The Project Gutenberg eBook ofPenthesilea

The Project Gutenberg eBook ofPenthesileaThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: PenthesileaAuthor: Heinrich von KleistRelease date: October 1, 2004 [eBook #6648]Most recently updated: December 29, 2020Language: GermanCredits: Thanks are given to Delphine Lettau for finding a huge collection of ancient German books in London*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK PENTHESILEA ***

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Title: PenthesileaAuthor: Heinrich von KleistRelease date: October 1, 2004 [eBook #6648]Most recently updated: December 29, 2020Language: GermanCredits: Thanks are given to Delphine Lettau for finding a huge collection of ancient German books in London

Title: Penthesilea

Author: Heinrich von Kleist

Author: Heinrich von Kleist

Release date: October 1, 2004 [eBook #6648]Most recently updated: December 29, 2020

Language: German

Credits: Thanks are given to Delphine Lettau for finding a huge collection of ancient German books in London

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Penthesilea

Heinrich von Kleist

Ein TrauerspielTübingen 1808

Personen:Penthesilea, Königinn der Amazonen.

Prothoe, Meroe und Asteria, Fürstinnen der Amazonen.

Die Ober-Priesterinnen der Diana

Achilles, Odysseus, Diomedes und Antilochus, Könige des Griechenvolks.

Griechen und Amazonen

Erster Auftritt.Odysseus und Diomedes (von der einen Seite)Antilochus (von der andern) Gefolge (treten auf)

Antilochus.Seyd mir gegrüßt, ihr Könige! Wie geht's,Seit wir zuletzt bei Troja uns gesehn?

Odysseus.Schlecht, Antiloch. Du siehst auf diesen Feldern,Der Griechen und der Amazonen Heer,Wie zwei erboste Wölfe sich umkämpfen:Beim Jupiter! sie wissen nicht warum?Wenn Mars entrüstet, oder Delius,Den Stecken nicht ergreift, der WolkenrüttlerMit Donnerkeilen nicht dazwischen wettert:Todt sinken die Verbißnen heut noch nieder,Des einen Zahn im Schlund des anderen.Schafft einen Helm mit Wasser!

Antilochus. Element!Was wollen diese Amazonen uns?

Odysseus.Wir zogen aus, auf des Atriden Rath,Mit der gesammten Schaar der Myrmidonen,Achill und ich; Penthesilea, hieß es,Sei in den scyth'schen Wäldern aufgestanden,Und führ' ein Heer, bedeckt mit Schlangenhäuten.Von Amazonen, heißer Kampflust voll,Durch der Gebirge Windungen heran,Den Priamus in Troja zu entsetzen.Am Ufer des Skamandros hören wir,Deiphobus auch, der Priamide, seiAus Ilium mit einer Schaar gezogen;Die Königinn, die ihm mit Hülfe naht,Nach Freundesart zu grüßen. Wir verschlingenDie Straße jetzt, uns zwischen dieser GegnerHeillosem Bündniß wehrend aufzupflanzen;Die ganze Nacht durch windet sich der Zug.Doch, bei des Morgens erster Dämmerröthe,Welch ein Erstaunen faßt' uns, Antiloch,Da wir, in einem weiten Thal vor uns,Mit des Deiphobus Iliern im KampfDie Amazonen sehn! Penthesilea,Wie Sturmwind ein zerrissenes Gewölk,Weht der Trojaner Reihen vor sich her,Als gält es über'n Hellespont hinaus,Hinweg vom Rund der Erde sie zu blasen.

Antilochus.Seltsam, bei unserm Gott!

Odysseus. Wir sammeln uns,Der Trojer Flucht, die wetternd auf uns ein,Gleich einem Anfall keilt, zu widerstehen,Und dicht zur Mauer drängen wir die Spieße.Auf diesen Anblick stutzt der Priamide;Und wir, im kurzen Rath beschließen, gleich,Die Amazonenfürstinn zu begrüßen:Sie auch hat ihren Siegeslauf gehemmt.War je ein Rath einfältiger und besser?Hätt' ihn Athenä, wenn ich sie befragt,In's Ohr verständiger mir flüstern können?Sie muß, beim Hades! diese Jungfrau, doch,Die wie vom Himmel plötzlich, kampfgerüstet,In unsern Streit fällt, sich darin zu mischen,Sie muß zu Einer der Parthein sich schlagen;Und uns die Freundinn müssen wir sie glauben,Da sie sich Teukrischen die Feindinn zeigt.

Antilochus.Was sonst, beim Styx! Nichts anders giebt's.

Odysseus. Nun gut.Wir finden sie, die Heldinn Scythiens,Achill und ich—in kriegerischer FeierAn ihrer Jungfraun Spitze aufgepflanzt,Geschürzt, der Helmbusch wallt ihr von der Scheitel,Und seine Gold- und Purpurtroddeln regend,Zerstampft ihr Zelter unter ihr den Grund.Gedankenvoll, auf einen Augenblick,Sieht sie in unsre Schaar, von Ausdruck leer,Als ob in Stein gehau'n wir vor ihr stünden;Hier diese flache Hand, versichr' ich dich,Ist ausdrucksvoller als ihr Angesicht:Bis jetzt ihr Aug auf den Peliden trifft:Und Glut ihr plötzlich, bis zum Hals hinab,Das Antlitz färbt, als schlüge rings um ihrDie Welt in helle Flammenlohe auf.Sie schwingt, mit einer zuckenden Bewegung,—Und einen finstern Blick wirft sie auf ihn—Vom Rücken sich des Pferds herab, und fragt,Die Zügel einer Dien'rinn überliefernd,Was uns, in solchem Prachtzug, zu ihr führe.Ich jetzt, wie wir Argiver hoch erfreut,Auf eine Feindinn des Dardanervolks zu stoßen;Was für ein Haß den Priamiden längstEntbrannt sei in der Griechen Brust, wie nützlich,So ihr, wie uns, ein Bündniß würde sein;Und was der Augenblick noch sonst mir beut:Doch mit Erstaunen, in dem Fluß der Rede,Bemerk' ich, daß sie mich nicht hört. Sie wendet,Mit einem Ausdruck der Verwunderung,Gleich einem sechzehnjähr'gen Mädchen plötzlich,Das von olymp'schen Spielen wiederkehrt,Zu einer Freundinn, ihr zur Seite sich,Und ruft: solch einem Mann, o Prothoe, istOtrere, meine Mutter, nie begegnet!Die Freundinn, auf dies Wort betreten, schweigt,Achill und ich, wir sehn uns lächelnd an,Sie ruht, sie selbst, mit trunk'nem Blick schon wiederAuf des Äginers schimmernde Gestalt:Bis jen' ihr schüchtern naht, und sie erinnert,Daß sie mir noch die Antwort schuldig sei.Drauf mit der Wangen Roth, war's Wuth, war's Schaam,Die Rüstung wieder bis zum Gurt sich färbend,Verwirrt und stolz und wild zugleich: sie seiPenthesilea, kehrt sie sich zu mir,Der Amazonen Königinn, und werdeAus Köchern mir die Antwort übersenden!

Antilochus.So, Wort für Wort, der Bote, den du sandtest;Doch keiner in dem ganzen Griechenlager,Der ihn begriff.

Odysseus. Hierauf unwissend jetzt,Was wir von diesem Auftritt denken sollen,In grimmiger Beschämung gehn wir heim,Und sehn die Teukrischen, die unsre SchmachVon fern her, die hohnlächelnden, errathen,Wie im Triumph sich sammeln. Sie beschließenIm Wahn, sie seien die Begünstigten,Und nur ein Irrthum, der sich lösen müsse,Sei an dem Zorn der Amazone Schuld,Schnell ihr, durch einen Herold, Herz und Hand,Die sie verschmäht, von neuem anzutragen.Doch eh' der Bote, den sie senden wollen,Den Staub noch von der Rüstung abgeschüttelt,Stürzt die Kenthaurinn, mit verhängtem Zügel,Auf sie und uns schon, Griech' und Trojer, ein,Mit eines Waldstroms wüthendem ErgußDie Einen, wie die Andern, niederbrausend.

Antilochus.Ganz unerhört, ihr Danaer!

Odysseus. Jetzt hebtEin Kampf an, wie er, seit die Furien walten,Noch nicht gekämpft ward auf der Erde RückenSo viel ich weiß, giebt es in der NaturKraft blos und ihren Widerstand, nichts Drittes.Was Glut des Feuers löscht, lös't Wasser siedendZu Dampf nicht auf und umgekehrt. Doch hierZeigt ein ergrimmter Feind von beiden sich,Bei dessen Eintritt nicht das Feuer weiß,Ob's mit dem Wasser rieseln soll, das WasserOb's mit dem Feuer himmelan soll lecken.Der Trojer wirft, gedrängt von Amazonen,Sich hinter eines Griechen Schild, der GriecheBefreit ihn von der Jungfrau, die ihn drängte,Und Griech' und Trojer müssen jetzt sich fast,Dem Raub der Helena zu Trotz, vereinen,Um dem gemeinen Feinde zu begegnen.(Ein Grieche bringt ihm Wasser.)Dank! Meine Zunge lechzt.

