Pieter Maritz' Flucht.
Pieter Maritz' Flucht.
Einen lauten Ruf der Ermunterung stieß der Knabe aus, indem er dem Griffe des Offiziers entschlüpfte, und dieser Ruf schien Jager Flügel zu verleihen. Er lief auf dem ebenen Boden mit der Leichtigkeit der Antilope hin und ließ den Rappen hinter sich. Nun war die freie Fläche überschritten, und eine Schlucht, auf deren Grunde ein Bach rieselte, versperrte den Weg. Es war ein schwer zu passierendes Hindernis, denn steil ging es hinab und steil hinauf, und dazu lagen große Steine an beiden Abhängen, welche der Bach wohl, im Gewitter hoch anschwellend, vom Gebirge hergespült hatte. Für Jager, der an Ritte in diesem Lande undan die Jagd querfeldein gewöhnt war, bot diese Schlucht gleichwohl nur geringe Schwierigkeit. Pieter Maritz ließ ihm den Zügel, und das kluge Tier kletterte in schräger Linie mit der Gewandtheit einer Katze hinab, sprang über das Wasser und kletterte jenseits empor. Aber für den Engländer war dies ein ganz ungewöhnliches Ding, und nur der maßlose Ärger des jungen Mannes vermochte ihn, sein Pferd hier durchzutreiben. Mit ängstlichem Schnauben stieg der Rappe vorsichtig hinab, und es bedurfte wiederum der Sporen, um ihn durch diese tiefe Schlucht zu bringen. Der Knabe hatte einen solchen Vorsprung gewonnen, daß er Jager in ruhigem Schritt eine Minute lang verschnaufen lassen konnte. Ja, das Leben seines Verfolgers war völlig in seiner Hand. Er hätte nur die Büchse von der Schulter zu nehmen und es zu erwarten brauchen, daß der Offizier über dem Rande der Schlucht wieder auftauchte. Aber er dachte nicht daran; sein Zorn über die Beleidigungen des Lord war völlig verraucht.
Jetzt war der Rappe wieder auf ebenem Boden und die Jagd begann von neuem. Der Engländer setzte das Äußerste daran. Die Leidenschaft des Wettrennens hatte sich seiner völlig bemächtigt und ließ ihn jeder Vernunft vergessen. Er konnte den Gedanken nicht vertragen, von dem Buernjungen verhöhnt zu werden und sein herrliches Schlachtpferd besiegt zu sehen. So trieb er den Rappen zum stärksten Laufe an.
Aber immer unerreichbar blieb der Buernsohn vor ihm. Es war, als sei er zusammengewachsen mit seinem Pferde. Das waren nicht zwei Gestalten, Roß und Reiter, sondern es war nur eine Figur, und sie glitt mit einer Leichtigkeit, mit einer zierlichen Behendigkeit dahin, deren Anblick den Verfolger rasend machte. Wie zum Hohne schien ihm der Knabe so oft rückwärts zu blicken, und die blonden flatternden Locken schienen den jungen Mann zu äffen. Das Blut tobte ihm im Gehirn, seine Schläfen pochten, und es war ihm zuweilen, als ritte er hinter einer Traumgestalt her, wie sie wohl den Schläfer neckt, der sich vergeblich bemüht, das ungreifbare, vor ihm entweichende Bild zu erfassen.
Jetzt näherte sich die Jagd dem Walde. Wie eine dunkle Wand, doch durch die eigentümliche Beleuchtung des sonnigen Himmels in einen bläulichen Schleier gehüllt, dehnte sich ein unabsehbarer Wald vor den Reitern aus. Und dicht vor ihnen tauchte jetzt aus dem hohen Grase und den Büschen ein Wall auf, den die Natur erschaffen hatte, der aber so gleichmäßig geformt war wieeine Mauer. Jager verlangsamte seinen Lauf, als er des Walles ansichtig wurde, dann sammelte er seinen Körper und sprang mit einem schnellenden Satze, einem Panther ähnlich, oben hinauf und auf der andern Seite mit einem zweiten Satze hinunter auf den weichen Boden.
Der Engländer folgte. Aber angesichts des Walles scheute der Rappe und bog seitwärts aus. Der Leutnant führte das Tier im Bogen wieder vor, und als es sich bäumte, stieß er ihm mit voller Gewalt die Sporen in die Weichen. Der Rappe rannte in Angst und Schmerz vorwärts, hob sich zum Sprunge, — aber ungewohnt des Terrains und auch von seinem Reiter nicht ganz richtig geführt, wollte er den Wall mit einem Satze nehmen, anstatt oben hinaufzuspringen. Herrlich hob sich das schöne Tier und flog vorwärts, aber seine Kraft langte zu einem so gewaltigen Sprunge nicht mehr aus. Mit den Vorderbeinen kam es hinüber, aber die Hinterhufe schlugen an den oberen Rand des Walles, und, sich überstürzend, rollte der Rappe am Boden. Lord Adolphus Fitzherbert flog in hohem Bogen während des Sturzes aus dem Sattel, schlug schwer zu Boden und blieb regungslos liegen.
Pieter Maritz war schon eine Strecke weit vorgekommen, während der englische Offizier den Sprung über den Wall unternahm, aber er hörte das Krachen des Sturzes und hielt bei diesem Tone sein Pferd an. Als er sah, was geschehen war, ritt er alsbald zurück, sprang aus dem Sattel und lief auf den gestürzten Verfolger zu. In diesem Augenblicke richtete sich der Rappe, der eine kurze Zeit betäubt dagelegen hatte, empor, sprang auf die Füße und blieb an allen Gliedern zitternd auf dem Flecke stehen, wo er gefallen war. Lord Adolphus Fitzherbert dagegen blieb liegen. Er lag auf dem Rücken, der Helm war ihm vom Kopfe gefallen, sein Gesicht war jetzt ganz bleich, doch war die Stirn von Blut bedeckt, und Blut rann in sein kurzes dunkles Haar. Mit der linken Hüfte lag er auf dem Griff seines langen schweren Degens.
Voll Mitleid bog sich der Knabe über ihn, stützte des Verwundeten Kopf und zog den Pallasch unter dem Körper hervor. Der Leutnant öffnete die Augen nicht, er war bewußtlos.
Hätte ich doch Wasser, um ihm die Stirn zu waschen! dachte der Knabe. Es fiel ihm ein, daß der vornehme junge Mann beim gestrigen Abendessen ein weißes, beinahe durchsichtiges Tuch aus der Tasche gezogen und sich damit die Oberlippe gewischt hatte. Der Nutzen eines solchen Tuches war ihm unbegreiflich gewesen, aber jetzt dachte er, es könne nützlich sein. Er zog das Schnupftuch aus einer der hinteren Taschen des befleckten und zerrissenen Waffenrocks und trocknete damit das Blut von der Stirne. Da sah er, daß ein langer Riß die Kopfhaut vom rechten Augenlid bis zum Scheitel trennte. Er beschloß, den Verwundeten wieder in das Gras niederzulegen und Wasser zu suchen.
