Opferszene.Opferszene.
Opferszene.
Opferszene.
Zu dieser Arbeit wurden die jungen Leute hauptsächlich abends, wenn sie von der Feldarbeit heimkehrten, zusammengerufen. Ausser den grossen Pfählen hätte man auch kleinere; die für Gerüste und Hilfstreppen verwendet werden sollten, aus dem Walde herbeigeschafft; überdies auch grosse Mengen verschiedener Rotangarten: dünne, zähe Sorten zum Aneinanderbinden der verschiedenen Holzteile, schwere, bis 7 cm dicke Arten als Kabel zur Aufrichtung der Pfähle.
Nachdem die Kajan einige Tage lang Klebreis gestampft; insamit-Blätter gewickelt und gekocht, Fische gefangen und in grossen Pfannen mit Wasser zubereitet hatten, kamen sie eines Abends zusammen, um mit. Hilfe von Rotangstücken den Platz zu messen, auf dem das Haus stehen sollte, und die Stellen anzugeben, wo die Pfähle eingerammt werden sollten (SieheT. I Pag. 387).
Der erste Tag, an dem die Gruben gegraben und der erste Pfahl aufgerichtet wurde, bedeutete einen Festtag für den ganzen Stamm. Die grössten und schwersten Pfähle wurden mit Hilfe sämtlicher Männer, auch der Frauen und Kinder, hinaufgezogen: besondere Anstrengung verursachte die Aufrichtung der grossen, mit Schnitzwerk verzierten Pfähle.
Der schwerste Pfahl war 10 m lang; hatte einen Umfang von 1.80 m und bestand aus Eisenholz, dessen sp. Gewicht 1,3 beträgt. Im Ganzen wurden 10 solcher Pfähle für das Haus verwendet.
Die Kajan waren übereingekommen, den Hauptpfahl nachts aufzurichten, weil eventuelle schlechte Vorzeichen dann nicht gesehen werden konnten. Wir hatten daher, mit Rücksicht auf die Zeremonien, welche interessant zu werden versprachen, Vorbereitungen für eine Blitzlichtaufnahme getroffen; aber nach Mitternacht begann es so stark zu regnen, dass die schweren Gonge erst bei Tagesanbruch die Leute zum gewichtiges Werk herbeiriefen. Bald waren 150 Männer beisammen, die alle damit begannen, aus armdicken Stämmen von hartem Holz lange Schaufeln zu schneiden, mit denen sie die Erde ausgruben;oder sie spalteten einen langen, dicken Bambus an dem einen Ende, bogen die Streifen wie einen Trichter auseinander, umflochten diese zur Befestigung mit Rotang und schafften so die lockere Erde herauf, indem sie das becherförmige Ende in den Boden stiessen und gefüllt wieder nach oben zogen. Auf diese Weise wurden für sämtliche Pfähle Löcher gegraben; für die längsten und schwersten Pfähle betrug die Tiefe der Gruben 2 m, für die kürzeren und dünneren 1 m. In der Richtung, in welcher der Hauptpfahl in die Grube gleiten sollte, wurde eine Rinne gegraben und ihr gegenüber, an die senkrechte Wand der Grube, ein Brett gestellt, so dass auch ein sehr schwerer Pfahl nicht in die Erde dringen, sondern an der Gleitfläche abwärts sinken konnte.
Die Erde auf dem Bauplatz war gelbbraun und in einer Tiefe von ½ m mit kleinen, verwitterten Steinen gemischt, die sich 1½ m tiefer als roter Jaspis erwiesen. Augenscheinlich bestand dieser lange Hügelrücken aus alten Kiesablagerungen des Flusses.
Die grösste Feierlichkeit fand nicht beim Haupt-, sondern beim Mittelpfahl statt, obgleich gerade dieser zu den kleineren Exemplaren gehörte. Nachdem der Pfahl aufgerichtet worden war, führte man den alten halb blinden OberpriesterBo Jokzu ihm. Der Greis wandte sich den Geistern, welche diesen Ort bewohnten, hauptsächlich denen auf dem dicht daneben stehenden Andesitkegel Batu Kasian zu und erzählte ihnen, dass der Kajanstamm hier eine Niederlassung bauen wolle und sie um ihren Segen bitte. Dabei opferte er den Geistern ein Küchlein und ein Ei und steckte Eisen in Form einiger Nägel und zwei gelbe und zwei blaue alte Perlen als Opfergabe in die Erde. Das Küchlein und das Ei klemmte er in ein gespaltenes Stück Bambus und stellte dieses neben den Pfahl, während er auf der anderen Seite, zur Abwehr böser Geister, Blätter vondaun long(Aroïdeae sp.) an den Pfahl band (SieheTaf. 25in der Mitte).
Darauf steckte er neben dem Pfahl mit Holzspiralen verzierte Haken im Kreise in die Erde, um auch den Segen der Erdgeister dem künftigen Gebäude zuzuführen. Auch den Luftgeistern opferte er, indem er nach allen Richtungen Reis in die Luft warf; doch war seine Ansprache wegen der heftigen Schläge auf die Gonge nicht zu verstehen. Die nebenstehende Tafel giebt die Schlussszene dieser Feierlichkeit wieder. In der Mitte steht der Hauptpfahl, an dem rechts der lange Stock mit dem Ei, vorn die schutzbringenden Blätter zu sehensind. Die eine Hand auf den Pfahl gestützt steht der alteBo Jokda; seine Ohren schmücken zur Feier des Tages Tigerzähne. Rechts vom Priester stehen die beiden vornehmsten Frauen des Stammes,Bo Hiāng,Kwing Irangsälteste Frau, und deren NichteLirong(auf dem Eisenholzbrett). Um ihre Seele, die sich wie sie selbst vor den vielen aufgerufenen Geistern fürchtet, am Entfliehen zu verhindern, hatBo Hiāngsich ein Stück weissen Kattuns aufs Haupt gelegt, währendLirongauf das ihre mit beiden Händen ein hübsches buntes Tuch drückt. Dass auchBo Jokvoller Angst war, merkte man daran, dass er ein altes Schwert und ein weisses Zeugstück in der Hand hielt und nach beendeter Feier aufs Haupt legte. Links hinterBo Joksitzt auf einem grossen Pfahl aus Eisenholz ein Kajan und schlägt auf einen Gong, den er auf den Knieen hält. Die übrigen Personen sind Arbeiter und Knaben.
