Allgemeines und Einteilung.

Jegliches Kräutlein der Erde preise den Namen des HerrnAllgemeines und Einteilung.

Jegliches Kräutlein der Erde preise den Namen des Herrn

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Zu den Dingen, welche ich verabscheue und hasse, zählt als ein gründlich und grundsätzlich gehaßtes dasGeheimmittel-Wesen, die Krämerei mit Heilmitteln, welche als Geheimnis des Erfinders gelten.

Diesen Vorwurf soll mir niemand machen können. Darumöffneich in diesem zweiten Teil die Läden meiner Apotheke und lasse einen jeden hineinschauen und hineinschmecken bis ins letzte Teeschächtelchen und ins kleinste Ölfläschchen.[16]

In jeder Apotheke steckt ein teures Geld;in der meinigen ist nicht viel Rares. Ich gestehe dieses sehr gerne zu und betrachte diesen leicht möglichen Vorwurf als einen großen Vorzug meiner Apotheke.

Fast sämtliche meiner TeeundExtrakte,Öle,Pulverrühren von früher geachteten jetzt vielleicht verachtetenspottbilligen Heilkräuternher, welche der liebe Herrgott im eigenen Garten, auf freiem Felde, manche ums Haus herum an abgelegenen und unbesuchten Stellen wachsen läßt, Heilkräutern, die meistens keinen Pfennig kosten.

Mein Büchlein ist ja in erster Linie fürarmeKranke geschrieben, für welche ich auch, den Himmelslohn im Sinne habend, dieses opfervolle Handwerk treibe oder, wenn man will, andern „ins Handwerk pfusche“. Für sie suchte ich mit Absicht all die gleichfalls armen alten Bekannten auf, vieles andere beiseite lassend. Lange Jahre hindurch habe ich sondiert und geprüft, getrocknet und zerschnitten, gesotten und gekostet.Kein Kräutchen,kein Pulver, das ich nicht selbst versuchtund als bewährt befunden habe! Ich wünsche nur das eine, daß die alten Bekannten zu neuen Ehren gelangen, beieinerKlasse von Menschen wenigstens.

Ich habe mich lange besonnen, ehe ich mich entschloß, den für sich allein ausreichenden und genügenden Wassermitteln diese Apotheke, d. i. dieses Verzeichnis der dem Wasser von innen heilsam entgegenwirkenden Hilfsmittel, anzufügen. Es könnte wie eineMißtrauens-Kundgebung gegen die Wasserheilkraftaussehen.

Doches gibt Kranke, welche aus unüberwindlicher Wasserangstsich schwer zu einer oft notwendigen längeren Wasserkur entschließen können. Diesen wollte ich es erleichtern, mit anderen Worten: die Wasseranwendungen reduzieren, vereinfachen und die Zeit des Gebrauches abkürzen. Solches aber kann und wird geschehen, wenn ich der äußeren Kur (mit Wasser) durch eine innere Kur (die Heilmittel) in die Hand arbeite.

Wer sämtliche Artikel dieser Apotheke überblickt, sieht sofort, daß sie wie die gesamten Wasseranwendungen selbstdreifachen Zweck haben:ungesunde, kranke Stoffe im Innern aufzulösen,auszuleiten, sodann den Organismus zukräftigen. Insofern glaube ich mit vollem Rechte behaupten zu können, daß beide Verfahren, das innere und das äußere, zusammenstimmen und einheitlich zusammenwirken.Ich warne vor einer Täuschung.Wer glaubt, er müsse die Wasserkur recht strenge und ernst anwenden, irrt.

Wer meint, er müsse nach innen recht häufig und viel anwenden, irrt ebenfalls. Immer und in allen Fällen gilt der goldene Grundsatz: die gelindeste, ob äußere oder innere Anwendung ist die beste.[17]

Pflanzen mit zweifelhafter Wirkung, wie Eibisch, Süßholz usw.; mit den geringsten ungünstigen Wirkungen, z. B.auf den Magen, wie Senesblätter, Hopfen usw.; Giftpflanzen vollends habe ich grundsätzlich übergangen.[18]

Wie gut Gott ist!— so drängt sich’s mir aus dem Herzen. Nicht bloß was zur Erhaltung des Lebens, zu des Leibes täglichem Brot notwendig ist, läßt er uns wachsen; er, der in unendlicher Weisheit alles nach Maß, Zahl und Gewicht geschaffen, läßt in väterlicher Liebezahllosauchdiejenigen Kräutchenaus der Erde hervorschießen, welche den Menschen in kranken Tagen Trost, seinem in Schmerzen sich windenden KörperLinderungundHeilungverschaffen.

