Siebentes Kapitel.Die Sylvesternacht.

»Nun danket alle Gott,Mit Herzen, Mund und Händen,Der große Dinge thutAn uns und allen Enden.«

»Nun danket alle Gott,Mit Herzen, Mund und Händen,Der große Dinge thutAn uns und allen Enden.«

»Nun danket alle Gott,Mit Herzen, Mund und Händen,Der große Dinge thutAn uns und allen Enden.«

»Nun danket alle Gott,

Mit Herzen, Mund und Händen,

Der große Dinge thut

An uns und allen Enden.«

Das junge Ehepaar verließ mit dem Vater die Kirche, ihnen folgte, noch immer singend, die Gemeinde, und von der Orgel herab tönte in immer weicheren schmelzenderen Accorden, bis er endlich in leisen, leisen Klängen verschwamm, der Schlußchor:

»Lob dem dreiein'gen Gott,Der ewig ewig warUnd ist und bleiben wird,Lob jetzt und immerdar.«

»Lob dem dreiein'gen Gott,Der ewig ewig warUnd ist und bleiben wird,Lob jetzt und immerdar.«

»Lob dem dreiein'gen Gott,Der ewig ewig warUnd ist und bleiben wird,Lob jetzt und immerdar.«

»Lob dem dreiein'gen Gott,

Der ewig ewig war

Und ist und bleiben wird,

Lob jetzt und immerdar.«

Die Kirche war aus – die feierliche Handlung beendet; die Knaben stürmten hastigen Laufs vom Chor herunter der Heimath zu, wo die Bescheerung – die, sie mochte nun so dürftig ausfallen, wie sie wollte, doch immer eine Bescheerung blieb – ihrer harrte.

Auch die fremde Frau verließ, und zwar die Nähe der Uebrigen, so viel das gehn wollte, vermeidend, rasch die Kirche – langsam bewegte sich die Menschenmenge hinaus, und hinter ihr drein – aber eine lange lange Zeit nachdem Alles wieder an seinem gehörigen Platz gestellt, und die Lichter ausgelöscht worden – kam der Schulmeister und schloß die Thüre zu.

Was hatte der Mann so lange in der kalten dunklen Kirche allein gethan? –

Er schritt jetzt – und selbst jetzt noch zögernd –der Schule zu, wo er den Kindern eine kleine Freude aus der Stadt mitgebracht, und Lieschen aufgetragen hatte, die Sachen indessen zu ordnen. Lieschen war aber ebenfalls in der Kirche gewesen und die Kinderschaar deshalb eben erst durch sie in Vaters dunkles Kämmerchen eingesperrt worden, damit ihnen indessen der heilige Christ doch das Wenige ungestört bescheeren könne.

Der alte Vater Kleinholz mußte gerade ein Wenig eingeschlafen sein, und Lieschen, die ihn nicht wecken mochte, rückte so geräuschlos als möglich den Tisch zurecht, breitete ein schneeiges Tuch darauf und legte die Handschuh, die warmen Mützen und Filzschuh wie einige andere Kleinigkeiten zurecht, die anzuschaffen der gute Hennig sich das Geld hatte mühsam am Munde absparen müssen, und selbst da wäre es noch nicht gegangen, hätte er nicht für sich einem warmen Rock, so nothwendig er ihn auch sonst sicherlich brauchte, entsagt. Sollten aber die Kinder des alten Schullehrers, die einzigen vielleicht im ganzen Dorfe sein, die Nichts bekamen und dann traurig aus und betrübt nach den hellerleuchteten Fenstern der Uebrigen hinüberschauen mußten? Nein – nicht, so lange es inseinenKräften stand, das zu ändern.

Aber wo blieb er nur? – Die Kirche war schon solange aus und Alles dunkel darin – Lieschen trat vor die Thür, ah – jetzt hörte sie das Zuschlagen der schweren Thüre, das Umdrehen der Schlüssel – die langsamen Schritte des Kommenden. Sie senkte das Köpfchen, und seufzte, während sie mit gefalteten Händen in das Zimmer zurückging.

»O wie mag ihm nur jetzt – in diesem Augenblick zu Muthe sein – wir wollen die Lichter anstecken – das wird ihn etwas aufheitern.«

Die Thüre öffnete sich und Hennig trat herein – er sah todtenbleich aus, und trotz der scharfen Kälte draußen standen ihm die großen schweren Schweißtropfen auf der Stirn.

»Herr Du mein Gott und Vater,« rief Lieschen erschreckt über des Mannes Anblick – »wie sehn Sie aus? Sie sind krank, Herr Hennig.«

»Nein, liebes Kind« sagte ruhig der Schulmeister – »nur etwas angegriffen fühl ich mich, vielleicht vom Schreiben gestern Abend – ich bin noch spät aufgeblieben. – Wollen wir nicht den Baum zurecht putzen?«

Lieschen ging auf ihn zu, ergriff mit ihren beiden Händen seine Rechte, und schaute ihm recht fromm und treuherzig in die trüben glanzlosen Augen. Hennig begegnete mit ihm selbst unerklärlicher Ruhe dem Blick,da flüsterte endlich das gute Kind, dem die Wehmuth das Herz zu brechen drohte, und während ihr die hellen Thränen über die Wangen rollten:

»Sie armer – armer Herr Hennig!«

Hennig blickte überrascht zu ihr nieder – er rang nach Fassung – nur jetzt – nur jetzt nicht schwach – aber es war nicht möglich – die menschliche Natur ließ sich bändigen, nicht ertödten, der lang, o so entsetzlich lang enthaltene Schmerz ließ sich, also geweckt, nicht mehr zurückhalten; mit riesiger Kraft brach er sich in's Freie hinaus die Bahn, und der Lehrer war nur im Stande sich rasch abzuwenden und das Zimmer zu verlassen.

O wie lang, wie entsetzlich lang mußten heute die armen, armen Kleinen oben in dem kalten dunkeln Dachkämmerchen sitzen und friern und warten – aber keins murrte – Du lieber Gott, es galt ja eine Bescheerung für sie – eine Bescheerung, wo sie wußten, daß ihr armer Vater selbst am Nothwendigsten Mangel litt, und doch, doch sollten sie bescheert bekommen – hätten sie da etwa auch noch ungeduldig das gute brave Lieschen, und den lieben Herrn Hennig ärgern und kränken sollen? Keine Klage ließen sie hören, nur dicht zusammengekauert saßen sie in dem Winkelchen, an dem der Schornstein vorbeiführte,und dessen Wand wenigstens nicht so eisig kalt war, als die übrigen. Und dort erzählten sie sich leise flüsternd, was sie sich alles wünschten, auf was sie hofften – dort malten sie sich aus, wie schön, o wie herrlich schön das sein würde, wenn jetzt auf einmal Lieschen von der Treppe aus rief: Kommt Kinder, kommt herunter in die warme Stube – und sie dann jubelnd dem Rufe Folge leisteten, jauchzend vor all den schönen Sachen, die ihnen Herrn Hennigs Güte bescheert, standen, und nachher – o Jemine, Jemine, jedes ein Stückchen kalten Schweinebraten zu seinen Kartoffeln, denn das hatte ihnen Lieschen schon hoch und theuer versprochen, daß sie das bekommen sollten. – Ach wenn es doch alle Tage Weihnachten wäre.

Freilich dauerte es, ehe Lieschen wirklich kam, noch eine recht, recht lange Zeit, aber endlich kam siedoch, und ein glücklicheres kleines Völkchen, und ein sich reicher dünkendes, als des armen Schulmeisters Kinder an dem Abende waren, gab es wohl im ganzen weiten Lande nicht mehr. Auch Hennig, der zu dem etwas verzögerten Anzünden wieder hereinkam, suchte sich, so viel das nur möglicher Weise gehen wollte, in den Spielen der Kinder zu zerstreuen, und der alte Kleinholz lag indessen in seinem Bette in der Ecke, weinte fast ununterbrochen,drückte Hennig wohl zwanzig Mal dankend die Hand, und versicherte eben so oft – er sei in seinem Leben nicht so glücklich gewesen, als heute, da er sich schon wochenlang im Gedanken an diesen Abend, woerden Kindern doch gar Nichts bieten konnte, abgehärmt habe.

So stillfröhlich die Kinder aber auch in der Schule waren, und mit so genugsamer dankbarer Freude sie die wenigen ihnen bescheerten Gaben empfingen, so toll lärmend, so laut und jubelnd ging's heute in der Pfarre her, wohin der Herr Generalsuperintendent, den ein Unwohlsein an sein Lager fesselte, daß er nicht selbst bei seines Sohnes Ehrentag gegenwärtig sein konnte – eine Masse Spielzeug und Bilderbücher für die Kinder geschickt hatte. Auch Wahlert ließ viel aus der Residenz kommen, und Pastor Scheidler wußte mit den Sachen, die er selbst angeschafft, wirklich gar nicht mehr wohin mit allen Geschenken.

Die Thüren waren, als Wahlert sein etwas bleiches, aber geliebtes, holdes Frauchen aus der Kirche in die Pfarre geleitete, festlich mit Buchsbaum und anderen Immergrünkränzen behangen, und der innere Raum selbst sah wie ein Garten aus, in so herrlicher Farbenpracht glühten hier Camelien, Hyacinthen und Tulpen, die es dem Gärtner nicht wenig Mühe gekostethatte, in der Kälte unbeschädigt nach Horneck herauszuschaffen.

