IV

IV

Die Nacht trennte das Meer von der Erde. Hinter der grell beleuchteten steinernen Brüstung der Strandpromenade stand die dichte Finsternis wie eine Mauer; ein unbegreifliches, unaufhörliches Leben schien sich in ihr versteckt zu halten. In dem unsichtbaren freien Raum bewegte sich etwas, stieß schwere Seufzer aus, plätscherte, als ob es schluchzte, schwoll an, flaute ab, und schwoll dann wieder irgendwo in der schwarzen Ferne, die mit dem schwarzen Himmel zusammenfloß, von neuem an. Dort in der Finsternis, vor den menschlichen Augen verborgen, tobte unaufhörlich ein ewiger geheimnisvoller Kampf, als arbeiteten Millionen Wesen unter dem Schutz der kurzen Nacht daran ihr grausames düstres Werk zu vollenden. Die Strandpromenade, die von den blassen Lampen der Laternen mit totem Licht begossen wurde, war von durchsichtiger aufhorchender Leere umgeben. Die Bäume verschwammen zu einer dunklen eintönigen Masse, und nur dicht neben den Lampen schimmerten hell, aber leichengrün einzelne erstarrte Blätter. Von Zeit zu Zeit wuchsen irgendwo einsame Schritte deutlich heran, im Lichtkreise zeichnete sich scharf ein schwarzer Schatten ab, wuchs, dehnte sich aus,bog sich über die Brüstung zum Meer hinab und verschwand in der Finsternis ebenso schnell, die deutlich verhallenden Schritte in die Ferne tragend.

Mishujew ging allein; sein Kopf schien ihm unendlich groß und sein Herz leer.

Das rastlose Meer lärmte in ewiger Trauer; über den Bergen funkelten große Sterne, und die Seele Mishujews erfüllte ein Gefühl, als stehe er über einer Welt, in der alles längst abgestorben war, jedes Leben für immer geendet hatte, und das Auge nur tote Schneefelder und ferne Sterne, die von der Kälte ewigen Schweigens angeschmiedet sind, erblickt.

Tote Trübsal weinte leise in seinem Herzen; es war für ihn ganz gleich, wohin er in der Leere und dem Schweigen der Nacht gehen sollte. Warme Erinnerung lebte noch in ihm, und in den Ohren gellte, wie aus weiter Ferne, klingendes Lachen. Blonde Haare, feuchte Augen, das weiche, reine Kinn eines in den Nacken geworfenen Köpfchens huschten durch sein Gedächtnis. Aber die Gedanken flogen schnell, wie Wolken am Mond in grauer Winternacht, vorüber. Weder Ziel noch Anfang oder Ende hatten sie, und trübselig war ihre dunstige rasende Geschwindigkeit.

Langsam und schwer, wie ein Mensch, der ernstlich krank ist, ging Mishujew bis ans Endeder Promenade, blieb stehen, ging zurück, und er wäre nicht imstande gewesen, mit Worten auszudrücken, worüber er in dieser Zeit dachte. Es gab keine bestimmten Worte, es gab keine Personen, denen gegenüber er seinen Wunsch, sich aufzulehnen, äußern konnte. Aber seine kranke Seele, die das Bewußtsein eines unüberwindlichen Unrechtes, das sie bisher noch nicht begriffen hatte, niederdrückte, verlangte nach etwas.

Eine stürmische Bewegung, grell und lebendig, wie menschliche Liebe und menschliche Freude, schlug vor seinem Blick empor. Aber rings umher blieb alles leer; ihm schien es, daß nicht nur auf dem breiten Kai, sondern in seinem eigenen Leben nur seine schweren Schritte widerhallten, als zählten sie, ohne Zweck und Grund Stufen eines toten Weges, der für niemanden von Nutzen ist.

„— — Es ist Zeit, zu sterben!“ dachte Mishujew plötzlich mit verzerrtem Lächeln.

In einem Augenblick wurde es ihm leicht und frei ums Herz, als hätte dieses Wort die Hülle alles Schweren und Düsteren abgestreift; und nun stellte es sich heraus, daß nichts dahinter war — — — als vollkommene Leere. Das Gefühl der Leichtigkeit und Raumlosigkeit erfüllte für einen Augenblick seinen Körper und machte ihn ebenso leer und frei, band ihn von Mishujew,dem schwergewordenen, düsteren, abgelebten Menschen los. Aber dieses Gefühl kam nur für einen Augenblick und erlosch, wie ein Funke in Finsternis und Wind.

Wenn allein der Tod übrig bleibt, so ist Alles wahr: dann ist es richtig, daß sein Leben in der Tat widerwärtig und sinnlos ist; er braucht nicht weiterzuleben.

Plötzlich wurde es ihm so schwer zumute, daß er wünschte, weinen und sich auf die Erde werfen zu können, mit dem Gesicht nach unten, und so liegen zu bleiben.