Wie gut Gott ist! Daß wir Einsicht haben!Den Pflänzchen, welche durch die ihnen vom Schöpfer angehängten Riechfläschchen, den würzigen Heilduft, sich selbst uns ankündigen und freundlich und zuvorkommend stellen, wollen wir fleißig nachgehen und beim Pflücken eines jeden mit kindlichem Danke unsern unendlich liebevollen Vater preisen, der im Himmel ist!

Unsere Hausapothekesoll vierHauptabteilungenoderHauptfächerundeinige kleinere Nebenfächerenthalten.

In die Hauptfächerstellen wir:

In dieNebenfächerkommt wieder gut geordnetalles andere, was nicht unter obige vier Abteilungen fällt. Auch dieLeinwandabfällezumÜberbindenundÜberlegen(stets rein und frisch), dieBaumwolleusw. können eines der Nebenfächer einnehmen.

DieTinkturenund dieÖlemüssen in Gläsern aufbewahrt werden, die verschiedenen Tee und Pulver entweder in festenPapierdütenoder besser inSchachteln. (Wer neue machen läßt, soll sie länglichrund und gleichmäßig, wenn auch in verschiedenen Größen, machen lassen, daß sie dastehen wie Soldatenin Reih und Glied. Das macht einem jeden Freude und gibt der Hausapotheke ein Ansehen — und das gehört ihr auch.) Alles an einemkühlen, jedoch nicht feuchten (daß sich nicht Schimmel ansetze)und nicht allzu abgelegenen Orteim Hause!

Auf einem jeden Glase oder Fläschchen, auf jeder Schachtel oder Düte soll genau und für jedermann gut leserlich dieAufschriftdesInhaltesstehen. Am besten werden sodann die verschiedenen Heilmittel in jeder Abteilungalphabetisch, d. i. nach dem ABC geordnet. Was mit A anfängt (z. B. Alaun), marschiert am Anfang auf, was mit Z beginnt (z. B. Zinnkraut), bildet den Schluß der Reihe.

Vor allem soll in der Hausapothekegroße Ordnungsein. Jeder Fremde, welcher dieselbe bisher nie gesehen, muß im Augenblick jedes Fläschchen, jeden Tee usw. finden. Dann mußgroße Reinlichkeitherrschen. Auf keiner Schachtel darf, ich will nicht sagen liniendicker, es darfgar keinStäubchen liegen; an keiner Flasche, selbst nicht an einer Ölflasche dürfen Schmutz- oder Ölflecke wie nachlässig gekämmte Haare herunterhängen. Nichts entehrt ein Haus mehr als Unreinlichkeit; merke wohl: nach zwei Dingen hauptsächlich beurteilt man — und zwar mit vollem Rechte und meistens sehr wahr — das ganze Haus. Sind diese in Ordnung, so ist, schließt man, alles in Ordnung. Sind sie unordentlich, so heißt’s: in diesem Hause, in dieser Wohnung müssen die Einwohner recht unordentliche Leute sein. Willst du die beiden Dinge wissen? Sie heißen:

Hausapotheke und Abort.

Am besten wird es mit der Ordnung der Hausapotheke bestellt sein, wenn die Hausmutter oder ein fleißiger Sohn oder die reinlichste und ordnungsliebendste Tochter die Sorge und Verantwortung übernimmt. Sie wird die pünktlichste, gewissenhafteste Reinlichkeitspflege als Ehrensache betrachten und den Staublumpen stets in einer Ecke bereit liegen haben. Wenn sie ihr Amt gut verwaltet, das ja fürs ganze Haus, für alle Glieder desselben von Segen ist, darf sie mit Freuden an jenes Wort des göttlichen Heilandes denken: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Was so eine kleine Hausapothekeannähernd enthalten soll, habe ich am Ende dieses zweiten Teiles angegeben.[20]Ich rate ab von allem nicht Notwendigen. Man kann gelegentlich das eine oder andere Mittel beifügen.

Hier soll nur noch ein Wort stehen über dieBereitung der Tinkturen,des Tees,der Pulver.

Die inneren Kräfte, die Heilsäfte können aus einer Pflanze in verschiedener Weise ausgezogen werden. Denbesten, stärksten Auszugerhalten wir im eigentlichen, sogenanntenExtrakt.

