Kapitel XIX.

Achtjähriger Kajan mit Tinea imbricata bedeckt.Achtjähriger Kajan mit Tinea imbricata bedeckt.

Achtjähriger Kajan mit Tinea imbricata bedeckt.

Achtjähriger Kajan mit Tinea imbricata bedeckt.

Tinea imbricata (lusungder Malaien;ki lānder Bahau), äussert sich wie die vorige Infektion zuerst in kleinen Bläschen mit rotem Hof und vergrössert sich auch auf gleiche Weise, was sich besonders auf der zarten Haut der Bahaukinder und auf der der Europäer gut verfolgen lässt. Während jedoch die Haut im Zentrum des Infektionskreises bei Tinea circinata nur wenig Spuren der Entzündung mehr aufweist, entsteht hier bei Tinea imbricata eine zweite Eruption, die sich in zahlreichen, gleich weit entfernten, oft sehr zierlich gebogenen Linien bemerkbar macht. Die Linien zeigen sich auf der Haut durch Schuppenbildung. Die Schuppen können, besonders an Stellen mit dicker Epidermis, bis zu 2 cm lang und 5 mm breit werden. Da die Bahau von dieser Hautkrankheit oft ganz bedeckt sind, machen sie aus der Ferne eher einen weissen als einen braunen Eindruck; in der Nähe erscheinen sie wie mit Mehl bestreut.

Im Gegensatz zu Tinea circinata bildet sich Tinea imbricata hauptsächlich an den Hautstellen mit der dicksten Epidermis, so dass Gesäss und Aussenseite von Armen und Beinen zuerst ergriffen werden, während die Achselhöhlen, die Falten unter den Brüsten und die Leistengegend zuletzt oder auch gar nicht infiziert werden, selbst wenn der ganze übrige Körper, ausser Handflächen und Fussstehlen, welche niemals angegriffen werden, mit der Krankheit bedeckt ist. Verschont bleiben ausserdem die Nägel an Händen und Füssen und die Haare. Auch T. imbricata wird durch einen Pilz, denMansonentdeckte, verursacht. Im Jahre 1897 gelang es mir in Batavia, diesen Pilz zu züchten.2

Bei vielen Patienten fiel mir die starke Neigung dieser Hautkrankheit zu symmetrischer Verbreitung auf, die sich selbst dann noch zeigt, wenn die Krankheit bereits 20–30 Jahre bestanden hat. Da auch Tinea circinata und Pityriasis versicolor bei den Bahau die gleiche Eigentümlichkeit zeigen und alle durch einen Pilz verursacht werden, können die Erscheinungen dieser Hautkrankheiten keinem nervösen Einfloss zugeschrieben werden. Es kommt mir viel wahrscheinlicher vor, dass die ständig unbedeckte Haut der Bahau ihre Epidermis und ihre Schweiss- und Fettdrüsen, besonders am oberen Körperteil, viel besser entwickeln kann als die einer stets gleichmässigen Temperatur ausgesetzte Haut der bekleideten Europäer. Da die Dicke der Epidermis und die Fett- und Schweisssekretion, die für den Ort der Entwicklung des Pilzes massgebend sind, sich an verschiedenen Stellen der Haut verschieden, an symmetrischen Körperteilen jedoch gleich verhalten, bewirken sie ein symmetrisches Auftreten dieser Krankheiten.

Nach langer Dauer von Tinea imbricata nimmt das Pigment unter der infizierten Haut zu, so dass diese nach der Genesung rossfarbig wird. Eine europäische Haut zeigt bereits nach kurzer Krankheitsdauer eine deutliche Pigmentansammlung. In sehr verwahrlosten Fällen vonlusungerscheint die Haut bereits vor Eintritt der Genesung blauschwarz.

Bei Anwesenheit anderer Krankheiten kann eine vorgeschrittenelusung, wie ich es bei Malaria und Rupia syphilitica beobachtete, plötzlich heilen.

Tinea albigena (ki-owder Bahau) zeigt in hohem Masse, wie sehr das Vorkommen pathogener Pilze an besondere Eigenschaften der Haut gebunden ist; sie setzt sich nämlich anfangs nur in den bei den Eingeborenen sehr dicken oberen Hautschichten der Handflächen und Fusssohlen fest. Erst nach langem Bestehen greift der Pilz auch die Nägel und die angrenzende Haut der Hand- und Fussrücken an. Am auffallendsten sind die Veränderungen, welche der Pilz in dem Rete Malpighii, in dem sich die braunen Pigmente hauptsächlich befinden, zustande bringt. Ohne dass, oberflächlich gesehen, mit der Hauternsthafte anatomische Änderungen vor sich gehen, verschwindet das Pigment vollständig und regeneriert sich nach Genesung der Hautkrankheit nicht mehr, so dass Handflächen und Fusssohlen, so wie andere infizierte Stellen, ganz weiss erscheinen. Nur ein einziges Mal sah ich auch auf Brust und Stirn dergleichen pigmentlose Flecken mit noch vorhandener Hautentzündung vorkommen.

Der Charakter der anatomischen Veränderungen, welche der Pilz hervorruft, hängt grössten Teils von der Dicke der Epidermis, unter welcher er sich entwickelt, ab. Auch diese Krankheit beginnt mit einer roten, juckenden Schwellung, in deren Mitte sich eine kleine, mit heller Flüssigkeit gefüllte Blase befindet. Ist die Epidermis dünn, wie beiKindern, so springt sie, ist sie aber dick, wie bei den erwachsenen Eingeborenen, so wird sie losgelöst und platzt erst dann, wenn die Blase einen grösseren Umfang erreicht hat. In ernsteren Fällen wird der grösste Teil der Epidermis an den Fusssohlen abgestossen; in weniger ernsten und in solchen, die, wie es öfters geschieht, in ein chronisches Stadium übergehen, ist die Epidermis bisweilen verdickt und trocken und veranlasst beim Gehen die in Indien sehr berüchtigten Risse, oder sie ist dünn und ungleich gebildet, so dass Hände und Füsse beim Gebrauch schmerzen.

Symmetrisch verbreitete Tinea imbricata bei einer jungen Kajanfrau am oberen Mahakam.Symmetrisch verbreitete Tinea imbricata bei einer jungen Kajanfrau am oberen Mahakam.

Symmetrisch verbreitete Tinea imbricata bei einer jungen Kajanfrau am oberen Mahakam.

Symmetrisch verbreitete Tinea imbricata bei einer jungen Kajanfrau am oberen Mahakam.

Diese Hautkrankheit ist bisher noch nicht beschrieben und wegen der pigmentlosen Stellen, die sie nach der Genesung auf der Haut zurücklässt, sicher oft mit Vitiligo verwechselt worden; sie ist im ganzen indischen Archipel verbreitet und kommt hie und da auch bei Europäern vor. Wegen ebengenannter Eigenschaft nannte ich diese Pilzkrankheit: Tinea albigena; ich entdeckte den Pilz in einem subakuten Falle in den Schuppen der Fusssohle. Wie der Pilz von Tinea imbricata zeigt sich auch dieser hauptsächlich in Form langer Mycelfäden, bildet aber ein viel undichteres Netzwerk als ersterer. Dieser Pilz scheint auf die gleiche Weise, wie der von Tinea imbricata, kultiviert werden zu können.

Symmetrisch verbreitete Tinea imbricata bei einer jungen Kajanfrau am oberen Mahakam.Symmetrisch verbreitete Tinea imbricata bei einer jungen Kajanfrau am oberen Mahakam.

