahrzeichen dastehen, und die Zukunft vor dergleichen Auftritten bewahren und retten. Die Humanität herrscht hier; alle die alten aristokratischen Knaben- und Bubenstreiche liegen wie zerknitterte Papierblumen in dem alten Galanterieladen Faubourg St. Germain, und nur dort vielleicht noch in einem gewissen Zirkel, wenn man allein ist, wird die alte Menuett getanzt. — Aber selbst der französische Adel im Allgemeinen ist gar nicht so aristokratisch. Ich habe Marquis' und Grafen gehört, wie sie untereinander mit diesen alten Formen Spott getrieben. Es ist jetzt in Paris ein allgemeiner Grundsatz, daß in der guten Gesellschaft nur Geist und Talent als hervorragende Eigenschaften zur Geltung gelangen dürfen. Und welche Freiheit hier! Man lebt, wie es Einem beliebt. Klatscherei und Kleinstädterei findet man hier nicht. Alle Pedanterie verschwindet. Ueber Tische spricht man offen, warm und ernst — auch munter und fröhlich — und spaßt und spottet nicht immer (der Grundton der gesellschaftlichen Conversation in Kopenhagen) weil man sich genirt, sein Inneres herauszukehren und die Vertraulichkeit fürchtet, entweder weil man einander nicht traut, oder weil man aller Uneinigkeit entgehen will.
Ihr glaubt wohl, daß ich mich jetzt so in die Franzosen vergafft, daß ich in ihnen nur Götter erblicke. O nein! die Mängel springen ebensosehr in die Augen. So findet man, ungeachtet all der anmuthigen, geschmackvollen Eleganz, die dasLeben schmückt, es angenehmer und gemächlich macht, einen Mangel an höherer Kunst. In der Baukunst und Malerei stehen die Deutschen weit über den Franzosen. Wenn man von den Denkmälern Salzburgs, Münchens, ja selbst Lüttichs kommt — ärgert man sich in Paris an irgend einer Straßenecke eine plumpe steinerne Theaterdecoration mit der häßlichen Wand eines Hauses als Hintergrund zu finden, und dort Molière — ziemlich plump gemacht — über einemSpringbrunnensitzend! Wäre es doch immer noch Lafontaine, so wäre es wenigstens ein Calembourg gewesen. Aber vonneuerenSachen hat Paris auch nicht viel in diesem Genre aufzuweisen, und das ältere leidet zu oft an dem Mangel, den eine sklavische Nachahmung der Griechen verursacht; so z. B. die Madeleinekirche. Pantheon ist ein großes, edles Gebäude; hier ruhen Voltaire und Rousseau; vor achtunddreißig Jahren sah ich ihre hölzernen Sarkophage (sie sollten Stein werden — aber sie sind noch nicht versteinert). In der Kuppel befindet sich ein sonderbares Frescobild von Gros, in welchem viel Schönes mit viel Bizarrem vereinigt ist. Die alten Frankenkönige und Königinnen sind gut, aber Ludwig XVIII. überreicht die Charte geschniegelt und frisirt. Das möchte noch sein, wenn nicht Ludwig XVI. gleichfalls frisirt und geputzt, und gekrönten Hauptes in den Wolken säße, in der Hand einen Palmzweig haltend und singend, wie ein Engel. Cuvier's plump gemachte Statue fand ich im Museum des botanischen Gartens unter lauter ausgestopften und unvernünftigen Bestien. Von den hiesigen Malern ist Horace Vernet ohne Zweifel Derjenige, der sich den großen deutschen Malern am meisten nähert. In der Galerie des Luxembourg sah ich ein Bild von ihm: Raphael mit seinen Jüngern und Michel Angelo, das vorzüglich ist.
Besuch bei Louis Philipp.
Paris, den 8. Februar 1845.
