Kapitel VII.

Übungen mit dem Springstock.Übungen mit dem Springstock.

Übungen mit dem Springstock.

Übungen mit dem Springstock.

Von dergleichen Spielen hat sich einiges noch bei den jungen Männern erhalten; sie beschiessen einander aus nächster Nähe mit Lehmpfropfen aus Blasrohren, und zwar kommt es bei diesem Spiel darauf an, seine Unempfindlichkeit gegen Schmerz zu bezeigen. Benützt werden sehr lange Rohre, so dass die feuchten Erdklümpchen heftig an die dicht vor die Mündung gehaltenen Körperteile anprallen. Meistens richtet man die Geschosse auf Bauchwand und Schenkel und sie treffen häufig mit solcher Kraft, dass die Haut unter den plattgeschlagenen Ballen sich sogleich rötet und anschwillt. Jeder sucht möglichst stark zu blasen und möglichst wenig Zeichen von Schmerz zu äussern; ein wirklicher Wettkampf mit einem oder mehreren Siegern findet jedoch auch hierbei nicht statt. Während die Erwachsenen ruhig beieinander stehend die Schmerzproben ablegen, unterhält sich die Kinderschar mit kleinen Blasrohren, die sie aus einer dünnen Bambusart mit langen Internodien hergestellt haben, und mit denen sie einander aus der Ferne mit Lehmkügelchen beschiessen. Bisweilen kämpfen sie in Parteien, wobei in der Regel die Gleichaltrigen zusammentreten, oder sie suchen einander in die Flucht zu jagen oder auch sie beweisen ihre Unempfindlichkeit gegen Schmerz, indem sie ihre Beine den Geschossen ihrer Kameraden entgegenhalten. Obgleich die Lehmkugeln aus der Ferne sehr harmlos treffen, ergriff auch beim Parteikampf bald dieser bald jener wie in panischem Schrecken plötzlich die Flucht, bisweilen ohne merkbaren Anlass, meist infolge einer plötzlichen Beschiessung von unerwarteter Seite; die Gegenpartei stürmt dann unter lautem Gejauchz über Gestrüpp, gestürzte Bäume und Balken hinterdrein, um dann ihrerseits vor einer Ladung Lehmkugeln Halt zu machen und den Rückzug anzutreten. Ein kleines, zugleich als Flöte dienendes Blasrohr ist aufTaf. 15unter k abgebildet.

Übungen mit dem Springstock.Übungen mit dem Springstock.

Übungen mit dem Springstock.

Übungen mit dem Springstock.

Bei allen diesen Gefechten und Schmerzproben merkte ich nie etwasvon Erbitterung, und nur sehr selten brach ein kleiner Wicht, der sich unter die grösseren gewagt hatte, über ein Lehmgeschoss, das ihn getroffen, in Tränen aus. Ausser mit Lehmkugeln beschoss sich die Jugend auch mit Grasbüscheln oder mit langen Grashalmen als Wurflanzen.

Die Frauen pflegen nur wenige Spiele, die nicht auch von den Männern geübt werden. AufTaf. 13unten ist ein solches Spiel dargestellt, das von den Frauen besonders in ihrer freien Zeit, z.B. zwischen dem Trocknen und Stampfen des Reises, vorgenommen wird; auf der hier abgebildeten Szene sieht man denn auch hinter den Frauen grosse Matten mit Reis zum Trocknen in der Sonne ausgebreitet.

Das Spiel besteht darin, dass eine Frau zwischen zwei Reisstampfern tanzt, die von zwei Gefährtinnen an beiden Enden festgehalten und in einem bestimmten Rhythmus erst auf zwei am Boden liegende Stampfer, dann gegen einander geschlagen werden. Je geschickter die Tänzerin, desto seltener werden ihre Füsse zwischen die zusammenschlagenden Stampfer geklemmt. Der Rhythmus des Tanzes ist sehr verschieden, auch werden die Stampfer bisweilen schneller und schneller bewegt, so dass die Frau zuletzt die Füsse nur durch sehr flinke Bewegungen zwischendurchziehen kann. Dieses Spiel ist nicht an feste Zeiten gebunden.

Zu den Volksspielen der Bahau können gegenwärtig auch die Hahnenkämpfe gerechnet werden, die vor ungefähr zwei Generationen am oberen Mahakam eingeführt wurden und auch jetzt noch mehr bei den Long-Glat und Ma-Suling als bei den Pnihing und Sĕputan im Schwange sind. Diese Liebhaberei hat bei den Bahau selbst von dem für die Volkswohlfahrt so verderblichen Charakter eines Hazardspiels, wie es z.B. bei den Malaien üblich ist, noch sehr wenig angenommen. Eine eingehende Behandlung haben die Hahnenkämpfe bereits inTeil I pag. 347erfahren.

Über zwei Spiele habe ich keine nähere Auskunft erhalten können. Das eine erinnert sehr an unser Tric-Trac und wird mit einem mit a Reihen von Aushöhlungen versehenen Block gespielt; das andere ist ein einfaches Schachspiel. Beide werden hauptsächlich unter den Kajan gepflegt.

Was die Kinderspiele der Bahau betrifft, so sind sie, wie mehrmals bereits gesagt, nicht, wie die meisten Spiele der Erwachsenen, religiösen Beschränkungen unterworfen. Kinder unterhalten sich denn auch das ganzeJahr über mit dem Kreiselspiel, Blasrohrschiessen, Wasserspritzen und bisweilen auch mit dem Maskenspiel. Für das Kreiselspiel schnitzen die Männer den Knaben aus hartem Eisenholz kleine Kreisel (Taf. 15e und f), die sie entweder gut polieren (e) oder hübsch mit Schnitzwerk verzieren (f); meist sind sie rund statt platt, wie die der Erwachsenen. Sie werden mit den gleichen Schnüren geschleudert, und wie beimpasingder grossen Männer sucht ein Knabe den Kreisel des anderen herauszuschlagen. Ausser den genannten Vergnügungen, die sie mit den Grossen gemein haben, besitzen sie jedoch noch einige andere, die mit ihrem Älterwerden zusammenhängen und gelegentlich bestimmter Feste geübt werden.

Kinderspielzeug und Kreisel.Kinderspielzeug und Kreisel.

Kinderspielzeug und Kreisel.

Kinderspielzeug und Kreisel.

Bei den Erntefesten dürfen kleine Knaben z.B. zum ersten Mal Schwert und Schild aus Holz (Fig. l.Taf. 15), kleine Mädchen Reiskörbe tragen; beide Geschlechter spielen dann auch zum ersten Mal mit einem Bambus und einem Klopfer (Fig. i.Taf. 15). Mitten in diesem Bambus ist eine Öffnung angebracht, auf die das Kind beim Schlagen abwechselnd einen Finger setzt, so dass zwei in der Höhe stark abweichende Töne hervorgebracht werden und der Bambus also zugleich ein primitives Musikinstrument darstellt.

Wird der erste, noch nicht ganz reife und harte Reis gepflückt, so trocknet man ihn zuerst in grossen Schüsseln und entfernt durch Stampfen die Spelzen, wonach die Körner plattgeschlagen aus dem Blocke hervorkommen. Dieser halbreife Reis bildet einen sehr beliebten Leckerbissen der Kinder, die dann den ganzen Tag mit kleinen Behältern umhergehen, aus denen sie den Reis essen. Die Form derselben ist oft sehr eigentümlich, wie zwei unter g und h abgebildete Modelle aufTaf. 15zeigen. g hat die Gestalt eines der gewöhnlichen, kleinen, aus Rotang geflochtenen, flaschenförmigen Behälter, wie sie auf Reisen viel gebraucht werden. Hier jedoch ist das Flechtwerk mit Figuren aus buntem Zeug benäht, die durch Steppstiche noch deutlicher hervorgehoben sind. Der Deckel ist mit Figuren bestickt, die Augen, Nase und Mund eines Gesichtes erkennen lassen. h ist ein aus Pandanusblättern geflochtener Korb in Form eines geflügelten, vierfüssigen Tieres, dessen langer Hals einen kopfförmigen Stöpsel trägt. Dergleichen Tiergestalten, besonders die von Vögeln, werden häufig verwendet. Später, wenn der Reis ganz reif ist, füllt man die Behälter für die Kinder mit gedämpftem Klebreis.

