54.Wie wir zur Zigarre kamen.

54.Wie wir zur Zigarre kamen.

Das schon die römischen Soldaten ein Pfeifchen zu schätzen wußten, haben wir in einem früheren Artikel gehört. Sie mußten sich mit Lawendel, Hanf oder ähnlichem begnügen. Den Tabak lernten wir erst nach der Entdeckung Amerikas im Jahre 1497 kennen.

Die Amerikaner rauchten ehemals den Tabak aus Pfeifen, deren Rohre in zwei Spitzen ausliefen. Diese steckte man in die Nase, um so den Rauch einzusaugen. Daß man aber auch die Zigarre schon vor der Entdeckung Amerikas kannte, zeigt der hier abgebildete Außenpfeiler an der ehemaligen Stadt Palenque in Mexiko. Man sieht einen Gott oder einen Priester des Maya-Volkes in den Stein gehauen, der eine gewaltige Zigarre im Mund hält, und ihr große Dampfwolken entströmen läßt. Noch heute findet man auf den Philippinen die riesige Familienzigarre, an der alle, vom kleinen Kinde bis zur Urgroßmutter des Hauses, saugen. Auch jedem eintretenden Gast wird die Familienzigarre ohne weitere Förmlichkeiten in den Mund gesteckt.

In Europa wurde die Zigarre erst ziemlich spät bekannt, und zwar durch die Holländer. Wohl die früheste Nachricht findet sich in einem Wörterbuch vom Jahr 1735: „Seegars sind Tabaksblätter, die so zusammengerollt werden, daß sie sowohl zur Pfeife als auch allein brauchbar sind.“ Fünfzig Jahre später wurde das öffentliche Zigarrenrauchen in einzelnen Städten von Amerika bereits bestraft. So heißt es in der Polizeiverordnung von Newburyport: „Jede Person, die Pfeife oder Sergars rauchend auf den Straßen und Plätzen, Alleen, Werften befunden wird, verfällt einer Strafe von zwei Schilling für jeden einzelnen Fall.“

Mexikanische Darstellung der Zigarre, vor 1490.

Mexikanische Darstellung der Zigarre, vor 1490.

In Deutschland versuchte Hans Heinrich Schlottmann in Hamburg die Zigarrenfabrikation, die er in Spanien kennen gelernt hatte, im Jahre 1788. Damals wurden von Hamburger Seeleuten vereinzelt Zigarren in Hamburg geraucht. Das SchlottmannscheUnternehmen ging so schlecht, daß er sein Fabrikat verschenken mußte, um es bekannt zu machen. Erst als mehrere Schiffe Zigarren aus Amerika brachten und Abnehmer dafür fanden, ging es mit Schlottmanns Unternehmen besser. Es dauerte aber noch bis zum Jahre 1796, ehe die Zigarre ein Bedürfnis des Hamburger Rauchers geworden war. Wie wenig bekannt die Zigarre vor hundert Jahren im übrigen Deutschland noch war, sieht man aus den ersten Auflagen des Brockhaus’schen Konversations-Lexikons: „Cigarrossind Blätter, welche man zu fingerdicken hohlen Cylindern zusammenrollt, und dann an einem Ende anzündet, mit dem andern in den Mund genommen und so geraucht werden. Ob aber dadurch den Rauchern der Geschmack veredelt oder verbessert werde, ist wohl nicht gut zu bestimmen, eben weil es — Sache des Geschmackes ist.“

Kürzlich mußte die Postbehörde vor der Versendung von Zigarren mit Selbstzündern warnen, weil diese neue Art feuergefährlich ist, und die Feldpost gefährdet. Diese Selbstanzünder tragen an der Spitze eine Zündmasse. Reibt man diese auf einer rauhen Fläche, so setzt sich die Zigarre in Brand.

Wie neu diese Selbstzünder sind, kann man in Zeitschriftenartikel des Jahres 1835 nachlesen, wo sie damals beschrieben werden.


Back to IndexNext