In dem Augenblick aber, wo er den schweren Oberkörper sanft niedergleiten ließ, ertönte ein wildes Geheul ganz in der Nähe, welches ihm das Blut in den Adern erstarren machte. Es war ein wildes, triumphierendes, langgezogenes Geschrei, welches ringsum von allen Seiten erscholl, und in derselben Sekunde fühlte sich der Knabe von starken Fäusten gepackt und sah eine Menge dunkler Gestalten mit großer Schnelligkeit vor sich auftauchen. Sie mußten erstaunlich geräuschlos herangeschlichen sein, denn nicht einmal das Rascheln welken Grases hatte ihre Ankunft verkündigt, und nun erfüllten sie wie aus dem Boden gewachsen den Raum umher.
Voll Bestürzung blickte Pieter Maritz sich nach allen Seiten um, während er so festgehalten wurde, daß er sich nicht im geringsten bewegen konnte. Wohl an vierzig Schwarze umringten ihn und den am Boden liegenden Offizier. Einer hatte die Zügel des Rappen, ein anderer Jagers Zaum ergriffen, und nun nahmen ihm flinke Hände die Büchse und den Patronengurt ab und gürteten den Hirschfänger von seiner Hüfte ab. Die Schwarzen waren von wildem Aussehen. Sie waren alle bewaffnet, die meisten mit Bogen und Pfeilen, Streitäxten, Wurfspießen und länglichen Schilden, einige aber auch mit Gewehren, und diese trugen nach Art der Buern einen Patronengurt über der Schulter. Manche waren mit Beinkleidern und Blusen oder auch mit Jacken oder wollenen Hemden bekleidet, andere trugen ein Fell vom Panther oder Tiger über den nackten Schultern, einige wenige waren unbekleidet bis auf den Karoß, ein kurzes Fell, welches um die Hüften gebunden wird und einen kleinen Schurz bildet. Alle aber trugen kriegerischen Kopfputz, indem aus ihren gelockten und mit Fett befestigten Haaren Federbüsche vom Strauß, vom Adler und von anderen Vögeln emporragten. In ihrer Mitte bewegte sich ein ältererMann von gebieterischem Wesen, der ein glänzendes Halsband von großen weißen Zähnen, einen polierten Kupferring um den rechten Oberarm und einen Mantel von Löwenfell um die Glieder geschlungen trug.
Dieser wendete sich an Pieter Maritz und fragte ihn in fließendem Holländisch, woher er komme und was die Scene mit dem Jüngling in dem roten Rocke zu bedeuten habe.
Pieter Maritz sagte sich, daß die Schwarzen schon von weitem das Rennen beobachtet und verfolgt haben müßten, und er hielt es für das beste, die volle Wahrheit zu erzählen. Er berichtete, daß er aus Botschabelo komme, daß die englischen Reiter ihn gewaltsam hätten mit sich nehmen wollen und daß er ihnen entflohen sei.
Der Befehlshaber der Schwarzen richtete hierauf einige Worte an seine Leute, und diese machten sich alsbald daran, den noch immer bewußtlosen Engländer wegzutragen. Einige hieben starke Äste ab, andere holten zähe Ranken von Schlinggewächsen herbei, und dann stellten sie mit großer Geschicklichkeit eine Tragbahre her. Wieder andere plünderten währenddessen den Lord vollständig aus. Sie nahmen ihm seine Waffen ab, schnitten die blanken Metallknöpfe von seinem Rocke, zogen ihm seine Börse voll Guineen und Silberstücke sowie seine mit Edelsteinen besetzte goldene Uhr aus der Tasche und bemächtigten sich des goldenen Etuis mit den Cigaretten. Nur die Kleidung ließen sie ihm. Alsdann legten sie ihn auf die Tragbahre, und zwei starkgebaute Kaffern mit schwellenden Muskeln hoben die Bahre auf und gingen in schnellem Schritte mit ihm davon. Einen traurigen Anblick gewährte der vordem so elegante Offizier. Sein Gesicht war blutig, sein Haar klebte von geronnenem Blut zusammen, sein Anzug war zerrissen und mit Wasser, Blut und Schlamm bedeckt, seine hohen Stiefeln waren von Dornen zerkratzt und trugen so sehr die Spuren des mühseligen Rittes, daß von ihrem früheren Glanz fast nichts mehr zu entdecken war.
Hinter der Tragbahre ward Pieter Maritz weggeführt. Auf jeder Seite ging einer der Kaffern, und sie vertrauten wohl darauf, daß er ihnen nicht entlaufen könne, denn sie banden ihn nicht, sondern ließen ihn frei gehen. Beide Pferde wurden am Zügel hinterhergeführt, und ihnen folgte die ganze Schar der Leute, welche unter dem Befehle des Mannes mit dem Löwenfell standen.
Pieter Maritz sah, daß der weite und schnelle Ritt bis in die unmittelbare Nähe des großen Waldes geführt hatte, den er von der Höhe von Botschabelo aus als einen fernen bläulichen Streifen entdeckt hatte, und er konnte am Stande der Sonne erkennen, daß es in südöstlicher Richtung weiterging. Bald trat der Zug in den Wald ein, und kühlender Schatten umgab ihn und linderte die Pein des schnellen Fußmarsches in der glühenden Hitze. Denn mit großer Schnelligkeit ging es vorwärts. Die beiden starken Kaffern, welche den Offizier trugen, schienen von ihrer Last gar keine Beschwerde zu haben. Sie schritten mit elastischem Gange dahin, über Steine und unebenen Boden mit derselben Sicherheit wie auf ebener Grasfläche. Auch im Walde verminderte sich die Eile des Marsches nicht. Es gab hier gar kein Unterholz, keine Büsche und Sträucher standen zwischen den Bäumen, sondern die gewaltigen Stämme der Seidenwollenbäume, schattigen Tamarinden und Delebpalmen ragten wie Säulen in einem riesigen Dome empor und wölbten gleich einem Dache in großer Höhe ihre Wipfel.
So ging es wohl eine Stunde weiter, und Pieter Maritz sah voll Mitleid, mehr für den verwundeten Engländer als für sich besorgt, auf die Tragbahre, wo der elend zugerichtete Offizier noch immer bewußtlos lag. Aber jetzt erreichte der Zug eine Stelle, wo sich runde Hütten, zeltähnlich geformt, doch ohne Spitze, erhoben und wo der blaue Rauch von einer Feuerstelle zu dem Laubdach der Bäume emporstieg. Der Zug machte Halt, und Pieter Maritz sah eine Menge von Männern und Weibern zusammenlaufen, um die Ankömmlinge zu betrachten. Die Tragbahre ward in der Nähe einer der Hütten niedergesetzt, und der Mann mit dem Löwenfell sprach mit einem weißhaarigen Schwarzen, der langsam aus der Hütte hervorkam. Dieser Alte mußte wohl den Beruf eines Arztes unter seinem Stamme ausüben, denn er fing alsbald an, den Verwundeten zu untersuchen. Pieter Maritz blieb neben der Tragbahre und sah seinem Verfahren zu. Mit geschickter Hand wusch der Kaffernarzt das Blut von der Stirn und holte alsdann einen fein zugespitzten Knochen und sehr dünne Sehnen von irgend einem Wild herbei. Damit nähte er den klaffenden Riß sorgfältig und genau zusammen. Alsdann holte er eine Handvoll Kräuter aus der Hütte hervor, zerkaute sie mit seinen gewaltigen vorspringenden Kinnladen zu einem Brei, legte diesen auf den zugenähten Riß und band ein dünn geschabtes Stück Leder darüber,so daß die Stirn wie von einem großen Pflaster bedeckt war. Hierauf lagerte er den Verwundeten bequem im Schatten auf weichem Moos und Blättern und setzte sich zusammengekauert auf die eigenen Hacken daneben, die Arme um die dürren Beine geschlungen, das Kinn auf den Knieen.