Und was für andere prachtvolle Geschenke gab es noch da, Schmuck und Seidenkleider, Tücher, Shawls, Handschuhe u. s. w.; und der Baum, es war fast, als ob ein Conditor aus reiner Verzweiflung seinen ganzen Laden darüber ausgeschüttet habe, und Alles nun, zwischen den grünen, mit unzähligen weißen Wachslichtern besteckten Zweigen von blitzendem Zucker und Golde flimmere und funkle.

Und wie lärmten und jubelten die Kinder, und was für einen Spektakel hatten sie schon oben in der besonders für sie geheizten Stube gemacht, als Vater und Schwester so lange, so entsetzlich lange in der Kirche blieben, und sie doch unter jeder Bedingung gleich, und das zwar den Augenblick bescheert haben wollten. Endlich, endlich – »schnell machen, Sophie – schnell machen, oder wir kommen herunter!« riefen sie durch die immer und immer wieder, trotz aller Ermahnungen und Verbote, geöffnete Thür, als sie hörten, wie unten die Hausthüre ging und die so heiß ersehnten Eltern hereintraten.

Jetzt war das Harren und all die Ungeduld vergessen, sie schwammen in einem wahren Freudenmeer, undder prachtvolle Baum – die vielen, vielen herrlichen nie geahnten, nie geträumten Sachen, schienen ihnen eher einem Feentraum, einem Märchen der Tausend und einen Nacht, als der Wirklichkeit anzugehören.

Elf Uhr mochte es etwa sein – Lichterglanz und Jubel, Gläserklirren und Tellergeklapper, Lachen und Singen tönte immer aus den hellerleuchteten, durchwärmten Räumen heraus – und draußen?

Hinter der Pfarre lag der, im Sommer viel von den Hausbewohnern benutzte, jetzt aber natürlich vernachlässigte und einsame Obstgarten. Aus Nordwesten strich der Wind haarscharf über die kahlen Hänge herüber und schüttelte die trockenen laubleeren Zweige. Die Nacht war dunkel wie das Grab, denn leichte Dunstwolken fingen selbst an, die Sterne zu umhüllen, und kein Lichtstrahl fiel in den düsteren Raum, als der, der aus den dicht verhangenen Fenstern, besonders an einer Stelle, wo sich die Gardinen inwendig ein wenig zur Seite geschoben hatten, kam.

Da schritt ein Mann langsam und mit verschränkten Armen durch die kleine offenstehende Pforte, und blieb endlich wenige Schritte entfernt vor dem hellerleuchteten Eckfenster stehen. Drinnen bewegten sich einzelne Schatten an der Gardine vorüber und er forschte mit der gespanntestenAufmerksamkeit nach den so rasch auftauchenden aber auch eben so rasch wieder verschwindenden Umrissen. Ein paar Mal war es, als ob er sich zu der Stelle niederbeugen wolle, wo der zurückgebogene Vorhang einen Blick in das Innere verstattet hätte, eben so oft trat er aber auch wieder, ohne es auszuführen, davon zurück, und wandte sich endlich, wie von einem plötzlichen Entschluß dazu bestimmt, um den Ort zu verlassen. Noch einmal, an einem hohen Apfelbaume, blieb er stehen, hob wie segnend die Hand gegen das hellerleuchtete Gebäude empor und flüsterte leise:

»Sei glücklich, Sophie, sei glücklich!«

Ein heiseres, halb unterdrücktes Lachen, dicht an seiner Seite, klang wie eine Unheil verkündende Antwort auf den Segensspruch – er fuhr erschreckt zusammen und schaute sich rasch nach der Stelle um, von der es hertönte. Unter dem Apfelbaume und dicht an den knorrigen Stamm desselben geschmiegt, lehnte eine dunkle, festeingehüllte Frauengestalt, und die jetzt hier und da wieder hervortretenden Sterne ließen ihn ein bleiches, geisterhaftes Angesicht erkennen.

»Hahaha« – lachte die Gestalt – »glücklich? – wenn zwei Wesen, wie wir sind, draußen in Frost und Eis mit halberstarrten Gliedern vor den Fenstern stehenund Blut weinen möchten, heißes, quellendes Herzblut? – Wahnsinn – aber wir Beide – wir passen recht gut zu einander.«

»Wir Beide?« sagte Hennig erstaunt – »wer bist denn Du?«

»Eine Braut, die bald Hochzeit machen wird,« lachte die Gestalt wieder, und war im nächsten Augenblicke im Schatten der dahinter befindlichen Hecken verschwunden. Hennig fühlte, wie ihn ein eisiger Schauer durchrieselte, es war fast, als ob er mit einem Wesen gesprochen habe, das dieser Welt gar nicht mehr angehöre. – Die späte Stunde dazu, die scharfe Kälte, in der sich doch wahrlich nicht leicht eine Frau, und noch dazu hier auf dem vom Nordwest bestrichenen Hügel aufhielt. Er schüttelte schweigend mit dem Kopfe, warf noch einen scheuen Blick der Richtung zu, in welcher die Gestalt verschwunden war, einen anderen dorthin, wo in diesem Augenblicke all sein irdisches Glück in jubelnden Toasten, fröhlich zusammenklingenden Gläsern und Glück und Segenswünschen zu Grabe getragen wurde, und schritt dann rasch der eigenen – o wie traurigen, freudlosen Heimath wieder zu.

Das kleine Dorf Bachstetten lag in einer zwar armen, unfruchtbaren, aber wirklich pittoresken und wild romantischen Gegend. Der Winter war mit seiner rauhen Hand über den zarten Schmuck der Wiesen und Haiden gefahren, und hatte erbarmungslos abgestreift, was er an weichem saftigen Grün gefunden. Nur die dunkelgrünen Kieferstreifen hatten dem tollen Gesellen Trotz geboten, und wie zum gegenseitigen Schutz, schaarten sie sich an den Abhängen einzelner Hügel in dichten festgeschlossenen Gruppen zusammen, und reichten sich treu und brüderlich die stachelbewehrten Arme.

Graue Haideflächen deckten die niederen Hügel und wellenförmigen Thäler, und nur hier und da hob sich plötzlich und schroff ein steiler, hochaufragender, moosbewachsener Fels empor, und stand, wie ein starrer,drohender Riese, aufgerichtet zwischen dem anderen regellos umhergestreuten Gestein, das zu seinen Füßen lag. Schneeweiße Birkenstämme stachen dabei gar eigenthümlich und in dunkler Nacht oft unheimlich gegen den düsteren Hintergrund des dunkelgefrorenen Haidekrautes ab, und hier und da gaben einzeln stehende, noch mit hellgelbem Laub bedeckte junge Eichen und weit hinausscheinende rothe Weidenkuppen dem ganzen wilden Landschaftsbild einen gar eigenthümlichen, wunderbaren Farbenschmelz, der durch zahlreiche, hoch aufgeschichtete Torfpyramiden, die auf dem gelben Rasen zerstreut standen, eher erhöht als gestört wurde. Hier und da blitzten kleine trübe Lachen aus dem monotonen Grau der Haide hervor, und weiter oben, am Rand einer Schwarzholzspitze, deren Marken sich weit aus in das Thal hineindehnten, lag das kleine Dorf Bachstetten, mit den neuen ziegelrothen Dächern – denn die alten strohgedeckten Gebäude waren vor einigen Jahren fast sämmtlich ein Raub der Flammen geworden – fast in die Schatten des, sich darum hindrängenden Nadelholzes hineingeschmiegt.

Das Dorf selbst war aber so arm und dürftig, wie die öde unfruchtbare Gegend und Lage es nur machen konnte, und außer einigen wohlhabenden Bauern, dieauch den größten Theil der besseren Felder inne hatten, lebten nur Häusler, Holzschnitzer und Strohflechter darin, die auf gar spärliche Weise durch harte und unausgesetzte Arbeit das karge Leben fristeten. In den letzten Jahren hatten es dabei einige der Bewohner möglich gemacht, Haus, Heerd und Feld zu verkaufen, und nach Amerika auszuwandern, und daher kam es, daß einzelne Wohnungen leer und halb verfallen da standen, und – wenn sich wirklich Abmiether dazu fanden, um einen Spottpreis weggegeben wurden.

In ein solches Haus, dessen moosiges Strohdach dicht und schwer auf den niederen Lehmwänden lag, und das noch dazu vom Dorf fast getrennt, wenigstens durch ein kleines Kieferdickicht davon abgeschnitten, versteckt im dichten Nadelholzwalde stand, mag mir der Leser, um ein paar alte Bekannte dort aufzusuchen, auf wenige Minuten folgen.

Das einzige bewohnbare Zimmer im ganzen Haus befand sich unten zu ebener Erde, und die Dielen bildete der nackte hartgestampfte Boden; auf dem war aber, um die Kälte auszuhalten, die von dort herauf sonst emporschlagen mußte, eine dichte Lage von dickem Laub und Fichtennadeln gebreitet worden, und von den Bäumen abgezogenes Moos hielt die Fensterritzen und Thürspaltenverstopft. Es stand übrigens ein Ofen im Zimmer, und ein ziemlicher Haufen trockenes Reisig, das neben diesem aufgeschichtet lag, wie die, wenigstens nicht unangenehme Temperatur des Zimmers verrieth, daß die Bewohner der Hütte, so arm sie auch sonst wohl sein mochten, doch noch keinen Mangel an Feuerung litten.

