Chapter 10

Fig. 9.Fig. 10.

Fig. 9.

Fig. 9.

Fig. 10.

Fig. 10.

Über den zum Sitzen bereit gehaltenen Stuhl wird der Länge nach eine ziemlich breite und dichte Wolldecke ausgebreitet. Darauf setzt sich der zu Behandelnde mit bekleidetem Oberkörper, mit entkleideten Füßen (Beinen). Vor ihn kommt wie zum Fußbade das mit heißem Wasser etwas über die Hälfte gefüllte Holzgefäß zu stehen. Es ist das auch zum Kopfdampf benützte Gefäß (a,Fig. 9). Auf dem oberen Rande desselben, zu beiden Seiten der Öhren liegen zwei schmale Holzstäbe, auf welche der zu Behandelnde die Füße bequem aufstellen kann. Man suche dieselben durch irgend eine kleine Vorrichtung zu befestigen, daß die Gefahr des Nachgebens und des Verbrühens der Füße den Patienten nicht ängstigt.[13]Hat dieser sodann seine Stellung eingenommen und steht das dampfende Wasser vor ihm, so wird die dichte Wolldecke derart um die Beine und das Holzgefäß gelegt, daß kein Dampf unbenützt verloren geht und durch eine große Wollröhre das warme Element von unten nach oben, zu den Füßen, zu dem Unterleibe und weiter aufsteigt.[14](S.Fig. 11.) Zu den Fußdämpfen benütze ich in der Regel leichtere strudelndeAbsude von Heublumen. Wie beim Kopfdampfbade, so kann ich bei dieser Anwendung den Dampf und damit die Wirkung steigern, indemich nach je 5 oder 10 Minuten das glühende Stück eines Ziegelsteines in das heiße Wasser sachte und vorsichtig einsenke. Man lasse die Steine ja nicht ins Wasser fallen; dieses müßte ein Spritzen und Brandwunden absetzen. Die Zahl der glühenden Ziegelstücke, sowie dieDauer des Fußdampfesrichten sich genau nach dem höheren oder geringeren Grade der Wirkung, welche man erzielen will. Oft solllediglich der untere Teil der Füßein Schweiß gebracht werden, wie z. B. bei Fußschwitzern; manchmal aber sucht man dieganzen Füße, die Schenkel inbegriffen,öfters den ganzen Unterleib, zuweilen denganzen Körperdurch einen Fußdampf in Schweiß zu bringen. Viele habe ich gesehen, denen bei dieser höchst einfachen und primitiven Anwendung der Schweiß von der Stirne rann wie bei der forciertesten (angestrengtesten) Schwitztour unter 2–3 Federbetten. Bei denleichtesten Anwendungenwird ein glühendes Ziegelstück und eine Zeitdauer von 15–20 Minuten genügen; um diegrößte Wirkungeines eigentlichen Schwitzdampfbades zu erzielen, wird es notwendig werden, die glühende Masse alle 5–10 Minuten zu erneuern und die Anwendungbis zu 25 und 30 Minutenauszudehnen.

Fig. 11.

Fig. 11.

Dem Dampfbade folgtstetsdiekalte Abkühlung, welche sich ganz richtet nach der Ausdehnung der schwitzenden oder in Schweiß gebadeten Stellen. Füßen, welche nur bis an die Knie schwitzen, genügt eine rasche kalte Abwaschung mit einem Linnentuche, kräftigeren Naturen ein Knieguß. Bei mitschwitzenden Schenkeln und Unterleib reicht ein Halbbad aus. Ist der ganze Körper in Mitleidenschaft gezogen, so muß auch der ganze Körper entweder durch ein Halbbad mit Waschung des Oberkörpers oder durch ein Ganzbad oder durch eine Ganzwaschung abgekühlt werden. Die Regeln über die Vornahme dieser Anwendung lese man an den betreffenden Stellen (bei den Bädern und Waschungen), die Regeln über das Verhalten nach dem Fußdampfe beim Kopfdampfe nach. Sie gelten auch hier ohne allen Unterschied.

DieAnwendungdes Fußdampfesgeschiehtvornehmlich bei denverschiedenartigsten Fußleiden, so beistarken übelriechenden Fußschweißen, wo es gilt, die faulen Säfte aufzulösen und auszuleiten; beiangeschwollenen Füßen, die auf Säfte und Blutstauungen schließen lassen; beikalten Füßen, in denen die Transpiration auf Nullgrad steht und zu denen das Blut sozusagen den Weg nicht mehr findet. Diese Dämpfe wecken neue Tätigkeit und bringen frisches Leben, sind zuweilen auch nur, wie bei den einzelnen Krankheiten gesagt werden wird, notwendige vorbereitende Übungen, welche anderweitigen Wasseranwendungen die Wege ebnen und deren Erfolg sichern.

Wer anNagelgeschwüren,eingewachsenen Nägelnusw. leidet, werBlutvergiftungbefürchten muß, z. B. wegen unglücklicher Behandlung von Hühneraugen, Ausreißen von Nagelwurzeln usw., lasse sich baldigst diesen Dampf bereiten.

Gesteigerte Anwendungen, welche mehr oder weniger auf den ganzen Körper wirken sollen, kommen vor beikrampfartigen, besondersdurch Erkältungentstandenen Leiden desUnterleibes; beiKopfleiden, deren Ursache auf Kongestionen, zu heftigen Blutandrang nach dem Kopfe zurückzuführen ist.

Beiblutarmen Individuen, denen vor dem Beginne irgend einer Kaltwasseranwendung mehr Wärme einzupumpen ist, haben mir leichtere Fußdämpfe sehr oft große Dienste erwiesen.

AlsRegel bezüglich der Wiederholungdieser Anwendung gilt wie beim Kopfdampfe, daß man damit recht sparsam sei. Einmal, zweimal in der Woche wird man öfters, dreimal nur selten lesen, letzteres nur bei Einzelfällen, welche stets diese Notiz ausdrücklich enthalten müssen.

Nun noch eine Bemerkung!