Währenddessen hatten sich die schwarzen Krieger um das Feuer versammelt, wo mehrere große Töpfe brodelten und große Fleischstücke teils über den Flammen brieten, teils in den Kohlen lagen und mit Stäben umgewandt wurden. Der Mann mit dem Löwenfell lud auch ihn ein, an der Mahlzeit teilzunehmen, und Pieter Maritz, welcher sehr hungrig geworden war, setzte sich geduldig mit in den Kreis und nahm gleich den anderen ein Stück Fleisch zur Hand und aß. Mit traurigem Blicke sah er zu Jager hinüber, der nebst dem Rappen an einen Pfahl gebunden in der Ferne stand und mit seinem ehemaligen Verfolger zusammen friedlich an demselben Futter kaute. Würde er jemals wieder in Freiheit auf des treuen Tieres Rücken sitzen? Was wollten diese Räuber beginnen? Der Anführer zeigte keine Neigung, sich auf Erklärungen einzulassen.
Nachdem sie gespeist hatten, setzten sich die Schwarzen neben der Feuerstelle wieder im Kreise zusammen, indem sie sämtlich auf den Fersen hockten, und schwatzten sehr lebhaft. Dabei ließen sie die Beutestücke unter Ausrufen des Entzückens von Hand zu Hand gehen, und der Knabe konnte trotz seiner Niedergeschlagenheit das Lachen nicht unterdrücken, als er sah, daß sie die Cigaretten aus dem Etui nahmen, hin und her drehten und endlich in der Weise rauchten, daß sie in jedes Nasenloch eine steckten. Der feine türkische Tabak schien ihnen außerordentlich zu gefallen, denn sie patschten sich vor Vergnügen auf den Bauch. Den Revolver des Engländers betrachteten sie mit großer Neugierde. Sie schienen eine solche Waffe noch nicht zu kennen, gingen aber sehr gewandt damit um und erklärten einander die Einrichtung, so daß es klar war, sie seien mit Schußwaffen vertraut.
Pieter Maritz, der hin und wieder einen Blick nach dem Verwundeten und dessen treulich neben ihm hockenden Arzte warf, bemerkte jetzt, daß der Scharlachrock sich bewegte. Er lief alsbald dorthin und sah, daß der Leutnant die Augen aufgeschlagen hatte und träumerisch umhersah. Augenscheinlich war er noch ein wenig in seiner Ohnmacht befangen und wußte nicht recht, ob er lebe oder nicht. Erst nach einer Weile wurde sein Blick verständnisvollerund nahm einen zornigen Ausdruck an, als er auf den Knaben fiel. Dann faßte der Verwundete aber auch den alten Kaffern auf der andern Seite seines Lagers ins Auge und geriet in großes Erstaunen. Er wollte sich aufrichten, war aber vor Schmerzen und Steifigkeit dazu nicht imstande, sondern sank gleich wieder zurück.
»Was hat dies alles zu bedeuten?« fragte er.
Pieter Maritz redete ihm freundlich zu und erklärte ihm, was geschehen sei. Der Leutnant hörte zuerst halb ungläubig, dann aber mit dem äußersten Schmerze zu.
»Ich wollte lieber, ich hätte den Hals gebrochen!« murmelte er voll Ingrimm und schloß dann finster und trotzig die Augen.
Der Kaffernarzt war inzwischen aufgestanden und braute nun in einem Gefäße, welches aus einem Straußenei gearbeitet war, ein Getränk, welches er für heilkräftig halten mochte. Er mischte den milchigen Saft von Kräutern mit Wasser, drückte eine Apfelsine darüber aus und brachte diesen Trank dem Verwundeten. Dieser sah das Gefäß und den Inhalt mit höchst verächtlicher Miene an, mochte aber wohl sehr durstig sein, denn er probierte und trank dann alles aus.
Eine dunkle Gestalt erschien jetzt neben seinem Lager, der Anführer der Bande war herangeschritten. Er hatte seinen Mantel zurückgelassen und stand fast nackt da, die geschmeidigen und muskelstarken Glieder in ihrem schönen Ebenmaß zeigend. Die weißen Raubtierzähne um seinen Hals leuchteten auf der glänzend schwarzen Haut, der breite Armring funkelte gleich dunkelfarbigem Golde, und eine weiße Straußenfeder wallte von seinem Haupte. Der Engländer betrachtete ihn voll Staunen über den kriegerischen Stolz, der sich in seiner Haltung aussprach, und mochte wohl verwundert sein über den Unterschied, den er zwischen diesem freien Krieger und den sklavischen Schwarzen fand, die er bis jetzt während seines kurzen Aufenthaltes in Afrika kennen gelernt hatte. Doch war Lord Adolphus Fitzherbert keineswegs in Furcht, sondern zeigte den Stolz des Briten und des vornehmen Mannes auch in der Gefangenschaft und daniederliegend.
»Sprecht Ihr englisch, mein schwarzer Freund?« fragte er mit energischem Tone.
Der Anführer schüttelte den Kopf zum Zeichen, daß er nicht verstanden habe.
»Wenn Ihr diesem Manne etwas zu sagen habt, so will iches ihm gern übersetzen; er versteht holländisch,« sagte Pieter Maritz freundlich zu dem Offizier.
Der Leutnant wandte sich zu dem Knaben und nickte dankend. »Ihr seid sehr gütig,« sagte er, »und ich werde Euch verbunden sein, wenn Ihr diesen Halunken mitteilen wollt, daß ich sie alle werde hängen lassen, wenn sie mich und mein Pferd nicht dahin zurückbringen, von wo sie mich geholt haben.«
Der Knabe schüttelte den Kopf. »Ihr handelt nicht klug, Mynheer,« erwiderte er. »Ihr könnt niemand hängen lassen, wenn diese Kaffern Euch umbringen, und wir sind doch beide in ihrer Gewalt.«
»Sie werden es nicht wagen, mich umzubringen,« entgegnete der Engländer. »Sie wissen recht gut, daß der Gouverneur diesen ganzen Wald mit allen schwarzen Spitzbuben, die darin stecken, ausräuchern würde, wenn man einem seiner Offiziere ans Leben ginge.«
Nachdem der Leutnant so gesprochen hatte, mochte er aber wohl selbst die Thorheit seiner Prahlerei einsehen, denn er setzte hinzu: »Ihr kennt aber wahrscheinlich diese Art Leute besser als ich, und wenn Ihr es für klüger haltet, so sagt ihnen, sie sollten eine große Summe Geldes haben, wenn sie mich nach Pretoria brächten.«
Pieter Maritz nickte und teilte dies dem Anführer mit.