Einige Spielsachen der Dajak stimmen ganz mit denen unserer Kinderüberein, so z.B. die Puppen. Doch sind diese bei den Bahau nicht allgemein verbreitet und werden auch nur Säuglingen und sehr kleinen Kindern gegeben; sobald die Mädchen einmal ausserhalb des Hauses spielen, sieht man sie nicht mehr mit Puppen.Tafel 15(b und c) giebt zwei solcher Puppen vom oberen Mahakam wieder. Ihr Rumpf besteht aus Baumbast; im Gesicht sind bei b mit schwarzem Faden Augen, Nase und Mund gestickt, während zwei Metallringe an Baumwollfäden die an den ausgereckten Ohrlappen hängenden Ringe vorstellen. Die Kleider sind aus gewöhnlichem buntem Kattun verfertigt. Puppe c besitzt zwar keinen Kopf, doch sind die Ohrringe an den Schultern befestigt.

Lieber als Puppen haben die Mädchen kleine Kindertragbretter (hăwăt), mit denen sie umhergehen. Zwei dieserhăwătsind unter a und d abgebildet, letztere mit à jour Schnitzwerk verziert und beide zur Abwehr böser Geister mit Muscheln behängt. So häufig ich auch die kleinen Mädchen mit Tragbrettern spielen sah, fand ich in diesen doch nie eine Puppe, die ein Kind vorstellen sollte; stets wurde diehăwătleer umhergetragen.

Die Knaben unterhalten sich gern damit, flache Flusssteine nach selbstgegrabenen Erdlöchern zu werfen. Bei diesem Spiel kommt es darauf an, das Loch von einem bestimmten Abstand aus gut zu treffen; nie sah ich dass gespielt wurde, um als Erster hervorzugehen oder einen Einsatz zu gewinnen.

Abends beim Baden findet die Bahaujugend, ganz wie die europäische viel Vergnügen daran, Steine übers Wasser ans andere Ufer zu werfen oder flache Steine auf der Wasseroberfläche möglichst oft hinterein ander aufschlagen zu lassen.

Eine sehr bemerkenswerte Methode des Steinewerfens beobachtete ich einst bei den Ulu-Ajar-Dajak am Mandai, nämlich das Werfen mittelst einer Schleuder. Die Knaben benützten hierfür sehr lange, schmale Blätter, deren Enden sie mit einer Hand fassten, worauf sie den Stein in den so gebildeten Bausch legten und ihn ans andere Ufer zu schleudern suchten, indem sie beim Werfen das eine Ende der Schlinge losliessen. Das Prinzip der Schleuder ist diesen Stämmen also bekannt, nur hat sie in diesem Buschland als Waffe zu keiner Bedeutung gelangen können.

Ein eigenartiges, auch in Europa sehr bekanntes Spiel ist das Bilden von Figuren mit Hilfe einer zusammengebundenen, über die Fingerder beiden Hände gelegten Schnur. Auch die kleinen Dajak nahmen einander auf bestimmte Weise die Schnur von den Fingern und erhielten dann stets neue Figuren. Als wir ihnen einmal einige unserer europäischen Figuren lehren wollten, zeigte es sich, dass sie selbst deren weit mehr kannten und auch viel geschickter waren als wir.

Kajanknaben auf dem Gerüst ihres selbstgebauten Häuschens.Kajanknaben auf dem Gerüst ihres selbstgebauten Häuschens.

Kajanknaben auf dem Gerüst ihres selbstgebauten Häuschens.

Kajanknaben auf dem Gerüst ihres selbstgebauten Häuschens.

Auch die dajakischen Kinder ahmen gern die Arbeiten der Erwachsenen nach. AufTafel 16sind vier Knaben zu sehen, die auf dem Gerüst ihres selbstgebauten Häuschens stehen. Von den beiden vordersten ist der eine mit Schild und Schwert bewaffnet, der andere hält ein Blasrohr umgekehrt in der Hand. Angeregt wurden sie zu ihrer Unternehmung durch den Bau vonKwing IrangsHaus, der das Interesse des ganzen Stammes in Anspruch nahm. Im Hintergrunde ist denn auch noch das unvollendete grosse Haus zu sehen (Der Leser sei hier auf das provisorische Gerüst am Ende des Dachfirstes aufmerksam gemacht, das zur Anbringung derbang pakat, der grossen Firstverzierung, dient).

Derartige Bauwerke werden von Gruppen von Knaben an verschiedenen Stellen um die Niederlassung und zwar aus altem Material errichtet. Steht das Hains fertig da, so nehmen die jungen Baumeister mit ihren kleinen Freundinnen tagüber allerlei herrliche Spiele in ihm vor.

Bevor wir uns zu den rein musikalischen Vergnügungen der erwachsenen Bahau wenden, mögen hier als Übergang die Singtänze und Rezitationen behandelt werden.

Ein Hauptvergnügen der erwachsenen Jugend bildet der erwähnte “ngarang”, ein schlichter Tanz von Männern und Frauen, der nach dem Mass verschiedener, von den Tanzenden selbst in Rezitativform gesungener Lieder ausgeführt wird. Diese werden immerzu wiederholt, wobei Männer und Frauen hintereinander im Tanzschritt durch die grosse Galerie des Hauses schreiten und das Mass durch lautes Aufstampfen auf den Boden angeben. Wenn abends nach beendigter Tagesarbeit eine Anzahl junger Leute beisammen ist und lang genug mit einander geschwatzt hat, verbringt sie oft noch Stunden mit demngarang.Zuschauer gibt es dann nicht mehr und der grosse Galerieraum ist ganz dunkel oder mit einer Harzfackel nur dürftig erleuchtet. Je nach Stimmung setzt die Jugend den Tanz kürzere oder längere Zeit, nach Festen häufig bis Tagesanbruch fort. Obgleich ein derartiges Vergnügen von den religiösen oder politischen Verhältnisseninnerhalb eines Stammes gänzlich unabhängig ist, führen die unter malaiischem Einfluss am Kapuas und mittleren Mahakam sesshaften Bahau denngarangdoch viel seltener aus als die am oberen Mahakam; wahrscheinlich ist auch hier der Spott seitens der zahlreichen Fremden daran Schuld.

Junges Kajanmädchen, die Stammessages rezitierend.Junges Kajanmädchen, die Stammessages rezitierend.

Junges Kajanmädchen, die Stammessages rezitierend.

Junges Kajanmädchen, die Stammessages rezitierend.