Aufrichtung des Hauptpfahls von Kwing Irangs Haus.Aufrichtung des Hauptpfahls vonKwing IrangsHaus.
Aufrichtung des Hauptpfahls von Kwing Irangs Haus.
Aufrichtung des Hauptpfahls vonKwing IrangsHaus.
Nach beendeter Feier verteilten sich die Kajan in Gruppen, die gesondert Pfähle in die Erde setzten und feststampften. Da die Leitung hierbei nicht in den Händen einiger Hauptpersonen lag, sondern jeder seine Meinung äussern zu dürfen oder zu müssen glaubte, herrschte auf dem Platze grosse Konfusion und Geschrei. Hauptsächlich war dies beim Transport der schwersten Pfähle der Fall, die zum Teil noch ihren Gruben gegenüber in die richtige Lage gebracht werden mussten. Dessenungeachtet schritt die Arbeit gut vorwärts. Die kleinen Pfähle wurden mit den Händen aufgerichtet und in die Gruben gestellt, für die grösseren benützte man, um sie beim Heben lenken zu können, hölzerne Gabeln.
Gegen 9 Uhr morgens gingen die Kajan an die Aufrichtung der grossen, mit Bildhauerarbeit verzierten Pfähle aus Eisenholz, welche die Vorgalerie stützen sollten. Diese ungefähr 3500 kg schweren Säulen konnten von den Leuten nicht ohne Hilfsmittel aufgerichtet werden, weil sie mit ihrer Spitze so hoch gehoben werden mussten, dass ihr unteres Ende in die Grube gleiten konnte. Zu diesem Zwecke gebrauchten die Kajan dicke Rotangkabel, die am oberen Ende des Pfahls in einer Höhe von 7 m befestigt und über einen vor der Grube errichteten Galgen geleitet wurden; sie boten mehr als 50 Menschen Gelegenheit zum Ziehen. AufTafel 26sieht man in der Mitte des Vordergrundes den verstärkten Galgen, der für solch einen Pfahl gebaut, hier aber noch nicht benützt worden ist. Der Balken, über den die beiden Kabel laufen sollen, liegt auf den Spitzen von zwei gleichseitigenDreiecken, die aus geraden, jungen, mit Rotang aneinander gebundenen Stämmen bestehen. Diese Dreiecke werden zu beiden Seiten des Pfahls, der gehoben werden soll, errichtet und sind mit einander durch andere Quer- und Stützbalken verbunden und verstärkt. Oft werden diese Dreiecke auch an den bereits aufgerichteten kleineren Eisenholzpfählen befestigt. Das Bild stellt den Augenblick dar, wo eine grosse Anzahl Menschen (rechts) den grössten, mit schöner Bildhauerarbeit verzierten Pfahl (links im Hintergrunde) an Rotangkabeln in die Höhe zieht; einige Männer stehen und ziehen auch auf dem Gerüst selbst. Die grossen Pfähle tragen mächtige Kriegsmützen aus Rotang, welche mit nachgemachten Federn des Nashornvogels geschmückt sind. Alt und jung, Männer und Frauen ziehen an den Kabeln, wo nur ein Platz frei ist. Die beiden seitlichen Dreiecke sind so fest in den Boden gesetzt, dass sie nicht nur die vielen Männer tragen, sondern eventuell auch den Pfahl, falls er seitwärts ausweichen sollte, zurückhalten können.
Anfangs fiel die Zugrichtung zu stark in die des liegenden Pfahls, daher wurden an dessen oberem Ende ständig mehr Balken untergeschoben, bis der Pfahl durch eine stärkere Neigung in eine günstigere Lage gebracht wurde. Als der Pfahl beim Ziehen in die Rinne glitt, die von seinem unteren Ende in die Grube führte, fand er an der gegenüberstehenden Planke einen Stützpunkt.
Da auch bei dieser Arbeit eine Leitung fehlte und viele der ältesten und einflussreichsten Männer gleichzeitig ihre Meinung zum besten gaben, wurde nicht stets gleichmässig und im erforderlichen Moment gezogen. Jeder kleine Arbeitsfortschritt wurde anfangs durch Unterschieben von Holz gesichert, dann ging es immer schneller vorwärts; der Pfahl erhob sich höher und höher unter den ängstlichen Zurufen der zahlreichen, zuschauenden Mene, die einen Fall oder ein Aasweicher. des Balkens fürchtete. Dieser wurde übrigens von vielen Männern mit hölzernen Gabeln gestützt. Unter diesen Männern durfte keiner sein, der eine Frau verloren und daher den Zorn der Geister bereits empfunden hatte. Es dauerte eine Stunde, bevor der Pfahl, zur grossen Erleichterung der Zuschauer, mit einem Ruck in die Grube schoss. Fällt nämlich ein Pfahl, so darf er zum Bau überhaupt nicht mehr verwendet werden. Dieser Pfahl war aber besonders gross und schwer, hatte daher viel Mühe verursacht, bis er an Ort und Stelle geschafft war, ausserdem hatten die beiden talentvollsten jungen Holzschnitzer,Sawang JokundImun, viel Zeit darauf verwendet, um das obere Balkenende mit einem schönen Relief zu verzieren. Aus einer Erhöhung am Stamm, von der ein dicker Ast ausgegangen war, hatten sie ein 1 dm hohes Relief eines Tierkörpers modelliert. Die übrigen Figuren waren 1–2 cm tief in den Stamm geschnitten (Taf. 27).
