Abschied von Tanah Putih am 4. November—Im Lagerplatz am Kajan—Wiederholter Aufenthalt durch schlechte Vorzeichen—Zusammentreffen mit den Kajan in Long Laja—Geologische Verhältnisse im Laja—Aussichtsposten auf der Wasserscheide—Abstieg zum Mĕsĕai—Aufenthalt wegen Hochwasser—Umschlagen eines Bootes im Kiham Puging—Jagd auf Wildschweine—Ankunft am Mahakam—Besuch beiBarthin Long Iram—Abschied vonKwing Irang—Auflösung der Expedition in Samarinda—Ankunft in Batavia am letzten Dezember 1900.
Abschied von Tanah Putih am 4. November—Im Lagerplatz am Kajan—Wiederholter Aufenthalt durch schlechte Vorzeichen—Zusammentreffen mit den Kajan in Long Laja—Geologische Verhältnisse im Laja—Aussichtsposten auf der Wasserscheide—Abstieg zum Mĕsĕai—Aufenthalt wegen Hochwasser—Umschlagen eines Bootes im Kiham Puging—Jagd auf Wildschweine—Ankunft am Mahakam—Besuch beiBarthin Long Iram—Abschied vonKwing Irang—Auflösung der Expedition in Samarinda—Ankunft in Batavia am letzten Dezember 1900.
Bei unserem Abzug aus der Niederlassung waren alle Bewohner auf den Galerien versammelt, um uns fortgehen zu sehen. So stiegen wir schnell zu derkubuhinauf, von der aus wir vor zwei Monaten zum ersten Mal Tanah Putih erblickt hatten und fanden dort die Malaien und jungen Trägerinnen, die auf uns warteten. Von hier aus schickten wir alle Kinder zurück, die uns vom Dorfe aus begleitet hatten. Da der Weg bis zum Kajan nicht weit war, betrachteten wir mit Musse das Panorama von Apu Kajan, bevor uns der dunkle Wald diesen Anblick ganz entzog.
Am Fluss boten uns einige alte Hütten der Kajan einen vorläufigen Schutz gegen die Sonne und dort sassen wir inmitten unserer Trägerinnen und anderer, die ihre Freunde, unsere Malaien, begleitet und zum Abschied deren Körbe hatten tragen helfen. Die fröhliche Gesellschaft bot ein sehr anziehendes Bild, das eine angenehme Erinnerung an unseren Aufenthalt bei den gutherzigen Kĕnja zurückliess. Die bedrückten Gesichter einiger unserer jungen Malaien und Bandjaresen bewiesen, wie schwer ihnen der Abschied fiel; selbst der etwas blasierteAnang, ein junger Mann, der bereits weit umhergeschweift war und viel durchgemacht und auch diese Reise nur mit Widerwillen angetreten hatte, vergoss zur Freude der Anwesenden viele Tränen bei der Trennung von seinem Mädchen. Wahrscheinlich hatten alle diese Leute in ihrem Leben noch nicht so viel aufrichtige Sympathie erfahren wie hier in Apu Kajan. Erst gegen Mittag kehrten die meisten Mädchen ins Dorf zurück und konnten wir unsere Hütten etwas einrichten lassen.
Am anderen Morgen machten uns unsere kleinen Freunde und Freundinnen unter der Obhut eines alten MannesPiat Laweiwieder einen Besuch und blieben, bis der Hunger sie um die Mittagszeit ins Dorf zurücktrieb. An diesem Morgen waren die Männer von Tanah Putih mit den beiden HäuptlingenBitundAbing Djalongbereits vor Sonnenaufgang, also vor dem Erwachen der Vögel, aufgebrochen, um von diesen keine schlechten Vorzeichen zu erhalten. Sie liessen sich vorübergehend in unserer Nähe nieder und berieten dort mit dem erfahrenenPiat Lawei, wie sie die Hütte der Männer aus Long Nawang, ohne böse Omina zu riskieren, erreichen könnten. Bei mir waren sie vorläufig sicher, denn meine Trägerinnen hatten unterwegs für mich ein günstigesjo̱hgefunden. Als mein Hund Bruno abends fortlief, wahrscheinlich ins Dorf zurück, boten sich sogleich einige junge Malaien an, ihn zu holen, doch wollten sie erst am folgenden Morgen zurückkommen, was ich ihnen auch erlaubte.
Am 6. November gingen die Kĕnja etwas höher am Fluss hinauf, um ihre Hütte zu bauen und von dort aus ein Zeichen zu finden, das ihnen in die Hütte der Männer aus Long Nawang einzutreten erlaubte.
An diesem Abend war unser zweiter Hund Putih ebenfalls ins Dorf zurückgelaufen und wiederum baten mich viele Malaien, ihn holen und die Nacht im Hause ihrerse̥bilăhzubringen zu dürfen. Ich gab nur wenigen hierzu die Erlaubnis, um nicht mit zu kleinem Personal zurückzubleiben, und weil ich fürchtete, die Malaien könnten zum Schluss noch Unruhe in Tanah Putih stiften. Etwas später bemerkte ich jedoch, dass nicht nur der Hund, sondern fast alle jungen Malaien weggelaufen waren und diese Nacht nicht zurückkehrten.