— — Da ich weder die Gewohnheit habe, mich selber hervorzudrängen, noch mich zurückzuziehen, wo es Gelegenheit giebt, ausgezeichnete Menschen kennen zu lernen, so hatte ichfast viertehalb Monate in Paris verbracht, ohne den vielgerühmten König Louis Philipp zu sehen, oder zu sprechen, der nach seinem Besuche in England sich einige Zeit in Eu aufhielt und später nach Saint-Cloud kam. Eines Tages trat unser Minister Herr von Kofs bei mir ein und erzählte, daß Seine Majestät den Wunsch geäußert hätte, mich zu sehen, daß er deshalb mich und William nach Saint-Cloud führen wollte. Herr von Kofs machte uns darauf aufmerksam, daß es eine Auszeichnung sei, sofort zu dem Abendzirkel des Königs zugezogen zu werden. Wir fuhren also am nächsten Abend um acht Uhr nach Saint-Cloud und gelangten auf einer schönen, geheitzten Treppe durch prächtige Zimmer in das Allerheiligste. Hier saß die edle alte Königin mit schneeweißen Haaren an einem großen Tische und legte ganz still für sich mit zwei Spiel Karten Cabala. Die Schwester des Königs, Madame Adelaide, legte auch Cabala mit wenigeren Karten, und die Herzogin von Nemours, sowie die Prinzessin von Joinville, waren mit Handarbeiten beschäftigt. Wir wurden der Königin vorgestellt, die sich sogleich nach dem Befinden unseres Königspaares erkundigte, und sich mit vieler Liebe dessen Aufenthaltes in Paris erinnerte. Darauf stellte uns Herr von Kofs Madame Adelaide vor. Kurz darauf kam ein etwas bejahrter, rascher, starker Mann mit weißem Barte und Haaren, die zu ergrauen begannen, munter und schnell herein. Er war ganz bürgerlich gekleidet, die Uhrkette in ein Knopfloch der Weste eingehängt. Sein Gesicht war frisch und gesund, freundlich und lebhaft. Er grüßte uns als seien wir alte Bekannte gewesen, und leitete sogleich ein Gespräch über Dänemark und Norwegen und seinen dortigen Aufenthalt ein. Er sei in Kopenhagen unter dem Namen „Möller“ gewesen, habe auf dem großen Markte gewohnt, Vahl und Suhm besucht, und sei überhaupt überall herumgewesen. Als ich die Bemerkung machte: „Majestät finden gewiß nicht, wie so viele Franzosen, die es nicht kennen, daß Dänemark ein schlechtes Land ist,“ sagte er: „Es ist ein schönes Land,besonders Fünen; es ist die schönste Insel, die man sich denken kann.“ Er lobte gleichfalls Seeland und Holstein; er erzählte, daß er ein Creditiv auf das Haus de Conink gehabt habe — dasselbe sei nicht groß gewesen. Als er mit einem Schiffer von Kopenhagen abreisen wollte, und keinen Paß hatte, bemerkte ihm dieser: „Sie sind gewiß ein junger Mensch, der dumme Streiche gemacht hat.“ In dieser Weise sprach er eine ganze Stunde freundlich mit uns. Des schönen Norwegens und seines Aufenthalts bei den braven kräftigen Leuten erinnerte er sich gleichfalls mit großem Interesse. Als er sich zurückzog, bat er uns, den nächsten Abend im Theater zu erscheinen. Wir verbeugten uns dankend, erschienen auch am nächsten Abend in der prächtigen Versammlung. In Saint-Cloud ist es bei dergleichen Vorstellungen so eingerichtet, daß die königliche Gesellschaft sich von den Gemächern