Diomedes. Seit jenem TageGrollt über dieser Ebne unverrücktDie Schlacht, mit immer reger Wuth, wie einGewitter, zwischen waldgekrönter Felsen GipfelnGeklemmt. Als ich mit den Ätoliern gesternErschien, der unsern Reihen zu verstärken,Schlug sie mit Donnerkrachen eben ein,Als wollte sie den ganzen GriechenstammBis auf den Grund, die Wüthende, zerspalten.Der Krone ganze Blüthe liegt, Ariston,Astyanax, von Sturm herabgerüttelt,Menandros, auf dem Schlachtfeld da, den Lorbeer,Mit ihren jungen, schönen Leibern groß,Für diese kühne Tochter Ares, düngend.Mehr der Gefangnen siegreich nahm sie schon,Als sie uns Augen, sie zu missen, Arme,Sie wieder zu befrein, uns übrig ließ.

Antilochus.Und Niemand kann, was sie uns will ergründen?

Diomedes.Kein Mensch, das eben ist's: wohin wir spähendAuch des Gedankens Senkblei fallen lassen.—oft, aus der sonderbaren Wuth zu schließen,Mit welcher sie, im Kampfgewühl, den SohnDer Thetis sucht, scheint's uns, als ob ein HaßPersönlich wider ihn die Brust ihr füllte.So folgt, so hungerheiß, die Wölfinn nicht,Durch Wälder, die der Schnee bedeckt, der Beute,Die sich ihr Auge grimmig auserkohr,Als sie, durch unsre Schlachtreihn, dem Achill.Doch jüngst, in einem Augenblick, da schonSein Leben war in ihre Macht gegeben,Gab sie es lächelnd, ein Geschenk, ihm wieder:Er stieg zum Orkus, wenn sie ihn nicht hielt.

Antilochus.Wie? Wenn ihn wer? Die Königinn?

Diomedes. Sie selbst!Denn als sie, um die Abenddämmrung gestern,Im Kampf, Penthesilea und Achill,Einander trafen, stürmt Deiphobus her,Und auf der Jungfrau Seite hingestellt,Der Teukrische, trifft er dem PeleïdenMit einem tück'schen Schlag die Rüstung prasselnd,Daß rings der Ormen Wipfel wiederhallten.Die Königinn, entfärbt, läßt zwei MinutenDie Arme sinken: und die Locken dannEntrüstet um entflammte Wangen schüttelnd,Hebt sie vom Pferdes-Rücken hoch sich auf,Und senkt, wie aus dem Firmament geholt,Das Schwerdt ihm wetterstrahlend in den Hals,Daß er zu Füssen hin, der Unberufne,Dem Sohn, dem göttlichen, der Thetis rollt.Er jetzt, zum Dank, will ihr, der Peleïde,Ein Gleiches thun; doch sie bis auf den HalsGebückt, den mähnumflossenen, des Schecken,Der, in dem Goldzaum beißend, sich herumwirft,Weicht seinem Mordhieb aus, und schießt die Zügel,Und sieht sich um, und lächelt, und ist fort.

Antilochus.Ganz wunderbar!

Odysseus. Was bringst du uns von Troja?

Antilochus.Mich sendet Agamemnon her, und fragt dich,Ob Klugheit nicht, bei so gewandeltenVerhältnissen, den Rückzug dir gebiete.Uns gelt' es Iliums Mauern einzustürzen,Nicht einer freien Fürstinn Heereszug,Nach einem uns gleichgült'gen Ziel, zu stören.Falls du daher Gewißheit dir verschafft,Daß nicht mit Hülfe der DardanerburgPenthesilea naht, woll' er, daß ihrSogleich, um welchen Preis gleichviel, euch wiederIn die argivische Verschanzung werft.Verfolgt sie euch, so werd' er, der Atride,Dann an des Heeres Spitze selber sehn,Wozu sich diese räthselhafte SphinxIm Angesicht von Troja wird entscheiden.

Odysseus.Beim Jupiter! Der Meinung bin ich auch.Meint ihr, daß der Laertiade sichIn diesem sinnentblößten Kampf gefällt?Schafft den Peliden weg von diesem Platze!Denn wie die Dogg' entkoppelt, mit GeheulIn das Geweih des Hirsches fällt: der Jäger,Erfüllt von Sorge, lockt und ruft sie ab;Jedoch verbissen in des Prachtthiers Nacken,Tanzt sie durch Berge neben ihm, und Ströme,Fern in des Waldes Nacht hinein: so er,Der Rasende, seit in der Forst des KriegesDieß Wild sich von so seltner Art, ihm zeigte.Durchbort mit einem Pfeilschuß, ihn zu fesseln,Die Schenkel ihm: er weicht, so schwört er, eherVon dieser Amazone Ferse nicht,Bis er bei ihren seidnen Haaren sieVon dem gefleckten Tiegerpferd gerissen.Versuch's, o Antiloch, wenn's dir beliebtUnd sieh', was deine rednerische Kunst,Wenn seine Lippe schäumt, bei ihm vermag.

Diomedes.Laßt uns vereint, ihr Könige, noch einmalVernunft keilförmig, mit Gelassenheit,Auf seine rasende Entschließung setzen.Du wirst, erfindungsreicher Larissäer,Den Riß schon, den er beut, zu finden wissen.Weicht er dir nicht, wohlan, so will ich ihnMit zwei Ätoliern auf den Rücken nehmen,Und einem Klotz gleich, weil der Sinn ihm fehlt,In dem Argiverlager niederwerfen.

Ulysses.Folgt mir!

Antilochus.Nun? Wer auch eilt uns dort heran?

Diomedes.Es ist Adrast. So bleich und so verstöhrt.

Zweiter Auftritt.

Die Vorigen. Ein Hauptmann. (tritt auf)

Odysseus.Was bringst du?

Diomedes. Botschaft?

Der Hauptmann. Euch die ödeste,Die euer Ohr noch je vernahm.

Diomedes. Wie?

Odysseus. Rede!

Der Hauptmann.Achill—ist in der Amazonen Händen,Und Pergams Mauern fallen jezt nicht um.

Diomedes.Ihr Götter. ihr olympischen!

Odysseus. Unglücksbote!

Antilochus.Wann trug, wo, das Entsetzliche sich zu?

Der Hauptmann.Ein neuer Anfall, heiß, wie Wetterstrahl,Schmolz, dieser wutherfüllten Mavorstöchter,Rings der Ätolier wackre Reihen hin,Auf uns, wie Wassersturz, hernieder sie,Die unbesiegten Myrmidonier, gießend.Vergebens drängen wir dem FluchtgewogEntgegen uns: in wilder ÜberschwemmungReißt's uns vom Kampfplatz strudelnd mit sich fort:Und eher nicht vermögen wir den Fuß,Als fern von dem Peliden fest zu setzen.Erst jetzo wickelt er, umstarrt von Spießen,Sich aus der Nacht des Kampfes los, er rolltVon eines Hügels Spitze scheu herab,Auf uns kehrt glücklich sich sein Lauf, wir sendenAufjauchzend ihm den Rettungsgruß schon zu:Doch es erstirbt der Laut im Busen uns,Da plötzlich jetzt sein Viergespann zurückVor einem Abgrund stutzt, und hoch aus WolkenIn grause Tiefe bäumend niederschaut.Vergebens jetzt, in der er Meister ist,Des Isthmus ganze vielgeübte Kunst:Das Roßgeschwader wendet, das erschrockne,Die Häupter rückwärts in die Geißelhiebe,Und im verworrenen Geschirre fallend,Zum Chaos, Pferd' und Wagen, eingestürzt,Liegt unser Göttersohn, mit seinem Fuhrwerk,Wie in der Schlinge eingefangen da.

Antilochus.Der Rasende! Wohin treibt ihn—?

Der Hauptmann. Es stürztAutomedon, des Fahrzeugs rüst'ger Lenker,In die Verwirrung hurtig sich der Rosse:Er hilft dem Viergekoppel wieder auf.Doch eh' er noch aus allen Knoten ringsDie Schenkel, die verwickelten, gelös't,Sprengt schon die Königinn, mit einem SchwarmSiegreicher Amazonen, ins Geklüft,Jedweden Weg zur Rettung ihm versperrend.

Antilochus.Ihr Himmlischen!