Oft schon sind mirKlagenzugekommenwegen der zu großen Umständlichkeitder von mir verordneten Dämpfe. Ich frage jeden Wohlmeinenden: Was ist einfacher, mein Fußdampf oder ein Schwitzbad nach so und so vielen Tassen heißen Thees, nach so und so vielstündiger Tortur, unter so und so vielen Federbetten, ein Schwitzbad, welches selten, fast nie vorübergeht ohne die heftigsten Kopfschmerzen und anderes Weh!

Dieser Dampf tut seiner leichten Bereitung, bequemen Applizierung und überaus schuldlosen, d. i. ungefährlichen Wirkung wegen besonders inKrankheiten große Dienste. Selbst Schwerkranke, bei denen wegen Schwäche oft sehr schwer der erwünschte Schweiß zu erzielen ist, können auf diese Weise recht leicht zum Schwitzen gebracht werden.

In den irdenen oder blechernen Topf des Leibstuhles wird die strudelnde Mischung geschüttet. Der Patient setzt sich, die Bedienung sorgt, daß kein Wölkchen des wohltuenden Rauches unnütz entweicht. Rasch steigt der heiße Qualm zum Körper auf und erzeugt in Bälde schwächeren oder stärkeren Schweiß, der sich manchmal zu einem förmlichen Schwitzbade, d. h. zu einem allgemeinen Schwitzen des ganzen Körpers steigert. Die Anwendungdauert 15–20 Minuten. Erscheint es notwendig, den Kranken in länger dauerndem Schwitzen zu erhalten, so bringt man (da das Sitzen beschwerlich und der Dampf vielleicht für längere Dauer nicht wirksam wäre) ihn zu Bette; es wird ohne jede besondere Auflage die Schweißkur, d. i. das Schwitzen, fortdauern.Nach dem Dampfesoll eine Ganzwaschung, ein Halbbad mit Abwaschung des Oberkörpers oder ein Vollbad je nach Können des Patienten die ganze Anwendung beschließen. BeiSchwerkrankenwird stets die Ganzwaschung am leichtesten und ungefährlichsten vorgenommen werden können.

DieWirkung des Leibstuhldampfesist, wie von selbst einleuchtet, auflösender und ausleitender Natur. Die Ausscheidungen geschehen in Form und durch Abgang des Schweißes.Niemalsbenütze ich für diese Dämpfe dasWasser allein;stetsmische ichKräuterbei und zwar wieder die bekannten Kräuter von Heublumen, von Haberstroh, vor allen andern indessen von Zinnkraut.

BeiNieren-undSteinleidenwende ich Dämpfe an vonHaberstrohabsud;

beikrampfhaftenoderrheumatischen ZuständendesUnterleibes, beiBlasengeschwüren, beibeginnender Wassersuchtsolche vonHeublumenabsud.

Wie die Dämpfe mit Anwendung von Kaltwasser wechseln, lese man nach im dritten Teile bei den einzelnen Krankheiten.

Die auffallendsten und erstaunlichsten Erfolge habe ich erzielt mit Dämpfen vonZinnkrautabsudin all’ den höchst peinlichen Fällen, in welchen dasUrinieren(Wassermachen)unmöglichwurde und infolgedessen die entsetzlichsten, wahnsinnigsten Schmerzen den armen Patienten quälten und fast zur Verzweiflung brachten. Die meist durch Erkältung und Entzündung entstandenen krampfhaften Zustände der Blase wurden durch den heißen Zinnkrautdampf in verhältnismäßig kurzer Zeit gehoben, und das Organ tat wie früher seine reinigenden Dienste.

Im Wechsel mit anderen Wasseranwendungen dienen in vielen Fällen die Dämpfe sehr gut beiLeiden an den Augen, in den Ohren, im Mund, an den Fingern, an der Hand, am Arme, an den Zehen, am Fußusw. Einige Beispiele mögen dieses klar machen.

Ein giftigesInsekt sticht in die Hand, in den Arm, das Glied schwillt an und schmerzt heftig, die Entzündung droht um sich zu greifen usw. Im Vereine mit Hand- und Armwickeln werden Dämpfe auf die leidende Stelle bald Linderung der Schmerzen und Hilfe bringen. Zu dem Zwecke hält man die Hand oder den Arm über ein Gefäß, welches das strudelnde, dampfende Wasser enthält.

Wegen irgend einer durchGiftstoffe verunreinigten Wunde droht Blutvergiftung; es ist Gefahr im Verzuge. Rasch soll ein auflösender und ausleitender Hand- oder Fußdampf bereitet werden.

Es wird jemand von einemwutverdächtigenHunde gebissen. Bevor ein Arzt und andere Hilfe zur Hand sind, kann rascher durch Dampf dem Gefährdeten wenigstens vorläufige Hilfe gebracht werden.

Heftige Krämpfequälen ganz bestimmte Stellen an Händen und Füßen. Man säume nicht, sie bedampfen zu lassen.

Zu äußeren Anwendungen der genannten Arten verwende ichin der Regel Absude von Heublumen.

Für Augendämpfedient sehr gutAbsud von Fenchelpulver oder AugentrostoderSchafgarbe;

für Ohrendämpfe AbsudvonTaubnesselnoderBrennesselnoderSchafgarbe;

für Verschleimung im Halse Absud von SchafgarbenoderSpitzwegerichoderBrennesseln.

Bezüglich derAnwendungszeitüberschreite man20 Minuten nie; diekürzesteDauer umfaßt10 Minuten.

JeneDämpfe, welche zumEinatmendienen, nach innen wirken oder die Augen und Ohren betreffen, sollen vorsichtigerweiseniemals übermäßig warm oder gar heißgenommen werden.

