Neue Feindseligkeiten. — Das Kap der Kinderdiebe. — Gastfreundliche Wilde. — Abenteuer in der Tegaduhbai.
Am folgenden Morgen, den 13. September, erhob sich um 5 Uhr ein Nordwind. Wir lichteten sofort die Anker und steuerten gegen das Land hin. Gegen Abend versuchten wir in eine Einfahrt hineinzufahren, machten aber wieder kehrt, als wir entdeckten, daß es sich nicht um die Einfahrt eines Hafens handelte. Dabei verfolgte uns ein großes Kriegskanu. Es war mit ungefähr zwanzig Bewaffneten besetzt, die uns mit höhnischen Worten zum Kampf herausforderten. Wir ließen die Möpse ruhig den Mond anbellen. Am nächsten Tage bekamen wir das im Lande liegende Gebirge zu sehen, dessen höchste Gipfel mit Schnee und Eis bedeckt waren. An der Küste war das Land niedrig und unfruchtbar. In einer kleinen Entfernung sahen wir Haine von Bäumen, die hochstämmig und oben spitzig waren. Ich ließ die Pinasse und das lange Boot aussetzen, um frisches Wasser aufzusuchen. In diesem Augenblick bemerkten wir verschiedene stark bemannte Kähne aus dem Land herauskommen. Um 10 Uhr wurden fünf von diesen Kähnen zusammengezogen. Sie hielten eine Art von Kriegsrat, der für den Krieg ausgefallen sein mußte, denn sie rückten gegen das Schiff vor. Diese fünf Kähne hatten 80–90 Mann an Bord; in einer kurzen Entfernung folgten ihnen noch vier Boote nach, jedenfalls als Reserve. Kaum hatten sie sich uns auf dreihundert Schritte genähert,als die Wilden ihren Kriegsgesang anstimmten, ihre Lanzen schwenkten und sich zum Angriff formierten. Tupia rief ihnen zu, daß wir den Donner in der Gewalt hätten und sie alle vernichten würden, wenn sie uns nicht in Ruhe ließen. Zur Bekräftigung dieser Worte ließ ich eine Kanone abfeuern. Der Knall, der Blitz und die Kugeln des Traubenschusses, die sich fächerartig im Wasser ausbreiteten, erschreckten die Indianer in solchem Maße, daß sie sich eiligst zurückzogen. Tupia aber rief ihnen nach, daß wir sie, wenn sie ohne Waffen kommen wollten, als Freunde aufnehmen würden. Die Besatzung eines der Boote ließ sich wirklich dazu bewegen, unbewaffnet zu uns ans Hinterteil des Schiffes zu kommen. Wir machten ihnen verschiedene Geschenke und würden sie auch bewogen haben an Bord zu kommen, wären nicht die übrigen Kähne in feindlicher Absicht herangekommen, worüber die andern sehr empört waren. Nach kurzer Auseinandersetzung ruderten sie alle ans Land.
Am nächsten Tage früh 8 Uhr befanden wir uns endlich der Landspitze gegenüber. Hier kamen einige Fischer zu uns, die uns einige sehr verdächtig riechende Fische verkauften, aber bereit waren, uns in jeder Weise zu unterstützen. Leider wurden sie durch die Besatzung eines Kriegskahns verscheucht, der sich frech an uns heranmachte. Obgleich die Bewaffneten nichts zu verkaufen hatten, so schenkte ich ihnen doch einige Stücke Tuch. Einer von ihnen vertauschte mir sein Bärenfell für ein Stück rotes Tuch, nahm dieses in Empfang, gab aber das Fell nicht heraus. Bei dem sich deshalb entspinnenden Streit bemächtigten sich dieFischer des Dieners Tupias, Tayeto, der an die Seite des Schiffes gestellt worden war, um die eingetauschten Sachen heraufzureichen. Zwei hielten ihn im Vorderteil des Kahnes fest, während die andern eiligst wegruderten, welchem Beispiel die übrigen Kähne folgten. Hierauf gab ich den Seesoldaten, die auf Verdeck unter Gewehr standen, Befehl zu feuern. Ein Mann fiel. Tayeto benützte die Verwirrung, um sich loszureißen und ins Wasser zu springen. Der große Kahn wendete, um ihn zu verfolgen; ich vertrieb ihm die Lust dazu durch ein paar gutgezielte Gewehr- und Kanonenschüsse. Wir konnten den armen Burschen unverletzt auffangen, aber er war so erschrocken, daß er lange nicht zu sich kam. Die Herren Banks und Solander konstatierten durch das Fernrohr, daß die Wilden drei Männer tot oder doch schwerverletzt den Strand hinaufgetragen hätten. Als Tayeto sich von seinem Schrecken erholt hatte, brachte er seinem Herrn einen Fisch, um ihn seinem Eatua, seinem Gotte, zu opfern. Tupia lobte den frommen Sinn des Knaben und befahl ihm, den Fisch als Dankopfer ins Meer zu werfen. Das Vorgebirge, an dem dieser freche Raub stattfand, nannte ich Kap Kidnappers, das Kap der Kinderdiebe.
Wir fuhren noch einige Zeitlang südwärts. Da ich aber nirgends einen guten Hafen fand, so machte ich an einem Vorgebirge mit gelben Steinklippen in einer südlichen Breite von 40 Graden, 34 Minuten, 18 Seemeilen Süd-Süd-West von Kap Kidnappers, kehrt. Am 18. des Morgens um 4 Uhr lag Kap Kidnappers 2 Seemeilen weit nordwärts und 3 westwärts.Die Nacht über legte ich am Tafelvorgebirge bei, am Morgen segelte ich gegen Land, um in einer Bai 2 Seemeilen weit vom Kap vor Anker zu gehen. Die Eingeborenen, die uns mit ihren Kähnen beständig umschwirrten, hatten uns auf diesen Ankerplatz aufmerksam gemacht und dabei beständig auf eine Gegend hingewiesen, wo es Überfluß an frischem Wasser gab. In der Bai selbst fand ich nicht so viel Schutz vor der See, wie ich erwartet hatte. Da uns aber die Eingeborenen freundlich gesinnt schienen, so wollten wir länger hier verweilen. In einem der Kähne, die uns besuchten, kamen auch zwei Häuptlinge. Ich lud sie ein an Bord zu kommen und schenkte jedem von ihnen 12 Fuß Leinwand und einen großen Nagel, den sie nicht sehr wertschätzten. Wir hörten von ihnen, daß sie über die Vorfälle in der Taoneroabai unterrichtet waren, und ließen ihnen daher durch Tupia sagen, daß wir freundschaftliche Absichten hegten und uns nur wehrten, wenn man uns angriffe. Unterdessen trieben die Indianer im Kahne einen regen Tauschhandel mit unsern Leuten. Ich lud die Häuptlinge zu Tisch. Nachher begleiteten sie mich in meinen eigenen Booten, um mir eine günstige Wasserstelle zu zeigen. Da es jedoch stürmisch und regnerisch war und die Brandung hoch lief, so daß wir keine Landungsstelle finden konnten, so ließen sie sich in ihren eigenen Kähnen an Land bringen, versprachen aber wiederzukommen und Lebensmittel mitzubringen. Gegen Abend heiterte sich das Wetter wieder auf. Ich ging mit den Herren Banks undDr.Solander ans Land. Die Eingeborenen empfingen uns überall mit den Zeichender Ergebenheit und vermieden es sogar, uns durch unmäßige Neugierde und Ansammlung großer Menschenmengen lästig zu fallen. Auch in den Häusern, die wir besuchten, kamen höchstens die Nachbarn zusammen, so daß wir nie mehr als zwanzig Personen, die Weiber und Kinder inbegriffen, antrafen. Wir machten ihnen kleine Geschenke. Der Umstand, daß wir auf unserm Spaziergange zwei kleine Bäche mit gutem Süßwasser fanden, bewog mich, dort einen Tag zu verweilen, um Herrn Banks Gelegenheit für seine Untersuchungen zu geben und gleichzeitig unsern Wasservorrat zu erneuern.