In der einen Ecke stand ein Bettgestell, und auf diesem lag ein Strohsack, ein mit Moos gefülltes Kopfkissen und eine wollene Decke – und auf dem Bett, – wenn ein solches Lager auch wirklich ein Bett genannt werden konnte – saß, die Hände auf der Decke gefaltet, und in stillem wehmüthigen Schweigen nach dem, im gegenüberliegenden Winkel, auf einer Schütte Stroh kauernden Vater hinüberschauend, Marie, des alten Musikanten krankes Kind, und legte sich, als der alte Mann gar keine Notiz von ihr nahm, und ebenfalls mit seinen eigenen trüben Gedanken beschäftigt schien, seufzend wieder auf das harte Kissen zurück.

»Vater,« sagte da, nach einer langen, langen Pause die Tochter, und man konnte ihr anhören, wie schwer ihr das Reden wurde – »Vater – mir wird recht sonderbar zu Muth – ich fühle mich recht unwohl.«

»Möchte auch wissen, wie's anders kommen könnte,«brummte der Alte, »die Nächte draußen in Kälte und Nebel im Walde 'rum zu rennen, und indemAufzug – wie willst Du nun singen, wenn wir morgen früh nach Delzig hinüber kommen – heiser wirst Du sein, daß Du keinen Ton aus der Kehle bringst, und wer hat's nachher wieder auszubaden? – Der Alte.«

»Vater,« bat das arme Mädchen.

»Ah was,« knurrte der Alte, »was zu toll ist, ist zu toll; erstlich laß ich alter Esel mich betölpeln, Hals über Kopf, und heimlich, wie ein Dieb mit der Mamsell da von Horneck wegzuziehn, wo wir unser gutes Auskommen hatten, und wo Du in der Pfarre so schönes Geld verdientest – nicht einmal die Miethe hab' ich mir Zeit genommen zu bezahlen, und was wird unsere freundliche Wirthin, die so schon immer voller Gift und Galle stak, von uns denken – und jetzt liegen wir nun hier, Gott weiß, wie lange, auf der Bärenhaut, und haben das Wenige, was Du Dir gespart, denn auch glücklich wieder aufgezehrt. DaßDuDich aber, wo wir jetzt wieder hinausziehenmüssen, schonen solltest, Gott bewahre – den ganzen heiligen Abend rennt die Madam in der Kälte umher, kommt Nachts um zwei Uhr erst wieder halb erfroren zu Hause – fällt nachher um, daß ihr Vater einen Todesschreck davon hat, liegtStunden lang ohnmächtig, und wundert sich dann auch noch, daß ihr die ganze Woche unwohl und schlecht zu Muthe ist –dieNatur wollt' ich sehn, die das anders aushielte und noch dazu beiderNahrung.«

»Ich glaube es wird kalt hier« sagte auf all diese Vorwürfe mit leiser Stimme das arme Kind – »mich friert.«

»Na ich liege da auch in keinem Schwitzbad« meinte der Alte brummend, stand aber doch langsam auf, und sah nach dem Ofen – »ein Glück, daß uns der Staat die Feuerung liefert« lachte er dabei still vor sich hin, während er die Kohlen zusammenschürte, die Asche bei Seite schob, und ein paar große Stücken Holz auf die wieder erwachende Flamme legte – »das Holz haben ist hier ziemlich bequem im Wald, denn hier in die Spitze, wo überdieß kein Wild mehr steht, kommt deralteHorneckschen Förster wohl gar nicht mehr hinein – und derjunge? ja, Du lieber Gott, wo steckt der –

Es hatte ein Knabe wohl einen StraußDen kämpft' er mit seinem Gegner aus.Am andren Morgen, o große NothWie war die Haide so blutig roth. –

Es hatte ein Knabe wohl einen StraußDen kämpft' er mit seinem Gegner aus.Am andren Morgen, o große NothWie war die Haide so blutig roth. –

Es hatte ein Knabe wohl einen StraußDen kämpft' er mit seinem Gegner aus.Am andren Morgen, o große NothWie war die Haide so blutig roth. –

Es hatte ein Knabe wohl einen Strauß

Den kämpft' er mit seinem Gegner aus.

Am andren Morgen, o große Noth

Wie war die Haide so blutig roth. –

»Hol's der Henker,« brach er plötzlich ab, und sah sich wie scheu im Zimmer um »die Lieder wollen gar nichtmehr aus der Kehle, und es ist mir manchmal, wenn ich anfangen will zu singen als ob –«

Er schwieg, schüttelte sich, als wenn er vor etwas zusammenschaudere, klappte die Ofenthüre zu, und ging brummend wieder zu seinem Platz zurück.

»Als ob? Vater?« sagte Marie leise. –

»Ih laß den Unsinn« lautete die mürrische Antwort, »'s ist mir heut' Abend so unheimlich genug zu Muthe – das ist ein schöner Sylvester heute – hui, wenn das im neuen Jahr so fortgeht, können wir uns gratuliren. Und die Kälte dabei, das friert Stein und Bein draußen, als ob's den Erdboden bis in den Mittelpunkt hinein zu Eis verwandeln wollte. Daß der Teufel ein solches Leben holte – Lieder wollen mir auch gar nicht mehr einfallen. Sonst, wenn ich recht ärgerlich und wild war, sang ich, und machte meinem Grimm dadurch Luft – jetzt geht auch das nicht mehr, und ich muß Alles in mich hineinschlucken.«

»Wie stehts mit dem Gelde, Vater?«

»Wenn ich morgen nicht drüben in Horneck spielen kann, müssen wir Tannenzapfen kauen – sonst gut –« brummte der Alte und suchte sich in eine Art wilden Humors hinein zu bringen. »Ei zum Donnerwetter, was hilft mir das Grillenfangen – wir wollen lustig sein,heut' Abend, kreuzfidel – die Flasche hier ist noch halb voll Korn, da können wir uns einen delikaten Punsch davon brauen – nur heisses Wasser dazu und – ja so, weiter haben wir Nichts – doch was thuts. So – nun koche und nachher wollen wir weiter mit einander sprechen.«

Er war dabei aufgestanden, hatte einen, über seinen Lager hängenden Blechbecher ergriffen, aus dem angebrochenen Krug mit Wasser gefüllt und auf den Ofen gesetzt, dann nahm er die Geige von der Wand, setzte sich auf den Stuhl, der vor dem Bett seiner Tochter stand, und fing an zu stimmen.

»Stört es Dich?« sagte er, als er bald darauf einhielt, und sich nach ihr umschaute – »oder willst Du schlafen?«

Es lag eine Art zärtlicher Besorgniß in dem Ton, mit dem der alte rauhe Mann die Worte sprach, und so ungewohnt kamen sie dem armen Mädchen, daß sie sich, wie sie nur den Klang derselben vernahm, auf eigene Art erregt, gerührt fühlte. – Die Thränen – ein bei ihr gewiß seltener Fall, stürzten ihr mit Blitzesschnelle in die Augen und sie konnte nur leise und lächelnd mit dem Kopfe schütteln.

»Na, dann kann's losgehn« meinte der Vater, präludirte,auf dem jetzt gestimmten Instrumente, einige kurze melodische Sätze und lachte dann – »was Lustiges wollen die Bauern haben, immer 'was Lustiges – wie's auch bei uns im Herzen aussieht, das ist ihnen einerlei – nur'was Lustiges– ei zum Henker, da habt's denn.«

Und rasch in muntere Weise eingehend, spielte er erst einen Vers aus der Melodie und fiel dann mit seiner, durch die Kälte allerdings etwas belegten, aber immer noch klangvollen Stimme ein:

Als ich noch, ein kleiner Knabe,An dem Hals der Mutter hing,Noch in toller Kindes-WeiseSchmetterling und Käfer fing;Kurz als ich, ein wilder Bube,Mich noch gerne tragen ließ,Fragten oft die hübschen MädchenWie der kleine Knabe hieß.Und es küßte dann gar zärtlichWohl so mancher RosenmundMir das kleine rothe MäulchenMit den Purpurlippen wund.Aus der allerfrühsten JugendMich das immer noch verdrießt,Daß – wenn man so klein und niedlich –Auch so schrecklich dumm man ist.Damals schrie ich Mord und ZeterWenn mich Jemand küssen wollt,Wenn Korallenlippen botenMir der Minne süßen Sold.Mit den Füßen trat ich schreiendNach der schönen Mädchen SchaarUnd zum Küssen ich allein nurDurch Bonbons zu bringen war.Ach wie dumm ich da gewesenMir wohl Keiner glauben mag.Und es reuet mich wahrhaftig,Denk' ich dran, noch diesen Tag.Kämen jetzt doch nur die MädchenBöten mir nur einen Kuß,Ach ich wollt von ihren LippenSaugen süßen Ueberfluß;Doch jetzt bin ich groß geworden,Steige alt genug umherUnd die Mädchen – gehn vorüber,Aber Keine küßt mich mehr.

Als ich noch, ein kleiner Knabe,An dem Hals der Mutter hing,Noch in toller Kindes-WeiseSchmetterling und Käfer fing;Kurz als ich, ein wilder Bube,Mich noch gerne tragen ließ,Fragten oft die hübschen MädchenWie der kleine Knabe hieß.Und es küßte dann gar zärtlichWohl so mancher RosenmundMir das kleine rothe MäulchenMit den Purpurlippen wund.Aus der allerfrühsten JugendMich das immer noch verdrießt,Daß – wenn man so klein und niedlich –Auch so schrecklich dumm man ist.Damals schrie ich Mord und ZeterWenn mich Jemand küssen wollt,Wenn Korallenlippen botenMir der Minne süßen Sold.Mit den Füßen trat ich schreiendNach der schönen Mädchen SchaarUnd zum Küssen ich allein nurDurch Bonbons zu bringen war.Ach wie dumm ich da gewesenMir wohl Keiner glauben mag.Und es reuet mich wahrhaftig,Denk' ich dran, noch diesen Tag.Kämen jetzt doch nur die MädchenBöten mir nur einen Kuß,Ach ich wollt von ihren LippenSaugen süßen Ueberfluß;Doch jetzt bin ich groß geworden,Steige alt genug umherUnd die Mädchen – gehn vorüber,Aber Keine küßt mich mehr.