Aber was ist denn geschehen? Bin ich krank? fragte er sich voller Verzweiflung. Er erstickte fast unter einem furchtbaren Druck und begriff nicht warum. — Ich besitze alles, was einem Menschen nötig ist; sogar viel mehr. Tausende Menschen träumen davon, ein Hundertstel von dem zu haben, was ich besitze ... träumen davon, wie von einem unerreichbaren Glück! Von all meinem Leid wird jeder Mensch nur sagen, daß ich an meinem eigenen Fett ersticke. Was fehlt mir denn. Ich habe alles ...

Und in grellen Streifen zogen im Augenblick Reihen herrlicher Frauen, Theater, Meere, Städte, Bilder, Automobile, Pferde ... eine ganze Welt, voll Farben, Licht und Bewegung, das Luxuriöseste, Schönste, Angenehmste, was dieWelt hervorbringen kann, ... an Mishujews Augen vorüber. Aber sein eigenes Gesicht blieb krank und schwermütig zurück. Alles entfernte sich, verblaßte, wurde plötzlich eintönig und ärmlich, wie verblichenes Flitterzeug.

Nicht das, nicht das ist es ... doch was denn? — Er richtete seine Frage irgend wohin ins Innere seiner schweigenden Seele. Plötzlich durchschüttelte eine Flut gegenstandsloser, unnützer Bitternis seinen ganzen mächtigen Körper; er fiel durch eine Spanne übermenschlicher Leidempfindung, die einen unendlichen Augenblick dauerte, in ein leeres kaltes Loch hinein, wo nichts mehr war als die äußerste Abspannung.

Schweigsam ging Mishujew bis an das Ende der Straße, und sank in seinem ganzen Wesen mit jedem Schritt mehr und mehr zusammen. Mit einem Male fiel ihm ein, wie oft er schon von einem Ende bis zum anderen gegangen war; er kehrte um. Und als sich aus den Scheiben eines Restaurants grelle Lichter über seinen Weg schoben, überschritt er die Straße und öffnete mechanisch die große schwere Tür.

Man muß etwas zu sich nehmen ... ich bin einfach schlaff geworden, dachte er gleichgültig.

Hinter der blendenden Spiegelfläche des Fensters erglänzten lebende Lichter, schwankten schwarze Silhouetten, schimmerten die scharf geschnittenengrünen Blätter der Zimmerpflanzen; weiße Tischtücher strahlten wie Bergschnee.

Sowie Mishujew die Tür geöffnet hatte und der Portier von seinen massigen Schultern den Überzieher abnahm, schlug ihm von allen Seiten verworrener Stimmenlärm, Gelächter und funkelndes Gläserklirren entgegen, es betäubte ihn nach der Stille der Nacht. Er wurde sofort erkannt. Bald hier bald dort tönte durch Gepolter, Klang und Getöse sein Name, eilig und fast warnend ausgesprochen. Einige Frauengesichter begleiteten ihn mit neugierigen Blicken, während er sich langsam zwischen den Tischen vorwärts schob. Neben dem Buffet rief ihn ein Bekannter, der Moskauer Schriftsteller Opalow, an.

„Fjodor Iwanowitsch!“ Er schien erfreut und erhob sich eilig; sein Gesicht, mit feinen Gesichtszügen und Augen, schmal und eigenartig, wie bei einer japanischen Puppe, fing mit dem Ausdruck lebhaftester Freude und völliger Zutraulichkeit zu lächeln an. „Fjodor Iwanowitsch, setzen Sie sich zu uns heran! ... Kellner, einen Stuhl her!“

Am Tisch saßen drei Herren: die zwei Schriftsteller, denen Mishujew am selben Tage auf der Promenade begegnet war, und ein aufgedunsener, kahlköpfiger, etwas unsauberer Mensch in Leinwandhosen, die für seine Beine zu engwaren, mit einer auffallenden entweder amerikanischen oder einfach clownmäßigen Weste.

„Sie sind wohl noch nicht bekannt?“ fragte Opalow, als sich alle langsam Mishujew entgegen neigten: „Tschetyrjow, ... Marussin, ... Podgurski ...“

„Ehemaliger Schriftsteller!“ fügte der aufgedunsene Herr hinzu mit einer Stimme, die die eines Hansnarren — vielleicht aber auch seine gewöhnliche sein konnte.

Mishujew nannte kurz und flüchtig seinen Namen. Es war ihm stets unangenehm, sich mit seinem Namen vorzustellen: es kam ihm kindisch vor, einen Namen herzusagen, den alle gewöhnlich schon vorher wußten; sich aber gar nicht vorzustellen, wäre auch nicht angegangen. Das erregte ihn.

„Sie kennt ja jeder, Fjodor Iwanowitsch!“ lachte Opalow; es war schwer zu unterscheiden, ob er es gutmütig oder mit gehässiger Ironie meinte.