Symmetrisch verbreitete Tinea imbricata bei einer jungen Kajanfrau am oberen Mahakam.

Symmetrisch verbreitete Tinea imbricata bei einer jungen Kajanfrau am oberen Mahakam.

Die genannten vier parasitären Hautkrankheiten der Bahau besitzen alle die gemeinsame Eigenschaft, dass sie mit parasiticiden Mitteln schnell zu kurieren sind. Die Genesungsdauer hängt, in noch höherem Masse als von der Krankheit selbst, von der Dicke der Epidermis an der betreffenden Stelle, auf welche das Medikament einwirken muss, ab. Um das Eindringen der wirksamen Bestandteile in die tieferen Hautschichten zu befördern, benützte ich wässerige Lösungen antiseptischer Mittel, z.B. Sublimat oder eine Chrysarobinlösung in Äther und Alkohol, welche ich mittelst Mackintosch am Verdunsten verhinderte. Die besten Erfahrungen machte ich jedoch beim Behandeln der Eingeborenen mit Jodtinktur, die wegen der Flüchtigkeit des Jod tiefer als die beiden anderen in die Haut eindringt. Eine wiederholte Anwendung dieser Mittel hat stets eine bedeutende Besserung und häufig auch eine völlige Genesung, selbst nach jahrelangem Bestehen der Krankheit, zur Folge. Da, wo das Corium und das Rete Malpighii blossliegen, sind parasiticide Salben von guter Wirkung.

Ausser den ebengenannten Hautkrankheiten kommen unter den Bahau noch Scabies und Frambösia vor; letztere greift hauptsächlich Kinder an. Nach der Genesung behalten die Patienten oft längere Zeithindurch heftige Gliederschmerzen, die jedoch nicht, wie die durch Syphilis verursachten, nach Gebrauch von Jodkalium weichen.

An Augenkrankheiten kommen unter den Bahau hauptsächlich der Star und granulöse Augenentzündungen vor. Diese sind stark verbreitet, und obwohl sie nur bei langer Dauer von ernsthaften Läsionen der Cornea begleitet sind, findet man bei Erwachsenen doch stets Spuren einer noch vorhandenen oder bereits überwundenen Entzündung der Conjunctiva, die das Sehen häufig stark beeinträchtigt. In den ernstesten Fällen, die ich bei Frauen beobachtete, kam es zu einer vollständigen Obliteration der obersten und untersten Bindehaut, so dass ein Schliessen des Auges verhindert wurde; die Cornea war in diesen Fällen so angegriffen, dass das Gesicht bedeutend geschwächt wurde. Doch beobachtete ich nur zwei Frauen, die nach einer über zwanzig Jahre andauernden Augenentzündung dadurch, dass die Hornhaut sich in eine gelblich weisse Membran verändert hatte, vollständig erblindet waren.

Der Star tritt sowohl am Kapuas als am Mahakam bereits bei jungen Leuten auffallend häufig auf. Ob hiermit andere verbreitete Krankheiten im Zusammenhang stehen, habe ich nicht ermitteln können.

Durch meine ärztliche Praxis unter den Eingeborenen hatte ich mir so viel Einfluss bei ihnen erworben, dass ich nicht zu viel sage, wenn ich behaupte, dass meine zweimalige Durchquerung Borneos und der Besuch bei den Kĕnja ohne meine Tätigkeit als Arzt nicht ausführbar gewesen wären.

Da die Eingeborenen selbst keine oder doch nur fast wertlose Mittel gegen Malaria und Syphilis besitzen und diese daher auch in leichten Fällen oft tätlich verlaufen, grenzt die Wirkung, welche Chinin, Jodkali und Quecksilberpräparate hervorrufen, in den Augen der Bevölkerung an das Wunderbare. Berücksichtigt man auch die Wirkung der Narkotika, die den Schmerz momentan benehmen, so erscheint es begreiflich, dass die Eingeborenen sich glücklich schätzten, einen weissen Wunderdoktor in ihrer Mitte zu haben.

Wegen ihrer Scheu vor allem Unbekannten fürchteten die Eingeborenen auch anfangs einen möglichen schlechten Ausgang der Kur. Daher war es, besonders in der ersten Zeit, geboten, durch Narkotika, verbunden mit den betreffenden Heilmitteln, auf das subjektive Empfinden der Patienten einzuwirken. Da Chinin und Jodkali einennicht oft im Stich liessen, machten sie während des Verlaufs der Krankheit einen sehr erwünschten Effekt.

Die Konstitution meiner Patienten kam mir oft zu Hilfe; ausserdem achtete ich darauf, keine zu weit vorgeschrittene Krankheit anders als mit der Vorausbemerkung, dass meine Hilfe vielleicht nicht mehr ausreichend sein würde, zu behandeln. Nachdem ich gemerkt hatte, dass auch weit vorgeschrittene Krankheiten bei vorsichtiger Behandlung eine gute Wendung nehmen konnten, stieg mein Selbstvertrauen und später brauchte ich nur selten einen Kranken für unheilbar zu erklären.

Betrachten wir nun, was die Bahau selbst über ihren Körper denken und wie sie ihre Krankheiten bekämpfen, so stossen wir auf die seltsamsten Vorstellungen. Dass diese mehr auf Phantasie als Beobachtung beruhen, sehen wir daraus, dass sie auch von dem, was sie äusserlich an ihrem Körper wahrnehmen, nur unklare Begriffe haben. Bei meiner Ankunft waren ihnen Herz- und Pulsschlag noch nicht bekannt, erst nachdem ich einige Monate. unter ihnen praktiziert hatte, erfuhren sie, dass sie einen Puls hatten, an dem ich häufig den Grad ihrer Krankheit beurteilen konnte. Da sie im übrigen gut zu beobachten im stande sind, kann man hieraus schliessen, dass Herzleiden nur selten bei ihnen vorkommen. Ausser einigen auf Beriberi beruhenden Fällen von Herzleiden erinnere ich mich tatsächlich keine anderen konstatiert zu haben.

Die Schläge der Arteria abdominalis, die sie beim Betasten ihres Leibes im Fall von Bauchschmerz fühlten, wirkten auf sie sehr beunruhigend. Immer und immer wieder wurde ich gefragt, ob das Klopfen nicht die Ursache des Leidens sei. Als ich die Gesunden sich auf den Rücken legen und auch sie das Klopfen der Arteria abdominalis fühlen liess, gerieten sie in grosses Erstaunen. Dagegen wissen alle Stämme, dass sie als Folge der Malaria eine harte Geschwulst an der linken Seite besitzen. Daher nennen die Dajak von Sambas die Malaria:de̥mom batu= Fieber mit dem Stein; die Kajan am Mendalam nennen die geschwollene Milz:kālong pră= Krankheitszeichen; die Kajan am Mahakam bezeichnen die Milz alsong ẹrăm= Krankheitskörper.

Von der Dauer einer normalen Schwangerschaft haben die Bahau nur eine sehr mangelhafte Vorstellung; sie nehmen an, dass sie nur 4–5 Monate dauert, d.h. so lange, als sie die äusseren Veränderungen an der Frau wahrnehmen können. Da mir diese Unwissenheitkaum glaublich erschien, stellte ich in verschiedenen Gegenden hierüber Nachforschungen an, aus denen ich merkte, dass die vielen Fehl- und Frühgeburten sowie die sehr verbreiteten Geschlechtskrankheiten der Frauen das ihre zu dieser falschen Auffassung beigetragen haben. Dass zur Zeugung Testikel erforderlich sind, wissen die Eingeborenen ebenfalls nicht, denn sie halten ihre kastrierten Jagdhunde, denen die Weibchen nicht vollständig gleichgültig sind, für zeugungsfähig.