Als ich noch, ein kleiner Knabe,An dem Hals der Mutter hing,Noch in toller Kindes-WeiseSchmetterling und Käfer fing;

Als ich noch, ein kleiner Knabe,

An dem Hals der Mutter hing,

Noch in toller Kindes-Weise

Schmetterling und Käfer fing;

Kurz als ich, ein wilder Bube,Mich noch gerne tragen ließ,Fragten oft die hübschen MädchenWie der kleine Knabe hieß.

Kurz als ich, ein wilder Bube,

Mich noch gerne tragen ließ,

Fragten oft die hübschen Mädchen

Wie der kleine Knabe hieß.

Und es küßte dann gar zärtlichWohl so mancher RosenmundMir das kleine rothe MäulchenMit den Purpurlippen wund.

Und es küßte dann gar zärtlich

Wohl so mancher Rosenmund

Mir das kleine rothe Mäulchen

Mit den Purpurlippen wund.

Aus der allerfrühsten JugendMich das immer noch verdrießt,Daß – wenn man so klein und niedlich –Auch so schrecklich dumm man ist.

Aus der allerfrühsten Jugend

Mich das immer noch verdrießt,

Daß – wenn man so klein und niedlich –

Auch so schrecklich dumm man ist.

Damals schrie ich Mord und ZeterWenn mich Jemand küssen wollt,Wenn Korallenlippen botenMir der Minne süßen Sold.

Damals schrie ich Mord und Zeter

Wenn mich Jemand küssen wollt,

Wenn Korallenlippen boten

Mir der Minne süßen Sold.

Mit den Füßen trat ich schreiendNach der schönen Mädchen SchaarUnd zum Küssen ich allein nurDurch Bonbons zu bringen war.

Mit den Füßen trat ich schreiend

Nach der schönen Mädchen Schaar

Und zum Küssen ich allein nur

Durch Bonbons zu bringen war.

Ach wie dumm ich da gewesenMir wohl Keiner glauben mag.Und es reuet mich wahrhaftig,Denk' ich dran, noch diesen Tag.

Ach wie dumm ich da gewesen

Mir wohl Keiner glauben mag.

Und es reuet mich wahrhaftig,

Denk' ich dran, noch diesen Tag.

Kämen jetzt doch nur die MädchenBöten mir nur einen Kuß,Ach ich wollt von ihren LippenSaugen süßen Ueberfluß;

Kämen jetzt doch nur die Mädchen

Böten mir nur einen Kuß,

Ach ich wollt von ihren Lippen

Saugen süßen Ueberfluß;

Doch jetzt bin ich groß geworden,Steige alt genug umherUnd die Mädchen – gehn vorüber,Aber Keine küßt mich mehr.

Doch jetzt bin ich groß geworden,

Steige alt genug umher

Und die Mädchen – gehn vorüber,

Aber Keine küßt mich mehr.

Er setzte die Violine auf seine Knie, und pfiff eine Weile in tiefen Gedanken die Melodie fort.

Marie lag wohl eine halbe Stunde lang schweigend auf ihrem Lager – das Wasser war unter der Zeit heiß geworden – der Musikant brummte wenigstens sehr beifällig darüber, als er endlich aufstand und nachsah, under nahm jetzt die Kornflasche aus der Ecke, in der er sein Lager hatte, goß eine hinlängliche – aber nicht zu große Quantität – hinzu, rührte die Mischung eine Weile mit einem abgebrochnen Reisig um, ließ sie noch ein Weilchen stehn, und hob sie dann sorgfältig, mit seinem dazu aufgenommenen Rockzipfel vom Ofen herunter auf den Tisch.

Ein blecherner, dortliegender Löffel diente ihm dazu, das Getränk zu kosten, ohne sich an dem heißen Blech die Lippen zu verbrennen, und sein wohlzufriedenes –

»Hol mich der Teufel, das schmeckt gut« war von einem vergnügten Seitenblick auf die Tochter begleitet. »Hier, Marie,« fuhr er dann nach einer Weile, in der er einen Theil des Tranks in ein verwaistes Oberschälchen geschüttet und eine kurze Zeit geblasen hatte fort – »da, koste einmal, das wird Dir auch gut thun, das wärmt durch und durch, und innerliche Wärme ist viel mehr werth, wie äußerliche.«

Die Tochter nahm das Schälchen, trank einen Schluck, nickte ihm lächelnd zu und fiel dann wieder auf ihr Kissen zurück.

»Du bist ja heute recht freundlich« sagte der alte Mann, und blieb zögernd bei dem Bette stehn, – »hast Du noch Schmerzen.«

»Nicht viel mehr, Vater –jetztgar keine mehr,« lautete die leise Antwort »es wird schon besser – schon ganz gut wieder werden.«

»Ich begreif es nicht, daß Du Dich andenKerl hängen konntest« brummte der Musikant endlich – »daßderDich sitzen ließe, war doch – auch ohne all das andere – an den zehn Fingern abzulesen. Er, der Sohn eines Generalsuperintendenten – nimm nur einmal den Titel an – und Du eine gewöhnliche Wirthschafterin – Unsinn so was ist noch gar nicht dagewesen und fällt auch nicht vor. Die größte Dummheit aber ist's, daß Du Dich jetzt noch darüber sorgst und quälst.Dubist doch, weiß es Gott, sonst gescheut genug, um auchdasvorhergesehn zu haben.«

»Vater« bat das Mädchen.

»Ach was, es ist wahr – wenn Du funfzehn, sechszehn Jahr gewesen wärst, da glaubt man vielleicht solchen Firlefanz. Du aber mit ein und zwanzig – es ist lächerlich.«

»Lächerlich?« rief die Tochter und richtete sich, von der Erregung des Augenblicks hingerissen und mit durch mehr als Fiebergluth gerötheten Wangen hoch auf im Bett – »lächerlich? Hast Du je gehört,waser undwieer zum Volk gesprochen? Hast Du gehört, wie erfür die Proletarier, für die arme unterdrückte Classe mit Wort und Schrift gekämpft, und selbst Kerker und Lebensgefahr nicht scheute, sein schönes herrliches Ziel zu verfolgen? – Wenn Du je seine Reden an das versammelte, in athemlosem Schweigen lauschende Volk gehört, wenn Du je mit uns Allen hingerissen gewesen wärst von den mächtig ergreifenden Worten, dem feurigen in wilder Begeisterung auflodernden Feuer des Redners – dann Vater, dann hättest Du, wie ich, geglaubt, daß die Schwüre, die mir der nämliche Mund in heiliger Stunde flüsterte, auch wahr und heilig wären, wie die That, die sie sonst zu edlem Handeln entflammte. Dann Vater hättest Du Dich auch, wie ich, dem süßen Traum hingegeben, das Wesen allein in der weiten großen Welt zu sein, daßdiesenMann, zu dem Tausende und Tausende mit Bewunderung aufschauten, fesseln könnte. O der Gedanke war so schön – so lieb – ich war so – so stolz darin geworden – – Vater – Du wolltest mir ja immer einmal erzählen,« brach sie plötzlich ab, »wie Du eigentlich Deine frühere, so glückliche Laufbahn in der Stadt verlassen, und dazu gekommen wärst – Dir auf den Dörfern Dein Brod durch Musiciren zuerarbeiten– jedesmal aber, wenn ich davon angefangen habe, schwiegst Du still, oder sangst wunderlichetolle Lieder und ließest mich nicht mehr zu Worte kommen. Soll ich es heute vielleicht erfahren? – – wer weiß was morgen die Zeit bringt – ich fürchte mich fast vor dem neuen Jahr, und doch freu' ich mich darauf.«

»Hm« sagte der alte Musikant, und legte die Violine still neben sich nieder – »Ihr Frauen bleibt Euch doch Alle gleich – Deine Mutter war eben so – wo Ihr einmal etwas heraus zu bekommen habt, gebt Ihr nicht Ruh noch Rast, und haltet keinen Frieden. Ich weiß aber eigentlich gar nicht, weshalb ich DirdieGeschichte nicht hätte erzählen wollen – sie ist einfach und unbedeutend genug – nur das Ende war häßlich – oder ist vielmehrnochhäßlich.«

»Und der Anfang?«

»Nun Du weißt doch, daß ich Musikdirector in G. – war, und mein gutes Auskommen hatte – vor zwölf oder dreizehn Jahren aber, wo die Leute verrückt wurden und für lauter alt Klassisches schwärmten und Alles was recht deutsch d. h. verständlich war, mit Nasenrümpfen und über die Achsel ansahen, da kam ich zuerst in Miskredit. Ich hatte alle Achtung vor den todten Meistern und schwärmte besonders für Weber und Mozart, wenn aber etwas Neues, Gutes kam, wollte ich's auchhaben, und wollte ihm Achtung verschaffen, und da trat ich zuerst in's Fettnäpfchen mitten hinein. Die ›große Welt‹ wurde wie gesagt aesthetisch – wollte nichts wie Gluck und Sebastian Bach hören – ich opponirte, ein anderer trat gegen mich auf, Cabalen wurden geschmiedet und ich – erlag. Sie schickten mich fort – Du warst damals bei Deiner Tante in Wien und erfuhrst nichts von der ganzen Geschichte, die Alte starb aber – hinterließ ihr ganzes Vermögen einer frommen Stiftung – ihrem im Elend sitzenden Bruder nicht einen rothen Pfennig, undderwurdeMusikant.«

»Etwas bin ich wohl auch mit schuld an meiner Lage« nahm der alte Mann endlich, nachdem er den Refrain eines kleinen lustigen Liedes halblaut vor sich hingepfiffen, den Faden seiner Erzählung wieder auf – »aus Mismuth und Aerger, eines protegirten Holzkopfs wegen, der nur an den rechten Stellen zu katzenbuckeln wußte, mein Brod verloren zu haben – ergab ich mich in etwas dem Trunk – Deine Mutter bat mich genug, es nicht zu thun – aber der Wahnsinn hatte sich mir nun einmal in's Hirn gesetzt – das verdammte Saufen blieb nicht mehr Leidenschaft, es wurde zur Krankheit, und ich selber – was ich jetzt bin – Brrrrr – es ekelt mich manchmal, wenn ich mich selber anfassen soll.«

»Aber wo starb die Mutter?« frag mit leiser Stimme Marie.