Die bei mir zur Anwendung kommenden Gießungen (Güsse) sind folgende:

Die Füße werden bis über die Knie entblößt, die Beinkleider möglichst weit zurückgeschlagen und, um sie vor Nässe zu schützen, gegen die zu begießenden Stellen zu mit einem Tuche (Handtuche) bedeckt. Man setzt sich sodann auf einen Stuhl und stellt beide Füße ähnlich wie beim Fußbade in ein bereitstehendes Gefäß. (S.Abbildung.) Wer sich aber stehend den Guß geben läßt, handelt nicht schlechter. Der Guß geschieht mit einer kleinen Gießkanne, am besten mit einer Treibhausgießkanne, die mit einer Hand leicht dirigiert wird. Die erste Kanne, die schneller und voller strahlend ausgegossen werde, benetzt beide Füße, von den Zehen bis über die Knie. Die folgenden Kannen bespülen in schwachem Strahle, der bald höher, bald tiefer auffällt, einzelne Fußstellen, besonders die Kniescheiben (in der Mitte, rechts und links davon) und die Waden in einer Art, daß das Wasser über die Beine ziemlich gleichmäßig hinunterläuft. Der Inhalt der letzten Kanne wird nicht gegossen, sondern aus der größeren Öffnung in zwei oder drei Malen über die Füße wie zur Abspülung hingeschüttet. Zu einem Kniegusse können 2–10 Gießkannen verwendet werden, wovon eine 13–15 Liter hält.

Fig. 12.

Fig. 12.

Kranke,Schwächlingehalten den Guß beim ersten Anprall sehr schwer aus. Kein Anfänger tut sich ganz leicht. Schon Männer, welche zuerst über das Bagatellverfahren witzelten, dann die elektrischen Schlägen gleichende bis ins Innerste hinein erschütternde Wirkung verbeißen wollten, habe ich wie Espenlaub zittern und vor Schmerz weinen sehen. Es ist das der beste Beweis für die elektrisierende, auffrischende, stärkende Kraft dieses Gusses.

Rekonvaleszenten,blut-undsäftearmen Personen, —allen, deren Fußknochennicht kernige Muskeln, sondern nurdünne, armseligeFleischmäntelchen tragen, rate ich die ersteZeitnie mehr als 2–3 Gießkannen; auchbei jedem Anfängersoll das erste Mal die Zweizahl nicht überschritten werden. Sie können in den folgenden Tagen auf 4–6 und noch später auf 8–10 Kannen steigen. Nach 8–10 Kniegüssen ist jedes Schmerzgefühl verschwunden. Mit Behagen, mit einem gewissen Sehnen erwartet man den nächsten Strahl, der in so kurzer Zeit die verweichlichten Füße so bedeutend gestärkt hat.

DerKniegußkommtregelmäßignur inVerbindungmit demObergußvor. Manlesedeshalb nur das vomObergußGesagte. Jedoch ist dies nicht so gemeint und auch nicht so zu verstehen, daß nach dem Obergusseunmittelbarder Knieguß genommen werden müßte.

bildet dieFortsetzung des Kniegusses, gegen den Unterleib zu, schließt jedoch als eigentlichen Schenkelguß dessen Begießung aus. Er besteht darin, daß außer den beim Knieguß begossenen Fußstellen die Schenkel mit in Behandlung gezogen werden. Die erste Kanne Wassers benetzt ziemlich rasch die ganze Länge der Beine von den Zehen bis zum Unterleib; die folgenden mögen nahezu gleichmäßig verteilt auf dieselben spülen. Patienten, welche noch das Stehvermögen haben, nehmen diesen Guß (und wohl jeden andern) besser in stehender Haltung; sie haben dabei den Vorteil, daß das aus der Kannenröhre ausfließende Wasser beim Hinablaufen Wade und Schienbeingleichmäßiger und gleichzeitigerbenetzt; und gleichmäßiges und gleichzeitiges Übergießen zähle ich stets zu den guten Eigenschaften eines Gusses.

Fig. 13.Fig. 14.

Fig. 13.

Fig. 13.

Fig. 14.

Fig. 14.

Die Wirkung des Schenkelgusses ist die erhöhte Wirkung eines Kniegusses; daher könnte er jederzeit diesen letzteren vertreten und ersetzen. Als Vertreter aber geht es ihm wie den Ersatzmännern bei öffentlichen Ämtern: es kommt in meinem Wasseramte selten zur Verwendung. Er bildet die natürlichste Brücke, den natürlichsten Übergang vom Knieguß zum Unterguß, erhöhtem, verstärktem Schenkelguß, Schenkelguß im weiteren Sinne des Wortes. So oft im folgenden und in allen meinen Schriften der Name Schenkelguß erscheint, habe ich (immermöchte ich sagen) denverstärktenSchenkelguß im Auge.

(erhöhter, verstärkter Schenkelguß) besteht darin, daß mit der ersten Gießkanne rückwärts unten am Fuße beginnend der Körper bis überdie Hüftebenetzt wird und die folgenden drei bis vier, ja sechs Kannen Wasser gleichmäßig den ganzen Unterkörper (auch von vorne), vorzüglich aber Kreuz- und Lendengegend gut bespülen. Weil er sich auf den ganzen Unterleib erstreckt, so ist sein Name „Unterguß“ auch gerechtfertigt; am vorteilhaftesten wird er gleich dem Schenkelguß stehend genommen. (SieheAbbildung.)

Fig. 15.

Fig. 15.

Dieser Guß mußregelmäßig nach dem Fußdampfe erfolgen, wenn nicht etwa das Halbbad oder das Knien in die Badewanne vorgezogen wird. Seine Wirkung ist um so stärker, je mehr Wasser dazu verwendet wird, und je höher der Strahl auffällt.In der Regelsoll derselbe nicht höher als etwa spannehoch fallen.

bildet die Fortsetzung des vorher beschriebenen Gusses nach oben in der Weise, daß mit der ersten Gießkanne voll Wasser die ganze Rückseite des zu Begießenden von der Ferse bis zum Nacken benetzt wird; der Inhalt weiterer 3–5 Kannen, dessen Strahl höher oder tiefer, stärker oder schwächer auffallen kann, wird vom Halse bis hinunter zum Steißbein einerseits und von dem linken bis zum rechten Schulterblatte anderseits gleichmäßig ausgegossen. Ziemlich reichlich wird dabei die Rückensäule bedacht, aber nicht überflüssig ist nebstbei die Bemerkung, daß bei sehr empfindsamen, erregbaren Personen, besonders anfangs, die Wirbelsäuleselbstmöglichst geschont werden möge.Rasches Abwaschender Brust, des Unterleibs und der Arme soll den Rückenguß stets begleiten oder beschließen. Ichsagebegleitenoderbeschließen: ersteres kann dadurch bewerkstelligt werden, daß das Wasser, welches, während der Nacken begossen wird, nach vorne abfließt, zur Abwaschung verwendet wird; letzteres geschieht unmittelbar nach dem Gusse, so oft ersteres unterlassen wurde. Bei den Beinen kann man das Abwaschen ersparen, indem man in stehender Körperhaltung den Guß nimmt, in welchem Falle das Wasser beim Ablaufen von oben eine volle Abspülung vornimmt.

