Viertes Kapitel.

Der Oberhäuptling empfing uns sehr freundlich und befahl seinen Leuten, uns unser Nachtessen, zu dem wir Mathiabo eingeladen hatten, bereiten zu helfen. Die Häuptlinge speisten in unsrer Gesellschaft, und es ging sehr heiter und aufgeräumt zu. Während der Nacht flüchtete Mathiabo mit einem ihm von uns geliehenen Überrock. Wir entdeckten den Frevel sogleich und verfolgten den Dieb, der in seiner Angst den gestohlenen Mantel von sich warf, worauf wir ihn laufen ließen. Der Zwischenfall hatte das ganze Haus in Aufregung gebracht. Allein unser Schrecken wurde zur Verzweiflung, als uns um 5 Uhr des Morgens unsre Schildwache mit der Nachricht weckte, daß das Boot verschwunden sei. Der Mann hatte es noch vor einer halben Stunde vor Anker liegen sehen. Kurz darauf hörte er rudern, und als er sich umblickte, war das Boot verschwunden. Nunmehr stand es äußerst mißlich mit uns, und wir hatten alle Ursache in Verzweiflung zu geraten. Da völlige Windstille herrschte, so konnten wir natürlich nicht vermuten, daß sich die Pinasse von ihrem Anker losgerissen habe, sondern wir befürchteten, daß die Insulaner unsere schlafenden Bootsleute überfallen und ermordet und sich der Pinasse bemächtigt hätten. Wir waren nicht mehr als unser vier und besaßen ein paar geladene Pistolen, eine geladene Kugelbüchse, aber sonst keine Munition, und waren gegenüber einem Angriff der Eingeborenen, den wir jeden Augenblick befürchten mußten, rettungslos verloren. Man kann sich also unser Entzücken ausmalen,als wir die Pinasse nach einigen Stunden mit der Flut zurückkehren sahen. Sie war durch die Ebbe losgerissen und abgetrieben worden, ein Umstand, an den wir in der Bestürzung und Verwirrung nicht gedacht hatten. Nach dem Frühstück fuhren wir unserer Halbinsel zu.

Im Hause der Oberea. — Eine Desertion. — Unanständige Tänze. — Die Lustseuche. — Körperschönheit, Sitten und Gebräuche der Bewohner von Tahiti.

Wir waren nach mehrstündigem Rudern in der Nähe von Paparra angekommen, dem Landesteil, der unserm Freunde Oamo und unserer diebischen Freundin Oberea erbeigentümlich gehörte. Wir hatten beschlossen, dort zu übernachten, hörten aber bei unsrer Landung, daß unsre Freunde nach Matavai gegangen wären, um uns dort zu erwarten. Wir quartierten uns trotzdem in dem kleinen, sehr geschmackvoll ausgestatteten Hause der Königin ein, deren alter Vater uns auf das gastfreundlichste empfing. Nachdem wir uns ausgeruht und gestärkt hatten, machten wir einen Spaziergang nach der Landspitze hin, auf der wir von weitem etwas gesehen hatten, eine Art von Trauerbäumen, die die Eingeborenen um ihre Morais herum zu pflanzen pflegen.

Wir waren überrascht, dort ein ungeheures Bauwerk zu finden, das, wie man uns sagte, der Moraider Oamo und der Oberea und zugleich das größte Meisterwerk indianischer Baukunst auf der ganzen Insel war. Dieser Grabbau war ganz von Stein pyramidenförmig auf einem Fundament von 267 Fuß Länge und 87 Fuß Breite in elf Staffeln von 4 Fuß Höhe errichtet. Jede Staffel oder Stufe war aus einer Reihe weißer Korallensteine erbaut, die regelmäßig viereckig gehauen und geglättet waren; die übrigen Teile bestanden aus runden, bearbeiteten, ganz gleichen Kieselsteinen. Einige von den Korallenquadern waren 4½ Fuß lang und 3½ Fuß breit. Unter den gewöhnlichen Felsenquadern fanden wir einen, der 4 Fuß 7 Zoll lang und 2 Fuß 4 Zoll breit war. Ein solches Gebäude, von einem Volke aufgeführt, das weder eiserne Werkzeuge für die Steinhauerarbeiten noch den Mörtel unsrer Mauern kannte und doch so gut und dauerhaft wie die besten unter unsern Baumeistern baute, mußte uns in sprachloses Erstaunen setzen. In der ganzen Gegend entdeckten wir keinen Steinbruch, also mußten die Quadern aus großer Entfernung hergeschafft worden sein. Allein mit welcher Mühe! Zumal da den Eingeborenen unsre Transportmittel, Wagen und Pferde fehlen! Die Korallenblöcke mußten aus der Meerestiefe heraufgeholt werden! Und dann die Bearbeitung und Glättung des rohen Gesteins, die sie nur mit Steinwerkzeugen bemeistern konnten! Eine unglaublich mühsame Arbeit auf alle Fälle. Das Glätten konnte mit dem sehr scharfen Korallensande wohl leichter bewerkstelligt worden sein, aber auch hier fehlt uns der Maßstab für die Berechnung und Bewertung. Mitten aufdem Gipfel dieser veritabeln Pyramide stand ein aus Holz geschnitzter Vogel, neben ihm lag ein aus Stein gehauener Fisch, der aber zerbrochen war. Die ganze Pyramide nahm die Seite eines Platzes ein, der 360 Fuß lang, 354 Fuß breit, im Innern mit flachen, breiten Steinen regelmäßig gepflastert, von einer Steinmauer umgeben und mit Trauerbäumen bepflanzt war. Etwa 300 Schritte von diesem imponierenden Mausoleum entfernt befand sich ein anderer gepflasterter Hof, worin etwa 7 Fuß hohe Gerüste, sogenannte Ewattas, aufgerichtet waren, auf denen die Opfer für die Totengötter dargebracht wurden. Ein schöner Morai wird hier als Maßstab des Ranges betrachtet, und der der Oberea ist ein sehr ins Auge fallender Beweis von der früheren Macht und dem Reichtum dieser Königin.

Als wir am Strande zurückgingen, fanden wir den ganzen Weg mit Menschenknochen dicht besät. Auf unsre Frage erzählte man uns, daß etwa fünf Monate vor unsrer Ankunft das Volk von der südöstlichen Halbinsel, die wir soeben bereist hatten, gelandet sei, eine große Menge der Untertanen Oamos niedergemacht, viele Häuser vernichtet und fast alle Tiere, den Reichtum des Königs, geraubt habe. Die Kinnbacken, die wir gesehen hatten, seien von ihnen als Siegeszeichen mitgenommen worden. Oamo und Oberea seien damals ins Gebirge geflüchtet und halb ruiniert worden. Dieser Überfall erklärte uns auch, warum Oberea nicht mehr so viel Macht und Ansehen besaß wie zu der Zeit, wo Kapitän Wallis hier war. Wir kehrten nach der Residenz der Königin zurückund übernachteten daselbst in voller Ruhe und Sicherheit. Am folgenden Abend kamen wir nach Atahourou, der Residenz unseres Freundes Tootahah, der uns mit vieler Freude beherbergte, und am nächsten Tag, Sonnabend, den 1. Juli, zogen wir wieder in unser Fort zu Matavai ein. Zu unserm Empfang strömten unsre indianischen Freunde herbei, und keiner kam mit leeren Händen.

Wir bereiteten nunmehr unsre Abreise vor. Der Wasservorrat war bereits an Bord und der Proviant wurde energisch ergänzt. In dieser Zeit besuchte uns Oamo mit der Oberea und ihren Kindern Terridiri und Toimata. Letztere war sehr begierig, das Fort zu besichtigen, allein ihr Vater gab es nicht zu. Auch Tearih hatte sich zu dieser Zeit eingestellt. Am 7. rissen unsre Zimmerleute das Tor und die Palisaden des Forts ein und zerkleinerten das Holzwerk zu Brennholz. Tags darauf schleiften wir die Festung. Um Mitternacht desertierten zwei junge Seesoldaten, Clement Webb und Samuel Gibson, im Einverständnis und mit Hilfe der Sippen ihrer jungen indianischen Geliebten, um diese zu heiraten und auf der Insel zurückzubleiben. Die Deserteure wurden mir erst ausgeliefert, als ich den Tootahah, die Königin und andre Häuptlinge mit ihren Frauen als Geiseln an Bord des Schiffes zurückbehielt, worüber sie nicht besonders mißvergnügt schienen. Wir söhnten uns nach diesem Zwischenfall vollständig mit unsern Freunden aus, die einsichtsvoll genug waren mein Verfahren zu begreifen. In dieser Nacht wurde alles, was wir noch an Land hatten, an Bord gebracht.

Unter den Eingeborenen, die fast beständig um uns waren, befand sich Tupia, der zur Zeit der Macht der Oberea ihr erster Minister und der oberste Tahowa oder Oberpriester der Insel war. Er war ein guter Kenner von Land und Leuten, der Religion und der Sitten seiner Heimat. Auch besaß er große Erfahrung in der Schiffahrt seines Landes und eine ungemeine Kenntnis von der Anzahl und der Lage der benachbarten Inseln. Dieser hervorragende Mann kam am 12. mit seinem Diener Tayeto, einem dreizehnjährigen Knaben, an Bord und bat uns inständig, ihn auf unsre Reise mitzunehmen. Zu unserm Glücke wurde das Anliegen einstimmig angenommen. Indessen fand sich, daß das Holz unserer Buganker von Würmern zerfressen war und ersetzt werden mußte. Tupia machte sich diesen kurzen Aufschub zunutze; er ging noch einmal an Land und nahm ein Porträt Banks', um es seinen Freunden zu zeigen, und verschiedene Kleinigkeiten als Andenken für diese mit. Wir besuchten nochmals Tootahah, bei dem wir die Oberea und unsern Freund Tupia fanden, der in dieser Nacht zum erstenmal an Bord schlief.