Ich schickte am nächsten Tag den Leutnant Gore mit seiner Mannschaft ans Land, um Wasser einzuholen. Die Herren Banks,Dr.Solander und Monkhouse folgten mit Tupia und Tayeto nach. Die Eingeborenen setzten sich zu unsern Leuten und schauten ihnen interessiert zu. Auch etablierten sie einen kleinen Tauschhandel. Die Herren Banks undDr.Solander erforschten ohne Vorsichtsmaßregeln die Pflanzenwelt der Bai und erlegten einige hervorragend schöne Vögel. Unterwegs sprachen sie in verschiedenen Hütten der Eingeborenen ein und informierten sich über deren häusliches Leben. Man zeigte und erklärte ihnen alles, was sie wollten. Von Haustieren fanden sie den Hund in einer kleinen, häßlichen Abart vertreten. Die Felder waren wohlgepflegt und kunstgerecht angebaut. Gepflanzt wurden Kartoffeln, Kürbisse und Eddas. Merkwürdigerweise waren die Felder der einzelnen Besitzer mit Palisaden eingezäunt, deren einzelne Rohre so dicht beieinander standen, daß kaumeine Maus dazwischen durchkriechen konnte. Die Weiber waren eben nicht schön, aber sie machten sich dadurch noch häßlicher, daß sie ihr Gesicht mit rotem Ocker oder Bergrot und Öl schminkten. Diese Schminke war stets frisch und feucht auf ihren Wangen und pflegte die Nase desjenigen zu kennzeichnen, der sich zum Kuß dahin verirrt hatte. Es gab natürlich ein Hallo, als einige unsrer Schwerenöter mit diesem Steckbrief ihrer Sünde ahnungslos sich zeigten, denn sowenig schön diese Weiber auch waren, umso buhlerischer führten sie sich auf; und die Mädchen waren so üppig wie junge Füllen. Sie trugen einen kurzen Rock und unter diesem einen aus parfümierten Blättern geflochtenen Gürtel, an dem als intimster Schutz ein kleiner Büschel von Blättern einer starkriechenden Pflanze befestigt war. Die Männer pflegten sich weniger zu schminken. Doch sahen wir einen Gecken, der sich den ganzen Leib und sogar die Kleider mit Bergrot gefärbt hatte und fortwährend damit beschäftigt war, die schadhaften Stellen seines geschminkten Äußern zu reparieren. An Reinlichkeit kamen sie unsern Freunden in Otahiti nicht gleich, zum regelmäßigen Baden im Freien war der Himmelsstrich doch zu kalt. Hingegen hatte fast jedes Gehöft seinen Abort. Was das anbetrifft, so waren sie kultivierter als die Spanier, denn ich weiß, daß es bis zum Jahre 1760 in Madrid keine Aborte gab und daß bis dahin alles, was man sonst in die Aborte schüttet, dort einfach auf die Straßen geschüttet und dann von den Straßenreinigern auf Haufen zusammengeschaufelt wurde. Die Madrider Ärzte waren auch einmal der Meinung,daß Kothaufen die hygienische Eigenschaft hätten, alle schädlichen Luftkörper an sich zu ziehen.
Am Abend waren unsre Boote mit Wassereinholen beschäftigt. Die Herren Banks und seine Gesellschaft, etwa acht Europäer, versuchten es nun, um nicht zu stören, sich in einem Indianerkahn zum Schiff rudern zu lassen. Aber da es sich in einem solchen Kahn so schwer sitzen läßt wie in einem sogenannten Grönländer, so schlug das leichte Ding in der Brandung um. Man kam mit dem Schrecken davon, ließ sich dann aber in zwei Partien an Bord rudern.
Weil ich es der starken Brandung wegen schwer fand, an diesem Platze Wasser einzunehmen, so beschloß ich abzusegeln. Ich lichtete daher am folgenden Morgen früh um 5 Uhr die Anker und lief in See. Die Tegaduhbai liegt in der Südbreite von 38 Graden, 10 Minuten. Von hier wollte ich nordwärts steuern, allein der Wind war mir entgegen, so daß ich nicht von der Stelle kam. Während ich ärgerlich gegen den Wind lavierte, kamen mehrere Eingeborene an Bord und sagten mir, daß es in einer Bai, die südwärts nicht weit entfernt liege, vortreffliches Wasser an einem Orte gebe, wo die Boote bequem landen könnten. Ich segelte also dorthin und fand alles bestätigt. Um 1 Uhr kam ich vor Anker. Die Wasserstelle lag in einer kleinen Bucht. Kaum hatten wir beigelegt, als auch schon eine Unzahl von Kähnen von der Küste her auf uns zuschossen. Bald herrschte um uns das reinste Marktleben, wobei sich die Indianer, die an otahitischem Tuch und an gläsernen Flaschen einen Narren gefressen zu haben schienen, als grundehrlicherwiesen. Ich ging mit den Herren Banks undDr.Solander ans Land, um die Wasserstelle in Augenschein zu nehmen. Das Boot konnte bequem landen. Das frische Quellwasser war von vortrefflichem Geschmack, auch war die Gegend zum Füllen und Transport der Fässer günstig. Auch Holz zum Fällen war hier im Überfluß vorhanden. Am nächsten Tage schickte ich Herrn Gore mit allen Seesoldaten zur Erledigung dieses Geschäftes ab, bei dem ich die Oberaufsicht führte, während die Herren Banks undDr.Solander ihre botanischen Untersuchungen fortsetzten. Als sie am Abend nach der Wasserstelle zurückkehrten, begegneten sie einem alten Mann, der sie damit unterhielt, daß er ihnen den Gebrauch der Waffen dieses Landes, der Lanze und des Pätuh-Pätuh, zeigte. Die Lanze ist 10–14 Fuß lang und an beiden Enden gespitzt. Der Pätuh-Pätuh ist einen Fuß lang, aus Talkstein oder Walfischknochen gefertigt, mit zwei scharfen Schneiden versehen und wird als Streitaxt gebraucht. Der alte Wilde steckte einen Pfosten in die Erde, der seinen Feind vorstellen sollte. Auf diesen ging er dann mit wütendem Gesichte los, indem er seine Lanze wiederholt schwenkte und dann nach ihm stach. Hierauf ergriff er den Pätuh-Pätuh und schlug damit wütend auf den Pfosten ein. Aus diesem Umstande kann man darauf schließen, daß die Wilden in ihren Kämpfen ihre Feinde nicht nur unschädlich zu machen, sondern in der Hauptsache zu erschlagen bestrebt waren. Unter den Indianern, die uns an der Wasserstelle aufsuchten, befand sich auch ein Priester, mit dem Tupia einen tiefgründigen theologischen Disput hatte. Beidieser Gelegenheit erkundigte er sich denn auch bei seinem Standesgenossen, ob der Kannibalismus hier landesüblich wäre. Er erhielt die Antwort, daß man die erschlagenen Feinde zu verzehren pflege. Am 26. regnete es unaufhörlich, so daß wir an Bord des Schiffes verblieben. Den