Um grösserem Ungehorsam vorzubeugen, bestrafte ich die Schuldigen mit einer Busse von 10 Gulden pro Mann und dem besten von ihnen,Saïd, nahm ich das Gewehr ab, das er trug, und übergab es einem der älteren Malaien, um ihn so von der Schwere seines Vergehens zu überzeugen. Die Strafe war hart, aber mein Personal war nicht zuverlässig genug, um ihm in dieser Umgebung ungebundene Freiheit gewähren zu können. Die Männer konnten sich übrigens nicht über Einsamkeit beklagen, denn morgens kamen eine Menge junger Mädchen ihre Freunde im Lager aufsuchen, ausserdem stellten sich viele ältere Männer, Frauen und Kinder von den Reisfeldern aus der Umgegend ein und gingen erst abends wieder fort. Ein kleiner Junge brachte mir einen grossen Bambus vollburăk, süssen gegohrenen Reis, den ihmUngan, seine 19 jährige Schwester, die ich nach einer Hüftgelenkentzündung wieder zum Gehen gebracht hatte, für mich mitgegeben, da sie selbst den weiten Weg zu mir noch nicht zurücklegen konnte. Etwas Perlen hatte ich glücklicherweise noch gespart, so dass unser Lager den Kindern noch besonders anziehend vorkam; sie zwangen auch stets einige ältere Leute als Begleitung zum Mitgehen. Dank der Freundlichkeit der Besucher genossen wir auch noch hier in der Wildnis von den Leckerbissen, welche ein Kĕnjadorf produziert.
Der Kajan stand an diesem Tage infolge eines heftigen Ungewitters, das am Abend zuvor gewütet hatte, sehr hoch, das tröstete uns über den Aufenthalt, denn die Kĕnja hätten uns an diesem Tage, durch ihre Vogelschau aufgehalten, doch nicht weiter bringen können. Unangenehmer war es, dass wegen des Hochwassers keine Fische gefangen wurden und wir den Hauptbestandteil unserer Mahlzeiten missten.
Für den folgenden Tag war abgemacht worden, dass die Kĕnja uns in ihre Hütte abholen sollten, wo sie bereits zwei Nächte verbracht, aber doch wenigstens ein gutes Vorzeichen gefunden hatten. In Tanah Putih wusste man von unserer Abreise, aber trotzdem kam früh morgens noch ein kleines Mädchen mit ihrer Mutter, mich um etwas Perlen zu bitten, und etwas späterApui, der kleine Bruder meiner PatientinUngan, der mir zum Abschied noch einen zweiten dicken Bambus mitburăkfür die Reise brachte.
Gegen 10 Uhr kamen die Kĕnja herunter, um uns hinauf zu bringen. Die Uma-Tow von Long Nawang ruderten uns aufwärts, währendBitmit den Leuten von Tanah Putih zum Dorfe weiterging, um ihren Reis für die Reise abzuholen. Sie wagten jedoch nicht, die Niederlassung zu betreten, weil ein Mann dort im Sterben lag und sie durch dessen Tod zurückgehalten zu werden fürchteten.
Da man mich nur ein Stück weit den Fluss aufwärts gebracht hatte und jetzt ein neuer Aufenthalt drohte, beschloss ich, die Malaien mit so viel Gepäck, als sie mitnehmen konnten, voraus zu senden. Sie machten sich am anderen Morgen in Gesellschaft der Kĕnja auf, die ihren Reis voraustragen wollten, doch kehrten diese zurück, nachdem sie die schlechten Prophezeiungen eines Vogels vernommen hatten. Auch am anderen Tage, dem 10 Nov., sahen sie morgens bei ihrem erneuten Versuch, mit ihrem Reis den Fluss hinaufzufahren, ein schlechtes Vorzeichen, aber ich drang darauf, dass sie wenigstens mich und meinGepäck an diesem Tage weiter hinauf brachten, ihren Reis konnten sie dann später hinaufschaffen. Glücklicherweise gingen sie hierauf ein unter Leitung vonIbau Anjèund den Männern von Long Nawang, die bereits alle ihre guten Vögel gefunden hatten. Sie brachten uns mit Hab und Gut bis oberhalb des Batu Plakau und zu meiner Verwunderung transportierten sie auch ihren Reis bis unterhalb dieser Wasserfälle, obgleich sie selbst in der Hütte weiter unten am Fluss übernachteten. Sie schleppten auch noch ein Boot hinauf, in demIbau AnjèundLalauweiter fahren sollten, umKwingmit den Seinen von unserer Ankunft zu benachrichtigen. Sie kehrten jedoch an diesem Tage nicht wieder zu uns zurück, augenscheinlich hatten sie die Kajan nicht mehr bei Long Danum gefunden, wo wir sie noch gelagert glaubten.
In der Frühe am folgenden Morgen begannen die Kĕnja ihren Reis den Wasserfällen entlang hinaufzutragen, wobei einige von ihnen 4 Mal den Weg zurücklegten. Dasjo̱hwar wieder ungünstig gewesen, daher waren die Häuptlinge an der Stelle, wo sie es bemerkt hatten, einige Landzungen weiter unterhalb des Landungsplatzes bei Batu Plakau, zurückgeblieben. Man beabsichtigte jedoch am anderen Tag die Böte über die Fälle zu ziehen.
Diejenigen, die bereits früher ein gutes Vorzeichen gefunden hatten, stiessen sich an diesem Tage nicht an dem MisserfolgBitsund seiner Leute, sondern zogen mit ihren Böten bis oberhalb der Wasserfälle, wo sie sich bei mir lagerten.
Unter all diesem Warten auf Vögel und Rehe hatten wir reichlich Gelegenheit, unsere Umgebung zu studieren, aber unter dem Eindruck der Heimreise nach der sehr langen Abwesenheit und des langen Zögerns der Kĕnja wurde an ernster Arbeit nicht mehr viel geleistet.Demmenimachte nur noch eine Aufnahme von dem merkwürdigen Bootsweg und ich suchte einen Einblick in die Formation des Batu Plakau zu gewinnen, von dem ich mehrere Gesteinsproben mitnahm. Abends kehrtenLalauundIbau Anjèmit dem Bericht zurück,Kwingund sein Gefolge hätten bereits das Lager am Long Lāja bezogen, der Häuptling und die meisten seiner Leute befänden sich wohl,Bang Awanwäre nochmals bei den Uma-Bom Reis holen gegangen und die Kajan wollten mich am anderen Tage abholen, da sie mit Ungeduld auf das Heimkommen warteten.
