Zweiter Aufzug

Zweiter AufzugIm Pfarrhaus von Norby.Naemi.Arne.NaemiVon allem unberührt, was uns bewegt,erstrahlt der Sommerhimmel überm Meer.Das blaue Wasser, das kein Wind erregt,schickt seine tausend Lichter zu mir her.Wie seltsam durch den Gleichmut der Naturstürmt unser übereifrig Tun und Hastenund läßt doch von uns allen keine Spur.Sag, ist es nicht, als ob selbst unsere Lastenund Lust, die wir als unser Teilzu tragen glaubten, sich einst Anderen geben?So still verhallt das ernste, eigene Leben.ArneDu denkst an deines alten Vaters Tod,lebt er nicht fort in deinem Leid, mein Kind?Erinnerung ist ein heiliges Gebot,und die Natur ist treuer als wir sind.Sieh, selbst die Einfalt weiß von dieser Pflicht.Oh, wie viel mehr kennt sie der Geist im Licht.Doch sich zu gründen, aller Welt zum Dank,bleibt allen Geistes höchster Lebenshang.NaemiDu sendest dein Verlangen in ein Reich,in das mein Herz nur zögernd folgen kann.Was, sag mir, unterscheidet Weib und Mann,was macht sie unter Gottes Augen gleich?Wie soll mich selbst die höchste Lust beglücken,weiß ich dein Herz vor meinem auf der Flucht,wenn meine Seele nicht in allen Stücken,der deinen ähnlich, ihre Heimat sucht?ArneWie ahnst du lieblich den gespaltenen Sinn,um dessen Harmonie ich ruhlos ringe,doch schon, wenn ich dir meine Zweifel bringe,geb ich mich wieder neuen Kämpfen hin.Des Weibes Tugend und des Mannes Wertverbindet irdisch kein bestehend Recht.Gelobt sei, wer im Schicksal sich bewährt,des Weibes Schicksal aber heißt Geschlecht.NaemiSo sieh in meinem Schicksal meine Tugend!Ich habe keinen andern Rat für dich.Geb ich nicht willig meine ganze Jugendund will nicht Preis noch Dank von dir für mich?Nur sag mir, daß ich innig dich erfülle,gib mir den Trost, daß ich dir alles bin.Ach, mich beseligt schon dein Wunsch und Wille.ArneMein Wunsch zu dir ist meiner Sehnsucht feind.Du lenkst den Sinn zu fröhlichem Genügen.Den warmen Wohlstand, der die Menschen eint,sah ich noch nie in eines Kämpfers Zügen.Was kränkt mein Herz, verbittert meinen Mund,dir meine Liebe fröhlich zu gestehn?Von Furcht und Scham in tiefster Seele wund,bin ich bestimmt, allein den Weg zu gehn,der mich zu Gott, nach meiner Hoffnung führt.Und weiß, indem ich deine Liebe quäle,sucht doch allein nach Liebe meine Seele,von deinem Leid zu wehem Glück gerührt.NaemiDie Elemente, welche Gott verklären,sind wohl in allem, was da lebt und schafft,jedoch die Liebe nicht. Sie ist als Kraftnicht mehr als Licht und Wind auf toten Meeren.Erst als Gemeinschaft kann sie sich bewähren.So sage mir den einen großen Sinn,das letzte Ziel, nach dem die Guten streben.Wie soll ich anders werden als ich bin?Was gibt es mehr für mich als liebend leben?ArneIch habe keinen andern Sinn gefunden,als den, in jener Harmonie zu ruhn,in welcher Unschuld mit Geduld verbundendie lichten Wunder neuer Hoffnung tun.Und diese Hoffnung führt zuletzt zu Gott,und nicht Natur noch Geist umfaßt ihn voll,du wirst ihn niemals ungewiß umschreiben.Er ist ein Schöpfer, und er wird es bleiben!Wahrhaftig wesenhaft und liebevoll.Im ewigen Wechsel wird kein Herz befreit,Gott ist als Wesen Sinn der Ewigkeit!Es ist nicht Einfalt, die sich sinnlos beugt,die solchen Glauben tief in mir erzeugt,es ist mein Anspruch, dem die Welt zu klein,ich will des ewigen Vaters Erbe sein.NaemiWem sich das Liebste, was er sucht und meint,in tiefster Seele nicht als Gott vereint,der schließt Natur als arm und böse ausund schilt die Heimat in des Vaters Haus.Vergib, Geliebter, wenn mein hartes Wortals unverständig dein Gemüt verwundet;ich treib die Kraft, an der mein Blut gesundet,nicht von der Schwelle meiner Seele fort.ArneGesegnet sei, was ich als schön empfinde,gesegnet die Natur im hellen Bilde.Ach, daß die Seele, wie bei einem Kinde,den Durst nach Gott in Spiel und Schlafen stillte!Doch die Natur erlöst nicht durch ihr Wesen,wer sie versteht, dem wendet sie den Sinnauf die Gemeinschaft mit dem Schöpfer hin,von dessen Herrschaft er in ihr gelesen.Zum Zeitlichen, zum Irdischen geschicktmit allen Sinnen und mit Kraft begabt,hab’ ich in Kampf und Leiden Gott erblickt,wie ihr ihn nie im Glück gesehen habt!Und leuchtend lockt dies herrliche Gesichtden Geist zu Heimkehr, Frieden und Verzicht.NaemiGib nicht das Gold von Lust und Freude hin!Des irdischen Lebens lichten Himmelsboten.Glaubst du, ich fühlte nicht, wie bang dein Sinnund stolz zugleich, den quälenden Gebotender zeitlichen Gerechtigkeit gehorcht?Doch wer die Ruhe vom Gewissen borgt,der findet sie erst dort, wo keine Schrankendie Seele ziehn vom lieblichen Gedanken.ArneDort seh ich alles, aber dich nicht mehr.Komm nah heran, laß mich den blauen Glanzaus diesen hellen Augen innig trinken.Oh, einmal bis zur Ohnmacht zu versinken!Daß sich in reiner Glut der blasse Kranzunendlicher Gedanken, wie im Meerein Samenkorn, zu ewiger Ruh verliert.NaemiAch, lerne preisen, was dich so verführt!Ich hörte einst aus ur-uralten Sagender Priesterinnen, meiner Schwestern, Pflicht,die heilige Glut, das Feuer, zu bewahren.Ich lobte sie, doch ich verstand sie nicht.Erst heute fühl ich jene Menschheitsrechte,die ihrer Reinheit, ihrem Maß vertraut.Ach, daß der Altar, den mein Herz gebaut,auch deinem Leben Glück und Wärme brächte.ArneBewundernd lausch’ ich, Mädchen, dem Geschick,wie dein Geschlecht der Erde Sinn verwaltet.Solang ihr wirkt, ist keine Welt veraltet,als gäbe es kein Glück, als euer Glück ...Die heiligen Pflichten jener Priesterinnenglühn anderen Werten, als dem Licht des Bluts.Wahr’ mir die Feuer meiner Seele rein,so sollst du ewig mir verbunden sein!NaemiSo sag mir, welche Macht des Wesens tuts?Die Priester nenn ich pfäffisch, welche scheiden,was Blut und Seele, eng verwoben, leiden,und was sie freut. — Ich ahne, die Naturwird furchtbar wider deine Weisheit drohn,und ihre Bahn geht meine Leidensspur.ArneDu sprichst der Not der tiefsten Zweifel Hohn.NaemiUnd du vergißt, daß deine hohen Pflichtennicht meine sind. Zu jung noch zum Verzichten,zum Kampf durch unverstandenen Wert beschränkt,seh ich dich, durch dein eigenes Schwert bedrängt,die guten Kräfte deines Geists vernichten.Mir war im Traum, als säh ich eine Zeiterneuter Offenbarung glühend nahn.Du hast ihr weit die Tore aufgetan,doch Andere schmeckten ihre Herrlichkeit.Ich