nächsten Tag ließen wir uns an der Wasserstelle von den Indianern Kriegsspiele vorführen. Die Männer stimmten den Schlachtgesang an, in den alle unter den abscheulichsten Gesichtsverzerrungen einfielen. Dabei rollten sie die Augen wild umher, streckten die Zunge heraus und verrenkten die Glieder, aber dies alles unter genauer Beobachtung des Taktes. Am 28. landeten wir auf einer Insel, die links von der Einfahrt in die Bai lag. Hier fanden wir den größten Indianerkahn, den wir bisher gesehen hatten; er war 68½ Fuß lang, 5 Fuß breit und 4½ Fuß hoch. Der Boden bestand aus drei ausgehöhlten Baumstämmen, von denen der mittlere am längsten war und die beiden Spitzen des Kahnes bildete. Die auseinemStück bestehenden 62 Fuß langen Seitenplanken waren mit halberhabener Schnitzarbeit verziert. Am Vorderteil war diese noch sorgfältiger ausgeführt. Auch die Holzarbeit an einem noch unfertigen Hause, das wir dort sahen, war auf meisterhafte Weise nach dem auf schneckenförmige Linien und verzerrte Gesichter ausgehenden Kunstgeschmack der Eingeborenen verfertigt. Weil ich meinen Holz- und Wasservorrat erneuert und auch eine Menge Sellerie geladen hatte, der ein gutes Mittel gegen den Skorbut ist, so lichtete ich, weil es sonst nichts einzuhandeln gab, am 29. die Anker. Wir haben hier tatsächlich nichtsals Fische und Kartoffeln erhalten können. Von Tieren bekamen wir nichts als Hunde und Ratten zu sehen. Und selbst diese waren hier sehr selten. Am Eingang der Bai, die die Eingeborenen die Tolagabai nennen, liegen zwei charakteristische Felsen. Der eine ist rund wie ein Schober, der andre ist lang hingestreckt und an verschiedenen Stellen so durchlöchert, daß seine Öffnungen den Bogen einer Brücke ähnlich sind. Als wir Montag den 30. bei leichtem Winde zehn Stunden gesegelt waren, kamen wir an die nordöstliche Spitze des Landes, die ich das Ostkap nannte. Als wir es umsegelt hatten, erblickten wir eine große Anzahl Küstendörfer und viele angebaute Felder in fruchtbarer Gegend. Um 6 Uhr segelten wir an einer Bai vorbei, die ich nach ihrem Entdecker, meinem Leutnant Hicks, Hicksbai nannte. In der Nacht legte ich bei, segelte aber um 2 Uhr wieder weiter und erblickte um 8 Uhr Land, eine Insel, die ich die weiße Insel nannte. Hier wurden wir von einer Eingeborenen-Flottille überfallen, die nach ein paar Schreckschüssen Hals über Kopf Reißaus nahm. Am 1. November kamen etwa 45 Kähne mit Eingeborenen an unsre Seite, die anfangs ehrlich handelten, dann uns aber bestahlen. Einen der Diebe bedachte ich mit einer Schrotladung. Die übrige Gesellschaft verjagte ich mit einem Kanonenschuß. Um 2 Uhr des Mittags erblickten wir gen Westen einige Inseln. Um 7 Uhr hatten wir sie erreicht. Nach einigem Zögern legte ich bei. Die Eingeborenen nannten sie die Mowtohorainsel. Es war ein Glück, daß wir in der Nacht nicht weitergefahren waren, denn kaum segelten wiram nächsten Morgen weiter, so zeigten sich verschiedene gefährliche Klippen, die etwa anderthalb Seemeilen von der Insel entfernt sind. Auf dieser Fahrt wurden wir wiederholt von Eingeborenen, die sich erst friedlich zeigten, mit einem Steinhagel bombardiert. Um 11 Uhr segelten wir wieder der Küste entlang. Die Dörfer, die wir hier erblickten, waren sehr groß, lagen auf Höhen, die ans Meer stießen, und waren gegen die Landseite durch Schanzen und Gräben verteidigt, innerhalb deren Palisaden starrten. Auch waren einige dieser kleinen Dorffestungen noch durch Außenwerke flankiert. Tupia hielt diese Plätze für Morais, wir hielten sie mit größerm Rechte für Festungswerke. An einer Insel, nordnordöstlich von der Küste, übernachteten wir; ich taufte sie als die größte ihrer Gruppe den Major. Das Land, woran wir dann vorübersegelten, war außerordentlich volkreich. Wir sahen viele größere Städte, vor denen am Strande einige hundert Boote lagen.
Um 2 Uhr erblickten wir eine große Einfahrt; um 7 Uhr des Abends kamen wir im südlichen Eingang der Bai, die ich Merkuriusbai nannte, in 7 Klaftern vor Anker. Bis hierher wurden wir von Kähnen begleitet, ziemlich primitiv ausgehöhlten Baumstämmen, deren Insassen sich anfangs sehr bescheiden und friedlich zeigten, bald nachher jedoch unsern Ankerboy zu kapern versuchten. Wir feuerten darauf einige Schreckschüsse ab, worauf sie in höchster Wut erklärten, morgen wiederzukommen und uns alle zu ermorden. Tatsächlich versuchten sie in der Nacht ihr Heil, fanden uns aber immer auf dem Posten, so daß sievorzogen, sich ebenso leise zu entfernen, wie sie gekommen waren. Am Morgen erschienen zwölf Kähne mit 150 Kriegern, die mit Lanzen, Keulen und Steinen bewaffnet waren. Tupia gelang es, ihnen das Unsinnige ihres Vorhabens begreiflich zu machen und sie zu einem Tauschhandel mit uns zu bewegen. Wir erboten uns, ihnen ihre Waffen abzukaufen. Bei den ersten Geschäften ging es ehrlich zu, nachher betrogen sie uns auf das frechste. Weil ich mir aber vorgenommen hatte, fünf bis sechs Tage hierzubleiben, um den Durchgang des Merkurs zu beobachten, so zog ich, um ihren Unverschämtheiten ein für allemal die Spitze abzubrechen, schärfere Saiten auf. Ein Dieb erhielt einige Schrotschüsse und sein Boot eine Kugel als Denkzettel, worauf er sich davonmachte. Obwohl er stark blutete, so kümmerte sich doch niemand von den andern um sein Schicksal. Einem Tuchdieb zerschoß ich seinen Kahn, und zum Schluß ließ ich eine Kanonenkugel abfeuern, die uns von der Gesellschaft befreite. Um 3 Uhr lichtete ich den Anker und lief näher an die Küste heran, wo ich das Schiff in günstigerer Lage sicherte. In dieser Lage hatten wir die südliche Spitze der Bai eine Meile weit ostwärts und einen Fluß, in den die Boote bei niedrigem Wasser einlaufen konnten, anderthalb Meilen weit in Süd-Süd-Osten. Am nächsten Morgen kamen die Eingeborenen wieder, aber wir bemerkten zu unserm Vergnügen, daß sie sich sehr bescheiden aufführten. Unter ihnen war ein alter Häuptling Toiava, dessen Klugheit und Ehrlichkeit uns schon letzthin