Der Hauptmann. Sie hemmt, Staub rings umqualmt sie,Des Zelters flücht'gen Lauf, und hoch zum GipfelDas Angesicht, das funkelnde, gekehrt,Mißt sie, auf einen Augenblick, die Wand:Der Helmbusch selbst, als ob er sich entsetzte,Reißt bei der Scheitel sie von hinten nieder.Drauf plötzlich jetzt legt sie die Zügel weg:Man sieht, gleich einer Schwindelnden, sie hastigDie Stirn, von einer Lockenfluth umwallt,In ihre beiden kleinen Hände drücken.Bestürzt, bei diesem sonderbaren Anblick,Umwimmeln alle Jungfraun sie, mit heißEindringlicher Gebährde sie beschwörend;Die Eine, die zunächst verwandt ihr scheint,Schlingt ihren Arm um sie, indeß die AndreEntschloßner noch, des Pferdes Zügel greift:Man will den Fortschritt mit Gewalt ihr wehren,Doch sie—

Diomedes. Wie? wagt sie es?

Antilochus. Nein, sprich!

Der Hauptmann. Ihr hörts.Umsonst sind die Versuche, sie zu halten,Sie drängt mit sanfter Macht von beiden SeitenDie Fraun hinweg, und im unruhigen TrabeAn dem Geklüfte auf und nieder streifend,Sucht sie, ob nicht ein schmaler Pfad sich bieteFür einen Wunsch, der keine Flügel hat;Drauf jetzt, gleich einer Rasenden, sieht manEmpor sie an des Felsens Wände klimmen,Jetzt hier, in glühender Begier, jetzt dort,Unsinn'ger Hoffnung voll, auf diesem WegeDie Beute, die im Garn liegt, zu erhaschen.Jetzt hat sie jeden sanftern Riß versucht,Den sich im Fels der Regen ausgewaschen;Der Absturz ist, sie sieht es, unersteiglich;Doch, wie beraubt des Urtheils, kehrt sie um,Und fängt, als wär's von vorn, zu klettern an.Und schwingt, die Unverdrossene, sich wirklichAuf Pfaden, die des Wandrers Fußtritt scheut,Schwingt sich des Gipfels höchstem Rande näherUm einer Orme Höh; und da sie jetzt auf einemGranitblock steht, von nicht mehr FlächenraumAls eine Gemse sich zu halten braucht;Von ragendem Geklüfte rings geschreckt,Den Schritt nicht vorwärts mehr, nicht rückwärts wagt;Der Weiber Angstgeschrei durchkreischt die Luft:Stürzt sie urplötzlich, Roß und Reuterinn,Von los sich lösendem Gestein umprasselt,Als ob sie in den Orkus führe, schmetterndBis an des Felsens tiefsten Fuß zurück,Und bricht den Hals sich nicht und lernt auch nichts:Sie rafft sich bloß zu neuem Klimmen auf.

Antilochus.Seht die Hyäne, die blind-wüthende!

Odysseus.Nun? Und Automedon?

Der Hauptmann. Er endlich schwingt,Das Fahrzeug steht, die Rosse auch, geordnet—Hephästos hätt' in so viel Zeit fast neuDen ganzen erznen Wagen schmieden können—Er schwingt dem Sitz sich zu, und greift die Zügel:Ein Stein fällt uns Argivern von der Brust.Doch eben jezt, da er die Pferde wendet,Erspähn die Amazonen einen Pfad,Dem Gipfel sanfthin zugeführt, und rufen,Das Thal rings mit Geschrei des Jubels füllend,Die Königinn dahin, die sinnberaubte,Die immer noch des Felsens Sturz versucht.Sie, auf dies Wort, das Roß zurücke werfend,Rasch einen Blick den Pfad schickt sie hinan;Und dem gestreckten Parder gleich, folgt sieDem Blick auch auf dem Fuß: er, der Pelide,Entwich zwar mit den Rossen, rückwärts strebend;Doch in den Gründen bald verschwand er mir,Und was aus ihm geworden, weiß ich nicht.

Antilochus.Verloren ist er!

Diomedes. Auf! Was thun wir, Freunde?

Odysseus.Was unser Herz, ihr Könige, gebeut!Auf! laßt uns ihn der Königinn entreißen!Gilt's einen Kampf um ihn auf Tod und Leben:Den Kampf bei den Atriden fecht' ich aus.

Odysseus, Diomedes, Antilochus (ab.)

Dritter Auftritt

Der Hauptmann. Eine Schaar von Griechen. (welche während dessen einen Hügel bestiegen haben).

Ein Myrmidonier. (in die Gegend schauend.)Seht! Steigt dort über jenes Berges Rücken,Ein Haupt nicht, ein bewaffnetes, empor?Ein Helm, von Federbüschen überschattet?Der Nacken schon, der mächt'ge, der es trägt?Die Schultern auch, die Arme, stahlumglänzt?Das ganze Brustgebild, O seht doch, Freunde,Bis wo den Leib der gold'ne Gurt umschließt?

Der Hauptmann.Ha! Wessen!

Der Myrmidonier.Wessen! Träum' ich, ihr Argiver?Die Häupter sieht man schon, geschmückt mit Blessen,Des Roßgespanns! Nur noch die Schenkel sind,Die Hufen, von der Höhe Rand bedeckt!Jetzt, auf dem Horizonte, steht das ganzeKriegsfahrzeug da! So geht die Sonne prachtvollAn einem heitern Frühlingstage auf!

Die Griechen.Triumph! Achilleus ist's! Der Göttersohn!Selbst die Quadriga führet er heran!Er ist gerettet!

Der Hauptmann.Ihr Olympischen!So sei euch ew'ger Ruhm gegönnt!—Odysseus!—Flieg Einer den argol'schen Fürsten nach!(Ein Grieche schnell ab.)Naht er sich uns, ihr Danaer?

Der Myrmidonier. O sieh!

Der Hauptmann.Was giebt's?

Der Myrmidonier.O mir vergeht der Athem, Hauptmann!

Der Hauptmann.So rede, sprich!

Der Myrmidonier.O, wie er mit der LinkenVor über seiner Rosse Rücken geht!Wie er die Geißel umschwingt über sie!Wie sie von ihrem bloßen Klang erregt,Der Erde Grund, die göttlichen, zerstampfen!Am Zügel zieh'n sie, beim Lebendigen,Mit ihrer Schlünde Dampf, das Fahrzeug fort!Gehetzter Hirsche Flug ist schneller nicht!Der Blick drängt unzerknickt sich durch die Räder,Zur Scheibe fliegend eingedreht, nicht hin!

Ein Ätolier.Doch hinter ihm—

Der Hauptmann. Was?

Der Myrmidonier. An des Berges Saum—

Der Ätolier.Staub—

Der Myrmidonier.Staub aufqualmend, wie Gewitterwolken:Und, wie der Blitz vorzuckt—

Der Ätolier. Ihr ew'gen Götter!

Der Myrmidonier.Penthesilea.

Der Hauptmann. Wer?

Der Ätolier. Die Königinn!—Ihm auf dem Fuß, dem Peleïden, schonMit ihrem ganzen Troß von Weibern folgend.

Der Hauptmann.Die rasende Megär'!

Die Griechen. (rufend) Hieher den Lauf!Hieher den Lauf, du göttlicher gerichtet!Auf uns den Lauf!

Der Ätolier. Seht! wie sie mit den SchenkelnDes Tiegers Leib inbrünstiglich umarmt!Wie sie, bis auf die Mähn' herabgebeugt,Hinweg die Luft trinkt lechzend, die sie hemmt!Sie fliegt, wie von der Senne abgeschossen:Numidsche Pfeile sind nicht hurtiger!Das Heer bleibt keuchend, hinter ihr, wie Köter,Wenn sich ganz aus die Dogge streckt, zurück!Kaum daß ihr Federbusch ihr folgen kann!

Der Hauptmann.So naht sie ihm?

Ein Doloper. Naht ihm!

Der Myrmidonier. Naht ihm noch nicht!

Der Doloper.Naht ihm, ihr Danaer! Mit jedem Hufschlag,Schlingt sie, wie hungerheiß, ein Stück des Weges,Der sie von dem Peliden trennt, hinunter!

Der Myrmidonier.Bei allen hohen Göttern, die uns schützen!Sie wächst zu seiner Größe schon heran!Sie athmet schon, zurückgeführt vom Winde,Den Staub, den säumend seine Fahrt erregt!Der rasche Zelter wirft, auf dem sie reitet,Erdschollen, aufgewühlt von seiner Flucht,Schon in die Muschel seines Wagens hin!

Der Ätolier.Und jetzt—der Übermüth'ge! Rasende!Er lenkt im Bogen spielend noch! Gieb Acht:Die Amazone wird die Sehne nehmen.Siehst du? Sie schneidet ihm den Lauf—

Der Myrmidonier. Hilf! Zevs!An seiner Seite fliegt sie schon! Ihr Schatten,Groß, wie ein Riese, in der Morgensonne,Erschlägt ihn schon!