sah dich über deine Fahne sinkenund sah die Erde, die dich treu begehrt,mit gierigem Mund dein Blut und Leben trinken,wie wenn dein Wille ihr ein Recht verwehrt.Espocht. Der Kirchenrat tritt auf.Der KirchenratSo hab ich, lieber Herr und Amtskollege,nach mancher Drangsal doch hierhergefundenund grüß Euch herzlich. Aber welche Wege!Die armen Pferde wurden arg geschunden.In meinem Alter ist es nicht mehr leicht.Ich bin erfreut, da nun das Ziel erreicht.ArneIhr kommt zu seltsam abgepaßter Zeitund findet mich, Euch günstig, vorbereitet.Merkwürdig innig zu mir selbst verleitetund doch zugleich wie von mir selbst befreit.Naemizum KirchenratDaß kein Empfang am Tore Euch geehrt,woll’ uns der Herr in Freundlichkeit verzeihn.Nach herzlichem Willkomm sei mir gewährt,für kurz zu gehn um Brot für Euch und Wein.Ab.ArneSo seid begrüßt und fühlt Euch wohl verwahrt.Wenn Ihr von Eurer mühevollen Fahrtnicht gar zu sehr ermüdet seid, Herr Rat,so sagt mir bald, was sie veranlaßt hat.Ich kenn Euch wohl aus längst verstrichenen Zeiten,da mir noch Wissen mehr galt als Verstand.Was konnte Euch zu dieser Fahrt verleitenin dieses von der Welt vergessene Land?Der KirchenratFragt Ihr, Herr Pfarrer, nach der Reise Ziel?Ward nicht so manches Schreiben Euch gebrachtund eine Antwort uns, bei der wir vielund sorgenvoll an Euer Wohl gedacht?ArneNehmt meine Frage nicht, wie sie erscheint,nehmt sie als Antwort und als wohlgemeint.Daß ich sie stellte, mag dem Wunsch entstammen,es führte uns ein anderer Grund zusammen.Naemitritt auf.NaemiVergebung, wenn ich störe. Dieser Weinwird sicherlich den Herren willkommen sein.Er soll den Ernst der allzu frommen Redenein wenig durch den Geist der Welt befehden.Wenns mir erlaubt ist, einzuschenken?Der KirchenratWie lieb und artig, so an uns zu denken,mein junges Fräulein, gebt mir Eure Hand.Seid Ihr aus diesem Ort und Land?NaemiIch bin es nicht. Das Meer hat mich geboren.Ihr dürft nicht lächeln, denn ich rede wahr.Vor Jahren war mein Schiff in Seegefahr,auf jenen Klippen gings bei Nacht verloren.Ich weiß nur wenig aus der bösen Nacht,die mit mir litten, sind zur Ruh gebracht.Am Morgen schien die Sonne auf den Strand.Ein bärtig Haupt und eine starke Handerkannte ich und fühlte mich getragen.Der alte Oerlsund, der vor wenig Tagengestorben ist, trug mich zurück ins Leben.Der KirchenratWie hold Ihrs sagt! Das hätte sich begeben?!Ich werde meiner Rührung mühsam Herr.Und Eure Heimat kennt Ihr wohl nicht mehr?NaemiIch weiß nur dies: sie liegt im hohen Norden,zuweilen seh ich Berge, wenn ich träume.Dies Land ist meine Heimat nun geworden.Jedoch, Herr Rat, ich bin besorgt, ich säumezu lange hier und halt die Herren auf.Der KirchenratIch möchte Euch um alles nicht vertreiben.Da ich genötigt bin, hier Gast zu bleiben,hab ich die Hoffnung auf ein Wiedersehn.NaemiIch wünsche herzlich, daß die Diskussionnicht zu gelehrt wird, um den Gast zu ehren.Ab.Der KirchenratIch muß gestehn, Herr Pfarrer, diese Redescheint mir ein schöner Lichtblick dieser Öde.Wie kommt es, daß ein Mann in Euren Jahrenfür seine Wirksamkeit sich hier versteckt?Ihr lebt hier ja wahrhaftig mit Barbaren.Gewiß, gewiß, ein Pfarrer ist auch hiervon Nöten, doch, bei Gott, nicht Ihr!Für einen Mann von Euren reichen Gabenkann hier kein Einziger Verständnis haben.Nun wird mir klar, daß, wie gesagt,der Ort und die Gemeinde sich beklagt.ArneZwar habt Ihr es noch nicht gesagt, Herr Rat,doch weiß ich wohl, was Euch bewogen hat,die sorgenschwere Fahrt zu übernehmen.Nehmt doch, ich bitte Euch, dort den bequemenund alten Sessel, daß des Leibes Ruhedem Gang des Geistes gute Dienste tue.Und was den Ort und mich darin betrifft,und was Ihr allgemein nicht ganz begrifft,laßt Euch berichten, daß die Einsamkeitder ernsten, weiten Küste mich verlockt.Hier, wo der Puls des lauten Lebens stockt,lausch ich dem Widerhall der Ewigkeit.Ich bin gewiß geneigt Euch anzuhören,doch eins sei in Respekt vorausgeschickt:Ich lasse mich sehr ungern hierorts stören.Der KirchenratMir scheint, wir nähern uns schon dem Konflikt.Doch hoffe ich, es geht im Lauf der Zeitvielleicht mit etwas zartrer Höflichkeit.ArneDie Höflichkeit wird uns nur hindern, Herr,sie wird in dieser Lage von uns Zweidoch nur ein Mittel, um den heißen Breibis zur Erschöpfung ängstlich zu umkreisen.Ich hörte sie von guten Köpfen preisen,hier sind mir diese Köpfe einerlei.Sagt frei und offen, was Ihr denkt und wollt,versucht zu fassen, was Ihr hören sollt.Der KirchenratEin sonderbarer Mann seid Ihr, nur Jugendkennt soviel Gleichmut gegen das Geschick,doch nur die Jugend hat zugleich das Glück,und Wagemut ersetzt ihr oft die Tugendder ernstlichen Besinnung, der Geduld.Doch eines Mannes Trotz wird rasch zur Schuld,wenn er die sittliche Gemeinschaft stört.Ich muß gestehn ...ArneSagt mir, was Ihr gehört.Es wird Euch schwer? Ich nehme gerne an,daß oft nur Zartgefühl Euch hindern kann.So will ich mich aus Höflichkeit bequemen,Euch einen Teil der Rede abzunehmen:Man hat gehört, es kam den Herrn zu Ohren,in Norby sei der Pfarrer obstinat,die Seelen gingen unter ihm verlorenwie unter Hagel Kohl und Kopfsalat.Nun kurz und gut, daß seine Kanzellehremit keinem Dogma zu vereinen wäre.Der KirchenratDas wäre schließlich dennoch zu vergeben,wenn Ihr es ändert ...ArneAber nun sein Leben!Es stieg aus seines Daseins Finsternisein beispiellos verruchtes Ärgernis.Man sagt, daß er ein Fräulein bei sich hätt’und ließ sie Tag und Nacht bei sich verweilen.Er teilte mit ihr Haus und Tisch und Bett,kurz alles, was sonst Eheleute teilen.Und trotz der eklatanten Unmoral,um nicht von Hurerei und Schmutz zu sprechen,erteilte er den heiligen Pokalvor der Gemeinde schamlos dieser frechenund kecken Dirne. War es dies, Herr Rat?Der KirchenratIch bin erschrocken — aber — in der Tat.Nur hätte ich das niemals so gesagt.ArneIch glaube wohl. Ihr hättets kaum gewagt.Der KirchenratNicht ohne Dank seh ich den schwersten Teilder Unterredung glücklich überwunden.ArneDer zweite wäre, daß ich nun mein Heilzu retten hätte. Aber unumwundenmach ich mir Eure Wahrheit gern zur Pflicht:Es ist kein falsches Wort an dem Gerücht.Der KirchenratMein Gott im Himmel! Seht mich sehr erschreckt.Es ist unmöglich, was Ihr mir entdeckt.ArneSoll ich Euch diese Zweifel jetzt vertreiben?Ich glaube, dazu