»Du kamst damals aus glücklichen Verhältnissen, aus Reichthum und Ueberfluß heraus, in unser Elend,« sagte der Vater, ohne auf die an ihn gerichtete Frage zu antworten – »es sah hübsch bei uns aus – wie? – Du warst aber ein braves Mädchen, und suchtest und fandest gleich eine Stelle, wo Du arbeiten, und Deinen Vater unterstützen konntest. Ja – wer einmal Nichts habensoll, dem fällt auch die Butter vom Brod herunter – das ist ein altes Sprichwort, und so wurde es auch bei uns. Na, ich denke,Duhast's ebenfalls erfahren – aber doch wohl noch nicht so arg, wie Deine Mutter – die hat traurige Zeiten mit durchgemacht.«

»Und wo starb sie?« sagte noch einmal das Mädchen.

»Gottes Zorn trieb mich damals unter das Lumpenpack, mit dem ich zwei volle Jahre herumzog – der Trunk hatte mich zum Thier erniedrigt, und ich – war ein recht schlechter Mensch geworden. – Ich weiß – es gab einmal eine Zeit, wo ich – aber Pest und Donner, ich bin ja heut' Abend förmlich wie ein altes Waschweib, und winsele und lamentire, daß es einen Stein erbarmen möchte. – Ei zum Henker, wollen einmal wieder trinken – da vergehen die Grillen, und die Welt bekommteine ganz andere Farbe. Das verwünschte Bachstetten hab' ich überdieß auf dem Strich, und ich weiß bei Gott nicht,wasmich wieder hierher geführt hat, manchmal ist's aber ordentlich, als ob Einen etwas ganz anderes triebe, als der freie Wille, und als ob es eine Art Verhängniß – ah, meinetwegen – 's mag kommen – ich bin fertig.«

»Vater,« sagte die Tochter plötzlich, und berührte seinen Arm – »die Lampe will ausgehen!«

»Die Lampe?« brummte dieser, der den Kopf auf die Brust gesenkt, in eine Art dumpfes Brüten gefallen war – »Unsinn, die brennt hell genug.«

Tiefes Schweigen herrschte in dem kleinen, unheimlichen Raum – draußen schüttelte der Wind die entlaubten Birken, die vor dem Fenster standen, und warf nach einer Weile den Hut in die Stube, den der Alte in die letzte, nicht mit Bretern vernagelte, aber jetzt auch zerbrochene Glasscheibe gesteckt hatte. Meier stand auf, drückte den Hut wieder auf seinen alten Platz, denn der scharfe Luftzug, der durch die Oeffnung hereinpfiff, drohte das Licht zu verlöschen, legte dann einen Stein hinein, und setzte sich wieder auf die Bettkante nieder.

»Vater – mir ist recht wunderlich zu Muthe,« sagteda plötzlich das Mädchen, und versuchte, sich auf ihrem Lager emporzurichten – »ich wollte – ich wollte,erwäre hier.«

»Er? – wer?« knurrte der Alte – »nenn' mir noch einmal den Kerl, und sieh dann, was ich thue – hol' ihn der Böse mit seinen Redensarten und Versprechungen – hätte ereinegehalten, so lägen wir jetzt nicht hier und bliesen Trübsal.«

»Hätt' er nur damals – meinen Brief – gelesen –« flüsterte das Mädchen in abgebrochenen Sätzen, und eine eigenthümliche Unruhe wurde in ihrem ganzen Wesen bemerkbar – ihr Vater achtete nicht darauf, er vertiefte sich mehr und mehr in seinen Gedanken, und horchte nur einmal aufmerksam lauschend auf, als die Thurmuhr draußen langsam und schwerfällig drei Viertel schlug.

»Wie viel Uhr ist das, Vater?«

»Drei Viertel auf zwölf – 's wird gleich Mitternacht sein, und dann – springen wir in's neue Jahr hinein. Beim Himmel, beinahe so ein Sylvester wie vor drei Jahren – und gerade die Stelle wieder – ich muß mir nur noch ein Glas Grog machen – das hilft.«

»Vater!« sagte da das Mädchen mit kaum hörbarer Stimme – »nimm doch – nimm doch den Hut – denHut wieder aus dem Fenster heraus – es wird – es wird so heiß – so schwül hier.«

Der alte Mann sprang wie von einer Kugel getroffen in die Höhe, sah erst seine Tochter ein paar Secunden mit stieren, fast aus ihren Höhlen drängenden Augen an, sprang dann nach der Lampe, griff diese auf, und hielt sie hoch über seinem Kopf gegen der Tochter Lager, daß der helle Schein des flammenden Dochtes auf die bleichen, geisterhaften Züge des armen Kindes fiel.

»Marie – Mädchen – Kind!« schrie er dabei mit zitternder, von Todesangst fast erstickter Stimme – »was ist Dir – wie siehst Du aus? – großer – großer allmächtiger Gott – und an der nämlichen Stelle, wo vor drei Jahren Deine Mutter starb –«

Marie raffte sich gewaltsam zusammen.

»Was – hier? – hier war es?« lispelte sie, und die großen glanzlosen Augen hafteten in einem unbeschreiblichen Gemisch von Schreck und Freude auf dem bleich und bebend vor ihr stehenden Vater – »hier in dem Haus? – in der Sylvesternacht?«

Der Alte nickte schweigend mit dem Kopf.

»Wie ist Dir denn jetzt eigentlich, Marie?« sagte erendlich etwas ruhiger – »Du hast mir einmal einen Schreck eingejagt – es ist wohl gar nicht so schlimm.«

»In demselben Zimmer, Vater?«

Der alte Musikant nickte noch einmal, und sah sich, fast wie scheu, in dem öden Raume um – »auf demselben Gestell, auf demDujetzt liegst,« flüsterte er mit kaum hörbarer Stimme.

Die Kranke sank wieder in ihre frühere Lage zurück, ein schwaches Lächeln stahl sich um ihre bleichen Lippen, und mit gefalteten Händen murmelte sie einige, dem Vater unverständliche Worte. Endlich streckte sie ihre linke Hand gegen ihn aus, und sagte:

»Vater – wolltest Du mir wohl eine Bitte erfüllen – eine Bitte, mit der Du mir eine recht große Liebe erzeigen könntest?«

Der alte Mann war indessen aufgestanden, und mit raschen Schritten im Zimmer hin und hergegangen; augenscheinlich arbeitete er daran, die weiche Stimmung, in der er sich befand, nieder zu kämpfen – er pfiff bald, bald summte er kurze, abgebrochene Sätze komischer Lieder vor sich hin. Bei der Bitte der Tochter wandte er sich rasch nach dieser um – sich plötzlich aber besinnend stampfte er mit dem Fuß, murmelte einen halb abgebrochenen Fluch in den Bart, und sagte:

»Ah was – laß die Possen – wir wollen lieber schlafen gehn.« Er schien die frühere, augenblickliche Rührung vollkommen abgeschüttelt, und sein rauhes unwirrsches Wesen wieder angenommen zu haben. Der Zustand der Tochter war ihm nämlich zu schnell und überraschend gekommen, und hatte dadurch all' die früheren, schon einmal an diesem Ort durchlebten Schreckbilder heraufbeschworen – sollte er das aber jetzt dem Kinde merken lassen? – Gott bewahre – – wenn aber nun doch? – Er heftete den scheuen ungewissen Blick fest und forschend auf das Antlitz der Kranken – und wie mit einer eiskalten Hand griff's ihm an's innerste Herz. – IndenZügen stand der Tod – und dem hatte er schon zu oft in das grauenvolle Antlitz geschaut, um sich darin noch irren zu können – mit schneller, beruhigender Stimme setzte er hinzu – »was ist es denn, Marie, kann ich es Dir bringen?«

»Nur noch ein Lied – sing mir – sing mir heute Abend – dann wollen wir uns schlafen legen – morgen werd' ich schon wieder besser sein – willst Du, Vater?«

»Was für ein Lied, Marie?«

»Mein Lieblingslied – die Ballade von – von der todten Sängerin.«

»Es ist gar so ernst,« sagte der alte Mann, und kämpfte, jetzt die Blicke nicht mehr von dem immer blässer und leichenähnlicher werdenden Angesicht der Tochter wendend, gewaltsam gegen den unbezwingbar in ihm aufsteigenden Schmerz an –

»Die Ballade, Vater!«

Der Vater griff nach der Violine, die Tochter winkte aber bittend mit der Hand –

»Nicht das Instrument,« flüsterte sie – »die scharfen Töne thun mir weh – nur Deine Stimme, Vater – und – und Deine Hand dazu – das ist ja Alles, was – mir noch – geblieben.«