Fig. 16.

Fig. 16.

Der Rückenguß wirkt besondersstärkendauf dasRückgratein undfördertdenBlutumlaufgünstiger und stärker als die vorigen Gußarten.

erstreckt sich, wie der Name besagt, auf den ganzen Körper, vom Halse bis zu den Fußspitzen. Derselbe wird folgendermaßen erteilt:

Der Patient sitzt in der Badewanne oder in einem weiten Holz- oder Blechgefäß auf einem schmalen Brettchen, bekleidet mit Badehosen oder dem Badehemde. Wer ihn kniend oder stehend nehmen will, trifft auch keine schlechte Wahl. Der Guß geschieht zum Teil von der Rückseite, zum Teil von der Vorderseite mit ungefähr 4 Gießkannen Wasser. Die erste Kanne netzt den ganzen Körper an. Die weiteren drei und mehr Kannen werden in der Art verwendet, daß der Strahl nach allen Körperteilen hinzielt, vorzüglich nach dem Rückenmark und den Hauptnervengeflechten, also ins Genick und zu beiden Seiten desselben, sodann in die Magengegend (Magengrube, Sympatikus in der Magengegend).

Fig. 17.

Fig. 17.

Gesunden, besonderskorpulenten Personen, ist dieser Gußsehr zu empfehlen. Er härtet ab, steigert die Zirkulation des Blutes, kräftigt und hebt diese blutarmen und wasserscheuen Individuen aus ihrer übergroßen Empfindsamkeit und Empfindlichkeit heraus.

Wer sich kaltfühlt undwem fröstelt, der darf den Guß nicht nehmen, er stelle denn zuerst die richtige Naturwärme her, sei es durch Bewegung, sei es durch künstliche Nachhilfe, etwa den Fuß- oder Kopfdampf. Sonst aber kann er Sommers und Winters vorgenommen werden, im Winter selbstverständlich in einem gewärmten Lokale.

BeiKränklichenundSchwächlichendarf, ja soll das Wasser etwas temperiert („abgeschreckt“) werden und wenigstens die Temperatur haben, welche das Wasser in Badeanstalten zur Sommerszeit hat (15–18°R.).

Die Berichte der einzelnen Krankheiten enthalten, in welchen Fällen und wie oft der Ganzguß anzuwenden sei. Ich ziehe denselben vielfach dem Vollbade vor und verwende ihn statt desselben da, wo ich durch Aufgießen auf eine besonders leidende Stelle in nachhaltiger Weise einwirken will. BeiRheumatismengeschieht dieses ziemlich oft.

Kranken, bei denen ichbesonders starke Auflösungenund Ausleitungen erzielen möchte, gebe ich nach dem Vollgusse noch folgende Anwendung. Das durch den Guß naß gewordene Hemd wird rasch so ausgewunden, daß es nicht mehr träufelt, und dann als Wickel benützt (s. Wickelungen), in welchem der Patient 1 bis 1½ Stunden bleibt. Andernfalls muß es selbstverständlich ausgezogen und durch trockene Wäsche ersetzt werden. Der Patient selbst macht sich Bewegung, bis er völlig warm und trocken ist.

Hier nur eineflüchtige Bemerkung. Die an manchen Orten üblichen, hoch und deshalb sehrstark auffallenden Güsseundheftigen Duschenhabe und billige ich nicht. Ich sehe absolut nicht ein, was so gewaltige Wasserschläge bei Gesunden und erst bei Kranken erzielen sollen. Zum Waschen des Körpers braucht man keine Feuerspritze; wem würde solches einfallen?

Zum Begießen sind diese förmlichen Wasserstürme nicht notwendig; denn entweder ist die Krankheit heilbar und so durch geringere Anwendung ihr beizukommen, oder sie ist nicht heilbar; dann würde diese schroffe Behandlung auch nichts nützen, eher schaden.

ist das Gegenstück zum Unterguß.

Der zu Behandelnde entkleidet sich bis auf die Beinkleider. Das Einfließen des Wassers in letztere hindert ein übergelegtes, abschließendes Tuch. Das Gefäß, in welches das Wasser abfließt,dann statt auf der Erde auf einem Stühlchen stehen. Das Bücken wird stärkeren Personen dadurch leichter gemacht; auch der Kopf wird geschont, d. i. durch dessen mehr gehobene Haltung der Blutandrang zu demselben gemindert. Der Patient stützt beide Hände auf den Boden des Gefäßes, so daß der Oberkörper eine horizontale Lage annimmt und das Wasser beim Gießen ins Gefäß abfließt. (S.Abbildung.)

Fig. 18.

Fig. 18.

Die erste Kanneverbreitet sich, ausgehend vom rechten Arm und der rechten Schulter, über den ganzen Rücken bis zur linken Schulter und dem linken Oberarm (a). Sie dient in erster Linie zur Anfeuchtung der ganzen Gußstelle. Die zweite (b), ebenso die dritte Kanne (c) bewegen sich hauptsächlich über das große sympatische Nervengeflecht zu beiden Seiten des 7. Halswirbels, sodann über den ganzen Rücken und das Rückgrat, stets abschließend mit einem der beiden Oberarme.Die ganze Gußstellesoll drei- bis viermalgleichmäßig übergossenwerden, der Begossene gleichsamdrei Wasserauflagenbekommen, welche über den Oberkörper, über die Brust in das Gefäß abfließen. Wer aber nicht geübter, erprobter Begießer ist, dem gebe ich den guten Rat, einfach so zu gießen, daß das Wasser auf den Rücken des zu Begießenden recht gleichmäßig verteilt wird, so daß dasselbe eine förmliche Decke bildet und der Rücken wie etwa mit einem Tuche überlegt erscheint. DerKopfwerdemöglichst geschont, der Hals dagegen tüchtig begossen. Wer lange Haare hat, dessen Kopf greife ich gar nicht an; wer kurze Haare hat, den begieße ich zart und wenig. Beinervösen Personensei man achtsam, daß derRückgratoder auch nur eine Stelle desselben zu stark oder zu lange begossen werde. Der Strahl würde fast wie ein stechendes Messer empfunden und nicht ertragen werden, wenn auch durchaus keine Gefahr ist. Je nach Bedarf und Absicht läßt der Begießende den Strahl voller oder geteilter, höher oder tiefer, d. i. stärker oder schwächer auffallen. Zugleich habe er einOhr, ob der Patient über besondere Schmerzen an irgend einer einzelnenStelle klagt, und einAuge, ob er vielleicht Symptome von Ausschlägen, Geschwüren, Blutanstauungen (blaue Flecken), Blutwülsten usw. gewahr wird.