Der PriesterBo Jokhatte vor der Aufrichtung des Pfahls über der Grube den Erdgeistern ein Ferkel geopfert. Wie am mittleren Pfahl wurde auch hier eine Ansprache an die Geister gehalten, aber ausserdem verherrlichte man auch noch das Opfer und pries das kleine Ferkel als kostbares Schwein an. Darauf schnitt man dem Tier die Kehle durch und liess das Blut in die Grube fliessen; nur ein kleiner Teil wurde auf einem Bananenblatt aufgefangen, um damit alle übrigen Pfähle zu bestreichen. Als der Pfahl fest in der Grube stand, steckte man neben ihm einen Stock in die Erde, in dessen oberes, gespaltenes Ende das Ferkel eingeklemmt wurde. Hier blieb das Tier bis es verweste (Taf. 28).
Nach dieser gewichtigen Handlung trat für alle festliche Ruhe ein und man erfreute sich an einer vorher zubereiteten Mahlzeit von Klebreis und Fisch. Bei derartigen Festmahlzeiten ist gewöhnlich Wildschweinfleisch sehr beliebt, doch ist dieses während der Dauer des Hausbauslāli; auch Blätter von bestimmten Waldpflanzen als Gemüse zu gebrauchen, ist dann verboten.
Bildhauer.Bildhauer.
Bildhauer.
Bildhauer.
Die Männer liessen sich gruppenweise in langen, parallelen Reihen nieder und hockten mit gekreuzten Beinen einander gegenüber. Jeder erhielt entweder eine grosse Menge in ein Bananenblatt gewickelten Reises oder einige dreieckige Päckchenpulut. In kleinen Schüsseln und Schalen wurde jedem auch ein in Wasser gekochtes Stück Fisch angeboten.
Nach der Mahlzeit begab man sich wieder an die Arbeit und richtete im Laufe des Tages noch eine ganze Reihe der schwersten Pfähle auf. Von diesen wurden je 4 (a1bis a4Taf. 29) in die Tiefe und je 5 (b1bis b5Taf. 30) in die Breite des Dauses gestellt, also 20 im Ganzen; von den kleinen Eisenholzpfählen c, die hauptsächlich die Dielenbalken zu stützen hatten, wurden je 9 in die Breite und je 9 in die Tiefe gestellt, also 81 im Ganzen; somit ruhte das Haus auf 101 Pfählen. Erwies sich ein Pfahl später als zu schwach, so wurde ihm noch ein anderer zur Stütze an die Seite gestellt.
Geopfertes Ferkel.Geopfertes Ferkel.
Geopfertes Ferkel.
Geopfertes Ferkel.
Die Pfähle der Reihen a2und a4wurden besonders stark miteinander verbunden, indem man in deren obere Enden hohe, schmale Öffnungen hackte und durch diese lange, schmale Balken (djăpidTaf. 29) aus Eisenholz schob. Auch die Pfähle der mittleren Reihe wurden untereinander durch Balken e verbunden, aber diese wurden nur mit Rotang befestigt oder in Aushöhlungen der oberen Enden gelegt, da diese Pfähle nicht so dick waren. Diese 3 Reihen von Balken (d und e), die auf den Enden oder in Aushöhlungen der Hauptpfähle liegen, dienen 17 Paarwalang bahi-uf als Stütze. Dieses sind Balken, die senkrecht zu dendjăpid und e liegen und die vorderste Reihe Pfähle mit der mittleren und diese mit der hintersten verbinden. Sie haben einen dreieckigen Querschnitt, ihre Basis ist nach oben gekehrt und sie greifen mit einer groben, tiefen Einkerbung in diedjăpihinein (Taf. 30).
Verzierte Tür.Verzierte Tür.
Verzierte Tür.
Verzierte Tür.
Diewalang bahi-uragen mit ihren geschnitzten Enden weit über die Reihe Pfähle a2und a4hinaus (Taf. 29). Auf der mittleren Reihe Pfähle a3liegen diese Balken zu je zwei mit ihren inneren Enden aneinander, während ihre Aussenenden das Dach tragen. Mittelst derdjăpiundwalang bahi-uwerden also die 3 Reihen grosser Pfähle a2, a3, und4, wenn auch nicht unverrückbar, so doch zu einem festen Gerüst miteinander verbunden.
Die Konstruktion des Dachs (hapo) vonKwing IrangsHaus tritt am deutlichsten aufTafel 30hervor. Etwas seitlich von der mittelsten Pfahlreihe a3, parallel der Breite des Hauses, werden auf die inneren Enden der 34walang bahi-uf schmale Bretter g aus Eisenholz gelegt und mit Pflöcken aus dem gleichen Holz auf denwalang bahi-u, die aus dem viel weicheren Tengkawangholz bestehen, befestigt. Senkrecht auf diesen Brettern, in vorher hergestellten Öffnungen, stehen 18 kleinere Balken h, die an ihren oberen Enden den First i (mobong) tragen. Dieser wird sowohl durch Pflöcke als durch Rotang auf diesen Balken befestigt. Zur grösseren Verstärkung werden noch lange, dünne Balken j angebunden. Auch auf die äusseren Enden derwalang bahi-uf werden Eisenholzbalken k (Taf. 29) gelegt, die man ebenfalls mit Pflöcken aus Eisenholz, die in vorher gebohrte Löcher getrieben werden, befestigt. Die Dachsparren 1 (kaso̱) werden aus Tengkawangholz hergestellt. Ihre dünnen oberen Enden werden mit dünnen Eisenholzpflöcken und Rotang mit dem First verbunden und die Aussenenden an die Balken k befestigt. Ihre Zahl beträgt an jeder Hausseite 38. Für die hintere Hälfte des Hauses, die eigentliche Wohnung (amin) des Häuptlings,benützt man die längsten Sparren, welche diewalang bahi-uweit überragen, für die vordere Seite, über derăwă, verwendet man dagegen kürzere, die genau bei denwalang bahi-uenden, weil man hier diekaso̱l später durch geschnitzte Balken v verlängert. Hierbei kommt das schöne Baumaterial der borneoschen Wälder zu voller Geltung; die Tengkawangstämme sind nämlich so gerade und gleichmässig dick, dass man sie an den Verbindungsstellen nur etwas zu behauen braucht, um sie gleichmässig den Sparren anfügen zu können. Im Innern des Hauses, wo das Holz nicht nass wird, hält sich dasselbe sehr lange, aussen verdirbt es dagegen sehr bald. Wegen der Weichheit des Tengkawangholzes lassen sich Eisenholzpflöcke leicht in dieses hineintreiben.