Dieser hatte dem Zwiegespräch aufmerksam zugehört und antwortete jetzt auf die ihm übersetzte Mitteilung des Engländers, daß ein anderer darüber zu entscheiden haben werde. »Für jetzt aber,« fügte er hinzu, »macht euch fertig, denn ihr sollt weiterziehen.«
Auf seinen Wink kamen wieder zwei Männer heran, welche den Engländer auf die Tragbahre legten, ein Dutzend andere, alle gut bewaffnet, umringten die Bahre und den Knaben und lösten die Pferde los, und dann ging es in derselben beschleunigten Gangart, mit welcher sie gekommen waren, weiter. Mit einem Gefühl der Beruhigung sah Pieter Maritz, daß einer der Kaffern seine ihm vom Vater vererbten Waffen trug. Die Hoffnung flüsterte ihm zu, daß dies eine gute Bedeutung habe, daß er ebensowenig seiner Waffen wie seines Pferdes für immer beraubt werden solle. Der Anführer der Bande und deren größter Teil blieben bei den Hütten im Walde zurück, nur eine Begleitung von vierzehn Schwarzen brachte die Gefangenen und ihre Pferde weiter.
Mit immer gleicher Geschwindigkeit ging es in dem ungeheuren Walde weiter, bis die Sonne sank. Dann wurde Halt gemachtund ein Feuer angezündet. Die Schwarzen trafen keine Art von Vorsichtsmaßregeln, um ihre Gefangenen an Flucht zu verhindern, da sie die Finsternis und den Wald für genügende Sicherung halten mochten, sondern stellten nur eine Wache aus, welche auch das Feuer unterhalten mußte, und legten sich schlafen. Auch die Gefangenen schliefen, ohne sich durch das Gebrüll der Panther stören zu lassen. Beide waren todmüde, der Engländer durch seine Verletzungen, Pieter Maritz durch den langen und ihm ungewohnten Marsch.
Früh am Tage ward wieder aufgebrochen, nachdem ein jeder von dem mitgenommenen Fleisch zu essen bekommen hatte. Lord Adolphus Fitzherbert war wieder einigermaßen gekräftigt und sprach in freundschaftlicher Weise mit dem Knaben, über dessen Gesellschaft er nun sehr froh war. Es ging den ganzen Tag im Walde weiter, und nur einmal ward eine Rast von einigen Stunden gemacht, um eine Mahlzeit aus einer Elenantilope zu bereiten, die einer der Kaffern unterwegs geschossen hatte. Pieter Maritz dachte oft über die Möglichkeit einer Flucht nach. Wenn es ihm gelang, auf Jagers Rücken zu kommen, so wäre es vielleicht möglich gewesen, davonzueilen, und oft sah er das Pferd trübselig an, und dann schien es ihm, als blicke das Tier auch ihn mit Verwunderung und Teilnahme an. Aber der Gedanke an das Schicksal des Engländers verscheuchte wieder derartige Wünsche. Das Verhältnis zwischen ihm und dem jungen Lord veränderte sich mehr und mehr und wurde ein vertrauliches. Er hätte es wohl schon zu Anfang der gemeinsamen Gefangenschaft nicht übers Herz gebracht, seinen Schicksalskameraden zu verlassen; nun aber, wo sie freundliche Gespräche ausgetauscht hatten, schien es Pieter Maritz ganz unmöglich zu sein, davonzugehen und den andern allein zu lassen. Das Befinden des Engländers hatte sich übrigens im Laufe der Nacht und des darauf folgenden Morgens so sehr gebessert, daß er am Nachmittag schon eine kleine Strecke zu Fuße gehen konnte. Er klagte jetzt mehr über seine linke Hüfte als über seinen Kopf, denn die Hüfte war ihm durch den Sturz auf den Degengriff arg zerstoßen worden.
Am Abend dieses Tages kamen sie in gebirgiges Land. Höhen und Thäler wechselten ab und alles war mit Wald bedeckt, der nun niedriger wurde und viel Unterholz hatte. Die Berge wurden allmählich höher, und der Wald hörte an manchen Stellen auf. Tief eingeschnittene Thäler eröffneten sich, Wildbäche rauschten vonden Höhen hernieder, und über die niedrigeren Berge hinweg waren die Spitzen sehr hoher Gipfel im Hintergrunde zu sehen.
Der Engländer stieg von seiner Tragbahre herab und ging eine Strecke zu Fuß. Zwar wollten die Schwarzen in ihrer bisherigen raschen Gangart bleiben, aber der Engländer, der nur langsam gehen konnte, fuhr sie drohend an, und sie bequemten sich, obwohl sie nicht verstanden, was jener sprach, seinen Gebärden zu gehorchen. Sie waren die Herren, und er war ihr Gefangener, aber so groß war die ihnen eingeborene Ehrfurcht vor der weißen Farbe, daß sie nicht wagten, seinem Willen entgegen zu handeln.
Lord Adolphus Fitzherbert lehnte sich auf Pieter Maritz' Schulter und ging in vertraulicher Weise mit dem Knaben. Sein Benehmen gegen ihn hatte sich vollständig geändert. Mochte es nun der Respekt sein, den ihm dessen Reiten eingeflößt hatte, oder das Gefühl, in ihm den einzigen Genossen von gleichem Stamme zu haben, oder mochte auch das gute ehrliche Gesicht des Knaben Eindruck auf ihn gemacht haben — genug, er behandelte Pieter Maritz in freundlicher Weise und fast wie seinesgleichen.
»Wie schön ist diese Landschaft!« sprach er zu ihm. »Sehen Sie dort die blauen Bergeswipfel über die dunklen Schluchten emporragen und die rotglühenden Wolken sich an den Höhen festhängen! Sehen Sie dort den glitzernden Gießbach über den schwarzen Hang sich herabstürzen! Wie das schäumende Wasser zwischen den starren dunklen Felsen und Bäumen glänzt! Wahrlich, dies Land ist so schön wie nur irgend ein von Fremden gesuchtes Stück in den Alpen oder Pyrenäen in unserer Heimat, Europa.«
Pieter Maritz sah den Sprecher verwundert an, begriff nicht, was der bleiche junge Mann mit seinem schwärmerischen Blicke dort in der Ferne suchen könne, und erwiderte lachend: »Das Land ist nicht schön, Mynheer. Es sind ja nichts als wüste Berge und unfruchtbare Bäume. Keine gute Weide für das Rindvieh, kein Gras für das Wild und kein Boden für Mais und Weizen!«
Der Lord lächelte. »Also nur Weideland und Äcker finden Sie schön?« fragte er.