Mishujew lächelte mißmutig, und dieses schiefe Lächeln fiel ihm selbst unangenehm auf: es konnte den Eindruck erwecken, als gebe er zu, daß ihn alle kennen oder als leugne er es oder auch als heuchle er eine Verneinung. Er fühlte, daß ihm Einfachheit fehlte und daß es allen aufgefallen war. Es verstimmte ihn wieder.

Der Kellner brachte eilig einen Stuhl und Mishujew ließ sich nieder, kreuzte sofort seine massigen Arme auf dem Tischtuch und starrte mit schwerem Seitenblick auf das Nachbartischchen, wo drei beleibte, aufgeputzte Damen und zwei glänzende, fesche Offiziere saßen. Für eine Minute entstand peinliches Schweigen. Opalow blickte Mishujew freundlich, aber so neugierig in die Augen, als wenn sich plötzlich ein Eisbär neben ihn gesetzt hätte. Der zottige Podgurski, der wie ein Bündel schmutziger Wäsche, in enge Höschen und ein Jackettchen aus Segeltuch gepreßt, aussah, schaute ebenfalls neugierig auf ihn; in seinen winzigen, scharfen Äuglein leuchtete ein freches, gieriges Feuerchen. Tschetyrjow und Marussin tranken schweigsam ihr Bier und schienen Mishujew nicht zu bemerken. Mishujew sah mit einem flüchtigen Blick, daß Marussins weiche, schwache Hände die ganze Zeit hindurch krankhaft zitterten, und er erinnerte sich, gehört zu haben, daß Marussin an der Schwindsucht litt. Auch seine Augen fielen ihm auf: etwas leicht Vergängliches und Durchsichtiges, wie ein Streifen zarten Frühlingshimmels, sahen ihm daraus entgegen. Mishujew empfand, daß er wahrscheinlich ein sehr unglücklicher, guter und reiner Mensch sein müsse. Warmes Mitleid regte sich in ihm.

Bis an die Decke dröhnte das Restaurant von Rufen, Gläserklirren und Gelächter. Manchmal fiel irgendwo mit trockenem Gepolter ein Stuhl um, laut klingelte ein ungeduldiges Löffelchen an eine Glaskante und hoch flatterten die feinen Töne der weiblichen Stimmen und ihr anrufendes Lachen, das sich wie unter eigenem Kitzel verschluckte. Kellner mit Servietten huschten vorüber, das Licht brach sich in den buntfarbigen Kelchen und Flaschen und strahlte in den Schmucksachen auf glatter, halboffener, weiblicher Haut. Nur durch die weiten Fenster blickte unverwandt die schwarze Nacht herein.

„Warum sind Sie denn allein? Wo ist Maria Sergejewna?“ fragte Opalow; aus seiner Stimme konnte man heraushören, daß der Name Maria Sergejewnas in ihm eine unfaßbare Vorstellung weiblicher Entblößung hervorrief.

Mishujew wußte, daß Maria Sergejewna auf alle Männer eine schmerzlich erregende Wirkung ausübte, und daß man von ihr mit einer besonderen Nuance im Tone sprach. Einst schmeichelte es ihm, er fühlte einen eigentümlichen Reiz, zuzuschauen, wie fruchtlos alle Männer durch diese Frau erregt wurden. Doch in der letzten Zeit fiel ihm darin etwas Verletzendes und Unangenehmes auf; er erinnerte sich, daß man erst begonnen hatte, mit ihr und über sie so zu sprechen,seitdem er zu ihr in feste Beziehungen getreten war. Ebenso schön war sie auch früher gewesen, aber damals umhüllte sie eine besondere Reinheit. Durch seine Berührung war diese Reinheit abgestreift worden, vor allen Menschen hatte er sie in der erniedrigenden und groben Gestalt eines allen zugänglichen Weibchens entblößt.

„Sie ist nach Ssemeïd gefahren,“ antwortete Mishujew ungern und mit einem Blick nach der Seite.

„So! Ich war ihnen heute begegnet ... Mit Parchomenko?“ Opalow war entzückt, und wieder spürte Mishujew aus diesem Entzücken etwas Besonderes heraus. Als hätte Opalow niemals daran gezweifelt, daß Maria Sergejewna früher oder später in Parchomenkos Hände übergehen müßte; jetzt aber wäre er zur Überzeugung gekommen, daß es sich schon vorbereitete. Nach Opalows Meinung war Mishujew schon der Liebhaber a. D.

„— — Anders kann er es sich gar nicht vorstellen,“ dachte Mishujew.

„Parchomenko, das war jener? ...“ erkundigte sich plötzlich Podgurski.

„Ganz recht — der!“ sagte Opalow, während seine eigentümlich japanischen Augen glänzten.

„Kennen Sie ihn?“ fragte Podgurski weiter.„Machen Sie mich bitte mit ihm bekannt. Ich habe in einer geschäftlichen Angelegenheit mit ihm zu tun.“

„Wollen Sie ihn anpumpen, — — — auf Nimmerwiedergeben?“ fragte Opalow offensichtlich scherzend.