Querschnitt durch Kwing Irangs Haus.Querschnitt durchKwing IrangsHaus.
Querschnitt durch Kwing Irangs Haus.
Querschnitt durchKwing IrangsHaus.
Diekaso̱1 erhalten noch eine andere Stütze, denn sonst könnten sie die schwere Dachbedeckung nicht tragen. Der Querschnitt vonKwing IrangsHausTaf. 29zeigt, dass diekaso̱im mittleren Teil, oberhalb derwalang bahi-u, noch durch schräge, dünnere Balken m (dje̥he̱ balăng bo-ong) gestützt werden. Diese finden mitten auf einem dicken Brett, das ungefähr in der Mitte jeder Reihewalang bahi-ubefestigt ist, einen Stützpunkt und sind oben mit den Sparren durch dünne Dachträger n verbunden. Diese Dachträger n,balăng bo-onggenannt, sind an die schrägen Stützen m mit Rotang festgebunden, auch werden sie zu beiden Seiten durch dünne Querbalken o (balăng ka-ai) verbunden.
Auf diese weise bringen die Bahau das Hauptgerüst eines Hauses zu Stande. An der Vorderseite der Galerie ruht das Dach noch auf einer vierten Reihe dicker Pfähle a1, die während des Dachbaus gesetzt wird und an der Hinterseite (amin) bietet die hintere Wand, da sie auf den Balken des Fussbodens ruht, denkasonoch einen besonderen Halt.
Längsschnitt durch Kwing Irangs Haus.Längsschnitt durchKwing IrangsHaus.
Längsschnitt durch Kwing Irangs Haus.
Längsschnitt durchKwing IrangsHaus.
Um die Dachbedeckung, 1 m lange und 1½-2 dm breite, dünne Schindeln (ke̥pāng) aus Eisenholz auf denkaso̱anbringen zu können, gebraucht man Querlatten p (dje̥he̱) ausnibung(Palmenart), die man in der Regel mit dünnem Rotang auf diekaso̱bindet;Kwing Irangbenützte hierfür jedoch Nägel, die er an der Küste gekauft hatte.
Die Lage der Latten p und die Art und Weise, wie an jede derselben eine Reihe von Schindeln gebunden wird und wie diese mit ihren unteren Enden übereinander liegen, ist auf dem Längsschnitt des Hauses angegeben. Das Dach erforderte im Ganzen ungefähr 25000Schindeln. Auf den First werden, zum Abschluss des Ganzen, rinnenförmige Stücke Holz umgekehrt aufgesetzt.
Die Diele (Taf. 29) wird ungefähr 3 m über dem Erdboden angebracht, indem man lange, dünne Eisenholzbalken q (āling) in seitliche Öffnungen der dicken Pfähle a1a2etc. steckt und dieseālingdurch die dünnen Eisenholzpfähle c senkrecht unterstützt. Letztere ruhen mit ihrem unteren Ende in der Erde, mit dem oberen, zapfenförmigen greifen sie in entsprechende Öffnungen derāling.Senkrecht zur Breite des Hauses liegen 9 Reihenālingneben einander. Sie dienen als Stütze für eine Lage 2–3½ dm dicker Tengkawangstämme r (pe̥njăpai), die in der Breite des Hauses, in Abständen von etwa 1 m voneinander, auf dendingruhen. Wegen der grossen Länge der Tengkawangstämme nahmen zwei Balken, die in ihre gegenseitige Verlängerung gelegt wurden, die ganze Breite des Hauses ein. Um die Unebenheiten und die ungleiche Dicke aufzuheben, wurden in dieālingmehr oder minder tiefe Ausrandungen gekappt und in diese diepe̥njăpaigefügt. Die Unebenheiten oben an denpe̥njăpaiwurden mit dem Schwert entfernt.
Senkrecht auf diepe̥njăpai, parallel zur Tiefe des Hauses, wurde eine zweite Schicht derselben Balken s (dọro̤̱ng) gelegt, welche der eigentlichen Diele t (tasu) als Unterlage dienen sollte (Taf. 29u.30). Indem man hier und da etwas weghackte und diepe̥njăpaiunddọro̤̱ngmittelst Rotang aneinander band, erhielt der Fussboden einen genügenden Halt und Zusammenhang, wozu auch die grosse Schwere der Balken beitrug. An ihren dünnen Enden wurden die Stämme mit Pflöcken aus Eisenholz verbunden. Auf diedọro̤̱ngwurden die Dielen bretter t lose hingelegt; ihrer grossen Schwere wegen rückten sie nicht vom Platze.
Auf diese Weise kam ein 24 m breiter und 20.5 m tiefer Wohnraum zu stande, über dem das Dach ein riesiges Gewölbe bildete. In den Häusern der gewöhnlicheren Familien, welche nach demselben Prinzip bauen, werden jedoch diewalang bahi-uzum Aufbewahrender Ackergerätschaften und dergl. benützt, so dass diese eigentlich die Rolle eines Bodens spielen. Der grosse Raum über denwalang bahi-uwird beim Häuptling aber nicht benützt, weil die Balken zu weit von einander abstehen und eine Diele fehlt.
Das Wohnhaus wird in zwei Teile getrennt, einen vorderen, dieăwăund einen hinteren, dieamin(Taf. 29). Diese beiden werdendurch eine hohe Bretterwand u, die ungefähr senkrecht unter dem First liegt, von einander geschieden. Eine Tür führt von derăwăin dieamin.InKwing IrangsHause stand die Bretterwand vor der mittleren Reihe Pfähle und reichte bis zu denbalang ha-aip, dadurch war dieăwăetwas kleiner als dieamingeworden.
Gerüst von Kwing Irangs Haus.Gerüst vonKwing IrangsHaus.
Gerüst von Kwing Irangs Haus.
Gerüst vonKwing IrangsHaus.