Der Ätolier. Doch jetzt urplötzlich reißt er—

Der Doloper.Das ganze Roßgeschwader reißt er plötzlichZur Seit' herum!

Der Ätolier. Zu uns her fliegt er wieder!

Der Myrmidonier.Ha! Der Verschlagne! Er betrog sie—

Der Doloper. Hui!Wie sie, die Unaufhaltsame, vorbeiSchießt an dem Fuhrwerk—

Der Myrmidonier. Prellt, im Sattel fliegt,Und stolpert—

Der Doloper. Stürzt!

Der Hauptmann. Was?

Der Myrmidonier. Stürzt, die Königinn!Und eine Jungfrau blindhin über sie—

Der Doloper.Und Eine noch—

Der Myrmidonier. Und wieder—

Der Doloper. Und noch Eine—

Der Hauptmann.Ha! Stürzen, Freunde?

Der Doloper. Stürzen—

Der Myrmidonier. Stürzen, Hauptmann,Wie in der Feueresse eingeschmelzt,Zum Haufen, Roß und Reut'rinnen, zusammen!

Der Hauptmann.Daß sie zu Asche würden!

Der Doloper. Staub ringsum,Vom Glanz der Rüstungen durchzuckt und Waffen:Das Aug' erkennt nichts mehr, wie scharf es sieht.Ein Knäuel, ein verworrener, von JungfraunDurchwebt von Rossen bunt: das Chaos war,Das erst', aus dem die Welt sprang, deutlicher.

Der Ätolier.Doch jetzt—ein Wind erhebt sich; Tag wird es,Und eine der Gestürzten rafft sich auf.

Der Doloper.Ha! Wie sich das Gewimmel lustig regt!Wie sie die Spieße sich, die Helme, suchen,Die weithin auf das Feld geschleuderten!

Der Myrmidonier.Drei Rosse noch, und eine Reuterinn, liegenGestreckt wie todt—

Der Hauptmann. Ist das die Königinn?

Der Ätolier.Penthesilea, fragst du?

Der Myrmidonier. Ob's die Königinn?—Daß mir den Dienst die Augen weigerten!Dort steht sie!

Der Doloper. Wo?

Der Hauptmann. Nein, sprich!

Der Myrmidonier. Dort, beim Kroniden,Wo sie gestürzt: in jener Eiche Schatten!An ihres Pferdes Nacken hält sie sich,Das Haupt entblößt—seht ihr den Helm am Boden?Die Locken schwachhin mit der Rechten greifend,Wischt sie, ist's Staub, ist's Blut, sich von der Stirn.

Der Doloper.Bei Gott, sie ist's!

Der Hauptmann. Die Unverwüstliche!

Der Ätolier.Die Katze, die so stürzt, verreckt; nicht sie!

Der Hauptmann.Und der Pelid'?

Der Doloper. Ihn schützen alle Götter!Um drei Pfeilschüsse flog er fort und drüber!Kaum mehr mit Blicken kann sie ihn erreichen,Und der Gedanke selbst, der strebende,Macht ihr im athemlosen Busen: halt!

Der Myrmidonier.Triumph! Dort trit Odysseus jetzt hervor!Das ganze Griechenheer, im Strahl der Sonne,Trit plötzlich aus des Waldes Nacht hervor!

Der Hauptmann.Odyß? Und Diomed auch? O ihr Götter!—Wie weit noch in dem Feld ist er zurück?

Der Doloper.Kaum einen Steinwurf, Hauptmann! Sein GespannFliegt auf die Höhen am Skamandros schon,Wo sich das Heer raschhin am Rande ordnet.Die Reih'n schon wettert er entlang—

Stimmen. (aus der Ferne) Heil dir!

Der Doloper.Sie rufen, die Argiver, ihm—

Stimmen. Heil dir!Achill! Heil dir, Pelide! Göttersohn!Heil dir! Heil dir! Heil dir!

Der Doloper. Er hemmt den Lauf!Vor den versammelten ArgiverfürstenHemmt er den Lauf! Odysseus naht sich ihm!Vom Sitz springt er, der Staubbedeckte, nieder!Die Zügel giebt er weg! Er wendet sich!Er nimmt den Helm ab, der sein Haupt beschwert!Und alle Könige umringen ihn!Die Griechen reißen ihn, die jauchzenden,Um seine Knie wimmelnd, mit sich fort:Indeß Automedon die Rosse schrittweis,Die dampfenden, an seiner Seite führt!Hier wälzt der ganze Jubelzug sich schonAuf uns heran! Heil dir! du Göttlicher!O seht doch her, seht her—Da ist er schon!

Vierter Auftritt.

Achilles (ihm folgen) Odysseus, Diomedes, Antilochus, Automedon (mit der Quadriga ihm zur Seite) das Heer der Griechen.

Odysseus.Sei mir, Äginerheld, aus heißer BrustGegrüßt! Du Sieger auch noch in der Flucht!Beim Jupiter! Wenn hinter deinem Rücken,Durch deines Geistes Obmacht über ihren,In Staub die Feindinn stürzt, was wird gescheh'n,Wenn's dir gelingt, du Göttlicher, sie einstVon Angesicht zu Angesicht zu fassen.

Achilles. (er hält den Helm in der Hand und wischt sich denSchweiß von der Stirn, Zwei Griechen ergreifen, ihm unbewußt,Einen seiner Arme, der verwundet ist, und verbinden ihn)Was ist? Was giebt's?

Antilochus. Du hast in einem KampfWetteifernder Geschwindigkeit bestanden,Neridensohn, wie losgelasseneGewitterstürm', am Himmelsplane brausend,Noch der erstaunten Welt ihn nicht gezeigt.Bei den Erynnien! Meiner Reue würd' ichMit deinem flüchtigen Gespann entflieh'n,Hätt' ich, des Lebens Gleise schwer durchknarrend,Die Sünden von der ganzen TrojerburgDer Muschel meiner Brust auch aufgeladen.

Achilles. (zu den zwei Griechen, welche ihn mit ihrem Geschäfft zu belästigen scheinen) Die Narren.

Ein Griechenfürst.Wer?

Achilles. Was neckt ihr

Der erste Grieche. (der ihm den Arm verbindet)Halt! Du blutest!

Achilles.Nun ja.

Der zweite Grieche.So steh!

Der Erste.So laß dich auch verbinden.

Der Zweite.Gleich ist's geschehn.

Diomedes.—Es hieß zu Anfang hier,Der Rückzug meiner Völker habe dichIn diese Flucht gestürzt; beschäftigetMit dem Ulyß, den Antiloch zu hören,Der Bothschaft uns von den Atriden brachte,War ich selbst auf dem Platz nicht gegenwärtig.Doch Alles, was ich sehe, überzeugt mich,Daß dieser meisterhaften Fahrt ein freierEntwurf zum Grunde lag. Man könnte fragen,Ob du bei Tagesanbruch, da wir zumGefecht noch allererst uns rüsteten,Den Feldstein schon gedacht dir, über welchenDie Königinn zusammenstürzen sollte:So sichern Schrittes, bei den ewigen Göttern,Hast du zu diesem Stein sie hingeführt.

Odysseus.Doch jetzt, Doloperheld, wirst du gefällig,Wenn dich ein Anderes nicht besser dünkt,Mit uns dich ins Argiverlager werfen.Die Söhne Atreus rufen uns zurück.Wir werden mit verstelltem Rückzug sieIn das Skamandrosthal zu locken suchen,Wo Agamemnon aus dem HinterhaltIn einer Hauptschlacht sie empfangen wird.Beim Gott des Donners! Nirgends, oder dortKühlst du die Brunst dir ab, die, rastlos drängend,Gleich einem jungen Spießer, dich verfolgt:Und meinen beßten Segen schenk' ich dir.Denn mir ein Gräul auch, in den Tod verhaßt,Schweift die Megäre, unsre Thaten störend,Auf diesem Feld herum, und gern möcht' ich,Gesteh' ich dir, die Spur von deinem FußtrittAuf ihrer rosenblüthnen Wange sehn.

Achilles. (sein Blick fällt auf die Pferde.)Sie schwitzen.

Antilochus. Wer?

Automedon. (indem er ihre Hälse mit der Hand prüft)Wie Blei.

Achilles. Gut. Führe sie.Und wenn die Luft sie abgekühlt, so wascheBrüst' ihnen und der Schenkel Paar mit Wein.

Automedon.Man bringt die Schläuche schon.