in die erste Etage begiebt; das Uebrige ist dem Publikum eingeräumt. Aufgeführt wurde: „Schwank über Schwank“, ein Stück, das in meiner Jugend bei uns oft gespielt wurde. Der König liebt das Alte. Ein anderes, kleineres Stück, das gespielt wurde, war nicht viel werth. Der König, der mir auch hier sehr freundlich entgegentrat, erzählte mir, daß dieses Stück von dem Sohne eines seiner alten Schulkameraden geschrieben sei. Er ließ sich noch ferner mit mir in ein Gespräch ein, und als England und dessen große Macht im Laufe desselben genannt wurde, und ich England das moderne Karthago nannte, sagte er scherzend: „Aber wir wollen doch nicht sagen, wie jener Römer:delenda est; ich halte auf den Frieden.“ Da ich eine friedliche Haut bin, so konnte ich mich nicht enthalten zu sagen: „Gott segne Ew. Majestät dafür“. Kurz darauf wurde der Hof nach Paris verlegt und es dauerte nicht lange, so wurde ich zur königlichen Tafel zu einem großen Diner eingeladen. Ich hatte vorher die Bekanntschaft der alten Marquise Dolomieu, Hofdame der Königin gemacht. Sie war die einzige, die ich kannte; sie nahm sich meiner sehr freundlich an und als wir zur Tafel gehen sollten,ergriff sie meinen Arm und machte sich selbst zu meiner Tischnachbarin. Es war eine außerordentlich reiche Tafel; der Tisch strahlte von Gold u. s. w. Wir saßen in dem großen Speisesaale, wo auch Napoleon gesessen hatte. Die Tafelmusik war schön und es rührte mich, als zuerst „O Richard, o mon roi! l'univers d'abandonne“ gespielt wurde — nach der Mahlzeit stand ich in einem Winkel im großen Saale, woselbst der Kaffee servirt wurde. Der König arbeitete sich durch die Menge zu mir heran, faßte mich bei der Hand und führte mich aus meinem Winkel ein gutes Stück nach der Mitte des Saales, wo er mich einem hohen, schönen Manne vorstellte und davon ging. Der große Mann erzählte mir auf Französisch, daß er alle meine deutschen Arbeiten kenne, und bat mich, ihn zu besuchen. Ich glaubte, es sei eine fürstliche Person von hier und sagte: „Ich würde die Ehre haben“. Ich war der Ansicht, daß er einige Straßen weiter wohne. Er verabschiedete sich freundlich von mir. Später sah ich, daß ein Hofmann ihn mit großer Ehrerbietung anredete. Aber noch ging mir kein Licht auf. Erst zwei Abende später, als ich in derOpéra comiquein den Zwischenakten im Moniteur las, daß der König und die Königin von Belgien wieder abgereist waren, rief ich aus: „Hättest Du Dir nicht denken können, daß es ein König sein mußte, dem der König Dich vorstellte!“ Und ich hatte mit ihm gesprochen wie mit einer Privatperson; —Vousgesagt und nicht einmalMonseigneur. Aber jetzt muß ich doch über Belgien nach Hause zurückkehren, um ihn zu besuchen.
Bei dem Herzoge von Nemours waren wir kurz darauf zum Konzert eingeladen. Er ist sehr freundlich und artig, ein schöner blonder, junger Mann, doch sieht er nicht so zutraulich aus, wie der Vater, wie Joinville und Aumale. Man sagt, daß er schüchtern und verlegen ist; er steht gewöhnlich mit gekreuzten Armen; seine Gemahlin ist eine Schönheit.
Besuch bei Ludwig Philipp.
