The Project Gutenberg eBook ofMeine erste WeltreiseThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: Meine erste WeltreiseAuthor: James CookEditor: Wilhelm FischerRelease date: April 13, 2020 [eBook #61825]Most recently updated: October 17, 2024Language: GermanCredits: Produced by Peter Becker and the Online DistributedProofreading Team at https://www.pgdp.net (This file wasproduced from images generously made available by TheInternet Archive)*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK MEINE ERSTE WELTREISE ***
This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.
Title: Meine erste WeltreiseAuthor: James CookEditor: Wilhelm FischerRelease date: April 13, 2020 [eBook #61825]Most recently updated: October 17, 2024Language: GermanCredits: Produced by Peter Becker and the Online DistributedProofreading Team at https://www.pgdp.net (This file wasproduced from images generously made available by TheInternet Archive)
Title: Meine erste Weltreise
Author: James CookEditor: Wilhelm Fischer
Author: James Cook
Editor: Wilhelm Fischer
Release date: April 13, 2020 [eBook #61825]Most recently updated: October 17, 2024
Language: German
Credits: Produced by Peter Becker and the Online DistributedProofreading Team at https://www.pgdp.net (This file wasproduced from images generously made available by TheInternet Archive)
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Kulturgeschichtliche
Dokumente. Band 3.
Kapitän James Cook:
Meine erste Weltreise.
In der SammlungKulturgeschichtliche Dokumente(Schwabacher'sche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart) ist bis jetzt ferner erschienen:
Napoleon auf Sankt Helena.(Mémorial relatif à la captivité de Napoléon à Ste-Hélène.) VonSir Hudson Lowe(Gouverneur von St. Helena). Mit vier Tafeln nach alten Originalkupferstichen und mit andern zeitgenössischen Abbildungen. Broschiert 4 Mark. In Leinenband 5 Mark.
Die Memoiren von Sir Hudson Lowe sind eine diplomatische Enthüllung von weltgeschichtlicher Bedeutung. Ohne Lowe ist die Literatur über Napoleon unvollständig. Der Kerkermeister gehört zu seinem Opfer.
Meine Abenteuer.(Meine Flucht aus Sibirien. — Meine Abenteuer zur See. — Die Eroberung von Madagaskar.) VonGraf Moritz August von Benjowski. Mit vier Tafeln nach alten Originalkupferstichen. Brosch. 4 Mark. In Leinenbd. 5 Mark.
Der Graf zählt zu den markantesten Erscheinungen des Jahrhunderts der Glücksritter. Seine berühmten Memoiren gaben Kotzebue die Anregung zu dem Schauspiel »Die Verschwörung in Kamtschatka«. Sie sind also abgesehen von der spannenden Handlung auch literarhistorisch interessant.
Vom Sonnenkönig. (LudwigXIV.)VonHerzog Ludwig von St-Simon. Mit vier Tafeln nach alten Originalkupferstichen. Broschiert 3 Mark 60 Pf. In Leinenband 4 Mark 50 Pf.
Nirgends tritt einem die höfische Sittenlosigkeit so nackt entgegen wie in den Geheimen Memoiren des Herzogs Ludwig von St-Simon. Napoleon hatte recht, als er nach ihrer Lektüre ausrief: Kein Held besteht vor seinem Kammerdiener!
Kapitän James Cook.
Kapitän James Cook.
Von
Kapitän James Cook.
Mit vier Tafeln nach denOriginalkupferstichen.
Herausgeber:
W. F. v. Bous.
Stuttgart.
Schwabacher'sche Verlagsbuchhandlung.
Die Verlagsbuchhandlung behält sich alle Rechte vor.
Nachdruck im einzelnen oder im ganzen wird gerichtlich verfolgt.
Text in Schwabacher Schrift gedruckt vonCarl Rembold in Heilbronn.
Die Londoner Königliche Gesellschaft der Wissenschaften unterbreitete im Februar 1768 dem Könige GeorgIII.von England die Bitte, eine Expedition ausrüsten zu wollen, um auf einer Insel in der Südsee den Durchgang des Planeten Venus durch die Sonnenscheibe im Jahre 1769 zu beobachten. Die Admiralität wählte auf des Königs Befehl die Barke Endeavour, ein gutes Schiff, und vertraute das Kommando dem damaligen Schiffsleutnant James Cook (geb. am 27. Oktober 1728, ermordet auf Hawai am 14. Februar 1779) an. Die Gesellschaft selbst bestimmte Tahiti zur Beobachtungsstation und den Gehilfen der Königlichen Sternwarte zu Greenwich, Charles Green, zu ihrem Vertreter.
An dieser Expedition nahm auch Sir Joseph Banks (geb. am 4. Januar 1743, gest. am 19. Juni 1820), ein reichbegüterter Edelmann und berühmter Naturforscher, mit seinem AssistentenDr.Solander und mit zwei Zeichnern auf seine Kosten teil, um die Pflanzen- und Tierwelt Ozeaniens zu erforschen.Diese glänzend durchgeführte Expedition begründete Cooks Ruhm als Seefahrer und Entdecker. Als Verfasser der Geschichte seiner ersten Weltreise, die einen der großartigsten Bucherfolge aller Zeiten aufzuweisen hat, war Cook nur indirekt tätig. Die Herausgabe dieses epochalen Werkes besorgteDr.J. J. Hawkesworth auf Veranlassung der Admiralität und auf Grund der Tagebücher der Herren Cook, Banks undDr.Solander, denen das Manuskript im Palaste der Admiralität vorgelesen und zur Korrektur ausgehändigt wurde. Dann erst erfolgte 1773 die Drucklegung in drei Bänden, die wir in erschöpfendem, von allen Weitläufigkeiten befreitem Auszug unserer Sammlung »Kulturgeschichtliche Dokumente« einfügen, denn Cooks erste Weltreise war eine Kulturtat ersten Ranges, durch die sich Cook ein unvergängliches Verdienst um Wissenschaft und Menschheit erworben hat.
W. F. v. B.
SeiteVorwort des HerausgebersVErstes Kapitel.Mein Auftrag. — Nach Amerika. — Ein Unglücksfall im Feuerland. — Die Feuerländer und ihre Sitten. — Fahrt nach der Südsee. — Entdeckungen. — Ankunft in Otahiti1Zweites Kapitel.Die Bewohner von Tahiti. — Ihre Stehlsucht. — Wir bauen ein Fort. — Lustbarkeiten. — Oberea, die Königin, und ihr Günstling. — Tootahah, der Regent. — Ringkämpfe. — Seltsame Besuchssitte. — Freie Liebe12Drittes Kapitel.Ein Besuch beim Regenten. — Der Durchgang der Venus. — Folgen ihres Kults. — Ein tahitisches Begräbnis. — Ein Hundebraten. — Hoher Besuch. — Eine Reise umdie Insel. — Lockungen24Viertes Kapitel.Im Hause der Oberea. — Eine Desertion. — Unanständige Tänze. — Die Lustseuche. — Körperschönheit, Sitten und Gebräuche der Bewohner von Tahiti41Fünftes Kapitel.Reise nach Huaheine und Ulietea. — Ein Weib als Gastgeschenk. — Eine dramatische Unterhaltung. — Der »furchtbare König«. — Ein Überfall57Sechstes Kapitel.Neue Entdeckungen. — Kriegerischer Empfang. — Drei Gefangene. — Verhandlungen69Siebtes Kapitel.Neue Feindseligkeiten. — Das Kap der Kinderdiebe. — Gastfreundliche Wilde. — Abenteuer in der Tegaduhbai83Achtes Kapitel.Forschungen. — Eine Naturfestung. — Kunstvolle Bauten. — Ein diebischer Geselle. — Seltsame Tätowierungen. — Eine Lektion und ihre Folgen. — Kannibalismus98Neuntes Kapitel.Neuseeländische Sitten. — Die Ursache des Kannibalismus. — Gastfreundliche Prostitution. — Zeitehen. — AbscheulicheTänze. — Die Frauen. — Die Religion115Zehntes Kapitel.Entdeckung der australischen Ostküste. — Die Macht der Feuerwaffen. — In der Botanybai. — Gefährliche Havarie. — Wir retten das Schiff123Elftes Kapitel.Verkehr mit den Australiern. — Ihre Lebensweise. — Ein Streit und seine Folgen. — Ausfahrt. — Die Besitzergreifung von dem neuentdeckten Lande. — Die Eingeborenen und ihre Lebensgewohnheiten138Zwölftes Kapitel.Fahrt durch die Endeavourstraße. — Abenteuer während der Fahrt. — Kranke an Bord. — Savu. — Kleinliche Schikanen. — Sitten und Gebräuche156Dreizehntes Kapitel.In Batavia. — Todesfälle. — Ungesundes Klima. — Tupia stirbt. — Die Javaner und ihre Lebensgewohnheiten. — Nationallaster. — Sklaverei. — Abreise172Vierzehntes Kapitel.Die Prinzeninsel. — Besuch beim König. — Die Eingeborenen. — Das schwimmende Hospital. — Wir begraben dreiundzwanzig Mann. — Am Kap der Guten Hoffnung. — Die Hottentotten und ihre Sitten183Fünfzehntes Kapitel.Heimreise. — Eine Sträflingsinsel. — St. Helena. — Grausame Behandlung der Sklaven daselbst. — Wieder zu Hause196Bilder.Kapitän James CookTitelbildIndianer vom Feuerland in ihrer HütteSeite48Innenraum eines Hauses auf der Insel Ulietea. — Tanz der Eingeborenen (mit Musikbegleitung)"96Kriegsboot der Neuseeländer"144
Meine erste Weltreise.
Mein Auftrag. — Nach Amerika. — Ein Unglücksfall im Feuerland. — Die Feuerländer und ihre Sitten. — Fahrt nach der Südsee. — Entdeckungen. — Ankunft in Otahiti.
Als ich meine Bestallung erhalten hatte, die vom 25. Mai 1768 datiert war, ging ich an Bord des Endeavour, hißte die Kommandoflagge und segelte am 30. Mai nach Plymouth. Hier wurden der Mannschaft die Kriegsartikel und die Parlamentsakte vorgelesen. Zugleich wurde ihr ein zweimonatiger Sold im voraus bezahlt. Am 26. August stachen wir in See.
