Chapter 2

Mein Vater ist tot! Pfaff, laß dein Plärren!Du höhnst den Toten. Du lästerst den Herren!

Naemi

zuHolger

zuHolger

Du schweigst! Ich will es! Jedes freche Wortwirft rechtlos Schmerz und Schande auch auf mich.Ich ging aus eignem Wunsch und Willen fort,was kümmern meines Lebens Zeichen dich?

Holger

zuNaemi

zuNaemi

Sprich nicht von Recht. Die Pflichten, die mich schlagenund leiten werden, gabst nicht du mir ein.Soll ich ein Weib nach meinen Rechten fragen?Das ist der Schwachen Art und Tugendschein.

Naemi

weicht vor ihm zurück

weicht vor ihm zurück

Ich fürchte deine Drohung, deine Machtso wenig, wie ich deine Rechte kenne.Kein Band, kein Wort, kein Blick ward dir gebracht,daß ich dich mehr als meinen Bruder nenne.Und wahrlich hast als Bruder du mißbrauchtdie Liebe, die ein arglos Kind dir schenkte.

Holger

Dem Herzen, das aus Liebeseifer kränkte,hat noch kein Zorn zur Schande je getaugt.War ich als Bruder milde, nun wohlan!Erfahre, wer ich bin als Herr und Mann.

Er zieht sie zu sich hinüber

Er zieht sie zu sich hinüber

Naemi

befreit sich

befreit sich

Schmach über jeden, der des Leibes Kraftals Wert für seiner Seele Schwäche setzt!

Holger

Was eurem Leib die rechte Seele schafft,das hat noch jedes Mannes Blut ergötzt.

ZuArne

ZuArne

Und nun, Herr Pfarrer, rührt Euch nicht die Notdes armen Schäfleins vor des Wolfes Rachen?Hier herrscht das Leben, dort der große Tod,nun leitet den bedrängten Lebensnachengerecht hindurch, nach göttlichem Gebot!

Arne

Bin ich berufen, euren Streit zu schlichten,ließt ihr mich holen, um mich anzuklagen,wo die Natur schon längst mit Kraft entschied?Ihr habt es leicht, von eurem Leid zu sagen,ich kann von meiner Mühsal nicht berichten,nicht, was mein Herz mit Leidenschaft vermied.Wer sagte euch, daß, wenn ich euch gefiele,ich Gott im Himmel nicht mit Schuld betröge,wenn ich mein Herz in eure seichten Spieleund mein Gefühl in eure Trauer zöge.Oh, tief gebeugt von meiner strengen Pflicht,an deren Recht ich nur mit Zweifeln glaube,fühl ich aufs neue, daß ich euch beraube,wo ich euch gebe, helfen kann ich nicht.

Holger

Ihr seid ein Pfarrer, wie ihn Gott erschaffen!

Arne

Mißt du den Wert des Gegners an den Waffen?

Holger

Nicht an den Waffen, aber an den Taten.

Arne

Wer hat dir meines Handelns Sinn verraten?Dank deinem Schöpfer, daß du arm und starkdein Dasein lebst in Mißgeschick und Freude.Im Leiden stolz, im Jubel ohne Arg.Du, den ich heiß um jeden Schmerz beneide.

Er wendet sich zum Gehen.

Er wendet sich zum Gehen.

Naemi

hält ihn auf

hält ihn auf

Was könnte jemals meinem Leben seindie flache Kraft, die deinen Zwiespalt höhnt?Sieh, meiner Seele Zuflucht ward alleindein ruhlos Herz, von keinem Glück versöhnt.Schließ mich in Schuld und Zweifel einund in das Schicksal, das dir frommt.Nie könnte meine Freude sein,was nicht aus deinen Händen kommt.

Sie wirft den Mantel umArne, undbeideeilen hinaus.Holgereilt ihnen nach, bleibt aber in der geöffneten Tür stehen und schaut ihnen ohne Entschluß im Bann der letzten Worte Naemis nach. Der Sturm dringt ins Haus.

Sie wirft den Mantel umArne, undbeideeilen hinaus.Holgereilt ihnen nach, bleibt aber in der geöffneten Tür stehen und schaut ihnen ohne Entschluß im Bann der letzten Worte Naemis nach. Der Sturm dringt ins Haus.

Der Küster

Ich stand, mein Herr, nur schuldlos in der Mitte,laßt mich hinaus, mein Herr, ich bitte.

Holgertritt zur Seite und läßt ihn vorüber. Der alteJörgensinkt auf die Bank am Kamin.

Holgertritt zur Seite und läßt ihn vorüber. Der alteJörgensinkt auf die Bank am Kamin.

Holger

an der Leiche seines Vaters

an der Leiche seines Vaters

Oh Schmach der Liebe, nun mit Schmerz gepaart,in dem die letzte Zuflucht mir versank,daß nun die Heimkehr, meiner Jugend Dank,zu dir, mein Vater, mir genommen ward.Ich fasse über deiner Augen Stilleund bleicher Ruhe die Verlassenheitzum ersten Mal, eh’ noch der arme Willezu einer eigenen Zukunft recht bereit.Zum Abgrund wird nun die Vergangenheit,kein pochend Herz eint mich dem Ursprung mehr,daraus ich kam. Die Zukunft stürmt den Mannam Rand des Abgrunds ungebärdig an,und läßt ihm keinen Weg, als den: voran.Und machtvoll höhnt ihr mitleidsloser Schritt:Nimm deinen Schmerz zum eignen Grabe mit.

Ende des ersten Aufzugs

Ende des ersten Aufzugs


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