„Und wenn schon. Meinen Sie, er gibt nichts?“

„Ja, der würde Ihnen wohl nichts geben,“ bemerkte Mishujew mechanisch.

„Und Sie, würden Sie etwas herausrücken?“ wandte sich unerwartet Podgurski an ihn und offenherzige Unverschämtheit klang aus seiner Stimme.

Mishujew war eine Weile vor Überraschung sprachlos. „Vielleicht,“ lächelte er dann.

„So, dann geben Sie mir bitte fünfundzwanzig Rubel! Warum auch nicht?“

Mishujew lenkte seinen schweren Blick in Podgurskis Augen, dachte eine Weile nach, lächelte dann wieder und reichte ihm einen 25-Rubelschein über den Tisch. Ihm gefiel die Aufrichtigkeit, die in dieser Frechheit lag.

Podgurski erwartete kaum etwas und war nicht einmal besonders gespannt, ob Mishujew ihm Geld geben würde oder nicht, aber beim Anblick des Geldes blitzten seine Äuglein noch frecher auf. Er nahm den Schein und schob ihn wieselbstverständlich in die Tasche der halb amerikanischen, halb clownartigen, vielleicht aber nur einfach schäbigen, fettverschlissenen Weste, die auf seiner Brust hin- und herrutschte.

„Danke!“

Mishujew bemerkte, wie sich Marussins gute Mädchenaugen mit zurückhaltendem Lächeln Podgurski zuwendeten, sich aber im Augenblick wieder verschämt senkten, ohne sein Gesicht gestreift zu haben. Tschetyrjow blickte schweigend über die Köpfe hinweg nach dem Innern des Restaurants und schien überhaupt nichts zu sehen.

„Sie sind aber ein frecher Patron!“ bemerkte Opalow; man konnte seinen Augen ansehen, daß auch ihm der Gedanke an eine Anleihe gekommen war; leider nur zu spät.

„Ach, ich spucke darauf!“ erwiderte Podgurski unverfroren. „Ich bin ein frecher Patron, Sie ein Feuilletonschreiber, er — ein Millionär; — was dabei das Schlimmste ist, das steht noch lange nicht fest!“

Opalow hob mit komischer Miene seine eigentümlichen Augen, aus denen stets beobachtende Neugierde blickte, zur Decke. Tschetyrjow und Marussin lachten gutmütig, und dieses gutmütige Lächeln des ungemütlichen Tschetyrjow überraschte Mishujew. Doch lächelte er selber mit.

„Und wissen Sie, was ich Ihnen sagen möchte...“ begann Podgurski in einem Ton, als wollte er allen eine freudige Nachricht bringen, „laden Sie uns doch zum Sekt ein, Fjodor Iwanowitsch. Was? Warum denn nicht?“

Mishujew zuckte mit den mächtigen Achseln. Dieser durchtriebene Bursche, der ihm gleich beim ersten Wort auf die Schultern stieg, und dazu noch mit solcher Gradheit und Selbstverständlichkeit, fing an ihn zu amüsieren.

„Meinetwegen, gut. Nur müssen Sie selbst alles anordnen,“ sagte er.

„Schön, ausgezeichnet! ... Kellner!“ Podgurski schrie laut, ohne darauf zu achten, daß sich das ganze Restaurant nach ihrem Tisch umdrehte.

Der Geschäftsführer, ein schmächtiger Greis mit üppigem, grauem Backenbart, der schon lange in der Nähe Mishujews wie ein Jagdhund auf der Lauer gestanden hatte, trippelte rasch auf ihn zu, wobei er mit der süßesten Miene seine winzigen Händchen rieb. Podgurski ging daran, ein Souper zusammenzustellen. Er tat es so sicher, als hätte er sich sein ganzes Leben lang mit nichts anderem als feinen, üppigen Diners abgegeben. Mishujew schaute ihn sogar verwundert an. Podgurski, der alles mit der Gewandtheit eines Taschenspielers fertig machte und alles bemerkte, warf dazwischen:

„Gleich kommt der Millionär zum Vorschein! Sie denken, daß sie nur allein essen und trinken können.“

„Und wissen Sie, was Millionäre denken?“ fragte Mishujew hochmütig, ohne daß ihm selbst sein Ton zum Bewußtsein kam.

„Aber gewiß doch! Alles weiß ich! Als ich ein berühmter Schriftsteller war ...“

Alle brachen in Lachen aus. Aber Podgurski maß dem keine Bedeutung bei.