Am 12. November kamen in der Tat zwei Böte mit den Kĕnjaaus Tanah Putiti zu uns herauf, aberBit, der dabei war, sagte, er müsse noch dableiben und auf seinen Vogel warten, der vor ihm quer über den Fluss geflogen war. Später hörte ich, dass er auch einen schweigendente̥olao̱, (kidjang) gesehen hatte, so dass er ernstlich daran dachte, nach so vielen bösen Omina endgültig heimzukehren. Ich erklärte ihm jedoch, unmöglich länger auf ihn warten zu können, weil unser Reisvorrat bereits so weit geschmolzen war, dass er für unser grosses Personal kaum noch genügte. Da auch die Kĕnja von Long Nawang aus diesem Grunde sehr ungeduldig geworden waren, äusserte ich die Absicht, mit diesen und den Kajan allein die Reise weiter fortsetzen zu wollen.Ibau Anjèwar im Zwiespalt: er hatte früher unter guten Vorzeichen die Hütte der Long Nawang erreicht, aber jetzt befand sich sein Gepäck noch hinter der Stelle, wo sich das schlechtejo̱hgezeigt hatte, so dass er eigentlich umkehren musste. Mit Hilfe der Kajan, die in der Tat eingetroffen waren, brachte man mein langes Boot noch an diesem Abend über die Wasserfälle. Es befand sich jetzt eine genügende Anzahl Böte über den Fällen, um weiterfahren zu können, und als am anderen Morgen auchBang Awanvon den Uma-Bom eintraf, luden wir bis 10 Uhr morgens alles Gepäck in die Fahrzeuge und fuhren den Fluss weiter hinauf bis 3 Uhr mittags, wo wir Hütten der Kajan fanden, die nur einer Bedeckung mit Segeltuch bedurften, um uns noch vor Einbruch der Nacht ein Asyl gewähren zu können. Wir waren durch sehr flaches Land gefahren, an dessen Ufern nur hie und da stark verwittertes Gestein blosslag, das regelmässige dünne Schiefer zeigte, mit einem Fallen von 60°—90° nach Süden und einem Streichen von 225°—242°. Bei dem niedrigen Wasserstande trafen wir nur wenige schwache Stromschnellen, so dass der Fluss hier einen ganz anderen Charakter als unterhalb Batu Plakau trug, wo der Fall sehr stark war.
Bang AwanundAnjang Njahuhielten es für notwendig, nachts bei uns zu schlafen, um uns nicht allein unter den Kĕnja zu lassen, eine durchaus überflüssige Massregel. Wir bemerkten noch an diesem Abend, wie die Kĕnja die wenigen Fische, die sie gefangen hatten, uns zu unserer Abendmahlzeit gaben, während die Kajan nur von ihrem Überfluss mitzuteilen pflegten. Dass sie ihren Egoismus selbst empfanden, bewiesen sie dadurch, dass sie über die geschenkten Fische und die Kĕnja selbst gehässige Bemerkungen zu machen anfingen. Ich erfuhr erst an diesem Abend, dass bei den Kajan, während sie beiLong Danum lagerten, ein Mann gestorben war. Seinen Namen wollte man mir nicht gern nennen, da ich ihnen vorhergesagt hatte, dass der Mann sterben würde, falls sie ihn mit in den Wald nähmen, alsKwing Irangaus Tanah Putih entfloh. Auch dieser Mann litt damals schwer am Fieber, das etwas abzunehmen begann, als man ihn meiner Behandlung entzog. Merkwürdigerweise wagteAnjang Njahuzuzugeben, dass ihr Landsmann durch ihre eigene Schuld gestorben war.
Der Wunsch, rasch vorwärts zu kommen, der alle beseelte, äusserte sich darin, dass unser Geleite anderen Tags bereits vor Sonnenaufgang gegessen hatte, dass wir unser Frühstück für später mit ins Boot nahmen und die Flotte sich bereits um 6 Uhr in Bewegung setzte. In ruhiger Fahrt ging es den Kajan aufwärts, bis wir gegen Mittag bei Long Lāja ankamen, wo wir im Kajanlager alles in Ordnung fanden. Man schien zu fürchten, dass ich über ihre Flucht, den Tod des Mannes und ihr eigenmächtiges Vorausfahren etwas bemerken würde, aber ich war zu froh, schon so weit gefördert zu sein undKwing Iranggesund anzutreffen, und schwieg daher. Wie ich im Lauf des Tages merkte, hatte der Häuptling alle Mühe gehabt, seine Leute davon abzuhalten, schnurstracks zum Mahakam weiterzuziehen und nicht auf mich zu warten, unter dem Vorwande, dass ich die Kĕnja doch nicht schon nach zwei Monaten verlassen würde.Kwinghatte grösseres Vertrauen bewiesen und war nun sehr froh, dass ich mich an die Vereinbarung gehalten hatte. Abends langtenBitundIbau Anjèin unserem Lager an; sie wollten trotz der schlechten Vorzeichen die Reise doch wagen. Auch diese beiden fürchteten, dass ich über die mannigfachen Hindernisse, die sie mir in der letzten Zeit in den Weg gelegt hatten, zürnte; so erklärte ich ihnen am anderen Morgen ausdrücklich, dass von einem Zürnen nicht die Rede sei, weil ich mich sehr gut in ihre Schwierigkeiten hineinversetzen könne. Die beiden Häuptlinge hatten nicht gewagt, auch ihre Untergebenen trotz der schlechten Vorzeichen mit auf die Reise zu nehmen, doch hatten sie diese nur mit Mühe zu einer Rückkehr nach Tanah Putih bewegen können. Sie selbst fassten jetzt den Zug als einen Kriegszug auf, bei dem sich die Kĕnja nötigenfalls nicht an die Vorzeichen zu halten brauchten.