Fig. 19.

Fig. 19.

Je gleichmäßigerdas Wasser über die begossenen Teile läuft, um so leichter ist der Guß auszuhalten, und um so schneller tritt an allen Stellen gleichmäßige Wärme ein.

Es gibt Personen (darunter zählen insbesondere diejenigen, welche entweder schon stark beleibt sind oder zum Starkwerden Anlage haben), bei denen man lange aufReaktionwarten kann. Man sieht dieses daran, daß die Haut weiß, farblos bleibt, wie vor dem Gusse, nicht rot wie vom aufgescheuchten, geweckten, den begossenen Stellen zuströmenden Blute. Dahelfeich dadurchnach, daß ich nach der ersten Kanne den nassen Rücken leicht mit der Hand abwasche und durch diese kleine Reibung die Haut zur Tätigkeit reize. Beim dritten und vierten Gusse schon ist in der Regel vollständige Reaktion vorhanden.

BeischwächlichenPersonen reicht zum Gusse eine Kanne aus.

Anfängertraktiere man mit 1 oder 2,Fortgeschrittenemit 2 oder 3,GesundeundKräftigemit 5 bis 6 Kannen. Übertreiben soll man bei vorhandenem Wohlbehagen in keinem Falle.

Vor und nach dem Gusse wasche man sich schnell die Brust, trockne nach demselben die Hände und das Gesicht, ziehe rasch, ohne sonst irgend abzutrocknen, die Kleider an und begebe sich in Bewegung oder an die Arbeit.

DerObergußist (wenn nicht eine Abwaschung stattfindet)stets notwendignach dem Kopfdampf.

Sonst kommt erregelmäßigvor in Verbindung mit dem Knieguß, und zwar in der Reihenfolge, daß zuerst er und nach vollständiger Bekleidung des Oberkörpers der Knieguß vorgenommen wird. Betont sei aber nochmals, daß eineNotwendigkeitnicht vorliegt, daß dem Oberguß der Knieguß folgenmüsse.

Beide Güsse zählenmit zu denAbhärtungsmitteln; sie wirken erwärmend, (gleichmäßige Zirkulation des Blutes), stärkend, förmlich elektrisierend und können von Personen beiderlei Geschlechts ohne allen Nachteil angewendet werden.

Ich kenne solche, welche jeden Morgen beim Aufstehen sich selbst beide Güsse applizieren. Sie nehmen zuerst den Oberguß vor, indem sie durch geschickte Handhabung der kleinen Kanne sich das Wasser über den Rücken laufen lassen, noch besser, indem sie sichin der Waschküche oder in einem Badelokal den Wasserhahn klein drehen und den mäßigen Strahl auf den Rücken spielen lassen. Sie wandern unter dem Strahl einher, wie es ihnen selbst beliebt und wohltut. Hernach richten sie den Hahn oder die Kanne ebenso auf die Knie. In fünf Minuten ist alles vorüber und dem ganzen Körper eine große Wohltat erwiesen.

Fig. 20.

Fig. 20.

Wer sich scheut, den Guß von einem andern zu erbitten, und dazu selbst die Gewandtheit nicht besitzt, wasche sich den Oberkörper mit recht kaltem Wasser. Dann stelle er die bis über die Knie entblößten Füße in ein zum Teil mit Wasser gefülltes Gefäß, schöpfe mit was immer von dem Wasser und schütte dieses langsam über die Knie und den untern Fuß. Selbst bei dieser primitiven Selbstverabreichung der beiden Güsse wird die Wirkung nicht fehlen.

Wie die Beine bei Knie- und Schenkelguß für sich allein in Behandlung kommen, so kann es öfters auch sehr zweckdienlich sein, die Arme speziell zu begießen.

Der Guß beginnt vorne an den Händen und nimmt seinen Lauf hinauf bis gegen die Achseln; er wird stets beiderseits vorgenommen und für gewöhnlich reicht eine Kanne zu 15 Liter füreinenArm aus. Bald wird dieser Guß verordnet und genommen alseinfaches Abhärtungsmittel der Arme, bald ist er sehrnützlich zur Auflösung der Stauungenin denselben, baldum Entzündungen zu dämpfen und deren Schmerz zulindern, und bald um Gicht und Rheumatismus aus den Armen zu verscheuchen. Für Blutarme und Bleichsüchtige ist er eine große Wohltat. Wer einen sprudelnden Brunnen zur Verfügung hat, der halte beide Arme eine Minute unter denselben und ich werde ihm gewiß nicht den Vorwurf machen, daß sein Armguß kein richtiger ist.

Wollte ich diesen Guß ganz verschweigen, so würde ich einer Anwendung in meinem Heilverfahren nicht gerecht werden, der ich doch bei Augen- und Ohren-Gebrechen große Dienste und Erfolge zu verdanken habe. Dabei gießt man dasWasser über den Kopfund läßtden Strahlumdie Ohren,auf die Backenund selbstzwei Sekunden auf das geschlossene Augespielen. Zuerst verwendet man hiezueine, späterzweiKannen voll Wasser. Wieder ist es nicht überflüssig, die Mahnung beizufügen, daß nach dem Kopfgusse das Haupthaarsorgfältigabgetrocknet werden muß.