Am 12. September erblickten wir Porto Santo und Madeira, und am folgenden Tage kamen wir auf der Reede von Funchal an, wo wir das Schiff vor den Stromanker festlegten. Am nächsten Tage riß beim Lichten das Seil des Ankerpfahls den Oberbootsmann Weir über Bord, und er ging mit dem Anker unter. Dieser wurde sofort wieder gehoben, allein es war zu spät. Der Unglückliche, dessen Körper sich in das Seil verwickelt hatte, war ertrunken. In der Nacht vom 18. auf den 19. gingen wir wieder unter Segel.
Auf dem Wege von Teneriffa nach Bonavista sahen wir eine große Menge fliegender Fische. Am25. Oktober segelten wir in der Länge von 29 Graden 30 Minuten mit den üblichen Feierlichkeiten durch den Äquator. Am Abend des 29. beobachteten wir jenen lichten Glanz in der See, den die Seefahrer so oft erwähnen. Über seine Entstehung waren die Forscher verschiedener Meinung. Wir waren der Ansicht, daß er von irgendeinem glänzenden Tiere herrührt, und fanden, nachdem wir ein kleines Netz ausgeworfen hatten, unsere Meinung bestätigt, denn wir fingen eine Medusenart, die an Bord ein weißes Licht von sich gab. Gleichzeitig fingen wir auch verschiedene kleine Krebse, die, obschon sie zehnmal kleiner als Johanniswürmchen sind, doch ebensostark wie diese leuchteten. Herr Banks konstatierte mit vielem Vergnügen, daß alle diese Tierchen noch von niemand beschrieben worden waren.
Am 8. November erblickten wir die Küste von Brasilien. Wir lavierten dann bis zum 12. längs der Küste hin, und am 13. segelten wir dem Hafen von Rio de Janeiro zu. Wir waren vom 14. November bis zum 7. Dezember hier[1].Dr.Solander war einmal an Land, ich selbst verschiedene Male, und Herr Banks fand ebenfalls Gelegenheit, sich durch die Wachen zu schleichen.Dr.Solander sagte mir in Bestätigung der verdammenden Urteile mehrerer Reisenden über die Sittenlosigkeit der Damen von Rio de Janeiro, daß sobald es dunkel geworden wäre sich fast alle Damenin den Fenstern gezeigt und die vorübergehenden Herren, soweit sie ihnen zusagten, mit Blumen überschüttet hätten. Was in einem Lande eine unanständige Vertraulichkeit ist, ist in einem anderen Lande Sitte. Ich für meinen Teil kann nichts weiter sagen, als daß ich von der Wahrheit der Sache selbst sehr überzeugt bin.
Am 14. Januar 1769 liefen wir in die Le Mairestraße ein. Wir wurden aber durch die Strömung vertrieben und gingen schließlich in der »Bai des guten Successes« vor Anker. Am 16. gingen Banks undDr.Solander mit ihren Leuten, unserm Schiffsarzt Monkhouse und Herrn Green, dem Astronomen, an Land, um Pflanzen zu suchen. Dabei überfiel sie ein Schneegestöber. Eine eisige Kälte setzte ein, so daßDr.Solander der ermüdeten Gesellschaft den Rat gab, sich des Schlafes zu erwehren. »Wer sich niedersetzt,« sagte er, »der wird einschlafen, und wer einschläft, wird nicht mehr erwachen!« Und er war der erste, der dem Drange zu schlafen folgte. Umsonst bat ihn Herr Banks, sich zu ermannen; er legte sich nieder. Und seinem Beispiel folgte der Neger Richmond, ein Diener von Banks, der auf alle Vorhaltungen nur antwortete, daß er nichts weiter verlange, als sich niederzulegen und zu sterben. Der Doktor erklärte — obschon er kurz vorher gewarnt hatte: »hier einschlafen und sterben sei eins« — er wolle gerne fortgehen, müsse aber vorher ein wenig schlafen. In kaum zwei Minuten fielen beide in tiefen Schlaf. Bald darauf kam einer von den ausgeschickten Leuten mit der angenehmen Meldung, daß an geschützter Stelle im Walde ein Feuerangezündet worden sei. Herrn Banks gelang es mit vieler Mühe den Doktor aufzuwecken. Obgleich dieser nicht länger als fünf Minuten geschlafen hatte, so war er doch nicht mehr imstande seine Glieder zu gebrauchen; seine Muskeln waren so sehr eingeschrumpft, daß ihm die Schuhe von den Füßen fielen. Trotzdem erklärte er sich zum Marsche bereit, wenn man ihn unterstütze. Der arme Richmond war nicht wachzukriegen. Herr Banks ließ seinen zweiten Neger und einen Matrosen, die am wenigsten von der Kälte gelitten zu haben schienen, als Wache zurück und versprach sie bald abzulösen. Hierauf schleppte er den Doktor zum Feuer hin. Später sandte er zwei Leute, nachdem sie sich durchwärmt hatten, mit dem Auftrage ab, Richmond mit Hilfe seiner Wache herbeizuschleppen. Nach einer halben Stunde kamen sie mit der Nachricht wieder, daß sie trotz eifrigen Suchens und Rufens von den drei Zurückgebliebenen keine Spur entdeckt hätten. Zum Unglück fing es stark zu schneien an, so daß man alle Hoffnung auf die Rettung der Verunglückten aufgab. Um Mitternacht hörte man in einiger Entfernung rufen. Herr Banks machte sich sogleich mit vier Leuten auf den Weg und fand den Matrosen, der kaum noch die Kräfte hatte, heranzutaumeln und um Hilfe zu rufen. Man brachte ihn sogleich zum Feuer, nachdem er die Richtung angegeben hatte, wo er sich von seinen Gefährten getrennt hatte. Herr Banks fand die Gesuchten dann auch glücklich auf. Richmond stand auf den Füßen, war aber nicht imstande, sich zu bewegen. Sein Gefährte lag auf dem Boden und war unempfindlich wie ein Stein. Banks alarmierte jedermannam Feuer. Allein die vereinten Kräfte der ganzen Gesellschaft reichten nicht hin, die Verunglückten nach dem Feuer zu schleppen. Die Finsternis und der tiefe Schnee erschwerten das Fortkommen derart, daß jeder einzelne genug mit sich zu tun hatte. Da auch des fallenden Schnees wegen der Versuch, an Ort und Stelle Feuer anzuzünden, scheiterte, so sah man sich in die traurige Notwendigkeit versetzt, die Unglücklichen ihrem Schicksal zu überlassen. Man machte ihnen ein Lager von Zweigen zurecht und bedeckte sie mit Reisern und Laub. Die Kälte und der Schnee setzten den Rettern derart zu, daß einige von ihnen fühllos zu werden begannen; Banks' Diener Briscoe wurde so krank, daß man glaubte, er würde sterben. Endlich erreichten sie ihre Lagerstätte, doch brachten sie die Nacht in der fürchterlichsten Gemütsverfassung zu. Von den zwölf Personen, die in guter Gesundheit aufgebrochen waren, hielt man zwei für tot, ein dritter war schwer erkrankt, die übrigen litten unbeschreiblich. Man war eine starke Tagereise vom Schiff entfernt. Der Weg dahin ging durch unbekannte Wälder. Wie leicht konnte man sich hier verirren! Außerdem war der Proviant aufgezehrt. Dabei diese furchtbare Kälte, die man selbst in Lappland für etwas Unerhörtes halten würde.
Dumpf vor sich hinbrütend wartete jedermann auf den Tagesanbruch. Um sechs Uhr des Morgens faßte man Hoffnung. Das Gewölk fing an sich zu zerteilen, und man konnte den Ort sehen, wo die Sonne hervorbrechen wollte. Herr Banks ließ sofort nach den beiden Verunglückten sehen und erhielt dietraurige Gewißheit, daß sie gestorben waren. Um acht Uhr stellte sich Tauwetter ein, und da sich die Kranken besser fühlten, so brach die Gesellschaft, nachdem sie einen Geier roh verspeist hatte, um zehn Uhr auf. Nach einer dreistündigen, beschwerlichen Wanderung sahen sich die Verirrten am Strande und in der Nähe des Schiffes. Sobald sie an Bord waren, wünschten sie einander zu ihrer Rettung Glück; ich selbst hatte wegen ihres Ausbleibens große Angst ausgestanden und nahm daher freudigen Herzens an dem allgemeinen Jubel teil.
Am 20. Dezember suchte Herr Banks in Begleitung des Doktors das Dorf einiger feuerländischer Familien auf, das sich nach dem Bericht unserer Leute etwa zwei Meilen landeinwärts befinden sollte. Als sie sich dem Dorfe näherten, kamen ihnen zwei Feuerländer im Sonntagsstaate entgegen und begrüßten sie mit lautem Freudengeschrei. Dann geleiteten die Feuerländer ihre vornehmen Gäste in das Dorf, das auf einem waldigen Hügel aufgebaut war und etwa aus fünfzehn äußerst primitiven Hütten bestand, die die Gestalt großer Bienenkörbe hatten. Von Hausgeräten war hier nichts zu sehen. Eine Rasenbank vertrat die Stelle eines Bettes und der Stühle, die Blase irgendeines Tieres diente als Wasserbehälter, ein Handkorb und ein Ranzen bildeten den ganzen Reichtum dieser Leute. Der ganze Stamm, Männer und Weiber, jung und alt, zählte kaum fünfzig Personen. Ihre Hautfarbe war eisenrostartig. Die Männer sind bis zu 5 Fuß 10 Zoll groß und in Bewegung und Haltung vierschrötig, die Weiber sind bedeutendkleiner. Die Kleidung besteht aus dem Felle eines Seehunds oder eines Guanicoes, das ungegerbt über die Schulter geworfen wird. Die Männer tragen das Fell offen; die Weiber, denen ein kleiner Lappen als Feigenblatt dient, binden es mit einem Riemen um den Leib. Obwohl Männer wie Weiber sonst ganz nackt gehen, so bemalen sie doch ihr Gesicht mit weißen, grellroten und schwarzen Figuren und Streifen und tragen am Arm und an den Fußgelenken Armbänder aus kleinen Muscheln und Knochen. Die liebe Eitelkeit ging so weit, daß sie sogar Glaskorallen den Messern und Beilen vorzogen.