Am 15. Nov. holten Kajan und Kĕnja alles was an Gepäck und Reis beim Batu Plakau zurückgeblieben war, in einem Tag herauf, während unsere Malaien ihre Lasten den Lāja hinauf bis auf die Wasserscheidetrugen. MitKwingund einigen anderen verbrachten wir einen ruhigen Tag im Lager, woBang Awanuns abends mit einem Wildschwein, das er erlegt hatte, ein gutes Mahl besorgte.
Unsere Kajan hatten augenscheinlich von den Kĕnja im gegenseitigen Hilfeleisten etwas gelernt, denn zu meinem Erstaunen halfen sieBitundIbauauch noch am zweiten Tag ihren Reis von unten abzuholen; vielleicht taten sie dies auch mit Rücksicht auf unseren sehr kleinen Reisvorrat. Da auch die von Long Nawang in einem Boote mitfuhren, liess die Eintracht zwischen den verschiedenen Teilen meines Personals nicht viel zu wünschen übrig. Mit dem Rest der Kajan und Kĕnja und den Malaien, die alle unser Gepäck tragen mussten, verliessen wir nun den Kajan und zogen den Lāja aufwärts. Gegen Mittag erreichten wir bereits die Wasserscheide,ngālăng hăng, auf der ich die Zeit, die während des Gepäcktransportes für uns übrig blieb, zu einer übersichtlichen Aufnahme des Landes verwenden wollte. Wir zogen daher nicht weiter, sondern liessen unsere Männer schnell ein Lager aufschlagen.
Ich hatte jetzt zur Untersuchung des im Lāja blossliegenden Gesteins mehr Musse als auf der Hinreise. Es bestand im allgemeinen aus Schiefern, doch waren diese so verwittert, dass ihre Art nicht mehr festzustellen war. Die Lagen strichen hier, wie auch im Kajan, von Ost nach West, in derselben Richtung wie die Wasserscheide. Überdies zeigten sie regelmässig einen Fall nach Süden. Mit den dünnen Schiefern wechselten bis 1 dm dicke Schichten, von mehr sandigem Aussehen, ebenfalls stark verwittert. Im allgemeinen weist die Art des Vorkommens des Gesteins in dem von uns durchzogenen Gebiet darauf, dass die Wasserscheide zwischen dem Mahakam- und Kajangebiet in diesem Teile in der gleichen Richtung verläuft, wie die Gesteinslagen und dass diese alle unter sehr grossen, aber sehr verschiedenen Winkeln nach Süden abfallen. Hiermit steht vielleicht in Zusammenhang, dass, während das wasserscheidende Gebirge sich nach Süden in zahlreichen, gleichlaufenden Rücken senkt, dies im Norden nicht der Fall ist. Vom Kajangebiet, also von Norden, sieht das Wasserscheidegebirge wie eine hohe, steil ansteigende Wand aus, und einige Teile, wie der Tĕlujön, wo der Kĕdjin entspringt, gleichen einem Hochplateau, das steil nach Norden abfällt. Die Kĕnja nennen es daher auch Lasan (Fläche).
Noch am gleichen Tage suchte ich von dem Gipfel eines benachbarten,südlichen Nebenrückens aus eine Aussicht zu gewinnen oder festzustellen, wie viel ausgehauen werden musste, um diese möglich zu machen. Das Resultat war nicht ermutigend, denn wir standen auch auf dem höchsten Punkt in hohem Walde und das Gelände erwies sich als so flach, dass an ein schnelles Abholzen dieses Punktes nicht zu denken war. Der daneben liegende, mehr östliche Rücken, über den der Weg zum Mĕsĕai führte, versprach nur nach einer sehr gründlichen Abholzung eine Aussicht nach Süden, und auch dann noch blieb es fraglich, ob die vielen zum Oga hinablaufenden Rücken den Ausblick nicht zu sehr beeinträchtigen würden. Daher beschloss ich am folgenden Tage, einen Teil der Männer im Gipfel eines passenden Baumes einen Aussichtsposten bauen zu lassen, während der übrige das Gepäck weiter zum Mĕsĕai beförderte und dort blieb, um die Böte in Ordnung zu bringen und nötigenfalls unsere Hütten auszubessern. Einen Teil der Träger, vor allem die Malaien, liess ich jedoch wiederkommen, damit nicht zu viel Gepäck zurückblieb. Sie stellten sich auch abends wieder im Lager ein, aber äusserst ermüdet.
Gegen Sonnenuntergang lag eine prächtig helle Atmosphäre über der Landschaft, die mich lebhaft bedauern liess, von dieser seltenen Gelegenheit keinen Gebrauch machen zu können, weil der Beobachtungsposten noch nicht vollendet war. Der hierfür ausgesuchte Baum stand auf dem höchsten Punkt des Rückens und bot die Möglichkeit, in 16 m Höhe eine Plattform zwischen seinen Ästen zu bauen, nachdem die grössten entfernt worden waren.
Der Baum stand etwas geneigt über einem sehr tiefen Abgrund; da sein schwerer Gipfel fortgenommen war, konnte er an Stelle desselben sehr gut einige Menschen tragen, nur mussten diese das unangenehme Gefühl überwinden, hoch in der Luft über der Tiefe zu schweben. Ein geeigneterer Baum war jedoch nicht zu finden, ausserdem bot dieser noch den Vorteil, dass zwei kleine Bäumchen, die sich an seinen Stamm lehnten, sich als Seitenteile einer Leiter eigneten, an der nur einige Sprossen befestigt zu werden brauchten, um den Baum bis auf ¾ seiner Höhe besteigen zu können. Weiter oben mussten wegen einer unbequemen Drehung des Stammes einige kleine Leitern schräg über einander angebracht werden, was uns nicht akrobatisch veranlagten und ausgerüsteten Europäern die Besteigung des Aussichtspunktes etwas erschwerte.