Weil nun der König mir so viele Freundlichkeit erwiesen, hielt ich es auch für meine Pflicht, mich, wie es Sitte ist, in denersten Tagen des Jahres aufs Schloß zu begeben und dort meinen Neujahrswunsch darzubringen. Gaimard kam und holte mich und William ab; er war in Uniform, William gleichfalls; aber ich hatte keine und Gaimard sagte: „Ich könnte schon in meinem schwarzen Frack erscheinen“. Aber was geschah? In dem Vorsaale wurde ich von einem Kammer- oder Hoffourir sehr artig angehalten, indem derselbe mich fragte, ob ich Deputirter sei? Als ich verneinte, zuckte er die Achseln und bedauerte, daß ich alsdann nicht vorgelassen werden könnte, da Alle in Uniform sein müßten. „Ich habe keine“, antwortete ich, und wollte bereits wieder umkehren. Gaimard, der ein gutmüthiger Kauz ist, begann den Lakaien auf der Treppe zu erzählen, daß ich ein großer Dichter,le Corneille de Danemarcsei. „Je'n suis sur“, antwortete einer der Lakaien, aber sie hätten doch keine Ordre, den dänischen Corneille einzulassen. Gaimard wollte durchaus erst mit einem Adjutanten reden; da dieser aber ebenfalls Nichts ausrichten konnte, entschlüpfte ich Gaimard und begab mich nach Hause. William begleitete mich, obgleich er hätte bleiben können, weil er in Galla war. Aber ich warf mich selbst in die äußerste Finsterniß, woselbst — wenn auch nicht Heulen, doch Zähneklappern war, denn es war kalt. Indessen hatte Gaimard die Hoffnung noch nicht aufgegeben; er sprach wiederholt mit einem Adjutanten, der es dem König berichtete, und dieser befahl sogleich, daß man mich einlassen sollte. Aber fort war ich.
Einige Tage später war wieder ein Hofball in Uniform, zu welchem wir eingeladen wurden. Obgleich nun der König mir erlaubt hatte, in schwarzem Fracke, wie ein Deputirter zu erscheinen, so wollte ich mich doch ein wenig putzen — denn ich hatte gehört, man könne sich einhabit de goûtmachen — da ich aber keinen Gout an Dem fand, was der Schneider forderte, um meinen neuen schwarzen Frack zu verderben, so miethete ich einen dreieckigen Hut, decorirte denselben mit der Danebrogs-Kokarde, miethete mir gleichfalls einen Hofdegen, und in diesemAnzuge begab ich mich aufs Schloß. Der Hoffourir wollte mir auf der Treppe nachsetzen, fragte aber doch erst William, der hinter mir in Scharlach ging: „Ist das der dänische Poet?“ und als er bejahte, zog er sich mit den Worten zurück: „Er darf hinein“. So stolzirte ich also in dem ungeheuren Gewimmel von Uniformen umher, und wäre für einen Deputirten gehalten worden, wenn nicht meine fremden Orten, die ich, um mir doch ein Relief zu geben, angelegt hatte, den Scharfsinn der Pariser in Verlegenheit gesetzt hätten; sie betrachteten mich verwundert und wußten nicht, welchem der fünf Sinne angehörend sie mich betrachten sollten, ob dem Gesicht, Geruch, Gehör, Gefühl oder Geschmack. Daß es der Geschmack sein sollte, begriffen sie, trotz meineshabit de goûtwohl nicht. — Ich habe zu erzählen vergessen, daß ich es für meine Dichterpflicht hielt, dem König Ludwig Philipp, der mir so viele Achtung und Freundlichkeit erwiesen hatte, dieselbe nach Kräften ein wenig zu vergelten, d. h. ihm einige Verse zu widmen, worin ich ohne Schmeichelei und auch ohne Kriecherei sein Verhältniß zu meinem Vaterlande und zu mir poetisch aussprach. Ich schrieb also ein solches kleines Gedicht ohne Ueber- und Unterschrift, und nahm dasselbe mit mir, als ich zur Tafel beim Könige war. Während des Gesprächs mit ihm — wir standen allein in einer Nische — sagte ich: „Majestät, ich habe ein kleines Gedicht an Sie geschrieben“. — „Haben Sie es bei sich?“ „Ja, ich habe es in der Tasche“. — „Geben Sie es mir gleich; ich werde es in meinen Hut legen, so wird es Keiner gewahr werden“. Ich gab ihm die Verse. Sie waren in deutscher Sprache und lauten:
Vor Frankreichs König soll ich stehen,Er will den Dänendichter sehen,Den Pilger, seinem Schlosse nah;Sein Geist lebt nicht in engen Schranken,Er ist der erste Fürst der Franken,Der Dänemark und Norweg sah.Sonst fragte man nach Norden wenig,Er ist der erste Frankenkönig,Der unsre ferne Sprache kennt.Noch denkt er oft in heitern Stunden,Wie dort er Ruh und Trost gefunden,Als düster war sein Firmament.In Norweg, wo er oft gesessenIn Hütten, wird er nicht vergessen;Ludwig Philipp! Man nennt Dich gern;Und zeiget aus dem stillen ThaleNach Deines Ruhmes breitem Strahle,Du funkelst jetzt als Abendstern!Kennst Deutschland, Deutschland kennt Dich wieder,Du hörtest seine besten Lieder,Wo Tell gelebt und Winkelried,So wagt sich auch getrost der Däne,Und reicht dem Herrscher an der SeineIn deutscher Zung' ein kleines Lied.Der Skald des Winters, Sohn von Brage,Wünscht Ludwig — schöne Wintertage!Denn schön ist auch des Winters Fest:Trägt Frieden in dem weißen Schilde!Die Sonne scheint und macht ihn milde,Und tödtet jede Seuch' und Pest!