Die Sprache besteht zum größten Teil aus Gurgellauten, wie wir sie ausstoßen, wenn uns etwas in die falsche Kehle gekommen ist; doch sagen sie für Zieraten:halleca, und für Wasser:ooda. Sie leben in der Hauptsache von Muscheltieren. Die Waffe dieser Naturmenschen, Pfeil und Bogen, war der einzige Gegenstand, in dessen Verfertigung sie Geschmack und Begabung zeigten. Da sie im Besitz von unechten Ringen, Knöpfen, Tuch und sonstigem Zeug waren, und da seit vielen Jahren kein europäisches Schiff so weit nach Süden vorgedrungen ist, so liegt die Annahme nahe, daß dieser Stamm nomadisierend in der Terra del Fuego lebte und vom Norden gekommen sein mußte. Auch kannten sie die Waffe der Weißen, unser Gewehr, denn sie baten Herrn Banks einen Seehund zu erlegen, der sich in der Nähe zeigte. Unter ihnen herrschte vollkommene Gleichheit. Keiner war Herrscher im Lande, trotzdem lebten sie in vollkommener Eintracht miteinander. Auch hatten sie keineGötzen und wohl auch keine Religion. Das abergläubische Geschrei, mit dem sie uns durch ihre »Priester« beschworen, kann doch keine Religionsbetätigung[2]sein. Im ganzen genommen schienen diese menschenähnlichen, armseligen, hilflosen Wesen der Auswurf der Menschheit zu sein. Hingegen sind sie auch der bittern Sorgen ledig, die uns unsre verfeinerte Kultur aufbürdet, um die Begierden, die sie schafft, stillen zu können.
Am 26. Januar steuerten wir vom Kap Horn ab. Am 13. Februar befanden wir uns 12° westwärts von der Magelhaensstraße. Erst am 4. April sichtete Peter Briscoe, ein Diener Banks', im Süden Land. Ich richtete sogleich meinen Kurs dahin und fand, daß es sich um eine eiförmige Insel handelte, in deren Mitte sich eine Lagune befand. Ich taufte sie deshalb die Laguneninsel. Die kupferfarbigen Bewohner dieser Insel sammelten sich am Strande und trugen große Spieße, mit denen sie aufgeregt hin und her liefen. Um ein Uhr steuerten wir nach Nordwesten und entdeckten eine neue Insel, die ich Thrumbkap nannte. Um drei Uhr fanden wir eine armbrustartige Insel, die bewohnt war; ich hieß sie die Bow-Insel, Bogen-Insel. Am 6. entdeckten wir verschiedene Eilande, die ich die »Gruppen« nannte, am 7. die Vögelinsel, am 8. die Ketteninsel, am 10. Maitea, die Kapitän Walliszuerst entdeckt und die Osnabrückinsel genannt hatte. Am folgenden Morgen früh entdeckten wir Otahiti. Um 11 Uhr waren wir so nahe, daß verschiedene Kähne mit Eingeborenen, die Palmzweige mit sich führten, uns anliefen und uns die Zweige als Friedenszeichen überreichten. Am nächsten Morgen um 7 Uhr gingen wir in der Port Royal Bai, die von den Eingeborenen Matavai genannt wird, vor Anker. Die Eingeborenen umringten das Schiff sofort mit ihren Kähnen und brachten uns Kokosnüsse, Äpfel, Brotfrüchte und Fische, die sie uns für Glaskorallen und andere Kleinigkeiten überließen. Unter ihnen befand sich Owhah, ein alter Häuptling, den die früheren Begleiter des Kapitäns Wallis, Herr Gore und andere, die mich auf meiner Reise begleiteten, sofort erkannten. Ich lud den alten Herrn an Bord und machte ihm einige Geschenke. Zugleich ordnete ich durch einen Befehl den Verkehr meiner Leute mit den Eingeborenen, um Preisdrückereien und anderem vorzubeugen. Hauptsächlich untersagte ich, daß Waren gegen irgend etwas anderes als Lebensmittel umgetauscht werden sollten.
Sobald das Schiff gehörig gesichert war, ging ich mit den Herren Banks undDr.Solander unter dem Schutze einer Abteilung Seesoldaten mit unserm Freunde Owhah an Land. Die zahlreich versammelten Eingeborenen ließen uns grüne Zweige überreichen und erzeigten uns große Ehrfurcht. Am nächsten Tage kamen zwei Häuptlinge an Bord und wählten Herrn Banks und mich mit großem Zeremoniell zu ihren Freunden. Mataha lud uns dann zu sich ein.Weil ich einen bequemeren Hafen zu finden hoffte, ließ ich zwei Boote aussetzen und ging mit Banks,Dr.Solander und den andern Herren in Gesellschaft unsrer beiden indianischen Freunde an Bord, um unter der Führung der letzteren die Reise anzutreten. Als wir eine Seemeile weit gerudert waren, winkten uns die Häuptlinge an Land zu steuern. Der Zulauf des Volkes war so groß, daß wir uns bald von etlichen hundert Personen umringt sahen. Man geleitete uns sofort in ein stattliches Haus, wo uns Tootahah, der Regent des Landes, begrüßte und mit dem Geschenk wohlriechender Tücher bedachte. Das Tuch, das er Herrn Banks überreichen ließ, war 33 Fuß lang und 6 Fuß breit. Herr Banks erwiderte das Geschenk mit einem seidenen Spitzenhalstuch und mit einem Taschentuch. Tootahah legte den neuen Staat mit stolzer und selbstgefälliger Miene an. Doch es ist Zeit, daß ich auch die Damen erwähne, die uns nach unserer Verabschiedung von dem Oberhäuptling in ihre Häuser geleiteten. Sie erwiesen uns alle Aufmerksamkeiten und schienen auch kein Bedenken zu tragen, ihre Gefälligkeiten allenfalls noch weiter zu treiben. Die Häuser hatten keine Seitenwände, man blieb also niemals ungesehen. Das hinderte die Schönen nicht, auf die Matten zu deuten, sich niederzulassen und uns zu sich hinabzuziehen. Wir beurlaubten uns jedoch von ihnen und gingen der Küste entlang. Unterwegs begegnete uns der Häuptling Tubourai Tamaide an der Spitze seiner Leute. Wir schlossen sofort einen Friedensvertrag mit ihm ab und folgten dann seiner Einladung zu einem Imbiß.
Während der Tafel erzeigte eine von den Gemahlinnendes Häuptlings, die Tomio hieß, Herrn Banks die Ehre, sich dicht neben ihn zu setzen. Tomio war nicht mehr in der Blüte ihrer Jugend und Schönheit. Aus diesem Grunde bezeigte ihr auch Herr Banks keine besonderen Aufmerksamkeiten. Als ihm unter den Umstehenden ein sehr schönes Mädchen in die Augen fiel, winkte er sie heran. Die Schöne zierte sich anfänglich, folgte dann aber der Einladung. Nun beschenkte sie Banks mit Glaskorallen und anderen Kleinigkeiten. Tomio war zwar etwas beleidigt, aber sie blieb ebenso aufmerksam und höflich gegen ihren Gast wie zuvor. Diese Szene hätte wohl noch interessanter und rührender werden können, wäre sie nicht durch einen ernsten Zwischenfall gestört worden.Dr.Solander und Herr Monkhouse machten nämlich die unangenehme Entdeckung, daß sie bestohlen worden waren, und zwar war ersterer um ein kleines Taschenperspektiv und letzterer um seine Schnupftabaksdose bestohlen. Dieser Diebstahl verdarb allen die gute Laune. Die Herren beschwerten sich bei dem Häuptling. Und um der Beschwerde mehr Nachdruck zu geben, sprang Herr Banks auf und stieß mit drohender Gebärde den Kolben seiner Büchse auf den Boden, wodurch er der ganzen Gesellschaft einen solchen Schrecken einjagte, daß sie Hals über Kopf zum Hause hinauslief. Dem Häuptling gelang es binnen kurzem, die gestohlenen Gegenstände herbeizuschaffen und ihren rechtmäßigen Eigentümern auszuhändigen, worauf wir versöhnt nach dem Schiffe zurückkehrten.
[1]Cook wurde von dem ungebildeten Vizekönig, der sich den Durchgang der Venus als den »Durchgang des Nordsterns durch den Südpol« erklärte, aufs äußerste schikaniert, als Feind behandelt, scharf bewacht und in jeder Weise aufgehalten.[2]Die »Weißen« galten den Mexikanern nicht als die Repräsentanten der guten Götter, sondern als die des Dämons. Als solche galten auch Cook und seine Leute den Feuerländern, deren primitive Religion in der Versöhnung des Bösen bestand, da ja das Gute nicht zu fürchten war.
[1]Cook wurde von dem ungebildeten Vizekönig, der sich den Durchgang der Venus als den »Durchgang des Nordsterns durch den Südpol« erklärte, aufs äußerste schikaniert, als Feind behandelt, scharf bewacht und in jeder Weise aufgehalten.
[1]Cook wurde von dem ungebildeten Vizekönig, der sich den Durchgang der Venus als den »Durchgang des Nordsterns durch den Südpol« erklärte, aufs äußerste schikaniert, als Feind behandelt, scharf bewacht und in jeder Weise aufgehalten.
[2]Die »Weißen« galten den Mexikanern nicht als die Repräsentanten der guten Götter, sondern als die des Dämons. Als solche galten auch Cook und seine Leute den Feuerländern, deren primitive Religion in der Versöhnung des Bösen bestand, da ja das Gute nicht zu fürchten war.
[2]Die »Weißen« galten den Mexikanern nicht als die Repräsentanten der guten Götter, sondern als die des Dämons. Als solche galten auch Cook und seine Leute den Feuerländern, deren primitive Religion in der Versöhnung des Bösen bestand, da ja das Gute nicht zu fürchten war.