imponiert hatte. Wir forderten ihn auf an Bord zu kommen, was er auch in Begleitungeines andern tat. In der Kajüte machte ich jedem von ihnen ein Stück Tuch und einige große Nägel zum Geschenk. Die beiden erzählten uns, daß ihre Landsleute in großer Furcht vor uns lebten, worauf wir ihnen durch Tupia verständlich machten, daß wir nur denen Schaden zuzufügen pflegten, die uns feindlich gegenübertreten oder uns bestehlen. Nachdem uns die Indianer verlassen hatten, fuhren wir mit den Booten den Fluß hinauf, um dort zu fischen, waren aber nicht besonders glücklich. Indessen konnten wir einige Vögel schießen. Am Morgen wurde das lange Boot wiederum ausgeschickt, um mit dem Strichnetz in der Bai zu fischen; gleichzeitig wurde Mannschaft unter dem Kommando eines Offiziers zum Holzfällen ans Land gesandt. Am 7. war schlechtes Wetter. Am 8. gingen die Herren Banks undDr.Solander ans Land, um Pflanzen zu sammeln. Da sie erst spät am Abend zurückkehrten, so hatten sie Gelegenheit, sich das Nachtlager der Eingeborenen anzusehen. Ihre Decke bestand aus Strauchwerk. Die Weiber und Kinder legten sich am weitesten vom Meer landeinwärts auf den Boden nieder; die Männer aber lagerten sich im Halbkreise um sie, wobei sie ihre Waffen an die nächsten Bäume so angelehnt hatten, daß sie sie jederzeit zur Hand hatten. Man erfuhr auch, daß sie weder dem Oberkönig Teratu noch sonst jemand untertan waren, und wir nahmen deshalb an, daß sie eine nomadisierende Bande rechtlos gewordener Geächteter seien. Kurz nach Anbruch des folgenden Tages kam eine große Menge Kähne mit ausgezeichneten Makrelen ans Schiff, die wir sofort einhandelten. Um 8 Uhrhatten wir bereits Fische für Tage und Wochen an Bord. Wir frühstückten sofort von den delikaten Fischen. Alsdann begab ich mich mit den Herren Green, Banks undDr.Solander in der besten Laune ans Land, um den Durchgang des Merkur bei klarem Himmel zu beobachten. Der Eintritt des Merkur in die Sonnenscheibe ereignete sich um 7 Uhr 20 Min. 58 Sek., die innere Berührung um 12 Uhr 8 Min. 58 Sek., die äußere um 12 Uhr 9 Min. 55 Sek. Kurz darauf wurden wir durch einen Schuß vom Schiffe aus erschreckt. Leutnant Gore war im Tauschhandel von einem Eingeborenen bestohlen und insultiert worden und hatte in seiner Aufregung den Mann, statt ihm eine Ladung Schrot aufzubrennen, erschossen, worauf er den übrigen Schwarm der Wilden mit einem Kanonenschuß verscheuchte. Als die Nachricht von diesem Vorfall ans Land gelangte, erschraken die Indianer, die sich in unserer Nähe befanden; sie vereinigten sich sofort und zogen sich zur Beratung zurück. Als wir ihnen aber genauen Bericht erstatten ließen, kamen sie zurück und billigten das Geschehene, da der Erschossene seine Strafe verdient hätte. Kurz vor Sonnenuntergang brachen unsre Indianer auf, um ihre Abendmahlzeit zu bereiten. Weil uns dies interessierte, begleiteten wir sie. Ihre Gerichte bestanden aus Fischen, Krebsen und Vögeln, die sie teils gebraten teils gebacken verspeisten. Das Backen geschah mit heißen Steinen auf dieselbe Weise wie in Otahiti, das Braten dadurch, daß sie die Fische oder Vögel an Stecken banden und über Feuer hielten. In der Gesellschaft der Indianer sahen wir eine Frau in Trauer.Sie saß einsam, die Tränen liefen ihr beständig die Wangen herab, dabei wiederholte sie in leisem, klagendem Ton gewisse Worte, deren Sinn selbst Tupia nicht enträtseln konnte. Am Schluß eines jeden Satzes zerfetzte sie sich mit einer Muschelschale Gesicht, Brust und Arme so sehr, daß sie ganz mit Blut bedeckt war. Doch schienen die Verletzungen, die sie sich beibrachte, nicht so schwer zu sein wie nach den Narben zu urteilen die, die sich einige ihrer Leidensgefährtinnen beigebracht hatten.
Innenraum eines Hauses auf der Insel Ulietea. Tanz der Eingeborenen. Nach einem alten Stiche.
Innenraum eines Hauses auf der Insel Ulietea. Tanz der Eingeborenen. Nach einem alten Stiche.
Am Morgen darauf ging ich mit Herrn Banks und den andern Forschern in beiden Booten nach dem Lande hin, um einen großen Fluß zu erforschen, der sich in den obern Teil der Bai ergießt. Wir ruderten ungefähr 4–5 Meilen weit; hier war der Fluß breiter als an der Mündung und durch angeschwemmte Inseln gespalten, auf denen die Mangroven, harzreiche Bäume, wuchsen. Auf einer der Inseln schossen wir uns ein Gericht Vögel, die wir auf dem Roste brieten und zu Mittag verspeisten. An der Mündung des Stromes entdeckten wir ein kleines indianisches Dorf, wo wir sehr gastfreundlich aufgenommen und mit Schaltieren von ausgezeichnetem Geschmack bewirtet wurden; wir aßen sie so heiß wie sie vom Feuer kamen. In der Nähe dieses Dorfes befanden sich auf einer Landspitze die Überreste einer Festung, die von den Eingeborenen Ippäh oder Hippäh genannt wurde. Der beste Festungsbaukünstler hätte keine vorteilhaftere Lage für diesen Zweck wählen können als der indianische Erbauer dieser Festung, die, auf drei Seiten von Wasser und steilen Klippen umgeben, von hierher unzugänglichgemacht war. Die Landseite war durch Schanzen, einen 22 Fuß breiten, 14 Fuß tiefen Graben und durch Palisaden geschützt. Das Ganze könnte mit leichter Mühe so befestigt werden, daß die Mannschaft eines europäischen Schiffes sich gegen den Angriff des ganzen Volkes verteidigen könnte.
Am 11. war das Wetter so windig und regnerisch, daß sich kein Kahn vom Lande in See wagte. Da wir aber tags zuvor mehrere reichbesetzte Austernbänke entdeckt hatten, so sandten wir das lange Boot ab, um die delikate Ernte einzuheimsen. Es kam nach einer Weile vollbeladen zurück, und nun begann an Bord ein Wettausternessen bis in die sinkende Nacht. Wir konnten uns das leisten, denn unsre Austernbänke waren unerschöpflich und die Austern so gut wie die besten Colchesteraustern, weshalb ich dem Strome den Namen Austernstrom gab.
Forschungen. — Eine Naturfestung. — Kunstvolle Bauten. — Ein diebischer Geselle. — Seltsame Tätowierungen. — Eine Lektion und ihre Folgen. — Kannibalismus.