Das Bauwerk kam mit Hilfe einiger Kĕnja und Malaien gut zustande,und obgleich die Besteigung desselben einige Selbstbeherrschung verlangte, war die Aussicht doch in hohem Masse genussreich, besonders nach dem langen Aufenthalt unten im Walde, wo man sich auch in dem interessantesten Gebiet mit der nächsten Umgebung zufrieden stellen muss. Der Ausblick war nach verschiedenen Richtungen grossartig, hauptsächlich zu beiden Seiten über die Wasserscheide; nach Süden blieb der Blick jedoch, auch nachdem die wichtigsten der benachbarten Bäume gefällt worden waren, beschränkt, weil sich nicht nur im Osten ein hoher und vor allem langer Nebenrücken nach Süden hinzog, sondern auch im Westen ein noch höherer und längerer erhob. Nach Aussage der Kĕnja verläuft dieser Rücken zwischen dem Tĕmha, der östlich, und dem Oga, der westlich von ihm entspringt. Der Batu Pusing, auf dem der Oga seinen Ursprung nehmen muss, war denn auch mit seinen beiden kubusförmigen Gipfeln in nicht zu grossem Abstand im Westen zu sehen. Diese beiden Rücken verschlossen die Aussicht nach Süd-Westen und Süd-Osten und nur im Süden durften wir hoffen, abends einige Punkte anpeilen zu können. Wir sahen auch in der Tat abends den Batu Ajow und den Batu Lĕsong, aber in so grossem Abstand, dass ein Anpeilen von zwei Punkten auf ihm wertlos gewesen wäre. Unser Versuch, die Wasserscheide hier topographisch festzusetzen durch eine Aufnahme im Mahakamgebiete mittelst direkter Peilung scheiterte also. Leichter war es eine Übersicht über das Gebirge der Wasserscheide nach Osten und Westen zu gewinnen. Nach Osten traf der Blick ein 1500–1600 m hohes Bergmassiv, das sich zwar in nördlichen und südlichen Rücken fortsetzte, aber doch mehr den Eindruck eines selbständigen Hochlandes machte. Dies war der Batu Okang, auf dem nach Westen der Boh entspringt, nach Norden der kleine Kajan oder Kajan Ok und, wie die Kĕnja behaupten, der Tawang nach Süd-Osten.
In westlicher Richtung erhoben sich im Gebiet, wo der Kajan entspringt, mehrere isolierte Gipfel und hinter diesen lag der schon genannte Batu Pusing, der durch die eigentümliche Form seiner Gipfel, die zwei Kuben bilden, von allen Seiten leicht erkennbar ist. Da wir uns in relativ kleiner Höhe befanden, blieb der dahinter liegende Teil der Wasserscheide mit dem Batu Tibang unserem Auge verborgen. Wohin der Blick auch fiel, traf er einen ununterbrochenen Urwald; kein einziger Felsen trat aus der finsteren, dunkelgrünen Masse hervor, die nur durch die leicht gewölbte Oberfläche der höchstenBaumgipfel und die Verschiedenheit der grünen Tinten einige Abwechslung bot. Mit angstvollem Interesse sahen die Kajan und Kĕnja aus, ob nicht irgendwo ein menschliches Zeichen zu sehen war, aber selbst kein Rauchwölkchen unterbrach die feierliche Ruhe der Umgebung.
Von hier aus gesehen erschien auch das ganze Land von Apu Kajan als ein nur mit Hochwald bedecktes Gebirge, über welches man eine gute Übersicht genoss. Hauptsächlich trat das Stromgebiet des Nawang mit dem dahinter liegenden hohen Gebirge in Form einer Pyramide mit sehr breiter Basis gut hervor; desgleichen verschiedene andere Gipfel, die wir von Tanah Putih aus gesehen hatten.
Karte des Kĕdjin, gezeichnet von einem Kĕnja.Karte des Kĕdjin, gezeichnet von einem Kĕnja.
Karte des Kĕdjin, gezeichnet von einem Kĕnja.
Karte des Kĕdjin, gezeichnet von einem Kĕnja.
Des Abends langten bei uns noch einige Männer aus Long Nawang an und brachten uns allerhand Neuigkeiten von den Kĕnja. Am meisten interessierte es uns, dassIbau Anjèmit einigen Leuten unterwegs war, infolge seiner schlechten Vorzeichen aber die Mündung des Lāja noch nicht erreicht hatte. Ferner war der Häuptling der Uma-Kulit, der meinen Brief an den Radja nach Long Balaga, dem ersten Posten von Sĕrawak, gebracht hatte, von dort mit dem Bericht zurückgekehrt, der dortige Befehlshaber habe nach Empfang meines Schreibens gesagt, dass jetzt, wo der “Tuwan Dokter” in Apu Kajan sich befinde, der Radja dort nichts mehr zu schaffen haben werde, also eine zweite für die Kĕnja sehr beruhigende Nachricht. Zu den minder günstigen Berichten gehörte, dass die Punan-Lisum in einem Nebenfluss des Batang-Rèdjang die Besatzung zweier Böte der Batang-Lupar ermordet hatten und darauf mit Weibern und Kindern ins Kĕdjingebiet geflohen waren. Wohin, das wusste oder sagte man nicht.