Die Bewohner von Tahiti. — Ihre Stehlsucht. — Wir bauen ein Fort. — Lustbarkeiten. — Oberea, die Königin, und ihr Günstling. — Tootahah, der Regent. — Ringkämpfe. — Seltsame Besuchssitte. — Freie Liebe.
Am nächsten Tage ging ich mit den Herren Banks, Dr. Solander und Green an Land, um dort einen Platz für ein kleines Fort und unsre Sternwarte aufzusuchen. Wir waren bald über den Platz schlüssig und steckten auf der nordöstlichen Spitze der Bai die Grenzen ab, wo wir auch ein Herrn Banks gehöriges Zelt aufschlugen. Wie bei allem, was wir taten, so versammelte sich auch diesmal eine große Menge Zuschauer um uns, die ohne Waffen gekommen waren. Unter ihnen befand sich auch Owhah, dem ich durch Zeichen verständlich zu machen suchte, daß wir den Platz, den wir abgesteckt hatten, nicht für immer, sondern nur für die Zeit unseres Aufenthalts beanspruchten. Ich kann nicht sagen, ob er mich verstanden hat. Die Eingeborenen betrugen sich zu meiner Freude gefällig und ehrerbietig; sie hockten ganz friedfertig außerhalb des abgesteckten Kreises nieder und schauten uns zu, solange wir arbeiteten.
Wir beschlossen, obwohl uns Owhah durch Zeichen abriet, uns im Innern des Waldes umzusehen. Wir ließen unsere Seesoldaten unter dem Befehl eines Unteroffiziers zur Bewachung des Zeltes zurück und begaben uns in Begleitung einer großen Anzahl Eingeborener in den Wald. Als wir über einen kleinen Fluß setzten, flogen einige Enten auf. Banks schoßund erlegte drei Stück davon. Der Schuß jagte den Eingeborenen einen solchen Schrecken ein, daß die meisten wie vom Blitz getroffen zu Boden fielen; doch sie erholten sich bald von ihrer Furcht, und wir setzten unsere Reise fort. Plötzlich fielen zwei Schüsse in der Richtung des Zeltes. Wir brachen in großer Besorgnis so schnell als möglich dorthin auf und fanden den Platz um das Zelt von den Eingeborenen geräumt. Der wachhabende Unteroffizier meldete, daß einer der Indianer dem Posten das Gewehr entrissen habe und damit entflohen sei. Man habe ihn verfolgt und erschossen, sonst sei niemand getötet oder verwundet worden. Wir rechtfertigten Owhah und den Häuptlingen gegenüber das Vorgehen unserer Leute und bedeuteten ihnen, daß wir niemand ein Leid zufügen würden, der uns und unsere Leute in Frieden lasse. Wir brachen hierauf das Zelt ab und gingen ärgerlich über den Vorfall an Bord.
Am folgenden Morgen war der Strand ziemlich leer. Niemand von unsern indianischen Freunden, selbst unser treuer Owhah nicht, ließ sich blicken — Beweis genug, daß man uns grollte. Unter diesen Umständen segelte ich näher an die Küste und legte das Schiff so vor Anker, daß unsere Kanonen den ganzen nordöstlichen Teil der Bai und insbesondere den Platz bestreichen konnten, den ich zur Erbauung des Forts abgesteckt hatte. Am 17. starb zu unserem größten Leidwesen Herr Buchan, ein begabter Maler, den Herr Banks mitgenommen hatte, an den Folgen des Abenteuers auf der Terra del Fuego. Aus Rücksicht auf die Eingeborenen begruben wir ihn nicht aufder Insel, sondern wir übergaben seinen Leichnam unter großen Feierlichkeiten der See. Am Vormittag desselben Tages statteten uns Tootahah und Tubourai Tamaide ihren Gegenbesuch ab. Auch brachten sie Geschenke mit, Brotfrucht und ein gebratenes Schwein. Ich machte jedem ein Beil und einen Nagel zum Gegengeschenk. Am Abend gingen wir an Land und schlugen ein Zelt auf, worin Green und ich die Nacht zubrachten, um eine Finsternis des Jupitertrabanten zu beobachten; weil sich aber der Himmel bewölkte, wurde nichts daraus.
Nach Anbruch des Tages begannen wir mit dem Bau des Forts. Zu meiner Beruhigung machten sich die Eingeborenen dadurch nützlich, daß sie die im Walde gehauenen Pfosten und Faschinen herbeischleppten, die ich ihnen ehrlich bezahlt hatte. Kein Baum war ohne ihre Erlaubnis gefällt worden. Diese Rücksichtnahme auf ihre Eigentumsrechte machte so guten Eindruck, daß der Oberhäuptling Tamaide bei einem Besuch nicht nur seine Familie, sondern auch das Wetterdach eines Hauses und allerhand Baugeräte mitbrachte und erklärte, seine Residenz in unserer Nachbarschaft aufschlagen zu wollen. Am 22. veranstaltete Tootahah ein Konzert zu unseren Ehren. Das Orchester bestand aus vier Flötisten, die ihr Instrument mit der Nase bliesen, und vier Sängern, die immer eine und dieselbe Melodie spielten und sangen. An einem Abend lieh Dr. Solander einer von den Frauen Tamaides sein Messer, bekam es aber nicht wieder; am folgenden Morgen vermißte Herr Banks das seinige. Bei dieser Gelegenheit will ich betonen,daß unterschiedslos die Männer und die Frauen dieses Volkes die größten Diebe auf Erden sind. Bereits am Tage unserer Ankunft, als uns die Eingeborenen an Bord unseres Schiffes besuchten, waren die Häuptlinge ebenso beschäftigt unsere Kabinen zu bestehlen, wie ihre Leute die andern Teile des Schiffes. Banks beschuldigte Tamaide, ihm sein Messer gestohlen zu haben. Der Oberhäuptling leugnete feierlich. Banks erfuhr bald, daß sein eigener Bedienter das Messer verlegt hatte, und er beeilte sich, den Häuptling zu versöhnen.
Am 26. stellte ich sechs Drehbassen im Fort auf, wodurch die Eingeborenen in Furcht gerieten; einige Fischer, die auf der Landspitze der Bai wohnten, verzogen deshalb nach dem Innern der Insel. Am nächsten Morgen langten zahlreiche Kähne an, und die Zelte im Fort wimmelten von Männern und Frauen, die aus allen Teilen der Insel hergekommen waren. Ich hatte an Bord zu tun; allein unser Steuermann Mollineux, der schon einmal mit Kapitän Wallis in Otahiti war, ging für mich an Land. Als er in das Zelt des Herrn Banks trat, fiel ihm sofort eine Frau auf, die mit mehreren andern dort saß. Kaum erblickte er sie, so erkannte er in ihr Oberea, die Königin der Insel, die nach dem Zeugnis des Kapitäns ihm so wertvolle Dienste geleistet hatte. Auch sie erkannte den Steuermann wieder. Oberea war sehr groß, ihre Haut war weiß und ihr Gesicht schien ungemein geistreich und empfindsam. Sie war ungefähr vierzig Jahre alt und mußte in ihrer Jugend sehr schön gewesen sein.
Als Banks hörte, wer sie war, erbot er sich, sie an Bord des Schiffes zu geleiten. Die Königin nahm den Vorschlag mit Freuden an und kam mit zwei Häuptlingen und ihren Frauen an Bord, wo ich sie feierlich empfing und mit Geschenken überhäufte. Am besten gefiel der erlauchten Dame eine Kinderpuppe. Alsdann begleitete ich sie an Land, wo wir Tootahah begegneten, der zwar nicht König als Regent, aber mit der höchsten Gewalt bekleidet war. Es schien ihm wenig zu gefallen, daß wir die Königin mit so großer Auszeichnung behandelten. Und als sie ihre Puppe zeigte, wurde er so eifersüchtig, daß ich ihm, um ihn zu versöhnen, auch eine Puppe schenken mußte, die er sogar einem schönen Beile vorzog. Kurz danach fielen die Puppen so im Kurs, daß sie niemand mehr wollte.
Die Männer, die uns besuchten, pflegten ohne das geringste Bedenken an unserm Tische zu speisen. Die Frauen und Mädchen hingegen waren nie dazu zu bewegen gewesen. Auch heute lehnten sie unsere Einladung ab, verfügten sich aber in das Speisezimmer der Bedienten, wo sie es sich gut schmecken ließen. Der Grund dieses Betragens blieb uns ein Rätsel. Am nächsten Morgen erwiderte Herr Banks den Besuch der Königin. Es war nicht mehr sehr früh, als er erschien. Trotzdem sagte man ihm, daß sie noch unter der Wetterdecke ihres Kahnes schlafe. Er begab sich dorthin in der Absicht sie zu wecken, weil er glaubte, daß er sie durch diese etwas familiäre Art schwerlich beleidigen würde. Als er aber in ihre Kajüte blickte, fand er sie mit Obadec, einem stattlichen jungen Manne von fünfundzwanzig Jahren, zusammen.Banks wich beschämt zurück. Man gab ihm aber zu verstehen, daß dergleichen Intimitäten landesüblich seien; außerdem wäre es kundig, daß Obadec der Günstling der Königin wäre. Zu höflich, Herrn Banks lange antichambrieren zu lassen, kleidete sich Oberea schnell an und ging dann in seiner Begleitung nach den Zelten.
Kapitän Wallis hatte eines der Steinbeile der Insulaner nach England gebracht, nach dessen Muster die Admiralität ein eisernes Beil verfertigen ließ, das ich mitnehmen mußte, um den braunen Herrschaften mit unserer Industrie zu imponieren. Als ich Tootahah dieses Beil zum Geschenke machte, um ihn wegen des Forts, das ich mit zwei Vierpfündern und sechs Drehbassen bewehrt harte, zu beruhigen, war er von dem Geschenke derart entzückt, daß er in der Furcht, das Geschenk würde mich reuen, sofort davonlief, um es in Sicherheit zu bringen. Leider wurde uns nebst mehreren andern Gegenständen ein Quadrant gestohlen, den wir unter jeder Bedingung haben mußten. Meine Leute setzten daher den guten Tootahah als Geisel gefangen. Zum Glück kam ich rechtzeitig zurück, um ihn zu befreien. Wir erhielten die gestohlenen Sachen ausgeliefert. Die Insulaner grollten mehrere Tage, allein es gelang uns, sie wieder vollständig zu versöhnen. Wir statteten Tootahah einen feierlichen Besuch ab.