Die Waschungen teilen sich inGanzwaschungenund inTeilwaschungen. Von beidem wird im folgenden die Rede sein. Imallgemeinenkann vorausgeschickt werden, daß die Grundsätze bezüglich des Frottierens, des Nichtabtrocknens auch hier gelten.Bei einer jeden Waschungliegt dieHauptsache(derSchwerpunkt) darin, daß der ganze Körper oder der einzelne zu waschende Teilgleichmäßig naßwerde. Vom Gerieben-, Geknetetwerden ist nirgends die Rede. Wenn zuweilen bei den Krankheiten von kräftiger Abwaschung gesprochen wird, so verstehe ich darunter stets eine schnelle Handlung, bei der man nicht zögert und zaudert.Diejenige Ganz-oderTeilwaschungwird diebeste sein,die am gleichmäßigsten geschiehtund amkürzesten dauert; über 1, längstens 2 Minuten darf keine währen. Darnach mag man beurteilen, wie sehr mein Verfahren von den in gewissen Anstalten geübten verschieden ist, und man verschone mich mit dem Vorwurfe, daß ich die Patienten unmäßig lange im kalten Wasser belasse, was den also Mißhandelten Rheumatismen, Gelenkrheumatismen u. a. notwendigerweise zuziehen müsse. Ich sündige wahrlich nicht durch ein Übermaß.

Noch sei bemerkt undeingeschärftwie beim kalten Vollbade:wessen Körper kalt ist,wen frösteltoderfriert, der nehmenie eine Waschung, vor allem nie eine Ganzwaschung vor. Die ohnedies geringe Naturwärme würde so noch bedeutend geschwächt und nur schwer und lange nicht ersetzt werden. Fieber, Katarrh und anderes müßten die unausbleiblichen Folgen sein.

Die Ganzwaschung erstreckt sich, wie der Name besagt, auf den ganzen Körper (den Kopf ausgenommen), welcher von oben bis unten in einem Zuge gewaschen wird.

Am leichtesten geschieht sie in folgender Weise:

Man nimmt ein rauhes, grobes Handtuch (mit dem kleinen Badeschwamm geht es zu langsam), taucht es ins kalte Wasser und beginnt die Waschung an Brust und Unterleib. Dann kommt die Reihe an den schwerer zugänglichen Rücken. Eine Regel über das „Wie“ der Rückenwaschung läßt sich nicht geben. Ein jeder wird bald selbst den Vorteil finden, wie er dem ganzen Rücken schnell und leicht beikommt. Den Abschluß bildet die Waschung der Arme und Beine (Füße). Alles muß in einer, längstens in zwei Minuten fertig sein. Jede Waschung, die darüber währt, kann vom Übel sein. Zudem hüte man sich, die Waschung an einem Orte vorzunehmen, an dem der Körper der freien Luft ausgesetzt ist. Das hieße sich absichtlich verderben wollen.

Ohne abzutrocknen zieht man möglichst rasch die Kleider an und sucht Arbeit oder Bewegung bis zur völligen Erwärmung und Trocknung der Haut.

Wann und wie oft können Gesunde die Ganzwaschung vornehmen?

Einmal, in der Frühe nämlich, wäscht sich jedermann Gesicht und Hände. Auch die Ganzwaschung wäre in derMorgenfrühegleich beim Aufstehen vortrefflich angebracht. Da ist die Naturwärme, weil durch die Bettwärme gesteigert, am stärksten; die Waschung wäre eine angenehme Abkühlung, Auffrischung, die sofort den Halbschlaf vertreiben und schon beim Beginne des Tagewerkes tüchtig, lebendig und frisch machen würde. Von Zeitverlust kann da nicht die Rede sein, denn in einer Minute ist die Ganzwaschung geschehen und es kann sofort zur Arbeit geschritten werden.

Wie mancher in der Stadt macht im Frühjahr und im Sommer seinenMorgenspaziergang! Er probierevor demselbendie Ganzwaschung. Ich bin überzeugt, ich brauche ihn zum zweiten Malenichtaufzumuntern.

Solche, welche nach dem Ganzbade weder Bewegung machen noch an eine Arbeit gehen können und darin eine Entschuldigung suchen, tun unklug. Sie sollen die Ganzwaschung ruhig vornehmen und sich nach derselben noch ein Viertel- oder ein halbes Stündchen zu Bette legen. Auch dieses geht an.

Wer es über sich bringt, — es ist eine so kleine Überwindung! — eine Zeit lang täglich oder wenigstens alle 2–3 Tage seinem Körper diesen Dienst zu erweisen, der dient demselben in Wahrheit gut und erwirbt sich selbst den besten Lohn.

Hat jemand in der Morgenfrühe keine Zeit, so istjede Tagesstundeeine gute Stunde zur Waschung. Man ziehe sich zwei, drei Minuten in seine Schlafkammer, in die Waschküche usw. zurück, und die wohltuende Arbeit ist vorüber. Daß wir doch nicht so überaus bequem und wasserscheu wären!

Wenn der Schmied und Schlosser seine Werkstatt schließt, so wäscht er sich den Ruß und den Kohlenstaub vom Gesichte; wenn der Landmann, der auf Reinlichkeit was hält, vom Felde heimkehrt, so wäscht er sich die Hände und nimmt zur heißen Sommerszeit vor jeder andern Erfrischung einen Schluck Wasser, um sich Mund und Gaumen auszuspülen. Wie gut wäre es erst, wenn beide nachdem ermüdenden Tagewerkeden letzten Schweiß sich in einer Ganzwaschung abwischen würden! Ich wünschte, diese erquickende und stärkende Übung wäre vielmehr bekannt.

Nachts vor dem Schlafengehenkann nicht jeder eine Wasseranwendung vornehmen, da diese manche Personen aufregt. Wer sie ertragen mag, verliert gerade da die wenigste Zeit und wird fester und ruhiger schlafen, als er sonst gewöhnt ist.

Garvielen, welche nachts nicht einschlafen konnten, habe ich statt der Ganzbäder die leichtere Ganzwaschung und meistens mit gutem Erfolge empfohlen.