bin ich schlecht geschickt.Ihr müßt nun schon bei der Verpflichtung bleiben,mit der man Euch zu mir herausgeschickt.Der KirchenratSo ist es wahr? Wie tief bin ich betrübt.Mit wieviel Hoffnung hab ich Euch begrüßt,und was mich ernst und bitterlich verdrießt,ist dieser kecke Hochmut, den Ihr übt.Da sinkt dem Mut die letzte Liebeswaffe,ich zweifle, daß ich jemals Wandel schaffe.ArneSo werdet Ihr Euch sicher nicht verhehlen,das Beste bleibt, sich wieder zu empfehlen.Der KirchenratMich Alten mögt Ihr rasch und leicht vertreiben,doch nicht die Welt, die gegen Eure prallt.Seid unbesorgt, ich will am Posten bleiben,und wenn mir Satan selbst die Fäuste ballt!Ich weiche nicht von dieser argen Stätte,bis ich des Übels Wurzel nicht gefällt. —Wenn ich nur gründlich die Gewißheit hätte,daß Ihr so gottlos seid, wie Ihr Euch stellt.ArneDa Ihr in mir ein Kind des Satans seht,bedenkt Euch wohl, bevor Ihr weitergeht.Galt nicht von je für Euch als Ehrenzeichen,dem Bösen nach Vermögen auszuweichen?Der KirchenratIhr seht mich zornig. Hört zunächst, ich wähne,das liebe Fräulein von vorhin ist jene ...ArneMuß denn zur Sache noch gesprochen werden,laßt die Personen gütigst aus dem Spiel.Der KirchenratIhr braucht Euch nicht verletzend zu gebärden,der Gegenstand besagt zur Sache viel.Sagt mir nur eins, aus welchen bösen Gründenverweigert Ihr, Euch ehelich zu binden?In der Gewöhnung mütterlichem Segenwird sich der Geist der Widersprüche legen,der Euch verwirrt. Still gleicht die Glut sich ausund wärmt das Dasein, wärmt das ganze Haus.Ihr könnt Euch doch den großen Menschheitspflichtennicht auf die Dauer ungestraft entziehn.Des Herzens Wohlstand kommt mit dem Verzichten,in Maß und Demut fördert Gott uns ihn.ArneWärt Ihr mir nicht Repräsentantder flachen Mächte, die wir hassen,ich hätte längst mich abgewandtund Euer Glück in Ruh gelassen.So will ich Euch denn eine Antwort sagenund nicht erwägen, wer sie just empfängt.Nicht nur durch Weise läßt ein Schatz sich tragen,wenn Not gebietet. Alles Wahre drängtganz unerbittlich, trotz Gefahr und Bandenallmählich doch dorthin, wo es verstanden.Der KirchenratIch muß gestehn, das Wort war wenig fein.ArneNehmts nicht persönlich, nehmt es allgemein,versucht es meiner Einsicht zu verzeihn.Wie leicht vergibt nicht, wer verstehn kann,die Schwierigkeit fängt erst beim Zweifel an.Der KirchenratIhr sprecht so eigenartig in Symbolen.Wozu das Bild aus weiter Ferne holen?Auch ist mir oft, ich weiß nicht wie ...Ihr sprecht nicht ohne Ironie.Auch in der Ironie bin ich erfahrenund habe manchen heftig eingeschüchtert,doch glaubt mir, mit ironischem Gebahrenwird keinem eine Weisheit eingetrichtert.In allem Hohn verrät sich nur der Geistdes eignen Zwiespalts, der das Herz zerreißt.ArneWas Ihr der Ironie an Kraft bestreitet,das ist’s, Herr Rat, was mich zu ihr verleitet.Stets hat die Ohnmacht sie heraufbeschworen,bald die der Rede, bald auch die der Ohren.Und was uns trennt, Herr Rat, das ändert sichdurch keinen Segen und durch keine Flüche.Ihr fandet Euch, und ich such mich,da liegt der Grund für unsre Widersprüche.Der KirchenratFür guten Willen ist es nie zu spät.Neutraler Boden! Objektivität!ArneUm wirksam objektiv zu sein,muß man sich erst persönlich gleichen,sonst wird ein Punkt zum Fragezeichen.Ich seh zu groß und Ihr zu klein.Nun, wenn Ihr wollt, auch umgekehrt!Doch für Erkenntnis seid Ihr zu gelehrt.Euch ist das Herz von Wissenschaft verschüttet,der Kopf ist Euch von lauter Halt zerrüttet.Was nützt die Objektivität,wenn Ihr beharrlich und mit Willendoch nur den Schein der Dinge seht.Der KirchenratIhr urteilt rasch und ohne guten Willen.ArneMir dient mein Urteil nicht, um zu verhüllen,was ich erstritt in Finsternis und Leid.Der KirchenratEs ist der böse Geist der neuen Zeit,nur Widersprüche überall zu finden,statt ernst in Ruhe und Beharrlichkeit,in Demut, still das Gute zu ergründen.ArneAllein im Streit der harten Gegensätzewird uns als gut das Gute offenbart.Im Kampfe tobt der ewigen Gesetzeerbarmungslose Schöpfereigenart.Was hat ihr Sturm mit Eurem Halt zu tun!Ihr dürft bequem in Resultaten ruhn.Der KirchenratDas ist ein Irrtum. Wer den Vater kennt,der weiß, daß er in ewiger Ruhe thront.ArneWir aber sind von ihm getrennt.Und nur die Auserwählten sind verschont.Nicht alle sind zu ihrem Kampf berufen,und die berufen sind, haßt Eure Welt.Zeigt Ihr Euch würdig, wo Ihr an den Stufendes Heiligsten als Wächter aufgestellt.Der KirchenratMir scheint, ein Irrtum jagt bei Euch den zweiten,und der Verwirrungsgeist nimmt überhand.Von Gott getrennt? Hat er uns nicht vor Zeitenden eignen Sohn als Bürgen zugesandt?ArneUnd Jesus Christus ist Euch gut genugals Heiliger für Euren Selbstbetrug.Er, der in wilden, übergroßen Flammender einsam-starken Schöpferleidenschaftden Himmel und die Erde neu zusammengebracht, die er in eigner Dulderkraftdes großen Herzens rein geborgen trug.Nun soll der Pöbel, der ihm Kreuze schlug,bei Orgeljammern und bei Pfaffenplärrenin sein erkämpftes Reich des Friedens ziehn?Sein Kreuz wird steil die goldne Pforte sperren.Und nur die Auserwählten finden ihn!Der KirchenratMir bleibt sein Blut, das wir am Altar reichen,für alle Sünder das Erlösungszeichen!ArneWer nicht den Gott im eignen Blut gefunden,der wird in keinem Abendmahl gesunden.Der Liebe ewig selig Elementist unerringbar, von Beginn gegeben!Gesegnet, wer die eigne Fülle nennt,er kennt die Ewigkeit, er kennt das Leben.Verfehlt Geschlecht, das du um Liebe ringstund Liebe lehrst, verraten Haus des Herrn,das Liebe spendet, selbst der Liebe fern.Betrognes Land, das so den Kelch empfängt,als Zeichen einer stets bereiten Huld.Es tilgt kein Gott die Fülle unsrer Schuld,wenn nicht in uns die Fülle Gottes drängt.Kein Opfer schließt die goldne Pforte auf!Ach, nur die Liebe findet keine Schranken,wie Licht zu Licht in ungehemmtem Laufhinüberrinnt, Gedanke zu Gedanken.Das heißt ihr Wort: sie höret nimmer auf.Der KirchenratMit solchem Hochmut Gottes Knecht zu sein,dünkt mich Verrat an allem, was wir ehren,mit Spintisieren und mit Grübeleienvergiftet Ihr des Heils erprobte Lehren:Nun fühl ich erst, von Herzen abgeneigt,wie recht die Klage war, die uns erreicht.Mich täuscht nicht Eure gut gespielte Kraft,Euch hetzt der Teufel Eurer Leidenschaft,der holt seit