Am folgenden Morgen, Donnerstag, den 13. Juli 1769, wurde das Schiff sehr früh von unsern sämtlichen Freunden besucht und von einer Menge Kähne umringt, die von Eingeborenen niedern Standes dicht besetzt waren. Zwischen 11 und 12 Uhr lichteten wir die Anker. Sobald das Schiff unter Segel war, nahmen die an Bord befindlichen Häuptlinge und ihre Frauen rührenden Abschied von uns, wobei es nicht ohne Tränen abging. Auch das Volk in den Kähnenklagte laut. Tupia bewies bei diesem rührenden Auftritt eine wahrhaft bewundernswerte Standhaftigkeit und Entschlossenheit, trotz der Tränen, die er vergoß. Er machte der Lieblingsfrau Tootahahs, der Potomai, zum Abschied noch ein Hemd zum Geschenk; dann stieg er mit Banks in den Mastkorb, von wo er seinen scheidenden Freunden seine letzten Grüße zuwinkte. So nahmen wir nach dreimonatigem Aufenthalt Abschied von den gastlichen Gestaden der schönen Insel und unsern lieben Freunden, mit denen wir in letzter Zeit ziemlich handeln mußten, weil sie unsre Nägel im Kurs stark herabgesetzt hatten. Durch den Diebstahl der Nägel seitens eines Teiles der Bemannung waren die Insulanerinnen in der Lage, die Nägel viel leichter als durch den Verkauf von Lebensmitteln zu erwerben. Zuletzt mußten wir für ein Milchschwein von zehn Pfund ein Beil bezahlen, ein Umstand, der unsre Abreise wesentlich beschleunigte.

In allen Ländern hält man die Mädchen und Jungfrauen von Dingen fern, die sich auf den Verkehr mit dem andern Geschlechte beziehen. Hier findet das gerade Gegenteil statt. Unter andern Lustbarkeiten hat man auf Otahiti einen von jungen Mädchen zu tanzenden Tanz, den Timorodi, der in Gebärden und in Bewegungen besteht, die höchst unzüchtig sind, und der ihnen in frühester Jugend eingeübt wird. Während dieses Tanzes, mit dem wir oft empfangen wurden, stoßen sie die unanständigsten Worte aus. Allein das, was den Mädchen erlaubt ist, ist den verheirateten Frauen durch die Sitte streng verboten. Nach allem bisher Gesagten ist es klar, daß unter ihnendie Keuschheit nicht sehr hoch geschätzt wird. Doch alle Vorstellungen, die man sich darüber machen kann, sind nicht hinreichend, die Ausschweifungen dieses Volkes in ihrem ganzen Umfang zu charakterisieren. Denn es gibt hier einen Grad von ausgelassener Üppigkeit, den kein andres Volk je erreicht hat. Eine große Anzahl der vornehmsten Leute in Otahiti gehören einer Geheimgesellschaft an, in der der Weiberkommunismus herrscht. Diese Gesellschaften werden die Arreoys genannt. Hier tanzen die Frauen den Timorodi mit mänadenhafter Üppigkeit. Die Folgen dieser Orgien werden durch Mord beseitigt, und in dieser Gesellschaft ist der Name »Mutter« ein Schimpfwort. Wir haben verschiedene Mitglieder der Gesellschaft befragt. Sie waren weit davon entfernt, ihre Mitgliedschaft als Schande zu betrachten. Im Gegenteil, sie rühmten sich ihrer und bekannten, daß sie noch immer Mitglieder wären, und daß sie verschiedene Kindsmorde begangen hätten.

Die Ehe ist denn auch hier, wie uns schien, weiter nichts als ein Vertrag zwischen einem Mann und einem Weibe, mit dem der Priester nichts zu tun hat. Wenn dieser Vertrag einmal geschlossen ist, so pflegt er von beiden Seiten gehalten zu werden, doch trennen sich oft die Parteien mit beiderseitiger Einwilligung, und alsdann wird die Ehe so leicht aufgehoben wie sie geschlossen wurde. Kein Wunder, daß Vater und Mutter die Tochter, der Bruder die Schwester, der Mann das Weib aus Gastfreundschaft und um einen Nagel prostituierte. Sowenig auch die Frauen der Eingeborenen vor uns mit Europäern Umgang hatten,so war dieser doch hinreichend, auch über die Insulaner jene fürchterliche Krankheit, die Lustseuche, zu bringen, durch die die von den Spaniern in Amerika verübten Grausamkeiten gerächt worden sind. Da es erwiesen ist, daß außer mir nur Kapitän Wallis und Herr von Bougainville hierher gekommen sind, und da Kapitän Wallis aus seinen Schiffspapieren bewiesen hat, daß keiner seiner Leute krank war, ich aber bei meiner Ankunft fand, daß diese Pest auf der Insel die fürchterlichsten Verheerungen angerichtet hat, so steht fest, daß sie von den Leuten Bougainvilles eingeschleppt worden ist. Einer von unsern Leuten wurde angesteckt. Dies gab uns Veranlassung, unter den Eingeborenen Nachforschungen anzustellen, und sie erzählten uns, daß die »Fäulnisseuche«, wie sie sie nannten, von jenen Schiffen eingeschleppt worden sei, die fünfzehn Monate vor uns auf der östlichen Seite der Insel vor Anker gelegen hatten, also von den beiden Schiffen des Herrn von Bougainville. Zum Troste fanden wir, daß die Eingeborenen Heilkräuter dagegen entdeckt hatten. Hätten wir ihre Sprache besser verstanden und ihre Heilmittel wider diese Seuche erfahren können, so wären wir ihnen sehr dankbar gewesen, denn als wir die Insel verließen, fand sich, daß mehr als die Hälfte des Schiffsvolks von diesem Übel angesteckt war.

Indianer vom Feuerland in ihrer Hütte. Nach einem alten Stiche.

Indianer vom Feuerland in ihrer Hütte. Nach einem alten Stiche.

Das Volk ist schön gewachsen. Die Männer sind groß, stark, von schönem Gliederbau und durchaus ansehnliche, stattliche Leute. Der größte, den wir sahen, Huaheina, maß 6 Fuß, 4½ Zoll. Die Frauen von Stand sind über europäisches Mittelmaß groß und ausnehmend schön gewachsen. Die Frauen aus demVolke sind etwas kleiner, was von ihrem frühen Geschlechtsverkehr herrühren mag. Denn außer diesem Umstand wüßte ich nichts, was sie von den vornehmen Frauen unterscheiden sollte und zugleich dem Wachstum so nachteilig wäre wie dieser. Die Hautfarbe ist von heller Oliven- oder Brünettentönung, die viele Europäer dem schönsten Weiß vorziehen. Bei den Leuten, die mehr dem Wind und der Sonne ausgesetzt sind, ist sie natürlich dunkler. Die vornehmen Frauen haben eine ungemein glatte, samtweiche Haut, ihre Gesichtszüge sind wohlgebildet, nur ist die Nase meist etwas flach. Dagegen sind ihre Augen voller Ausdruck, bald glühen sie wie Feuer, bald sind sie zärtlich schmachtend. Die Zähne sind fast ohne Ausnahme ungemein schön, ebenmäßig und glänzend weiß. Der Atem ist rein und von allen unangenehmen Gerüchen frei. Die Haare sind durchgehends glänzend schwarz und nur etwas grob. Die Männer tragen Bärte, von denen sie meist die Wangenhaare ausrupfen. Beide Geschlechter entfernen auch die Haare der Achselhöhle mit den Wurzeln und hielten es für unreinlich, daß wir es nicht ebenso machten. In ihren Bewegungen bemerkt man zugleich Stärke und Elastizität; ihr Gang ist angenehm, ihre Gesten sind edel, und ihr Betragen gegen Fremde und gegeneinander ist höflich und zuvorkommend. Ihrer Gemütsart nach sind sie ritterlich, tapfer, offenherzig, freimütig und ohne Argwohn, Falschheit, Hinterlist, Grausamkeit und Rachsucht. Deshalb setzten wir auch das Vertrauen in sie, das man in seine besten Freunde setzt. Viele von uns, so Herr Banks insbesondere, schliefen allein mit ihnenmitten im Walde und waren folglich ganz in ihrer Gewalt. Dagegen waren sie insgesamt diebisch und ausschweifend. Auch trafen wir mehrere Albinos unter ihnen.

In den meisten Ländern pflegen die Männer ihre Haare zu schneiden und die Frauen ihr Haar lang zu tragen. In Otahiti ist es umgekehrt, denn hier schneiden die Frauen ihr Haar kurz, während es die Männer mit Ausnahme der Fischer in großen Locken über die Schulter wallen lassen oder in Buschform aufknüpfen. Da sie keine Kämme haben und ihr Haar mit Kokosnußöl fetten, so können sie ihren Kopf auch nicht rein von Ungeziefer halten. Die Kinder und die gemeinen Leute machen es wie die Affen, sie speisen ihr Ungeziefer auf. Diese häßliche Gewohnheit widerspricht ihren Vorzügen einer peinlichen Reinlichkeit, denn sie baden und waschen sich oft und gern. Unsre Freunde, denen wir Kämme schenkten, reinigten sich das Kopfhaar so eifrig und sorgfältig, daß man wohl bemerken konnte, wie unangenehm und ekelhaft ihnen dieses Parasitentum war.