»Es ist so ein langweiliges Lied,« warf der Vater noch einmal ein, und suchte nur Zeit zu gewinnen, seine Thränen niederzuwürgen – »wie ist Dir denn, Marie?«

»Gut – gut, Vater – aber die Ballade!«

»Hm – ahem,« räusperte sich der Alte – setzte ein paar Mal an, und mußte immer wieder aufhören – »ahem«

Die Kranke ließ seine Hand nicht mehr los, lag aber still und geduldig des Anfangs harrend. Endlichhatte sich der arme alte Mann so weit gesammelt, daß er wenigstens seine Stimme gewinnen konnte, und mit leisen, klangvollen, aber doch vor niedergehaltenem Schmerz zitternden Tönen sang er:

Es steht am MeeresstrandeEine stille bleiche Maid,Barfuß im kalten SandeMit flatternd dünnem Kleid.Und auf die schaumzersprühtenUnd krausen Wogen ausStreut sie zerpflückte BlüthenAus einem frischen Strauß. –

Es steht am MeeresstrandeEine stille bleiche Maid,Barfuß im kalten SandeMit flatternd dünnem Kleid.Und auf die schaumzersprühtenUnd krausen Wogen ausStreut sie zerpflückte BlüthenAus einem frischen Strauß. –

Es steht am MeeresstrandeEine stille bleiche Maid,Barfuß im kalten SandeMit flatternd dünnem Kleid.

Es steht am Meeresstrande

Eine stille bleiche Maid,

Barfuß im kalten Sande

Mit flatternd dünnem Kleid.

Und auf die schaumzersprühtenUnd krausen Wogen ausStreut sie zerpflückte BlüthenAus einem frischen Strauß. –

Und auf die schaumzersprühten

Und krausen Wogen aus

Streut sie zerpflückte Blüthen

Aus einem frischen Strauß. –

Mit solchem Ausdruck hatte der Mann noch nie gesungen! Die hellen Thränen rollten ihm über die faltigen hageren Wangen hinunter, als er Vers nach Vers beendete, und dem ängstlichen Blick nur immer mehr Grund zu wirklich ernster Besorgniß wurde. So wie er aber aufhören wollte, bat ihn ein leiser Druck der Hand fortzufahren, und er konntederBitte nicht widerstehen.

Zum drittletzten Vers war er so gekommen

Das – das war seine Stimme!Hier ist – hier kommt die Braut!

Das – das war seine Stimme!Hier ist – hier kommt die Braut!

Das – das war seine Stimme!Hier ist – hier kommt die Braut!

Das – das war seine Stimme!

Hier ist – hier kommt die Braut!

Da schlug es draußen auf dem Thurm in langsamgemessenen Schlägen zwölf, und Marie zuckte, wie von Todesschauern ergriffen, zusammen.

»Mein Kind – mein Kind!« sagte der Greis, und wollte sich über sie hinüberbeugen.

»Den Schluß, Vater – den Schluß,« flüsterte die kaum noch hörbare Stimme – »o den Schluß!«

Am stillen öden Strande,Vom Fluthenstrom umzischt.

Am stillen öden Strande,Vom Fluthenstrom umzischt.

Am stillen öden Strande,Vom Fluthenstrom umzischt.

Am stillen öden Strande,

Vom Fluthenstrom umzischt.

sang der alte Mann, aber er war nicht mehr im Stande, den Tönen Worte zu geben – die Laute blieben ihm in der Kehle stecken – er machte ein- oder zweimal den Versuch, doch umsonst – es ging nicht, und während seine Thränen immer unaufhaltsamer quollen, pfiff er mit zitternden Lippen den Schluß der Ballade.

Mit dem letzten Ton dröhnte auch der letzte Schlag der schläfrigen Thurmuhr aus –

»Mutter!« lispelte das Mädchen, und der Greis sprang mit einem lauten Aufschrei von seinem Sitz empor –

»Marie!« rief er, und strich ihr mit vor Angst fieberhaft fliegenden Händen die kalte, feuchte Stirn – »Marie« –

Umsonst, alter kinderloser Mann – Deine Mariehört Dich nicht mehr – – sie ist zur Mutter gegangen.

Laut schluchzend sank er neben dem Bett auf die Knie nieder, und barg sein Gesicht an dem kalten, harten Lager und stöhnte:

»War mir's doch den ganzen langen Tag, als ob eine Leiche im Zimmer läge.«

Unten im herrschaftlichen Hofe ging es recht still und geräuschlos her – der Oberpostdirector lag noch immer an den Folgen des Sturzes schwer darnieder, und wenn auch das eigentliche Wundfieber wohl überstanden war, so mußte sein Geist doch noch in furchtbarer Aufregung sein, denn er sprach viel und oft recht böse Sachen im Traum, und warf sich gewöhnlich so lange auf seinem Lager herum, bis ihn der Schmerz seiner kranken Glieder wieder aufweckte.

Der alte Poller war dabei gewöhnlich der Einzige, den er um sich duldete; seine Frau – sie mochte bitten oder weinen wie sie wollte – durfte nur sehr selten in's Zimmer, und dann auch nur wenige Minuten bleiben; der junge Poller ging ab und zu, und besorgte besonders alle die nöthigen Wege, sah nach dem Feuer u. s. w.Unten vor den Fenstern war dabei Stroh gelegt, damit das Rasseln der Wagen und das Klappern der Hufe auf dem Pflaster den Leidenden nicht stören solle, und die Knechte und Mägde hatten strengen Befehl, vor den Fenstern des Krankenzimmers besonders nicht zu lachen. Der Oberpostdirector konnte eher alles Andere hören, nur kein Lachen.

Heute schien er übrigens wieder einmal seinen ganz besonders bösen Tag gehabt zu haben, der junge Poller mußte springen und rennen und wurde fast ununterbrochen geschimpft und gescholten und wenn er sich ja einmal zum Ausruhn in einen Winkel drückte, trieb ihn sein Vater immer zuerst selbst wieder heraus. Der kleine giftige Bursche knirschte vor Zorn und Unmuth, entgegnete aber, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit, kein einziges Wort des Widerspruchs und ertrug Alles – wenigstens schweigend.

Die Abenddämmerung rückte so langsam heran; immer die schlimmste Zeit mit dem Kranken, der dann stets eine Art Fieberanfall bekam, und oft bis Mitternacht die Aufmerksamkeit seiner Wärter im vollsten Grade in Anspruch nahm. Der junge Poller hatte dabei lange eine Gelegenheit gesucht, einmal auf eine kurze Zeit sich zu entfernen, gerade jetzt war aber nicht ein einziger Weg fürihn zu gehn, und er mußte bis lange nach sechs Uhr, und also schon in völlige Nacht hinein, fortwährend Handreichungen am Bette thun, und aus der Küche herauf und hinunterspringen.

Endlich sollte der Verband an der einen Quetschwunde, die den Kranken heftig zu schmerzen begann, erneuert werden, die Traubenpommade war aber nirgends zu finden – der junge Poller kroch unter allen Stühlen und Schränken herum, drehte das oberst zu unterst, und machte, jedoch immer ohne Erfolg, einen solchen Lärm, daß ihm sein Vater endlich ärgerlich zuflüsterte, mit dem verdammten Spektakel einzuhalten und rasch nach der Apotheke hinauf zu laufen, um andere zu holen. Karl Poller ließ sich das nicht zweimal sagen, griff nach seiner Mütze und sprang davon.

»Aber zum Dunnerwatter, wua stäckst de denn?« redete ihn da, als er einen schon früher mit Krautsch besprochenen Sammelplatz erreichte, dieser würdige Mann in der übelsten Laune von der Welt an – »ich stiehe und stiehe hiar un han mer die Hänge und Fiße beinah derfruren; un keen Mensche kimmt niche – wua bist de denn su lange gebliaben – he?«

»Das weiß der Henker,« stimmte Poller selbst mit ein, »heute war kein Loskommen; als ob die beiden altenSchufte – mein Vater und der Oberpostdirector, ordentlich gemerkt hätten, daß ich irgend 'was im Schilde führe.«

»Oho – jo niche,« sagte Krautsch erschreckt.

»Hab' keine Angst,« lachte der junge Verbrecher, »die glauben sich sicher genug bewahrt; ich soll jetzt Traubenpommade in der Apotheke holen.«

»Un nu mußt de in die Apothek ruff?« frug Krautsch bestürzt – »das giaht ja gar niche – mer missen uns doch –«

»Ich werde nicht so dumm sein,« lachte Poller – »ich hab' ja die Traubenpommade, ein ganz frisches Stück von heute Morgen – selbst erst in die Tasche gesteckt, um nur eine Ausrede zu kriegen und wegzukommen – die bring ich dem Alten jetzt wieder – der weiß viel, ob das neue oder alte ist.«

Krautsch lachte heimlich vor sich hin.

»Un dann kennen mer jetzt die Sache en bischen beriaden?«

»Nun das versteht sich,« lautete die Antwort, »aber etwas rasch, dennzulange darf ich doch nicht wegbleiben.«

»Nu, wollen mer's denn noch hinte Obend machen?«flüsterte der Bauer – »ich bin g'rade uffen Zeug.«

»Ich denke,« erwiederte ihm Poller eben so leise – »im Schloß drin scheint auch Alles günstig, der Alte hat auch einmal wieder seinen bösen Abend, und da darf keiner weiter in die Zimmer kommen, wie wir Beide, mein Alter und ich – ich glaube, heute Abend gehts – aber welche Zeit?«

»Nu vor neine niche!« meinte Krautsch.