Am 19. Nov. sassen wir des Morgens völlig in Nebel gehüllt und mussten lange warten, bis er sich verzog, auch versprachen die Peilungen sehr wenig Nutzen, so dass ich mit den neuangekommenen Uma-Tow aus Long Nawang, die auch noch tragen helfen konnten, weiter nach dem Mĕsĕai zu ziehen beschloss. Da ich den Landweg noch mit Handbussole und Uhr aufnahm, dauerte mein Abstieg zu unserem Lager am Mĕsĕai etwas länger, etwa 4 Stunden. Die Mannschaft begann sogleich die Böte in Ordnung zu bringen; die zurückgelassenen Sachen fanden wir unbeschädigt wieder und auch an unseren Böten hatte man sich nicht vergriffen, nur war ein Baum umgestürzt und hatte dabei ein Boot zerschmettert.Doris, der mit dem ersten Vortrupp sogleich bis hierher durchmarschiert war, zeigte mir triumphierend eineBang-e̱-u, ein stahlblaues Huhn mit ganz weissem Schwanz,das wir auf dieser Reise noch nicht hatten fangen können. Das Tier war von der gegenüberliegenden senkrechten Uferwand in den Fluss gestürzt und, während es durchnässt das Ufer hinaufzulaufen versuchte, von unserem Hunde Putih gepackt worden. Die leuchtende Schönheit dieses Bewohners unserer finsteren Umgebung wirkte auf alle sehr ermunternd, und selbst der gleichgültigeDoris, der wie wir alle nach dem Ende der Reise schmachtete, machte sich doch mit Eifer an die Präparation des Balgs, obgleich das Trocknen sehr viele Schwierigkeiten verhiess.
Bereits bei der Mahlzeit merkten wir, dass wir uns wieder im fischreichen Mahakamgebiet befanden, denn die Kĕnja brachten uns einige schöne Exemplare. Sie hatten ihre neuen Böte beinahe ganz fertig gestellt und waren die letzten zwei Tage von den Kajan bei der Arbeit gut unterstützt worden, was ich von diesen nur auf den eigenen Vorteil bedachten Leuten kaum erwartet hatte.
Den 20. Nov. stellten sich des Morgens früh 35 Mann der Long-Nawang, die Guttapercha gesucht hatten, aus dem Walde bei uns ein und boten mir einige schöne Stücke als Willkommgruss an. Ich suchte jedoch nur ein Stück als Muster aus und gab ihnen den Rest zurück, damit sie ihn am Mahakam verkauften. Da sie uns aber durchaus eine Freude bereiten wollten, zogen sie wieder in den Wald und stellten einige Bretter als Unterlagen für unsere Matratzen her, wie ihre Häuptlinge sie zum Schlafen benützen. Abends brachteBang Awanein Schwein von der Jagd heim und am anderen Tage glückte esAbdul, den ich, um einige seltene Pflanzen zu sammeln, den Berg hinaufgeschickt hatte, ein zweites Schwein zu erlegen. Zu ihrer grossen Freude gab ich den Kĕnja die Vorderhälfte der Tiere und liess das übrige Fleisch als Reisevorrat für uns räuchern und das Fett als Bratspeck auskochen, weil das Kokosnussöl, das wir hier zurückliessen, ranzig geworden war.
Die Kajan fühlten sich augenscheinlich in einem Kreise, in dem man einander so freigebig aushalf, beschämt, wenigstens zogKwingmit den Seinen nach der Mündung des Mĕsĕai voraus, um mein grosses Boot, das wir dort im Walde verborgen hatten, zu Wasser zu lassen und nötigenfalls auszubessern.
Den 22. sandte ichDĕlahit,Lalauund einen dritten Malaien,Tagap, aus, um nachzuforschen, woIbauundBitmit ihremjo̱hgeblieben waren, ob sie sich auf den Heimweg gemacht hatten oderlangsam herauf zogen, da die Kĕnja mit ihren Böten zur Abfahrt beinahe fertig waren.Taman Tanjit, der Häuptling der Männer von Long Nawang, bereitete sich auch darauf vor, den grossen Geist, der in diesem Gebiet zwischen Mahakam und Kajan hauste, von seinem geplanten Zug mit uns den Fluss abwärts zu benachrichtigen. Der Geist hiesspe̥lakiund alle, die von Apu Kajan aus hier vorüber reisten, riefen ihn an und opferten ihm. AuchTaman Tanjitspendete ihm am folgenden Tage mit den Seinen ein Opfer, wonach er sich zur Abfahrt bereit erklärte.
Abends kam auchDĕlahitmit einem Kĕnja zurück und meldete, dass sieBitundIbauauf dem Lāja begegnet wären, und dass diese uns mit 8 der ältesten Männer auf BefehlBui Djalongstrotz ihrer schlechtenjo̱hfolgen mussten. Sie führten jedoch so viel Reis und anderes Gepäck mit, dass sie nur langsam über Land vorwärts kamen und daher um Hilfskräfte baten.LalauundTagapwaren bei ihnen geblieben. Da die Kĕnja, nachdem sie bereits mit dem Geistpe̥lakigesprochen hatten, nicht mehr über die Wasserscheide zurück durften, sandte ich den Zurückgebliebenen 9 Malaien, die sich hierzu voller Eifer bereit erklärten. Sie mussten am 28. jedoch bis über diengālăng hāngzurückgehen, bis sie der Gesellschaft begegneten, daher langten sie mit dieser erst abends bei uns an.BitundIbauboten uns bei ihrer Ankunft von neuem ein Geschenk an, zwei grosse Packen Reis, die uns sehr zu statten kamen, da das viele Warten auf allerlei Umstände und Menschen meinen Vorrat beinahe erschöpft hatte.
Das Wasser stand am 25. infolge vieler Regengüsse eigentlich zu hoch, doch unternahmen wir trotzdem die Talfahrt auf dem Mĕsĕai. Ich hatte die Kajan hiervon über Land benachrichtigen lassen, daher erwarteten sie uns alle oberhalb des Gesteinschaos an der Mündung, über welches die Böte nur mit vieler Mühe zu bringen waren. Zum Glück half der hohe Wasserstand, doch erforderte mein langes Boot trotzdem noch die Hilfe des ganzen Personals. Im Mĕsĕai bestand das Gestein, wie nördlich von der Wasserscheide, aus Schiefem, die nach West-Ost strichen und nach Süden fielen. Nur bei der Mündung lag dazwischen eine mehr als 50 m dicke Sandsteinschicht mit demselben Streichen und Fallen. Die Blöcke dieser Schicht versperrten den Fluss und verursachten die Wasserfälle.