Diomedes.—Hier siehst du wohl,Vortrefflicher, daß wir im Nachtheil kämpfen.Bedeckt, so weit das schärfste Auge reicht,Sind alle Hügel von der Weiber Haufen;Heuschrecken lassen dichtgeschloßner nichtAuf eine reife Saatenflur sich nieder.Wem noch gelang ein Sieg, wie er ihn wünschte?Ist Einer, außer dir, der sagen kann,Er hab' auch die Kenthaurinn nur gesehn?Umsonst, daß wir, in goldnen Rüstungen,Hervor uns drängen, unsern FürstenstandLautschmetternd durch Trompeten ihr verkünden:Sie rückt nicht aus dem Hintergrund hervor;Und wer auch fern, vom Windzug hergeführt,Nur ihre Silberstimme hören wollte,Müßt' eine Schlacht, unrühmlich, zweifelhaft,Vorher mit losem Kriegsgesindel kämpfen,Das sie, den Höllenhunden gleich, bewacht.

Achilles. (in die Ferne hinaus schauend)Steht sie noch da?

Diomedes. Du fragst?—

Antilochus. Die Königinn?

Der Hauptmann.Man sieht nichts—Platz! Die Federbüsch' hinweg!

Der Grieche. (der ihm den Arm verbindet)Halt'! Einen Augenblick.

Ein Griechenfürst. Dort, allerdings!

Diomedes.Wo?

Der Griechenfürst.Bei der Eiche, unter der sie fiel.Der Helmbusch wallt schon wieder ihr vom Haupte,Und ihr Misschicksal scheint verschmerzt.—

Der erste Grieche. Nun endlich!

Der Zweite.Den Arm jetzt magst du, wie du willst, gebrauchen.

Der Erste.Jetzt kannst du gehn.

(Die Griechen verknüpfen noch einen Knoten und lassen seinenArm fahren.)

Odysseus. Hast du gehört, Pelide,Was wir dir vorgestellt?

Achilles. Mir vorgestellt?Nein, nichts. Was war's? Was wollt ihr?

Odysseus. Was wir wollen?Seltsam.—Wir unterrichteten von den BefehlenDich der Atriden! Agamemnon will,Daß wir sogleich ins Griechenlager kehren;Den Antiloch sandt' er, wenn du ihn siehst,Mit diesem Schluß des Feldherrnraths uns ab.Der Kriegsplan ist, die Amazonen-KöniginnHerab nach der Dardanerburg zu locken,Wo sie in beider Heere Mitte nunVon treibenden Verhältnissen gedrängt,Sich muß, wem sie die Freundinn sei, erklären;Und wir dann, sie erwähle, was sie wolle,Wir werden wissen mindstens, was zu thun.Ich traue deiner Klugheit zu, Pelide,Du folgst der Weisheit dieser Anordnung.Denn Wahnsinn wär's, bei den Olympischen,Da dringend uns der Krieg nach Troja ruft,Mit diesen Jungfrau'n hier uns einzulassen,Bevor wir wissen, was sie von uns wollen,Noch überhaupt nur, ob sie uns was wollen?

Achilles. (indem er sich den Helm wieder aufsetzt)Kämpft ihr, wie die Verschnittnen, wenn ihr wollt;Mich einen Mann fühl ich, und diesen Weibern,Wenn keiner sonst im Heere, will ich stehn!Ob ihr hier länger, unter kühlen Fichten,Ohnmächtiger Lust voll, sie umschweift, ob nicht,Vom Bette fern der Schlacht, die sie umwogt,Gilt mir gleichviel: beim Styx, ich will'ge drein,Daß ihr nach Ilium zurücke kehrt.Was mir die Göttliche begehrt, das weiß ich:Brautwerber schickt sie mir, gefederte,Genug in Lüften zu, die ihre WünscheMit Todgeflüster in das Ohr mir raunen.Im Leben keiner Schönen war ich spröd;Seid mir der Bart gekeimt, ihr lieben Freunde,Ihr wißt's, zu Willen jeder war ich gern:Und wenn ich dieser mich gesperrt bis heute,Beim Zevs, des Donners Gott, geschah's, weil ichDas Plätzchen unter Büschen noch nicht fand,Sie ungestört, ganz wie ihr Herz es wünscht,Auf Küßen heiß von Erz im Arm zu nehmen.Kurz, geht: ins Griechenlager folg' ich euch;Die Schäferstunde bleibt nicht lang mehr aus:Doch müßt ich auch durch ganze Monden noch,Und Jahre, um sie frein: den Wagen dortNicht ehr zu meinen Freunden will ich lenken,Ich schwör's, und Pergamos nicht wiedersehn,Als bis ich sie zu meiner Braut gemacht,Und sie, die Stirn bekränzt mit Todeswunden,Kann durch die Straßen häuptlings mit mir schleifen.Folgt mir!

Ein Grieche. (tritt auf)Penthesilea naht sich dir, Pelide!

Achilles.Ich auch. Bestieg sie schon den Perser wieder?

Der Grieche.Noch nicht. Zu Fuße schreitet sie heran,Doch ihr zur Seite stampft der Perser schon.

Achilles.Wohlan! So schafft mir auch ein Roß, ihr Freunde!Folgt, meine tapfern Myrmidonier, mir.

Das Heer. (bricht auf)

Antilochus.Der Rasende!

Odysseus. Nun, so versuche dochJetzt deine Rednerkunst, o Antiloch!

Antilochus.Laßt mit Gewalt uns ihn—

Diomedes. Fort ist er schon!

Odysseus.Verwünscht sei dieser Amazonenkrieg!

(Alle ab.)

Fünfter Auftritt.

Penthesilea, Prothoe, Meroe, Asteria,Gefolge, das Amazonenheer.

Die Amazonen.Heil dir, du Siegerinn! Überwinderinn!Des Rosenfestes Königinn! Triumph dir!

Penthesilea.Nichts vom Triumph mir! Nichts vom Rosenfeste!Es ruft die Schlacht noch einmal mich ins Feld.Den jungen trotz'gen Kriegsgott bänd'g' ich mir,Gefährtinnen, zehntausend Sonnen dünken,Zu einem Glutball eingeschmelzt, so glanzvollNicht, als ein Sieg, ein Sieg mir über ihn.

Prothoe.Geliebte, ich beschwöre dich—

Penthesilea. Laß mich!Du hörst, was ich beschloß, eh würdest duDen Strom, wenn er herab von Bergen schießt,Als meiner Seele Donnersturz regieren.Ich will zu meiner Füße Staub ihn sehen,Den Übermüthigen, der mir an diesemGlorwürd'gen Schlachtentag, wie keiner noch,Das kriegerische Hochgefühl verwirrt.Ist das die Siegerinn, die schreckliche,Der Amazonen stolze Königinn,Die seines Busens erzne Rüstung mir,Wenn sich mein Fuß ihm naht, zurückespiegelt?Fühl' ich, mit aller Götter Fluch Belad'ne,Da rings das Heer der Griechen vor mir flieht,Bei dieses einz'gen Helden Anblick michGelähmt nicht, in dem Innersten getroffen,Mich, mich die Überwundene, Besiegte?Wo ist der Sitz mir, der kein Busen ward,Auch des Gefühls, das mich zu Boden wirft?Ins Schlachtgetümmel stürzen will ich mich,Wo der Hohnlächelnde mein harrt, und ihnMir überwinden, oder leben nicht!

Prothoe.Wenn du dein Haupt doch, theure Königinn,An diesem treuen Busen ruhen wolltest.Der Sturz, der dir die Brust gewaltsam traf,Hat dir das Blut entflammt, den Sinn empört:An allen jungen Gliedern zitterst du!Beschließe nichts, wir alle flehen dich,Bis heitrer dir der Geist zurückgekehrt.Komm, ruhe dich bei mir ein wenig aus.

Penthesilea.Warum? Weshalb? Was ist geschehn? Was sagt' ich?Hab' ich?—Was hab' ich denn—?

Prothoe. Um eines Siegs,Der deine junge Seele flüchtig reizt,Willst du das Spiel der Schlachten neu beginnen?Weil unerfüllt ein Wunsch, ich weiß nicht welcher,Dir im geheimen Herzen blieb, den Seegen,Gleich einem übellaunigen Kind, hinweg,Der deines Volks Gebete krönte, werfen?Ha, sieh! Verwünscht das Loos mir dieses Tages!Wie mit dem Schicksal heut, dem tückischen,Sich meiner Seele liebste FreundinnenVerbünden, mir zu schaden, mich zu kränken!Wo sich die Hand, die lüsterne, nur regt,Den Ruhm, wenn er bei mir vorüberfleucht,Bei seinem goldnen Lockenhaar zu fassen,Trit eine Macht mir hämisch in den Weg——Und Trotz ist, Widerspruch, die Seele mir!Hinweg!

Prothoe. (für sich)Ihr Himmlischen, beschützet sie!

