BETTLERFRECHHEIT
Es ist doch selbstverständlich, daß ein Bettler, der in einem palastartigen Zinshause im ersten Stocke schüchtern-bescheiden anklopft oder vielmehr auf den elektrischen Knopf kurz drückt und in äußerster Zerknirschung um ein Stückchen Brot bittet, es erwartet, daß man ihm ein Beefsteak mit Spiegelei und extra eine Krone bar hinausreiche.
Sollte aber jemand naiverweise den Wunsch nach einem Stückchen Brot à la lettre erfüllen, so darf er sich über die vollständig korrekte Antwort nicht wundern: »Dös können’s selber fressen!«
Daher zeugt die Art, ohne demütig zerknirscht anzuklopfen, sondern ernst und in gerader Haltung 1000 Kronengeborgtzu verlangen, von tieferer Menschenkenntnis; denn hier klammert sich das Opfer der »ungerecht verteilten Lebensgüter im Dasein« wenigstens an diese letzte Hoffnung: »Er wird zurückzahlen, falls er kann — — —.« Nein, Esel, falls er will! Aber er will nie, nie, nie. Denn wenn er die Kraft mitbekommen hätte von seines Gehirnes Gnaden, zurückzuzahlen, so hätte er auch vor allem die Kraft mitbekommen, so sparsam zu leben, daß er nie in eine so verzwickte, also bereits derUnanständigkeitund demBetrugenahe Lage gebracht worden wäre!