90.Wallgucker und Opernglas.

90.Wallgucker und Opernglas.

Im heutigen Stellungskrieg spielt der alte Wallgucker wieder eine große Rolle als — neue Erfindung.

Der berühmte Danziger Astronom Hevelius gab im Jahre 1637 ein Instrument an, das er „Polemoskop“ oder Wallgucker nannte. Es bestand, wie heute, aus einer Röhre, an der oben und unten je ein Spiegel saß. Hob man die Röhre mit ihrem einen Ende über den Rand des Walles, so konnte man, ohne den Kopf herausstecken zu müssen, im Spiegel am untern Ende alles sehen, was vor dem Wall geschah.

Aber nicht nur, daß dieses heute wieder so beliebte Instrument schon Jahrhunderte alt ist, interessiert uns als Kuriosität, noch mehr, daß aus diesem ehemals das „Opernglas“ hervorging.

Im Jahre 1755 beschrieb nämlich der Mathematiker Kästner den alten Wallgucker unter der Bezeichnung „Operngucker“. Man sollte sich des Instrumentes im Theater bedienen, um von seinem Platze aus, ohne sich zu regen, rings Umschau halten zu können. Das Rohr war sehr kurz gebaut. Man hielt das Ganze in der Hand verborgen vor ein Auge und konnte nun, indem man das Rohr langsam drehte, unter sich, nach links, nach oben und nach rechts in die Logen schauen. Kein Mensch wußte, wohin man sah, weil es den Anschein hatte, als sehe man geradeaus auf die Bühne; bei den Damen waren diese Gläser damals bald beliebt.

Unser heutiges Opernglas — aus dem später der Feldstecher hervorging, entstand aus der Vereinigung zweier Fernrohre. Man versuchte solche Instrumenteschon im Jahre 1609 zu bauen, doch führten sie sich erst 1823 unter dem Namen „Doppel-Theater-Perspektive“ ein.


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