je für den Entschuld die Gründefrech aus den Tiefen der gescholtnen Sünde.Er hat noch stets, was er mit List beschmutzt,für den Verführten ruhmvoll aufgeputzt.Die Leidenschaften zeichnen Eure Spur,Ihr lästert Gott, Ihr lästert die Natur!ArneIhr hörtet nie im Lenz die Erde kochen,saht nie den Zorn des Meers an Felsen sprühn,seht nur das Kleine, das der Kampf zerbrochen,und nie die Flammen, die zum Himmel blühn. —Daß selbst im Kleinsten ewige Symbole,und daß im Größten nur wir selber glühn,erkennt Ihr niemals. Des Verführers hohleund arme Weisheit zeichnet Euch den Gott.Der KirchenratIhr übt Verrat, Herr Pfarrer, diesen Spottwird Euch der Herr der Güte schwer vergeben.Der Satan, den Ihr nennt, hat Sinn und Lebenvon Euch in arg verwirrender Gewalt,hat Euch der Schrift beglückenden Gehaltverfälscht zu weltlich überspannten Lehren.ArneIch will gewiß die alte Weisheit ehren,es wirkte Satan einzig im Zerstören.Jedoch was tuts, wenn auch ein Lichtlein lischt!Nein, daß er tückisch Licht und Nacht vermischt,daß er die hohe Wacht der Gegensätzeherunterwürdigt auf die Pöbelplätze,das ist sein Reich. Er haßt den edlen Tod!Ein Dasein schal und ausgeglichenhat er mit frechen Höllenstrichenals seligstes Idol der Zeit gezeichnet.Der Vorgang hat sich auch bei Euch ereignet.Der KirchenratIch danke Euch. Ich hab genug kapiert.Und weiß, was mir die bittre Pflicht diktiert.ArneIch gebe frei und furchtlos alle Chancendes eignen Vorteils für die Kämpfe hin,die mich erfüllen. Schwächliche Nüancen,im flachen Alltag, sind der leere Sinnder armen Zeit, der Ihr begeistert huldigt,weil sie Euch selbst und Eure Not entschuldigt.Naemitritt auf.NaemiIch seh die Herren erregt. Ich scheine sehr zu stören.ArneWas führt dich her zu uns, mein Kind, laß hören?NaemiHerr Holger Oerlsund kam, um dich zu sprechen.ArneIch lasse mich jetzt ungern unterbrechen.Der KirchenratIch bitte keine Rücksicht gegen mich.NaemiIch weiß, der junge Herr geduldet sichnicht gern. — Ich seh dich blaß und deine Hände zittern!Zum KirchenratMit welcher Botschaft bracht Ihr bei uns ein?Was könnt Ihr diesem Leben noch verbittern?Der KirchenratHier scheint die Keckheit überall zu Haus.Ich bitte mir ein wenig Rücksicht aus.Ist das der Ton, mit einem Vorgesetztendes eignen Herrn zu sprechen, liebes Kind?NaemiWenn meine Worte in der Tat verletzten,so taten sie’s, weil sie die Wahrheit sind.Der KirchenratMit Frauen bin ich nicht geneigt zu streiten.NaemiIch habe nicht im Sinn, Euch zu verleiten.Zu ArneSag mir, Geliebter, sag mir, was geschah!ArneDu meldest mir, der Oerlsund wäre da.Ich bitte ihn, mich draußen zu erwarten.Was wir hier tun, bekümmere dich nicht.Es tat hier nur mit ungewöhnlich hartenund ernsten Worten jeder seine Pflicht.NaemiIch bin besorgt, ich laß dich nicht allein!Wem würdest du nicht leicht gewachsen sein,doch wer wie du beschaffen ist, der trägtam schwersten an den Wunden, die er schlägt.ArneIch danke dir. Ich bitte dich zu gehn.Mir kann nur das Notwendige geschehn.Naemiab.Der KirchenratIch kann den harten Spruch, der mir entfahren,nicht tief genug bedauern, seit dies Wortaus diesem Kindermund Euch widerfahren.Ich hörts erstaunt, und seltsam wirkt es fort.Es sprach die Inbrunst einer reichen Liebeund viel Verständnis für des Herzens Wertaus jenem Wort, das mir so schmerzlich trübe,mehr als ich fragte, liebevoll erklärt.Im Kopf verwirrt, im Herzen tief gerührt,fühl ich die Welt der alten Sätze schwanken.Oh, wieviel mehr als jegliche Gedankenhat uns das Leid der Wahrheit zugeführt!ArneEs mag, da schon so viel gesprochen ist,und da mein Herz sich wider Willen löste,auch noch ein Wort gesagt sein, das Euch tröste.Denn wie ich Euch und Eure Welt verstehe,tut es Euch wohl, wenn sich ein Frevel rächt,daß das erbarmungswürdige Geschlechtder armen Menschheit Eure Pflicht erflehe.Naemitritt auf. Ungesehn von Beiden verharrt sie zwischen den Vorhängen einer Seitentür.Der KirchenratIch sah dies Mädchen, das Euch Gott geschenkt,wie soll ich fassen, was Euch so bedrängt?Laßt Ihr Euch nicht dies holde Wunder blühn?Verwirrend lieblich schien mir ihr Bemühnum Euer Wohlsein, Güte und Geduld. —Warum entweiht Ihr diese Gunst zur Schuld?ArneMit raschem Wort und ungelenkem Ratnennt Ihr mein Glück mit diesem Mädchen Sünde,derweil ich ringe, daß ich Wege finde,um dem zu fliehen, was ihr Blut mir tat.Ich hasse sie um ihrer Kräfte willen,in ihrer Macht, die mir mein Blut bekennt.Es hat im Weib sich Gott von uns getrennt,um sich in ihrer Schwachheit zu erfüllen!In meiner Stärke war ich einst Gott gleich.In meiner Stärke suchte ich sein Reich.Von Haß und Liebe jämmerlich entstellt,seh ich mich arm und klein dem Sinn der Weltin eines Weibes Wesen unterstellt.Es lockt uns ihres Wesens Sinn und Lichtdie beste Kraft aus ihrer besten Pflicht.Ach, daß ich Demut hätte, still zu werdenin dem Bewußtsein, die Natur erfülltim Gang der Zeit auch meines Daseins Sinn.Daß Gottes schöpferische Kraftgebärdenmir auch den Wunsch, ihm nah zu sein, gestillt!So aber weiß ich es, das höchste Heildes Daseins und sein ungeteilter Friedenwird nur dem Auserwählten ganz zu Teil,dem Kraft zu jeglichem Verzicht beschieden.Zwiespältig scheint der Zukunft lichtes Reich,die beiden Wege führen nie zusammen.Der eine heißt: Gehorsam allen gleich,und auf dem andern leuchten uns die Flammendes Kampfs mit Gott. Er duldet keine Götterund keine Leidenschaften neben sich.Und erst als Sieger wird er zum Erretter.Der KirchenratWenn ich den Satan nicht vernommen hättein Euren Worten, rissen sie mich fort.Daß mir der Herr die heilige Einfalt rettein diesem Wirrwarr von Begriff und Wort.Ich höre, daß es Euch erschreckend geht ...ArneEs hört doch jeder nur, was er versteht.NaemihervortretendWas er versteht, das hört er nur zu gut!Und du bist frei von dem gehaßten Gut!ArnezuNaemiHast du gehört, was ich gesprochen habe?NaemiIch hab’s gehört und weiß es bis zum Grabe!Holger Oerlsundtritt auf.Holger OerlsundIch dulde nicht, daß man mich warten läßt!Ein Oerlsund braucht auf Norby nicht zu warten!Naemiihm entgegenDu brauchst nicht mehr zu fordern noch zu bitten.Mir ward das Herz in hellen Gluten frei.Es hat in diesem Haus genug gelitten.Sie reißtHolger Oerlsundmit sich hinaus.ArneAuf daß nun mein Geschick vollkommen sei.Ende des zweiten Aufzugs