Alles Weisse, was sie am toten Körper bemerken, wie Nerven, Sehnen und Blutgefässe, nennen die Bahau “huwat”, auch nehmen sie an, dass in diesen die Kraft sitzt. Dass die Arterien der lebenden Menschen Blut enthalten, ist ihnen nicht bekannt.

Von dem Verstande und dessen Sitz machen sich die Bahau eigenartige Vorstellungen, die ich ganz zufällig kennen lernte.

Als ich mich auf meiner zweiten Reise einige Tage in Long Tĕpai aufhalten musste, suchte ich morgens nach meiner Ankunft einen alten Patienten, den HäuptlingBo Ibauauf. Der dürre Sonderling mit der Habichtsnase sass in seiner Kammer und schnitzte einen Schwertgriff aus Hirschhorn. Er war in früheren Jahren der beste Schnitzkünstler im Dorfe gewesen, hatte aber seiner. Augen wegen die Arbeit lange Zeit ruhen lassen müssen. Ich traf ihn in guter Stimmung, da er mit Hilfe der Brille, die ich ihm geschenkt hatte, wieder in der Nähe sehen und daher die geliebte Schnitzarbeit wieder aufnehmen konnte.Ibauklagte, dass die jungen Leute heutzutage nur schlechte Arbeit lieferten und fügte hinzu: “sie haben nichts in ihrem Bauche (djian hipun nun nun halam butit).” Ich glaubte ihn anfangs nicht gut zu verstehen und liess ihn die Worte wiederholen; allmählich merkte ich aber, dass mein alter Freund in der Tat mit dem Bauche zu denken glaubte. Auch erfuhr ich später, dass alle Bahau und Kĕnja derselben Meinung sind.

Den Schlaf fassen die Bahau als den Zustand auf, in dem eine ihrer beiden Seelen, diebruwa, den Körper zeitlich verlässt. Der Traum entsteht entweder dadurch, dass die Seele das Geträumte wirklich erlebt, oder dass die Geister dem Schläfer etwas zuflüstern. Die Träume der Priester sind besonders bedeutungsvoll. Von der Wohltat eines erquickenden Schlafes für Kranke haben sie keine Ahnung; wenn einer ernstlich krank ist, verhindern sie ihn durch Schreien und Schütteln am Einschlafen, selbst wenn der Kranke den Schlaf sehnlichst wünscht (Siehepag. 333).

Ihrer Schöpfungsgeschichte (pag. 129) zufolge sind die Bahau aus unbelebter Materie und zwar aus Baumrinde hervorgegangen. Das Leben wird erst durch die beiden Seelen “bruwa” und “ton luwa” in den Körper gebracht (NäheresKap. V).

Alles, was diebruwazum Entfliehen bringt, verursacht Krankheit. Da diebruwaauf die gleiche Weise wie der Mensch denkt und empfindet, kann sie durch alles, was diesen erschreckt, vertrieben werden, wodurch der Körper krank wird. Die Priester suchen daher, um einen Kranken zu heilen, dessen entflohene Seele in den Körper zurückzulocken. Auf dieser Vorstellung basieren im Grunde alle Heilmethoden der Priester. Das Einfangen der Seele geschieht mit Hilfe der guten Geister aus demApu Lagan, der Vermittler zwischen Hauptgöttern und Menschen.

Zum Glück sind sie in ihrem Vertrauen auf die Hilfe der Geister nicht so blind gewesen, dass sie den günstigen oder ungünstigen Einfluss einiger Faktoren auf den Verlauf einer Krankheit nicht selbst bemerkten. Hieraus hat sich bei ihnen ein sehr kompliziertes diätetisches System entwickelt, das neben den Beschwörungen derdājungbei jeder Krankheit angewandt wird.

Im allgemeinen sucht man die Krankheit dadurch zu bekämpfen, dass man sich verschiedener Speisen, des Badens, schwerer Arbeit etc. enthält. Für die verschiedenen Leiden bestehen auch verschiedene Vorschriften, die man gegenwärtig unmöglich als Bussen auffassen kann; sie sind teilweise auch so treffend gewählt, dass sie auf persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen beruhen müssen. Bei den Kajan am Mendalam gelten folgende Vorschriften:

Verboten ist bei Diarrhoe: harter Reis, Zuckerrohrsaft, Bananen, Klebreis, gekochte Bananen, kaltes Wasser, einige Arten Fische, Baden bei hohem d.h. kaltem Wasser; erlaubt sind: weich gekochter Reis und gute Fische.

Verboten ist bei Fieber: kaltes Wasser, Zuckerrohrsaft, Zucker, Gebäck und Baden bei Hochwasser.

Verboten ist bei Husten:ke̥ladi, Zucker, Zuckerrohrsaft, gerösteter Klebreis, Gurken, Rauchen, Betelkauen und schwere Arbeit.

Bei einer Knieentzündung verbietet man: Laufen, Treppensteigen, trockenen und hart gekochten Reis, gedörrten Fisch, Schweinefleisch, Eier, Salz und essbare Baumblätter.

Berücksichtigt man, dass derartige Verordnungen bei den Malaienauf Borneo nur in sehr rudimentärer Form vorhanden und dass ein grosser Teil dieser Vorschriften auch nach der Auffassung europäischer Ärzte wirklich zweckmässig sind, so erscheinen sie uns für die Bahau um so anerkennenswerter. Überdies sind diese diätetischen Vorschriften in den Verhältnissen, in welchen die Dajak leben, beim Fehlen eigentlicher Heilmittel und bei der kräftigeren Konstitution ihrer Kranken viel wichtiger als bei den Europäern und deren günstigeren Lebensumständen.

Auch für Hautkrankheiten werden zahlreiche Verhaltungsmassregeln angegeben und, da man für diese auch noch wirksame Arzneien besitzt, sind die Bahau ebensogut als europäische Ärzte im stande, ihre parasitären Hautkrankheiten zu kurieren. Bei einer derartigen Kur darf nicht gebadet, nicht transpiriert und nicht gekratzt werden; auch darf der Patient keine Süssigkeiten, keinen jungen Bambus,ke̥ladi, Farrenspitzen, Salz, Schweinefleisch, spanischen Pfeffer und Mehl geniessen. Da die Heilmittel in Lösung auf die Haut gestrichen werden, sind die 3 ersten Vorschriften rationell; das Verbot der Speisen jedoch ist nachteilig, da es die ohnehin schon lästige Kur so sehr erschwert, dass nur sehr wenige sich ihr mit genügender Ausdauer unterwerfen. Der Erfolg ihrer Heilmittel ist häufig nur ein zeitweiliger, weil sie von der kontagiösen Natur dieser Krankheiten keinen Begriff haben und sich mit ihren eigenen Kleidern, Liegmatten etc. immer wieder von neuem infizieren.