Vor Frankreichs König soll ich stehen,Er will den Dänendichter sehen,Den Pilger, seinem Schlosse nah;Sein Geist lebt nicht in engen Schranken,Er ist der erste Fürst der Franken,Der Dänemark und Norweg sah.Sonst fragte man nach Norden wenig,Er ist der erste Frankenkönig,Der unsre ferne Sprache kennt.Noch denkt er oft in heitern Stunden,Wie dort er Ruh und Trost gefunden,Als düster war sein Firmament.In Norweg, wo er oft gesessenIn Hütten, wird er nicht vergessen;Ludwig Philipp! Man nennt Dich gern;Und zeiget aus dem stillen ThaleNach Deines Ruhmes breitem Strahle,Du funkelst jetzt als Abendstern!Kennst Deutschland, Deutschland kennt Dich wieder,Du hörtest seine besten Lieder,Wo Tell gelebt und Winkelried,So wagt sich auch getrost der Däne,Und reicht dem Herrscher an der SeineIn deutscher Zung' ein kleines Lied.Der Skald des Winters, Sohn von Brage,Wünscht Ludwig — schöne Wintertage!Denn schön ist auch des Winters Fest:Trägt Frieden in dem weißen Schilde!Die Sonne scheint und macht ihn milde,Und tödtet jede Seuch' und Pest!
Vor Frankreichs König soll ich stehen,Er will den Dänendichter sehen,Den Pilger, seinem Schlosse nah;Sein Geist lebt nicht in engen Schranken,Er ist der erste Fürst der Franken,Der Dänemark und Norweg sah.Sonst fragte man nach Norden wenig,Er ist der erste Frankenkönig,Der unsre ferne Sprache kennt.Noch denkt er oft in heitern Stunden,Wie dort er Ruh und Trost gefunden,Als düster war sein Firmament.In Norweg, wo er oft gesessenIn Hütten, wird er nicht vergessen;Ludwig Philipp! Man nennt Dich gern;Und zeiget aus dem stillen ThaleNach Deines Ruhmes breitem Strahle,Du funkelst jetzt als Abendstern!Kennst Deutschland, Deutschland kennt Dich wieder,Du hörtest seine besten Lieder,Wo Tell gelebt und Winkelried,So wagt sich auch getrost der Däne,Und reicht dem Herrscher an der SeineIn deutscher Zung' ein kleines Lied.Der Skald des Winters, Sohn von Brage,Wünscht Ludwig — schöne Wintertage!Denn schön ist auch des Winters Fest:Trägt Frieden in dem weißen Schilde!Die Sonne scheint und macht ihn milde,Und tödtet jede Seuch' und Pest!