Das Volk erwartete uns in so großer Menge am Strand, daß wir kaum hindurch gekommen wären, wenn nicht ein großer, mit einem Turban bekleideter Mann dagewesen wäre, eine Art von Zeremonienmeister,der mit einem weißen Stock um sich hieb und Platz schuf. Dieser seltsame Herr geleitete uns zum Oberhaupt, indes das Volk uns zujauchzte: »Tai Tootahah!«, Tootahah ist euer Freund! Wir fanden ihn gleich einem biblischen Erzvater, umgeben von den Ältesten seines Staates, unter einem Baume thronend. Ich überreichte ihm zu den bedungenen Versöhnungsgeschenken noch ein Oberkleid von englischem Tuche, das er mit großer Freude empfing und sofort anlegte, und ein Hemd, das er seinem Zeremonienmeister übergab. Dann lud er uns zu einem Wettkampf, einem Ringkampf ein, den er uns zu Ehren veranstaltet hatte. Wir wurden nach einem großen Platze geführt, der von einem etwa drei Fuß hohen Rohrgitter umgeben und an die Residenz des Oberhäuptlings angebaut war. Tootahah saß in der Mitte der Preisrichter; wir zogen es vor, uns frei umherzubewegen. Als alles bereit war, traten die Kämpfer in den Kreis. Sie waren bis auf ein Hüfttuch nackt. Die Anfangszeremonien des Ringkampfes bestanden darin, daß die Ringer in gebückter Haltung langsam rund im Kreise herumgingen und dabei die linke Hand auf ihre rechte Brust legten, während sie mit der rechten Hand den Takt auf ihrem linken Arm schlugen, eine Herausforderung an alle, die mit ihnen ringen wollten. Die direkte Herausforderung bestand noch darin, daß der einzelne Ringkämpfer seinen Gegner zum Kampfe einlud, indem er die Hände auf die Brust legte und mit den Ellenbogen wippte. Hatte der Gegner dasselbe getan, so fuhren beide aufeinander los, wobei jeder seinen Gegner regellos zu packen suchte, an den Beinen,an den Armen, um den Leib und selbst an den Haaren, wobei nur die rohe Kraft entschied. Doch mußte der Sieger den Besiegten auf den Rücken legen. Während des Ringens tanzten Tänzer einen der charakteristischen monotonen Tänze. Mit Erbitterung wurde nirgends gerungen. Wir konstatierten sogar, daß die Besiegten über ihr Pech lachten und scherzten. Das Wettringen dauerte etwa zwei Stunden. Tootahah lud sich alsdann bei uns im Fort zu Gaste, wozu er ein gebratenes Schwein lieferte. Unsere Aussöhnung mit diesem mächtigen Manne wirkte wie ein Zauber auf das Volk, das sofort mit vielem Eifer den unterbrochenen Tauschhandel mit uns wieder aufnahm. Doch hielt es nach wie vor schwer, Schweinefleisch zu erhalten. Die Herren Green und Mollineux hörten bei einem Ausflug, daß die meisten Schweine unserem Tootahah gehörten. Nunmehr fingen wir an, unsern Freund für einen mächtigen Fürsten zu halten, denn anders wären ein solcher Reichtum und eine so unumschränkte Gewalt nicht möglich. Bis jetzt hatten wir Kokosnüsse und Brotfrüchte immer noch mit Glaskorallen eingehandelt. Nun aber begann der Wert dieses Tauschartikels so bedeutend zu fallen, daß wir Nägel auf den Markt brachten. Für einen vierzölligen Nagel erhielten wir zwanzig Kokosnüsse und Brotfrucht in demselben Quantum.
Am 9. Mai besuchte uns, zum ersten Male seit dem Streit mit Tootahah, die Königin wieder. Oberea kam in Begleitung des Häuptlings Tupia und ihres Günstlings Obadec, die uns ein Schwein und Brotfrüchte brachten, ein Geschenk, das wir mit einem Beilauslösten. Wir hatten inzwischen eine Schmiede im Fort aufgestellt. Der Schmied hatte beständig Arbeit, denn die Eingeborenen brachten altes Eisen, woraus ich ihnen neue Werkzeuge schmieden ließ. Die Königin hatte eine zerbrochene Axt mitgebracht, die ich ihr zu ihrer Zufriedenheit reparieren ließ. Alsdann verabschiedete sie sich mit dem Versprechen, nach drei Tagen wiederkommen zu wollen. Unsere Namen richtig aussprechen zu lernen war den Insulanern ein Ding der Unmöglichkeit. Mich nannten sie Tuti, Herrn Hicks Hiti, Mollineux nach seinem Vornamen Bob Boba, Herrn Gore Toora,Dr.Solander Torano, Herrn Banks Tapane, Herrn Green Eteri, den Maler Parkinson Patini und den Unteroffizier Monkhouse, der den Dieb der Muskete erschossen hatte, Matte, was soviel wie Tod bedeutet. Der letztere Umstand ließ uns darauf schließen, daß die Namen, die sie uns gegeben hatten, Worte ihrer eigenen Sprache bedeuteten.
Am 12. Mai, an einem Freitag, statteten uns einige fremde Frauen von Rang einen Besuch ab. Herr Banks saß am Tore des Forts in seinem Boote neben Tootahah und andern vornehmen Eingeborenen, um die Marktgeschäfte zu erledigen. Zwischen 9 und 10 Uhr landete ein großer Kahn, unter dessen Wetterdach ein Mann und zwei Frauen saßen. Tootahah bedeutete Herrn Banks, den vornehmen Fremden entgegen zu gehen. Bis er jedoch aus dem Boote kam, waren ihm jene schon bis auf dreißig Fuß nahe gekommen. In dieser Entfernung hielten sie still und winkten ihm ein Gleiches zu tun. Hierauf legten sie ein halbes Dutzend Bäumchen und andere Pflanzenauf die Erde nieder. Das Volk hatte inzwischen von den Fremden bis zu Banks eine Gasse gebildet. Alsdann brachte der Mann, der ein Diener der vornehmen Frauen zu sein schien, die Bäumchen nacheinander Herrn Banks und sprach dazu einige Worte. Der Häuptling Tupia versah das Amt eines Zeremonienmeisters des Herrn Banks; er nahm die Zweige ebenso feierlich an und legte sie ins Boot. Nach dieser Feierlichkeit schleppte der Mann einen großen Ballen Tücher herbei, öffnete ihn und breitete den Inhalt stückweise zwischen Banks und seinen Gästen aus, wobei er jedesmal drei Tücher aufeinander legte. Hierauf stieg eine der beiden Frauen, die Ooratooa hieß und die vornehmere war, auf die Tücher, hob ihre Kleider ringsum bis an die Hüften auf und drehte sich mit der unschuldigsten Miene von der Welt feierlich und bedächtig dreimal im Kreise herum. Alsdann ließ sie den Vorhang fallen und trat wieder herunter. Jetzt legte man sechs Tücher und dann neun übereinander. Ooratooa wiederholte jedesmal die Zeremonie, der das Volk mit dem feierlichsten Ernste anwohnte. Danach wurde das Tuch sofort aufgerollt und Herrn Banks als Geschenk von der Dame überreicht, die mit ihrer Freundin an ihn herantrat und ihn küßte. Er machte den beiden die auserlesensten Geschenke; die beiden vornehmen Insulanerinnen blieben etwa eine Stunde, dann fuhren sie heimwärts. Am Abend bekamen die Herren im Fort den Besuch der Königin und ihrer Freundin Oteothea, eines sehr schönen jungen Mädchens.
Am 13., als der Markt schon um 10 Uhr vorüberwar, erging sich Herr Banks, der seine Kugelbüchse bei sich trug, im kühlenden Schatten des Waldes. Auf dem Rückwege traf er Tubourai Tamaide vor seinem provisorischen Wetterhaus und verweilte bei ihm. Dieser nahm die Gelegenheit wahr, nahm Herrn Banks die Büchse aus der Hand, spannte den Hahn und versuchte einen Schuß in die Luft abzufeuern. Zum Glück für ihn versagte der Schuß. Banks entriß ihm augenblicklich die Büchse. Da es von höchster Wichtigkeit war, die Insulaner in der Behandlung des Feuergewehrs in gänzlicher Unwissenheit zu erhalten, so erging sich Banks dem Häuptling gegenüber in den fürchterlichsten Drohungen. Tamaide hörte den Verweis mit großer Demut an, allein kaum hatte ihm Banks den Rücken gewendet, so enteilte er mit seiner ganzen Familie in sein Haus zu Eparre. Wir wurden sofort benachrichtigt, und da wir diesen einflußreichen Mann nicht zum Feinde haben wollten, so reisten die Herren Banks und Mollineux noch an demselben Abend nach Eparre ab. Hier fanden sie den Oberhäuptling betrübt im Kreise seiner Leute sitzen; seine Lieblingsfrau hatte in ihrer Trauer über den Vorfall ihren Kopf mit einem Seehundszahn blutig gestoßen. In gleicher Weise hatte die Terapo schon vorher ihrem Schmerze Ausdruck gegeben. Banks beeilte sich also, den Häuptling zu beruhigen und ihm zu versichern, daß er weit davon entfernt sei, ihm zu zürnen. Tamaide war so froh darüber, daß er sofort zurückkehrte und zum Zeichen der vollständigen Aussöhnung mit seinen Frauen im Zelte des Herrn Banks übernachtete.