Reichen Beifall finden bei den Bahau die Rezitationen ihrer zahlreichen Überlieferungen aus der Stammesgeschichte oder ihrer Legenden aus der Geisterwelt. Stets finden sich eine grosse Menge Zuhörer zu diesen Vortragsabenden ein. Die Rezitationen werden von Schlägen auf einen über einen Schild gespannten und von zwei kleinen Holzsäulchen getragenen Rotangbogen begleitet (Taf. 17). Die Schläge werden von der rezitierenden Person selbst ausgeführt und geben den Rhythmus an. Erwägt man, dass der Vortrag frei nach dem Gedächtnis stattfindet und häufig eine ganze Nacht, bisweilen mehrere Nächte hintereinander dauert, so erscheint es begreiflich, dass nur wenige Personen mit ausgezeichnetem Gedächtnis und der besonderen Fähigkeit, ihre Gedanken nach bestimmtem Mass wiedergeben zu können, hierzu im stande sind. Der Wert der Vorträge ist denn auch individuell sehr verschieden, und die guten Sänger und Sängerinnen werden von ihren Dorfgenossen als besonders begabt und mit einem besonderen Geist aus Apu Lagan beseelt angesehen. Sowohl Männer als Frauen halten diese Vorträge und jeder beschränkt sich auf eine oder mehrere bestimmte Überlieferungen; diese sind bei jedem Stamme verschieden. Die Rezitatoren können zu den Priestern gehören, doch ist dies keine Notwendigkeit. Auch zeichnen sich nicht immer nur Erwachsene durch ihr Talent aus. Die auf nebenstehender Tafel abgebildete Künstlerin ist z.B. ein erst 16–17 jähriges Kajanmädchen vom Mahakam, das sich durch die Richtigkeit ihrer Erzählungen und ihre angenehme Vortragsweise bei ihren Stammesgenossen einer aussergewöhnlichen Bewunderung erfreute. Derartige Rezitationen finden nicht häufig statt, stehen auch nicht mit religiösen Gebräuchen in Verbindung; sie werden vorgenommen, wenn zufällig viele, von des Tages Last und Mühe nicht zu stark ermüdete Menschen beieinander sind.

Die Rezitationen finden in der grossen Galerie vor der Häuptlingswohnung statt; der Vortragende lehnt sich an die Wand und die Zuhörer lagern sich um ihn herum. Einige singen den Refrain der verschiedenen Verse, in welche die Erzählung zerfällt, mit; die meisten jedoch sitzen oder liegen schweigend auf dem Boden und kürzensich die lange Nacht ab und zu durch ein Schläfchen; die kleinen Kinder in den Armen der Mütter wachen meistens überhaupt nicht auf. Im Scheine der Harzfackeln bietet eine solche Zuhörermenge die eigenartigsten Bilder: vorn lagern ganze Familie in nächtlicher Ruhe, mehr im Hintergrunde machen junge Leute einander den Hof und hier und da sinkt ein aufmerksamer Zuhörer vom Schlaf überwältigt in den seltsamsten Stellungen zu Boden.

Junger Kajan, Kledi spielend.Junger Kajan, Kledi spielend.

Junger Kajan, Kledi spielend.

Junger Kajan, Kledi spielend.

Der Vortragskünstler erhält für seine Mühe keine Belohnung. Am beliebtesten sind die Legenden von den erwähntenBĕlawan Buring,BunundBakung, drei Bahauhelden, die in früherer Zeit grosse Taten verrichteten. Die Mahakam-Kajan bezeichnen den Vortrag einer Legende vonBunz.B. mit “ĕnah(= machen, tun)Bun.”

Die Rezitationen führen uns zu den rein musikalischen Genüssen der Bahau, für die insbesondere die Jugend viel Sinn zeigt. Die Musik trägt ganz den Charakter eines Vergnügens und bildet bei keinem religiösen Feste einen Teil der Zeremonien, wenigstens wenn man das nach dem Mass einer Mundharmonika odertongvon den Frauen aufgeführtehudo kajonicht unter die Zeremonien aufnehmen will, wozu man berechtigt wäre. Zwar wird bei jeder An- oder Herbeirufung von Geistern und Göttern auf kupferne Gonge verschiedenster Form und Grösse geschlagen, aber ohne dabei auf irgend welche musikalische Ausführung zu achten. Die alten und gebräuchlichsten Becken mit niedrigem Rand geben auch nur sehr wenig harmonische Töne. Anders verhält es sich mit den grossen Gongen mit aufstehendem Rand; bei diesen wird wirklich auf reinen Klang geachtet, auch bestimmt dieser hauptsächlich den Preis eines Exemplars, der bisweilen sehr hoch sein kann, während Gonge von gleicher Form und gleichem Gewicht, aber mit unschönerem Klang viel weniger wert sind. Diese Gonge dienen überdies hauptsächlich als Warnsignale auf grosse Entfernungen. Die Bewohner Borneos haben nicht wie die auf Java verstanden, sie zu einem System, wie dem Gamelan, zusammenzufügen.

Das, sowohl was seine Konstruktion, als was seinen Gebrauch betrifft, wichtigste dajakische Musikinstrument ist derklĕdi, eine Art von Dudelsack, der aus einer bestimmten, hierfür besonders gezogenen Kürbissorte labe (Taf. 19 e) hergestellt wird. Diese Kalabasse läuft in einen langen, als Mundstück dienenden Stiel aus, während im Fruchtkörper eine Öffnung angebracht ist, in welche 5 zu einem Bündel vereinigte Bambusstücke als klanggebende Pfeifen mittelst Guttaperchaluftdicht eingefügt sind. Oben auf der einen, weit über die anderen vorragenden Pfeife befindet sich zur Verstärkung des Tones in verschiedenster Form, hier in der eines Rhinozerosvogelkopfes, ein Resonanzboden. Bei den richtig hergestellten und daher rein gestimmtenklĕdibilden die Bambusrohre Meisterstücke der Technik, indem sie an ihrem unteren Ende einen Spalt tragen, in dem eine lange Zunge durch ihre eigene Federkraft vibriert, sobald die Luft aus der Kalabasse durch den Spalt in die Pfeife geblasen wird. Die Vibrationen der Zunge bringen die Luft in der Pfeife in Bewegung, wodurch ein Ton entsteht, der, je nach der Länge des Rohres, höher oder tiefer ist. Indem nun die Längen der Pfeifen in ein bestimmtes Verhältnis zu einander gebracht werden, erhält man ein Instrument, auf dem Melodien gespielt werden können. Jede Pfeife ist mit zwei Öffnungen, die mit den Fingern geschlossen werden können, versehen, wodurch das gleiche Rohr beim Blasen mehrere Töne hervorbringen kann. Auf die Herstellung eines gut tönenden Instrumentes verstehen sich nur sehr wenige Personen, die meistenklĕdiwerden von der Bevölkerung daher auch als minderwertig betrachtet. Derklĕdiist ausschliesslich ein Musikinstrument der Männer und wird nach der aufTafel 18dargestellten Weise gehandhabt. Man spielt das Instrument im Hause, auf dem Felde, zur Erholung auf Reisen oder zur Begleitung beim Waffentanz.

Neben demklĕdiist die Flöte,sulingodersĕlingut, ein Lieblingsinstrument von Männern und Frauen; wie sie behandelt wird, zeigt uns die Frau rechts aufTaf. 20und der Mann aufTaf. 21. Eine solche Flöte besitzt am Mundende keine besondere Vorrichtung zur Erregung von Vibrationen, sondern wird durch Blasen auf den Rand zum Tönen gebracht. Zwei schöne Flötenexemplare sind unter b und c aufTafel 19abgebildet. Sie werden aus einer Bambusart mit sehr langen Internodien hergestellt, so dass sich zwischen zwei Knoten ein gleichmässiges Rohr ohne Unebenheiten an der Innenfläche ausschneiden lässt. Sehr wichtig ist das Anbringen der Öffnungen auf richtiger Höhe, worin die Bahau, zu urteilen nach den reinen und sanften Tönen, die sie ihren Flöten zu entlocken wissen, sehr geschickt zu sein scheinen.

Fig. c zeigt vier solcher Öffnungen, die beim Spielen mit den Fingern geschlossen und abwechselnd wieder geöffnet werden. Bei der sehr fein ausgearbeiteten Verzierung dieser Flöte hat man diese Öffnungen zu hübschen Motiven zu verwenden verstanden. Bei b siehtman die Unterseite einer solchen Flöte, die nur eine und zwar ebenfalls in das Verzierungsmotiv aufgenommene Öffnung trägt.

Am oberen Kapuas kommen Flöten mit einem besonderen, in den Bambus gefügten Mundstück vor, ungefähr nach Art der europäischen Flöten.

Musikinstrumente der Bahau.Musikinstrumente der Bahau.

Musikinstrumente der Bahau.

Musikinstrumente der Bahau.