Am 12., an einem Sonntag, ruderte ich in Begleitung der Herren Banks undDr.Solander mit der Pinasse und der Jolle nach der nördlichen Baiseite hinüber, um das Land und zwei befestigte Dörfer in Augenschein zu nehmen, die wir in einer gewissenEntfernung entdeckt hatten. Wir landeten unterhalb des kleineren Dorfes, das in höchst romantischer und anmutiger Lage auf einem kleinen Felsen aufgebaut war, der vom festen Lande abgetrennt und zur Zeit der Flut mit Wasser umgeben war. Den einzigen Zugang zu dieser Naturfestung bildete ein steiler, schmaler Saumpfad, auf dem uns die Einwohner entgegenkamen, um uns zur Besichtigung ihres Hippäh einzuladen. Wir lehnten diese Einladung jedoch ab, da wir die größere Festung, die eine Meile entfernt lag, besichtigen wollten. Jedoch verteilten wir an die Frauen und Mädchen kleine Geschenke. In diesem Augenblick sahen wir auch die Bewohner des kleinen Städtchens, das wir besichtigen wollten, uns zur Begrüßung entgegenkommen, Männer, Weiber, Kinder, über hundert an der Zahl. Als sie sich so weit genähert hatten, daß wir einander verstehen konnten, winkten sie uns unter Horomairufen grüßend mit den Händen und setzten sich dann zwischen den Gebüschen am Strande nieder. Wie uns Tupia sagte, war diese Zeremonie bei ihnen das Zeichen freundschaftlicher Ergebenheit. Wir eilten also zu ihnen hin, begrüßten sie, machten ihnen einige Geschenke und baten sie um die Erlaubnis, ihr Hippäh zu besuchen. Mit Jubel bewilligten sie unsre Bitte, indem sie gleich als Führer vorausgingen. Wharretouwa, so hieß das Städtchen, liegt auf einem hohen Vorgebirge, das in die See hinausläuft und an der nördlichen Seite der Bai liegt. Von zwei Seiten wird das Hippäh von der See bespült, hier ist es ganz unzugänglich. Die beiden Landseiten sind großartig befestigt. Die eine, die nach demStrande zu liegt, ist außerordentlich steil, die schwächere wird durch zwei starke Gräben beschützt. Außerdem ist das ganze Hippäh mit starken Palisaden von 10 Fuß Höhe umgeben. Auch das Innere der eigenartigen Festung ist durch Palisaden und durch Wehrtürme befestigt, von denen aus die Belagerten ihre Feinde mit Lanzen und durch ein Steinbombardement zurücktreiben können. Das Ganze ist in der Tat uneinnehmbar und gegen jeden Sturmangriff gefeit. Auf der schwächeren Seite, der Bergseite, gibt es einige kleine Außenwerke, und verschiedene Hütten als Wohnungen für Leute, die wegen Platzmangels nicht in der Festung wohnen können, aber doch unter deren Schutze leben wollen. Das Innere der Festung war ursprünglich ein spitzer Hügel, der zu Ansiedlungszwecken abgetragen, d. h. amphitheatralisch derart abgegraben wurde, daß das Städtchen eigentlich aus bebauten Stufen besteht, die unter sich wieder durch enge Gäßchen verknüpft sind, so daß der Feind, wenn er die äußern Palisaden erobert hat, sich gezwungen sieht, die einzelnen Stufen zu erstürmen, was vielleicht noch schwerer ist als die Ersteigung der äußeren Palisaden selbst.
Wir fanden viele derartige Burg- und Festungsbauten längs der Küste, auf Felsen, Inseln, ja selbst auf Klippen, die eher zu Vogelnestern als für menschliche Wohnungen geeignet waren. Und doch ist es etwas sehr Sonderbares, daß der Erfindungsgeist, der diesen wilden Menschen den Plan zu ihren bewundernswerten Festungsbauten eingab, sie nicht auch auf den naheliegenden Gedanken gebracht hat, Wurfgeschossezu deren Niederzwingung zu erfinden. Denn außer ihren Wurfspießen kennen sie nur den Naturstein als Waffe, und zwar als Handwaffe. Denn sie haben keine Art von Bogen, um einen Pfeil abzuschießen, keine Steinschleuder, nichts, um auf größere Entfernungen hin zu wirken! Allerdings sind die Spitzen ihrer langen Lanzen mit Widerhaken versehen, und sie bedienen sich deren mit solcher Kraft und Geschicklichkeit, daß ich es mit keiner andern Waffe als mit einer gut geladenen Muskete gegen sie aufnehmen wollte. Wir besichtigten die Festung sehr eingehend mit dem größten Interesse und kehrten hochbefriedigt gegen Abend an Bord zurück.
Am 15. segelte ich in Begleitung vieler Kähne aus der Bai hinaus. Der gute Toiava klagte mir noch zum Abschied, daß er jetzt nach unsrer Abreise in sein Hippäh flüchten müsse, denn die Verwandten des von Gore Erschossenen wollten dessen Tod an ihm rächen, weil er unser Freund sei. Wir trösteten den alten Herrn mit einigen Geschenken. Ich will noch bemerken, daß unsre Geologen an verschiedenen Stellen dieser Bai Eisen- und Erzsand fanden, der von den verschiedenen Bächen aus dem Innern des Landes herabgeschwemmt worden war — ein deutliches Kennzeichen dafür, daß die Berge um die Bai herum eisenerzhaltig sein mußten.
Am 18. befanden wir uns einem Vorgebirge gegenüber, von dem einige feindliche Kähne gegen uns abstießen. Tupia suchte die Wilden zu beschwichtigen, allein sie riefen drohend: »Kommt ans Land, und wir werden euch alle töten.« — »Gut,«antwortete Tupia, »aber warum belästigt ihr uns, solange wir in See sind? Da wir keine Zeit haben mit euch zu fechten, so werden wir eure Herausforderung ans Land zu kommen nicht annehmen. Hier aber habt ihr kein Recht Streit anzufangen, denn das Meer gehört euch sowenig wie das Schiff!« Da diese rednerische Argumentation nichts nutzte, sandte ich den nackten Herrschaften eine Kugel zu, die sie in die Flucht trieb. Tags darauf erhielten wir den Besuch eines Enkels unsres Freundes Toiava, den wir reichlich beschenkten. Wir ankerten am nächsten Tag in einem Kanal; ich benützte die Windstille, um mitDr.Solander an die westliche Küste zu gehen. Als wir das Schiff verließen, waren viele Kähne um uns versammelt. Herr Banks blieb deshalb an Bord, um mit den Eingeborenen zu handeln. Er tauschte Waffen und Kleider der Wilden, die sich ehrlich zeigten, hauptsächlich gegen — Papier ein[3]. Ein junger Wilder stahl indessen in der Kajüte ein Halbminutenglas und wurde dabei erwischt. Herr Hicks verordnete ihm zwölf Hiebe mit der neunschwänzigen Katze und ließ ihn zu diesem Zweck an die Schiffswand binden. Als die andern Indianer dies sahen, drohten sie das Schiff zu überfallen. Herr Hicks blieb fest, und Tupia mußte den Indianern sagen, daß man ihren Genossen nicht töten, sondern für den Diebstahl bestrafen wolle.Mit dieser Erklärung gaben sie sich zufrieden. Der Dieb erhielt seine zwölf aufgezählt; sobald er freigelassen war, wurde er von einem alten Indianer, anscheinend seinem Vater, nochmals tüchtig verprügelt und dann in seinen Kahn geschickt. Allein die Wilden waren dadurch eingeschüchtert und verzogen sich bald, um sich nicht mehr blicken zu lassen.