Am 4. Juni, an einem Sonntage, hielten wir imFort Gottesdienst ab, wozu wir den Tamaide und andere vornehme Insulaner einluden. Herr Banks setzte sich mitten zwischen sie, und sie ahmten alles nach, was er tat; sie erhoben sich, setzten sich, knieten nieder, ganz wie er. Als jedoch der Gottesdienst vorüber war, bezeigten sie kein Interesse dafür, von uns zu erfahren, um was es sich hier gehandelt habe. Die Insulaner hielten dagegen eine Vesper von besonderer Art ab. Ein junger, sechs Fuß großer Mensch weihte nämlich ein junges, etwa zwölfjähriges Mädchen in Gegenwart einiger von unseren Leuten und einer großen Menge Volkes feierlich in die Mysterien des Venuskultes ein. Die ungenierte Art, womit er hiebei zu Werke ging, bewies ganz klar, daß er seine Handlungsweise nicht im geringsten für unschicklich und unanständig, sondern für eine im Gebrauch des Landes erlaubte und moralische hielt. Unter den Zuschauern befanden sich die Königin und viele Frauen von Stand, die sich nicht damit begnügten, bei dieser Zeremonie die Zuschauerinnen zu spielen, sondern im Gegenteil eifrig bemüht waren, der Novize Anleitungen zu geben, wie sie sich zu verhalten habe, obschon das Mädchen trotz seiner Jugend der Anleitungen eben nicht sehr zu bedürfen schien. Ich erzähle diesen Vorfall, weil er ein nicht unbedeutender Beitrag zur Lösung einer Frage ist, über die die Philosophen schon lange stritten, die Frage nämlich: »ob die Scham, die gewisse natürliche Handlungen begleitet, ihren Grund in der Natur selbst hat, oder ob sie aus Gebräuchen entstanden ist«. Es dürfte sehr schwer werden zu erklären, wie es kam, daß der Schambegriffbezüglich gewisser Naturakte gerade diesem paradiesisch harmlosen Volke vollständig fehlt.
Ebenso verhielt es sich mit dem Begriff des Diebstahls und seiner Verwerflichkeit. Wir hatten wiederholt bemerkt, daß, sobald uns etwas gestohlen wurde, alle Insulaner schon vor uns davon Kenntnis hatten. In der Nacht vom 13. auf den 14. Juni wurde uns eines von den am Fort aufgestellten Wasserfässern gestohlen; am andern Morgen war kein Insulaner, der nicht von diesem Diebstahl gewußt hätte.
Ein Besuch beim Regenten. — Der Durchgang der Venus. — Folgen ihres Kults. — Ein tahitisches Begräbnis. — Ein Hundebraten. — Hoher Besuch. — Eine Reise um die Insel. — Lockungen.
Am 27. Juni beschlossen wir, dem Oberhäuptling Tootahah einen Besuch abzustatten, um ihn zur Lieferung einiger Schweine zu veranlassen. Ich ruderte daher frühmorgens mit Banks,Dr.Solander und drei andern Herren in der Pinasse ab. Da wir den Weg nach Atahourou, der neuen Residenz Tootahahs, nur zur Hälfte im Boote zurücklegen konnten, so langten wir erst gegen Abend bei ihm an. Wir fanden ihn in seinem gewöhnlichen Staatsgewand unter einem großen Baum inmitten seines Volkes thronend und überreichten ihm unser Geschenk, das aus einem gelbenFrauenunterrock und andern Kleinigkeiten bestand und das er in Gnaden anzunehmen geruhte.
Die Menge des Volkes und der angesehensten Häuptlinge war so groß — auch die Königin war mit ihrem Gefolge erschienen — daß die Häuser nicht alle beherbergen konnten. Wir waren also gezwungen jeder woanders zu logieren. Oberea bot Herrn Banks höflich einen Platz in ihrem Quartier an. Banks war froh, so gut versorgt zu sein, wünschte uns gute Nacht und ging mit der Königin weg. Nach dem Landesgebrauch legte er sich frühzeitig schlafen, und da die Nacht sehr heiß war, so entkleidete er sich. Oberea bestand darauf, die Kleider in ihre eigene Verwahrung zu nehmen, damit sie nicht gestohlen würden. Unter dem so mächtigen Schutze der Königin schlief Banks sorglos wie in Abrahams Schoß. Als er um 11 Uhr aufstehen wollte, waren seine Kleider verschwunden. Er weckte also die Königin, die sofort Licht machen ließ und ihm schwur, ihm die Kleider zu verschaffen. Auch Tootahah, der nebenan schlief und von dem Lärm erwachte, entfernte sich mit der Königin, um den Dieb zu suchen, der dem guten Banks nichts weiter zurückgelassen hatte als seine Beinkleider und seine Kugelbüchse, die nicht geladen war. Pulverhorn, Pistolen, Rock, Weste usw. waren verschwunden. Nach einer halben Stunde kamen Oberea und Tootahah mit der Nachricht zurück, daß sie von dem Diebe keine Spur entdeckt hätten. Banks, der keine Ahnung von unserem Quartier hatte, machte gute Miene zum bösen Spiel. Gegen Morgen suchte er uns halb nackt auf. Uns war es nicht viel besser ergangen; mir warendie Strümpfe gestohlen, einem andern das Wams. Oberea brachte ihrem Gastfreund einen Eingeborenenrock, und in diesem halb englischen, halb indianischen Kostüm ging Herr Banks einher. NurDr.Solander, der bei ehrlichen Leuten übernachtet hatte, war mit heiler Haut davongekommen. Unsere Kleider waren und blieben verschwunden. Wir hegten deshalb den ziemlich begründeten Verdacht, daß der Diebstahl mit Wissen und Willen der Königin und Tootahahs begangen worden war. Wir traten sobald als möglich den Rückmarsch zum Boote an und kamen des Abends spät nach dem Fort zurück.
Lord Morton hatte mir bei meinem Abschiede dringend ans Herz gelegt, den Durchgang der Venus von verschiedenen Orten aus beobachten zu lassen. Green und ich wollten das Ereignis vom Fort aus beobachten. Die erste Expedition unter dem Befehl des Herrn Hicks sollte im Osten der Insel, die zweite unter dem Befehl des Leutnants Gore auf Imao im Westen von Otahiti, einer Insel, die Kapitän Wallis Herzog-York-Insel nannte, die Beobachtung anstellen. Zu diesem Zwecke stattete unser Astronom Green beide Expeditionen mit den nötigen Instrumenten aus und unterwies deren Leiter in ihrem Gebrauche. Herr Hicks brach mit seinen Leuten in der Pinasse auf. Für die zweite Expedition wurde das lange Boot ausgerüstet, aber man wurde erst Donnerstag nachmittag fertig. An dieser Expedition nahm auch Banks mit Tamaide und mit Tomio teil, einer Verwandten des Königs von Imao. Nachdem die Bootsleute den größten Teil der Nacht hindurch gerudert harten, gelangtensie an die Insel, wo sie sich vorläufig vor Anker legten. Bald nach Anbruch des Tages erblickte man einen indianischen Kahn, den Tamaide anrief, um sich nach einer Einfahrt zu erkundigen. In dieser erblickten sie einen von der Insel etwa 450 Fuß entfernten Korallenfelsen, der für ihre Zwecke günstig schien. Er war 240 Fuß lang, 60 Fuß breit, und zeigte in seiner Mitte einen Sandflecken, der für den Aufbau der Zelte reichte. Man beschloß daher die Sternwarte hier anzulegen. Während Gore und seine Leute die Zelte aufschlugen, ging Banks mit Tamaide und Tomio an Bord des Indianerkahns und fuhr nach der Hauptinsel, um Nahrungsmittel einzutauschen. Bei seiner Rückkehr fand er die Sternwarte in Ordnung und die Fernrohre befestigt und geprüft. Der Abend war sehr heiter. Allein jedermann besorgte, daß der Himmel sich trüben könne, und so fand keiner den Schlaf. Sobald der Tag anbrach und die Sonne hell und klar aufging, stieg die Aufregung der Beobachter aufs höchste. Banks wünschte den Herren Gore und Monkhouse viel Glück und fuhr in Begleitung der Indianer nach der Insel. Um 8 Uhr bemerkte er, daß sich zwei Kähne dem Platze näherten, den er sich für seine Geschäfte ausgesucht hatte. Man teilte ihm mit, daß die Kähne dem König der Insel, Tarrao, gehörten, der zum Besuche käme. Als der König sich näherte, bildete das Volk eine Gasse vom Strande bis zum Marktplatz, und Seine Majestät traten hierauf nebst dero Schwester Nuna ans Land. Als sie sich dem Baume näherten, unter dem Banks hielt, ging er ihnen entgegen und geleitete sie feierlichstzu seinem Platze, wo er ein Tuch ausbreiten und seine Gäste darauf sitzen ließ. Der König überreichte hierauf Herrn Banks ein Schwein, einen Hund und Früchte zum Geschenk, das dieser mit einem Beil, einem Hemd und einigen Glaskorallen erwiderte, womit er Sr. Majestät und der erlauchtesten Prinzessin viele Freude bereitete. Kurz darauf erschienen Tamaide und Tomio. Diese stellte sich als Verwandte Tarraos vor und überreichte ihm einen großen Nagel und der Nuna ein Hemd zum Geschenk.
Als die erste innere Berührung des Planeten Venus mit der Sonne vorüber war, begab sich Herr Banks mit Tarrao und seinem Gefolge, worunter sich auch drei junge Schönheiten befanden, nach der Koralleninsel. Er zeigte ihnen durch das Fernrohr den Planeten auf dem Sonnenspiegel und suchte ihnen begreiflich zu machen, daß wir aus unserm Vaterlande nur deshalb hergekommen wären, um dieses Ereignis zu beobachten. Am folgenden Morgen fuhren die Mitglieder der zweiten Expedition wieder nach dem Fort zurück. Auch die Ergebnisse unserer Beobachtungen waren befriedigend. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang war die Luft rein und der Himmel klar. Nach den Aufzeichnungen Greens geschah die erste äußere Berührung des Planeten der Sonnenscheibe um 9 Uhr 25 Minuten 42 Sekunden, die erste innere um 9 Uhr 44 Min. 4 Sek., die zweite innere Berührung um 3 Uhr 14 Min. 8 Sek., und die zweite äußere Berührung um 3 Uhr 32 Min. 10 Sek. Die Breite unserer Sternwarte war 17 Gr. 29 Min. 15Sek., die westliche Länge von Greenwich 149 Gr. 32 Min. 30 Sek.