Von einer dritten Flötenform, der sogenannten Nasenflöte, gibt Fig. d eine Vorstellung. Auf der Abbildung ist sie kleiner als b und c, aber in Wirklichkeit kommt sie in sehr verschiedenen Grössen, auch in denen der beiden anderen vor. Für diese Flöte wird die gleiche Bambusart wie für die vorigen gewählt, nur gebraucht man ein Internodium mit einem Knoten. Das Mittelstück dieses Knotens wird glatt abgeschliffen, bis es noch heil bleibt, aber sehr dünn geworden ist. Die eine Hälfte wird dann noch weiter bearbeitet, bis eine Öffnung mit scharfem Seitenrand an der noch unverletzt gebliebenen Hälfte entsteht. Beim Blasen wird dieses halbgeschlossene Ende der Flöte derart an die Nasenöffnung gehalten, dass der Luftstrom auf den scharfen Rand trifft, wodurch Vibrationen entstehen, die die Luft in der Flöte in Schwingungen versetzen. Das Instrument wird horizontal an die Nase gehalten, so dass der scharfe Rand an der Unterseite zu liegen kommt. Die mit der Nase geblasenen Flöten geben der beträchtlichen Schwäche des Luftstromes wegen auch einen viel weniger starken Laut als die mit dem Munde geblasenen. Trotzdem sind sie bei den Bahau ebenso gebräuchlich wie die anderen Arten; am beliebtesten sind sie bei den Frauen, die, wenn sie allein oder mit Männern in grösserer Gesellschaft Vergnügungsfahrten unternehmen, die Stille der Tropennacht mit ihnen beleben.

Auch die Flötenmusik fällt je nach dem Talent des Spielers sehr verschieden aus; ältere Leute sah ich fast nie die Flöte blasen, auch wird sie nie zur Begleitung von Tänzen oder anderen Spielen verwendet.

Die Guitarre oder sapè dagegen dient gerade als Begleitinstrument bei den verschiedenen Tänzen der Frauen und Männer gelegentlich der Erntefeste, bei denen übrigens auch die Mundharmonika benützt wird. Die Guitarre, deren Vorderseite auf Fig. a (Tafel 19) zu sehen ist, besteht aus Holz und zwar aus einem Stück, sie ist nicht hoch (± 10 cm) und an der Unterseite völlig offen. Sie besitzt stets zwei Saiten die mit Holzschrauben gespannt und gestimmt werden und wird stets durch Schnellen mit den Fingern zum Klingen gebracht. Bei guten Instrumentengeben Linien am Halse den Platz für die Finger an. Im allgemeinen sind die sage nicht so reich verziert wie die abgebildete, auch variieren sie bedeutend in der Form. Einige, besonders die, welche den Priestern gehören und von diesen bei manchen Zeremonien gespielt werden, sind sehr alt. Die Guitarre wird von Männern und Frauen gespielt und zwar meist in Gesellschaft, besonders bei religiösen und profanen Tänzen; wie Flöte undtong, zur Unterhaltung der jungen Paare bei Ausflügen, sah ich diesapènie gebrauchen.

Ein anderes sehr beliebtes Instrument ist die genanntetong(Taf. 19 f), die auf demselben Prinzip beruht wie die europäische Maultrommel, insofern nämlich eine kleine Bambuszunge, durch Schnellen bewegt und an die Mundhöhle gehalten, zum Tönen gebracht wird. Indem man die Grösse der Mundhöhle verändert bringt man verschiedene, einer Melodie gleichende Töne hervor. Das Instrument besteht aus einer flachen Bambuslamelle, in welche eine langgestreckte Öffnung so geschnitten ist, dass eine lange, sehr schmale Zunge erhalten bleibt. Diese kann durch ihre Federkraft in der Öffnung vibrieren, wenn man auf das eine Stäbchenende klopft, während man das andere festhält. Auf Fig. f unterscheidet man ein langes, dunkles Bambusstäbchen, das rechts in eine schön geschnitzte Hirschhornspitze endet, an welcher eine Quaste von bunten Zeugstreifen hängt. In der Mitte des Stäbchens ist die aus der Öffnung getretene Zunge zu sehen, die links mit einem viereckigen schwarzen Stück Guttapercha beschwert ist; ein gleiches Stück wird oft auch auf die andere Seite der Zunge geklebt, um diese zu beschweren und die Anzahl der Schwingungen zu regeln. Ich fand solche Guttaperchastückchen auf allentong.

Die Art, wie das Instrument gehandhabt wird, ist an der Frau links auf den Tafeln 20 und 21 zu sehen. Sie hält mit der rechten Hand das verzierte Ende des Bambusstäbchens fest, das zwischen ihre offenen Lippen geklemmt ist Und klopft mit der Linken auf das andere Ende, also auf die Seite, wo die Zunge noch an dem Bambus festsitzt. Die auf diesem Instrument hervorgebrachten Laute sind durchaus nicht melodisch, trotzdem haben junge Männer und Mädchen die summenden Tonvariationen in der Mundhöhle gern. Bei demhudo̱ ădjātder Frauen wird zur Angabe des Rhythmus häufig dietonganstatt der Guitarre verwendet.

Musizierende Kajanfrauen.Musizierende Kajanfrauen.

Musizierende Kajanfrauen.

Musizierende Kajanfrauen.

Ausser auf Instrumenten äussern die Bahau ihre musikalischen Empfindungenauch durch Singen und Pfeifen. Ersteres hört man selten in der von uns verstandenen Form, besonders bei den Priestern ist es mehr ein Rezitieren, und andere Personen singen überhaupt wenig. Dass auch unsere europäische Art zu singen diesen Stämmen nicht unbekannt ist, beobachtete ich einst bei einer Fischpartie am Mendalam, wo eine Frau, auf dem Rücken liegend, eine Improvisation vortrug, die mich sehr angenehm und europäisch anmutete. Diese Frau genoss übrigens auch den Ruf grosser musikalischer Begabung.

Den äusserst unmelodischen Gesang der Malaien habe ich jedoch nie bei einem Bahaustamm gehört. Auf das Pfeifen verstehen sich die Eingeborenen oft sehr gut, doch tun sie es nur wenig; es scheint, dass abergläubische Furcht sie daran verhindert, denn man wollte nicht einmal, dass wir Europäer nach Abendanbruch pfiffen, aus Angst, die bösen Geister könnten dadurch angerufen werden und Unheil stiften.

Gemütliches Beisammensein.Gemütliches Beisammensein.

Gemütliches Beisammensein.

Gemütliches Beisammensein.

Häuserbau bei den Bahau- und Kĕnjastämmen—Unterscheidung dreier Baustile—Vorschriften bei der Wahl des Baumaterials und Baugrundes—Bau vonKwing IrangsHaus—Hilfeleistung seitens der Dorfgenossen und fremden Stämme—Zeremonien bei der Aufrichtung der Pfähle Konstruktion des Gerüstes, des Fussbodens und Dachs—Innere Einteilung—Ausstattung der Galerie (ăwă) und des Wohngemachs (amin)—Äusserer Hausschmuck—Herstellung von Schindeln—Opferzeremonien bei der Dachdeckung -Verbotsbestimmungen für ein unvollendetes Haus—Feierlicher Einzug ins neue Haus—Entzündung des ersten Herdfeuers—Kopfjagdzeremonien—Opferung und Schlussfeier—Hausbau bei den Freien—Bau von Scheunen.

Häuserbau bei den Bahau- und Kĕnjastämmen—Unterscheidung dreier Baustile—Vorschriften bei der Wahl des Baumaterials und Baugrundes—Bau vonKwing IrangsHaus—Hilfeleistung seitens der Dorfgenossen und fremden Stämme—Zeremonien bei der Aufrichtung der Pfähle Konstruktion des Gerüstes, des Fussbodens und Dachs—Innere Einteilung—Ausstattung der Galerie (ăwă) und des Wohngemachs (amin)—Äusserer Hausschmuck—Herstellung von Schindeln—Opferzeremonien bei der Dachdeckung -Verbotsbestimmungen für ein unvollendetes Haus—Feierlicher Einzug ins neue Haus—Entzündung des ersten Herdfeuers—Kopfjagdzeremonien—Opferung und Schlussfeier—Hausbau bei den Freien—Bau von Scheunen.