Die Galerie wird viel sorgfältiger ausgebaut als das Wohngemach. Die roh bearbeitetenkaso̱1 reichen dort, wie gesagt, nur bis zu denwalang bahi-uf, die an ihrer unteren Seite über derăwămit Schnitzereien verziert sind. Diekaso̱werden durch schön geschnitzte Stücke v verlängert, welche den Raum vor der in gleicher Weise bearbeiteten vordersten Reihe Pfähle überdecken. Von diesem sorgfältig ausgestatteten Raum aus geniesst man einen freien Überblick über den Fluss und die ganze Landschaft; hier kommen abends die Hausgenossen zum Plaudern zusammen und hier werden die Gäste empfangen.
Diese Verlängerungsbalken v bestehen aus hartem Holz; jede angesehene Familie im Stamm liefert einen solchen Balken und ein oder zwei ihrer männlichen Angehörigen geben sich alle Mühe, um sie so schön als möglich zu schnitzen. Wie diewalang bahi-uhaben auch sie einen dreieckigen Querschnitt; eine Seite ist nach oben gekehrt, die beiden anderen, die sich nach unten zu einer Rippe vereinigen, werden ausgehöhlt und die Rippe in zierliche Ornamente ausgeschnitten. Jeder Schnitzer wendet Verzierungen eigener Erfindung an, in der Regel Variationen des Motivske̥lot, des männlichen Geschlechtsorgans. Nur wenige bringen Stilisierungen der weiblichen Geschlechtsorgane an. Diejenigen jungen Leute, die ihren Balken besonders schön bearbeiten wollen, schnitzen Tierfiguren (hudo̱).
Gerüst von Kwing Irangs Haus.Gerüst vonKwing IrangsHaus.
Gerüst von Kwing Irangs Haus.
Gerüst vonKwing IrangsHaus.
Auch die grosse Mittelwand u (liding) ist, der Galerie zu, mit zahlreichen Figuren in Hochrelief, die Menschen und Tiere vorstellen, verziert. Die Wand besteht aus gut bearbeiteten Brettern, die fest aneinander schliessen und mittelst Nägeln und Rotang auf ein Holzgitter w (Taf. 30), das man hierfür an der Seite deraminangebracht hat, befestigt werden. Diese Bretter ruhen nicht auf der Diele, sondern auf dem rinnenförmig ausgehöhlten oberen Rande eines dicken Getäfels x, das ¾ m hoch ist. An den Verzierungen des Getäfels hatten 4 der besten Schnitzkünstler des Stammes lange Zeit gearbeitet. Das ganze, der Galerie entsprechend, 24 m lange Getäfel bestand nur aus zwei Brettern, die, wie gewöhnlich, aus einem einzigen Stamm verfertigtwaren, indem man diesen halbiert und das überschüssige Holz an der runden Seite weggehackt hatte. Hierbei hatte man in der Mitte und an den beiden Enden der Bretter über 2 dm dicke und 1 m lange Holzstücke stehen gelassen. Aus diesen wurden die 6 Figuren modelliert, die auf nebenstehenderTafel 33zu sehen sind. Drei derselben (a, c, f) bilden Stilisierungen des Hundes, die vierte (b) stellt eine Kombination ähnlicher Tiere vor, die beiden übrigen (d, e) sind Masken. Schön geschnitzt ist auch ein Brett, das als Lehne für den Häuptling gegen das Gitter gestellt wird, welches auch hier die Vorderseite der Galerie nach aussen bis auf 1 m Abstand vom Dache abschliesst (SieheTaf. 34; das Gitter fehlt hier noch).
Bildhauerarbeit.Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.
Bildhauerarbeit.
Auf den Besitz grosser, schwerer Dielen legt ein Stamm grosses Gewicht; auch die Kajan gaben sich alle Mühe, sie besonders schön herzustellen. Jedes Brett war ungefähr 8 m lang, 15 cm dick und ½–1 m breit, je nach der Grösse des Baums, aus dem es gehauen worden war. Je zwei Familien des Stammes sind verpflichtet, ein derartiges Brett zu stellen. Sie vereinigen sich zu dieser Arbeit mit zwei anderen Familien, suchen im Walde einen schweren Tengkawang-Baum aus und verfertigen aus ihm gemeinschaftlich zwei Bretter. Aus der Schwere und Breite der Bretter kann man auf den Reichtum und die Anzahl der Familienglieder schliessen. Die Familien der Mantri übertreffen hierin alle anderen. Obgleich diese Bretter so dick sind, fürchtete man doch, dass sie beim Trocknen krumm werden könnten und band sie daher mit Rotang an die geraden Reihen Pfähle unter dem Hause fest, wo sie stehen blieben, bis sie trocken genug waren, um bearbeitet werden zu können (Taf. 24). Da die Bretter mit wochenlangen Unterbrechungen herbeigeschafft wurden, musste mit ihrer Verwendung ohnehin gewartet werden, bis sie alle beisammen waren. Man hatte dieăwă(Taf. 34) anfangs provisorisch mit den Brettern für die Mittelwand belegt, als diese noch nicht gegen die alten Bretter, mit denen man sich anfangs beholfen hatte, vertauscht waren.
Der Bau deramingeht am deutlichsten aus dem Grundriss (Taf. 35) und dem Längsschnitt (Taf. 30) des Hauses hervor, die zugleich auch die Konstruktion der Mittelwand zeigen. Die Diele zwischen der Hinterwand deraminund der Reihe von 5 Pfählen a1–a5ist um 3 dm höher gelegt als der mittlere Teil des Raumes. In diesem erhöhten Teil wird am Tage gearbeitet und nachts geschlafen. Ebenfalls erhöht ist die Diele zu beiden Seiten deramin; auch hier wirdgearbeitet. Einige Bretterverschläge dienen als gesonderte Schlafräume. Die Vorderseite des Gemachs wird von Kochherden, Vorrats- und Schlafkammern eingenommen, auch befindet sich hier die zurăwăführende Tür. Betrachten wir aufTaf. 30den Bau der Mittelwand zwischenaminundăwăetwas genauer. Wir sehen hier die Stützbalken h des Firstes i, die senkrecht auf den quer durchschnittenenwalang bahi-uf stehen, die wiederum auf dendjăpie der grossen Pfähle der mittleren Reihe ruhen. Die Stützbalken des Firstes sind untereinander durch schräg angebundene, lange, dünne Tengkawang-Stämme j verbunden. Ferner ist zur Stütze der Mittelwand ein Holzgitter w aus rechtwinklig sich schneidenden dünnen Stämmen angebracht worden, das von der Diele bis zu denbalang ka-aio reicht. An diesem Gitter ist auf der Galerieseite eine Bretterwand u, welche die ganze Höhe einnimmt, befestigt; diese Wand besteht aus zwei übereinander stehenden Reihen von Brettern u, die jedoch auf der Zeichnung nur an der rechten Seite angegeben sind. Die unterste Bretterreihe wird nur von der Tür unterbrochen, die aus einem einzigen breiten Brett gehauen ist.