So große Ursache wir auch hatten, uns über den Erfolg unserer Observationen zu freuen, so sehr gab uns ein Teil des Schiffsvolks Anlaß zum Ärger. Während wir nämlich den Durchgang der Venus beobachteten, brachen verschiedene Matrosen in eine unserer Vorratskammern ein und entwendeten ungefähr einen Zentner großer Nägel — eine Tat, von der wir den größten Nachteil zu befürchten hatten, denn wenn die Diebe diese Nägel an die Insulanerinnen verhandelten, so entwerteten sie unsere Haupttauschware. Wir entdeckten einen der Diebe, fanden aber nur sieben Nägel bei ihm; auch verriet er, obwohl ich ihm vierundzwanzig Hiebe aufbrennen ließ, keinen seiner Mitschuldigen.
Um diese Zeit starb eine alte Frau von Rang, die mit der Tomio verwandt war. Dies verschaffte uns die längstersehnte Gelegenheit, einem Leichenbegängnis beizuwohnen. In der Mitte eines Vierecks, das mit einem schönen Gitter umgeben war, wurde eine Wetterdecke über zwei Pfosten ausgespannt. Darunter wurde die Leiche auf eine primitive Bahre gelegt und der Verwesung überlassen. Neben ihr wurden Brotfrüchte und andere Lebensmittel niedergelegt, und in der Nähe wurden einige Hütten errichtet, worin die nächsten Anverwandten und der vornehmste Leidtragende, diesmal Tubourai Tamaide, den Zeitpunkt der Verwesung abwarteten, um dann die Gebeine zu beerdigen.
Herr Banks war so begierig, in die Geheimnisseeiner solchen Feierlichkeit einzudringen, daß er sich zur bestimmten Zeit nach dem Orte begab, wo der Leichnam lag. Die Tochter der Verstorbenen empfing ihn daselbst, umgeben von allen Leidtragenden, unter denen sich auch ein Knabe von etwa vierzehn Jahren befand. Tamaide trug als der Hauptleidtragende eine seltsame Maske. Herr Banks mußte sich nackt ausziehen; man wickelte ihm ein Lendentuch um den Leib und färbte seinen Oberkörper mit Kohlenstaub und Wasser so lange, bis er schwarz wie ein Neger war. Diese Förmlichkeit nahm man auch mit den andern, unter ihnen einige Frauen und Mädchen, die sich gleichfalls nackt ausziehen mußten, und mit dem Knaben vor. Tubourai Tamaide sprach jetzt eine Art von Trauergebet, dann setzte sich der Zug in Bewegung. Als man an das Haus Tamaides kam, betete dieser wiederum, dann nahm der Zug seinen Weg nach dem Fort hin. Die nicht zum Trauergeleite gehörenden, in der Nähe des Forts angesiedelten Insulaner flüchteten beim Herannahen des Zuges in die Wälder, und so war es überall, wo sich dieser zeigte. Banks hatte als sogenannter »Niniveh« mit noch zwei andern das Amt, darüber zu wachen, daß kein lebendes Wesen in den Häusern weilte, und hatte dies Tamaide mit dem Worte: imatata! es ist niemand da! zu melden. Der erste Leidtragende trug in seiner Hand einen langen, flachen Stock, dessen Ränder mit scharfen Seehundszähnen besetzt sind. Entdeckt er einen Fremden, so verprügelt er ihn aufs unbarmherzigste mit dieser Waffe. Nach dem Umzug wuschen sich alle Teilnehmer im Flusse.
Die letzten Fleischteile der Leiche wurden im Verwesungshause,dem Tupapow, sorgfältig von den Knochen abgeschabt, worauf diese in dem ummauerten Begräbnisplatz, dem Morai, begraben wurden. War der Verstorbene ein Arrih, ein Häuptling, so wird seine Hirnschale in einem besonderen Kästchen neben seinen Gebeinen begraben. Alsdann ist die Trauer zu Ende. Offiziell wenigstens. Es kommt oft vor, daß sich besonders die Frauen später noch mit den Seehundszähnen verwunden, wenn sie sich bei irgendeiner Gelegenheit an den Verlust eines teuren Anverwandten erinnern. Dies war auch bei der Terapo der Fall, als sie sich in unsrer Gegenwart scheinbar ohne jeden Grund mit dem Seehundszahn bearbeitete. Ihren Begräbnisplatz halten die Eingeborenen heilig. Ich hatte ein Boot unter dem Kommando eines Offiziers an Land geschickt, um Steinballast zu holen. Weil nun der Offizier nicht gleich die nötigen Steine fand, ließ er eine Moraimauer niederreißen. Die Insulaner widersetzten sich dem mit Gewalt. Herr Banks eilte hinzu und stiftete Frieden, indem er die Matrosen nach dem Flusse schickte, wo es Steine genug gab. Es ist gewiß sehr charakteristisch, daß die Eingeborenen von Otahiti gegen das, was man ihren Toten antat, weit empfindlicher als gegen das waren, was man mit den Lebenden vornahm. Das einzige Mal, wo sie es wagten, die Hand an einen von uns zu legen, geschah dies aus ähnlichem Anlaß. Unser Schiffsarzt Monkhouse pflückte nämlich eines Tages eine Blüte von einem Baum, der sich in einem Morai befand. Einer der Eingeborenen, der ihn mit Entrüstung beobachtet hatte, rannte ihn wütend an und schlug auf ihnein. Monkhouse erwischte den Kerl, doch eilten diesem zwei andre zu Hilfe und zogen Monkhouse an den Haaren, so daß er seinen Gefangenen los lassen mußte, der mit seinen Befreiern schnellfüßig flüchtete.
Am Abend des 19. Juni bekamen wir einen Besuch der Königin; es befremdete uns aber nicht wenig, daß Oberea ohne die uns gestohlenen Kleider erschien, obschon sie wußte, daß wir sie für die Hehlerin hielten. Sie erklärte uns zwar, daß sie ihren Günstling Obadec davongejagt hätte, der der Dieb sei, allein sie mußte fühlen, daß wir ihrem Märchen keinen Glauben schenkten. Trotzdem lud sie sich wieder bei Herrn Banks zum Nachtquartier ein, was ihr abgeschlagen wurde. Daraufhin zog sie sich maulend zurück. Am nächsten Morgen erschien sie wieder und brachte uns zur Versöhnung ein Schwein und einen Hund mit. Weil wir erfahren hatten, daß die Insulaner das Fleisch ihrer Hunde für einen großen Leckerbissen halten und es sogar dem Schweinefleisch vorziehen, kam uns die Lust an, uns den Hund braten zu lassen. Der Minister und Oberpriester der diebischen Königin, Tupia, erhielt den Auftrag, das Tier für uns zuzubereiten. Um den Hund zu töten, hielt er ihm mit aller Kraft über eine Viertelstunde Maul und Nase zu. In dieser Zeit war ein fußtiefes Loch gegraben und in dieses waren kleine Steine schichtweise zwischen das brennende Holz gelegt worden. Hierauf wurde der Hund über das Feuer gehalten, seine Haare wurden abgesengt und seine Haut wurde mit einer Muschel so rein abgeschabt, als wäre er in heißem Wasser gebrüht worden. Alsdann wurde er mit derselben Muschel geöffnet.Man nahm die Eingeweide heraus, reinigte sie in der See und legte sie dann in die Kokosnußschalen, in denen man das Blut aufgefangen hatte. Alsdann entfernte man den Brand aus dem Loch, in das ein Teil der heißen Steine gelegt wurde. Über diese kam frisches Laub, auf das der Hund und die Eingeweide gelagert wurden. Man bedeckte beides mit Blättern und legte über diese den Rest der heißen Steine. Dann wurde das Loch mit Erde zugedeckt. Nach etwa vier Stunden wurde der Braten herausgenommen, der nach unserm einstimmigen Urteil ganz delikat schmeckte. Die zum Verspeisen gezüchteten Hunde werden nicht mit Fleisch, sondern mit Brotfrucht, Kokosmilch und Yamswurzeln, einer Kartoffelart, gemästet.
Am 21. Juni wurden wir von Oamo besucht, einem sehr mächtigen Oberhäuptling, dem die Eingeborenen mit großer Ehrfurcht begegneten. Oamo kam mit einem Knaben von sieben Jahren und einem jungen Mädchen von etwa sechzehn Jahren. Der Knabe wurde von einem Manne getragen. Sobald man sie kommen sah, entblößten Oberea und sämtliche Eingeborenen innerhalb und außerhalb des Forts den Oberkörper und schritten so den Ankommenden entgegen. Diese Entblößung war so gut wie die des Unterkörpers seitens der Ooratooa ein Zeichen ganz besonderer Ehrfurcht. Noch merkwürdiger war, daß die Insulaner wohl Oamo, nicht aber den Knaben und das Mädchen zu uns ins Fort ließen. Wir hörten später, daß Oamo der Gemahl der Königin war, von der er getrennt lebte. Der Knabe (der Thronerbe) und das Mädchen waren ihre Kinder. Das Mädchen war dieVerlobte ihres Bruders Teridiri. Der wirkliche Oberkönig war ein Sohn des Oberhäuptlings Whappai namens Outou. Whappai, Oamo und Tootahah waren Brüder; Whappai war der älteste und Oamo war der zweite Bruder. Weil nun Whappai nur einen einzigen Sohn hatte, nämlich den Outou, so war Teridiri als der Sohn Oamos Kronprinz. Nach den Gebräuchen des Landes erbt ein Sohn mit seiner Geburt den Titel und die Macht seines Vaters. Das Volk wählt alsdann einen Regenten, gewöhnlich den Vater. Diesmal war die Wahl zum Regenten für Outou auf seinen Oheim Tootahah gefallen, weil sich dieser in einem Kriege ganz besonders ausgezeichnet hatte. Der intelligenteste von den drei Brüdern war jedenfalls Oamo, wie aus seinen Erkundigungen über England u. a. hervorging.