Im Pfarrhaus von Norby.Naemi.Arne.

Im Pfarrhaus von Norby.Naemi.Arne.

Naemi

Von allem unberührt, was uns bewegt,erstrahlt der Sommerhimmel überm Meer.Das blaue Wasser, das kein Wind erregt,schickt seine tausend Lichter zu mir her.Wie seltsam durch den Gleichmut der Naturstürmt unser übereifrig Tun und Hastenund läßt doch von uns allen keine Spur.Sag, ist es nicht, als ob selbst unsere Lastenund Lust, die wir als unser Teilzu tragen glaubten, sich einst Anderen geben?So still verhallt das ernste, eigene Leben.

Arne

Du denkst an deines alten Vaters Tod,lebt er nicht fort in deinem Leid, mein Kind?Erinnerung ist ein heiliges Gebot,und die Natur ist treuer als wir sind.Sieh, selbst die Einfalt weiß von dieser Pflicht.Oh, wie viel mehr kennt sie der Geist im Licht.Doch sich zu gründen, aller Welt zum Dank,bleibt allen Geistes höchster Lebenshang.

Naemi

Du sendest dein Verlangen in ein Reich,in das mein Herz nur zögernd folgen kann.Was, sag mir, unterscheidet Weib und Mann,was macht sie unter Gottes Augen gleich?Wie soll mich selbst die höchste Lust beglücken,weiß ich dein Herz vor meinem auf der Flucht,wenn meine Seele nicht in allen Stücken,der deinen ähnlich, ihre Heimat sucht?

Arne

Wie ahnst du lieblich den gespaltenen Sinn,um dessen Harmonie ich ruhlos ringe,doch schon, wenn ich dir meine Zweifel bringe,geb ich mich wieder neuen Kämpfen hin.Des Weibes Tugend und des Mannes Wertverbindet irdisch kein bestehend Recht.Gelobt sei, wer im Schicksal sich bewährt,des Weibes Schicksal aber heißt Geschlecht.

Naemi

So sieh in meinem Schicksal meine Tugend!Ich habe keinen andern Rat für dich.Geb ich nicht willig meine ganze Jugendund will nicht Preis noch Dank von dir für mich?Nur sag mir, daß ich innig dich erfülle,gib mir den Trost, daß ich dir alles bin.Ach, mich beseligt schon dein Wunsch und Wille.

Arne

Mein Wunsch zu dir ist meiner Sehnsucht feind.Du lenkst den Sinn zu fröhlichem Genügen.Den warmen Wohlstand, der die Menschen eint,sah ich noch nie in eines Kämpfers Zügen.Was kränkt mein Herz, verbittert meinen Mund,dir meine Liebe fröhlich zu gestehn?Von Furcht und Scham in tiefster Seele wund,bin ich bestimmt, allein den Weg zu gehn,der mich zu Gott, nach meiner Hoffnung führt.Und weiß, indem ich deine Liebe quäle,sucht doch allein nach Liebe meine Seele,von deinem Leid zu wehem Glück gerührt.

Naemi

Die Elemente, welche Gott verklären,sind wohl in allem, was da lebt und schafft,jedoch die Liebe nicht. Sie ist als Kraftnicht mehr als Licht und Wind auf toten Meeren.Erst als Gemeinschaft kann sie sich bewähren.So sage mir den einen großen Sinn,das letzte Ziel, nach dem die Guten streben.Wie soll ich anders werden als ich bin?Was gibt es mehr für mich als liebend leben?

Arne

Ich habe keinen andern Sinn gefunden,als den, in jener Harmonie zu ruhn,in welcher Unschuld mit Geduld verbundendie lichten Wunder neuer Hoffnung tun.Und diese Hoffnung führt zuletzt zu Gott,und nicht Natur noch Geist umfaßt ihn voll,du wirst ihn niemals ungewiß umschreiben.Er ist ein Schöpfer, und er wird es bleiben!Wahrhaftig wesenhaft und liebevoll.Im ewigen Wechsel wird kein Herz befreit,Gott ist als Wesen Sinn der Ewigkeit!Es ist nicht Einfalt, die sich sinnlos beugt,die solchen Glauben tief in mir erzeugt,es ist mein Anspruch, dem die Welt zu klein,ich will des ewigen Vaters Erbe sein.

Naemi

Wem sich das Liebste, was er sucht und meint,in tiefster Seele nicht als Gott vereint,der schließt Natur als arm und böse ausund schilt die Heimat in des Vaters Haus.Vergib, Geliebter, wenn mein hartes Wortals unverständig dein Gemüt verwundet;ich treib die Kraft, an der mein Blut gesundet,nicht von der Schwelle meiner Seele fort.

Arne

Gesegnet sei, was ich als schön empfinde,gesegnet die Natur im hellen Bilde.Ach, daß die Seele, wie bei einem Kinde,den Durst nach Gott in Spiel und Schlafen stillte!Doch die Natur erlöst nicht durch ihr Wesen,wer sie versteht, dem wendet sie den Sinnauf die Gemeinschaft mit dem Schöpfer hin,von dessen Herrschaft er in ihr gelesen.Zum Zeitlichen, zum Irdischen geschicktmit allen Sinnen und mit Kraft begabt,hab’ ich in Kampf und Leiden Gott erblickt,wie ihr ihn nie im Glück gesehen habt!Und leuchtend lockt dies herrliche Gesichtden Geist zu Heimkehr, Frieden und Verzicht.

Naemi

Gib nicht das Gold von Lust und Freude hin!Des irdischen Lebens lichten Himmelsboten.Glaubst du, ich fühlte nicht, wie bang dein Sinnund stolz zugleich, den quälenden Gebotender zeitlichen Gerechtigkeit gehorcht?Doch wer die Ruhe vom Gewissen borgt,der findet sie erst dort, wo keine Schrankendie Seele ziehn vom lieblichen Gedanken.

Arne

Dort seh ich alles, aber dich nicht mehr.Komm nah heran, laß mich den blauen Glanzaus diesen hellen Augen innig trinken.Oh, einmal bis zur Ohnmacht zu versinken!Daß sich in reiner Glut der blasse Kranzunendlicher Gedanken, wie im Meerein Samenkorn, zu ewiger Ruh verliert.

Naemi

Ach, lerne preisen, was dich so verführt!Ich hörte einst aus ur-uralten Sagender Priesterinnen, meiner Schwestern, Pflicht,die heilige Glut, das Feuer, zu bewahren.Ich lobte sie, doch ich verstand sie nicht.Erst heute fühl ich jene Menschheitsrechte,die ihrer Reinheit, ihrem Maß vertraut.Ach, daß der Altar, den mein Herz gebaut,auch deinem Leben Glück und Wärme brächte.

Arne

Bewundernd lausch’ ich, Mädchen, dem Geschick,wie dein Geschlecht der Erde Sinn verwaltet.Solang ihr wirkt, ist keine Welt veraltet,als gäbe es kein Glück, als euer Glück ...Die heiligen Pflichten jener Priesterinnenglühn anderen Werten, als dem Licht des Bluts.Wahr’ mir die Feuer meiner Seele rein,so sollst du ewig mir verbunden sein!

Naemi

So sag mir, welche Macht des Wesens tuts?Die Priester nenn ich pfäffisch, welche scheiden,was Blut und Seele, eng verwoben, leiden,und was sie freut. — Ich ahne, die Naturwird furchtbar wider deine Weisheit drohn,und ihre Bahn geht meine Leidensspur.

Arne

Du sprichst der Not der tiefsten Zweifel Hohn.

Naemi

Und du vergißt, daß deine hohen Pflichtennicht meine sind. Zu jung noch zum Verzichten,zum Kampf durch unverstandenen Wert beschränkt,seh ich dich, durch dein eigenes Schwert bedrängt,die guten Kräfte deines Geists vernichten.Mir war im Traum, als säh ich eine Zeiterneuter Offenbarung glühend nahn.Du hast ihr weit die Tore aufgetan,doch Andere schmeckten ihre Herrlichkeit.Ich sah dich über deine Fahne sinkenund sah die Erde, die dich treu begehrt,mit gierigem Mund dein Blut und Leben trinken,wie wenn dein Wille ihr ein Recht verwehrt.

Espocht. Der Kirchenrat tritt auf.

Espocht. Der Kirchenrat tritt auf.

Der Kirchenrat

So hab ich, lieber Herr und Amtskollege,nach mancher Drangsal doch hierhergefundenund grüß Euch herzlich. Aber welche Wege!Die armen Pferde wurden arg geschunden.In meinem Alter ist es nicht mehr leicht.Ich bin erfreut, da nun das Ziel erreicht.

Arne

Ihr kommt zu seltsam abgepaßter Zeitund findet mich, Euch günstig, vorbereitet.Merkwürdig innig zu mir selbst verleitetund doch zugleich wie von mir selbst befreit.