Auch pflegen sie insgesamt ihren Körper trotz der Schmerzhaftigkeit der Operation mit einer gezähnten, aus einer scharfen Muschel hergestellten Klinge zu tätowieren, und zwar mit Bildern, Zeichen, Halbmonden usw. je nach dem Rang und dem ortsüblichen Geschmack. Hauptsächlich werden die Gesäßteile vom Schenkel bis zu den Rippen hinauf mit dunkelschwarzen Tätowierungen, Figuren und Bogenlinien überladen, worauf Männer wie Frauen so stolz sind, daß sie sie mit demselben Vergnügen zeigen, wie wiretwa eine Gemäldesammlung. Nur das Gesicht bleibt frei. Herr Banks wohnte einmal einer solchen Operation bei: es handelte sich um ein dreizehnjähriges Mädchen, dem ein Gesäßteil tätowiert werden sollte. Das bei dieser Operation gebrauchte Instrument hatte dreißig Zähne. Auf jeden Schlag auf das Instrument, deren in einer Minute wenigstens hundert getan wurden, kam eine wässerige Feuchtigkeit, die mit Blut gefärbt war, auf der Haut zum Vorschein. Das Mädchen hielt die Qualen mit stoischer Tapferkeit ungefähr eine Viertelstunde aus, dann aber überwältigten sie die Schmerzen. Sie begann sich zu sträuben, weinte und flehte ihre Peiniger um Erbarmen an. Zwei Weiber hielten die Ärmste fest, liebkosten, schalten und schlugen sie, um sie willfährig zu machen. Banks wartete eine Stunde; als er sich entfernte, war die Tätowierung nicht einmal in ihrem schmerzlichsten Teil vollendet.

Die Insulaner verfertigen den Stoff zu ihrer Kleidung hauptsächlich aus der Rinde des chinesischen Papiermaulbeerbaums, des Brotbaums und einer Feigenart. Sie färben ihn scharlachrot und gelb; ihre rote Farbe, die sie aus der Frucht der Matefeige und den Blättern der Cordia pressen, ist glänzender und feiner als die, die wir in Europa haben. Aus der Rinde des Poerou verfertigen sie die feinen Mattengewebe, die sie bei Regenwetter tragen, dem ihre Tuchkleider nicht standhalten. Die Kleidung der Frauen von Rang besteht aus dem Parou, der 6 Fuß breit und 33 Fuß lang ist und den sie rockähnlich um den Unterleib wickeln; ferner aus der Tebuta, die demPoncho der Südamerikaner ähnelt, und aus einem Gürtel. Die Kleidung der Männer ist die nämliche: nur tragen sie den Parou nicht als Rock, sondern als Hose, die sie Maro nennen. Während der heißen Jahreszeit gehen sie fast ganz nackt. Die Frauen aus dem Volke tragen dann nur einen dünnen Unterrock, die Männer nichts als ein Lendentuch. Auch die Frauen von Stand legen alles, was sie am Oberkörper tragen, in Gesellschaft und zu Hause so gleichgültig weg, wie unsre Damen ihren Hut und ihren Mantel ablegen. Auch die Häuptlinge trugen vielfach nichts weiter als einen Lendenwulst, der allerdings aus so viel Tuch zusammengewickelt war, daß man bequem ein Dutzend Personen damit kleiden könnte. Die Kinder pflegen ganz nackt zu gehen, die Mädchen bis zum vierten Jahre, die Knaben bis zum siebenten. Männer wie Frauen tragen kleine Muscheln, Beeren, rote Erbsen, kleine Perlen und Glaskorallen als Ohrringe, aber nur aneinemOhr, und als Haarschmuck Blumen und schöne Federn. Die vornehmen Frauen tragen zum Schutze gegen die Glut der Tropensonne kleine Mützen und den Tomou, einen aus Haaren gewebten Turban, der aufgewickelt über eine englische Meile lang ist. Herr Banks kaufte einen Tomou von dieser Länge, der nicht einen Knoten aufwies, so kunstvoll war das Gewebe. Die gütige Natur, die hier so fruchtbar ist, daß diesem glücklichen Völkchen der biblische Fluch: »du sollst dein Brot im Schweiße deines Angesichts verdienen!« nicht gilt, gewährt jeder Frau zu dieser Webarbeit reichlich Zeit.

Es berührte uns sehr eigentümlich, daß dieses gesellige,üppige Völkchen bei seinen Mahlzeiten die Geschlechter scheidet. Stets speisen die Männer und die Frauen gesondert, auch in der Familie. »Wir essen allein, weil es sich so schickt!« sagten sie, wenn wir nach dem Grunde fragten, und sie gaben ihrem Ekel darüber Ausdruck, daß wir mit unsern Frauen zusammen speisen würden. Wenn einer von uns mit einem Mädchen allein war und sie einlud mit ihm zu speisen, dann tat sie uns zwar den Gefallen, wir mußten ihr aber schwören, nichts darüber verlauten zu lassen, denn wenn dieser Verstoß gegen die gute Sitte ruchbar würde, wäre es um ihren Ruf geschehen. Wenn wir zufällig einmal in einem Hause den Korb anrührten, worin sich die für die Frauen des Hauses bestimmten Speisen befanden, so konnten wir sicher sein, daß von den ältern Weibern die Speisen mit dem Korbe weggeworfen wurden.

Ich kann den Bericht über das häusliche Leben dieses Völkchens nicht schließen, ohne seiner persönlichen Reinlichkeit rühmend zu gedenken. Männer, Frauen, Knaben und Mädchen baden tagtäglich dreimal in fließendem Wasser: einmal am Morgen, dann zu Mittag und schließlich am Abend, bevor sie zur Ruhe gehen, einerlei ob der Fluß und die See in der Nähe sind oder ob sie meilenweit zu gehen haben. Auch waschen sie Mund und Hände fast nach jedem Bissen, ebenso reinlich halten sie ihre Kleidung. Ich glaube, daß man dieses Lob nicht einmal den vornehmsten Gesellschaftsklassen in Europa erteilen kann.

Über die Religion unserer braunen Freunde konnten wir nur wenig erfahren. Was wir sahen, war inmystische Gebräuche gehüllt und durch handgreifliche Widersprüche verwirrt, wie in andern Religionen ja auch. Der Umstand, daß auf Otahiti wie in China die gottesdienstliche Sprache von der Landessprache abweicht, erschwerte uns das Eindringen in dieses Mysterium ganz bedeutend. Tupia gab sich zwar viele Mühe uns zu unterrichten, weil er dies aber in seiner Priestersprache tat, von der wir nichts verstanden, so erfuhren wir nur sehr wenig. Wie alle Menschen von primitiven Religionsbegriffen glauben auch die Eingeborenen von Otahiti, daß die Welt auf dem Wege der Zeugung — von der die Existenz zweier Personen von verschiedenem Geschlecht unzertrennlich ist — erschaffen worden sei. Die höchste Gottheit nennen sie Taroathaihetumuh; die zweite, die weibliche, die ihrem Wahne nach ein Felsen gewesen ist, Tepapa. Eine Tochter beider war Tettowmatayo oder das Jahr, denn so pflegen sie auch die dreizehn Monde ihres Jahres zu benennen. Diese Tochter zeugte mit ihrem Vater die Monate, und die Monate paarten sich und zeugten die Tage. Die Sterne sind teils unmittelbare Abkömmlinge des ersten Paares, teils haben sie sich untereinander selbst fortgepflanzt. Eine ähnliche Anschauung haben sie von der Entstehung der verschiedenen Gattungen der Pflanzen. Zu den Abkömmlingen Taroathaihetumuhs und der Tepapa zählen sie auch das zahlreiche Geschlecht ihrer Untergötter, die Eatuas. Zwei von diesen waren die Eltern des ersten Menschen, der in Kugelform geboren wurde und den seine Mutter zu seiner jetzigen Gestalt reckte und streckte und Eothe, d. i. »Vollendet« nannte. Eothe zeugte mit seiner eigenenMutter eine Tochter und mit dieser einen Sohn und mehrere Töchter, mit denen Eothes Sohn die Welt bevölkerte. Taroathaihetumuh zeugte mit der Tepapa auch einen Sohn, den Tane, zu dem die Insulaner, die den obersten Gott »den Urheber der Erdbeben« nennen, am liebsten beten, weil sie glauben, daß Tane der hervorragendste Sachwalter der Menschen im Himmel sei.

Die Untergötter, die Eatuas, sind sehr zahlreich und männlichen und weiblichen Geschlechts. Die männlichen Eatuas werden von den Männern des Volkes, die weiblichen von den Frauen verehrt. Männer und Frauen haben an den Morais ihre besondern Altäre für ihre speziellen Götter. Es gibt nur männliche Priester, doch hat jedes Geschlecht seine eigenen, denn die, die das Amt speziell zur Anbetung der Geschlechtseatuas für das eine Geschlecht versehen, dürfen es für das andere nicht verwalten.

Man glaubt in Otahiti an die Unsterblichkeit der Seele, an ein ewiges Leben nach dem Tode und daran, daß es zwei Orte und verschiedene Abstufungen der Glückseligkeit gibt, was sich mit unsern Begriffen von Himmel und Hölle in etwas deckt. Den obersten Himmel heißen sie Tavirua l'erai; er ist für ihre Herrscher und ihre Vornehmen, der zweite Himmel, der Tiahobuh, ist für das gewöhnliche Volk bestimmt. Sie glauben indes nicht im entferntesten, daß ihre Handlungen in diesem Leben nach dem Tode von ihren Göttern »gewogen und zu leicht befunden würden«, sie sind vielmehr der Meinung, daß ihre Götter mehr zu tun hätten, als sich um die irdischen Handlungen jedes einzelnen von ihnen zu bekümmern. Ihre Religionhat demgemäß keinen Einfluß auf ihre Sitten, aber sie ist dafür auch frei von jedem Eigennutz. Sie beten nicht, auf daß es ihnen auf Erden wohl ergehe, sondern ihre Ehrfurcht vor dem Höchsten entsteht aus dem Bewußtsein ihrer eigenen Niedrigkeit im Vergleich mit der unaussprechlichen und unfaßbaren Erhabenheit der göttlichen Vollkommenheit. Götzen hatten sie nicht; auch der Fetischdienst war ihnen fremd.