Die Besuche der verschiedenen Potentaten reizten uns zu einer Umschiffung der Insel, die denn auch Banks und ich am 26. Juni früh um 3 Uhr mit dem Maler Parkinson in der Pinasse bewerkstelligten. Wir nahmen unsern Weg ostwärts und landeten in Oahounue, das von dem jungen Oberhäuptling Ahio regiert wurde, der uns bereits mehrere Male besucht hatte. Außer ihm trafen wir dort noch unsre alten Freunde Tituboalo und Hoona an, die uns hoch erfreut bewirteten. Von hier gingen wir zu Fuß weiter, während uns die Pinasse in Hörweite folgte. Unsre Freunde gaben uns das Geleite bis zum Hafen Ohidea, wo Herr von Bougainville mit der »Boudeuse« vor Anker gelegen hatte. Die Eingeborenen zeigten uns noch den Lagerplatz der Franzosen.
Wir stiegen hierauf in die Pinasse und luden Tituboalo ein, uns an die andere Seite der Bai hinüberzubegleiten. Er weigerte sich aber und riet uns von diesem Wagnis ab, weil die Eingeborenen auf der andern Seite nicht Untertanen des Tootahah wären und uns alle ermorden würden. Man kann sich leicht denken, daß wir uns dadurch nicht ins Bockshorn jagen ließen. Wir luden aber unsere Büchsen mit Kugeln. Tituboalo, der das mit ansah, setzte so viel Vertrauen in den Blitz und den Donner unserer Gewehre, daß er sich anders besann und zu uns an Bord kam. Nachdem wir die Nacht hindurch gerudert hatten, gelangten wir im Innern der Bai an eine Landenge, die Otahiti in zwei Teile teilte. Wir übernachteten auf unsrer Seite. Auf Befehl der Ooratooa, eben jener Dame, die Banks im Fort eine so eigenartige Reverenz erwiesen hatte, wurden wir hier gastfreundlich aufgenommen und beherbergt. Am nächsten Morgen sahen wir uns unsere Umgebung an und fanden, daß sie aus einem etwa zwei englischen Meilen breiten, sumpfigen Moorland bestand, über das die Eingeborenen ihre Kähne bis zur See hinüberziehen. Wir setzten hierauf unsere Reise nach dem feindlichen »Königreich« fort, das nach Tituboalos Angaben Tiarrabou hieß und von dem König Waheatua beherrscht wurde. Unser indianischer Reisegefährte schien neuen Mut gefaßt zu haben. Das Volk von Tiarrabou, prophezeite er uns jetzt weniger bedrohlich, würde uns zwar nicht töten, aber es würde uns regelrecht verhungern lassen. Und in der Tat hatten wir, seitdem wir mit ihm unterwegs waren, keine Brotfrüchte gesehen. Nachdem wiretliche Meilen weit gerudert waren, landeten wir in einem Gebiete, dessen Oberhäuptling Maraitata, der Männer Grab, hieß. Der Name seines Vaters war nicht weniger einladend, denn dieser nannte sich Pahairedo oder der Boote Dieb. Diese Namen schienen allerdings die Weissagungen Tituboalos zu bestätigen, allein wir erfuhren doch bald zu unserer angenehmen Überraschung, daß unser Freund grau in grau gemalt hatte, denn Vater und Sohn empfingen uns mit ungemeiner Höflichkeit, gaben uns Lebensmittel und verkauften uns sogar ein sehr großes Schwein für ein Beil. Das Volk strömte in Menge herbei, uns zu bewundern, doch fanden wir in dem großen Haufen nicht mehr als zwei bekannte Gesichter. Wir bemerkten auch keine Glaskorallen oder sonstigen Zierate an ihnen, die von uns hätten herstammen können, obwohl wir europäischen Tand genug an ihnen bemerkten. Wir entdeckten in einem der Häuser sogar zwei Kanonenkugeln, die nach der Angabe des Besitzers von den Franzosen herstammen sollten, nach dem breiten Pfeil aber, den sie als Zeichen trugen, vom Dolphin des Kapitäns Wallis stammen mußten.
Hierauf kamen wir in ein Gebiet, das unmittelbar unter der Regierung des Königs Waheatua stand. Ob er, da er einen Sohn hatte, die Regierung als Regent oder als Selbstherrscher führte, ist uns nicht bekannt geworden. Dieses Reich bestand aus einer großen, fruchtbaren Ebene, die von einem Fluß durchquert wird, der so breit ist, daß wir uns in einem Kahne übersetzen lassen mußten. Unser indianisches Gefolge aber wollte lieber hinüberschwimmen und sprangmunter wie eine Koppel Jagdhunde ins Wasser. In dieser Gegend fanden wir kein bewohntes Haus, dagegen die Reste vieler Häuser, die sehr groß gewesen sein mußten. Die Küste bildet hier eine von den Eingeborenen Oaitipeha genannte Bai. Wir marschierten den schönen Strand entlang und fanden endlich den mächtigen Beherrscher dieses Teils der Insel neben schönen Wetterdecken sitzen, unter denen er mit seinem ganzen Hofstaat zu schlafen pflegte. Waheatua war ein hagerer alter Mann mit schneeweißem Haar und Bart; er hatte eine wunderschöne Frau von etwa fünfundzwanzig Jahren bei sich, die Toudide hieß. Wir hatten den Namen dieser Dame oft gehört, und nach allem, was man uns von ihr erzählt hatte, mußte sie die Oberea dieser Insel sein. Wir verweilten einige Zeit und kauften Nahrungsmittel ein, darunter von dem Sohne des Königs, dem Prinzen Tiarih, ein Schwein. Tiarih entschloß sich dann uns zu begleiten. Nach feierlichem Abschied von dem alten König und der schönen Königin marschierten wir weiter. Das Land, in das wir alsdann gelangten, war besser kultiviert als alle andern, die wir bisher gesehen hatten. Die Bäche waren zu beiden Seiten mit Dämmen von Steinen eingefaßt und glichen regelrechten Kanälen; selbst die Küste war mit Steindämmen versehen. Die Häuser waren weder zahlreich noch groß. Dagegen fanden wir viele schöne, große Kähne längs der Küste auf den Strand gelagert, die mit großer Sorgfalt gebaut, mit größeren Hinterteilen und mit Wetterdächern versehen waren, die auf Pfeilern ruhten. Fast auf jeder Landspitze befand sich ein Grabmal, das mitgroßer Sorgfalt und vieler Kunst ausgeführt war. Die Pfosten waren mit Schnitzwerk versehen, das aus Figuren von Menschen und Vögeln bestand. Unter den Figuren fielen uns ein rot und gelb bemalter Hahn und unförmliche Menschengestalten auf, die reihenförmig übereinander angebracht waren. Trotz der scheinbaren Fruchtbarkeit dieses Landstrichs gab es keine Brotfrüchte. Die Bäume waren leer, und die Einwohner schienen hauptsächlich von Nüssen zu leben, die den Kastanien ähnelten und Aehi genannt wurden.
Müde vom Marsch riefen wir die Pinasse herbei, fanden aber unsere indianischen Freunde Tituboalo und Tuahow nicht darin. Wir nahmen daher Tiarih und seinen Begleiter an Bord und steuerten dann nach dem Eiland Otooareite, wo wir übernachteten. Ein Teil des nächsten Morgens verstrich unter den fruchtlosen Bemühungen Lebensmittel zu erhalten, dann setzten wir unsere Reise um die südöstliche Landspitze fort. Diese Reise machten wir teils im Boot, teils zu Fuß. Nach einem Marsche von drei Meilen gelangten wir an einen Platz, wo wir viele Kähne und viel Volk antrafen, in dem wir außer Tuahow noch eine Reihe guter Bekannten entdeckten, von denen wir einige Kokosnüsse einhandelten. Wir nahmen Tuahow, der lange bei Waheatua auf uns gewartet hatte, an Bord und ruderten weiter. In einer Gegend, die der Oberhäuptling Mathiabo beherrschte, hielten wir an, um Lebensmittel einzutauschen. Mathiabo kam selbst an den Strand, überhörte aber hartnäckig unsere Wünsche. Bei seinen Untertanen konnten wir uns besser verproviantieren. Dem Reiz einer leeren Glasflaschevermochte aber Seine Exzellenz nicht zu widerstehen; er gab uns ein junges Schwein dafür und schien stolz auf sein Handelstalent. Er hatte eine Gans und einen Welschhahn im Besitz, die der Dolphin zurückgelassen hatte. Die Indianer hatten ihre ganz besondere Freude an diesen Tieren, die erstaunlich fett und zahm geworden waren. In einem Hause fanden wir fünfzehn frische menschliche Kinnbacken an einem halbrunden Brett befestigt. Was das bedeuten sollte, konnten wir nicht in Erfahrung bringen, weil man uns entweder nicht verstand oder nicht verstehen wollte. Mathiabo erbot sich uns zu begleiten. Mit Freuden erteilten wir ihm die Erlaubnis, denn wir ahnten nicht, daß er uns als Pilot nur deshalb die vorzüglichsten Dienste leistete, um uns desto besser bestehlen zu können. Am Abend gelangten wir vor die Bai, die sich an der nordwestlichen Seite der Insel an der die letztere teilenden Landenge befindet, und fast ganz bis an jene auf der südöstlichen Seite der Insel gelegene Bai heranreicht. Wir ruderten an der Küste dieser Bai hin. Als wir zwei Drittel des Weges zurückgelegt hatten, entschlossen wir uns an Land zu übernachten. Wir steuerten auf ein großes Haus zu, das, wie Mathiabo sagte, seinem Freunde, dem Oberhäuptling Wiverou, gehörte. Es dauerte nicht lange, so kamen uns verschiedene Kähne vom Strand entgegen. Wir entdeckten darin eine Anzahl auffallend hübscher Frauen und Mädchen, die ihren Gesten und Winken und ihrem unzweideutigen Betragen nach ausdrücklich abgeschickt zu sein schienen, um uns durch ihre Reize ans Land zu locken. Da wir die Absichthatten an Land zu gehen, so bedurfte es seitens der braunen Sirenen keiner großen Verführungskünste.