»Gewiß,« versetzte Pieter Maritz. »Welche Landschaft sollte denn sonst schön sein? Drüben im Westen im Kreise Lydenburg und am Potschefstroom um Pretoria, auch im Norden, wo wir leben, dort ist es schön, aber dies ist ein wüstes und wildes Land.«
»So ist der Geschmack verschieden,« sagte der Lord. »Bei mir zu Hause reisen die närrischen Leute aus dem flachen Landefort in die Gebirge, um etwas Schönes zu sehen. Aber sagen Sie mir doch, Pieter Maritz, was werden die schwarzen Kerle mit uns machen? Sie kennen ja die Lebensgewohnheiten dieses Volkes. Ist es hier wohl Sitte, die gefangenen Feinde zu braten und aufzufressen?«
»O nein,« sagte der Knabe, »das ist hier nicht Sitte, aber ich weiß wirklich nicht, was sie mit uns machen wollen.«
»Oder wollen sie ein Lösegeld aus uns herauspressen? In Europa giebt es gewisse Völker — man nennt sie Türken und Griechen — welche gefangene Fremde einsperren und dann von ihren Freunden und Verwandten viel Geld für ihre Freilassung fordern. Ob diese Leute von jener schönen Sitte gehört haben?«
»Das denke ich nicht,« sagte Pieter Maritz. »Ich glaube, wir sind in die Hände der Leute von Titus Afrikaner und Fledermaus gefallen. Denn dies ist die Gegend, von der man sagt, sie sei ihr Wohnsitz. Dies müssen die Drakensberge sein, und dort hausen diese Räuber. Aber da sie uns nicht gleich getötet haben, weiß ich nicht, was sie mit uns machen wollen.«
»Sie meinen also wirklich, wir wären auf dem Wege zu diesen vielberufenen Räubern? Da habe ich ja gleich zu Anfang meiner afrikanischen Laufbahn interessante Erfahrungen zu machen. Nun, mein lieber Junge, es ist im Grunde alles eins. Dies ist wenigstens etwas Neues, und sicherlich ist das Schlimmste, was uns widerfahren kann, das, daß man uns umbringt, und damit sagen wir einer sehr langweiligen Welt Valet!«
Pieter Maritz sah den Lord erstaunt an, denn er verstand durchaus nicht, was er sagte.
»Aber was, meinen Sie,« fuhr der Engländer fort, »könnten wir thun? Sollte es sich nicht empfehlen, einen Streit mit unserer Wache anzufangen? Die Kerle haben so hübsche spitzige Spieße. Damit würden sie uns schnell erstechen können und wir ersparten uns vielleicht vielen Ärger, der uns bevorsteht. Wie wäre es, wenn wir stehen blieben, einem der Nigger den Spieß wegrissen und ihn niederstießen? Dann wäre ein hübscher, frischer Zank da.«
Pieter Maritz schüttelte den Kopf. »Mynheer, ich glaube, der Sturz vom Pferde hat Euch etwas verrückt gemacht,« sagte er mit aufrichtigem Blick und Ton. »Denkt nicht an solchen Unsinn. Es wird schon alles wieder gut werden, wenn wir auf Gott vertrauen.«
Der Lord sah den Knaben mit einem eigentümlichen Blicke an, worin sich eine Art von Rührung aussprach, und fing dann von anderen Dingen zu sprechen an. Bald ward er auch wieder müde und legte sich von neuem auf die Tragbahre.
Die Gegend, durch welche sie zogen, ward immer wilder und rauher, und es ging beständig der Höhe zu. Oft freilich senkte sich der Weg ins Thal, aber nur um jenseits eine noch größere Höhe hinaufzuklimmen. Seitdem der Engländer sich wieder tragen ließ, ging es mit verdoppelter Schnelligkeit vorwärts, und Pieter Maritz hatte Mühe mitzukommen. Die schwarze Begleitung schien ein bestimmtes Ziel zu haben, welches sie heute noch erreichen wollte. Pieter Maritz war nicht leicht zu ermüden, sondern von großer Kraft und Ausdauer, dennoch ward es ihm sauer, mit den Schwarzen gleichen Schritt zu halten. Er war mehr an Reiten als an Fußmärsche gewöhnt, und seine schweren Stiefel hinderten ihn am Gehen, während die Kaffern mit ihren nackten Beinen und Füßen so leicht wie Gazellen über Berg und Thal liefen. Selbst die beiden Leute, welche den Engländer trugen und von Zeit zu Zeit abgelöst wurden, liefen mit größerer Leichtigkeit als der unbelastet einhergehende Buernsohn.
Die Schwarzen bemerkten die Schwierigkeit, welche der Knabe hatte, um mitzukommen, und sie beschlossen endlich, dem abzuhelfen. Sie gaben ihm Zeichen, daß er zu Pferde steigen möge. Mit der größten Freude näherte sich Pieter Maritz dem treuen Jager und stieg mit einem wahren Wonnegefühl auf dessen Rücken. Der Engländer rief ihm von seiner Bahre aus einen Glückwunsch zu. Pieter Maritz fühlte sich wie neugeboren, als er im Sattel saß, und nicht nur der Genuß der Erholung nach dem langen raschen Marsche, sondern auch ein Gefühl der Sicherheit und der Kraft belebten seinen Mut. An eine Flucht freilich war nicht zu denken, denn nicht allein faßten zwei Kaffern Jagers Zügel von beiden Seiten, sondern es ging auch ein Trupp hinter dem Pferde her, den schmalen Weg durch das Gebirge hin rückwärts versperrend.
Jetzt ging die Sonne unter, und die Wälder nahmen, ihres Lichtes beraubt, eine düstere Farbe an, welche daran erinnerte, daß die Stunden herankamen, zu welchen die Raubtiere auf Beute auszugehen anfangen und sich auch die Unthaten grausamer Menschen zu vollziehen pflegen. Dieser Zeitpunkt war um so unheimlicher, als er inmitten des Gebirges eintrat, wo die Gestaltung der umgebenden Landschaft wunderliche und drohende Formen imVerbleichen des Himmels und beim Eintreten der nächtlichen Schatten zeigte. Die Gefangenen erwarteten, daß Halt gemacht werden würde, um die Nacht im Scheine eines Feuers zu verbringen, aber die Schwarzen setzten ihren Weg trotz der Dunkelheit mit derselben Schnelligkeit fort. Es war erstaunlich, daß sie ihn zu finden wußten, denn kaum ließ das Sternenlicht hier die Biegung der Felsenwände, dort den eigentümlich gerichteten Stamm eines Baumes erkennen, der als Merkmal hätte dienen können. Auch war es kein gebahnter Weg, dem der Zug folgte, sondern bergauf bergab führte nur ein untrüglicher Instinkt der rechten Richtung durch waldiges wie offenes Terrain. So ging es unaufhaltsam weiter, während das Gebrüll der nun umherstreifenden Löwen gleich fernem Donner von Echo zu Echo im Gebirge hinrollte und die Pferde ängstlich schnaufen machte.
Jetzt ging es durch eine Waldesschlucht über steiniges Geröll hin, in tiefer Finsternis, die gleichzeitig durch die hohen Wände zu beiden Seiten wie durch die von oben überhängenden Büsche verursacht wurde, und als der Zug aus dieser Schlucht hervorkam, lag eine silberglänzende Landschaft ausgebreitet da. Der Mond war hinter den fernen Bergen emporgestiegen und erleuchtete mit beinahe voller Scheibe Berg und Thal. Seine hellen Strahlen zitterten auf einem weiten stillen See, der einen zauberischen Anblick gewährte. Der Zug ging gerade auf den See zu und machte Halt. Nur wenig bewegt war das Gewässer, und wo sich sanfte Wellen regten, indem sie langhin schwellende kleine Furchen bildeten, da glänzte der gebrochene Spiegel der Oberfläche in weiß leuchtendem Schein. Im Hintergrunde schlossen mächtige schwarze Höhen, aus weiter Entfernung herüberragend, den hellen See ab, und die Schatten jener Berge setzten sich im Wasser fort bis zu der Stelle, wo das strahlende Bild des Planeten gleichsam in dem See schwimmend aus ihm hervorblickte.