Naemi

zum Kirchenrat

zum Kirchenrat

Daß kein Empfang am Tore Euch geehrt,woll’ uns der Herr in Freundlichkeit verzeihn.Nach herzlichem Willkomm sei mir gewährt,für kurz zu gehn um Brot für Euch und Wein.

Ab.

Ab.

Arne

So seid begrüßt und fühlt Euch wohl verwahrt.Wenn Ihr von Eurer mühevollen Fahrtnicht gar zu sehr ermüdet seid, Herr Rat,so sagt mir bald, was sie veranlaßt hat.Ich kenn Euch wohl aus längst verstrichenen Zeiten,da mir noch Wissen mehr galt als Verstand.Was konnte Euch zu dieser Fahrt verleitenin dieses von der Welt vergessene Land?

Der Kirchenrat

Fragt Ihr, Herr Pfarrer, nach der Reise Ziel?Ward nicht so manches Schreiben Euch gebrachtund eine Antwort uns, bei der wir vielund sorgenvoll an Euer Wohl gedacht?

Arne

Nehmt meine Frage nicht, wie sie erscheint,nehmt sie als Antwort und als wohlgemeint.Daß ich sie stellte, mag dem Wunsch entstammen,es führte uns ein anderer Grund zusammen.

Naemitritt auf.

Naemitritt auf.

Naemi

Vergebung, wenn ich störe. Dieser Weinwird sicherlich den Herren willkommen sein.Er soll den Ernst der allzu frommen Redenein wenig durch den Geist der Welt befehden.Wenns mir erlaubt ist, einzuschenken?

Der Kirchenrat

Wie lieb und artig, so an uns zu denken,mein junges Fräulein, gebt mir Eure Hand.Seid Ihr aus diesem Ort und Land?

Naemi

Ich bin es nicht. Das Meer hat mich geboren.Ihr dürft nicht lächeln, denn ich rede wahr.Vor Jahren war mein Schiff in Seegefahr,auf jenen Klippen gings bei Nacht verloren.Ich weiß nur wenig aus der bösen Nacht,die mit mir litten, sind zur Ruh gebracht.Am Morgen schien die Sonne auf den Strand.Ein bärtig Haupt und eine starke Handerkannte ich und fühlte mich getragen.Der alte Oerlsund, der vor wenig Tagengestorben ist, trug mich zurück ins Leben.

Der Kirchenrat

Wie hold Ihrs sagt! Das hätte sich begeben?!Ich werde meiner Rührung mühsam Herr.Und Eure Heimat kennt Ihr wohl nicht mehr?

Naemi

Ich weiß nur dies: sie liegt im hohen Norden,zuweilen seh ich Berge, wenn ich träume.Dies Land ist meine Heimat nun geworden.Jedoch, Herr Rat, ich bin besorgt, ich säumezu lange hier und halt die Herren auf.

Der Kirchenrat

Ich möchte Euch um alles nicht vertreiben.Da ich genötigt bin, hier Gast zu bleiben,hab ich die Hoffnung auf ein Wiedersehn.

Naemi

Ich wünsche herzlich, daß die Diskussionnicht zu gelehrt wird, um den Gast zu ehren.

Ab.

Ab.

Der Kirchenrat

Ich muß gestehn, Herr Pfarrer, diese Redescheint mir ein schöner Lichtblick dieser Öde.Wie kommt es, daß ein Mann in Euren Jahrenfür seine Wirksamkeit sich hier versteckt?Ihr lebt hier ja wahrhaftig mit Barbaren.Gewiß, gewiß, ein Pfarrer ist auch hiervon Nöten, doch, bei Gott, nicht Ihr!Für einen Mann von Euren reichen Gabenkann hier kein Einziger Verständnis haben.Nun wird mir klar, daß, wie gesagt,der Ort und die Gemeinde sich beklagt.

Arne

Zwar habt Ihr es noch nicht gesagt, Herr Rat,doch weiß ich wohl, was Euch bewogen hat,die sorgenschwere Fahrt zu übernehmen.Nehmt doch, ich bitte Euch, dort den bequemenund alten Sessel, daß des Leibes Ruhedem Gang des Geistes gute Dienste tue.Und was den Ort und mich darin betrifft,und was Ihr allgemein nicht ganz begrifft,laßt Euch berichten, daß die Einsamkeitder ernsten, weiten Küste mich verlockt.Hier, wo der Puls des lauten Lebens stockt,lausch ich dem Widerhall der Ewigkeit.Ich bin gewiß geneigt Euch anzuhören,doch eins sei in Respekt vorausgeschickt:Ich lasse mich sehr ungern hierorts stören.

Der Kirchenrat

Mir scheint, wir nähern uns schon dem Konflikt.Doch hoffe ich, es geht im Lauf der Zeitvielleicht mit etwas zartrer Höflichkeit.

Arne

Die Höflichkeit wird uns nur hindern, Herr,sie wird in dieser Lage von uns Zweidoch nur ein Mittel, um den heißen Breibis zur Erschöpfung ängstlich zu umkreisen.Ich hörte sie von guten Köpfen preisen,hier sind mir diese Köpfe einerlei.Sagt frei und offen, was Ihr denkt und wollt,versucht zu fassen, was Ihr hören sollt.

Der Kirchenrat

Ein sonderbarer Mann seid Ihr, nur Jugendkennt soviel Gleichmut gegen das Geschick,doch nur die Jugend hat zugleich das Glück,und Wagemut ersetzt ihr oft die Tugendder ernstlichen Besinnung, der Geduld.Doch eines Mannes Trotz wird rasch zur Schuld,wenn er die sittliche Gemeinschaft stört.Ich muß gestehn ...

Arne

Sagt mir, was Ihr gehört.Es wird Euch schwer? Ich nehme gerne an,daß oft nur Zartgefühl Euch hindern kann.So will ich mich aus Höflichkeit bequemen,Euch einen Teil der Rede abzunehmen:Man hat gehört, es kam den Herrn zu Ohren,in Norby sei der Pfarrer obstinat,die Seelen gingen unter ihm verlorenwie unter Hagel Kohl und Kopfsalat.Nun kurz und gut, daß seine Kanzellehremit keinem Dogma zu vereinen wäre.

Der Kirchenrat

Das wäre schließlich dennoch zu vergeben,wenn Ihr es ändert ...

Arne

Aber nun sein Leben!Es stieg aus seines Daseins Finsternisein beispiellos verruchtes Ärgernis.Man sagt, daß er ein Fräulein bei sich hätt’und ließ sie Tag und Nacht bei sich verweilen.Er teilte mit ihr Haus und Tisch und Bett,kurz alles, was sonst Eheleute teilen.Und trotz der eklatanten Unmoral,um nicht von Hurerei und Schmutz zu sprechen,erteilte er den heiligen Pokalvor der Gemeinde schamlos dieser frechenund kecken Dirne. War es dies, Herr Rat?

Der Kirchenrat

Ich bin erschrocken — aber — in der Tat.Nur hätte ich das niemals so gesagt.

Arne

Ich glaube wohl. Ihr hättets kaum gewagt.

Der Kirchenrat

Nicht ohne Dank seh ich den schwersten Teilder Unterredung glücklich überwunden.

Arne

Der zweite wäre, daß ich nun mein Heilzu retten hätte. Aber unumwundenmach ich mir Eure Wahrheit gern zur Pflicht:Es ist kein falsches Wort an dem Gerücht.

Der Kirchenrat

Mein Gott im Himmel! Seht mich sehr erschreckt.Es ist unmöglich, was Ihr mir entdeckt.

Arne

Soll ich Euch diese Zweifel jetzt vertreiben?Ich glaube, dazu bin ich schlecht geschickt.Ihr müßt nun schon bei der Verpflichtung bleiben,mit der man Euch zu mir herausgeschickt.

Der Kirchenrat

So ist es wahr? Wie tief bin ich betrübt.Mit wieviel Hoffnung hab ich Euch begrüßt,und was mich ernst und bitterlich verdrießt,ist dieser kecke Hochmut, den Ihr übt.Da sinkt dem Mut die letzte Liebeswaffe,ich zweifle, daß ich jemals Wandel schaffe.