Unterhalb der Mĕsĕaimündung lagen die Böte der Kajan bereits fertig gepackt, daher ging es sogleich weiter. AuchBitundIbauzogen gleich mit, da wir sie mit den Ihren in mehrere Böte hatten verteilen können. Infolge des sehr hohen Wasserstandes im Tĕmha waren sehr viele Schnellen unsichtbar, aber das Wasser trug uns mit grosser Geschwindigkeit über sie hinweg, nur war in dem engen Fahrwasser eine besondere Aufmerksamkeit und Anstrengung des Bootsvolks erforderlich.
Um 2 Uhr gelangten wir an eine Stelle, genannt Long Sĕripa, die einzige, an der wir den Kĕnja zufolge an diesem Tage würden lagern können, und so mussten wir uns zum Aufschlagen des Lagers entschliessen. Nachts regnete es heftig und der Fluss stieg so stark, dass wir nicht weiterfahren durften und daher einen Tag liegen blieben. Gegen ½ 11 Uhr hörten wir von oben ein Geräusch und gleich darauf schossen die Böte der Männer von Long Nawang in beängstigend schneller Fahrt an uns vorüber und legten an der Flussmündung bei uns an. Die Männer waren am Tage vorher bei unserer Abreise in den Wald gegangen und hatten uns daher nicht folgen können, doch hatten sie aus Furcht, dass wir ohne sie durchfahren würden, die Fahrt trotz des Hochwassers gewagt.
Auch am 27. war der Fluss noch sehr hoch und an eine Abfahrt nicht zu denken. Die Kĕnja von Tanah Putih wollten diesen Aufenthalt zum Bau eines Bootes benützen, als sie aber zu diesem Zweck in den Wald zogen, begegneten sie einemhisit, der links von ihnen pfiff, und kehrten wieder um. Eine halbe Stunde darauf zogen sie von neuem aus und fällten einen Baum, aber bei seinem Sturz vernahmen sie wiederum ein ungünstiges Zeichen, und so liessen sie den Baum liegen und gaben den Bootsbau auf. Ich versprach ihnen zur Beruhigung meine besten Böte, mit denen sie später den Fluss wieder hinauffahren konnten.
Die Kĕnja traten hilfsbereit auchBo Bawanund den Seinen eine grosse Menge Reis ab, da deren Vorrat erschöpft war.
Am folgenden Tag hielt der hohe Wasserstand zwar noch an, aber nicht mehr so stark als vorher und ich beschloss, die Fahrt zu riskieren, da auchKwingdafür war. Zuerst fuhren einige Kĕnja hinunter, um einige gefährlich liegende Bäume durchzuhacken und wegzuräumen. Unterdessen hatten wir unsere Böte gepackt und fuhren unter heftigem Protest seitensBitsundIbaus, die niedrigeres Wasser abwarten wollten, ebenfalls ab. Bald zeigte es sich, dass einiger Grund zur Besorgnis vorhanden war, denn dies war die gefährlichste Fahrt, die ich jemitgemacht hatte. Das sehr heftig strömende Wasser schleuderte die Fahrzeuge bei jeder Flusswendung gegen die vorspringenden Felsblöcke, und das Boot vonTaman Sulow, in das man mich gesetzt hatte, weil man es für das sicherste hielt, wurde immer wieder mit Wasser übergossen und ich bis zur Mitte des Leibs durchnässt. Des Morgens hatte niemand mich in seinem Boote haben wollen, die Kajan, weil sie das Fahrwasser nicht kannten, die Kĕnja, weil sie die Verantwortung, die der Transport meiner Person ihnen auferlegte, zu schwer fanden. NurTaman Sulow, ein junger, forscher Kerl, hatte sich endlich bereit gezeigt, das Wagstück zu unternehmen. Nach langer Beratung wurde beschlossen, dass beim Kiham Puging, dem gefährlichsten Fall, alle Böte mit grosser Schnelligkeit auf einen bestimmten Punkt lossschiessen sollten, so dass sie sich an der Stelle, wo hohe Wellen zu beiden Seiten die niedrigen Fahrzeuge zu überschlagen drohten, nur einen Augenblick wie unter Wasserbögen befinden sollten. Mit allen Böten lief es gut ab; zwar schlug das Wasser hinein, aber infolge der grossen Geschwindigkeit der Fahrt so wenig, dass es durch Ausschöpfen entfernt werden konnte. Nur ein Kĕnjaboot, das man zur Sicherheit hinten am Steven mit einem Rotang vom Ufer aus fest hielt, verlor dadurch bei der Fahrt an Geschwindigkeit, füllte sich in einem Augenblick mit Wasser und sank. Die Mannschaft sprang sogleich ins Wasser und suchte das Boot an einer ruhigen Stelle unter Wasser gerade zu halten, damit die Ladung nicht herausfiel und verloren ging. Die vielen Böte, die hier abwarteten, wie die anderen über den Fall schiessen würden, waren sogleich zur Stelle, um zu helfen, doch glückte das Geradehalten nicht, der schwerste Teil der Ladung, Reis und Eisenwerk, glitt in den Fluss und war verloren. Die im Boot befestigten Tragkörbe mit Inhalt wurden gerettet, doch waren sie voll Wasser gelaufen. Zwei meiner Blechkoffer, die sich in diesem Boot befanden, wurden sogleich aus den Körben herausgeholt und in anderen Böten untergebracht, doch hatten auch sie stark von der Nässe gelitten.