Der Engländer stützte sich auf den Arm und sah mit entzücktem Auge auf dies herrliche Bild. Sein mutiger Sinn, der die Gefahr ebenso verachtete wie die Vorsicht, ließ sich durch die Gefangenschaft nicht beugen und er genoß die Schönheit dieser erzwungenen Reise, als wäre er zu seinem Vergnügen mit aller Behaglichkeit des Reichtums in den Hochlanden Schottlands zur Jagd.
Die Schwarzen setzten ihre Last nieder, und dann stieß ihr Führer dreimal den gellenden Ruf der schwarzen Gans aus, der seltsam über das stille Wasser dahintönte. Zugleich hatte ein andererder Begleitung einen Feuerbrand entzündet und schwenkte ihn dreimal im Kreise umher.
Nach einer Weile erschien auf dem See ein dunkler Punkt, der das silberne Licht durchschnitt und sich allmählich vergrößerte. Bald war auch das Plätschern von Rudern vernehmbar. Ein großes Boot von spitzer und gewaltig langer Form kam heran, von vier Schwarzen gerudert. Es stieß ans Land, und der Führer des Zuges wechselte mit den Bootsleuten einige Worte, worauf die Gefangenen in das schmale Schiff gebracht wurden und auch die schwarze Begleitung einstieg. Die beiden Pferde wurden ins Wasser geführt und mußten neben dem Boote schwimmen, wobei sie dadurch unterstützt wurden, daß ihre Zügel dicht am Maul gefaßt und die Köpfe emporgehalten wurden.
Nach einer Fahrt von etwa einer Viertelstunde war das jenseitige Ufer erreicht, das Boot stieß an den Felsen, und alle stiegen aus. Die Bootsleute banden ihr Fahrzeug neben mehreren anderen an, die am Ufer lagen. Nur ein schmaler Platz, auf welchem Fuß gefaßt werden konnte, fand sich hier am Gestade, denn überall stiegen die Felsen mit drohender Steilheit empor. Doch fand sich jetzt nach einigen Schritten längs des Ufers eine Öffnung in der Bergwand, gleich einer verborgenen Thür, und nachdem eine kleine Strecke in den Berg hinein zurückgelegt worden war, drehte sich der Weg nach rechts, und es eröffnete sich plötzlich vor den überraschten Augen der Gefangenen eine weite hohe Höhle, welche hell erleuchtet war. Das Licht ging von einem großen Feuer in der Mitte des Raumes aus, und um das Feuer herum bewegten sich zahlreiche Gestalten.
Die schwarze Begleitung hielt am Eingange der Höhle still und bedeutete auch die Gefangenen, hier zu bleiben und zu warten, der Führer aber ging in das Innere der Höhle, welche sich, wie es schien, weit in den Berg hinein erstreckte. Er wollte, wie es schien, dem Befehlshaber der hier hausenden Horde Bericht erstatten und dessen Weisungen einholen.
Die Gefangenen sahen indessen dem Treiben um das Feuer zu. Augenscheinlich war eine Schar von Schwarzen erst vor kurzem von einem Raubzuge zurückgekehrt, denn es wurde ein Mahl zugerüstet, obwohl es schon spät in der Nacht war. Wohl fünfzig bis sechzig schwarze Gestalten waren um das Feuer und in dessen Nähe beschäftigt und glichen in dem roten Schein einem Heer von Teufeln. Dieser wilde Eindruck ward noch durch dieArt ihrer Beschäftigung erhöht. Sie holten aus einer Abteilung der großen Höhle, welche seitwärts im Dunkel lag, von vielen dumpf brüllenden Ochsen ein fettes Tier heraus und führten es in die Nähe des Feuers. Dann rissen sie das Tier zu Boden, wälzten es auf den Rücken und banden ihm einen Strick an jeden Fuß. Diese Stricke zogen sie an, so daß die Beine so weit als möglich auseinander gebogen wurden, und pflöckten sie an kurzen Pfählen in den Boden, so daß der Ochse ganz unbeweglich liegen mußte. Alsdann trat ein Schwarzer mit einem blinkenden Messer heran und schnitt mit einem Zuge den Leib des Ochsen in der Mitte auf, ohne daß mehr als nur einige Tropfen Blutes vergossen wurden. Dann nahm er mit Hilfe eines andern Mannes die Gedärme heraus und übergab sie mehreren Weibern, welche sie in einem großen Kessel wuschen und alsbald ans Feuer setzten, damit sie gegessen würden, während der Ochse noch lebte. Während dessen rührten die Männer mit Stäben das in der Bauchhöhle zusammenfließende Blut um, so daß es nicht gerann, und warteten ab, daß das Tier, dessen Herz und andern edlen Teile noch lange in Bewegung blieben, völlig sterben würde. Die Kaffern standen aufmerksam umher und verwandten kein Auge von den sich bewegenden Organen.
»Das sind geschickte Metzger,« sagte der Engländer zu Pieter Maritz, während er einen Blick des Abscheues auf die Scene richtete. »Unsere Metzger in London könnten von ihnen lernen. Aber ich wünschte, daß diesen schwarzen Teufeln selber der Leib aufgeschlitzt würde.«
Pieter Maritz erwiderte nichts. Er kannte die Manier der Kaffern schon lange.
Während nun aber die Schwarzen anfingen, mit großen Löffeln das Blut aus der Bauchhöhle herauszuschöpfen und in einen Kessel zu füllen, näherte sich den Gefangenen ihr Führer wieder und forderte sie auf, ihm zu folgen. Der Lord stützte sich auf des Knaben Schulter, um besser gehen zu können, und beide gingen an dem von jubelnden und tanzenden Schwarzen umgebenen Feuer vorbei in den Hintergrund der Höhle.
Hier war ein Kreis von Männern versammelt, die ernst und schweigend auf ihren Fersen hockten und, wie es schien, einen bevorzugten Rang einnahmen, indem sie sich nicht an dem gemeinsamen Fest am Feuer beteiligten und auch besser gekleidet waren als die große Schar. Sie waren von sehr verschiedener Hautfarbeund Gesichtsbildung, so daß sie leicht als verschiedenen Stämmen angehörig zu erkennen waren. Einige waren braunrötlich, andere tiefschwarz, und sowohl die gebogene Nase des Kaffern wie die eingedrückte Nase des Hottentotten war hier vertreten. Sie trugen sämtlich schöne Mäntel von Tiger- und Pantherfellen und waren mit glänzenden Hals- und Armbändern geziert. Alle hielten Pfeifen in der Hand, aus denen sie Tabak rauchten, und sie tranken dazu abwechselnd aus einer großen Flasche, die in ihrer Mitte stand, ein Getränk, welches Pieter Maritz am Geruche schon als Arrak erkannte.