„... habe ich mir Millionäre angesehen, wie andere Hunde. Ich sehe sie durch und durch, wie ein Gläschen Wodka!“

Es wurde Sekt gebracht. Mit ihm kam der Geruch von Eis und Feuchtigkeit, als hätte man die Türen zu einem Keller geöffnet. Der alte Geschäftsführer schüttelte höflich den Backenbart und strengte sich an, in irgend einer Sache den rücksichtslosen Podgurski zur Vernunft zu bringen. Der lebte auf: seine dünnen Haare erhoben sich, einzeln und in Büscheln, seine Äuglein funkelten unverfroren und gierig, und die widersinnige Weste streckte sich frech hervor. Er machte Witze, trank, schrie, und man sah ihm an, daß er sich wenn nicht gerade glücklich, so wenigstens satt und behaglich fühlte. Mishujew schaute auf ihn und bemerkte mit intensivem Vergnügen, daß sich dieser Gentleman den Teufel um Mishujew,um dessen Millionen, um Tschetyrjow, um irgend etwas in der Welt kümmerte. Er hatte Sekt, Zigarren, seine Witze; alles andere kam für ihn nur insofern in Betracht, als es zu ihm gehörte und ihn fütterte.

Tschetyrjow und Marussin tranken nichts; sie aßen auch fast gar nichts. Sie schwiegen die ganze Zeit, wechselten selten einzelne Worte miteinander und hörten nur allem, was um sie vorging, so aufmerksam zu, wie nur Künstler zuzuhören vermögen. Dabei schienen sie Mishujew vollständig und mit Absicht zu übersehen. Ihn quälte es. Dafür wendete aber Opalow kein Auge von ihm. Immer noch war er erwartungsvoll neugierig. Die ganze Zeit gab er sich Mühe, das Gespräch mit Mishujew im Fluß zu halten, machte Witze, warf treffsichere Bemerkungen ein, in deren Spiel sein Wunsch, Mishujew zu gefallen, deutlich hervortrat.

Am Nebentisch saß eine starke, auffallend elegante Dame mit einem kleinen Ausschnitt auf ihrem zarten, rosigen Rücken.

„Ist es Ihnen schon aufgefallen, Fjodor Iwanowitsch,“ sagte Opalow, „daß die nackte Frauenhaut in der Restaurantbeleuchtung stets naß erscheint?“

„Fehlgeschlagen!“ schnitt Podgurski seine Worte autoritär ab; man sah ihm sofort an, daßer das versteckte Bestreben Opalows, zu gefallen, genau bemerkt hatte und es nun zu verspotten suchte. „Tüfteln Sie was besseres aus. Das war billig. Warum gerade bei Restaurantsbeleuchtung?“

Die weiten, schwarzen Augen blinzelten rasch, doch Opalow gab sich den Anschein, als verfechte er aufrichtig seine Bemerkung.

„Jawohl, gerade bei Restaurantsbeleuchtung ... Und, wissen Sie, das ist auch ganz natürlich: das Licht in Restaurants ist immer von feuchten Ausdünstungen durchtränkt ...“

„Sie schwitzen einfach!“ sprach Podgurski mit unwiderruflicher Entschiedenheit. „Aber das ist sicher: überall, wo es viele Frauen gibt, da riecht es nach Puder, Parfüms und faulem Fleisch.“

„Was Sie sagen!“ Mishujew lächelte.

„Ja, ja — — — das mag vielleicht wahr sein,“ bemerkte Tschetyrjow.

Als die Dame am Nebentisch sich erhob und ihre Federboa fallen ließ, musterte Opalow mit einem Blick ihre ganze Gestalt und sagte zu Podgurski, während er gleichzeitig Mishujew ansah:

„Nun, so sehen Sie hier: wenn eine Frau plötzlich eine Boa fallen läßt, scheint ihr ganzer Rücken für einen Augenblick nackt!“

„Das ist nicht schlecht,“ billigte Podgurski.„Sie sollten es nur Parchomenko erzählen. Der gibt Ihnen Geld für so was.“

„Sie haben neulich, wie ich glaube, gesagt, daß Sie Parchomenko nicht kennen,“ bemerkte Marussin und wurde verwirrt.

„Wirklich? Ja, möglicherweise habe ich es behauptet. Dann habe ich offenbar gelogen,“ erwiderte kaltblütig Podgurski.

Marussin machte den Versuch, ihn anzublicken, begann aber zu blinzeln, errötete etwas, und seine Verwirrung zeigte sich so naiv und aufrichtig, als wäre er und nicht Podgurski beim Lügen ertappt worden.

Und wieder dachte Mishujew mit zarter Liebenswürdigkeit von ihm: was für eine liebe Seele er ist!

„Ich kenne ihn schon lange, noch von Moskau her ...“ erzählte Podgurski. „Niemand kennt ihn vielleicht so gut wie ich ... Hier habe ich ihn!“

Podgurski streckte seine breite, verschwitzte Tatze aus. Und die Bewegung dieser unsauberen Hand mit den schwarzen, stumpfen Nägeln war so klettenartig und gierig, daß alle unwillkürlich auf sie blickten und selbst Mishujew von einem peinlich bangen Gefühl überlaufen wurde.

