Wirtraten in das Häuschen ein.
Das untere Stockwerk enthielt nur einen einzigen Raum. Weiche Bastmatten bedeckten den Boden, einige niedere Ruhebetten, gleichfalls mit Bastmatten überzogen, standen an den Wänden. Nur weniges Gerät sah ich. Es erschien mir fremdartig, aber jedes einzelne war edel in der Form und offenbar von gutem Material.
Meine Gastfreundin führte mich durch den Raum. Im Hintergrunde ging eine kleine Treppe in die Höhe. Wir stiegen hinauf, wo im oberen Stockwerk einige nur mit hellen Vorhängen verschlossene Türen auf einen gemeinsamen Vorraum führten.
Sie schob den Vorhang einer der Türen beiseite und lud mich mit einer Handbewegung zum Eintreten, und mit einer anderen zum Platznehmen auf einem sauberen Bette ein.
Dann holte sie von anderer Stelle eine große wollene Decke, eine Schüssel mit köstlich ausschauenden fremdartigen Früchten,einen Teller mit feinem weißen Brot und ein Glas mit Honig. Endlich trug sie eine hohe kristallene Karaffe goldfarbigen Weines und ein schön geschliffenes Glas herein.
Das kleine Mahl richtete sie auf einem neben dem Bette stehenden niederen Tische her.
Ich saß währenddessen regungslos und sah ergriffen der Anmut ihrer Hantierungen zu. In heiterer Gelassenheit schritt sie ein und aus, einer jugendlichen Königin gleich. Alles an ihr leuchtete in Schönheit, Reinheit und Harmonie. Wie ihre über alle Begriffe vornehmen Hände die Gegenstände anfaßten, war reinster Gleichklang.
Als sie alles beieinander hatte, breitete sie beide Hände aus, machte lächelnd eine kleine Verbeugung und ging stumm hinaus. Ich war dankend aufgestanden.
In der Tür aber besann sie sich, kehrte noch einmal zurück, trat vor mich hin und sah mir abermals mit ihrem fragevollen tiefen Blicke in die Augen. Dann schüttelte sie leise den Kopf, als verstünde sie etwas nicht, und sprach ein einziges kleines Wort, das gleicheiner winzigen Melodie erklang, mir aber unverständlich blieb.
Ich zuckte höflich bedauernd die Schultern. Sie lachte fröhlich, zeigte mit beiden Händen auf sich, verneigte sich ein wenig und wiederholte: „Irid“. Dann wies sie fragend mit dem Finger auf mich.
Ich verstand. Es war ihr Name. Und sie wollte den meinen wissen. Ich nannte ihn und kopierte dazu ihre Bewegungen: „Markus“.
Ich mußte das Wort noch einmal wiederholen. Dann sprach sie es mit ihrer melodienreichen Stimme lachend nach, nickte mir zu und ging, den Vorhang hinter sich schließend, hinaus. –