Penthesilea.Denk' ich bloß mich, sind's meine Wünsche bloß,Die mich zurück aufs Feld der Schlachten rufen?Ist es das Volk, ist's das Verderben nicht,Das in des Siegs wahnsinniger Berauschung,Hörbaren Flügelschlags, von fern ihm naht?Was ist geschehn, daß wir zur Vesper schon,Wie nach vollbrachter Arbeit ruhen wollen?Gemäht liegt uns, zu Garben eingebunden,Der Erndte üpp'ger Schatz, in Scheuern hoch,Die in den Himmel ragen, aufgethürmt:Jedoch die Wolke heillos überschwebt ihn,Und den Vernichtungsstrahl droht sie herab.Die Jünglingsschaar, die überwundene,Ihr werdet sie, bekränzt mit Blumen nicht,Bei der Posaunen und der Cymbeln Klang,Zu euren duft'gen Heimathsthälern führen.Aus jedem tückschen Hinterhalt hervor,Der sich ihm beut, seh' ich den PeleïdenAuf euren frohen Jubelzug sich stürzen.Euch und dem Trosse der Gefangenen,Bis zu den Mauern Themiscyras folgen;Ja in der Artemis geweihtem TempelDie Ketten noch, die rosenblüthenen,Von ihren Gliedern reißen und die unsernMit erzgegoßner Fessel Last bewuchten.Soll ich von seiner Fers', ich Rasende,Die nun fünf schweißerfüllte Sonnen schonAn seinem Sturze rüttelte, entweichen:Da er vom Windzug eines Streiches muß,Getroffen, unter meines Rosses Huf,Wie eine reife Südfrucht, niederfallen?Nein, eh' ich, was so herrlich mir begonnen,So groß, nicht endige, eh' ich nicht völligDen Kranz, der mir die Stirn umrauscht', erfasse,Eh' ich Mars Töchter nicht, wie ich versprach,Jetzt auf des Glückes Gipfel jauchzend führe,Eh' möge seine Pyramide schmetterndZusammenbrechen über mich und sie:Verflucht das Herz, das sich nicht mäß'gen kann.

Prothoe.Dein Aug', o Herrscherinn, erglüht ganz fremd,Ganz unbegreiflich, und Gedanken wälzen,So finster, wie der ew'gen Nacht entstiegen,In meinem ahndungsvollen Busen sich.Die Schaar, die deine Seele seltsam fürchtet,Entfloh rings vor dir her, wie Spreu vor Winden;Kaum daß ein Speer sich noch erblicken läßt.Achill, so wie du mit dem Heer dich stelltest,Von dem Skamandros ist er abgeschnitten;Reiz' ihn nicht mehr, aus seinem Blick nur weiche:Den ersten Schritt, beim Jupiter, ich schwör's,In seine Danaerschanze setzt er hin.Ich will, ich, dir des Heeres Schweif beschirmen.Sieh', bei den Göttern des Olymps, nicht EinenGefangenen entreißt er dir! Es sollDer Glanz, auch meilenfernhin, seiner Waffen,Dein Heer nicht schrecken, seiner Rosse ferner TrittDir kein Gelächter einer Jungfrau stören:Mit meinem Haupt steh' ich dir dafür ein!

Penthesilea. (indem sie sich plötzlich zu Asteria wendet)Kann das geschehn, Asteria?

Asteria. Herrscherinn—

Penthesilea.Kann ich das Heer, wie Prothoe verlangt,Nach Themiscyra wohl zurücke führen?

Asteria.Vergieb, wenn ich in meinem Fall, o Fürstinn—

Penthesilea.Sprich dreist. Du hörst.

Prothoe. (schüchtern) Wenn du den Rath willst gütigVersammelt aller Fürstinnen befragen,So wird—

Penthesilea.Den Rath hier dieser will ich wissen!—Was bin ich denn seit einer Hand voll Stunden?(Pause, in welcher sie sich sammelt)—Kann ich das Heer, du sprichst, Asteria,Kann ich es wohl zurück zur Heimath führen?

Asteria.Wenn du so willst, o Herrscherinn, so laßMich dir gestehn, wie ich des Schauspiels staune,Das mir in die ungläub'gen Sinne fällt.Vom Kaukasus, mit meinem Völkerstamm,Um eine Sonne später aufgebrochen,Konnt' ich dem Zuge deines Heeres nicht,Der reißend wie ein Strom dahinschoß, folgen,Erst heute, weißt du, mit der Dämmerung,Auf diesen Platz schlagfertig treff ich ein;Und jauchzend schallt aus tausend Kehlen mirDie Nachricht zu: Der Sieg, er sei erkämpft,Beschlossen schon, auf jede ForderungDer ganze Amazonenkrieg. Erfreut,Versichr' ich dich, daß das Gebet des Volks sich dirSo leicht, und unbedürftig mein, erfüllt,Ordn' ich zur Rückkehr Alles wieder an;Neugierde treibt mich doch, die Schaar zu sehen,Die man mir als des Sieges Beute rühmt;Und eine Handvoll Knechte, bleich und zitternd,Erblickt mein Auge, der Argiver Auswurf,Auf Schildern, die sie fliehend weggeworfen,Von deinem Kriegstroß schwärmend aufgelesen.Vor Trojas stolzen Mauern steht das ganzeHelenenheer, steht Agamemnon noch,Stehn Menelaus, Ajax, Palamed;Ulysses, Diomedes, Antilochus,Sie wagen dir ins Angesicht zu trotzen:Ja jener junge Nereïdensohn,Den deine Hand mit Rosen schmücken sollte,Die Stirn beut er, der Übermüth'ge, dir;Den Fußtritt will er, und erklärt es laut,Auf deinen königlichen Nacken setzen:Und meine große Arestochter fragt mich,Ob sie den Siegesheimzug feiern darf?

Prothoe. (leidenschaftlich)Der Königinn, du Falsche, sanken HeldenAn Hoheit, Muth und Schöne—

Penthesilea. Schweig, Verhaßte!Asteria fühlt, wie ich, es ist nur EinerHier mir zu sinken werth: und dieser Eine,Dort steht er noch im Feld der Schlacht und trotzt!

Prothoe.Nicht von der Leidenschaft, o Herrscherinn,Wirst du dich—

Penthesilea. Natter! Deine Zunge nimm gefangen!—Willst du den Zorn nicht deiner Königinn wagen!Hinweg!

Prothoe.So wag' ich meiner Königinn Zorn!Eh' will ich nie dein Antlitz wiedersehen,Als feig', in diesem Augenblick, dir eineVerrätherinn schmeichlerisch zur Seite stehn.Du bist, in Flammen wie du loderst, nichtGeschickt, den Krieg der Jungfraun fortzuführen;So wenig, wie, sich mit dem Spieß zu messen,Der Löwe, wenn er von dem Gift getrunken,Das ihm der Jäger tückisch vorgesetzt.Nicht den Peliden, bei den ew'gen Göttern,Wirst du in dieser Stimmung dir gewinnen:Vielmehr, noch eh' die Sonne sinkt, versprech' ich,Die Jünglinge, die unser Arm bezwungen,So vieler unschätzbaren Mühen Preis,Uns bloß, in deiner Raserei verlieren.

Penthesilea.Das ist ja sonderbar und unbegreiflich!Was macht dich plötzlich denn so feig?

Prothoe. Was mich?—

Penthesilea.Wen überwandst du, sag' mir an?

Prothoe. Lykaon,Den jungen Fürsten der Arkadier.Mich dünkt, du sahst ihn.

Penthesilea. So, so. War es jener,Der zitternd stand, mit eingeknicktem Helmbusch,Als ich mich den Gefangnen gestern—

Prothoe. Zitternd!Er stand so fest, wie je dir der Pelide!Im Kampf von meinen Pfeilen heiß getroffen,Sank er zu Füssen mir, stolz werd' ich ihn,An jenem Fest der Rosen, stolz, wie Eine,Zu unserm heil'gen Tempel führen können.

Penthesilea.Wahrhaftig? Wie du so begeistert bist.Nun denn—er soll dir nicht entrissen werden!—Führt aus der Schaar ihn den Gefangenen,Lykaon, den Arkadier herbei!—Nim, du unkriegerische Jungfrau, ihn,Entfleuch, daß er dir nicht verloren gehe,Aus dem Geräusch der Schlacht mit ihm, bergt euchIn Hecken von süß duftendem Holunder,In der Gebirge fernsten Kluft, wo ihrWollüstig Lied die Nachtigall dir flötet,Und fei'r es gleich, du Lüsterne, das Fest,Das deine Seele nicht erwarten kann.Doch aus dem Angesicht sei ewig mir,Sie aus der Hauptstadt mir verbannt, laß denGeliebten dich und seine Küße, trösten,Wenn Alles, Ruhm dir, Vaterland und Liebe,Die Königinn, die Freundinn untergeht.Geh' und befreie—geh! ich will nichts wissen!Von deinem hassenswürd'gen Anblick mich!