„Als noch der alte Parchomenko lebte, hielt er den Sohn unter einem strengen Regiment —er prügelte ihn und gab ihm keinen Groschen ... Er pflegte mit zwei Silberstücken à 20 Kopeken auf den Ladentisch zu klopfen: hier nimm und schere dich fort ... Damals suchte dieser Paschka überall nach Geld, gegen falsche Wechsel natürlich ... Dabei liefen wir uns beide in den Weg. Ich kenne solche prächtige Affären von ihm! Ich müßte nur nocheinSchriftstückchen in die Hände kriegen, dann würde ich bei ihm eine Erpressung anlegen, daß er wie ein Ferkel zu quietschen anfängt!“

„Ist das wirklich notwendig?“ fragte Marussin. Da er Podgurski nur mit Überwindung ins Gesicht sehen konnte, blinzelte er wieder mit den Augen.

„Sie kennen den Kerl nicht, Nikolaj Nikolajewitsch! Das ist ein furchtbares Insekt! Ein Reptil voll Gift! Wer es zertritt, dem werden vierzig Sünden erlassen! Platt wie ein Gummischuh, und von einer Niedertracht, daß es für drei Könige und vier Erzäbte ausreichen würde. Was für eine Grausamkeit in dem Aas steckt! Er hat da irgendwo gelesen, daß Kolonialoffiziere in Afrika Negerweiber auf Bretter nageln ließen und auf sie aus Revolvern um die Wette schossen. Was meinen Sie nun — das wurde seitdem sein Traum! Eine Frau zu kreuzigen. Und einmal tut er es sicher noch ... Als sein Vater im Sterbenlag und kein Wort mehr herausbringen konnte, da fühlte sich dieser Paschka Parchomenko vor allen Dingen als Erbe, — er kam ins Schlafzimmer, griff den Sterbenden beim Bart und zerrte daran: Geier, hier hast du eine Belohnung für dein diebisches Leben! ... Und als er die Erbschaft in den Händen hatte, wurde er selber schlimmer als der Alte. Geizig ist der Bursche, wie ein Kettenhund! Dieses Dreckvieh. Millionäre existieren auf der Welt nur, damit man auf ihre Kosten Sekt trinkt; aber dieses Aas taugt nicht einmal zum Sekt!“

„Sie sind wohl fest davon überzeugt, daß Millionäre zu nichts anderem taugen?“ bemerkte Tschetyrjow.

Er fragte es anscheinend zum Scherz, aber alle, und auch Mishujew selbst, fühlten sofort, daß es eine Herausforderung gegen ihn war.

„Und zu was sonst noch, zum Teufel?“ antwortete frech Podgurski, der Tschetyrjows Ton aufgegriffen hatte und offensichtlich einen Skandal hervorrufen wollte.

Opalow blickte Mishujew versöhnlich in die Augen.

„Und welche Meinung haben Sie von Parchomenko?“ fiel er mit zu natürlicher Stimme Podgurski ins Wort.

Mishujew sah ihn von oben herab an undantwortete nicht. Der Haß, der handgreiflich in der Stimme Tschetyrjows, den er als Dichter liebte und achtete, lag, berührte ihn schmerzlich und machte ihn traurig. Mit drückender Ratlosigkeit fühlte er mit einem Mal, daß er von Feinden umgeben war.

„Mir scheint,“ sagte er, während er seine Hände, die auf der Tischplatte ruhten, unverwandt betrachtete, „daß Sie im Irrtum sind: man kann Millionär sein und dennoch zu etwas besserem taugen, als andere mit Sekt zu tränken.“

Tschetyrjow schob ihm seinen hartnäckigen, haßerfüllten Blick entgegen und lächelte kaum merklich. Mishujew zitterte und wurde rot.

„Sie scheinen sich gar verletzt zu fühlen,“ warf Podgurski mit doppelsinnigem Ausdruck ein.

„Ich fühle mich nicht verletzt,“ erwiderte Mishujew und errötete noch mehr. „Ich sagte das nicht, weil ich selbst Millionär bin ... Parchomenko ist eine Ausnahme. Das ist ein degeneriertes Subjekt, wie es in jedem Gesellschaftskreis vorkommen kann. Ich glaube allerdings, daß ein Mensch so oder anders sein kann, ganz unabhängig von dem Geldgewicht seiner Taschen.“

„Sicherlich!“ rief Opalow wieder zu aufrichtig.

„Parchomenko ist kein degeneriertes Subjekt,“meinte Tschetyrjow kühl. „In einem Milieu, wo alles auf Geld aufgebaut, wo alles um Geld käuflich und verkäuflich ist, sind die Parchomenkos eine rein gesetzmäßige Erscheinung. Gerade so muß ein richtiger Millionär sein. Und wenn es andere gibt, so sind die schon eher in ihrer Art degeneriert ... Beispiele lebendigen Widersinns.“

Der Hauch der Feindseligkeit und des nahenden Streites wehte so deutlich aus dieser Stimme, daß Marussin seinen Kopf anhob und rot wurde, und Opalow auf seinem Stuhl zwischen Tschetyrjow und Mishujew in unbestimmte Bewegung geriet.