Die priesterliche oder Tahowa-Würde ist erblich. Es gibt viele und verschiedenartige Priester, doch ist der Oberpriester gewöhnlich der jüngere Sohn einer sehr vornehmen Familie und dem Range nach die nächste Person nach dem Könige. Der größte Teil der Gebildeten besteht aus den Priestern. Aber die Bildung beschränkt sich auf das Wissen und die Kenntnis der zahlreichen Eatuas und ihres Kultes, sowie der mündlichen Traditionen des Priestertums, die in Weisheitssprüchen festgehalten und in unglaublicher Menge vorhanden sind. Die vornehmeren Priester sind zugleich Ärzte, Astronomen und Schiffahrtskundige. In der Tat bedeutet der Name Tahowa eigentlich nur einen Mann von Wissen und Einsicht. Da nun jeder Stand seine Priester hat, so verwenden die Vornehmen niemals einen Tahowa von der Klasse des gemeinen Volkes, und umgekehrt wird ein Priester der höheren Stände niemals für andere als für seine Standesgenossen zu haben sein.

Mit der Arzneikunst der Priester ist es allerdings nicht weit her; sie besteht hauptsächlich in (Gesund-) Beten. Wenn der Priester seine Kranken besucht, so sagt er gewisse für diese Zwecke verfaßte Gebete her,wickelt die Finger und Zehen des Kranken mit Kokosnußfasern ein, gibt ihm den heilbringenden Zweig irgendeines Strauches in die Hand und kommt und betet so lange, bis der Kranke entweder genesen oder gestorben ist. Ist er gesund geworden, dann hat die »Arznei« geholfen; ist er gestorben, dann ist die Krankheit eben unheilbar gewesen. Was meinen die Leser: ist in dieser Hinsicht das Völkchen von Otahiti wirklich von den europäischen Völkern so sehr verschieden?

Reise nach Huaheine und Ulietea. — Ein Weib als Gastgeschenk. — Eine dramatische Unterhaltung. — Der »furchtbare König«. — Ein Überfall.

Nachdem wir von unsern Freunden Abschied genommen hatten, segelten wir bei gelindem Winde und heiterm Wetter frohgesinnt nach Westen. Wie uns Tupia sagte, waren die Nebeninseln von Otahiti, die er Huaheine, Ulietea, Otaha und Bolabola nannte, bequem in zwei Tagesreisen zu erreichen. Auch seien diese Inseln außerordentlich bevölkert und mit Nahrungsmitteln reich versehen. Wir hatten jedoch bei nebligem Wetter Windstille, so daß wir nur langsam weiterkamen. Tupia betete zu seinem Gotte Tane um Wind, aber er fing erst zu beten an, wenn er aus allen Anzeichen schließen konnte, daß der Wind die Segel blähen würde, bevor er noch mit seinem Gebete zu Ende wäre.

Am 16. Juli erhob sich ein leichter Wind, der uns bald nach Huaheine brachte. Als wir des Morgens um 8 Uhr dem nordwestlichen Teil dieser Insel sehr nahe waren, sondierten wir, konnten aber mit achtzig Klaftern keinen Boden erreichen. Es dauerte nicht lange, so stießen einige Kähne vom Land ab; allein die Insassen kamen erst näher, als ihnen Tupia winkte. In einem der Kähne befand sich der König der Insel mit seiner Gemahlin, die dann in Begleitung ihrer Würdenträger an Bord kamen. Anfangs erstaunten sie und verwunderten sich über alles, was ihnen an Bord gezeigt wurde, allein sie beobachteten eine würdevolle Zurückhaltung; erst nach längerem Aufenthalt tauten sie auf. Der König hieß Orih, und zum Zeichen seiner höchsten Gunst machte er mir den Tausch unsrer Namen zum Vorschlag. Solange wir beisammen waren, nannte er sich König Cookih, denn so sprach er meinen Namen aus, und ich hieß Orih. Diese Insulaner waren größer und stärker als die von Otahiti, die Frauen weißer und schöner, sonst aber waren sie den Bewohnern von Otahiti in Tracht, Sprache, Sitte sehr ähnlich, nur daß sie nicht diebisch waren.

Nach 12 Uhr kamen wir in einem kleinen, aber sehr guten Hafen vor Anker. Ich ging sogleich in Begleitung von Banks, Dr. Solander, Monkhouse, Tupia, König Cookih und den andern Eingeborenen ans Land. Kaum hatten wir einen Fuß auf den Strand gesetzt, so entblößte Tupia seinen Oberkörper und hielt eine Ansprache an den König, der ihm gegenüberstand und ihm von Zeit zu Zeit antwortete, dann tauschten sie Geschenke aus. Nach Abschluß dieserZeremonie, die wir für einen Freundschaftsvertrag hielten, durften wir uns überall frei und unbelästigt bewegen und konnten gehen, wohin wir wollten. Tupia verfügte sich nach dem Hauptmorai, um dort zu opfern.

Am nächsten Morgen erstiegen wir die Berge, die von der gleichen Beschaffenheit wie die in Otahiti waren, nur schienen Gestein und Ton noch mehr verbrannt zu sein. Wir hatten einen Tauschhandel mit den Eingeborenen etabliert. Das Geschäft ging sehr flau, denn wenn wir etwas ausboten, so kaufte keiner früher, als bis er sich mit seiner Sippschaft eingehend über die Chancen beraten hatte, worüber zwecklos viele Zeit vergeudet wurde, so daß wir am ersten Tag nur elf Ferkel eintauschen konnten. Am nächsten Morgen boten wir Beile aus, für die wir die größten Schweine bekamen. Am Nachmittag, als bekannt wurde, daß wir unsre Abfahrt vorbereiteten, machte der König seine Abschiedsvisite. Ich gab ihm u. a. einen Zinnteller, worauf mein Name und das Datum: »16. Juli 1769 Huaheine« gestempelt waren. Dieses Geschenk konnte als dauernder Beweis dafür gelten, daß wir die ersten europäischen Entdecker dieser Insel waren.

Wir segelten hierauf nach der Insel Ulietea, die 7–8 Seemeilen südwestlich von Huaheine liegt, und um halb 7 Uhr des Abends waren wir an der östlichen Seite der Insel etwa 3 Seemeilen von der Küste. Die ganze Nacht über lavierten wir hin und her. Sobald der Tag anbrach, steuerten wir gegen die Küste hin. Bald darauf erblickten wir eine Einfahrt im Riffe, das vor der Küste liegt. Tupias Aussage nach sollte sich dahinterein guter Hafen befinden, weil ich mich aber nicht blindlings auf sein Wort verlassen wollte, so schickte ich den Steuermann in der Pinasse aus, um genaue Untersuchungen anstellen zu lassen. Tupia hatte uns recht berichtet, denn der Steuermann signalisierte uns, daß wir ihm folgen sollten. Wir steuerten daher in die Einfahrt hinein und kamen in 22 Klaftern auf weichem Grund vor Anker. Es dauerte nicht lange, so fuhren zwei Kähne der Eingeborenen an uns heran; in jedem Kahne befanden sich ein schönes Weib und ein junges Schwein, die für uns bestimmt waren. Daß sie uns Weiber zuführten, hielten wir für einen Beweis ihres Vertrauens. Die Schweine waren Geschenke. Wir nahmen beides mit pflichtschuldigem Danke an und beschenkten die Damen je mit einem großen Nagel und mit Glaskorallen, worüber sie hoch erfreut waren. Tupia, der die Männer von Bolabola sehr zu fürchten schien, machte uns darauf aufmerksam, daß sie Ulietea erobert hätten, und daß sie, sobald sie von unserer Anwesenheit erführen, herabkämen, um uns zu bekriegen. Wir beschlossen daher, sofort an Land zu gehen. Banks, Solander, ich und Tupia ließen uns sofort ans Ufer setzen, wo Tupia angesichts der Eingeborenen dieselben Zeremonien wie in Huaheine vornahm, eine englische Flagge hißte und im Namen des Königs von England Ulietea, Huaheine, Otaha und Bolabola — die drei letztgenannten Inseln konnten wir von unserm Standorte aus übersehen — in Besitz nahm. Wir fuhren die nächsten Tage nach Otaha und Bolabola, hatten aber ungünstigen Wind. Am Nachmittag des 29. Juli befanden wir uns inder Länge des südlichen Endes von Ulietea und windwärts von einigen Häfen, die auf der westlichen Seite dieser Insel liegen. Nun hatten wir zwar diese Insel schon besucht und waren kürzlich auf ihrer andern Seite vor Anker gelegen. Weil wir aber inzwischen in der Pulverkammer ein Leck erhalten hatten, entschloß ich mich, in einem dieser Häfen vor Anker zu gehen. Als das Schiff gesichert war, ging ich an Land, um einen Platz zu suchen, wo wir Ballast und Wasser einholen könnten. Die Herren Banks undDr.Solander ergingen sich den ganzen Tag über in der schönen Gegend. Die Eingeborenen begegneten ihnen überall mit großer Höflichkeit und Ehrerbietung. Männer, Frauen und Kinder sammelten sich in großer Menge um sie, ohne ihnen im geringsten lästig zu fallen. Im Gegenteil, jeder war bestrebt, ihnen in jeder Weise behilflich zu sein. Man trug sie über Pfützen und Lachen. Man geleitete sie wie Halbgötter in die Wohnungen der Vornehmen und bildete dabei Spalier. Als sie in das Haus eines der Fürsten traten, fanden sie alles in feierlicher Ordnung. Auf dem Boden war eine Matte ausgebreitet, an deren Ende die Familie saß, während das Volk an beiden Seiten aufgestellt war. In einem andern vornehmen Hause wurden sie von einigen reichgekleideten Kindern erwartet. Das eine war ein sechsjähriges Mädchen, das sich auf den Arm seiner schönen Amme stützte und die Geschenke der Herren mit so liebreizender Würde wie nur irgendeine europäische Prinzessin empfing. Das Volk war über die Geschenke, die diesem Kinde gemacht wurden, so entzückt, daß irgendein Vornehmer den Gebern zuEhren einen Tanz tanzen ließ, der sie höchlichst interessierte.