Die Bahau- und Kĕnjastämme bewohnen im allgemeinen langgestreckte auf Pfählen ruhende Häuser, welche aus zahlreichen, aneinander gebautem Familienwohnungen bestehen. In der Regel besitzt jeder Stamm ein einziges Haus; wenn die Geländeverhältnisse es jedoch erfordern, werden mehrere gebaut. Die Häuser werden, ausschliesslich zum Schutz gegen Feinde, hoch über dem Erdboden errichtet. Nur wenn ein Stamm ein, Überschwemmungen ausgesetztes Grundstück bewohnt, dient diese Bauart auch zum Schutz gegen Wassergefahr, doch bauen die Dajak am Kapuas, oberen Mahakam und oberen Bulungan auf solch einem Gelände nur Hütten, nie grosse Dorfhäuser. Auch auf hohen Hügeln stehen die Häuser in gleicher Höhe über der Erde. Da diese Stämme ihre Wohnungen nicht mit Palisaden umgeben, bildet diese Bauart ihr einziges Verteidigungsmittel; indem sie nämlich die Treppen, die von der Erde ins Haus führen, heraufziehen, erschweren sie dem Feinde den Zugang; ausserdem verteidigen sie sich vom Hause aus wie von einer Festung.

Bei den verschiedenen dajakischen Stämmen finden sich drei verschiedene Baustile, für welche die Häuser der Kajan am Mahakam, der Long-Glat und der ’Ma-Tuwān in Long Dĕho als Beispiele dienen mögen. Die verbreitetste dieser Bauarten ist die der Kajan; man trifft sie bei den Pnihing, ’Ma-Suling, Pagong, Kĕnja und einigen anderen kleinen Stämmen an.

Altes Haus des Long-Glathäuptlings in Batu Sala.Altes Haus des Long-Glathäuptlings in Batu Sala.

Altes Haus des Long-Glathäuptlings in Batu Sala.

Altes Haus des Long-Glathäuptlings in Batu Sala.

Ein Kajanhaus setzt sich aus einer Reihe von Einzelhäusern oder -Wohnungen zusammen, die je einer Familie oder Sippe gehören (SieheTaf. 48, T. I). Jede Wohnung ist etwa 8 m breit, 12–14 m tief und 8 m hoch und ruht auf 1–5 m langen Pfählen. Das hohe Dach trägt einen geraden, der Wohnungsbreite parallelen First und ragt vor und hinter den Wohnungen ungefähr ½ m über den Fussboden hinaus. An der hinteren Hausseite sind Dach und Fussboden durch eine völlig geschlossene, etwa 3 m hohe Wand verbunden; an der Vorderseite befindet sich eine gleich hohe, aber gitterförmig offene Wand. Die Wohnungen werden durch etwa 3 m hohe Seitenwände geschieden. Zwischen dem vorderen Teil des Hauses, der als Galerie (ăwă) dient und dem hinteren, den die Familie als Wohn- und Schlafraum (amin) benützt, befindet sich eine 3–4 m hohe Wand. Die Wohnungen sind derart aneinander gebaut, dass ihre Dielen, Mittelwände und Dächer in ihren gegenseitigen Verlängerungen liegen, wodurch eine lange Reihe von Familienhäusern unter gemeinschaftlichem Dach zustande kommt, deren vordere Hälfte aus einer durchlaufenden Galerie und deren hintere Hälfte aus gesonderten Wohngemächern besteht. Galerie und Wohngemach sind durch eine Tür in der Mittelwand miteinander verbunden.

Wenn möglich, bauen Bahau und Kĕnja ihre Häuser aus Holz, ist dies nicht in genügender Menge vorhanden, so werden auch Bambus und Palmblätter verwendet. Die Gesamtlänge eines Dorfhauses ist sehr verschieden und hängt hauptsächlich von der Anzahl Familien ab, die es bewohnen. Das Haus in Tandjong Karang war etwa 150 m lang, das in Tandjong Kuda dagegen 250 m (T. I Taf. 2) Die Kajan am Blu-u bauten wegen der kleinen Oberfläche des Hügelrückens, auf dem sie sich niederliessen, vor und neben einander und in verschiedener Höhe 4 getrennte, 100 bis 150 m lange Häuser (T. I Taf. 48). Die Wohnungen der Häuptlinge, Freien und Sklaven sind ungefähr auf die gleiche Weise eingerichtet. Äusserlich ist nur die des Häuptlings von den übrigen zu unterscheiden, sie ist in der Regel breiter und .tiefer als die der anderen Familien, und da ihr Dach die gleiche Neigung hat, liegt es etwas höher als die anderen Dächer und unterbricht die lange gerade Linie des Firstes, der sich über die ganze Häuserreihe erstreckt (T. I Taf. 2u.48). Das Häuptlingshaus zeichnet sich ferner durch die grössere Tiefe seiner Galerie aus, die daher vorspringt. Sie wird als Versammlungsraumund Gastgemach benützt. Da, wo mehrere Häuptlinge in einem Stamme wohnen, wie bei den Pnihing und Ma-Suling, überragen alle Dächer der Häuptlingswohnungen das gemeinschaftliche Dach und zwar im Verhältnis zum Rang der betreffenden Häuptlinge (T. I. Taf. 46). Je 10–15 Wohnungen besitzen eine gemeinsame Treppe, die aus einem mit Einkerbungen versehenen Baumstamm besteht. Diese Art Häuser besitzt ursprünglich keine offene Plattform an der Vorderseite, wie die Häuser der Ot-Danum, Batang-Lupar, Kantu etc. Nur bauen sich einzelne Familien für den Privatgebrauch hinter der eigenen Wohnung eine kleine Plattform aus Bambus (Taf. 14u. rechtsTaf. 85).

Der Stamm der Long-Glat hat eine andere Bauart (Taf. 22). Auf gleicher Höhe mit den Wohnungen befindet sich keine gemeinsame Galerie, sondern jedes Familiengemach nimmt die ganze Tiefe des Raums unter dein Dache ein. Man gelangt in die Wohnungen von unten durch Öffnungen in der Diele. Die einzelnen Räume, die etwas grösser sind als diejenigen der Kajan, werden durch Türen in den Seitenwänden miteinander verbunden.

Ungefähr dem gleichen Zweck wie die Galerie in einem Kajanhause dient hier ein zweiter Fussboden, der etwas oberhalb des Erdbodens zwischen den Pfählen des Hauses gebaut wird. Diese Diele dient erstens als Weg durch die Niederlassung, zweitens zur Verrichtung- aller Arbeit, für die das Wohngemach zu klein ist, z.B. zum Reisstampfen, zum Flechten grosser, grober Matten, zum Präparieren von Rotang u.s.w., ausserdem befinden sich hier die Verschläge für die Schweine.

Häuser der Ma-Tuwan.Häuser der Ma-Tuwan.

Häuser der Ma-Tuwan.

Häuser der Ma-Tuwan.

Die heitere Geselligkeit, die in der Galerie der Kajan durch das Zusammenleben der Familien herrscht, findet man jedoch nicht bei den Long-Glat. Für Versammlungen besitzen die Männer nur die ăwă der Häuptlinge. Diese wohnen nicht, wie die Häuptlinge der Kajan und anderer Stämme, in gleicher Reihe mit ihren Dorfgenossen, sondern stets in besonderen Häusern, meist in der Mitte der Niederlassung. Diese Häuser unterscheiden sich von denen der übrigen Bewohner nur durch eine an der Vorderseite angebaute Galerie oder Veranda, die dadurch zustande kommt, dass man die vordere Hauswand nach unten, die unter dem Hause befindliche Diele nach vorne fortsetzt und die eine Hälfte des Daches nach vorn, bis auf eine Höhe von 1 m über der Diele verlängert. Das Dach wird an allen Seiten durch Wände gestützt. Der so entstandene geschlossene Raum wird wie dieoffene Galerie der Kajanăwăgenannt und dient ebenfalls als Gastund Versammlungsraum. Der Eingang zurăwăbefindet sich unterhalb deramin. Von dieser aus kann man zwar in dieăwăhinuntersehen aber nicht umgekehrt, auch sind beide Räume nicht durch eine Treppe verbunden.