Die Verbotsbestimmungen bei Krankheiten kommen den Eingeborenen so selbstverständlich vor, dass sie mich, wenn ich ihnen eine Arznei gab, sogleich fragten, waslāli, verboten, sei. Meine Vorschriften, welcher Art sie auch waren, wurden stets treu befolgt. Oft verbot ich das eine oder andere nur, um das Vertrauen in meine Arzneien nicht wankend zu machen. Von besonderer Bedeutung war dies in einigen Fällen, wo die Befolgung diätetischer Vorschriften von grösserer Wichtigkeit als das Einnehmen von Arzneien war; bei sehr kleinen Kindern konnte ich oft nur auf diese Weise eingreifen.

Während meines zweiten Aufenthaltes am Mendalam kamen dort innerhalb dreier Tage 3 Fälle sehr akuter choleraähnlicher Bauchkrankheit vor. Der erste, in Tandjong Kuda, verlief tätlich, ohne dass ich den Kranken sah. Am folgenden Tage erkrankte in meiner Nachbarschaft eine Frau mit allen Choleraerscheinungen, doch half ich ihr mit einer starken Dosis Landanum den Anfall überstehen. Ein oderzwei Tage darauf rief man mich zu einem Manne in Tandjong Kuda, der an der gleichen Krankheit litt. Auch bei ihm hatte Laudanum eine ausgezeichnete Wirkung, nur war ich gezwungen, ihn seinem Schicksal zu überlassen mit dem Resultat, dass er 2 Tage später infolge des Genusses verschiedener gekochter Baumblätter einen Rückfall bekam und starb. Da diese Fälle der Cholera sehr ähnlich waren, glaubte ich die Umgebung am besten durch Regelung des Trinkwassergebrauchs zu schützen. Ich liess daher mit Hilfe der beiden HäuptlingeAkam IgauundTigangdurch diedājungeine grosse Beschwörung abhalten, verbot für 4 Tage das Trinken ungekochten Wassers und. warnte sie vor den Flussbädern, die übrigens in dem schnell strömenden Wasser von geringerer Bedeutung waren. Auch unreife Früchte setzte ich auf die Verbotsliste und hatte die Freude zu sehen, dass man sich sowohl in Tandjong Kuda als in Tandjong Karang an die Vorschriften hielt und keine weiteren Krankheitsfälle mehr vorkamen.

Der wichtigste Teil der Beschwörung bestand darin, dass man die bösen Geister, als die Urheber der Krankheit, daran verhinderte, längs den Bretterstegen, welche vom Fluss zum Hause führten, zu den Bewohnern zu gelangen. Zu diesem Zwecke spannte man längs des Ufers vor dem Hause und auch seitlich ungefähr 1 m über dem Boden Rotangseile, an welche in Abständen von 2 m zur Abwehr böser Geister Blätter vondaun longgehängt wurden. An den Stellen, wo das Seil die Wege zum Hause kreuzte, richtete man zu beiden Seiten roh gearbeitete Figuren, eine weibliche und eine männliche, auf. Die Figuren besassen übertrieben grosse Genitalien; der Mann eine nach Kajansitte perforierte glans penis mit hölzernem Stifte; überdies waren sie mit hölzernen Speeren, Schwertern und Schilden als weiteren Abschreckungsmitteln bewaffnet. Zu meiner Beruhigung willigten die Familiengehörigen darein, Kleidungsstücke und Liegmatten der Verstorbenen zu vernichten. Da dieadatihnen das Verbrennen dieser Gegenstände verbietet, warfen sie diese, ohne mein Wissen, in den Fluss.

Die einzigen nennenswerten Arzneien der Kajan werden gegen Hautkrankheiten angewandt; zwei derselben sind in der Tat sehr wirksam:

1.oro̱ko̤̱p, Blätter von Cassia alata, die auch sonst im Archipel häufig gegen Hautkrankheiten benützt werden.

2.nje̥ro̱bw bulan(im Busang) =minjak pe̥landjau(im Malaiischen), ein schwarzes, nach Teer riechendes Öl, das aus dem schwarzen Kernholzeines gleichnamigen Baumes fliesst, der nur auf Borneo einheimisch zu sein scheint. Beim Stehen scheidet das Öl eine halbflüssige Masse ab, dietanah pe̥landjaugenannt wird.

Auf die Haut gebracht verursacht diesetanah pe̥landjaueine Entzündung. Als man diese Masse einst unvermischt auf die Leibeshaut eines Kindes strich, wurde diese so völlig zerstört, dass eine tiefe Wunde entstand. Für den Gebrauch muss das Mittel mit Zuckerrohrsaft vermischt werden. Ein Individuum, das von Kopf bis zu Fuss mitlusungbedeckt ist, kann in 14–20 Tagen genesen, falls es sich tüchtig mittanah pe̥landjaueinreibt und das Baden vermeidet.

Die Kajan reiben sich täglich mitọro̱ko̤̱pein, wodurch sie allmählich ihrenlusungund in viel kürzerer Zeit ihrenkurabvertreiben.

Ein sehr wirksames, für die Kajan aber sehr kostbares Mittel ist Petroleum, das, auf die erkrankte Haut gestrichen, binnen 8 Tagen eine Heilung herbeiführt.

Als weitere Behandlungsweisen von Entzündungen und Schmerzen sind bei den Kajan Schröpfen, Tätowieren und Massieren üblich. Die beiden ersten werden besonders bei schmerzhaften Entzündungsgeschwülsten angewandt. Man entzieht das Blut, indem man mit einem spitzen Messer eine grosse Zahl kurzer Einschnitte ausführt und die Blutung von selbst aufhören lässt. Blutstillende Mittel lernte ich nicht kennen. Die Ausführung kleiner Tätowierfiguren auf die entzündete Stelle wirkt wahrscheinlich in gleicher Weise wie die Blutentziehung.

Bei Leib- und Rückenschmerzen wendet man vor allem Massage an, die mehr in Kneten als in Reiben besteht. Mit der Massage und dem Blutentziehen befassen sich hauptsächlich diedājung, die es in ihrer Kunst bisweilen weit bringen.

Für Wunden kennen die Bahau keine Mittel- sie halten sie nur mit Wasser und Kapok rein. Da sie ernste Blutungen nicht zu stillen verstehen, gehen die Leute häufig an kleinen Wunden, z.B. auf dem Fussrücken, zu Grunde. Dagegen verstehen sie zerrissene Ohrläppchen wieder aneinander wachsen zu lassen (Siehepag. 140).

Bei Entbindungen wird der Leib der Kreissenden mit den Händen geknetet; andere Behandlungsweisen sind unbekannt. Heftige Blutungen verlaufen, wenn sie nicht von selbst aufhören, tätlich.

Die Bahau wenden auch Dampfbäder an. Sie füllen ein Gefäss mit heissem Wasser, fügen einige Blätter hinzu und setzen den Kranken, den sie mit Decken umwickeln, einige Zeit den heissen Dämpfen aus.

1Siehe: Janus. Arch. Internat. p. l’Histoire de la Médecine et la Géographie Méd. 1898.

1Siehe: Janus. Arch. Internat. p. l’Histoire de la Médecine et la Géographie Méd. 1898.

2Archiv für Derm. u. Syph. 1898.

2Archiv für Derm. u. Syph. 1898.

Allgemeines über Tätowierung—Unterscheidung dreier Gruppen—Vorschriften für Tätowierkünstlerinnen und Patienten—Tätowiergerätschaften—Ausführung und Folgen der Operation—Methoden der Tätowierung bei den verschiedenen Stämmen und Ständen—Seeentätowierung—Tätowierung der Kajan am Mendalam—Tätowiermuster—Tätowierung bei den Mahakamstämmen und den Kĕnja.