Am 3. begegneten wir einer Gesellschaft reisender Tänzer, die aus zwei Tänzerinnen und sechs Männern mit drei Trommeln bestand. Tupia berichtete uns, daß diese Gesellschaft den vornehmsten Kreisen zugehörig sei, zu ihrem Privatvergnügen umherziehe und keine Geschenke für ihre Darbietungen beanspruche. Die Tänzerinnen hatten denn auch eine beträchtliche Menge Tamous oder geflochtenen Haares um ihre Köpfe gewickelt und mit Kapjasmin verziert. Den Hals, die Schultern, die Arme und die Brust bis unter die Achselhöhlen hatten sie entblößt, die enganliegende Taille war von feinstem, schwarzem Tuch, an jeder Seite der Brust war ein kleiner Busch schwarzer Federn. Während der braun und weiß gestreifte Hüftenteil des Kleides malerisch gefaltet war, hing der weiße Rockteil glatt hinab und bedeckte die Füße, die sie mit großer Virtuosität und ebenso kunstfertig und graziös wie irgendeine Ballettänzerin bei uns zu wirbeln wußten.

Zu Beginn des leidenschaftlichen Tanzes schritten sie rhythmisch und im genauen Takte mit den Trommeln in zierlichen Schritten seitwärts. Dann bewegten sie die Hüften in immer heftigeren Bewegungen, was sie in allen Stellungen und Situationen dieses üppigen Tanzes, im Stehen, im Knien, im Sitzen und selbst dann beibehielten, als sie sich liegend auf die Ellenbogen stützten. In allen diesen Phasen bewegten sie zugleich die Finger mit einer fast unbeschreiblichen Geschwindigkeit. Außerdem entzückte die Zuschauerdie Kühnheit der Gebärden und Stellungen, die in der Tat unsagbar frech waren.

Eine der Tänzerinnen trug drei Perlen als Ohrgehänge; eine der Perlen war sehr groß, aber so trübe, daß sie wenig wert war, die beiden andern waren erbsengroß, von schönstem Wasser und prächtiger Form, aber durch das Bohren verdorben. Herr Banks hätte diese Perlen um jeden Preis eingehandelt, aber ihre Besitzerin vermochte sich nicht von ihnen zu trennen.

Zwischen den Tänzen führten die Männer eine Art theatralischer Vorstellung auf, die aus Sprechrollen und Tänzen bestand; wir waren aber leider nicht in der Lage, den Inhalt ihrer Darbietung zu verstehen.

Tupia hatte uns früher schon erzählt, daß er auf Ulietea vor einiger Zeit noch reich begütert gewesen, aber durch die Eroberung der Insel seitens der Krieger von Bolabola um seine Besitzungen gekommen wäre. Er zeigte uns jetzt seine ehemaligen Ländereien. Als wir ans Land gingen, erfuhren wir von den Eingeborenen, daß dem also sei. Sie zeigten uns die verschiedenen Güter, die unserm Freunde, wie sie sagten, von Rechts wegen zugehörten. Am 5. August übersandte mir Opuhui, »der furchtbare König« von Bolabola, der Arrih rähie, ein Geschenk von drei Schweinen, einigem Federvieh und vielen Früchten, nebst verschiedenen Stücken 150 Fuß langen Tuches. Seine Majestät tat mir zugleich kund und zu wissen, daß sie sich auf der Insel befinde und die Gewogenheit haben werde, mich am folgenden Tage mit einem Besuche zu beehren. Wir blieben am 6. also allesamt an Bord und erwarteten feierlichst das Erscheinen des»großen Königs«, fanden uns aber bald angenehm enttäuscht. Denn er sandte drei schöne Mädchen als Botschafterinnen an uns ab und ließ sich durch diese ein Gegengeschenk für das seinige ausbitten. Vielleicht wagte er sich Tupias wegen nicht an Bord, oder vielleicht glaubte er durch seine schönen Botschafterinnen für sich ein höheres Gegengeschenk herauszuschlagen, als ihm persönlich gelungen wäre. Auf alle Fälle waren wir über sein Fernbleiben sowenig betrübt, wie es die drei Grazien über ihren Besuch an Bord waren.

Kommt der Berg nicht zu Mohammed, so geht Mohammed zum Berge, dachten wir und brachen am Nachmittag auf, um unter dem Geleite unsrer schönen Freundinnen den »furchtbaren König« zu besuchen, unter dem wir uns einen gewaltigen Kriegshelden, einen tatkräftigen Eroberer vorstellten, weil er der Schrecken aller war, die wir auf Ulietea kennengelernt hatten. Und an Stelle unseres Idealhelden fanden wir einen abgelebten, armseligen, schwachen Greis, der vor Alter halb blind, träge und fast kindisch war. Er empfing uns ohne jede besondere Feierlichkeit und ohne jedes Gepränge. Wir überreichten ihm unser Geschenk, worüber er so zufrieden war, daß er noch ein Schwein dreingab. Wir wußten, daß er sich am liebsten auf Otaha aufhielt. Daher teilten wir ihm mit, daß wir beabsichtigten, am nächsten Tage dieser Insel einen Besuch abzustatten, und luden ihn ein, mit von der Partie zu sein, was er auch zusagte.

Am nächsten Morgen brachen wir mit der Pinasse und dem langen Boote auf. Unterwegs stieß derKönig zu uns. Als wir in Otaha landeten, machte ich ihm eine Axt zum Geschenk, in der vergeblichen Hoffnung, daß er dann unsern Tauschhandel protegieren würde. Um die Mittagszeit nahmen wir Abschied von ihm. Wir aber trennten uns, um die Küste nach verschiedenen Seiten zu befahren. Bei dieser Gelegenheit machte ich sehr gute Geschäfte. Inzwischen war das Leck ausgebessert worden, und als wir Ostwind bekamen, segelten wir ab. Tupia bat mich, eine Kugel gegen Bolabola abzufeuern. Ich tat dem braven Mann, der seinen Feinden zeigen wollte, mit welchen Mächten er befreundet war, den Gefallen und ließ eine Kanone abfeuern. Ich taufte die Inselgruppe: »Die Gesellschaftsinseln«, behielt aber für die einzelnen Inseln die alten Namen bei.

Wir setzten unsern Lauf gegen Süden fort. Zur Mittagsstunde des 13. Augusts erblickten wir im Südosten Land. Tupia sagte uns, daß wir die Insel Oheteroa vor uns hätten. Um 6 Uhr befanden wir uns kaum drei Seemeilen von ihr entfernt; ich ließ daher die Segel kürzen und lavierte die ganze Nacht über hin und her. Am nächsten Morgen steuerte ich auf die Insel zu. Wir liefen unter dem Wind und hielten uns hart an der Küste, an der wir eine Anzahl Eingeborener beisammen erblickten. Um neun Uhr schickte ich meinen Leutnant Gore mit der Pinasse ab und beauftragte ihn, eine Landung zu versuchen und wenn möglich von den Eingeborenen zu erfahren, ob die Bai vor uns Ankergrund habe und was für Land weiter südwärts liege. Herr Banks undDr.Solander schlossen sich Herrn Gore an und nahmen Tupia als Dolmetschermit. Als sie sich dem Lande näherten, sahen sie, daß die Indianer mit langen Lanzen bewaffnet waren. Um eine Landspitze zu umschiffen, steuerte Herr Gore längs der Küste hin, was ihm die Indianer als Feigheit auslegten. Der Trupp war etwa sechzig Mann stark. Sie setzten sich in den Sand, doch folgten einige Krieger dem Boote und versuchten, es durch Schwimmen zu erreichen und zu entern. Das Boot steuerte indes um die Landspitze und kam in eine große Bai, an deren Küste sich sofort ein Haufe bewaffneter Insulaner zeigte. Unsre Leute beschlossen hier zu landen und näherten sich der Küste, von der ein Kahn voll Bewaffneter abstieß. Sobald er in der Nähe war, ließ Herr Gore den Eingeborenen durch Tupia sagen, daß wir in friedlicher Absicht kämen und ihnen Nägel schenken wollten, die man ihnen zeigte. Nach kurzer Beratung kamen sie näher und nahmen einige Nägel an, allein sie benützten diese Gelegenheit zu einem verräterischen Überfall. Drei von ihnen sprangen in unser Boot. Der erste sprang neben Banks und suchte ihm das Pulverhorn zu entreißen. Banks entwand es ihm und suchte ihn über Bord zu drängen, allein der Indianer behauptete seinen Platz. Herr Gore wollte seine Kugelbüchse abfeuern — der Schuß versagte. Die Mannschaft feuerte nun über die Köpfe der Indianer weg, was diese vor Schrecken Hals über Kopf ins Wasser trieb. Als die braunen Gesellen wegschwammen, sandte ihnen einer von unsern Leuten eine Kugel nach, wodurch ein Indianer einen Streifschuß an der Stirn erhielt. Die Wunde war so leicht, daß sie ihn nicht hinderte, eilig in den Kahn zuspringen und stark nach dem Ufer zu rudern, wo sich inzwischen mehr als zweihundert Krieger versammelt hatten. Unser Boot steuerte ebenfalls nach dem Land, konnte aber wegen einer Sandbank nicht anlegen. Gore hielt es daher für gut, der Küste entlang zu rudern und einen günstigen Landungsplatz zu suchen. Unsre Leute beobachteten, wie die Indianer sich um die Krieger drängten und eifrig gestikulierten. Bald darauf lief ein einzelner Krieger mit der Lanze in der Hand uns nach. Als er uns eingeholt hatte, fing er an wild zu tanzen, seine Lanze zu schwingen und grelle Schreie auszustoßen. Wie Tupia erklärte, bedeutete dieser Hokuspokus die Kriegserklärung der Insulaner. Das Boot ruderte immer weiter; der Kriegsbote folgte uns und wiederholte seinen Kriegstanz. Da Leutnant Gore keine passende Landungsstelle fand, so kehrte er um und steuerte direkt auf die Landungsstelle der Eingeborenen, um diese zu einem Palaver zu veranlassen und zu einem Friedensvertrage zu bewegen.