Einige Tage darauf hatte ich bei der Herzogin von Orleans, die ich bei den Hoffesten nicht gesehen hatte, eine Privataudienz. Sie kam mir sehr freundlich entgegen, redete mich gleich Deutsch an, sprach sehr anerkennend von meiner Dichterwirksamkeit und als ich fragte, ob Ihre Königliche Hoheit einige meiner Arbeiten kenne, sagte sie: „Ja, Alles was Deutsch geschrieben ist — die dänische Sprache verstehe ich leider nicht. Ich bin gerade jetzt bei einer Erzählung von Ihnen, welche ich mit großem Vergnügen lese, und ich erzähle sie meinem Sohne unter dem Lesen wieder“. Als sie nicht den sonderbaren, fremden Namen aussprechen konnte, fragte ich, ob es Oervarodd sei.„Ja, ja Oervarodd“, antwortete sie freundlich lächelnd. — Der kleine Graf von Paris wird, wie recht und billig ist, als künftiger König von Frankreich während seiner ersten Kinderjahre ganz Französisch erzogen. Die Mutter spricht nur Französisch mit ihm und jetzt übersetzt sie ihm den Oervarodd. Sie ist eine außerordentlich reizende, geistreiche Dame, und besitzt den edelsten Charakter. Als sie hörte, daß ich eine kleine dänische Tragödie hier geschrieben, und dieselbe bereits ins Deutsche übersetzt hätte, bat sie mich, ihr das Werk, wenn es gedruckt sei, zu senden. Sie erzählte mir, daß der König ihr mein kleines Gedicht an ihn gezeigt und daß es sie Alle sehr erfreut habe.
Die Brüder Rothschild.
Bei dem Diner beim Könige von Frankreich war ein kleiner Mann mit großen klugen Augen und einem Sterne auf der Brust zugegen. Er starrte mich mitunter an. Als der König mit mir gesprochen hatte, kam dieser Mann auf mich zu und fragte, ob ich ihn nicht besuchen wolle. Ich dankte verbindlichst und fragte, mit wem ich die Ehre zu sprechen hätte. „Rothschild“, sagte er. Welcher Zauber liegt nicht in diesem Namen! Als Klopstock seine Ode „die Gräber Rothschild's“ schrieb, dachte er gewiß nicht, daß dieser Mann in der Weise in der Geschichte strahlen sollte.
Als ich mich jetzt durch den Namen gewissermaßen in landsmannschaftlichen Beziehungen zu dem berühmten Hause fühlte, so nahm ich das Anerbieten an, und besuchte James Rothschild einige Tage später auf seinem Comptoir. Dort saß er vor dem einen, und sein um zwanzig Jahre älterer Bruder Salomon vor dem andern Pulte. Der Bruder hatte kaum zwei Worte mit mir gesprochen, so lud er mich auf zwei Tage später zu Mittag ein. James sandte einen Hausfreund, einen Advocaten Joël, zu seiner Frau, um zu erfragen, wenn es ihr genehm sei. Und es wurde dann sofort gleichfalls entschieden, daß ich andere zwei Tage später bei James sein sollte. Joëlist ein Schöngeist; ein Wiener, der bei den für mich in Wien arrangirten Festlichkeiten zugegen war. Salomon ist ein gutmüthiger Sonderling. Vor der Mahlzeit saßen wir und plauderten. „Ja“, sagte er auf Deutsch — bei ihm wurde heute nur Deutsch gesprochen, ungeachtet vierzehn Personen zugegen waren — „es ist gut genug, reich zu sein, es hat seine Annehmlichkeiten, seine großen Annehmlichkeiten, aber, glauben Sie mir, auch seine großen Lasten. Wir hätten ja, was uns selbst betrifft, nicht nöthig, die Geschäfte fortzuführen; da aber das Wohl so vieler Menschen davon abhängt, so fühlen wir, daß es eine moralische Pflicht ist. Ich arbeite viel und mein Bruder James reibt sich ganz auf; er arbeitet täglich von 8 bis 5 Uhr im Büreau.