ZurWinterszeitrate ich stets an, zuerst ungefähr zehn Minuten ins Bett zu liegen und erst, nachdem der ganze Körper warm geworden, die Waschung vorzunehmen.

Gerade bei Kranken habe ich stets die Erfahrung gemacht, nicht nur wie wenig die Reibungen, Frottierungen usw. nützen, sondern auch wie sie vielmehr gar oft schaden durch ungleichmäßige Erwärmung, durch Aufregung u. a.

Vor allemdringeich bei der Ganzwaschung der Krankendarauf, einmal,daß der ganze Körper, die Fußsohlen sogar inbegriffen,gewaschenwerde, und dann, daß ergleichmäßig gewaschenwerde: gleichmäßig sowohl in Bezug auf das an alle Stellen des Körpers verwendete Quantum Wasser, als auch in Bezug auf die Reibung, die mit jedem, selbst dem gelindesten Waschen verbunden ist. So nur wird die Naturwärme sich gleichsam natürlich, ungezwungen, gleichmäßig bilden; bei den angedeuteten Unregelmäßigkeiten müßte ihr Eintreten ebenfalls unregelmäßig, an den verschiedenen Stellen verschieden und, wenn nicht gerade von schädlicher, doch weniger günstiger Wirkung sein.

AnKrankenlasse ich die Waschungenstets in folgender Weisevornehmen: Der Kranke setzt sich im Bette auf oder wird, wenn er allzu schwach ist, aufgesetzt und gestützt. Man wasche ihm schnell den Rücken, die ganze Wirbelsäule auf und ab. Das ist die Arbeit einer halben Minute, und der Kranke legt sich nieder. Jetzt wäscht man Brust und Unterleib; noch kräftige, nicht allzusehr geschwächte Personen tun dieses in der Regel selbst. In längstens einer Minute ist auch dies geschehen. Nun kommen die Arme an die Reihe und endlich die Beine. In drei, längstens vier Minuten ist alles vorüber, und der Kranke fühlt sich wohl, ja wie neugeboren.

Wie ichjedem, selbstdem schwer Erkranktentäglich Gesicht und Hände waschen kann, gerade so leicht kann ich mit gutem Willen und mit liebevoller Sorgfalt diese Waschung vornehmen. Das zweite und dritte Mal wird auch die Praxis schon eine bessere und größere sein.

Sollte einem Schwerkranken die Waschung des ganzen Körpers in der Tat auf einmal zu viel sein, dannteilt man die Ganzwaschungin zwei odergar drei Teilwaschungen. Man wäscht in der Frühe Brust, Unterleib und Arme, nachmittags den Rücken und die Füße; oder man wäscht in den Morgenstunden die Brust und den Unterleib, gegen Mittag den Rücken, nachmittags die Arme und die Beine.

Eine vorsichtige, schnelle Waschung kann niemals schaden, selbst, wenn sie mit dem frischesten Wasser, — was das Beste ist — vorgenommen wird.

Wann und wie oftbei Kranken die Ganzwaschung zu geschehen habe, ist bei den einzelnen Krankheiten angegeben.

Ich bemerke hier nur noch, daß namentlichbei heftigem Fieber, dann bei allen von heftigem Fieber begleiteten Krankheiten, besonders beimTyphusund denBlatterndie Ganzwaschungen eine Hauptrolle spielen und stets an die Stelle der kalten Ganzbäder treten, wenn diese aus irgend einem Grunde nicht genommen werden können.

Beim Fieber zeigen die sich steigernde Hitze und die damit verbundene Bangigkeit stets selber die Zeit der jedesmaligen Wiederholung der Waschung an, die unter Umständen jede halbe Stunde geschehen kann.

Viele Krankheiten, wie Katarrh, Schleimfieber, Blattern, Typhus und andere, habe ich durch die Ganzwaschungen allein geheilt.

Beischwächlichen Naturenverwende ich zur Waschung statt des Wassers sehr oft denEssig(mit Wasser verdünnt). Abgesehen davon, daß er gründlicher die Haut reinigt, die Poren öffnet, kräftigt, stählt er auch.

Gar oft bekommt man zu hören, daßWaschungen mit Wein, Spiritus(den Essig nehme ich aus) usw. ganz außerordentliche Wirkung hervorbringen sollen. Ich habe solche Waschungen recht oft probierend und forschend vorgenommen, bin aber über das Niveau (Bereich) der ordentlichen, manchmal der recht mittelmäßigen Wirkung nie hinausgekommen. Manchmal hat mich ein Versuch ohne jeglichen Erfolg gelassen.

Vor Jahren galt der Franzbranntwein als unübertreffliches Waschungsmittel; tausende von Flaschen wurden verkauft und gekauft. Die Sache ruhte dann einige Jahre und erst seit den letzten Jahren macht dieser Geist wieder in der ganzen Welt die Runde.

Derlei Mittel kamen und verschwanden zu verschiedenen Zeiten wie die Kometen. Sie ziehen oft einen großen Schweif nach sich, dann aber verschwinden sie für immer. Es sind nicht die regulären, die gewohnten Sterne, die allnächtlich auftauchen und ruhig aber ohne Unterbrechung und ohne Aufhören leuchten. Mit letzteren möchte ich das Wasser vergleichen. Es wirkt, und seine Anwendungen werden bleiben, wenn derlei „außerordentliche“ Strömungen längst aufgehört haben zu fließen, zum Teil, weil sie die Probe nicht bestanden.

Ich wünschte nur recht lebhaft, daß das Wasser sich allgemein Bahn bräche, besonders in die Kreise hinein, die zu seiner nutz- und segensvollen Verbreitung und Anwendung alles tun könnten.

betrifft nicht den ganzen Körper, sondern einen Teil desselben.

Dieselbewird vorgenommenmit der Hand oder einem gröberen Handtuch und frischem Wasser. Im weiteren gelten ganz die gleichen Regeln wie oben.

Ob der Finger oder die Zehe, der Fuß oder die Hand oder was immer entzündet sei, — überall und stets lösche man, wo es und wann es brennt.

Etwaige nähere Bestimmungen, wann solche Teilwaschungen notwendig erscheinen, stehen bei den einzelnen Krankheitsfällen selbst.