Arne

So werdet Ihr Euch sicher nicht verhehlen,das Beste bleibt, sich wieder zu empfehlen.

Der Kirchenrat

Mich Alten mögt Ihr rasch und leicht vertreiben,doch nicht die Welt, die gegen Eure prallt.Seid unbesorgt, ich will am Posten bleiben,und wenn mir Satan selbst die Fäuste ballt!Ich weiche nicht von dieser argen Stätte,bis ich des Übels Wurzel nicht gefällt. —Wenn ich nur gründlich die Gewißheit hätte,daß Ihr so gottlos seid, wie Ihr Euch stellt.

Arne

Da Ihr in mir ein Kind des Satans seht,bedenkt Euch wohl, bevor Ihr weitergeht.Galt nicht von je für Euch als Ehrenzeichen,dem Bösen nach Vermögen auszuweichen?

Der Kirchenrat

Ihr seht mich zornig. Hört zunächst, ich wähne,das liebe Fräulein von vorhin ist jene ...

Arne

Muß denn zur Sache noch gesprochen werden,laßt die Personen gütigst aus dem Spiel.

Der Kirchenrat

Ihr braucht Euch nicht verletzend zu gebärden,der Gegenstand besagt zur Sache viel.Sagt mir nur eins, aus welchen bösen Gründenverweigert Ihr, Euch ehelich zu binden?In der Gewöhnung mütterlichem Segenwird sich der Geist der Widersprüche legen,der Euch verwirrt. Still gleicht die Glut sich ausund wärmt das Dasein, wärmt das ganze Haus.Ihr könnt Euch doch den großen Menschheitspflichtennicht auf die Dauer ungestraft entziehn.Des Herzens Wohlstand kommt mit dem Verzichten,in Maß und Demut fördert Gott uns ihn.

Arne

Wärt Ihr mir nicht Repräsentantder flachen Mächte, die wir hassen,ich hätte längst mich abgewandtund Euer Glück in Ruh gelassen.So will ich Euch denn eine Antwort sagenund nicht erwägen, wer sie just empfängt.Nicht nur durch Weise läßt ein Schatz sich tragen,wenn Not gebietet. Alles Wahre drängtganz unerbittlich, trotz Gefahr und Bandenallmählich doch dorthin, wo es verstanden.

Der Kirchenrat

Ich muß gestehn, das Wort war wenig fein.

Arne

Nehmts nicht persönlich, nehmt es allgemein,versucht es meiner Einsicht zu verzeihn.Wie leicht vergibt nicht, wer verstehn kann,die Schwierigkeit fängt erst beim Zweifel an.

Der Kirchenrat

Ihr sprecht so eigenartig in Symbolen.Wozu das Bild aus weiter Ferne holen?Auch ist mir oft, ich weiß nicht wie ...Ihr sprecht nicht ohne Ironie.Auch in der Ironie bin ich erfahrenund habe manchen heftig eingeschüchtert,doch glaubt mir, mit ironischem Gebahrenwird keinem eine Weisheit eingetrichtert.In allem Hohn verrät sich nur der Geistdes eignen Zwiespalts, der das Herz zerreißt.

Arne

Was Ihr der Ironie an Kraft bestreitet,das ist’s, Herr Rat, was mich zu ihr verleitet.Stets hat die Ohnmacht sie heraufbeschworen,bald die der Rede, bald auch die der Ohren.Und was uns trennt, Herr Rat, das ändert sichdurch keinen Segen und durch keine Flüche.Ihr fandet Euch, und ich such mich,da liegt der Grund für unsre Widersprüche.

Der Kirchenrat

Für guten Willen ist es nie zu spät.Neutraler Boden! Objektivität!

Arne

Um wirksam objektiv zu sein,muß man sich erst persönlich gleichen,sonst wird ein Punkt zum Fragezeichen.Ich seh zu groß und Ihr zu klein.Nun, wenn Ihr wollt, auch umgekehrt!Doch für Erkenntnis seid Ihr zu gelehrt.Euch ist das Herz von Wissenschaft verschüttet,der Kopf ist Euch von lauter Halt zerrüttet.Was nützt die Objektivität,wenn Ihr beharrlich und mit Willendoch nur den Schein der Dinge seht.

Der Kirchenrat

Ihr urteilt rasch und ohne guten Willen.

Arne

Mir dient mein Urteil nicht, um zu verhüllen,was ich erstritt in Finsternis und Leid.

Der Kirchenrat

Es ist der böse Geist der neuen Zeit,nur Widersprüche überall zu finden,statt ernst in Ruhe und Beharrlichkeit,in Demut, still das Gute zu ergründen.

Arne

Allein im Streit der harten Gegensätzewird uns als gut das Gute offenbart.Im Kampfe tobt der ewigen Gesetzeerbarmungslose Schöpfereigenart.Was hat ihr Sturm mit Eurem Halt zu tun!Ihr dürft bequem in Resultaten ruhn.

Der Kirchenrat

Das ist ein Irrtum. Wer den Vater kennt,der weiß, daß er in ewiger Ruhe thront.

Arne

Wir aber sind von ihm getrennt.Und nur die Auserwählten sind verschont.Nicht alle sind zu ihrem Kampf berufen,und die berufen sind, haßt Eure Welt.Zeigt Ihr Euch würdig, wo Ihr an den Stufendes Heiligsten als Wächter aufgestellt.

Der Kirchenrat

Mir scheint, ein Irrtum jagt bei Euch den zweiten,und der Verwirrungsgeist nimmt überhand.Von Gott getrennt? Hat er uns nicht vor Zeitenden eignen Sohn als Bürgen zugesandt?

Arne

Und Jesus Christus ist Euch gut genugals Heiliger für Euren Selbstbetrug.Er, der in wilden, übergroßen Flammender einsam-starken Schöpferleidenschaftden Himmel und die Erde neu zusammengebracht, die er in eigner Dulderkraftdes großen Herzens rein geborgen trug.Nun soll der Pöbel, der ihm Kreuze schlug,bei Orgeljammern und bei Pfaffenplärrenin sein erkämpftes Reich des Friedens ziehn?Sein Kreuz wird steil die goldne Pforte sperren.Und nur die Auserwählten finden ihn!

Der Kirchenrat

Mir bleibt sein Blut, das wir am Altar reichen,für alle Sünder das Erlösungszeichen!

Arne

Wer nicht den Gott im eignen Blut gefunden,der wird in keinem Abendmahl gesunden.Der Liebe ewig selig Elementist unerringbar, von Beginn gegeben!Gesegnet, wer die eigne Fülle nennt,er kennt die Ewigkeit, er kennt das Leben.Verfehlt Geschlecht, das du um Liebe ringstund Liebe lehrst, verraten Haus des Herrn,das Liebe spendet, selbst der Liebe fern.Betrognes Land, das so den Kelch empfängt,als Zeichen einer stets bereiten Huld.Es tilgt kein Gott die Fülle unsrer Schuld,wenn nicht in uns die Fülle Gottes drängt.Kein Opfer schließt die goldne Pforte auf!Ach, nur die Liebe findet keine Schranken,wie Licht zu Licht in ungehemmtem Laufhinüberrinnt, Gedanke zu Gedanken.Das heißt ihr Wort: sie höret nimmer auf.

Der Kirchenrat

Mit solchem Hochmut Gottes Knecht zu sein,dünkt mich Verrat an allem, was wir ehren,mit Spintisieren und mit Grübeleienvergiftet Ihr des Heils erprobte Lehren:Nun fühl ich erst, von Herzen abgeneigt,wie recht die Klage war, die uns erreicht.Mich täuscht nicht Eure gut gespielte Kraft,Euch hetzt der Teufel Eurer Leidenschaft,der holt seit je für den Entschuld die Gründefrech aus den Tiefen der gescholtnen Sünde.Er hat noch stets, was er mit List beschmutzt,für den Verführten ruhmvoll aufgeputzt.Die Leidenschaften zeichnen Eure Spur,Ihr lästert Gott, Ihr lästert die Natur!