In diesem Augenblicke kam ein andrer Kriegsbote, der eine aus den schillernden Schwanzfedern der schönsten Tropenvögel zusammengesetzte Mütze und Kleider aus Tuchen von allen Farben trug und das Tanzen noch besser verstand als sein Vorgänger. Der Matrosenwitz unsrer Leute taufte den Gecken: Hanswurst. Da seine Bocksprünge unser Boot nicht zum Stillhalten brachten, näherte sich ein älterer Häuptling und fragte unsre Leute, wer sie wären und woher sie kämen. »Von Otahiti!« antwortete ihm Tupia in dessen eigener Sprache. Die Indianer beratschlagten aufs neue. Tupia stand ihnen tapfer Rede und Antwort,flüsterte aber Herrn Gore fortwährend zu, auf seiner Hut zu sein, denn die Indianer wären immer noch sehr kriegerisch gesinnt. Endlich wollten sie uns Lebensmittel verkaufen, machten aber zur Bedingung, daß wir ohne Waffen an Land kommen sollten, worauf Gore sich nicht einließ. Vielmehr kehrte er sofort zum Schiff zurück.

Die Waffen dieser kriegerischen Eingeborenen bestanden aus langen Lanzen und kürzeren Piken, die auch als Keulen dienten. Lanzen und Keulenpiken waren aus dem sehr harten Holze des Etoabaumes verfertigt und mit vieler Sorgfalt poliert. Wir sahen Lanzen von 20 Fuß Länge, die trotzdem nicht über drei Finger dick waren. Die Waffe, die als Keule und als Pike diente, war etwa 7 Fuß lang und war an einem Ende mit einer Beilspitze versehen. Gegen diese Waffen schützten sie sich durch eine Mattenrüstung, mit der sie unter ihren Kleidern den Leib bedeckten. Ob diese primitive Rüstung aber Schutz gewährt gegen die Lanzen mit dem Stachel des Rochens als Spitze, die wir in dieser Gegend sahen, ist mehr als zweifelhaft.

Tupia sagte uns, daß in verschiedenen Entfernungen und Lagen zwischen Süden und Nordosten von Oheteroah außerordentlich fruchtbare Inseln lägen. Allein da ich mir vorgenommen hatte südwärts zu steuern, um womöglich festes Land zu entdecken, so ging ich auf die dringenden Vorstellungen Tupias nicht ein.

Neue Entdeckungen. — Kriegerischer Empfang. — Drei Gefangene. — Verhandlungen.

Wir segelten am 15. August von Oheteroah ab. Am 25. August feierten wir mit einem großen Faß Starkbier, das sich vortrefflich gehalten hatte, und mit einem großen Chesterkäse den Jahrestag unsrer Abreise von England. Am 30. sahen wir einen Kometen. Am 1. September waren wir in der südlichen Breite von 40 Graden 22 Minuten und in der westlichen Länge von 174 Graden 29 Minuten. Da wir aber in dieser Gegend kein Anzeichen von Land sahen, und da von Westen her Sturmwogen anrollten, so wich ich, in der Besorgnis, an Segeln und Tauwerk schwer geschädigt zu werden, dem Sturme aus und segelte nach Norden.

Am 1. Oktober sahen wir eine große Menge Vögel, einen Seehund und Seetang. Am 6. Oktober sichteten wir vom Mastkorb aus Land; es lag in Nordwest, und wir steuerten gerade in derselben Richtung. Dem Ansehen nach mußte es von beträchtlicher Größe sein. Am nächsten Tage war Windstille; wir näherten uns daher dem Lande nur sehr langsam. Als am Nachmittag eine Brise einsetzte, waren wir noch 7–8 Seemeilen davon entfernt. Je näher wir kamen, desto größer schien es zu sein. Wir konnten vier bis fünf Reihen von Bergen erkennen, die sich übereinander erhoben, und ganz im Hintergrunde erblickten wir eineKette von Gebirgen, die über alles ragte und erstaunlich hoch zu sein schien. Die meisten unter uns meinten, daß es dieTerra australis incognitasei, die wir jetzt glücklich entdeckt hätten.

Um 5 Uhr entdeckten wir die Einfahrt einer Bai, die ziemlich weit ins Land zu greifen schien. Wir hielten uns hierauf näher an den Wind und steuerten gegen die Bai an. Gleichzeitig sahen wir an verschiedenen Stellen landeinwärts Rauch aufsteigen. Da indessen die Nacht einbrach, so lavierten wir hin und her. Bei Tagesanbruch fanden wir uns unter dem Winde der Bai, der aus Norden blies. Wir konnten jetzt schon unterscheiden, daß die Berge mit Wäldern bedeckt und daß unter den Bäumen in den Tälern einige von ungeheurer Größe waren. Um die Mittagszeit gelangten wir bis an die südwestliche Spitze hin; da es uns aber des Windes wegen nicht gelingen wollte sie zu umsegeln, so wendeten wir und entfernten wir uns wieder. Um diese Zeit sahen wir verschiedene Kähne quer über die Bai laufen, ohne daß sie uns bemerkt hätten.

Wir erblickten gleichzeitig einige kleine, aber geschmackvolle Häuser. An einem davon versammelte sich eine beträchtliche Menschenmenge, die sich nach einer Beratung, bei der wir die Hauptrolle spielen mochten, nach dem Strande begab und sich dort niedersetzte. Wir konnten ferner ganz deutlich erkennen, daß der Gipfel eines Berges des nordöstlichen Vorgebirges mit Palisaden umzäunt war.

Um 4 Uhr des Nachmittags kamen wir an der nordwestlichen Seite der Bai vor der Mündung eineskleinen Flusses auf feinsandigem Boden etwa eine halbe Seemeile von der Küste entfernt vor Anker. Die Seiten der Bai bestehen aus hohen, weißen Klippen; der mittlere Teil ist niedriges Land, hinter dem sich mehrere Reihen von Bergen stufenweise eine über die andre erheben und sich endlich in die Gebirgskette verlieren, die weit innen im Lande zu lagern schien. Gegen Abend ging ich in Begleitung der Herren Banks undDr.Solander mit der Pinasse und der Jolle ans Land und nahm auch eine Abteilung meiner Leute mit. Wir landeten dem Schiffe gegenüber auf der Ostseite des Flusses, der hier etwa 120 Fuß breit war. Da ich aber einige Eingeborene an dem andern Ufer erblickte, mit denen ich zu verhandeln wünschte, und da ich keine Furt im Flusse fand, so ließ ich die Jolle kommen, um uns hinüberzuführen. Als wir uns den Eingeborenen näherten, liefen sie davon. Wir landeten trotzdem, ließen vier Jungmatrosen an der Jolle und gingen nach den Hütten, die etwa 700 Fuß weit vom Ufer ablagen. Sobald wir uns vom Boot entfernt hatten, rannten vier mit langen Lanzen bewaffnete Männer aus dem Walde nach dem Boote, um sich seiner zu bemächtigen. Die Leute in der Pinasse aber entdeckten sie und riefen den Jungmatrosen zu, den Fluß hinabzufahren. Die Matrosen ließen sich dies nicht zweimal sagen, indessen setzten ihnen die Indianer doch so scharf nach, daß der Bootsmann in der Pinasse für nötig fand, eine Kugel über die Köpfe der Indianer zu feuern. Der Schuß erschreckte sie ein wenig, sie blieben stehen und sahen sich um, doch kurz darauf setzten sie der Jolle wieder nach, wobei siedrohend ihre Lanzen schwangen. Man feuerte hierauf einen zweiten Schreckschuß ab, aber sie kehrten sich nicht daran, und einer von ihnen machte Miene, seine Lanze nach der Jolle zu werfen. Der Bootsmann schoß jetzt zum dritten Mal, und der Angreifer blieb tot liegen. Die andern Indianer blieben vor Erstaunen und Furcht wie versteinert stehen, dann aber zogen sie sich zurück, indem sie den Leichnam des Gefallenen hinter sich herzogen. Doch ließen sie ihn bald liegen, um sich durch eilige Flucht in Sicherheit zu bringen. Auf den Knall des ersten Schusses sammelten wir uns, liefen so schnell als möglich nach dem Boote zurück und fanden, als wir über den Fluß setzten, den Indianer auf dem Boden liegen. Er war mitten durchs Herz getroffen. Er war ein Mann von mittlerer Größe und brauner, nicht sehr dunkler Farbe. Die eine Seite seines Gesichtes war mit regelmäßigen, schneckenförmigen Linien tätowiert. Gekleidet war er in Tuch von feinstem Gewebe. Nach dieser Untersuchung kehrten wir sofort nach dem Schiffe zurück.