Meroe.O, Königinn!

Eine andere Fürstinn. (aus ihrem Gefolge)Welch ein Wort sprachst du?

Penthesilea. Schweigt, sag ich!Der Rache weih' ich den, der für sie fleht!

Eine Amazone. (tritt auf)Achilles nahet dir, o Herrscherinn!

Penthesilea.Er naht—Wohlauf, ihr Jungfraun, denn zur Schlacht!—Reicht mir der Spieße Treffendsten, o reichtDer Schwerdter Wetterflammendstes mir her!Die Lust, ihr Götter, müßt ihr mir gewähren,Den einen heißersehnten Jüngling siegreichZum Staub mir noch der Füße hinzuwerfen.Das ganze Maas von Glück erlaß ich euch,Das meinem Leben zugemessen ist.—Asteria! Du wirst die Schaaren führen.Beschäfftige den Griechentroß und sorgeDaß sich des Kampfes Inbrunst mir nicht störe.Der Jungfrau'n keine, wer sie immer sei,Trifft den Peliden selbst! Dem ist ein PfeilGeschärft des Todes, der sein Haupt, was sag' ich!Der seiner Locken eine mir berührt!Ich nur, ich weiß den Göttersohn zu fällen.Hier dieses Eisen soll, Gefährtinnen,Soll mit der sanftesten Umarmung ihn,(Weil ich mit Eisen ihn umarmen muß!)An meinen Busen schmerzlos niederziehn.Hebt euch, ihr Frühlingsblumen, seinem Fall,Daß seiner Glieder keines sich verletze.Blut meines Herzens mißt' ich ehr, als seines.Nicht eher ruhn will ich, bis ich aus Lüften,Gleich einem schöngefärbten Vogel, ihnZu mir herabgestürzt; doch liegt er jetztMit eingeknickten Fittigen, ihr Jungfrau'n,Zu Füssen mir, kein Purpurstäubchen messend.Nun dann, so mögen alle SeeligenDaniedersteigen, unsern Sieg zu feiern,Zur Heimath geht der Jubelzug, dann bin ichDie Königinn des Rosenfestes euch!Jetzt kommt!—(Indem sie abgehen will, erblickt sie die weinende Prothoe,und wendet sich unruhig. Darauf plötzlich, indem sie ihrum den Hals fällt.)Prothoe! Meiner Seelen Schwester!Willst du mir folgen?

Prothoe. (mit gebrochener Stimme)In den Orkus dir!Gieng' ich auch zu den Seeligen ohne dich?

Penthesilea.Du Bessere, als Menschen sind! Du willst es?Wohlan, wir kämpfen, siegen mit einander,Wir beide oder keine, und die LosungIst: Rosen für die Scheitel unsrer Helden,Oder Cypressen für die unsrigen.

(Alle ab)

Sechster Auftritt.

Die Oberpriesterinn der Diana (mit ihren) Priesterinnen (treten auf. Ihnen folgen) eine Schaar junger Mädchen (mit Rosen in Körben auf den Köpfen, und) die Gefangenen (geführt von einigen bewaffneten) Amazonen.

Die Oberpriesterinn.Nun, ihr geliebten, kleinen Rosenjungfrau'n,Laßt jetzt die Frucht mich eurer Wandrung sehn.Hier, wo die Felsenquelle einsam schäumt,Beschattet von der Pinie, sind wir sicher:Hier schüttet eure Erndte vor mir aus.

Ein junges Mädchen. (ihren Korb ausschüttend)Sieh', diese Rosen pflückt' ich, heil'ge Mutter!

Ein Anderes. (ebenso)Hier diesen Schoosvoll ich!

Ein Drittes. Und diesen ich!

Ein Viertes.Und diesen ganzen üpp'gen Frühling ich!

Die andern jungen Mädchen. (folgen)

Die Oberpriesterinn.Das blüht ja wie der Gipfel von Hymetta!Nun solch ein Tag des Seegens, o Diana!Gieng deinem Volke herrlich noch nicht aufDie Mütter bringen mir, die Töchter, Gaben;Nicht von der Pracht, der doppelten, geblendet,Weiß ich, wem schön'rer Dank gebühren mag.Doch ist dieß euer ganzer Vorrath, Kinder?

Das erste Mädchen.Mehr nicht, als du hier siehst, war aufzufinden.

Die Oberpriesterinn.So waren eure Mütter fleißiger.

Das zweyte Mädchen.Auf diesen Feldern, heil'ge Priest'rinn, erndtenGefangne leichter auch, als Rosen, sich.Wenn dichtgedrängt, auf allen Hügeln rings,Die Saat der jungen Griechen steht, die SichelNur einer muntern Schnitterinn erwartend,So blüht so sparsam in den Thälern rings,Und so verschanzt, versichr' ich dich, die Rose,Daß man durch Pfeile sich und Lanzen lieber,Als ihr Geflecht der Dornen schlagen möchte.—Sieh nur die Finger an, ich bitte dich.

Das dritte Mädchen.Auf eines Felsens Vorsprung wagt' ich mich,Um eine einz'ge Rose dir zu pflücken.Und blaß nur, durch des Kelches Dunkelgrün,Erschimmerte sie noch, ein Knösplein nur,Für volle Liebe noch nicht aufgeblüht.Doch greif' ich sie, und strauchl' und sinke plötzlichIn einen Abgrund hin, der Nacht des TodesGlaubt' ich, Verlorne, in den Schoos zu sinken.Mein Glück doch war's, denn eine RosenprachtStand hier im Flor, daß wir zehn Siege nochDer Amazonen hätten feiern können.

Das vierte Mädchen.Ich pflückte dir, du heil'ge Priesterinn,Dir pflückt' ich eine Rose nur, nur Eine;Doch eine Rose ist's, hier diese, sieh!Um eines Königs Scheitel zu bekränzen:Nicht schöner wünscht Penthesilea sie,Wenn sie Achill, den Göttersohn, sich fällt.

Die Oberpriesterinn.Wohlan, wenn ihn Penthesilea fällt,Sollst du die königliche Ros' ihr reichen.Verwahre sie nur sorgsam, bis sie kömmt.

Das erste Mädchen.Zukünftig, wenn, beim Cymbelnschlag, von NeuemDas Amazonenheer ins Schlachtfeld rückt,Ziehn wir zwar mit, doch nicht mehr, das versprichst du,Durch Rosenpflücken bloß und Kränzewinden,Den Sieg der Mütter zu verherrlichen.Sieh, dieser Arm, er schwingt den Wurfspieß schon,Und sausend trifft die Schleuder mir das Ziel:Was gilt's? Mir selbst schon blüht ein Kranz zusammen,—Und tapfer im Gedräng' schon mag er kämpfen,Der Jüngling, dem sich diese Sehne strafft.

Die Oberpriesterinn.Meinst du?—Nun freylich wohl, du mußt es wissen.—Hast du die Rosen schon drauf angesehn?—Den nächsten Lenz, sobald sie wieder reif,Sollst du den Jüngling, im Gedräng' dir suchen.—Doch jetzt, der Mütter frohe Herzen drängen:Die Rosen schnell zu Kränzen eingewunden!

Die Mädchen. (durcheinander)Fort zum Geschäfft! Wie greifen wir es an?

Das erste Mädchen. (Zur Zweiten)Komm her, Glaukothoe!

Das Dritte. (zum Vierten)Komm, Charmion!

(Sie setzen sich paarweise)

Das erste Mädchen.Wir—der Ornythia winden wir den Kranz,Die sich Alcest mit hohen Büschen fällte.

Das Dritte.Und wir—Parthenion, Schwester: Athenäus,Mit der Medus' im Schilde, soll sie fesseln.

Die Oberpriesterinn. (zu den bewaffneten Amazonen)Nun? Wollt ihr eure Gäste nicht erheitern?—Steht ihr nicht unbehülflich da, ihr Jungfrau'n,Als müßt' ich das Geschäfft der Lieb' euch lehren!Wollt ihr das Wort nicht freundlich ihnen wagen?Nicht hören, was die Schlachtermüdeten,Was sie begehren? Wünschen? Was sie brauchen?

Die erste Amazone.Sie sagen, sie bedürfen nichts, Ehrwürd'ge.

Die Zweite.Bös' sind sie uns.

Die Dritte. Wenn man sich ihnen nahet,So wenden sich die Trotzigen schmäh'nd hinweg.