Allgemeines über Tätowierung—Unterscheidung dreier Gruppen—Vorschriften für Tätowierkünstlerinnen und Patienten—Tätowiergerätschaften—Ausführung und Folgen der Operation—Methoden der Tätowierung bei den verschiedenen Stämmen und Ständen—Seeentätowierung—Tätowierung der Kajan am Mendalam—Tätowiermuster—Tätowierung bei den Mahakamstämmen und den Kĕnja.

Die Tätowierungen der Dajak dienten ursprünglich wahrscheinlich als Körperverzierungen, gegenwärtig hat aber die Sitte des Tätowierens bei allen Stämmen so tief Wurzel gefasst, dass man sie als einen Brauch ansehen muss, dem zwar keine religiöse Bedeutung zukommt, der aber mit dem Lebenslauf des Individuums eng verknüpft ist.

Die Art der Tätowierung ist in Mittel-Borneo für die verschiedenen Stammgruppen, für die einzelnen Stämme und für Mann und Frau charakteristisch; auch sind die Anlässe, aus welchen tätowiert wird, bei beiden Geschlechtern verschieden. Bei den Männern kann man die Tätowierung im allgemeinen als einen Beweis betrachten, dass sie an gefahrvollen Unternehmungen teilgenommen haben, während sie bei den Frauen, beispielsweise bei denen der Long-Glat, die Einleitung einer neuen Lebensperiode bedeutet.

Die Long-Glat beginnen damit, den Mädchen, sobald sie acht Jahre alt sind, auf den Rückseiten der Finger an verschiedenen Stellen kleine Figuren zu tätowieren; bei Eintritt der Menses wird die Rückseite der Finger vollständig tätowiert und im Lauf der folgenden Jahre wird fortgefahren, bis der ganze Handrücken bis zum Puls seine Verzierung erhalten hat; auf die gleiche Weise wird mit dem Fussrücken verfahren. Mit 18 bis 20 Jahren lassen sich die Frauen die Vorderseite der Schenkel und in späterem Alter, oder wenn sie mehrere Kinder gehabt haben, auch die Hinterseite der Schenkel tätowieren.

Tätowieren einer Hand bei den Kajan am oberen Mahakam.Tätowieren einer Hand bei den Kajan am oberen Mahakam.

Tätowieren einer Hand bei den Kajan am oberen Mahakam.

Tätowieren einer Hand bei den Kajan am oberen Mahakam.

Während die Männer die Tätowiermarter gern auf sich nehmen, um nachher als tapfere Männer gekennzeichnet zu sein, wird die Sitte des Tätowierens bei den Frauen durch den Glauben unterstützt, dass den vollständigtätowierten Frauen im Jenseits gestattet wird, im FlusseTe̥lang Djulanzu baden und dadurch in unmittelbare Nähe der Perlen zu gelangen, die sich auf seinem Grunde befinden; die unvollständig Tätowierten dagegen müssen am Ufer stehen bleiben und die gänzlich Untätowierten dürfen sich dem Flusse überhaupt nicht nähern. Dieser Glaube, den ich am oberen Mahakam und bei den Kĕnja angetroffen habe, erleichtert den Frauen die entsetzlichen Schmerzen, die ihnen der Prozess des Tätowierens verursacht.

Zur Unterscheidung verwandter Stämme ist die Tätowierung der Frauen geeigneter als die der Männer, da diese sich auf ihren Reisen oft mit den charakteristischen Zeichen ihrer Gastherren schmücken, während die im Stamme bleibenden Frauen meist die ihm eigenen Muster tragen. Ein Eingeweihter kann an den Tätowierungen der Männer erkennen, welche Stämme sie besucht haben; weitgereiste Leute zeigen die Charakteristika der Stämme am Mahakam, Batang-Rèdjang, der Taman Dajak, Punan u.s.w.

In Mittel-Borneo lassen sich hinsichtlich des Tätowierverfahrens und hinsichtlich der angewandten Muster drei Gruppen von Stämmen unterscheiden, die wahrscheinlich mit ihrer geschichtlichen Trennung in den letzten Jahrhunderten in Zusammenhang stehen.

1. Gruppe der Bahau, Kĕnja und Punan.

2. Gruppe der Bukat und Bĕkĕtan.

3. Gruppe der Stämme vom Barito und Mĕlawi und der Ulu-Ajar vom Mandai.

Die erste Gruppe trägt Tätowierungen, welche aus dunkelblauen Linien bestehen; die Frauen verzieren Unterarme, Hände, Schenkel und Füsse, die Männer Schultern, Arme und Brust. Der Daumen der linken Hand und die Schenkel dürfen nur bei sehr tapferen Männern tätowiert werden.

Die Männer der zweiten Gruppe tätowieren den ganzen Körper vom Unterkiefer bis zu den Knöcheln mit grossen, dunkelblauen Flächen, aus denen die eigentlichen Figuren in der natürlichen Hautfarbe hervortreten.

Hat sich ein Bukatjüngling auf einem Kriegszuge oder bei einer anderen Gelegenheit ausgezeichnet, so wird ihm zuerst auf die Brust eine dreieckige Fläche tätowiert, darnach werden die Schultern, der Nacken, die ganzen Arme, der Rücken und der Unterkiefer auf die gleiche Weise behandelt; später wird oben an den Waden noch eineviereckige Fläche angebracht. Nach weiteren Heldentaten dürfen sie sich, ausser an der Innenseite, das ganze Bein tätowieren lassen.

Frau der Long-Glat mit vollständiger Tätowierung.Frau der Long-Glat mit vollständiger Tätowierung.

Frau der Long-Glat mit vollständiger Tätowierung.

Frau der Long-Glat mit vollständiger Tätowierung.

Bei der dritten Gruppe beginnen die Männer damit, sich grössere oder kleinere Scheiben auf die Waden, unterhalb der Kniekehlen, tätowieren zu lassen; später werden, im Gegensatz zu den Kajan und Punan, die isolierte Figuren tragen, die Arme, der Rümpf und der Hals vollständig mit zusammenhängenden Figuren aus dunkelblauen Linien bedeckt. Die Frauen verzieren hauptsächlich die Kniee, Unterbeine und Hände.

Die eben erwähnten drei Gruppen unterscheiden sich in Bezug auf die Ausführung der Tätowierung darin, dass die zweite und dritte aus freier Hand tätowiert, während die Künstlerinnen der ersten Gruppe die anzubringenden Figuren erst in Relief auf kleine Bretter (klinge̱ te̥dăk= Tätowierbrettchen) schneiden lassen, diese mit Russ bestreichen, auf die Haut abdrücken und auf den erhaltenen Linien dann Damararuss unter die Haut treiben.

Dahei Kwing, achtzehnjährige Kajanfrau vom oberen Mahakam mit tätowierten Händen.Dahei Kwing, achtzehnjährige Kajanfrau vom oberen Mahakam mit tätowierten Händen.

Dahei Kwing, achtzehnjährige Kajanfrau vom oberen Mahakam mit tätowierten Händen.

Dahei Kwing, achtzehnjährige Kajanfrau vom oberen Mahakam mit tätowierten Händen.

Alle drei Gruppen tätowieren mit Russ, der eine Blaufärbung der Haut bewirkt, nur die dritte Gruppe gebraucht auch rote Farbe.