Derartige Häuser im Long-Glat-Stil sieht man auch vielfach unterhalb der Wasserfälle am mittleren Mahakam, u.a. in Long Howong. Hier sind die verschiedenen Häuserreihen so in Quadratform aneinander gebaut, dass man unterhalb der Wohnungen, auf dem zweiten Fussboden, die ganze Niederlassung passieren kann, ohne dass man, wie an anderen Orten, Bretterstege von der einen Reihe zur anderen benützen muss.

Von der dritten dajakischen Bauart kann man sich am besten nach dem aufTafel 23(oben) abgebildeten Hause der ’Ma-Tuwān in Long Dĕho eine Vorstellung machen. Diese Häuser gleichen in vieler Hinsicht denen der Long-Glat-Häuptlinge, nur besitzt hier jede Familie eine derartige Wohnung, und da die Seitenwände derăwăhier fehlen, bildet diese eine Galerie, die an der Vorderseite des Hauses längs der ganzen Reihe Wohnungen durchläuft und mit diesen, zum Unterschied von derăwăder Long-Glat, durch Treppen in Verbindung steht. In dieserăwăspielt sich das Tagesleben der Bewohner ab, ganz wie in den Galerien der Kajan. Diese Stämme benützen auch Plattformen, die sie aus Bambus in einem geringen Abstand vom Hause bauen. Auf ihnen werden Reis und andere Viktualien, ausserhalb des Bereiches von Schweinen und Hunden, getrocknet.

Herstellung von Schindeln.Herstellung von Schindeln.

Herstellung von Schindeln.

Herstellung von Schindeln.

Die verschiedenen Stämme halten sich, wie an ihre besonderen Sitten, so auch an ihren eigenen Baustil. Daher findet man in Niederlassungen, die von mehreren Stämmen bewohnt werden, die erwähnten drei Bauarten neben einander, so z.B. in Lulu Njiwong. Die beiden ersten Bauarten sieht man in Batu Sala und in Long Tĕpai. In Long Dĕho stehen nebeneinander Häuser der zweiten und dritten Form, während in geringem Abstand von diesen die Uma-Wak in einem Hause nach dem ersten Stil wohnen.

Vergleicht man diese Arten von Häusern mit denen vieler Stämme am Barito, die mit festen Palisaden und Standplätzen für Krieger versehen sind, so erscheint es zweifellos, dass sie mehr dem friedsamen Leben von Ackerbauern als dem kampflustiger Kriegerstämme angepasst sind. In Apu Kajan, wo die Bewohner mutiger sind und ausserhalbder Dörfer zu kämpfen pflegen, standen die Häuser von drei Stämmen, die ich besuchte, nur 1 m über der Erde und waren daher als Festung nicht zu gebrauchen. Wahrscheinlich haben die Bahau erst, nachdem sie aus ihrem Stammland zum Mahakam gezogen waren, hohe Häuser zu bauen angefangen. Dass sie auch beim Häuserbau fremde Gewohnheiten annehmen, beobachtete ich beim Pnihing-HäupthngBĕlarè, der nach Art der englischen Niederlassungen in Sĕrawak eine “kubu”, ein kleines Gebäude aus Eisenholz, das als Festung benützt werden konnte, vor sein grosses Haus gebaut hatte (Taf. 46 T. I); auch hatte er, wie die Baritostämme, Palisaden zu errichten angefangen, diese jedoch nicht beendet. In Udju Halang waren die Palisaden wenigstens an der Vorderseite vollständig ausgeführt und mit Bastionen versehen worden.

Dass auch die Sitte, gemeinsam in langen Häusern zu wohnen, mehr durch die Verhältnisse als durch den Volkscharakter bedingt wird, geht daraus hervor, dass die Bahau, wenn die Umstände es erfordern oder erlauben, auch getrennt wohnen. Die Familien der Bahau und Kĕnja besitzen nämlich nicht nur ein gemeinsames langes Haus in der eigentlichen Niederlassung, sondern auch noch mehr oder weniger grosse Einzelhäuser auf ihren Reisfeldern. Liegen diese nicht in der Nähe des Dorfes, so wohnen die Familien wenigstens in der drückendsten Arbeitszeit in diesenlĕpo luma(= Reisfeldhaus); befinden sich die Felder jedoch in weiter Entfernung, so bleiben die Besitzer während der ganzen Reisbauperiode in dem Ladanghäuschen wohnen. Die Ma-Suling, die nicht am Hauptstrom, sondern am Mĕrasè leben, hatten in späterer Zeit so wenig von Feinden zu leiden gehabt, dass ihre Familien nicht nur während des Reisbaus, sondern auch während des übrigen Teils des Jahres auf dem Felde wohnen blieben, sich in der eigentlichen Niederlassung kaum noch zeigten und ihre Wohnungen dort verfallen liessen. Ich hörte die Häuptlinge öfters darüber klagen, dass der Verband zwischen den Dorfbewohnern, somit die Kraft des Stammes, dadurch schwer geschädigt würde.

Als ich im Jahre 1896 die Kajan am Mahakam zum ersten Mal besuchte, herrschten hier die gleichen Zustände wie bei den Ma-Suling, aber aus umgekehrten Gründen. Die Batang-Lupar hatten 1885 das gemeinsame Haus der Kajan verbrannt, worauf diese, in ständiger Angst vor einem neuen Einfall ihrer Feinde, sich an den Oberlaufdes Blu-u zurückzogen und in kleine Häuser auf den Reisfeldern verteilten. So boten sie dem Feinde keinen Angriffspunkt und waren imstande, einander rechtzeitig vor einer drohenden Gefahr zu warnen. In einer stockdunklen Nacht mit Sturm und heftigen Regengüssen erlebte ich einst selbst eine derartige Alarmierung. Aus weiter Ferne drangen Gongschläge zu uns, die in grösserer Nähe und verschiedener Richtung wiederholt wurden. Sogleich war alles inKwing IrangsHause, neben dem meine Hütte stand, in heller Aufregung. Die jungen Männer legten ihr Kriegskostüm an und uns wurde ge meldet, eine Bandeajo̱, Kopfjäger, sei im Anzuge, worauf wir unser Licht auslöschten und unsere Gewehre zur Hand nahmen. Als der Sturm sich etwas gelegt hatte, und man die Töne besser unter schied, stellte es sich heraus, dass es keinajo̱-Signal bedeutete, sondern dass man die Gonge zur Vertreibung der Sturmgeister geschlagen hatte.

Das vollendete Haus von Kwing Irang.Das vollendete Haus vonKwing Irang.

Das vollendete Haus von Kwing Irang.

Das vollendete Haus vonKwing Irang.

Nachdem von den Batang-Lupar keine Gefahr mehr drohte, wandteKwing Irangalle Mühe an, um wenigstens einen Teil der Bevölkerung dazu zu bewegen, ein gemeinsames Haus am Mahakam zu beziehen, und noch im Jahre 1900 wurden einige Familien ersucht, sich mit den übrigen zu vereinigen. Die Furcht, der Stammesverband könnte sich lösen, bildete fürKwing Irangund die Seinen den Hauptbeweggrund, um den Bau des langen Hauses zu beschleunigen. Die Gleichgültigkeit der Kajan in Bezug auf das Zusammenwohnen erschien mir unbegreiflich, wenn ich an die wichtige Rolle dachte, welche der Häuptling und sein Haus im Stammesleben spielen.