„Warum gleich?“ fragte Mishujew; ein trauriger Klang lag in seinen Worten. „Ich, z. B. ...“

„Nicht von Ihnen rede ich,“ erwiderte Tschetyrjow achtlos.

„Und wenn es selbst von mir wäre.“ Mishujew sprach leise, ohne die Augen zu bewegen.

„Von Anwesenden wird nicht gesprochen!“ mischte sich Opalow ein. „Das haben Sie wohl vergessen, Fjodor Iwanowitsch!“

Mishujew senkte den Blick noch tiefer und erwiderte noch leiser: „Nein, warum denn nicht ... Mir wäre es äußerst interessant zu erfahren, wie ... Ssergej Maximowitsch, den ich als Dichter liebe und schätze, darüber denkt ...“

Tschetyrjow wurde plötzlich ebenfalls rot.Und ohne ihn anzusehen, verstand Mishujew, daß ihm sein Gegner nicht glaube und meinte, Mishujew suche ihn nur umzustimmen. Das schien ihm noch kränkender. Ein Gefühl der Scham über seine Offenherzigkeit und trauriger Ratlosigkeit überkam ihn. Er hielt Tschetyrjow aus vollem Herzen für einen feinfühligen und ergreifenden Dichter und konnte nicht verstehen, warum ihn dieser nachdenkliche, wahrheitliebende Mensch, der ihn fast gar nicht kannte, bereits haßte und kränken wollte.

Mit schmerzlicher Mühe überwand sich Mishujew und sagte ebenso leise wie früher:

„Ich meine es ganz aufrichtig ...“

Ein warmer, bittender Klang zitterte in seinen Worten.

Marussin wurde gerührt, als er sah, wie ein so großer, starker, lebenserfahrener Mensch sanftmütig zu Menschen spricht, die ihn von sich fortstoßen. Ein leichter Ärger gegen Tschetyrjow regte sich in ihm.

„Ssergej Maximowitsch will wahrscheinlich ausführen,“ sagte er errötend und seine guten Augen aufschlagend, „daß die Anhäufung von Riesenvermögen in den Händen eines einzelnen Menschen ... ein Unsinn wäre ...“

„Na, da hätten wir ja ein Stück aus dem sozialdemokratischenProgramm,“ bemerkte Podgurski spöttisch.

„Der Millionär selbst, wie er steht und geht, als lebender Mensch, ist meines Erachtens ein Unsinn!“ fiel ihm Tschetyrjow schroff ins Wort.

„Was haben Ihnen nur die unglückseligen Millionäre getan?“ Opalow versuchte wieder, das Gespräch in ein friedlicheres Fahrwasser zu bringen.

Aber diese Einmischung erregte Mishujew. Er las in den neugierigen Augen Opalows verstecktes Vergnügen.

„Nein, ich möchte Sie bitten, Ssergej Maximowitsch, sich eingehender auszusprechen,“ sagte er kühl aber zwingend.

Opalow blinzelte unsicher und lächelte ungeschickt.

„Wie habe ich mich noch auszusprechen!“ erwiderte Tschetyrjow düster. „Was ich denke, das habe ich bereits gesagt. Ich halte das Leben von Menschen, in deren Händen sich eine kolossale, ihnen nicht zukommende Macht konzentriert, für sinnlos. Sie können sich doch unmöglich dem Bewußtsein entziehen, daß sie an sich nicht eine Null, sondern noch etwas Tieferes sind ... daß sie ohne ihre Millionen für niemanden mehr nötig sind. Und da ergibt sich dann als logische Notwendigkeit für sie, sich entweder in volles Nichtszurückzuziehen oder diese Macht auszunützen. Wie aber kann sie ausgenützt werden? Was kann Geld, vieles Geld, verschaffen? Ausschweifungen, Gewalt, Luxus ... Es wäre unter solchen Umständen recht sonderbar, wenn man annehmen wollte, daß ein Mensch allem dem leicht entsagen würde, was sich ihm so gefällig und bequem in den Weg stellt. Der Reiche gefällt sich in Ausschweifungen, Vergewaltigungen, ... im Despotismus ...“

„Aber doch nicht darin allein ... Z. B. Tretjakow[1]...“ warf Mishujew leise hin.

„Was war denn Tretjakow,“ schnitt ihm Tschetyrjow schroff das Wort ab. „Ein gleicher Despot wie andere. Ein Mensch, der sein ganzes Leben darauf verwendet hat, einen Druck auf die Kunst in der ihm genehmen Richtung auszuüben. Der eine neue Strömung widerwärtigster Tendenzkunst in Rußland ins Leben rief und die gesunde, normale Entwicklung unserer Kunst für ein Dutzend Jahre aufgehalten hat ...“

Die schwache aber scharfe Stimme Tschetyrjows konnte nur mit Anstrengung gegen den Restaurantslärmankämpfen, sie klang angestrengt und böse.