Am nächsten Morgen sahen wir wiederum eine große Anzahl Eingeborener an ihrer Beratungsstelle; einige unter ihnen untersuchten eifrig unsre Landungsstelle. Da es mir darum zu tun war, mit ihnen in freundlichen Verkehr zu treten, so ließ ich drei Boote mit Seesoldaten und Matrosen bemannen und fuhr mit Banks,Dr.Solander, den andern Herren und Tupia ans Land. Ungefähr fünfzig Eingeborene taten so, als warteten sie auf uns. Im Glauben, daß sie sich vor uns fürchteten, ging ich ihnen mit Herrn Banks,Dr.Solander und Tupia entgegen. Wir waren nur einigeSchritte weit, als sie alle miteinander aufsprangen und der eine seine Lanze, der andre ein Kriegsbeil hervorzog. Diese Waffe war einen Fuß lang, aber 4–5 Pfund schwer und aus ungemein kunstvoll geglättetem, grünem Talkstein geformt. Tupia rief sie in ihrer Sprache an und bot ihnen Frieden. Statt jeder Antwort schwenkten sie drohend ihre Waffen und machten uns Zeichen, uns zurückzuziehen. Wir feuerten eine Muskete ab, jedoch weit von ihnen, denn wir hatten noch den Fluß zwischen uns, so daß die Kugel über den Wasserspiegel strich. Als sie die Bewegungen und die Wirkung der Kugel sahen, ließen sie von ihren Drohungen ab. Trotzdem hielten wir es für das klügste, uns zurückzuziehen und die Seesoldaten landen zu lassen. Wir ließen die kleine Truppe mit ihrer Fahne eine Anhöhe besetzen. Hier wurde sie in Schlachtordnung aufgestellt. Ich rückte alsdann mit Herrn Banks,Dr.Solander, Green, Monkhouse und Tupia wieder vor. Tupia eröffnete das Palaver, und wir bemerkten mit großem Vergnügen, daß ihn die Eingeborenen verstanden. Er sagte ihnen, daß wir ihnen gegen Eisen und andre Tauschwaren Lebensmittel abkaufen wollten. Wir fanden sie zu diesem Handel scheinbar geneigt; sie verlangten aber, daß wir zu ihnen hinüberkommen sollten, was wir ablehnten, da uns Tupia dringend riet, auf unsrer Hut zu sein, und sie sich nicht verpflichten wollten, die Waffen abzulegen. Wir stellten ihnen dagegen anheim zu uns herüberzukommen. Endlich entkleidete sich einer und schwamm ohne seine Waffe zu uns herüber, zwei andre folgten seinem Beispiel,bald nachher kamen dreißig bewaffnet über den Fluß. Wir machten ihnen Geschenke von Glaskorallen und Nägeln, wogegen sie uns, da sie deren Gebrauch nicht kannten, nur einige Federn verehrten. Auf ihren dringenden, listigen Vorschlag, mit ihnen zum Zeichen der Freundschaft die Waffen zu tauschen, konnten wir natürlich nicht eingehen. Die Wilden versuchten alsdann mit Gewalt zu ihrem Ziele zu kommen. Wir waren aber darauf vorbereitet und ließen ihnen durch Tupia androhen, daß wir sie im Falle weiterer Gewalttätigkeiten unweigerlich töten würden. Trotzdem stahl wenige Augenblicke später ein kecker Wilder den Hirschfänger des Herrn Green und flüchtete, indem er triumphierend seinen Raub über dem Kopfe schwang. Das war für die übrigen das Signal zu bedrohlichen Unverschämtheiten. Wir mußten sie deshalb in ihre Schranken zurückweisen. Herr Banks feuerte sofort mit Schrot in einer Entfernung von 45 Fuß auf den Dieb und traf ihn. Trotzdem schwenkte dieser uns zum Hohn seinen Raub und suchte ihn auf dem Felsen, der in der Mitte des Flusses lag und wohin sich die Wilden nach dem Schusse geflüchtet hatten, in Sicherheit zu bringen. Herr Monkhouse kam dem mit einer gut gezielten Kugel zuvor. Als jener tot zu Boden stürzte, kamen die andern sofort herbei; zwei von ihnen rannten zu dem Toten hin, der eine ergriff sein Kriegsbeil und flüchtete damit, der andre versuchte den Hirschfänger zu erobern. Monkhouse war ihm aber zuvorgekommen. Jetzt rückten die Wilden zum Angriff gegen uns vor. Wir schossen drei mit Schrot geladene Büchsen gegen sie ab und schlugen sie dadurchgänzlich in die Flucht. Wir hatten drei von ihnen getroffen. Die Wilden zogen sich allmählich ins Land zurück; wir aber bestiegen unsre Boote.

Um wenigstens frisches Wasser zu erhalten und womöglich einige Eingeborene an Bord zu nehmen und sie durch gute Behandlung und Geschenke zu Freunden zu gewinnen, ruderte ich um die Spitze der Bai herum. Die Brandung war jedoch überall so stark, daß ich keinen Landungsversuch wagte. Ich erblickte aber zwei Kähne von der See hereinkommen, wovon der eine unter Segel war und der andere gerudert wurde. Das war eine günstige Gelegenheit, einige von den Eingeborenen aufzuheben und sie für unsre Zwecke zu verwenden. Ich verteilte daher meine Boote, um die beiden Kähne abzufangen. Der eine Kahn bemerkte uns, und es gelang ihm zu entwischen, der andre aber segelte in die ihm gestellte Falle. Sobald uns jedoch seine Besatzung erblickte, reffte sie das Segel ein und ruderte mit solcher Kraft, daß sie unsre Boote hinter sich ließ. Tupia schrie den Wilden aus vollem Halse zu, zu halten: wir seien Freunde. Aber die braunen Burschen verließen sich mehr auf ihre Ruder als auf unsre Freundschaft und versuchten zu entkommen. Ich ließ hierauf eine Muskete über ihre Köpfe abfeuern in der Hoffnung, das würde sie veranlassen, sich zu ergeben. Sie hielten auch mit Rudern ein und fingen an, sieben an der Zahl, sich zu entkleiden. Wir glaubten, sie täten das, um über Bord zu springen; die Sache war aber anders gemeint. Denn als wir nahe an sie herankamen, warfen sie ihre Lanzen, Beile, Steine gegen uns, so daß wir gezwungenwaren, eine Salve auf sie abzufeuern, wodurch vier Mann fielen. Die andern drei, Knaben und Jünglinge von 11, 15 und 19 Jahren, sprangen sofort über Bord und suchten sich durch Schwimmen zu retten. Mit vieler Mühe gelang es uns, die drei jungen Leute, die wie Enten schwammen, ins Boot zu ziehen, wo sie zusammenkauerten. Da die Unglücklichen ohne Zweifel erwarteten, kurzweg hingerichtet zu werden, so ließen wir sie durch Tupia beruhigen, versorgten sie mit Kleidern und gaben uns die erdenklichste Mühe, sie von unserm Wohlwollen zu überzeugen. Die jungen Wilden, die befürchtet hatten, irgendeinem Dämon geopfert zu werden, tauten förmlich auf; sie waren mit ihrem Schicksal versöhnt und guter Dinge. An Bord des Schiffes entwickelten sie einen guten Appetit, auch gaben sie Tupia Auskunft auf seine Fragen und nahmen an allem, was sie sahen und was um sie herum vorging, den größten Anteil. Wir bestärkten sie in ihrer Frohlaune, so daß sie tanzten und einige ihrer Lieder zum besten gaben, deren Rhythmus und Wohlklang uns ebensosehr in Erstaunen setzte, wie der hohe Grad von Kunstfertigkeit der drei Sänger, von denen die zwei ältesten Brüder waren. Nach dem Frühstück, bei dem sie wie alle Wilden einen fabelhaften Appetit entwickelten, ließ ich sie von Kopf bis Fuß neu kleiden und stattete sie mit Armbändern und Fußringen sowie mit buntfarbigen Halstüchern aus. In dieser Kleiderpracht wollte ich sie ans Land setzen, in der Hoffnung, daß die Wilden, wenn sie auf diese Weise erführen, wie gütig wir unsre Gefangenen behandelten, ihr Mißtrauengegen uns fallen lassen und in die dargebotene Freundeshand einschlagen würden. Ich ließ dann das Boot aussetzen und meinen Gefangenen sagen, daß wir sie ans Land bringen und ihnen die Freiheit schenken wollten. Diese Nachricht brachte sie vor Freude so außer sich, daß sie tanzten. Als sie aber bemerkten, daß wir nach unsrer ersten Landungsstelle am Flusse hinruderten, da baten sie flehentlich, man möge sie nicht an diesem Orte aussetzen, denn hier wohnten ihre Feinde, die sie töten und fressen würden. Auf diese Weise war es wieder nichts mit meiner Diplomatie. Weil ich aber schon die Seesoldaten unter dem Befehl eines Offiziers an Land geschickt hatte, so beschloß ich ebenfalls dort zu landen; den jungen Wilden ließ ich durch Tupia versichern, daß wir sie am Abend nach dem Teil der Küste bringen würden, den sie als ihre Heimat bezeichneten. Herr Banks undDr.Solander waren bei mir. Als wir mit den jungen Wilden landeten und über den Fluß gingen, schienen sie sich die Sache anders überlegt zu haben, denn sie nahmen, wenn auch nicht ohne innern Kampf und Tränen, plötzlich Abschied von uns. Wir gingen dann nach einem Sumpfe hin, der außerordentlich reich an Enten war, um dort zu jagen, während uns vier Seesoldaten auf einer Anhöhe flankierten, von der aus man die ganze Gegend übersehen konnte. Wir waren etwa eine Meile weit vorgedrungen, als uns die Soldaten meldeten, daß ein starker Trupp Wilder zum Vorschein komme und eilfertig heranrücke. Auf diese Meldung hin zogen wir uns zusammen und eilten nach den Booten zurück. Kaum hatten wir denRückmarsch angetreten, so kamen unsre jungen Wilden aus einem Busch, in dem sie sich verkrochen hatten, hervor und baten uns sie mitzunehmen. Wir eilten mit ihnen dem Strande zu. Die Wilden rückten indessen über die Anhöhe — die die Seesoldaten verlassen hatten, um zu uns zu stoßen — und um den Sumpf herum, aber in einem so ängstlichen, vorsichtigen Tempo heran, daß wir bequem in dem kleinen Boote zu den Seesoldaten, die mit Holzfällen beschäftigt waren, übersetzen und die Schlachtordnung bilden konnten. Die Wilden kamen nicht, wie wir erwartet hatten, in Trupps, sondern paarweise herab, jedoch wuchs ihre Anzahl in kurzem bis auf 200 Mann. Wir beschlossen einem zwecklosen Kampfe vorzubeugen und an Bord zurückzukehren. Als wir in die Pinasse einsteigen wollten, erkannte einer unsrer jungen Wilden unter den Indianern seinen Oheim, mit dem er sofort ein Gespräch anknüpfte, in das sich auch Tupia mischte. Der Mann kam denn auch zu uns herüber geschwommen und brachte einen grünen Zweig mit, den er uns durch Tupia überreichen ließ. Wir machten ihm einige Geschenke und luden ihn ein, mit uns an Bord des Schiffes zu gehen, was er ablehnte. Wir verabschiedeten uns von ihm und nahmen als selbstverständlich an, daß sein Neffe und dessen Kameraden bei ihm bleiben würden, allein zu unsrer größten Verwunderung wollten sie lieber mit uns gehen. Sobald wir weggerudert waren, pflückte der Wilde einen Zweig und legte ihn unter allerhand Zeremonien auf den Leichnam des von uns erschossenen Indianers, dann kehrte er, um zu berichten, zu seinen Gefährtenzurück, die sich sofort um ihn gruppierten und, wie wir von Bord des Schiffes aus durch unsre Ferngläser beobachteten, fast eine Stunde lang berieten. Später holten sie die Leiche auf einem Floße ab und trugen sie dann auf einer Art von Bahre ins Innere des Landes; den zweiten Leichnam dagegen ließen sie an dem Orte liegen, wo er von Anfang an gelassen worden war.