Die Galerie von Kwing Irangs Haus.Die Galerie vonKwing IrangsHaus.
Die Galerie von Kwing Irangs Haus.
Die Galerie vonKwing IrangsHaus.
Auf derselben Tafel ist ferner die Einteilung deraminvor dieser Mittelwand angegeben. Von rechts nach links sieht man geschnitzte Regale y, welche zur Aufbewahrung von Küchengerät und Brennholz dienen; sie befinden sich über einem Feuerherde. Dann folgt eine in dieamineinspringende Wand z, welche diesen Herd von dem Raum bei der Eingangstür trennt. Die Türschwelle ist, wie in allen Bahauwohnungen, 50 cm hoch. Weiter links folgt die grösste Herdstätte y1, deren Schuppen und Regale bis zum 4. grossen Pfahl b, reichen. Die vorn schön geschnitzten tiefen Regale springen von der Mittelwand weit vor. Von der Eingangstür an ist dieser Raum folgendermassen verteilt: erst folgt ein Aufbewahrungsraum für Wassergefässe, dann wieder eine in dieaminvorspringende Wand z2, an welche sich nach links eine senkrecht stehende Wand z1anschliesst, die den grossen Küchenraum von dem übrigen Teil deramingewissermassen trennt.
Hinter dieser Wand z1liegt der Schlafplatz der Sklavin, welche die Aufsicht über die Küche führt. Von den 4 Regalen über dem Herde setzen sich die beiden obersten nach rechts bis über den Schlafplatz der Sklavin und den Aufbewahrungsraum für Wassergefässe, nach links bis über den grossen Vorratsschrank fort, dessen Tür sich gleich linksvom Herde befindet. Hinter der Scheidewand z3verborgen, links vom Schranke, liegt ein dritter, kleinerer Herd, auf dem nur für den Häuptling und dessen Familie gekocht wird. Auf den beiden anderen Herden wird für die verheirateten Kinder des Häuptlings, für die Sklaven und die Schweine gekocht. Links von diesem Herde, wo der Fussboden, gleichwie an der Hinterwand und zu beiden Seiten deramin, um 3 dm erhöht ist, läuft parallel der Mittelwand eine grosse Bretterwand z4, die mit Hilfe einer senkrecht zu ihr stehenden Verbindungswand zwei verschieden grosse Räume bildet. Der kleinere, halb offene Raum rechts dient der Küchensklavin und deren Familie als Schlafstelle, der grössere, geschlossene Raum links, in den eine Tür führt, bildet die Schlafkammer für den Häuptlingssohn und dessen Familie.
Vergleichen wir deutlichkeitshalber diesen Plan mit dem Grundriss vonKwing IrangsaminaufTafel 35, so erhalten wir einen Überblick über die horizontale Verteilung dieses Raums. Von rechts nach links gesehen finden wir in der Ecke den Platz mit den Küchenregalen, dann den Herd. Die einspringende Wand z trennt diesen Küchenraum von dem freien Platz bei der Eingangstür. Links von dieser befindet sich der Aufbewahrungsraum für die Bambusgefässe mit Wasser. Wie aus der Zeichnung zu ersehen ist, hat man die Diele hier halb offen gelassen, damit das Wasser event. beim Übergiessen zwischen den Brettern zur Erde abfliessen kann. Dieser Raum ist von dem Schlafplatz der Sklavin durch die senkrecht zu einander stehenden Wände z1und z2geschieden. Dann folgt der grosse Herd, der Küchenschrank, der kleine Herd der Häuptlingsfamilie mit dem freien Platz davor und einem kleinen, halb offenen Raum als Schlafstätte für die Sklavenfamilie und schliesslich der ganz geschlossene Raum für den Häuptlingssohn.
Die Seitenwände und die Hinterwand deraminbestehen aus aneinander schliessenden Brettern, nur sind hier Öffnungen als Fensterluken ausgespart. Vor diesen sitzen die Frauen mit ihren Handarbeiten und schnitzen die Männer ihre Schwertgriffe und -scheiden. Am meisten Licht dringt jedoch durch das grosse Fenster ein, das sich oben, im hintersten Dachteil befindet. Dieses Fenster ist 1 qm gross und wird mittelst einer Klappe, die an der oberen Seite aussen am Dach befestigt ist, geschlossen. Bei gutem Wetter wird die Klappe durch einen senkrecht gestellten Stock offen gehalten.
Auf den erhöhten Plätzen zu beiden Seiten deraminsollen später noch mehr Kammern gebaut werden; sie dienen alle als Schlafräumeteils für die unverheirateten Töchter und verheirateten Kinder des Häuptlings, teils für die Sklavenfamilien.
Grundriss von Kwing Irangs amin.Grundriss vonKwing Irangsamin.
Grundriss von Kwing Irangs amin.
Grundriss vonKwing Irangsamin.
Für sich selbst und seine Frauen hatKwing Iranglinks in der hinteren Ecke deraminein Zimmer bauen lassen (Taf. 35). Der Fussboden, der hier ebenso hoch wie in der Mitte deraminist, war bis hinter das Haus unter dem weit über die Hinterwand vorspringenden Dache verlängert worden. Gegen dieaminzu ist dieses Zimmer vollständig geschlossen und nur durch eine Tür zugänglich, dagegen endet es hinter der Rückwand des Hauses, in dem verlängerten Teil, offen nach aussen; auch ist die Diele an dieser Stelle durchbrochen.