“ Als wir später von den Merkwürdigkeiten von Paris sprachen, sagte er: „Ich bin jetzt hier seit 1811 gewesen und habe noch gar keine Merkwürdigkeiten gesehen. Ich bin noch nie in Versailles gewesen“. Dagegen besitzt er selbst solche Feenpaläste in Paris, Frankfurt und Wien. Als wir gespeist hatten und die Uhr halb 9 geworden war, frug er bei dem Kaffee: „Was machen Sie jetzt, wenn Sie nach Hause kommen?“ — „„Ich lese etwas und trinke später eine Tasse Thee““. — „Das thue ich nicht,“ antwortete Salomon, „ich gehe zu Bett. Ich gehe jeden Abend um 8½ Uhr zu Bette und stehe um 4 Uhr auf“. — Seine Frau ist eine freundliche bejahrte Dame mit einem treuherzigen Gesichte. Man sagt von ihnen Allen, daß sie sehr wohlthätig sind. Bei James trafen wir Humboldt, der nach Paris gekommen ist. Hier wurde aber Französisch gesprochen. Eine Schriftstellerin, Madame Gerardin, war auch hier. Victor Hugo war eingeladen, hatte sich aber entschuldigt, weil er mit einer Rede viel zu thun hätte, die er in der französischen Akademie halten müsse. James' Frau ist eine anmuthige junge Dame von außerordentlicher Bildung und vielem Geschmacke und Liebe zur Poesie. Ich bin später bei ihr gewesen und habe ihr meine neue Tragödie vorgelesen. Einige Tage nach diesen Mittagsgesellschaften waren wir zum Ball beiSalomon. Es war ein ganz außergewöhnlich prachtvoller Ball. Die schönsten Zimmer mit andern kleinen Nebenzimmern verbunden, wie Corridors mit offenen Bogen. Ein großer Saal mit einer Tafel, prächtig erhellt von großen goldenen Armleuchtern, voll von Confituren und eingemachten Früchten zur beliebigen Auswahl der Gäste. Neben diesem Saale, gleichfalls unter Bogengängen, ein großer Conditorladen, in welchem mehrere Bediente standen und den Gästen alle Arten Eis, Limonade, Kuchen u. s. w. reichten. Aber dieses Alles war nur ein Vorspiel zu dem brillanten Souper, das die Gäste erwartete, das wir aber weder zu sehen, noch zu kosten bekamen, weil wir um ein Uhr nach Hause fuhren, vollkommen mit Dem zufrieden gestellt, was wir genossen hatten.
Villemain.
Gleich im Anfang unseres hiesigen Aufenthaltes führte uns Gaimard bei Arago und Villemain ein. Mit dem Ersteren hatte ich keinen weiteren Berührungspunkt. Wäre ich ein Komet gewesen, so hätte er mich ausgemessen und meine Wege kennen gelernt; jetzt war er so höflich einige Complimente an mich zu verschwenden und hiermit war meine Bahn zu ihm berechnet. Aber Villemain war ein Schöngeist und mit ihm hatte ich eine lange Unterredung, in welcher er sich sehr schön über fremde, besonders über englische Literatur aussprach. Es wollte mir eben nicht munden, daß er ein so großer Bewunderer Milton's sei; aber ungeachtet ich in seinen Aeußerungen viel Unrichtiges fand, waren sie doch ganz vernünftig. Er war sehr freundlich und sagte, er wolle mich bald in Gesellschaft mit andern Schöngeistern von Paris bei sich einladen. Es wurde übrigens nichts aus dieser Einladung. Einige Monate verstrichen; ich sprach ihn während dessen im Theater in der königlichen Loge, wir grüßten uns: „Ah, voila notre grand poëte chez le roi!“ sagte er freundlich, aber ließ sich nicht weiter mit mir ein. Kurz darauf erfuhr ich, daß er wahnsinnig geworden, der Arme! Man sagte, der Ministerposten habe ihn zu sehr angestrengt, er sei dazu nicht geschaffen, sondern hätte ein Gelehrter bleibensollen. Er war früher, als ich, Professor der schönen Wissenschaften. Ich würde ebenfalls nicht zum Minister taugen; aber ich glaube auch, daß ich nie so verrückt werden könnte, es sein zu wollen.