Unter den Wickelungen sei zuerst genannt

Dieser Wickel kann aufzweifacheArt genommen werden.

Der ganze Kopf, Gesicht und Haare, werden gewaschen, ganz naß gemacht. Das Wasser soll durchdringen bis auf die Haut; doch dürfen die Haare nicht vom Wasser triefen. Das wäre des Guten zu viel.

Darüber (über den ganzen Kopf) bindet man ein trockenes Tuch, in der Art, daß es gut anliegend, luftdicht abschließt und nur die halbe Stirne mit den Augen sichtbar läßt.

Nach einer halben Stunde schon, selten erst nach einer Stunde, sind die Haare trocken.

Es kann sodann die Waschung und der Umschlag ein-, zwei-, ja dreimal erneuert werden. Man sehe nur darauf, daß das den nassen Kopf bedeckende Tuch beim Wickeln recht trocken ist. Die zweite und dritte Anwendung werden je eine halbe Stunde währen; man achte indessen genau darauf, daß vor jeder neuen Anwendung die Haare stets vollständig getrocknet seien.

Am Schlusse der letzten Anwendung gewöhne man es sich an, Hals und Kopf leicht, kurz und kalt abzuwaschen und wie beim Waschen in der Frühe abzutrocknen.

BessernochgeschiehtdieAnwendungauf folgende Art, besonders in Fällen, in denen man starke Ausscheidungen erzielen will.

Man wäscht den Kopf, wie oben angegeben wurde. Das Wickeln geschieht dieses Mal mit zwei Tüchern, mit dem luftabschließenden Tuche der ersten Art der Anwendung, dann noch mit einem leichteren, ebenfalls gut anliegenden und abschließenden Wolltuche.

Wäre die Hitze des Kopfes sehr groß, so könnte außer den Haaren die unter dem Wolltuche liegende Umhüllung auch genäßt werden.

Soll die ganze Anwendung längere Zeit dauern, so säume man nicht mit dem Wechsel; er wird im höchsten Falle 25 bis 30 Minuten aufgeschoben werden können.

Die Anwendung wird beschlossen wie oben.

Kopfleiden, hauptsächlichrheumatischer Art, die durch Verkühlung, Erkältung, raschen Temperaturwechsel entstanden sind,zahlreiche Schuppen, trockeneAusschläge,kleine Geschwüre auf dem Haarboden, werden mit Erfolg durch den Kopfwickel behandelt.

DiegelindeForm des Halswickels besteht darin, daß man mit der Hand oder mit einem Handtuche den ganzen Hals naß macht und ihn mit einer trockenen groben Linnenbinde in 3–4 Windungen („Umgängen“) sorgfältig, aber nicht zu fest umwindet. Es soll eben der Zutritt der frischen Luft zu der benetzten Stelle verhindert werden.

Diezweite Artder Wickelung geschieht also, daß einweiches Handtuch in frisches Wasser getaucht und um den Hals gelegt wird. Das nasse deckt ein trockenes Handtuch und beide eine Woll- oder Flanellbinde. Wer diese nicht besitzt, kann jedweden trockenen Wollstoff verwenden und soll nur stets für luftdichtes Abschließen besorgt sein.

Nach meiner ganzen bisherigen Erfahrung muß ichim Allgemeinen gegen langwährende Anwendungensprechen; sie bewirken sehr oft das Gegenteil von dem, was sie bezwecken: Verschlimmerung statt Besserung. Das ist denn sehr oft mit ein Hauptgrund, daß die Anwendungen überhaupt den Kredit, das Vertrauen einbüßen. Ein derart abgeschreckter, weil getäuschter Kranker bleibt stets schwer zu bekehren, alle Überredungs- und Überzeugungkünste scheitern.

Diese allgemeine Bemerkung möchte ich jetzt insbesondere auf die Wickelungen beziehen, den Halswickel nicht ausgenommen.

Sämtliche Wickel wollenundsollenvorzüglichdahin wirken, übermäßiges, ungeordnetes Strömen des Blutes nach irgend einer Stelle hin zu verhindern, das Blut abzulenken, wegzuziehen von dieser Stelle, sodann sehr große Hitze aus- und abzuleiten.

Wenn ich den Wickel nun allzu lange, z. B. eine ganze Nacht an der kranken Stelle belasse, so wird diese Stelle warm und immer wärmer, es strömt mehr Blut zu, sie wird zuletzt oft fürchterlich heiß, und die Entzündung, das Übel, muß verschlimmert werden.

Die Folgerungen, welche sich hieraus für den Halswickel ergeben, liegen auf der Hand.

Ich bin durchaus gegen vielstündige oder gar ganznächtige Anwendungen.Eine vollständige Anwendung dauert bei mir 1, höchstens 1½ Stunden, und es soll nach jeder halben Stunde, unter Umständen nach je 20 Minuten, der nasse Umschlag erneuert, das ist von neuem eingetaucht und nach obiger Weise umwunden werden. Dieses Neueintauchen kann also innerhalb einer Anwendung 2–4 mal geschehen. Es ist nicht bei jedem Patienten gleich und hängt ab von der geringeren oder größeren Hitze, welche derselbe verspürt. Das Gefühl einer gewissen Unlust und Bangigkeit darf als der beste Zeiger gelten, der die Zeit zum Wechseln angibt.

BeiHalsentzündungen,Schlingbeschwerden, beimanchen Kopfleidenist der Halswickel vorgeschrieben; zu gleicher Zeit wird man suchen, durch Anwendungen auf andere Körperteile, z. B. die Füße (nasse Socken), oder auf dem ganzen Körper ihm entgegenzuarbeiten.

Der Shawl ist einespezielle Anwendung für die Brustund denoberen Teil des Rückens. Jede Frau und jedes Mädchen kennt das unter diesem Namen besonders auf dem Lande gebräuchliche Kleidungsstück. Es ist ein viereckiges, größeres Wolltuch, welches, einmal und zwar im Dreieck zusammengefaltet, so über die Schultern geworfen wird, daß der größere Winkel auf den Rücken, die beiden kleinen spitzen Winkel auf die Brustseite zu liegen kommen.


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