Arne

Ihr hörtet nie im Lenz die Erde kochen,saht nie den Zorn des Meers an Felsen sprühn,seht nur das Kleine, das der Kampf zerbrochen,und nie die Flammen, die zum Himmel blühn. —Daß selbst im Kleinsten ewige Symbole,und daß im Größten nur wir selber glühn,erkennt Ihr niemals. Des Verführers hohleund arme Weisheit zeichnet Euch den Gott.

Der Kirchenrat

Ihr übt Verrat, Herr Pfarrer, diesen Spottwird Euch der Herr der Güte schwer vergeben.Der Satan, den Ihr nennt, hat Sinn und Lebenvon Euch in arg verwirrender Gewalt,hat Euch der Schrift beglückenden Gehaltverfälscht zu weltlich überspannten Lehren.

Arne

Ich will gewiß die alte Weisheit ehren,es wirkte Satan einzig im Zerstören.Jedoch was tuts, wenn auch ein Lichtlein lischt!Nein, daß er tückisch Licht und Nacht vermischt,daß er die hohe Wacht der Gegensätzeherunterwürdigt auf die Pöbelplätze,das ist sein Reich. Er haßt den edlen Tod!Ein Dasein schal und ausgeglichenhat er mit frechen Höllenstrichenals seligstes Idol der Zeit gezeichnet.Der Vorgang hat sich auch bei Euch ereignet.

Der Kirchenrat

Ich danke Euch. Ich hab genug kapiert.Und weiß, was mir die bittre Pflicht diktiert.

Arne

Ich gebe frei und furchtlos alle Chancendes eignen Vorteils für die Kämpfe hin,die mich erfüllen. Schwächliche Nüancen,im flachen Alltag, sind der leere Sinnder armen Zeit, der Ihr begeistert huldigt,weil sie Euch selbst und Eure Not entschuldigt.

Naemitritt auf.

Naemitritt auf.

Naemi

Ich seh die Herren erregt. Ich scheine sehr zu stören.

Arne

Was führt dich her zu uns, mein Kind, laß hören?

Naemi

Herr Holger Oerlsund kam, um dich zu sprechen.

Arne

Ich lasse mich jetzt ungern unterbrechen.

Der Kirchenrat

Ich bitte keine Rücksicht gegen mich.

Naemi

Ich weiß, der junge Herr geduldet sichnicht gern. — Ich seh dich blaß und deine Hände zittern!

Zum Kirchenrat

Zum Kirchenrat

Mit welcher Botschaft bracht Ihr bei uns ein?Was könnt Ihr diesem Leben noch verbittern?

Der Kirchenrat

Hier scheint die Keckheit überall zu Haus.Ich bitte mir ein wenig Rücksicht aus.Ist das der Ton, mit einem Vorgesetztendes eignen Herrn zu sprechen, liebes Kind?

Naemi

Wenn meine Worte in der Tat verletzten,so taten sie’s, weil sie die Wahrheit sind.

Der Kirchenrat

Mit Frauen bin ich nicht geneigt zu streiten.

Naemi

Ich habe nicht im Sinn, Euch zu verleiten.

Zu Arne

Zu Arne

Sag mir, Geliebter, sag mir, was geschah!

Arne

Du meldest mir, der Oerlsund wäre da.Ich bitte ihn, mich draußen zu erwarten.Was wir hier tun, bekümmere dich nicht.Es tat hier nur mit ungewöhnlich hartenund ernsten Worten jeder seine Pflicht.

Naemi

Ich bin besorgt, ich laß dich nicht allein!Wem würdest du nicht leicht gewachsen sein,doch wer wie du beschaffen ist, der trägtam schwersten an den Wunden, die er schlägt.

Arne

Ich danke dir. Ich bitte dich zu gehn.Mir kann nur das Notwendige geschehn.

Naemiab.

Naemiab.

Der Kirchenrat

Ich kann den harten Spruch, der mir entfahren,nicht tief genug bedauern, seit dies Wortaus diesem Kindermund Euch widerfahren.Ich hörts erstaunt, und seltsam wirkt es fort.Es sprach die Inbrunst einer reichen Liebeund viel Verständnis für des Herzens Wertaus jenem Wort, das mir so schmerzlich trübe,mehr als ich fragte, liebevoll erklärt.Im Kopf verwirrt, im Herzen tief gerührt,fühl ich die Welt der alten Sätze schwanken.Oh, wieviel mehr als jegliche Gedankenhat uns das Leid der Wahrheit zugeführt!

Arne

Es mag, da schon so viel gesprochen ist,und da mein Herz sich wider Willen löste,auch noch ein Wort gesagt sein, das Euch tröste.Denn wie ich Euch und Eure Welt verstehe,tut es Euch wohl, wenn sich ein Frevel rächt,daß das erbarmungswürdige Geschlechtder armen Menschheit Eure Pflicht erflehe.

Naemitritt auf. Ungesehn von Beiden verharrt sie zwischen den Vorhängen einer Seitentür.

Naemitritt auf. Ungesehn von Beiden verharrt sie zwischen den Vorhängen einer Seitentür.

Der Kirchenrat

Ich sah dies Mädchen, das Euch Gott geschenkt,wie soll ich fassen, was Euch so bedrängt?Laßt Ihr Euch nicht dies holde Wunder blühn?Verwirrend lieblich schien mir ihr Bemühnum Euer Wohlsein, Güte und Geduld. —Warum entweiht Ihr diese Gunst zur Schuld?

Arne

Mit raschem Wort und ungelenkem Ratnennt Ihr mein Glück mit diesem Mädchen Sünde,derweil ich ringe, daß ich Wege finde,um dem zu fliehen, was ihr Blut mir tat.Ich hasse sie um ihrer Kräfte willen,in ihrer Macht, die mir mein Blut bekennt.Es hat im Weib sich Gott von uns getrennt,um sich in ihrer Schwachheit zu erfüllen!In meiner Stärke war ich einst Gott gleich.In meiner Stärke suchte ich sein Reich.Von Haß und Liebe jämmerlich entstellt,seh ich mich arm und klein dem Sinn der Weltin eines Weibes Wesen unterstellt.Es lockt uns ihres Wesens Sinn und Lichtdie beste Kraft aus ihrer besten Pflicht.Ach, daß ich Demut hätte, still zu werdenin dem Bewußtsein, die Natur erfülltim Gang der Zeit auch meines Daseins Sinn.Daß Gottes schöpferische Kraftgebärdenmir auch den Wunsch, ihm nah zu sein, gestillt!So aber weiß ich es, das höchste Heildes Daseins und sein ungeteilter Friedenwird nur dem Auserwählten ganz zu Teil,dem Kraft zu jeglichem Verzicht beschieden.Zwiespältig scheint der Zukunft lichtes Reich,die beiden Wege führen nie zusammen.Der eine heißt: Gehorsam allen gleich,und auf dem andern leuchten uns die Flammendes Kampfs mit Gott. Er duldet keine Götterund keine Leidenschaften neben sich.Und erst als Sieger wird er zum Erretter.

Der Kirchenrat

Wenn ich den Satan nicht vernommen hättein Euren Worten, rissen sie mich fort.Daß mir der Herr die heilige Einfalt rettein diesem Wirrwarr von Begriff und Wort.Ich höre, daß es Euch erschreckend geht ...

Arne

Es hört doch jeder nur, was er versteht.

Naemi

hervortretend

hervortretend

Was er versteht, das hört er nur zu gut!Und du bist frei von dem gehaßten Gut!

Arne

zuNaemi

zuNaemi

Hast du gehört, was ich gesprochen habe?

Naemi

Ich hab’s gehört und weiß es bis zum Grabe!

Holger Oerlsundtritt auf.

Holger Oerlsundtritt auf.

Holger Oerlsund

Ich dulde nicht, daß man mich warten läßt!Ein Oerlsund braucht auf Norby nicht zu warten!

Naemi

ihm entgegen

ihm entgegen

Du brauchst nicht mehr zu fordern noch zu bitten.Mir ward das Herz in hellen Gluten frei.Es hat in diesem Haus genug gelitten.

Sie reißtHolger Oerlsundmit sich hinaus.

Sie reißtHolger Oerlsundmit sich hinaus.

Arne

Auf daß nun mein Geschick vollkommen sei.

Ende des zweiten Aufzugs

Ende des zweiten Aufzugs


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