Die Oberpriesterinn.Ei, wenn sie bös' euch sind, bei unsrer Göttinn,So macht sie wieder gut! Warum auch habt ihrSo heftig sie im Kampfgewühl getroffen?Sagt ihnen, was geschehn wird, sie zu trösten:So werden sie nicht unerbittlich seyn.

Die erste Amazone. (zu einem gefangenen Griechen)Willst du auf weichen Teppichen, o Jüngling,Die Glieder ruhn? Soll ich von Frühlingsblumen,Denn müde scheinst du sehr, ein Lager dir,Im Schatten jenes Lorbeerbaums, bereiten?

Die Zweite. (eben so)Soll ich das duftendste der PerseröleIn Wasser mischen, frisch dem Quell entschöpft,Und dir den Staubbedeckten Fuß erquicken?

Die Dritte.Doch der Orange Saft verschmähst du nichtMit eigner Hand dir liebend dargebracht?

Die drei Amazonen.Sprecht! Redet! Womit dient man euch?

Ein Grieche. Mit nichts!

Die erste Amazone.Ihr sonderbaren Fremdlinge! Was härmt euch?Was ist's, da uns der Pfeil im Köcher ruht,Daß ihr vor unserm Anblick euch entsetzt?Ist es die Löwenhaut, die euch erschreckt?—Du, mit dem Gürtel, sprich! Was fürchtest du?

Der Grieche. (nachdem er sie scharf angesehn)Wem winden jene Kränze sich? Sagt an!

Die erste Amazone.Wem? Euch! Wem sonst?

Der Grieche. Uns! und das sagt ihr noch,Unmenschliche! Wollt ihr, geschmückt mit Blumen,Gleich Opferthieren, uns zur Schlachtbank führen?

Die erste Amazone.Zum Tempel euch der Artemis! Was denkt ihr?In ihren dunkeln Eichenhayn, wo eurerEntzücken ohne Maas und Ordnung wartet!

Der Grieche. (erstaunt, mit unterdrückter Stimme, zu den andern Gefangenen) War je ein Traum so bunt, als was hier wahr ist?

Siebenter Auftritt.

Eine Hauptmännin (tritt auf). Die Vorigen.

Die Hauptmännin.Auf diesem Platz, Hochwürd'ge, find ich dich!—Inzwischen sich, auf eines Steinwurfs Nähe,Das Heer zur blutigen Entscheidung rüstet!

Die Oberpriesterinn.Das Heer! Unmöglich! Wo?

Die Hauptmännin. In jenen Gründen,Die der Skamandros ausgeleckt. Wenn duDem Wind, der von den Bergen weht, willst horchen,Kannst du den Donnerruf der Königinn,Gezückter Waffen Klirren, Rosse wiehern,Drommeten, Tuben, Cymbeln und Posaunen,Des Krieges ganze ehrne Stimme hören.

Eine Priesterinn.Wer rasch erfleucht den Hügel dort?

Die Mädchen. Ich! Ich!

(Sie ersteigen den Hügel)

Die Oberpriesterinn.Der Königinn!—Nein, sprich! Es ist unglaublich——Warum, wenn noch die Schlacht nicht ausgewüthet,Das Fest der Rosen ordnete sie an?

Die Hauptmännin.Das Rosenfest—Gab sie Befehl denn wem?

Die Oberpriesterinn.Mir! Mir!

Die Hauptmännin.Wo? Wann?

Die Oberpriesterinn. Vor wenigen MinutenIn jenes Obelisken Schatten stand ich,Als der Pelid, und sie, auf seiner Ferse,Den Winden gleich, an mir vorüberrauschten.Und ich: wie geht's? fragt' ich die Eilende.Zum Fest der Rosen, rief sie, wie du siehst!Und flog' an mir vorbei und jauchzte noch:Laß es an Blüthen nicht, du Heil'ge, fehlen!

Die erste Priesterinn. (zu den Mädchen)Seht ihr sie? sprecht!

Das erste Mädchen. (auf dem Hügel)Nichts, gar nichts sehen wir!Es läßt kein Federbusch sich unterscheiden.Ein Schatten überfleucht von WetterwolkenDas weite Feld ringsher, das Drängen nurVerwirrter Kriegerhaufen nimmt sich wahr,Die im Gefild' des Tod's einander suchen.

Die zweite Priesterinn.Sie wird des Heeres Rückzug decken wollen.

Die Erste.Das denk' ich auch.—

Die Hauptmännin. Zum Kampf steht sie gerüstet,Ich sag's euch, dem Peliden gegenüber,Die Königinn, frisch, wie das Perserroß,Das in die Luft hoch aufgebäumt sie trägt,Den Wimpern heiß're Blick', als je, entsendend,Mit Athemzügen, freien, jauchzenden,Als ob ihr junger kriegerischer BusenJetzt in die erste Luft der Schlachten käme.

Die Oberpriesterinn.Was denn, bei den Olympischen, erstrebt sie?Was ist's, da rings, zu Tausenden, uns dieGefangenen in allen Wäldern wimmeln,Das ihr noch zu erringen übrig bleibt?

Die Hauptmännin.Was ihr noch zu erringen übrig bleibt?

Die Mädchen. (auf dem Hügel)Ihr Götter!

Die erste Priesterinn.Nun? Was giebt's? Entwich der Schatten?

Das erste Mädchen.O ihr Hochheiligen, kommt doch her!

Die zweite Priesterinn. So sprecht!

Die Hauptmännin.Was ihr noch zu erringen übrig bleibt?

Das erste Mädchen.Seht, seht, wie durch der Wetterwolken Riß,Mit einer Maße Licht, die Sonne ebenAuf des Peliden Scheitel niederfällt!

Die Oberpriesterinn.Auf wessen?

Das erste Mädchen.Seine, sagt' ich! Wessen sonst?Auf einem Hügel leuchtend steht er da,In Stahl geschient sein Roß und er, der Saphir,Der Chrysolith, wirft solche Strahlen nicht!Die Erde rings, die bunte, blühende,In Schwärze der Gewitternacht gehüllt;Nichts als ein dunkler Grund nur, eine Folie,Die Funkelpracht des Einzigen zu heben!

Die Oberpriesterinn.Was geht dem Volke der Pelide an?—Ziemt's einer Tochter Ares, Königinn,Im Kampf auf einen Namen sich zu stellen?(zu einer Amazone)Fleuch gleich, Arsinoe, vor ihr Antlitz hin,Und sag' in meiner Göttinn Namen ihr,Mars habe seinen Bräuten sich gestellt:Ich forderte, bei ihrem Zorn sie auf,Den Gott begränzt zur Heimath jetzt zu führen,Und unverzüglich ihm, in ihrem Tempel,Das heil'ge Fest der Rosen zu eröffnen!(die Amazone ab)Ward solch ein Wahnsinn jemals noch erhört!

Die erste Priesterinn.Ihr Kinder! Seht ihr noch die Königinn nicht?

Das erste Mädchen. (auf dem Hügel)Wohl, wohl! Das ganze Feld erglänzt—da ist sie!

Die erste Priesterinn.Wo zeigt sie sich?

Das Mädchen.An aller Jungfrau'n Spitze!Seht, wie sie in dem goldnen Kriegsschmuck funkelnd,Voll Kampflust ihm entgegen tanzt! Ist's nicht,Als ob sie, heiß von Eifersucht gespornt,Die Sonn' im Fluge übereilen wollte,Die seine jungen Scheitel küßt! O seht!Wenn sie zum Himmel auf sich schwingen wollte,Der hohen Nebenbuhl'rinn gleich zu sein,Der Perser könnte, ihren Wünschen fröhnend,Geflügelter sich in die Luft nicht heben!

Die Oberpriesterinn. (zur Hauptmänninn)War keine unter allen Jungfrau'n denn,Die sie gewarnt, die sie zurückgehalten?

Die Hauptmännin.Es warf ihr ganzes fürstliches GefolgeSich in den Weg ihr: hier auf diesem PlatzeHat Prothoe ihr Aeußerstes gethan.Jedwede Kunst der Rede ward erschöpft.Nach Themiscyra sie zurückzuführen.Doch taub schien sie der Stimme der Vernunft:Vom giftigsten der Pfeile Amors sei,Heißt es, ihr jugendliches Herz getroffen.

Die Oberpriesterinn.Was sagst du?

Das erste Mädchen. (auf dem Hügel)Ha, jetzt treffen sie einander!Ihr Götter! Haltet eure Erde fest—Jetzt, eben jetzt, da ich dies sage, schmetternSie, wie zwei Sterne, auf einander ein!

Die Oberpriesterinn. (zur Hauptmänninn)Die Königinn, sagst du? Unmöglich, Freundinn!Von Amors Pfeil getroffen—wann? Und wo?Die Führerinn des Diametengürtels?Die Tochter Mars, der selbst der Busen fehlt,Das Ziel der giftgefiederten Geschosse?


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