Dicht bei dem Kap, das in der Breite von 36 Graden 26 Minuten liegt und das ich nach Seiner Lordschaft Kap Colville nannte — es ist an einem hohen Felsen zu erkennen, den man sehr weit und deutlich erblicken kann — mündet ein Strom in die Bai, den ich die Themse nannte. Er besitzt eine Tiefe von über 26 Klaftern. Die Eingeborenen, die in der Nähe dieses Stromes wohnen, scheinen im Verhältnis zu den ungeheuern Länderstrichen, die sie besitzen, nicht sehr zahlreich zu sein; sie sind aber ein starkes, wohlgebildetes und fleißiges Volk. Merkwürdigerweise bemalen sie sich den ganzen Leib von Kopf bis Fuß mit Bergrot, das in Öl gerührt wird, eine Mode, die wir zum ersten Male hier fanden. Ihre Kähne sind groß, schön gebaut und mit reichem, geschmackvollem Schnitzwerk versehen. Wir steuerten von hier zwischen der Küste und den davor lagernden Inseln hindurch und ankerten bei Anbruch der Nacht in einer Bai. Unsre Leute warfen Angeln aus, und wir fingen in kurzer Zeit etwa hundert Stück 6–8 Pfund schwere Seebrassen. Am 25. verließen wir die Bai, die ich die Brassenbai taufte, und steuerten weiter nördlich. Wir ankerten in der Nähe einiger kleiner Inseln, die ich die Poor Knights, »die armen Ritter«hieß. Am Abend hatten wir den üblichen Streit mit betrügerischen Eingeborenen. Des Morgens schon zwischen 6 und 7 Uhr ruderten große, stark bemannte Kähne an das Schiff heran. Unter ihnen waren mehrere reich verziert und anscheinend von Personen höherer Stände besetzt, die aufs beste bewaffnet waren. Die Waffen bestanden in steinernen und walfischbeinernen Pätuh-Pätuhs und in reich verzierten Walfischgräten. Ihre Hautfarbe war stark braun, auch trugen sie sogenannte Amocos, schwarze, tätowierte Flecken am Leibe. Unter anderm hatten sie breite Spirallinien auf jedem Gesäß, das sie mit Schwarz so tätowiert hatten, daß von der Hautfarbe nichts übrig blieb als die Streifen. Infolgedessen sah es aus, als trügen sie gestreifte Badehosen. Jeder Stamm hatte sein besonderes Amoco. Einzelne waren ganz tätowiert, andre nur auf dem Gesäß; gemeinsam war nur das Amoco der Lippen. Die Kerle hatten alle Mäuler als ob sie Heidelbeeren gegessen hätten. Die Bande wollte uns um ein Tuch betrügen, aber eine Kugel brachte sie zur Vernunft. Als wir am Nachmittag an der Landspitze vorbeisegelten, fand ich diese doch bedeutender. Ich nannte sie Sir Piercy zu Ehren Kap Brett. Dieses Kap ist viel höher als irgendein Teil der Küste. An seiner westlichen Seite liegt eine Bai; wir sahen an ihr verschiedene Dörfer teils auf Inseln, teils an der Küste. Die Bewohner kamen auf ihren Kähnen herbei und versuchten es, uns über die Löffel zu barbieren. Wir ließen es ziemlich ungestraft hingehen. Aber einer der Unteroffiziere, den sie beim Einkauf betrogen hatten, nahmseine Angel, fitzte dem Betrüger den Haken geschickt in den mit viel Amoco geschmückten unteren Rückenteil und zupfte ziemlich lange daran herum, bis der Angelhaken brach. Der den Angelhaken im Fleische sitzen hatte, brauchte auch für den Spott nicht zu sorgen. An diesem Tage sahen wir mehr als fünfhundert Wilde bei uns, ein Beweis für den Volksreichtum dieser Gegend.
Um 8 Uhr des nächsten Morgens befanden wir uns inmitten einer Anzahl von Inseln, wo wir der Windstille wegen zwei Stunden liegen blieben. Die Eingeborenen verkauften uns einige Fische, die wir Cavalles nannten, und nach diesen tauften wir die Inselgruppe. Die Halunken waren hier so verwegen, daß sie uns sogar während des Tauschgeschäftes bedrohten. Als ihre Anzahl durch die Ankunft mehrerer Kähne verstärkt worden war, fingen sie sogar an, mit Steinen nach uns zu werfen, worauf wir mit Schrot unter sie feuerten. Sie ließen nicht eher nach, als bis wir einigen von ihnen einen ziemlich empfindlichen Denkzettel gegeben hatten, worauf wir in die hohe See hinaussteuerten. Da uns der Wind zuwider war, steuerte ich am 29. nach einer Bai in der Nähe, westwärts vom Kap, und legte dort bei. Leider waren wir auf eine Untiefe geraten, weshalb ich durch Boote die Nachbarschaft sondieren ließ. Unterdessen drängten sich ungefähr 400 Eingeborene in ihren Kähnen um uns herum. Wir ließen einige von ihnen an Bord kommen. Darunter befand sich ein Häuptling, dem ich ein Stück feinen Tuches schenkte. Ich erkannte einige der Eingeborenen wieder; sie mußtenuns ebenfalls wiedererkennen, denn der bloße Anblick einer Kanone jagte ihnen sichtlich Schrecken ein. Trotzdem stahl uns die Mannschaft eines der Kähne die Ankerboje. Wir feuerten sofort eine Muskete über ihre Köpfe ab. Das nutzte nichts. Wir feuerten mit Schrot auf sie, doch sie waren zu weit. Nun schossen wir scharf und verwundeten einen von ihnen. Zuletzt ließ ich noch eine Kanone abbrennen. Tupia sagte ihnen später, daß wir nur die Diebe züchtigten, und machte sie dadurch wieder zutraulich.
Als wir das Schiff von der Untiefe weg in gesicherte Lage gebracht hatten, ließ ich die Pinasse und die Jolle mit bewaffneten Mannschaften zurück und ruderte mit Herrn Banks undDr.Solander nach einer vom Schiff etwa drei Viertelstunden entfernten Insel. Die Kähne der Eingeborenen blieben beim Schiff, was wir für ein gutes Zeichen hielten. Allein kaum hatten wir in einer kleinen Bucht gelandet, so folgten uns die Kähne, und bald sahen wir uns etwa von zwei- bis dreihundert Mann umringt, die teils gelandet, teils von den Bergen gekommen waren. Alle waren bewaffnet, liefen aber so durcheinander, daß wir nicht an eine feindselige Haltung der Indianer glaubten. Doch zogen wir eine Linie im Sand und gaben ihnen zu verstehen, daß dies die Grenze sei, deren Überschreiten wir ahnden würden. Sie blieben zunächst unschlüssig. Als aber Verstärkung eintraf, begannen sie ihren Kriegstanz und drangen dann auf uns ein. Wir feuerten einige Schrotschüsse auf sie ab, was sie in Verwirrung brachte. Allein ein Häuptling organisierte schnell den Angriff.Dr.Solander jagteihm eine Schrotladung zu, die er mit dem üblichen Danke quittierte; er floh und setzte sich mit seinen Kriegern auf einer Anhöhe fest. Da wir sie dort mit Schrot nicht erreichen konnten, so feuerten wir mit Kugeln. An Bord des Schiffes war man auch nicht müßig; von dort bemerkte man überdies, daß immer noch mehr Indianer heranrückten, die wir nicht sehen konnten. Mit ein paar in die Luft geschossenen Kanonenkugeln wurde der Feind in die Flucht geschlagen. Nun waren wir Herren der Bucht und gingen an das friedliche Geschäft des Einsammelns von — Sellerie.