Da alle Dorffamilien sich am Sammeln des Materials und am Bau dieses grossen Gebäudes beteiligten, keine von ihnen jedoch spezielle Kenntnisse im Häuserbau besass, und alle ausserdem für ihre eigenen Wohnungen und ihren Lebensunterhalt zu sorgen hatten, schritt der Bau nur langsam und unter grossen Schwierigkeiten fort.
Der Transport von Baumaterial aus einem weglosen Tropenwald ist äusserst schwierig, denn bestimmte Holzarten wachsen dort nicht, wie in Europa, nebeneinander, sondern inmitten einer grossen Anzahl anderer Arten. Daher müssen die passenden Tengkawang-Bäume z.B. in einem ausgedehnten Gebiet gesucht, gefällt und oft über Hügel und durch Täler bis an einen Nebenfluss geschleift werden, von dem aus sie zum Mahakam befördert werden können. Eisenholz muss stets mittelst Flössen transportiert werden, da es viel schwerer als Wasser ist. Nachdem ein solcher Stamm mit vieler Mühe durch den dichten Gebirgswald zum Flusse geschafft worden ist, wird er unter ein eigens für ihn gebautes Floss gebunden. Die Kajan waren denn auch stolz darauf, dass fürKwing IrangsHaus 9 dieser schweren Pfähle verwendet worden waren. Die meisten derselben wurden auf folgende Weise bearbeitet: zuerst entfernte man die Rinde und die Unebenheiten mit Beilen, dann verbesserte man hie und da auch die Rundung. Mit dieser Bearbeitung begnügte man sich bei den Pfählen der hinteren Reihe, an denen der vorderen wurde überdies noch mit kleinen Dexeln eine flache Kannelierung angebracht, wie aufTaf. 27, woImunundSawang Jokmit der Bildhauerarbeit beschäftigt sind, zu sehen ist. Die gewöhnlichen, eisernen, europäischen Instrumente sind für Eisenholz zu weich und daher unbrauchbar; darnach kann man sich von der Geschicklichkeit und Geduld, welche diese Arbeit erfordert, eine Vorstellung machen.
Für diekaso̱und die Dielenbalken entfernt man von den Tengkawang-Bäumen nur den obersten Kronenteil, die grössten Äste und die Rinde; die feinere Bearbeitung findet erst beim Bau selbst statt.
Von den verschiedenen Verzierungen derăwăist oben bereits gesprochen worden, wenden wir uns jetzt dem äusseren Hausschmuck zu. Hierher gehören diebang pakat(Taf. 24), die verzierten Giebelbretter, die zu beiden Enden des Firstes frei in die Luft hinausragen. Bei den Bahau und Kĕnja besitzen nur die Häuptlinge das Recht, diese Verzierungen in reich ausgearbeiteter Form an den Firstenden anzubringen.Kwing Iranghatte sich denn auch sehr eingehend mit der Frage, welche Gestalt er ihnen geben sollte, beschäftigt. Auf seinen Reisen nach dem unteren Mahakam hatte er die Häuser anderer Häuptlinge bereits Jahre vorher daraufhin angesehen. Den rechtenbang pakatliess er nach dem Modell, das er auf dem Hause vonBrit Lĕdjübei Long Iram gesehen hatte, anfertigen; den anderen überliess er der Phantasie von zweien seiner besten Holzschnitzer. Solch einbang pakatmuss aus einem einzigen Stück sehr harten Holzes geschnitzt werden und da er 3 m lang und 0.70 cm breit sein muss, so war es bereits schwierig, einen Baum von hartem Holz und den erforderlichen Dimensionen zu finden. Man benützte hierfür eine Holzart, die sich nicht gut spalten liess und daher für andere Zwecke, z.B. für Schindeln, untauglich war.
Beidebang pakatwurden von den zwei Söhnen des alten PriestersBo Jokverfertigt, die sich auf die Schnitzerei in Holz und Hirschhorn gut verstanden. An jeder Figur arbeiteten sie ungefähr 6 Tage. Der Schmuck wurde angebracht, sobald die Sparren auf dem Dache lagen, bevor aber deren geschnitzte Verlängerungsstücke über der Galerie befestigt worden waren.
Die Anbringung dieser Figuren bedeutete, dass das Haus unter Dach war, daher feierte man diese wichtige Handlung mit der Opferung eines grossen Schweines. Das Tier wurde geschlachtet und ein Teil seines Blutes aufsawang-(Dracaena-)Blättern aufgefangen. Der alteBo Joktränkte mit dem Blute Reis in einer Schale, dann bewegte er diese in der Luft hin und her und warf schliesslich den Reis nach allen Richtungen, hauptsächlich aber nach dem Batu Kasian, als Opfer für die Geister, in die Luft. Diebang pakatselbst wurden ebenfalls mit Blut bestrichen und dann beide gleichzeitig mit Rotang hinaufgezogen und befestigt. Die Stelle lag 25 m über dem Erdboden, so dass es nicht licht war, diese schweren, langen, feinausgeschnittenen Bretter anzubringen. Man hatte an den beiden Enden des Firstes aus jungen, mit Rotang zusammengebundenen Stämmen Gerüste gebaut, auf denen sich die Männer mit Sicherheit bewegen konnten (Taf. 16). Sie zogen diebang pakathinauf, brachten sie vorsichtig über das Gerüst und dann mit ihrem zu einem Stiel zugespitzten Ende in die Öffnung eines festen Holzstücks, das zu diesem Zwecke bereits an der Unterseite des Firstes befestigt worden war. Darauf wurde das Hinterende des Stiels noch mit Holz und Rotang an den First und zu beiden Seiten an die Sparren gebunden.
Während der folgenden Tage beschäftigten sich alle mit dem Anbringen der geschnitzten Verlängerungsstücke derkaso̱über derăwă.