Nach dem Mittagessen ließ ich meine drei jungen Wilden durch Tupia fragen, ob sie an dem Orte, wo wir mit ihrem Oheim zusammengewesen wären, nicht an Land gehen wollten, da ja der Friede durch die Wegnahme des Leichnams wiederhergestellt sei. Sie erklärten sich dazu bereit, sprangen munter ins Boot und ebenso munter ans Land, doch kaum stieß das Boot wieder ab, so wateten sie ins Wasser und baten, wieder an Bord genommen zu werden. Ich hatte aber zuvor streng verboten, sie wieder aufzunehmen. Wir konstatierten dann später durch unsre Ferngläser, daß ein Indianer die drei jungen Wilden auf einem Floß nach einer Stelle verbrachte, wo etwa 40 bis 50 Wilde weilten, die nach Untergang der Sonne nach jenem Küstenstrich hinzogen, den unsre Gefangenen vordem als ihre Heimat bezeichnet hatten. Wir waren daher über ihr Schicksal beruhigt. Nach Eintritt der Finsternis hörten wir wie gewöhnlich laute Stimmen vom Lande her, über deren Bedeutung wir uns aber nicht klar wurden.

Am folgenden Morgen um 6 Uhr lichteten wir die Anker und steuerten aus dieser unwirtlichen Unglücksgegend, die von den Eingeborenen Taoneroaoder »langer Sand« genannt wird. Das feste Land erstreckte sich von Nord-Ost-Nord gegen Süden hin, und ich nahm mir vor, der Küste entlang bis zum 40. oder 41. Breitegrad zu fahren und dann eventuell nach Norden umzukehren. Nachmittags trat Windstille ein. Als die Eingeborenen bemerkten, daß das Schiff stilllag, stießen verschiedene Kähne von der Küste ab, die sich uns bis auf eine Viertelmeile näherten. Tupia gab sich zwar alle Mühe, die Indianer zutraulicher zu machen, allein er verschwendete nur die Kraft seiner Lunge und seine Beredsamkeit, die in solchen Fällen von klassischer Unerschöpflichkeit war. Unterdessen sahen wir einen Kahn von Taoneroa mit vier Leuten an Bord herankommen. Als sie näher kamen, erkannten wir einen unter ihnen als den Mann, mit dem wir auf dem Felsen unterhandelt hatten. Die vier ruderten direkt auf uns zu und legten, ohne sich im geringsten um die andern zu kümmern, hart an das Schiff; es dauerte nicht lange, so kamen sie auf unsre Einladung hin an Bord. Die übrigen Wilden folgten dem ihnen gegebenen Beispiele nach, und bald hatten wir etwa 50 Mann an Bord und 7 Kähne um uns herum. Wir bedachten sie freigebig mit Geschenken; sie waren überdies so handelseifrig, daß sie sogar die Kleider vom Leibe und die Ruder aus den Booten an uns vertauschen wollten. Von der ganzen Gesellschaft waren nur zwei mit Waffen versehen, dem Pätuh-Pätuh, einem Kriegsbeil aus grünem Talkstein, mit dem sie wohl imstande waren den härtesten Schädel zu spalten.

Wir erkundigten uns sofort nach unsern jungenWilden und erfuhren, daß sie daheim in Sicherheit wären. Der Erzähler fügte hinzu, daß er und seine Freunde sich nur deshalb an Bord gewagt hätten, weil die drei jungen Indianer unsre Gastfreundschaft so sehr gerühmt hätten. Die Zeit über, wo sie bei uns an Bord weilten, versicherten sie uns ihrer Ergebenheit; auch luden sie uns dringend ein, in die verlassene Bai zurückzukehren. Ich wollte aber lieber meine Entdeckungen fortsetzen; auch hoffte ich nicht ohne Grund, bald einen guten Hafen zu finden. Kurz vor Sonnenuntergang ruderten unsre Gäste weg, wobei sie im Durcheinander drei der Ihrigen im Schiffe zurückließen. Wir machten sie zwar sofort aufmerksam, aber es fiel niemand ein, umzukehren; noch mehr wunderten wir uns über die Verlassenen selbst, die uns ihre Tänze vorführten und ihre Reigen sangen und so ruhig zu Bette gingen, als gehörten sie zum Schiff. Bald nach Einbruch der Nacht begann eine leichte Brise zu wehen. Wir steuerten längs der Küste hin und legten bei, als neue Windstille eintrat. Trotzdem waren wir einige Seemeilen weitergekommen. Als am nächsten Morgen die Indianer dies bemerkten, jammerten sie gottserbärmlich über ihr Schicksal. Tupia beruhigte sie mit Mühe. Um 7 Uhr kamen zwei Kähne von Land in Sicht, und es gelang Tupia und den drei Wilden, den Führer eines der Kähne, einen alten Häuptling, zu bewegen, an Bord zu kommen und die drei aus ihrer fatalen Lage zu befreien. Was den alten Herrn zu diesem Abenteuer bewog, war die eidesstattliche Versicherung seiner Landsleute, daß wir keine Menschenfresser wären, was uns ein indirekterBeweis dafür war, daß auf der Insel der Kannibalismus herrschen müsse, worauf ja auch die wiederholte Äußerung der jungen Wilden schließen ließ.

Wir befanden uns, als wir absegelten, einer Landspitze gegenüber, die ich wegen ihrer Gestalt das Tafelvorgebirge nannte; sie ist ziemlich hoch, bildet einen scharfen Winkel und ist eben. Um die Mittagszeit stießen wir ungefähr vier Seemeilen weiter auf ein kleines Eiland, das Teahorvray der Wilden, das ich wegen seiner großen Ähnlichkeit mit dem Portland der Themse die Insel Portland nannte. Während wir unsern Lauf längs der Küste nahmen, versammelte sich hier und auf der Insel eine große Menge Eingeborener, denen unser Erscheinen gewiß viel zu denken gab. Mittags ließ sich ein Kahn blicken mit vier Insassen; einer von ihnen schien durch seine Gebärden bald Frieden bald Krieg zu künden, tanzte mitunter und grölte ein heiseres Lied. Tupia redete lang auf ihn ein, konnte ihn aber nicht bewegen, an Bord zu kommen. Wir segelten weiter, gerieten aber in seichtes Wasser. Doch vermochten wir uns wiederloszuwinden und legten dann bei. Als wir vor Anker lagen, kamen zwei Kähne so nahe an uns heran, daß Tupia mit den Insassen sprechen und wir ihnen Geschenke zuwerfen konnten, mit denen sie sich dann seelenvergnügt trollten.


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