Unter ihnen allen der Vornehmste war aber offenbar ein schon bejahrter Mann, der auf einer Art von Ruhebank lag, die mit Löwenfellen bedeckt war. Er war von sehr glänzender Hautfarbe, von einem Braun, welches dem des gerösteten Kaffees glich, und seine Haare waren stark mit Grau gemischt. Seine kohlschwarzen Augen waren unruhig und durchbohrend, seine Nase war breit, doch nicht platt gedrückt, der Mund vorstehend, mit aufgeworfenen Lippen, doch nicht so sehr, daß seinem Gesicht ein tierischer Zug verliehen worden wäre. Im Gegenteil hatte es einen klugen Ausdruck, denn Augen und Stirn beherrschten den unteren Teil. Dieser Mann trug eine Art von Tunika oder kurzem Gewand von weißer Wolle mit ganz kurzen Ärmeln, die nur eben die Achseln bedeckten, und an seinen muskulösen Armen glänzten breite goldene Ringe. Um den Hals trug er eine Kette von Löwenzähnen, die mit Golddraht zusammengehalten wurden, und ein Mantel von Löwenfell hing über seinen Rücken hinab. Um den Leib trug er einen Gurt von gesticktem Leder, an welchem ein Hirschfänger von europäischer Arbeit und außerdem ein kleines Messer mit Perlmutterschale steckten. Er stand auf und blieb vor seinem Sitze stehen, als die Gefangenen ihm vorgeführt wurden; diese sahen mit Überraschung, daß der Gebieter der großen wilden Schar nur von einer Statur unter Mittelgröße war.
Mit drohendem Blicke musterte er den blassen Jüngling in dem zerrissenen Scharlachrock und den Knaben mit den blonden Locken und schüttelte gegen sie die erhobene rechte Faust, so daß die goldenen Armbänder klirrten. Dann rief er in holländischer Sprache, die er vollkommen gut redete: »Ihr seid in die Höhle des Löwen geraten, Söhne der treulosen und grausamen weißen Menschen! Bereitet euch zum Tode, ihr seid in der Macht des Titus Afrikaner!«
Als die beiden jugendlichen Gefangenen diese Drohung vernahmen und einen Namen hörten, welcher viele Meilen ringsum gefürchtet war und nur mit Schrecken genannt wurde, da zog wohl ein Gefühl des Todesbangens durch ihre Brust, aber ihr Stolz ließ es nicht zu, daß der Räuberfürst etwas von Furcht an ihnen bemerkte.
Pieter Maritz trug den Kopf so aufrecht wie vorher, der Engländer, welcher aus Ton und Haltung den Sinn der Drohung verstanden hatte, richtete sich aus seiner gebeugten Haltung höher auf, und beide sahen mit unerschütterlicher Festigkeit dem zornigenTitus Afrikaner in die kleinen, funkelnden Augen. Gegenüber diesem dunkelfarbigen Volke regte sich das Blut des weißen Mannes in ihnen, und nichts hätte sie jetzt dahin bringen können, Demut oder gar Furcht zu zeigen.
Titus Afrikaner beobachtete den Eindruck, den seine Worte gemacht hatten, und als er in der stolzen Haltung und den festen Blicken seiner Gefangenen deren unbeugsamen Trotz las, nahm seine Miene eine noch finstere Gestaltung an.
»Seht da,« sagte er, sich zu seinen Offizieren wendend und in der Betschuanensprache redend, die vom Oranjefluß im Süden bis zum Limpopostrom im Norden verstanden wird, »seht da dies gefährliche Volk der weißen Männer. Diese hier sind noch Knaben, und ihr seht sie trotzig gleich erprobten Kriegern. Im Frieden treulos, habsüchtig und übermütig, im Kampfe zäh, ausdauernd und grausam, so sind die Feinde beschaffen, die Morimo in seinem Hasse gegen unser Volk zu uns übers Meer geführt hat. Die Griqua, die Koranna, die Namaqua, die Stämme der Kaffern und alle Stämme der ehemals mächtigen Betschuanen schmelzen vor den weißen Männern hinweg, wie das Fett des Ochsen am Feuer schmilzt. In Höhlen und auf den Bergen müssen die wenigen Tapferen sich verbergen, die nicht dem Zugstier gleich das Joch der Weißen auf dem Nacken tragen wollen. Darum keine Schonung! Ihr meint wohl, es sei gut, Tabak und Arrak, Gold und Silber zu erlangen, und ihr wolltet den Jüngling mit dem roten Rocke seinen Freunden zurückgeben, aber ich sage euch, einem wahren Krieger ist das Blut seiner Feinde der süßeste Anblick, und weder den Buernsohn noch den reichen Jüngling von den Truppen des englischen Gouverneurs soll die Hoffnung auf Lösegeld vom Tode retten.«
Ein Gemurmel der Zustimmung kam aus dem Kreise der Offiziere hervor, und niemand wagte der Ansicht des Häuptlings zu widersprechen. Doch entging es seinem scharfen Auge nicht, daß mehrere seiner Untergebenen nur widerwillig zustimmten, insgeheim aber begehrliche Blicke auf den Engländer warfen, in denen zu lesen war, daß sie sich den Gewinn, der aus einem solchen Gefangenen zu ziehen sei, wohl überlegten.
»Führt sie fort!« befahl Titus Afrikaner jetzt mit ruhiger Stimme, »und bewacht sie gut! Morgen werde ich ihr Urteil sprechen.«
Ein Haufen von Schwarzen, welcher die Gefangenen umringte, führte sie dieser Weisung gemäß fort nach einem andern Teile dergroßen Höhle und gab ihnen zu verstehen, daß sie dort bleiben sollten. Hier war ein kellerartiger Raum aus der Felsenwand herausgesprengt, den einst zu Zeiten großer Erdbewegungen die geheimnisvollen Kräfte des Erdinnern gleich der ganzen Höhle hervorgerufen haben mußten. Nur schwach war hier das Licht, das von dem großen Feuer herüberdrang. Pieter Maritz und der Engländer standen schweigend in diesem Raume und dachten über ihr Schicksal mit traurigen Ahnungen nach. Doch erwiesen sich ihre Wächter menschlicher, als sie erwarteten. Die natürliche Gutmütigkeit der meisten jener Völker, welche die südafrikanischen Länder bewohnen, zeigte sich auch hier unter diesen Leuten, die doch Räuber waren. Zwei von ihnen trugen weiches Laub und Schaffelle herbei, auf denen die Gefangenen bequem ruhen konnten, ein anderer holte einen brennenden Ast herbei, der von einem harzigen Holze war und gleich einer Fackel leuchtete. Diesen Ast steckte er in ein Loch in der Felsenwand, so daß der Kerker erhellt ward. Und endlich schleppten andere Leute einen Topf mit Brühe und gekochtem Fleisch, sowie große Stücke des frisch gebratenen Ochsen herbei und gaben den Gefangenen reichlich davon ab, während sie selber schmausten. So saßen Kerkermeister und Gefangene zusammen und teilten ihr Mahl, als seien sie die besten Freunde. Sowohl Pieter Maritz als der Engländer waren so erschöpft von der Reise und so hungrig, daß die körperliche Natur über die traurigen Vorstellungen ihres Geistes siegte und sie es sich gut schmecken ließen.
Ja, als er gegessen hatte, ließ Lord Adolphus Fitzherbert den Hornlöffel, womit er in Gemeinschaft mit den Schwarzen aus demselben Topfe hervorgelangt, mit lautem Lachen in den Topf zurückfallen.
»Dies ist eine Komödie ohnegleichen!« rief er. »Was würden meine Freunde im Klub in London dafür bezahlen, wenn sie Eintritt erlangen könnten, mich so zu Abend essen zu sehen!«
Pieter Maritz sah und hörte verwundert dies Lachen und diese Worte, und da er weder von einer Komödie noch von einem Klub jemals gehört hatte, wußte er nicht recht, was er denken sollte.