Die Gründe, welche einen Stamm dazu bewegen, einen bestimmten Platz zum Bau seines Hauses zu wählen, sind sehr verschieden; auch die Dauer seines Aufenthaltes in einem Hause hängt von äusseren Umständen ab. Bei der Wahl eines geeigneten Bauplatzes ist man natürlich an die Grösse und Beschaffenheit des Geländes gebunden. Für eine grössere Niederlassung ist am oberen Mahakam ein geeigneter Boden sehr schwer zu finden, weil das Gebirgsland keine ebenen Flächen besitzt. Ferner müssen in der Nähe Ackergründe, die Jahre lang brach gelegen haben und wieder mit Wald bestanden sind, vorhanden sein. Auch müssen die Vorzeichen entscheiden, ob ein Gelände günstig ist, und beim Beginn des Baus darf kein schlechtes Omen vorkommen, weswegen es bisweilen sehr lange dauert, bevor man sich durch alle Schwierigkeiten hindurch gerungen hat.

In Anbetracht, dass der Bau einer Niederlassung sehr zeitraubend ist, kann er nur dann begonnen werden, wenn eine reiche Ernte einen zeitweiligen Überfluss bewirkt hat. Kommen Missernten, Krankheiten und andere Hindernisse vor, so kann es Jahre dauern, bevor die Häuser völlig hergestellt sind. Trotz aller mit dem Bau verknüpften Schwierigkeiten werden sie oft nur sehr kurze Zeit bewohnt.

Die Erschöpfung der umliegenden Ackergründe zwingt einen Stamm zwar erst nach Jahren zum Umzug, doch findet dieser oft schon lange vorher aus ernsteren Ursachen statt. Treten nämlich Krankheiten auf, die aussergewöhnlich lange dauern und eine grosse Sterblichkeit verursachen, so entschliessen sich die Bewohner leicht zum Verlassen des Hauses, um den Geistern der Umgebung, welche die Krankheiten erzeugten, zu entgehen. In ernsten Fällen sucht sich ein Stamm bereits nach 3 Jahren einen neuen Wohnplatz. Ich selbst erlebte, dass die Pnihing am Long Pakatè ihr grosses, starkes Haus 1897–1898 beendeten und bereits im folgenden Jahre provisorische Hütten weiter unten am Tjĕhan bezogen, um dort Material für den Bau eines neuen Hauses an der Mündung dieses Flusses zu suchen. Häufige Krankheits- und Todesfälle hatten hierzu die Veranlassung gegeben. Zu gleicher Zeit vollendeten die Pnihing von Long ’Kub ihr Haus, das sie ganz aus neuem Material aufgebaut hatten, zogen aber bereits 1901 nach einem Ort oberhalb der Kasomündung.

Die Wahl und Bearbeitung der erforderlichen Pfähle, Planken und Dachbedeckung gehört zum beschwerlichsten Teil des Hausbaus; man benutzt zwar so viel als möglich altes Material, aber dies ist meistens nach mehrjährigem Gebrauch nicht mehr verwendbar. Dieser ständige Wohnungswechsel beeinträchtigt die Arbeit der Dorfbewohner in hohem Grade, 60-jährige Leute haben in ihrem Leben 10 bis 12 Häuser erbauen helfen. Wo die Verhältnisse es erlauben, bauen Bahau und Kĕnja ihre Häuser vollständig aus Holz, das ineinander gefügt und mit Rotang gebunden wird. Daher findet man auch am oberen Mahakam, wo der Wald gross und die Bevölkerung relativ gering ist, ausschliesslich Holzhäuser; nur Plattformen und provisorische Gebäude werden bisweilen aus Bambus hergestellt. Anders verhält es sich in Gebieten, wie die am oberen Kajan, in denen seit Jahren eine dichte Bevölkerung lebt; dort werden wegen Holzmangels für die Dachbedeckung und die Wände grosse Baumblätter benützt, die auf bestimmte Weise aneinander gereiht und in Form von Mattenzusammengefügt werden. Palmblätter sah ich als Dachbedeckung nur für zeitweilige Hütten auf Reisen gebrauchen.

Wird ein Haus nicht von Feinden niedergebrannt, so benützt der Stamm, wie gesagt, die Eisenholzpfähle und Planken des alten Gebäudes für das neue, da diese ein Menschenalter überdauern können. Für das Gerüst verwenden sowohl Bahau als Kĕnja nie Bambus sondern stets Holz als Material.

Obgleich in der Konstruktion und in der Verteilung der Räume eines langen Hauses Unterschiede bestehen, ist die Einrichtung einer Familienwohnung doch überall ungefähr gleich. Da ich Gelegenheit hatte, die Kajan am Mahakam beim Bau ihrer Niederlassung zu beobachten, lasse ich hier eine Beschreibung desselben und der mit ihm verbundenen Gebräuche folgen. Besonders die mit dem Bau der Häuptlingswohnung zusammenhängenden Zeremonien werden dem Leser eine lebhafte Vor. Stellung von den zahlreichen Beschränkungen geben, durch welche dieadatdas ökonomische Leben der Bewohner Borneos beeinträchtigt.

Bevor die Kajan an den Hausbau gingen, suchten sie sich auf dem Grundstück, das für die neue Niederlassung gewählt worden war, einen Platz für ihre Privatwohnung aus. Jede Familie ist nämlich für den Bau ihres eigenen Hauses verantwortlich. Sie wählt sich stets Verwandte oder Freunde als Hausnachbarn aus, so dass z.B. in den verschiedenen langen Häusern des Dorfes ebensoviele durch Familien- oder Freundschaftsbande verbundene Gruppen wohnten.

Bei der Wahl des Platzes muss jedoch darauf geachtet werden, sass das Häuptlingshaus in der Mitte zu stehen kommt und zu beiden Seiten genügender Raum für die Wohnungen der Sklaven übrig bleibt, die rechts und links vom Häuptling bauen müssen. Die Form ihrer Wohnungen unterscheidet sich jedoch nicht von der der Freien.

Da das alte Kajanhaus verbrannt war, musste alles Material neu beschafft werden, und ich hatte bereits im Jahre 1896 Eisenholzpfähle im Blu-u liegen sehen, die später verwendet werden sollten.

Für die Pfähle und die Dachbedeckung der Häuptlingswohnung wird so viel als möglich Eisenholz benützt. Die langen, geraden Stämme der Tengkawangbäume dienen hauptsächlich als Dachsparren und Dielenbalken. Den Freien und Sklaven ist ausdrücklich verboten, Verzierungen aus Eisenholz und Dielenbalken ausTenkawang, oder, wie die Kajan sagen,Kawang-Holz herzustellen; dagegen ist ihnen gestattet,Tengkawang-Holz zu Schindeln zu verwenden.

Beim Sammeln des Materials müssen allerhand Vorschriften befolgt werden. Zur Zeit des Vollmonds darf nie etwas Wichtiges unternommen, also auch kein Haus gebaut werden, da es sonst verbrennen würde. Das Suchen von passenden Bäumen und deren Bearbeitung zu Pfählen, Brettern oder Schindeln erfordert eine genaue Beachtung der Zeichen destsit, tĕlandjang, kidjang, u.s.w. Ausserdem muss, je nach dem Zweck, den man mit dem Holz im Auge hat, besonderen Vorschriften nachgekommen werden. So dürfen z.B. aus einem Baum, auf dem viele Epiphyten, wie Orchideen, wachsen oder auf dem viele Ameisen umherlaufen, keine Schindeln verfertigt werden, wenn man nicht Epiphyten und Ameisen auch auf dem neuen Dache sehen will. Auch wenn ein kleiner Baum gegen einen grossen wächst oder wenn ein Baum rechtwinklig gegen den Ast eines benachbarten Baumes anstösst, ist er für Schindeln ungeeignet. Dielenbretter, die während des Transports, der fast immer zu Wasser geschieht, nass wurden, dürfen nicht mehr benützt werden.