Bei den beiden ersten Gruppen wird die Tätowierkunst von Frauen ausgeübt, bei der dritten von Männern. Doch hat dieadatunter den Bahau und Kĕnja den Tätowierkünstlerinnen, in gleicher Weise wie den Schmiede- und Schnitzkünstlern, durch verschiedene Verbotsbestimmungen Schranken gesetzt. Da jede Tätowierkünstlerin unter dem Schutze eines besonderen Geistes steht, muss sie ihrem Schutzpatron allerhand Opfer bringen. Sie darf z.B. verschiedene Arten Fische und Blätter nicht essen, auch muss sie für jeden neuen Klienten eineme̥lăveranstalten, bei der sie ihrem Geiste in ihrem Korbe mit Tätowiergerätschaften alte Perlen undkawitanbietet.

Junger Bukathäuptling mit Brust- und Armtätowierung.Junger Bukathäuptling mit Brust- und Armtätowierung.

Junger Bukathäuptling mit Brust- und Armtätowierung.

Junger Bukathäuptling mit Brust- und Armtätowierung.

Solange die Künstlerinnen kleine Kinder haben, dürfen sie ihr Amt nicht ausüben. Den höchsten Lohn, einen Gong, dürfen sie erst nach 20 jähriger Amtstätigkeit fordern. Vor dieser Zeit müssen sie sich mit bescheideneren Löhnen, die in Perlen und Zeugen bestehen, begnügen. Sobald eine Künstlerin eine der genannten Vorschriften vernachlässigt, dunkeln ihre Linien nicht nach oder sie wird krank und stirbt.

Der Tätowierberuf ist insofern erblich, als eine junge, Frau die beste Gelegenheit hat, die Kunst von einem älteren Familiengliede zu erlernen.

Bisweilen bilden sich die Frauen, um von einer Krankheit zu genesen, zu Tätowierkünstlerinnen aus. Bleibt nämlich eine ärztliche Behandlungseitens einer Priesterin erfolglos, so rät man der Kranken, sich durch einen Schutzgeist vomAbu Laganzur Künstlerin inspirieren zu lassen, um gleichzeitig mit dessen Hilfe die verlorene Gesundheit wiederzufinden. Die Frauen können sich aus diesem Anlass nur zu Priesterinnen oder zu Tätowierkünstlerinnen, die Männer auch zu Schmieden und Hirschhornschnitzern beseelen lassen.

So erlebte ich selbst, dassUniang Anja, die zweite Frau vonKwing Irang, als sie von den Folgen eines Abortus nicht genesen konnte, sich von einer anderen Priesterin mit einem Geist der Tätowierkunst beseelen liess, nachdem sie früher bereits, für eine andere Krankheit, einen Geist derdājunghatte herbeirufen lassen.

Tätowierter Dajak vom Kahájan.Tätowierter Dajak vom Kahájan.

Tätowierter Dajak vom Kahájan.

Tätowierter Dajak vom Kahájan.

Die Frauen der Bahau und Kĕnja dürfen sich nur zu bestimmten Zeiten tätowieren lassen, da für die Dauer der Tätowierperiode die ganze Familie Verbotsbestimmungen unterworfen ist. Meistens wird nach der Reissaat, in der Jäteperiode, tätowiert, da für dergleichen dann am meisten Zeit vorhanden ist.

Bei den Kajan am Mendalam ist in der Saatzeit das Blutvergiessen verboten, daher auch das Tätowieren.

Befindet sich eine Leiche im Hause, so muss das Tätowierverfahren bis nach dem Begräbnis verschoben werden.

Zwei weitere Gründe, die eine schnelle und vollständige Ausführung der Tätowierung verhindern, bestehen, besonders bei den Mädchen, in der Furcht vor Schmerz und in dem Unvermögen, die für eine vollständige Tätowierung erforderliche Summe von 25–30 fl. aufzubringen. Die Prozedur wird ferner auch durch böse Träume, wie z.B. von Hochwasser, das starke Blutung bedeutet, aufgehalten oder vollständig unterbrochen, so dass man häufig unvollständig oder gar nicht tätowierten Frauen begegnet.

Eine Frau der Long-Glat muss an jedem Tage, an dem sie tätowiert wird, als Zuspeise für die Künstlerin ein schwarzes Huhn schlachten. Für die Männer sind die erwähnten Hinderungsgründe von weit geringerer Bedeutung, da ihre Tätowierung eine viel unvollständigere ist.

Bei den Kĕnja darf die Operation nicht im Hause, sondern nur in eigens zu diesem Zwecke erbauten Hütten stattfinden. Die männlichen Familienglieder müssen sich während der Tätowierperiode in Baumbast kleiden, auch müssen sie die ganze Zeit über im Hause anwesend sein. Befinden sich die Männer auf Reisen, so darf kein weibliches Familienglied tätowiert werden.

Beim Kĕnjastamm der Uma-Tow darf nur dann tätowiert werden, wenn sich gleichzeitig auch die Tochter eines vornehmen Häuptlings behandeln lässt. Ist diese aber, etwa infolge eines Trauerfalls, verhindert, sich der Operation zu unterwerfen, so dürfen sich die Mädchen des ganzen Stammes nicht tätowieren lassen.

Die Ulu-Ajar Dajak benützen zum Tätowieren ein Instrument, das aus einer 10 cm langen und 1 cm breiten Kupferplatte besteht, die vorn rechtwinklig gebogen in einen scharfen Zahn endigt. Der Zahn wird in die nicht gespannte Haut getrieben, indem man mit einem kleinen Holzstück leicht auf die Kupferplatte klopft.

Die Bahau- und Kĕnjafrauen tätowieren mit einem rechteckig gebogenen Holzstück (ulang brāng), in welches 2 bis 3 kupferne Nadeln mittelst Guttapercha befestigt sind (Siehe Tafel: Pfeilköcher, Giftbrett u.s.w. Fig. u). Sowohl dieser Nadelhalter als auch der mit Baumwolle umwundene hölzerne Klopfer (tukul ulang, Fig. v) sind oft mit schönen Schnitzereien verziert. Die Künstlerin verfährt folgendermassen: Nachdem sie die Tätowiermuster mit dem gebräuchlichen Färbemittel, einem Gemenge von Wasser und Russ des weissen Damaraharzes, auf die Haut gedrückt hat, taucht sie die Nadeln in ein Gefäss (bungan te̥dăk, Fig. t) mit derselben Flüssigkeit und treibt mit diesen Nadeln die Kohlenteilchen unter die Haut, indem sie mit dem Klopfer auf den Nadelhalter schlägt. Dieser ruht, um besser regiert werden zu können, mit dem Stiel auf einem Kissen. Die Operation veranlasst anfangs eine unbedeutende Blutung, nur da, wo dickere Linien ein wiederholtes Eindringen der Nadeln erfordern, mischen sich einige Blutstropfen mit dem überschüssigen Färbemittel und werden von einer Gehilfin entfernt. Die Patientin sitzt oder liegt während der Operation am Boden, die Künstlerin und deren Assistentin nehmen einander gegenüber, zu beiden Seiten des zu bearbeitenden Teiles, Platz und halten mit den Zehen die Haut gespannt (Siehe nebenst. Tafel).

Werden empfindliche Körperteile tätowiert, so krümmen sich die Mädchen vor Schmerz und weinen; oft haben sie auch später noch viel durch eine hinzugetretene Entzündung zu leiden. Eine vollständige Schenkeltätowierung kann am Mendalam in drei Tagen beendet werden; der zweite Schenkel wird erst, nachdem der erste geheilt ist, vorgenommen. Die Gliedmassen werden in folgender Reihenfolge tätowiert: Hand, Fuss, Unterarm und Schenkel. Der ganze Prozess dauert unter Umständen zwei Jahre.