»So ist das Leben!« sagte der Lord dann ernsthaft. »Entweder langweilt es uns zu Tode, oder es wirft uns wie einen Spielball umher, so daß wir bald hoch oben in Lüften tanzen, bald unten im Kot liegen. Seien wir froh, daß die Geschichte aus ist, mein junger Freund aus dem holländischen Lager!Morgen sehen wir die Sonne nicht wieder untergehen, und alle Langeweile und aller Ärger sowie alle trügerischen Freuden haben ein Ende.«
»Ist es nicht Sünde, so zu sprechen?« fragte Pieter Maritz mit einem treuherzigen Blick seiner blauen Augen.
»Weshalb sollte das Sünde sein?« fragte der Engländer.
»Der liebe Gott will, daß wir unsere Pflicht thun,« entgegnete der Knabe. »Wir sollen unserm Vaterlande dienen und unsern Eltern Freude machen. Das können wir doch nicht, wenn wir tot sind.«
»Sehr wahr,« sagte der Engländer lächelnd. »Nun, es hilft auch alles Überlegen und Denken und Sprechen zu nichts. Alles kommt, wie es kommen soll.«
»Wir wollen beten,« sagte der Knabe sanft und voll Andacht. »Wir wollen Gott bitten, daß er uns hilft, dann wird er uns helfen, wie er Daniel in der Löwengrube half — und unsern Pferden möge er auch helfen!«
Nach diesen Worten kniete er nieder und sprach das Vaterunser. Er sprach es mit solchem Ernst und solcher gläubigen Zuversicht, daß das Gebet tiefen Eindruck auf den Lord machte, obgleich er die Worte nicht verstand. Zu Anfang lächelte er, dann aber ward er ernst und betrachtete den frommen Knaben mit Bewunderung. Pieter Maritz legte sich, nachdem er gebetet hatte, nieder, und bald verrieten seine tiefen ruhigen Atemzüge, daß er schlief. Lord Adolphus Fitzherbert wollte ihm nachahmen, aber trotz aller Müdigkeit blieb er noch lange wach. Er dachte an die Heimat und ein blondlockiges junges Mädchen mit Rehaugen. Niemals, so dachte er, würde er das Mädchen wiedersehen. Endlich ward aber auch er von den unaufhörlichen Klängen einer Musik eingewiegt, die von der fröhlichen Versammlung der Schwarzen zu ihm herübertönte. Mit den bald wehmütigen, bald kreischenden Klängen der Kalabaßviol mischte sich der Ton der Mundharmonika, und die mit Ochsenfleisch vollgestopften Räuber tanzten nach den einförmigen Melodien die ganze Nacht hindurch, als hätten sie nicht den Tag vorher beim Viehraub gar manche Meile durch Berg und Thal zurückgelegt.
Als die Gefangenen wieder erwachten, wußten sie nicht, ob es früh oder spät am Tage sei, denn nur ein dämmerndes Licht herrschte an ihrem Aufenthaltsorte, und sie hätten nicht sagen können, woher es kam. Vielleicht fiel es durch Spalten in derobern Decke der großen Höhle herein und verbreitete sich bis in ihren Winkel. Die Fackeln waren erloschen, der rote Schein des großen Feuers leuchtete nicht mehr. Doch lagen noch zwei der Schwarzen, welchen ihre Bewachung übergeben worden war, quer in dem Eingange zu ihrem Gefängnis und schienen zu schlafen. Sie lagen auf ihren Mänteln von Tierfell am Boden, den Assagai neben sich und versperrten ihrer Länge nach den Eingang, eine lebendige Schwelle, über welche die Gefangenen hätten hinwegschreiten müssen, wenn sie hätten fortgehen wollen. Aber sie dachten nicht daran. Ihr Aufenthalt war so beschaffen, daß sie an Flucht vorläufig nicht denken konnten. Unbekannt mit dem Orte, wo sie sich befanden, wußten sie nur, daß Hunderte von Männern in der Höhle lagerten und daß vor dieser Höhle ein See sich erstreckte.
Während sie aber nach dem Erwachen ihre Gedanken miteinander austauschten und, trüben Ahnungen hingegeben, nur leise miteinander sprachen, entstand in der großen Höhle plötzlich Leben und Bewegung. Viele Stimmen wurden laut und der Klang von Waffen scholl herüber. Die am Boden liegenden Wächter richteten sich auf und lauschten. Mit den Augen war nichts zu erkennen, da es nicht hell genug war, doch konnte das Ohr wohl wahrnehmen, daß etwas Ungewöhnliches vorgehen müsse. Es währte auch nicht lange, so erschien eine Anzahl von bewaffneten Männern im Dämmerlicht der Höhle und näherte sich den Gefangenen.
»Man will uns holen,« sagte der Engländer zu dem Knaben. »Dies möchte wohl unsere letzte Stunde sein. Ich bin wirklich neugierig, zu sehen, in welcher Weise diese Niggers Hinrichtungen zu vollziehen pflegen. Wären wir fetter, so möchte ich doch wohl zu der Ansicht neigen, daß man uns rösten und fressen will.«
Pieter Maritz schüttelte den Kopf. Tiefer Ernst lag auf seinem Gesicht, aber seine Augen blitzten von so mutiger Entschlossenheit, daß der im Galgenhumor scherzende vornehme junge Mann ihn von neuem mit hoher Achtung ansah.
Inzwischen war der bewaffnete Trupp ganz nahe herangekommen, und die Gefangenen erkannten, daß Titus Afrikaner selbst an ihrer Spitze war. An seiner Seite stand ein Mann, den sie tags zuvor noch nicht gesehen hatten. Dieser war eine so bemerkenswerte Erscheinung, daß sie ihn gewiß nicht vergessen haben würden, wenn er am vergangenen Abend mit im Kreise des Häuptlings gewesen wäre. Er hatte an Hautfarbe und Gesichtsschnitt große Ähnlichkeit mit Titus Afrikaner, doch war er größer undstärker gebaut. Er trug eine Mütze von dunkelgrauem Affenfell auf dem schwarzen krausen Haar, und um seine Hüften schlang sich ein Mantel von demselben Stoff. Er trug an seinem nackten rechten Arm, der frei aus dem Mantel hervorsah und dessen Hand den Lauf einer Büchse umschloß, ähnliche goldene Ringe wie der Häuptling selber. Etwas Vornehmes und Gebieterisches in seiner Haltung wie die eigentümliche Farbe seines Anzugs brachten Pieter Maritz auf die Vermutung, daß dies der Bruder des Häuptlings, daß es Fledermaus sei.
Titus Afrikaner richtete das Wort an die Gefangenen. »Dies ist der Tag, an welchem ihr sterben müßt,« sagte er. »Aber ihr sollt noch lange genug leben, um zu sehen, wie die Basutofürsten im Kampfe ihre Feinde schlagen. Die Weißen sind heimtückisch und treulos, sie töten die Schwarzen, die mit ihnen ein Bündnis geschlossen haben, aber die Basuto töten ihre Feinde im offenen Kampfe. Die Buern ziehen die Berge heran, um ihr Vieh wiederzuholen. Sie sollen ihre eigenen Leiber in den Bergen liegen lassen.«