»Nein – aber auch nicht später, denn wenn das Thor erst einmal zu ist, kann der Teufel sein Spiel haben und uns in die Falle drin halten – ich dächte, so gegen neun.«

»Hm – guat – da han ich ooch nischt derwidder – un da machen mer's so, wie mer's beschprochen han?«

»Nun versteht sich, das Zeichen für mich ist der erste Feuerlärm – mißlingt es und wirdkeinLärm, nun so unterbleibt für heute die ganze Geschichte, denn wenn das Thor draußen geschlossen ist, mag ich's, obgleich ich selbst den Schlüssel dazu habe, nicht riskiren – es hält zu lange auf.«

»Un mer treffen uns an der Blutbuche.«

»Nun das versteht sich, das ist ja Alles schon besprochen,«brummte der junge Bursche; »wo aber denkst Du am sichersten anzukommen, am Obertenne?«

»Do brännt ja de ganze Beschäring wek,« sagte Krautsch erschreckt – »wenn das urdentlich Feier fängt, nachens haben se Zeit mit Leschen – ne ich dachte an's Ungertenne – do thuts nich so viele, un Spektakel geihts doch gening.«

»Mir wäre die Obertenne lieber,« sagte Poller – »daß der böse Feind dem alten Schuft nur noch immer ärger in seine lahmen Gliedmaßen hineinfahre – dem gedenk' ich die Schläge, und wenn wir bis zum jüngsten Tag neben einander ausharrten – im Obertenne kannst Du auch besser ankommen, wie im Untertenne, und bist nachher gleich an der Gartenmauer, an der Du Dich bis zum Thor und zwischen den Reisigbündeln durch leicht hinschleichen kannst.«

»Hm – nu mer wullen sähn – irgendwu wärd' ich schonst ankommen, un nachens mach ich mich sachte rar. – Aber Du – wie wärsch denn eegentlich, wenn ich erscht geschwinde in's herrschaftliche Gebäude käme – kinnten mer denn da nich verleicht noch een oder das –«

»Unsinn –« sagte Poller – »na mach Du solche Geschichten, daß sie Dich beim Kragen kriegen und beistecken– weißt Du wohl, daß heute Morgen der Befehl eingegangen ist, Dich aufzufangen und an das Gericht hinein zu liefern?«

»Jemine!« rief der Bauer erschreckt – »un vonwägen?«

Poller nickte nur einfach mit dem Kopfe.

»Läge der alte Baron jetzt nicht krumm, so hätten sie Dich am Ende schon abgefaßt,« sagte er, »so aber hat er die Geschichte, glaub' ich, noch gar nicht gelesen, morgen käm' es aber doch jedenfalls vor. Also bist Du gescheidt, so hältst Du Dich so viel wie möglich außer Rufs Nähe von Allen, die Dich kennen könnten, ich glaube, Du kannst dadurch nur profitiren.«

»Nu ja – 's kennte meglich sin,« meinte Krautsch, – »also denn bleibts derbei – um dreiviertel uf neine« – Und ohne weiter Gruß oder Abschiedsworte an den Verbündeten zu richten, glitt er aus seinem Versteck vor, sprang über die dicht daran stoßende niedere Gartenmauer, und war im nächsten Augenblicke in der dahinter lagernden Dunkelheit verschwunden.

Poller kehrte so schnell er konnte, um jetzt wo möglich jeden Zank und dadurch entstehende Unruhe zu vermeiden, nach Hause zurück, und suchte nur – was übrigensgar nicht so schwer war – den Vater an das Bett des launenhaften Kranken zu fesseln. Der Oberpostdirector schien aber auch wirklich heute einmal einen seiner allerbösesten Abende zu haben – er hatte nicht Ruhe noch Rast – wollte bald auf dieser, bald auf jener Seite unterstützt werden, warf sich – trotz aller Vorstellungen des hinzukommenden Arztes – fortwährend herum und zankte und schimpfte seine Umgebung – den Doctor keineswegs ausgenommen – auf das Unbarmherzigste. – Ja, er wollte endlich, was ihm aber dieser auf das Strengste verbot, unter jeder Bedingung von seinem Lager aufstehn, und schrie nun, als ihn der alte Poller gewaltsam zurückhielt – so laut um Hülfe, daß das Gesinde des ganzen Hauses zusammenkam, und schon glaubte, es wäre irgend etwas Entsetzliches geschehn.

Der Arzt sandte die Leute aber wieder zurück, und versicherte sie, sie brauchten um ihren Herrn sich nicht zu sorgen; es sei nur ein etwas stärkerer Fieberanfall als gewöhnlich. Er verordnete dann einige beruhigende Mittel, trug dem alten Poller noch verschiedenes auf und kehrte, da er dort noch einige Kranke besuchen mußte, mit dem schon wartenden Wagen in die Residenz zurück.

Dem jungen Poller schlug das Herz wie ein Hammer in der Brust – der Augenblick der Entscheidung rückte immer näher und sein Vater saß wie Blei – wenn erdennicht zur rechten Zeit aus dem Zimmer – denn hier in der Krankenstube selber lag das Geld – entfernen konnte, war die ganze Sache, die ganze Gefahr, der sich Krautsch aussetzte, umsonst gewesen – Krautsch? ei beim Teufel, der kümmerte ihn wenig – aber er selber – wer weiß denn, ob sich so günstige Gelegenheit ihm wieder bot – seine ganze Hoffnung ruhte jetzt noch allein auf dem Feuerlärm.

Der Kranke war, nach dem heftigen Toben, in eine Art Erschlaffung und Abspannung gefallen, die sich bald in einen Halbschlaf verwandelte. – Der alte Poller saß in der Ecke, im großen Sorgenstuhl des Herrn und fing, ebenfalls zum Tod erschöpft, gerade ein wenig an einzunicken – die Schlüssel zum Schrank lagen dicht neben dem Bette des Gutsherrn, und das einzige Gefährliche bei der Sache schienen dem jungen Bösewicht ein paar geladene Pistolen, die stets und zwar so niedrig über dem Bett und zu Köpfen des Herrn hingen, daß er sie jeden Augenblick mit ausgestrekter Hand erreichen konnte.

Entfernen durfte er die Waffen nicht – der Director selbst, oder sein Vater wenigstens, hätten das augenblicklichbemerkt und natürlich Verdacht geschöpft – wie aber wenn es ihm gelang die Zündhütchen herunter zu bringen? – Der Versuch mußte jedenfalls gewagt werden, denn Karl Poller hatte allen Respekt vor Schießgewehren, und der Oberpostdirector schoß ziemlich gut. Beim gewöhnlichen Stande des Bettes wär' ihm jedoch ein solches Vorhaben ganz unmöglich gewesen, denn sobald das Bett dicht an die Wand gerückt stand, würde er natürlich nur darüber hin an die Waffen gekonnt haben, jetzt aber und bei dem Leiden des Kranken, der fortwährend Schmerz empfand und anders gelegt sein wollte, war es nöthig geworden das Bett etwas, wenn auch nur wenig, von der Wand abzurücken, damit Jemand dahinter treten und von dort aus heben konnte.

Der alte Poller schlief wirklich, oder lag doch wenigstens mit geschlossenen Augen so fest und bequem an das Kissen angelehnt, daß nicht zu fürchten war, er würde durch das eigene schwerfällige Einnicken, wie das manchmal geschieht, plötzlich wieder aufwachen. Der Oberpostdirector athmete ebenfalls laut, und hielt noch dazu das Gesicht der Stube zu, also von der Wand abgekehrt. Karl schlich auf den Zehen zum Kopfende des Bettes, wo eine Menge Medicinflaschen standen, und blieb hier eine Weile stehn. Die Uhr im Zimmer schlug in dem Augenblickhalb, und er wollte erst abwarten ob der laute Schlag nicht etwa die Schläfer störe – nein – sie veränderten ihre Lage nicht und der junge Bursche stand im nächsten Moment, geräuschlos zwischen der Wand und dem Bette hingleitend, vor den Pistolen. Mit diesen wußte er übrigens gut genug umzugehn, da er das Schießzeug seines Herrn stets rein und im Stande zu halten hatte – rasch und geschickt entfernte er deshalb auch die gefährlichen Kupferhütchen und nahm sie, damit selbst ihr Fall kein Geräusch verursache, bis er die Waffen wieder an ihrem Ort gehangen, in den Mund.

So schnell er konnte, verließ er dann den für ihn so gefährlichen Platz und gleich darauf auch das Gemach, denn wenn der Feuerlärm, was jetzt jeden Augenblick geschehen konnte, entstand, durfte er nicht im Krankenzimmer sein, weil sonst natürlich niemand anders als gerade er auch fortgeschickt wäre, zu sehn was es gäbe. Mußte also nun »sein Alter« gehn, wie er bei sich und in leisem Brüten erwog, so kam er rasch zurück – mit dem Kranken wurde er bald fertig, wo das Geld lag wußte er genau, und ehe man an seine Verfolgung denken konnte, war er in der dunklen Nacht draußen entkommen.SeineVorbereitungen für das Weitere hatteer ebenfalls alle auf das Beste getroffen und harrte jetzt draußen im dunklen Gang mit fieberhaft klopfenden Herzen und immer wachsender Ungeduld auf das Zeichen – auf den Lärmen von den Scheunen her.