Obgleich die Kajan viel geschickter und mit geringerem Blutverlust als die Ulu-Ajar Dajak tätowieren, tritt an den operierten Stellen doch stets eine kleinere oder grössere Schwellung auf; häufig auch eine ernsthafte Entzündung. Verschwindet diese bald, so erhält man später dunkle, scharfe Linien, tritt dagegen eine Ulzeration mit starker Narbenbildung auf, so verliert die Zeichnung viel an Deutlichkeit und verschwindet sogar, wenn ein Keloid entsteht, vollständig, denn das Keloid verdeckt die Figur und die Ulzeration verursacht ein Ausstossen der Kohlenteilchen. Nachdem die Entzündung und eventuell die Ulzeration geschwunden sind, werden die dunklen Linien der Figuren durch das junge Narbengewebe verdeckt und erscheinen dadurch blass, ausserdem tritt dieses aus der Umgebung reliefartig hervor. Nach dem Einschrumpfen des Narbengewebes werden die Farben wieder gut sichtbar. Dank dem sorgfältigen Verfahren der Kajan bemerkt man auch auf stark tätowierten Schenkeln und Armen nur wenig Narbengewebe. Haben die Figuren dennoch zu stark durch die Entzündung gelitten, so lassen manche sie durch die Künstlerin überarbeiten.

An die reiche Tätowierung der Frauen knüpft sich der Glaube, dass man einst nach ihrem Tode ihre Knochen an der Imprägnierung mit schwarzen Kohlenteilchen wird unterscheiden können. Am Mahakam, ursprünglich wohl auch am Mendalam, herrscht nämlich zum Teil noch die Sitte, dass die Knochen der Verstorbenen nach einigen Jahren von ihren Angehörigen gesammelt und in einer Urne in Grabhöhlen niedergelegt werden.

Die Tätowierungen sind nicht nur für die verschiedenen Stämme, sondern auch für die verschiedenen Stände innerhalb eines Stammes charakteristisch. Übrigens ist die Sitte des Tätowierens, wie jede andere Mode, der Veränderung unterworfen und zwar hauptsächlich deswegen, weil auch bei den Bahau die Niederen mit den Höheren zu wetteifern streben und die Tätowierung der Häuptlinge erst von den Freien und dann von den Sklaven nachgeahmt wird. Derartige Nachahmungen finden auch unter den Stämmen statt; so haben die früher mächtigen Long-Glat ihre Tätowiermethode bei den anderen Mahakamstämmen eingeführt. In den 30–40 letzten Jahren ist sowohl am Kapuas als am Mahakam bei den niederen Ständen die alte Art der Tätowierung durch die neue verdrängt worden.

In früheren Jahren trugen am Mendalam, wieAkam Igausich noch erinnerte, nur die Häuptlingsfrauen Schenkelverzierungen; bei den gewöhnlichenFrauen war damals nur eine gleichmässig schwarze Bedeckung der Unterschenkel und Füsse gebräuchlich, wobei nur einige schmale Linien von natürlicher Hautfarbe als Umgrenzung rautenförmiger Flächen freigelassen wurden. Man bezeichnet diese Art der Tätowierung alste̥dăk danau= Seeentätowierung. Ich sah nur noch ein sehr altes Mütterchen auf diese Weise verziert.

Tätowiermuster der Mendalam Kajan.Tätowiermuster der Mendalam Kajan.

Tätowiermuster der Mendalam Kajan.

Tätowiermuster der Mendalam Kajan.

Nach Auffassung der Kajan ist die Tätowierkunst auch den Tieren nicht ganz unbekannt, denn es beschlossen einst die Krähe von Borneo und der Argusfasan, sich gegenseitig ihr früher sehr schlichtes Gefieder zu verzieren. Die kluge Krähe, die sich sehr gut auf das Tätowieren verstand, machte sich sogleich ernsthaft ans Merk und es gelang ihr auch nach angestrengter Arbeit, ihren Freund prachtvoll zu schmücken. Darauf bemühte sich der Argusfasan, der Krähe den gleichen Dienst zu erweisen. Der Fasan ist aber ein dummer Vogel, auch merkte er bald, dass er der Arbeit nicht gewachsen war, daher nahm er die ganze schwarze Farbe und verteilte sie gleichmässig auf das Gefieder seines Freundes; seit der Zeit tragen sie beide ein so verschiedenes Gewand.

Bei sämtlichen Bahau am Mendalam trifft man die gleiche Art der Tätowierung. Die Männer schmücken sich der Reihe nach Schultern, Brust, Ober- und Unterarm mit Rosetten und stilisierten Hundeköpfen. Die Schulterrosette erhält der junge Mann, bevor er noch an einem grossen Handelszuge oder an einer Kopfjagd teilgenommen hat, für die übrigen Verzierungen wird aber eine derartige Gelegenheit abgewartet und, da die Tätowierungen in der Regel während des Zuges ausgeführt werden, wählt man für sie die typischen Muster der besuchten Stämme. Dieser Brauch wird aber nicht streng eingehalten; will ein junger Mann sich auch ohne Verdienste, aus Eitelkeit, tätowieren lassen, so steht ihm nichts im Wege.

Die Häuptlinge lassen sich viel weniger und seltener als die freien Kajan und Sklaven tätowieren; sie tragen selten mehr als eine Schulterrosette.

Die Tätowierung des linken Daumens und eine Schenkelverzierung werden den sehr tapferen Männern vorbehalten; am Mendalam war niemand vorhanden, der letztere besass, und eine Tätowierung des linken Daumens trug nurAkam Lasa, der Häuptling der Ma-Suling. Dass einige vielgereiste Männer, wieAkam Igau, keine Tätowierungenbesitzen, ist dem Einfluss der Malaien zuzuschreiben, der am Mendalam bereits so bedeutend ist, dass, wie früher erwähnt,Akam Igauseinem ältesten Sohne in Bunut eine malaiische Erziehung hatte geben lassen.

Auch die Männer werden von Frauen tätowiert. Tandjong Karang besass zwei sehr gute Tätowierkünstlerinnen. Eine andre,Unjang Pon, war 1894 von Lulu Njiwung am Mahakam nach dem Mendalam gereist. Da sie schöneklinge̱ te̥dăkim Mahakamstil besass, liessen sich viele junge Leute von ihr tätowieren.

Die Tätowiermuster werden von den jungen Leuten selbst oder von deren Freunden verfertigt; die Muster der Künstlerin entsprechen nur selten vollständig dem Geschmack des Publikums. Wie bereits gesagt, werden die Muster auf kleinen Brettern in Relief geschnitten, eine Arbeit, die ausschliesslich Sache der Männer ist (Siehe Tafel: Tätowierung A. Fig. a-n). Nur selten werden die Figuren à jour geschnitten (Fig. o und p). Fig. a stellt eine einfache Schulterrosette vor; bei der Schulterverzierung b kommt die Rosettenform nur in der Mitte zum Ausdruck.