Bald nachher besuchten wir eine andre Bucht derselben Insel und bestiegen dort einen Berg, der eine wundervolle Aussicht bot. Um uns herum im weiten Horizont lagen unzählige Inseln. Jede bildete einen reizenden Hafen, in dem die leuchtende See so still dalag wie das Wasser in einem Mühlenteiche. Hübsche Dörfer, einzelne Gehöfte, angebaute Felder wechselten miteinander ab. Eines von diesen ziemlich großen Dörfern lag in der Nähe. Seine Einwohner kamen in großer Menge heraus und huldigten uns in rührender Weise. Der ungünstigen Windverhältnisse halber mußten wir in dieser Bai verweilen. Wir hatten uns inzwischen mit den Eingeborenen vollständig ausgesöhnt; sie kamen oft ans Schiff, und wir besuchten sie in ihren Dörfern. Auf diese Weise lernten wir auch unsre Verwundeten kennen, so den Dieb der Ankerboje, dem die Kugel durch die Armmuskel gegangen war und die Brust gestreift hatte. Die ziemlich bedenkliche Wunde war in vollständiger Heilung begriffen. Auch der vonDr.Solander verwundete Häuptling, der von dem Schrotschuß in die Schenkel getroffen worden war, schien sehr getröstet, obwohl ihm noch ein halbes Dutzend Schrotkörner in den Muskeln steckten. Eines Tages begleitete uns ein alter Mann hartnäckig. Als wir an eine kleine Burg kamen, zu der eine Leiter hinaufführte, blickte er uns scheu und ängstlich an. Das reizte unsre Neugierde, und wir erklärten ihm, daß wir diese Hühnerburg besichtigen wollten, was er gegen das heilige Versprechen erlaubte, oben nichts — Unanständiges zu tun, denn dort wohne seine Frau. Wir beruhigten ihn und kletterten die Stange mit den paar Sprossen hinauf. Als wir eintraten, fanden wir drei Weiber versammelt, die bei unserm Anblick in Tränen ausbrachen. Es wurde uns nicht schwer, die drei Grazien zu beruhigen.
Am 5. Dezember lichteten wir früh um 4 Uhr bei leichtem Landwinde den Anker. Den ganzen Tag lavierten wir, um aus der Bai hinauszukommen; indessen trat um 10 Uhr des Abends solche Windstille ein, daß das Schiff sich weder auf die eine noch auf die andre Seite wenden lassen wollte. Da die Flut nun so stark anlief, wurde es plötzlich so rapid gegen das Land angetrieben, daß es kaum noch eine Kabellänge von den Klippen entfernt war. Wir hatten zwar 13 Klafter Wasser, allein der Grund war so unsicher, daß wir nicht mehr wagten die Anker auszuwerfen. Ich ließ daher sofort die Pinasse ausheben, um das Schiff an einem Tau fortzuschleppen. Die Mannschaft erkannte die Gefahr sofort und arbeitete mit aller Energie. Glücklicherweise bekamen wir vonder Landseite her Wind, und nun bemerkten wir zu unsrer unaussprechlichen Freude, daß sich das Schiff vorwärts bewegte. Es war die höchste Zeit. Wir waren nämlich der Küste schon so nahe gekommen, daß Tupia in der Lage war, sich mit den Leuten an Land zu verständigen. Wir glaubten frei zu sein, als der Mann in den Püttings 17 Klafter meldete. Fast in demselben Augenblick stieß das Schiff gegen den Grund. Die Erschütterung jagte uns allen den größten Schrecken ein. Herr Banks, der im Begriff war ins Bett zu steigen, hörte »5 Klafter« melden. Der Felsen, auf den wir gerannt waren, lag zum Glück gegen den Wind. Infolgedessen wurde das Schiff gleich wieder abgetrieben, ohne den geringsten Schaden gelitten zu haben, und fiel in 20 Klafter. Mit dem von Nordwest kommenden frischen Winde liefen wir in die See[4].
Am 14. Januar 1770 befanden wir uns in einer Bai in der Nähe des Kaps Egmont (am Eingang der Cookstraße, direkt östlich vom Kap Kidnappers). Die Küste schien hier verschiedene Baien zu bilden; ich nahm mir vor, um das Schiff gründlich zu reinigen, in eine davon einzulaufen. In dieser Absicht lavierte ich die Nacht hindurch. Um 2 Uhr nachmittags erst kamen wir vor Anker. Unser Ankerplatz war etwa vier Kanonenschüsse von einem Hippäh entfernt, von dem einige Kähne gegen uns ausgesandt wurden. DieMannschaft war gut bewaffnet. Mit den üblichen Herausforderungen rückten sie vor, bis es Tupia gelang, sie zu beruhigen, worauf ein alter Häuptling den Wunsch äußerte, zu uns an Bord zu kommen. Seine Landsleute wollten ihn mit Gewalt daran hindern, allein er entwand sich mit heiterm Mute ihren Händen und kam zu uns an Bord. Wir reichten dem alten Herrn die üblichen Geschenke, dann kehrte er in seinen Kahn zurück. Nach einem Freudentanz in allen Kähnen kehrte man in das Fort zurück, während wir landeten. Am nächsten Morgen kamen drei Kähne. Die Eingeborenen hatten ihre Weiber mitgebracht, die uns sehr lästig wurden; sie trugen einen aus Federn hergestellten Chignon, der das Haupt gänzlich bedeckte und es doppelt so groß erscheinen ließ, als es war. Nach Tisch fuhr ich mit den Herren Banks undDr.Solander nach einer zwei Meilen entfernten Bucht. Unterwegs fanden wir eine Frauenleiche, die auf dem Wasser trieb. Als wir landeten, flüchtete eine indianische Familie, die sich an der Küste aufhielt. Es gelang Tupia, sie zu beruhigen. Wir erfuhren, daß die Tote nach Landesbrauch mit einem Stein in die See versenkt worden war; wenn wir die Leiche schwimmend angetroffen hätten, so müßte der Stein durch irgendeinen Zufall losgekommen sein. Die Wilden waren gerade beim Kochen. Als wir in einen der Körbe blickten, entdeckten wir zwei abgenagte Knochen darin, die unmöglich von einem Hunde sein konnten. Bei genauerer Besichtigung erkannten wir sie für Menschenknochen, was uns mit Schauder und Entsetzen erfüllte. Um allen Zweifeln ein Endezu machen, ließen wir durch Tupia die Wilden fragen, was das für Knochen wären. »Die Knochen eines Mannes«, antworteten sie gleichgültig. »Aber warum habt ihr die Frau nicht gegessen?« — »Die Frau war eine Verwandte und ist an einer Krankheit gestorben. Wir essen nur die Leiber unserer Feinde.« Auf unsre Frage, wer der Mann gewesen sei, hörten wir, daß er zur Besatzung eines feindlichen Bootes gehörte. Einer von uns fragte, ob sie noch Menschenfleisch hätten. Sie verneinten. Als wir aber scheinbar zweifelten, daß es wirklich Menschenknochen wären, bejahten sie die Frage. Einer von ihnen nahm den Knochen, nagte daran herum und gab durch Gebärden zu verstehen, daß es vorzüglich gemundet habe. Dann gab er Banks den Knochen zum Andenken. In der Gesellschaft befand sich ein Weib, das sich aus Trauer den Körper auf entsetzliche Weise zerschnitten hatte; sie beklagte den Tod ihres Mannes, der sein Grab in den Mägen seiner siegreichen Gegner gefunden hatte.