Als er die Thür hinter sich zuzog, fuhr sein Vater im Stuhl auf, rieb sich die Augen und schaute verwundert umher; es war etwas kalt im Zimmer geworden – es fröstelte ihn und er stand auf und ging, die Hände rasch aber geräuschlos zusammenreibend, zum Ofen, um dort nach zu legen und die Lampe, die ebenfalls düster brannte, etwas höher zu schrauben.

Der Oberpostdirector schlief noch immer, oder öffnete doch wenigstens die Augen nicht – die Uhr hob aus, um neun zu schlagen!

Der alte Poller drückte die Kohlenschaufel langsam und vorsichtig, um kein Geräusch zu machen, unter die Braunkohlen, und wollte sie eben wieder gefüllt herausheben, als er innehielt, und aufmerksam nach dem Hof hinüberschaute. – Ein dumpfes unbestimmtes Geräusch drang von dort zu ihm herüber und es war ihm beinahe, als ob er den Ruf »Feuer« verstanden hätte. Er ließ die Schaufel in den Kohlen stecken, richtete sich empor, und schlich auf den Zehen zum Fenster zurück. – Der Lärm draußen wurde immer lauter – auf demHof unten liefen die Leute hin und wieder und es mußte jedenfalls irgend etwas ganz außergewöhnliches vorgefallen sein.

Das Fenster durfte er nicht öffnen, denn der Kranke war besonders gegen kalte Luft empfindlich, er wollte also eben leise zur Thüre zurück, um seinen Sohn zu rufen, daß der einmal nachsehn könne, was vorgefallen wäre, als er jetzt ganz deutlich und bestimmt den Ruf von unten her ertönen hörte. –

»Feuer! – haben sie ihn?«

»Was ist? – was giebts?« sagte der Oberpostdirector, und drehte den Kopf nach dem Fenster zu – »was ist das für ein Lärmen, Poller?«

»Ich weiß wirklich nicht, Herr Oberpostdirector,« erwiederte der alte Mann etwas ängstlich, denn er fürchtete nicht mit Unrecht nach solcher Nachricht die zu große Aufregung des Kranken, und hoffte dabei noch immer, daß die Sache vielleicht gar nicht so schlimm sei, und bald wieder beseitigt werden könne. »Ich weiß wirklich nicht – irgend ein Betrunkener, wahrscheinlich – eine Schlägerei oder etwas derartiges – ich will doch gleich einmal nachsehn lassen.«

Er ging rasch nach der Thür, öffnete diese und rief hinaus:

»Karl – Karl! – Wo der Schlingel nun wieder steckt – Karl – Karl!«

»Das ist ein nichtsnütziger Bube!« stöhnte der Kranke – »und ich habe mich jetzt genug mit ihm geärgert – er soll mir morgen am Tag aus dem Hause – wo bleibt der verdammte Schuft – kommt er?«

»Nein, Euer Gnaden,« sagte der Alte, der eine kleine Weile auf den dunklen Gang hinausgehorcht hatte – »ich höre noch Nichts – Karl – Karl! – Christoph – Hans!«

Es hörte ihn Niemand; der gerufene Karl kauerte allerdings kaum zwanzig Schritte von ihm entfernt, hinter der dunklen Treppe, die in das obere Stock hinaufführte, wartete aber nur darauf, daß sein Vater das Zimmer verlassen sollte, und dachte gar nicht daran, dem Ruf Folge zu leisten.

»Das weiß der liebe Gott, das ganze Haus muß auf den Beinen sein, es ist, als ob es ausgestorben wäre,« brummte Poller vor sich hin, als er die Thüre wieder schloß.

»Feuer?« fragte der Gutsherr plötzlich, und suchte sich, erschreckt, und seine Leiden vergessend, aufzurichten, fiel aber gleich wieder mit einem leisen Schmerzgestöhn auf sein Lager zurück – »Feuer?« wiederholte er nachkleiner Pause – »mir war es, als ob ich draußen ›Feuer‹ rufen hörte – Poller!«

»Euer Gnaden –«

»Lauf einmal rasch hinaus, und bring mir – Jesus, wie das wieder sticht – und bring mir Nachricht, was es giebt – ob – ob Feuer ist, und – und wo es brennt – aber schnell – schnell!«

»Und ich soll Euer Gnaden so lange hier allein lassen?« frug der alte Diener.

Der Lärmen draußen wurde immer lauter, das Hin- und Herlaufen der Menschen immer ärger.

»Mach rasch – mach rasch!« rief ungeduldig werdend der Gutsherr, »soll ich denn Alles hundert Mal sagen, und mir um jeder Kleinigkeit willen die Galle an den Hals ärgern – fort mit Dir.«

Der alte Poller schüttelte mit dem Kopf, wußte aber auch nur zu gut, daß hier weiteres Einreden gar Nichts nützen würde, sondern griff nur nach seiner Pelzmütze, die neben der Thür auf dem Stuhl lag, und verließ das Zimmer.

Kaum konnte er Zeit genug gehabt haben, das Hausthor zu erreichen, und eben waren erst seine Schritte im Gang verhallt, als sich die Thür des Zimmers wiederöffnete, und Karl Poller schnell aber geräuschlos herein glitt.

»Nun?« frug der Gutsherr, der die Augen wieder geschlossen, – »was ist's, Poller – Feuer?«

Karl antwortete nicht, sondern schob rasch den Riegel vor, und trat zum Tisch, von dem er die Schlüssel aufgriff. Beim Klappern derselben sah der Kranke plötzlich auf – sein Blick begegnete dem des Diebes, und der Instinct fast sagte ihm, was das unstäte, wilde Auge, das scheue Wesen des Burschen, und seine Unruhe bedeuteten.

»Was willst Du mit den Schlüsseln, Schurke!« schrie er, und versuchte, aber vergebens, sich auf seinen Ellbogen empor zu richten – »laß die Schlüssel liegen, sag' ich – Canaille!« –

»Brauche sie jetzt einen Augenblick selber,« lachte aber der junge Bösewicht mit einer Art triumphirender Bosheit, »will mir nur einen kleinen Vorschuß erbitten, um die Auswanderung eines sehr guten Freundes – wie Herr Doctor Strohwisch immer sagte, damit bestreiten zu können – bloß ein paar hundert Thaler.«

»Schuft Du – diebische Bestie – willst Du die Schlüssel hinlegen!« schrie jetzt der Oberpostdirector,heiser vor Wuth, und griff nach seinen Pistolen an der Wand – »willst Du, Canaille?«

»Bitte, geniren Sie sich nicht,« grinste der Dieb – »bedienen Sie sich gefälligst,« – und mit rascher, gewandter Hand öffnete er blitzesschnell den Schrank, und griff rasch nach dem Geldsack, der hinten, an dem ihm wohlbekannten Platz in der Ecke stand.

»Räuber!« rief erschreckt der Kranke – spannte den Hahn des Pistols, zielte, und drückte auf seinen Bedienten ab. Der Hahn schlug aber machtlos nieder, – die Kraft fehlte, die allein den Schuß hätte entzünden können. Poller lachte nur; der Herr von Gaulitz hatte schon die andere Waffe erfaßt, spannte den Hahn, und drückte fast in demselben Moment auch diese ab – »Teufel« – knirschte er aber, als auch diese versagte, und in machtloser Wuth schleuderte er das untreue Rohr nach dem Verbrecher – es fiel machtlos vor ihm nieder.

»Hülfe!« tönte da die gellende Stimme des Verzweifelten, der sich in machtloser Wuth, und trotz des rasenden Schmerzes, mühte sich emporzurichten – »Hülfe – Hülfe – Hülfe!« umsonst, er brach halb ohnmächtig auf seinem Lager zusammen, und der Dieb sprang eben aus der einen Thür, die nach dem Thor zuführte, hinaus, als der alte Poller wieder zurückkam,seines Herrn Hülferuf (der aber von dem übrigen Gesinde, wenn es wirklich in der Nähe gewesen, doch nicht beachtet wäre, da der Kranke schon einen großen Theil des Abends so geschrien) vernommen, und nun zu seinem nicht geringen Entsetzen die Thür von innen verriegelt fand. Vergebens pochte und schlug er daran, sie wurde nicht geöffnet, dann lief er zurück, um durch die andere, durch die sein Sohn eben das Zimmer verlassen, zu seinem Herrn zu kommen, doch auch hier hatte der schlaue Räuber den Schlüssel umgedreht und mitgenommen, und ehe sich der alte ängstliche Mann entschließen konnte, förmlich einzubrechen, ja ehe es ihm nur mit seinen schwachen Kräften, allein und von allen verlassen, wirklich gelang, und er nun im Stande war, von dem, seiner Sinne kaum mächtigen Kranken die fürchterliche Wahrheit zu erfahren, hatte der Dieb schon einen solchen Vorsprung gewonnen, um bei Nacht, selbst in ruhiger Zeit jeder Verfolgung spotten zu können. Jetzt aber, in diesem Lärm und Aufruhr, und in der Verwirrung, die auf dem ganzen Gute herrschte, wäre eine solche nur um so erfolgloser gewesen.

Allerdings sandte der Alte gleich Leute nach allen Richtungen, um wenigstens seine Schuldigkeit gethan zu haben, ließ auch den Jäger hinüberschicken, unddiesen gleich auf's Schloß bescheiden, der Bote aber brachte nach etwa einer halben Stunde die Nachricht, der alte Holke sei mit einem Zeichenschläger im Walde draußen, und werde auch vor tiefer Nacht nicht wieder zu Hause kommen, und die Verfolger kehrten ebenfalls unverrichteter Sache wieder. Was überhaupt noch geschehen konnte, mußte jedenfalls am nächsten Morgen geschehen.


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