Die Bahau verstehen sich sehr gut auf die Herstellung von Schindeln (ke̥pāng).Für die Häuser von Häuptlingen benützen sie gut spaltbares Eisenholz, für die der übrigen Stammesgenossen meist Tengkawang-Holz. Zuerst suchen sie im Walde einen Baum von Eisenholz aus, der sich gut spalten lässt, was bereits beim Anhacken des Stammes zu konstatieren ist. Haben sie unter vielen einen solchen Baum gefunden, so schlagen sie, je nach seiner Grösse, 600–800ke̥pāngaus ihm. Sie zerlegen den Baum in Stücke von der Länge der Schindeln und spalten die Stücke mit Hilfe eines langen, hölzernen Keils, den sie mit einem Holzklotz hineintreiben, in Segmente (Taf. 23unten rechts). Zur weiteren Bearbeitung stellen sie diese Segmente auf primitiven Gerüsten ihrer Länge nach senkrecht vor sich auf und schlagen mit einem Schwert zu beiden Seiten das überschüssige Holz ab. Wie auf dem Bilde zu sehen ist, wird das Schwert vor dem festen Schlage mit beiden Händen erhoben.
Da die Schindeln vonKwing Irangsprovisorischem Hause für das neue, das 25000 Stück erforderte, lange nicht reichten, wurde jeder Familie aufgetragen, 200 Schindeln zu liefern, was wiederum viel Zeit in Anspruch nahm. Um nicht allzu lange warten zu müssen, deckte man zum Schluss noch einen Teil des Daches mit alten Tengkawang-Schindeln, die später durch andere aus Eisenholz ersetzt werden sollten.
Als man eine genügende Menge Schindeln beisammen zu haben glaubte—man hatte sich von der erforderlichen Anzahl nur eine allgemeine Vorstellung gemacht—wurde der ganze Stamm zusammengerufen, um die Geister vor der Anbringung der Dachbedeckung durch die Opferung eines sehr grossen und hauptsächlich fetten Schweines günstig zu stimmen. Dies war unumgänglich nötig, weil dasDach aus Eisenholz gebaut wurde; hätte man Tengkawang-Holz benützt, so wäre ein bescheideneres Opfer genügend gewesen. Nun waren alle Stammesglieder, jung und alt, versammelt, was insofern wünschenswert war, als die Dorfgenossen das Opfer gemeinsam bringen und daher das Schwein und ausserdem zwei Hühner berühren sollten. Die Geister erkannten dann am Geruch, wer geopfert hatte und die Betreffenden brauchten sich später nicht zu fürchten, takut parid, d.h. krank zu werden, sobald sie unter dieses Eisenholz-Dach traten. Diese Auffassung entspringt dem starken Eindruck, denn ein so festes, kostbares Dach auf den Bahau macht; er fürchtet daher, seine Seele (bruwa) könnte beim imposanten Anblick erschrecken und fliehen, wodurch er selbst krank werden würde. Aus demselben Grunde brachte man auch keine kleinen Kinder in die Nähe der Eisenholz-Pfähle, selbst als diese noch weitab lagen und behauen wurden. Erst nachdem ihre Bearbeitung vollendet war und die Mütter den Geistern der Pfähle Eier oder ein Huhn geopfert hatten, durften die Kinder sich ihnen gefahrlos nähern.
Im Unterschied von anderen Gelegenheiten brachte diesmal der Häuptling selbst und nicht der Priester den Geistern das Opfer. Man hatte für diese Zeremonie einen grossen, viereckigen Platz mit Brettern und Matten überdeckt und darunter sass der Häuptling inmitten seiner Ältesten in vollem Ornat d.h. mit einem besonders schönen Lendentuch und Kopftuch bekleidet. Sie alle legten die Hand auf das feiste Tier, worauf Männer, Frauen und Kinder bis auf die Säuglinge in einem langen Zuge das Opferschwein berührten. Darauf trug der Häuptling den Geistern das Opfer an, indem er ihnen berichtete, wer opferte und warum geopfert wurde. Hierbei bediente er sich der Kajansprache, vielleicht weil er das Busang, das gewöhnlich bei solch einer Gelegenheit gebraucht wird, nicht gut sprach. Der alteBo Jokwiederholte die Worte, hatte aber vorsichtshalber seine Seele vorher gründlich gestärkt, indem er in ein altes Schwert gebissen und darauf ein Stück weissen Kattuns auf sein Haupt gelegt hatte. Er sprach unter dröhnenden Schlägen auf die Gonge, so dass ich ihn nicht verstand. Darauf schlachtete man das Schwein und die Hühner, zerlegte sie in gleiche Stücke und kochte sie in Pfannen (Taf. 36), so dass alle Anwesenden zu ihrem Klebreis, den der Häuptling ihnen ebenfalls angeboten hatte, auch Fleisch zu geniessen bekamen. Wir erhielten eines der Hühner und ein Stück Schweinefleisch, die wir uns trefflich munden liessen, da es in der letzten Zeit mit der Kost schlecht bestelltgewesen war. Zuletzt wurden noch einige Eier als Opfer beim Hauptpfahl aufgelegt.
Es folgten zwei Tageme̥lo̱, in denen niemand unter dem Hause hindurchgehen durfte. Als Verbotszeichen wurde ein Rotang um das Haus gespannt.
Am Abend des Opfertages fand noch eine andere Zeremonie statt. Es hatte sich nämlich diedje̥le̥wăn, die rotköpfige Schlange, beim Hause gezeigt, und nun glaubte der Häuptling, diesem Boten der grossen Geister unter einem Opfer noch einiges über den Hausbau mitteilen zu müssen. So opferte er denn an der Stelle, wo das Tier gesehen worden war, 2 × 8 Eier und einige kawit mit Schweinefleisch, die er in die gespaltene Spitze in die Erde gepflanzter Bambusstöcke einklemmte. An einem dieser Opferstöcke befestigte er einen Streifen von der Rückenhaut mit Baransitzendem Speck des geopferten Schweines, der von der Schnauze bis zum Sehwanze reichte, um die Geister von der Grösse und Fettheit des gebrachten Opfers zu überzeugen.