„Eins von beiden: entweder muß der Millionär, wenn er die Richtung einschlägt, die seiner Lage angemessen ist, ein Mitfresser werden, muß Leben vernichten, indem er ihm allen Saft aussaugt, um selbst anzuschwellen, wie ein Wurm auf dem Aas, oder er muß das bleiben, was er zunächst ist: ein bedeutungsloses Anhängsel seiner Millionen ...“

„Kann denn aber der Millionär nicht selbst ein talentierter Mensch sein, ein Dichter, Maler, Bildhauer?“ fragte Opalow.

„Gewiß kann er es!“ Tschetyrjow zuckte kurz die Achseln. „Aber damit sich das Talent entwickelt, damit es aus sich etwas Größeres macht, sind Kampf und Leiden notwendig ... Was kann einem Menschen Leiden schaffen, dem das Leben ohne jede Mühe die verfeinertsten Genüsse ins Haus wirft. Unsinn ist das!“

„Fjodor Iwanowitsch!“ Höflich fiel ihm der alte Geschäftsführer, der lautlos herangetreten war, in die Rede: „Sie werden ans Telefon gebeten.“

Tschetyrjow verstummte plötzlich, und seine Augen wurden sonderbar eingezogen, als wenn er in sich seine wütende Rede in Gedanken weiter hielt.

„Wie?“ fragte Mishujew, der nicht gleich verstanden hatte, um was es sich handelt.

Sein Gesicht war blaß und traurig; ein schmerzlicher Ausdruck lag um seine traurigen Augen.

„Der Herr Parchomenko bitten Sie ans Telefon.“

„Ja, bei manchem mögen Sie vielleicht recht haben,“ sagte Mishujew, ohne Tschetyrjow anzublicken, „und ich verstehe Sie sehr gut, aber ... brutal ist es, wissen Sie! ... Entschuldigen Sie, meine Herren, ich komme gleich ...“ schnitt sich selbst das Wort ab und folgte dem Kellner.

Wieder begleiteten ihn neugierige Blicke, während er sich zwischen den Tischen durchschob.

Parchomenko forderte ihn auf, in ein Restaurant außerhalb der Stadt zu kommen; auch eine Chansonettensängerin Emma, die Mishujew ebenfalls flüchtig kannte, sollte dort sein.

„Und Maria Sergejewna?“ fragte Mishujew mechanisch.

„Maria Sergejewna ist nach Hause gefahren,“ antwortete der unsichtbare Parchomenko.

„Schön,“ antwortete Mishujew ebenso mechanisch.

In der Telefonzelle war es schwül und finster. Mishujew schloß die Augen und lehnte sich gegendie Wand. In seinen Ohren klang noch immer die schwache, haßerfüllte Stimme.

„Ja ... vielleicht hat er wirklich recht ... Aber weshalb dieser Haß! ... Warum sieht er das nicht ein? ...“

Mishujew führte seinen Gedanken nicht zu Ende. Er fühlte, wie sich sein Herz schmerzlich und trübe zusammenpreßte.

Als er zum Tisch zurückkehrte, waren Tschetyrjow und Marussin schon dabei, sich zu verabschieden.

... Zwischen ihm und Millionen Menschen werden immer Millionen Rubel stehen, und: entweder muß er ein Einsamer oder eine Bestie werden. Ein Widersinn, der in sich selbst sein Verderben trägt ...

Als Tschetyrjow Mishujew erblickte, brach er sein Gespräch kurz ab und sah ihm mit kühler, herausfordernder Entschlossenheit entgegen.

„Sie gehen schon fort?“ Mishujew zwang sich die Frage ab.

„Ja.“

„Vielleicht sehen wir uns noch wieder?“ fragte er weiter, während er zwei Hände drückte. Die eine zitterte in Erregung, die andere vor Spannung und Krankheit.

„Vielleicht,“ antwortete Tschetyrjow kühl,und aus dieser Antwort wehte sein unversöhnlicher Haß noch härter und kälter heraus.

Mit unbegreiflicher Erwartung blickte Mishujew in das Gesicht Marussins. Aber es war verwirrt, und die guten, offenen Augen blickten fremd in die Ferne.

Eine furchtbare Gefühlsaufwallung schnürte Mishujew die Kehle zusammen. Es war Qual und Schmerz und plötzliches, glühendes Verlangen, etwas entsetzlich Böses zu tun, ihnen zu zeigen, daß er dennoch stärker ist als sie und sie wie Unkraut auf dem Wege zertreten, verkrüppeln kann. Aber der Drang verlor sich ebenso schnell wie er herangebraust war, und als Mishujew den Fortgehenden nachblickte, war sein Gesicht nur blaß und eigentümlich, wie bei einem Menschen, der den Tod in sich trägt.


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