Betrachten wir, um die Motive der Muster besser zu verstehen, zuerst Fig. d und e, die, gleich b, c und f, “aso̱” genannt werden.Aso̱bedeutet Hund. In den betreffenden Figuren ist der Kopf des Tieres in zierliche Arabesken verwandelt worden. Bei diesen Stilisierungen bleiben das Auge, die beiden Kiefer und zwischen diesen öfters die Zunge am längsten erhalten. Die Kiefer lassen sich häufig an den Zähnen erkennen (Fig. e, 2 und 3 und Fig. f, bei 2, nicht mehr bei d). In d stellt 1 das Auge in der gewöhnlichen, mehr oder weniger verzierten, runden Form dar. Den runden Fleck in der Mitte könnte man als Pupille auffassen. Das Auge ist mit verschiedenen Verzierungen umgeben, von denen die Kiefer 2 und 3 und die kleine Zunge 4 charakteristisch sind. Kiefer 2 verläuft in zierlichen Windungen, während Kiefer 3 in einen schlichten Bogen endet. In etwas veränderter Form findet man das Auge, die Kiefer und die Zunge in den Figuren b, c, o und p wieder.

In Fig. c geht die Phantasie des Künstlers noch einen Schritt weiter; die Figur ist hier aus der Vereinigung zweier Köpfe entstanden, von denen an der einen Seite die zwei Kiefer 2 und 4 und die Zunge 1, an der anderen die Kiefer 3 und 6 und die Zunge 7 noch zu erkennen sind. Bemerkenswert ist das Verbindungsstück 5, weil es das gemeinschaftliche Auge beider Köpfe darstellt. Wiean einem anderen Ort gezeigt werden soll, dient in der Ornamentik der Bahau das Auge, da es am strengsten bewahrt wird, als bestes Kennzeichen für ein Kopfmotiv; daher ist es ratsam, das Auge bei der Zergliederung der Motive als Ausgangspunkt zu wählen. Die Schulterrosette a lässt sich somit der Reihe nach von den stilisierten Hundeköpfen e, bei dem noch Kiefer und Zähne vorhanden sind, und von d, mit den zahnlosen Kiefern, ableiten. Fig. b stellt eine Vereinfachung von Fig. c dar. In b sind die Kieferpaare noch angedeutet, aber das Auge tritt bereits in den Vordergrund und wird in a zu einem selbständigen Motiv.

Die Tätowiermuster Fig. o und p wurden für mich von einem Schnitzkünstler in Tandjong Karang geschnitten, um mich einige hübsche Stücke eigener Erfindung sehen zu lassen. Ihrer Grösse wegen sind sie mehr für eine Brust- als für eine Armverzierung geeignet, obwohl Armfiguren gelegentlich auch auf der Brust, auf dem Pectoralis major, angebracht werden.

Für die Schenkeltätowierung der Männer fand ich am Mendalam nur ein einziges Motiv, nämlich das eines Hundes mit schlangenartigem Körper (Fig. f), bei dem die Beinpaare andeuten, dass es sich um ein vierfüssiges Tier und nicht um eine Naga oder eine Schlange, wie man beim ersten Blick denken könnte, handelt. Das Hundemotiv ist bemerkenswerter Weise überhaupt das einzige, mit dem sich die Männer der Mendalam Kajan und der Bahau im allgemeinen tätowieren.

Die Tätowierung der Frauen ist bei den Mendalamstämmen weit höher entwickelt als die der Männer.

Vor 30 bis 40 Jahren bestand die Tätowierung der Frauen, wie oben bereits gesagt ist, in einer einfachen Seeentätowierung (te̥dăk danau), bei der das Unterbein von der halben Kniescheibe bis zur Fusswurzel einförmig dunkelblau tätowiert wurde. Die blaue Fläche wurde durch 4 Längs- und 2 Querlinien in 12 Vierecke zerlegt. Diese Linien, die 6 mm breit waren, wurden durch nicht tätowierte Stellen gebildet und zeigten daher die natürliche Hautfarbe. Von den Linien liefen zwei seitlich, parallel dem Schienbein und zwei zu beiden Seiten der Waden, in ungefähr gleichen Abständen von einander. Die beiden Horizontallinien verteilten diese Flächen je in drei Bleichhohe Vierecke. Auf die gleiche Weise wurden die Unterarme vom Ellbogen bis zum Puls verziert.

Ob diese Tätowiermethode damals auch bei den Häuptlingsfrauengebräuchlich war, konnte ich nicht feststellen, ich halte es aber für wahrscheinlich, da sie damals überall, auch bei den Mahakamstämmen, verbreitet war.

Seit geraumer Zeit ist aber bei den Frauen der Häuptlinge eine andere Art der Tätowierung im Schwange, bei der Unterarme, Handrücken, Schenkel und Fussrücken mit sehr komplizierten und schön ausgearbeiteten Figuren verziert werden. Die übrigen Frauen ahmten diese Methode nach, so dass dasdanau-Muster allmählich verschwunden ist und augenblicklich alle Frauen, von der Häuptlingstochter bis zur niedersten Sklavin, nach der neuen Mode tätowiert sind. Die Tätowierungen der angesehenen Frauen unterscheiden sich von denen der gewöhnlichen Frauen zwar nicht durch die Zeichenmotive, aber durch die Art der Bearbeitung und durch die Anzahl der Grenzlinien, welche diese Motive trennen und zugleich zu ihrer Zusammenstellung dienen. Je grösser nämlich die Zahl dieser Grenzlinien, desto höher ist der Rang ihrer Besitzerin. So gehört die auf Tafel: Tätowierung B. abgebildete Schenkeltätowierung, der als Hauptmotiv ein Menschenkopf (kọhong ke̥lunăn) zu Grunde liegt, einerpanjin(Freien), weil die Köpfe nur von 4 Grenzlinien (g) umgeben sind; dagegen ist die Schenkeltätowierung auf Tafel: Tätowierung C., die einer Häuptlingsfrau, weil das Kopfmotiv 6 Grenzlinien (g) besitzt. Das Gleiche gilt für die Zahl der Linien in dem Motiv “pusung” der Armtätowierungen (Tafel: Tätowierung D. Fig. a und b). Sklavinnen dürfen diese Figuren nur mit drei Linien begrenzen. Ausserdem sind die Muster bei den Wohlhabenderen besser ausgearbeitet, weil sie geschicktere Tätowierkünstlerinnen und schönereklinge̱ te̥dăkbezahlen können.

Die Schenkeltätowierung der Frauen wird mit zweierleiklinge̱ te̥dăkzusammengesetzt, erstens mit einem viereckigen, einen Menschenkopf darstellenden Muster, das man für die obere Reihe, die Vorderseite und die Hinterseite unten verwendet, indem man sie neben einander auf die Haut abdrückt (Siehe Tafel: Tätowierung B.). Das zweite, für die Hinterseite bestimmte Motiv,ke̥tong patgenannt, ist mit einem anderenklinge̱, das vier verschlungene Linien darstellt, ausgeführt.

Alles übrige tätowiert die Tätowierkünstlerin aus freier Hand, ohne vorher etwas auf die Haut zu zeichnen. Auf diese Weise wird auch das ganze schöne Kniestück tätowiert.

Als Beispiel für eine Schenkeltätowierung einer angesehenen Frau möge die vonTipong Igau, der ältesten TochterAkam Igaus, dienen,welche mit demklinge̱ te̥dăkFig. n (Tafel: Tätowierung A.) und einem zierlichenke̥tong patzusammengestellt ist (Tafel: Tätowierung C.). Das hier gebrauchteklinge̱ te̥dăkstellt, wie gesagt, einen Menschenkopf (kọhong ke̥lunăn) dar, der von 6 Grenzlinien eingeschlossen ist.


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