Das Schiff lag kaum eine viertel Meile vom Land entfernt. Jeden Morgen wurden wir durch ein Vogelkonzert geweckt. Die Anzahl der gefiederten Sänger war unglaublich groß; sie wetteiferten förmlich miteinander. Und dieser Gesang war zauberhaft. Man glaubte lauter harmonisch abgestimmte Glöckchen zu hören; vielleicht wurde dieser Melodienzauber durch die Entfernung und das leise Rauschen des Meeres verschönert. Wir erfuhren von den Eingeborenen, daß die kleinen Sänger ihre Lieder immer zwei Stunden nach Mitternacht anstimmen und sie bis zum Sonnenaufgangin einer großen Symphonie ertönen lassen, dann aber wie unsre Nachtigallen schweigen.
Am Morgen kam ein kleiner Kahn, worin sich unser Freund, der alte Häuptling, befand. Tupia erkundigte sich bei ihm wegen der bei seinen Stammesgenossen herrschenden Gewohnheit, Menschenfleisch zu essen. Der Alte wiederholte und bestätigte alles, was wir gestern gehört hatten. »Aber wohin kommen die Köpfe? Freßt ihr die auch auf?« fragte Tupia. »Von den Köpfen essen wir nur das Hirn«, antwortete der Alte, und er versprach uns, bei einem späteren Besuch ein paar Schädel mitzubringen. Dann erzählte er Tupia, daß sie stündlich erwarteten, wegen der letzten Menschenfressereien von den Bluträchern ihrer Opfer überfallen zu werden. Wenige Tage später fiel uns auf, daß kein Kahn ans Schiff kam. Wir brachten dies mit den Kriegsbefürchtungen unsrer Nachbarn in Verbindung und beobachteten daher mit unsern Ferngläsern den Kriegsschauplatz, entdeckten aber nicht das geringste. Unsre Leute fanden in diesen Tagen im Walde drei menschliche Hüftknochen neben einer Backgrube der Wilden und brachten uns diese Knochen als weitern Beweis des hier üblichen Kannibalismus. Herr Monkhouse fand in einem verlassenen Dorfe den Skalp eines Mannes.
Am 19. stellten wir die Schmiede auf, um unser Schiff auszubessern, das wir zu diesem Zweck auf die Seite legten. Am 20. kam der alte Herr und brachte vier Köpfe mit. Haar und Fleisch der Köpfe waren unversehrt, das Gehirn war herausgenommen. Banks konnte nur einen derselben erhandeln;wahrscheinlich bewahren diese Kannibalen die Köpfe ihrer Opfer als Siegeszeichen auf, denn das Fleisch schien präpariert zu sein. Durch einen Schlag gegen die Schläfe war der Schädel geöffnet worden, wie der Augenschein bewies. Am nächsten Tage fingen die Herren Banks und Solander so viele Fische, daß die ganze Mannschaft damit beköstigt werden konnte. Am 24. statteten wir unsern Nachbarn im Hippäh einen Besuch ab. Sie empfingen uns mit der größten Ehrerbietung und zeigten uns ihre Wohnungen, die nicht nur bequem, sondern auch sehr reinlich waren. Auch boten sie uns Menschenknochen zum Kauf an. Weil wir alle diese »Andenken« als Beweisstücke ihrer Verirrung kauften, so wurden ihnen Menschenknochen zum Handelsartikel. In dem Dorfe fanden wir ein Kreuz angebracht, das mit Federn verziert war. Man sagte uns, daß man es zum Andenken an einen fremden Mann errichtet habe. Da wir wußten, daß sie ihre Toten nicht begraben, so wollten wir Näheres wissen, aber sie verweigerten jede weitere Auskunft. Am 25. machte ich mit den Herren Banks undDr.Solander einen Ausflug, wobei wir nomadisierenden Fischern, Männern, Frauen und Kindern, begegneten. Wir beschenkten sie mit Bändern und Glaskorallen und wurden dafür geherzt und geküßt. Am 26. errichteten wir auf einem Berge eine Steinpyramide, in der wir einige europäische Artikel vergruben, um dadurch anzukünden, daß wir die ersten Europäer in dieser Gegend waren. Später besuchten wir ein Felsenhippäh von hundert Häusern. Wir beschenkten deren Bewohner mit allerlei Kleinigkeiten,wofür sie uns die Boote mit getrockneten Fischen füllten, wovon sie große Vorräte angesammelt hatten. Am 27. und 28. reparierten wir unser Schiff. Am 29. kam Topaa, unser alter Herr, mit drei Eingeborenen. Am 30. ließ ich auf einer benachbarten Insel Sellerie einsammeln. Als unsre Leute dort erschienen, setzten sich mehrere Frauen in ihre Nähe und begannen sich Arme, Beine, Busen und Gesicht mit scharfen Muscheln zu zerfetzen, aus Trauer darüber, daß die Feinde vor einigen Tagen ihre Männer getötet und gefressen hätten. Den übrigen Eingeborenen schien diese Szene ziemlich gleichgültig zu sein. Ich ließ durch den Schiffszimmermann auf dem höchsten Berg einen Pfosten errichten, an dem ich die englische Flagge hißte, und beauftragte gleichzeitig den alten Topaa, Gegenstände, die ich ihm gab, in Verwahrung zu nehmen und sie bei Gelegenheit dem Europäer, der nach uns hierherkommen sollte, als Beweis dafür zu zeigen, daß wir vor ihm dagewesen seien. Gleichzeitig taufte ich die Gegend »Königin-Charlotten-Sund« und ergriff von ihr im Namen König Georgs III. Besitz. Topaa sagte mir, daß der Kanal eine östliche Ausfahrt habe. Am 5. Februar endlich konnten wir die Anker lichten, wir mußten aber bald wieder beilegen; am 6. erst erhielten wir günstigen Wind, und ich steuerte in die Straße[5], in der wir einen erstaunlich hohen, mit Schnee bedeckten Berg erblickten. Bald waren wir am Endkap der Straße angelangt, das ich einem alten Freunde, dem KapitänPalliser, zu Ehren das Kap Palliser nannte. Am 9. Februar 1770, morgens um 11 Uhr, sahen wir Kap Turnagain ungefähr 7 Seemeilen weit von uns in Nord gen Ost halb Ost liegen. Ich rief die Offiziere auf Deck und konstatierte, daß Eaheinomauwe, wie die Eingeborenen das nördliche Neuseeland nennen, eine Insel sei und wir sie erstmals umschifft hätten. Da nun alle Zweifel gehoben waren, so richteten wir unsern Lauf hart am Winde gegen Osten hin. Um 4 Uhr des Nachmittags steuerten wir unsern Kurs gen Südwest.