In Bezug auf die Herstellung von Pfählen sind die Bestimmungen weniger zahlreich. Beim Fällen muss ein Baum vollständig seitwärts niederfallen; er darf dagegen nicht vom Stumpf abgleiten und dann stehen bleiben, wie es im dichten Walde leicht vorkommen kann. Ein solcher Baum darf weder für Häuser noch Böte noch andere Zwecke verwendet werden.

Jeder Bahau und Kĕnja hat das Recht, in den Wäldern innerhalb des Gebietes seines Stammes nach Belieben Bäume zu fällen; nur die grossen Tengkawangbäume, die in fruchtreichen Jahren einen ganzen Stamm mit Fett versorgen, werden meist geschont. Hat jemand einen Baum gefunden, der ihm zum Bau seines Hauses oder Boots geeignet scheint, so bezeichnet er denselben als sein Eigentum, indem er eine zwei Faden lange Stange in die Erde steckt und an den Stamm lehnt.

Sobald das Material zum Hausbau in genügender Menge zusammengebracht worden ist, wird eine Versammlung berufen, welche eine passende Zeit zum Beginn der Arbeit zu wählen hat. In der Regel fängt man mit dieser nach der Reissaat an, und wenn gute Erntejahre vorangegangen sind, da die Feldarbeit dann viel Zeit übrig lässt und Nahrungsmittel reichlich vorrätig sind. Ein Hausbau ist eine Angelegenheit des ganzen Stammes, indem jede Familie eicht nur für ihre eigene Wohnung zu sorgen hat, sondern sich auch am Bau des Häuptlingshauses beteiligen muss.

Sobald ein Grundstück gewählt worden ist, zieht der Häuptling mit den Oberhäuptern der Familien aus, um den Wald an der betreffenden Stelle zu fällen. Diese Arbeit bedeutet jedoch noch nicht den definitiven Anfang des Baus. Durch ungünstige Umstände gezwungen liessen die Kajan z.B. den Wald auf dem als Bauplatz gewählten Bergrücken an der Blu-u Mündung drei Mal wieder heranwachsen, nachdem sie ihn ebensoviele Mal gefällt hatten. Erst dann wagten sie es, sich dort endgültig ans Werk zu machen. Vor dem Beginn des Baus ziehen die meisten Familien, die dem Häuptling helfen und auch ihr eigenes Haus schnell errichten wollen, nach dem Bauplatz und stellen dort ein provisorisches Haus her, nach Art derlĕpo luma, aus altem Material (Siehe die kleinen Häuser aufTaf. 48 T. I).

Handelt es sich um den Bau einer neuen Niederlassung, so muss der Häuptling vor dem Anfang des eigentlichen Bausajo̱, d.h. die Geister in günstige Stimmung versetzen, indem er mit einem Menschenschädel eine bestimmte Zeremonie ausführt. Gegenwärtig wird dabei ein alter, von einem benachbarten Stamme geliehener Schädel benützt, wie es auch jetzt noch beim Ablegen der Trauer (be̥t lāli lumu) gebräuchlich ist. Diese Sitte deutet wahrscheinlich darauf hin, dass der Hausbau früher mit der Opferung eines Menschen eingeleitet wurde. Der Häuptling verrichtet diese Zeremonie für den ganzen Stamm.

Sowohl bei den Kajan als bei den anderen Stämmen ist es sehr gebräuchlich, dass die Dorfgenossen einander beim Hausbau Beistand leisten. Die gegenseitige Unterstützung wird mitpala-dowbezeichnet; den gleichen Namen tragen auch die Gehilfen. Die Familien beteiligen sich nicht nur am Bau des Häuptlingshauses, sondern sie versichern sich, auch wenn es den Bau des eigenen Hauses gilt, der Mitwirkung einer so grossen Anzahl von Männern, dass am gleichen Tage die alte Wohnung niedergerissen und die neue unter Dach gebracht wird. Wer an eine derartige Arbeitsweise nicht gewöhnt ist, staunt über die Leistungen, die auf diese Weise in einem Tage ausgeführt werden. Die weitere Bearbeitung findet später mit Hilfe einer kleineren Leutezahl statt. Besteht eine Familie aus nur wenigen Gliedern und nimmt deren täglicher Unterhalt fast alle Zeit in Anspruch, so dauert es Monate, bisweilen auch Jahre, bevor ihr Haus ganz fertig dasteht.

Obwohl beim Bau eines so grossen Hauses wie das vonKwingIrangvon einer schnellen Vollendung keine Rede sein konnte, wurde die Arbeit doch nach dem gleichen Prinzip vorgenommen. An bestimmten Tagen kam eine grosse Anzahl Männer zusammen, um eine bestimmte Arbeit auszuführen; nötigenfalls stellten sie sich auch noch am folgenden Tage ein, aber dann verging wieder eine lange Zeit, bevor sie fortfuhren. Sie mussten dazwischen neues Material sammeln oder sie hatten andere Dinge zu tun. Auch seine Sklaven liess der Häuptling nicht ständig arbeiten, obgleich sie immerhin durch Sie Herstellung von Brettern und Verzierungen mehr zu tun hatten als die übrigen Familien, die nur einen bestimmten Anteil zu liefern hatten.

Der Familie, die bauen lässt, fällt die Beköstigung ihrerpala-dowzu. Da beim Bau eines gewöhnlichen Hauses etwa 40 Mann mithelfen, bedeutet deren Ernährung eine grosse Last für die betreffenden. Dazu verursacht später die sorgfältige Bearbeitung des Hauses neue Kosten. Wenn sich der ganze Stamm am Bau des Häuptlingshauses beteiligt, müssen zur Beköstigung der Hilfskräfte mehrere Scheunen mit Reis geopfert werden. Die weiblichen Familienglieder und einige Sklavinnen sind bereits mehrere Tage vor Begin des Hausbaus mit dem Stampfen des Reises und die Männer mit dem Fang von Fischen als Zuspeise beschäftigt. Bisweilen wird auch zu diesem Zwecke einetuba-Fischerei in einem Bache veranstaltet. Die reichen, aus zahlreichen Gliedern bestehenden Familien unterstützen den Häuptling bei derartigen Gelegenheiten mit Reis und anderen Artikeln.

Wird für einen vornehmen Häuptling, wieKwing Irang, ein Haus gebaut, so kann dieser auch auf die Mitwirkung der benachbarten Stämme rechnen. Da alle Häuptlinge der Bahau am oberen Mahakam verwandt sind, hätte man ihre Unterstützung als eine Ehrenbezeigung ansehen können, die sie dem ältesten Familienglied,Kwing Irang, bewiesen. Es scheint jedoch, dass es sich hier eher um einen pflichtgemässen Beistand handelt; denn die Niederlassung Lulu Njiwung, deren junger unbedeutender HäuptlingDing Ngowan Vornehmheit der GeburtKwing Irangübertraf, weil er in gerader Linie von einem männlichen Häuptling der alten Long-Glat abstammte,Kwingdagegen in weiblicher Linie, durch seine Mutter, steuerte keinen Pfahl zum Hause bei, wie die Pnihing, Ma-Suling und Long-Glat von Long-Tĕpai es taten.

Zuerst mussten alle Pfähle, auf welchenKwing IrangsHaus ruhensollte, vom Fluss aus den 30 m hohen Hügelrücken hinaufgeschafft werden (SieheTaf. 48 T. I). Hierzu wurde ein 5–7 cm dicker Rotang durch das Loch gezogen, das bereits im Walde in das obere Ende der schweren Balken gebohrt worden war. An diesem Kabel zogen 20–30 Mann einen Pfahl den Hügel hinauf, während andere ihn an der Spitze durch, untergeschobenen Rotang hoben oder ihn über Rollen gleiten liessen.


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