Der Extrakt wirdfolgendermaßen bereitet:

Man sucht unter den Kräutern, Beeren usw., aus denen man den Extrakt gewinnen will, die besten aus: die reifsten, die untadelhaften; diese trocknet man auf einem Brett an der frischen Luft,stets(das merke man sich gut,) jedoch imSchatten,niemals an der Sonne. Beim Trocknen wird sich noch manches zeigen, was als untauglich verworfen werden muß.

Nachdem die Kräuter, Beeren usw. gut getrocknet sind,zerkleinere,zerschneideman sie, wenn notwendig, und bringe sie in eineverschließbare Flasche(Weinflasche). Diese nun wird mit echtem Kornbranntwein — den ich allem andern vorziehe — oder in dessen Ermangelung mit reinem Spiritus oder Fruchtbranntwein aufgefüllt und luftdicht verschlossen für einige Zeit an einen mäßig warmen Ort gestellt.[21]Ich habe derart gefüllte Flaschen schon ein Jahr lang und noch länger ruhig stehen lassen und dann erst den mit dem ausgezogenen Saft des betreffenden Heilmittels durchtränkten Spiritus als Extrakt abgegossen. ImNot-undBedarfsfallekann man denselben schon nach wenigen Tagen des Ansatzes in Gebrauch nehmen.

Die Tinkturen nimmt man tropfenweise; in gewissen Fällen, (es ist dieses jedesmal ausdrücklich angegeben) wird auf den Kaffeelöffel (kleineres Maß) und auf den Eßlöffel (größeres Maß) hingewiesen.

Bei trockener Witterung, vielleicht wenn du vom Felde heimkehrst, oder wenn du hinausgehst, den Stand der Saaten zu betrachten, mache einen Abstecher und sammle da diese, dort jene Heilkräuter. Was auftrockenemGrunde wächst, gar ansonnigen Berghaldenverdient den Vorzug, und welche Pflanzen du inder schönsten Blütezeitsammelst, diese werden dir die herrlichste und in Leiden die gesegnetste Frucht bringen. Manches der Kräuter und Kräutchen wächst indeinem Gras-oderGemüsegarten, amHausoder an derScheune. Du brauchst nur dem zehnjährigen Knaben oder deinem kleinen Mädchen es vorzumachen, wiesie es anstellen sollen, und du verlierst beim Sammeln der Kräuter keinen Augenblick und bereitest deinen Kindern eine Freude. DieGarten-undFeldkräutersollenjedes Jahr erneuertd. h. neugesammelt, die alten weggegeben werden.

Jede Hausmutter versteht es, jedwedenTeezu bereiten. Von den getrockneten Kräutern (über das Trocknen lies das auf der vorhergehenden Seite Gesagte) nimmt sie zu einer Tasse, soviel sie mitdrei Fingernfassen kann, gießt in das Pfännchen über die Teeblätter oder Blüten sprudelndes Wasser und läßt es einige Minuten aufkochen, dann schüttet sie den fertigen Tee ab.

In dieser Weise bereiteter Tee hat den feinsten Geschmack mit dem besten, jeder Pflanze eigentümlichen Aroma, aber es ist nicht der kräftigste Tee.

Bei mirwerden die Kräuter durchlängere Zeit förmlich abgekocht,gründlich ausgesotten, daß auch nicht ein Teilchen der Heilkraft verloren geht, vielmehr alle im Wasser gefangen wird.

Die Art des Einnehmens, ob tassen-, ob löffelweise, ist bei jeder einzelnen Krankheit genau angegeben.

Das Pulverwird gewonnen, indem die trockenen Wurzeln, Blätter, Körner oder Beeren der Heilpflanzen zerrieben oder im Mörser zerstoßen werden.

Manchen Kranken ist damit leichter beizukommen als mit Tee. Man streut ihnen das vorgeschriebene Pulver wie Gewürz (Pfeffer, Zimmt usw.) an eine Speise oder mischt es an einen Trank, daß sie desselben gar nicht gewahr werden.

DieGefäße, welche zur Aufbewahrung der verschiedensten Pulver dienen, seien des Staubes wegen rechtsorgfältig verschlossen.

Die Bereitung der Öle, soweit dieselben nicht in der Apotheke gekauft werden, ist bei jeder Krankheit, in der ein solches zur Verwendung kommt, jedesmal besonders angegeben.

An der Reinhaltung der Ölfläschchen insbesondere wird man den Sinn für Ordnungsliebe, Reinlichkeit usw. erkennen.

Deko Seite 116


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