In kurzer Zeit war das Boot von der befestigten Ladung befreit worden; die Bemannung entfernte das Wasser aus demselben durch Hin- und Herschaukeln, so dass die Ränder bald herausragten, dann wurde der Rest ausgeschöpft und das Boot war wieder fahrbar. Das nasse Gepäck wurde wieder hineingeladen und dann ging es fort in schneller Fahrt. Es war ein aufregender Anblick, wie die Böte durchdie hoch aufgestauten Wellen schossen, getrieben durch die beinahe verzweifelten Ruderschläge der Bemannung. Als wir selbst hindurch mussten, sah ich nur einen Augenblick zu beiden Seiten eine grosse aufbrausende Schaummasse gegen hohe schwarze Felsen schlagen und dann lag alles hinter uns und wir wandten alle Aufmerksamkeit darauf, weiter unten nicht voll Wasser zu laufen oder an den Uferfelsen zerschmettert zu werden. Etwas weiter, wo der Fluss sich durch einen Spalt zwängte, waren kurz vorher einige Bäume hineingestürzt und mussten weggeräumt werden. Diese Arbeit hielt uns etwas auf, aber um 2 Uhr legten wir doch bei unserem früheren Landungsplatz Long Krĕngo an, wo die Kĕnja ihre nassen Körbe undDorisseine Koffer mit Vogelbälgen untersuchte. Zum Glück enthielten diese Kisten keine Gesteine, sonst wären sie unfehlbar gesunken. Es waren trotz des Liegens im Wasser nur wenige Tropfen eingedrungen, weil wir alle Ritzen mitpakal, Harzpulver und Petroleum, verklebt hatten. Nur einige Papiere um die Vogelbälge mussten erneuert werden.
Obwohl es abends regnete, war das Wasser am anderen Morgen doch etwas gefallen. Die Kĕnja wollten zwar auch jetzt lieber nicht abfahren, doch entschlossen sie sich schliesslich dazu, aus Furcht, dass wir in diesem engen Flüsschen, in dem jeder Regenfall oben ein hohes Steigen des Wassers bewirkte, völlig abgeschlossen würden. Anfangs wiederholte sich die Fahrt vom vorigen Tage; ständig hohe Wellen und kleine Wasserfälle, die bei der sehr schnellen Hinabfahrt, besonders bei den zahlreichen Windungen, grosse Achtsamkeit erforderten; auch verursachten die vielen in diesen Bergspalt gestürzten Bäume immer wieder einen Aufenthalt. Beim Kiham Tandjow widersetzte ich mich anfangs, dass die Kajan ihn mit ihren Böten hinabfuhren (lawu), da ich ein ernstliches Unglück fürchtete, aber die geschulte Mannschaft sah sich die hohen, langen Stromschnellen mit einigen Wasserfällen darin erst gut an und fuhr dann unerschrocken über sie hinweg. Die Kĕnja wagten ihnen das Stück nicht nachzutun; sie bewiesen übrigens auf der ganzen Reise, dass sie den Kajan zu Wasser nicht so überlegen waren wie zu Land, was wohl damit zusammenhängt, dass ihre hoch gelegene Heimat mit den kleinen Flüssen ihnen weniger Gelegenheit bietet, sich mit dem Wasser vertraut zu machen als den Kajan, die sich beinahe ausschliesslich zu Wasser bewegen. Diese hatten denn auch allen Grund, bei der Ankunft jedes ihrer Böte, das den letzten Fall hinunterschoss, in lautes Jauchzen auszubrechen.
Weiter unten wurde der Fluss etwas breiter und um 12 Uhr fuhren wir in den Oga ein, wo wir uns nach Kĕnjasitte auf einer Schuttbank bei einem Mahl von der ausgestandenen Angst und Ermüdung erholten. In diesem breiteren Tal genossen wir ungemein das grössere Stück Himmel, das zu sehen war, und dessen strahlende Sonne unsere durchnässten und steif gewordenen Männer erwärmte. Der Oga war jetzt auch viel höher als bei unserer Hinfahrt und das Wasser strömte schnell und sehr wild hinunter, aber jetzt war die Gefahr, gegen felsige Ufer oder gestützte Bäume geschleudert zu werden, nur gering. Bei der Abfahrt gingBang Awanmit seinem Boot voraus, um Wildschweine zu schiessen, falls sich welche am Ufer zeigten. Da unsere Mannschaft die Böte mehr in der richtigen Lage zu halten als fortzubewegen hatte, machten sie nur wenig Geräusch, das überdies noch durch das Toben des Flusses gedämpft wurde. Wir hörten denn auch sehr bald in der Ferne einige Schüsse knallen und freuten uns auf den Schweinsbraten zur Abendmahlzeit, doch bekamen wir nur das enttäuschte Gesicht des Schützen zu sehen, der zwei grosse fette Schweine auf kurzen Abstand gefehlt hatte. Er bat mich denn auch, seinen Posten zu übernehmen, da wir sicher noch andere Wildschweine treffen würden, die durch diese Gegend zu ziehen schienen; die ganze Flotte blieb liegen, um mir einen Vorsprung zu lassen. Die Schweine schienen, wie beiDemmenisAufenthalt bei den Wasserfällen im Mahakam, auch jetzt auf einer Wanderung in eine andere Gegend begriffen zu sein, denn nach kurzer Fahrt entdeckten meine scharfsichtigen Ruderer in der Ferne eine Truppe am Ufer. Wir befanden uns auf einem sehr bewegten Teil des Flusses, wo sich bei niedrigem Wasserstande eine grosse Stromschnelle bildete, aber trotzdem duckten sich die Ruderer auf den Boden des Bootes nieder, um mich ungehindert schiessen zu lassen und ich schaukelte aufrechtsitzend den Schweinen schnell entgegen. Diese hatten Unruhe gewittert oder sich zufällig vom Wasser in das Ufergebüsch zurückgezogen, nur ein sehr grosses altes Schwein hatte sich uns zugekehrt und starrte uns an. Obgleich mein 9 kalibriges Winchester Repetiergewehr zur Schweinejagd nicht besonders geeignet war, brachte ich es auf etwa 100 m doch ruhig an die Schulter, zielte auf den Kopf des Tieres, und liess das Boot bis etwa auf 60 m herantreiben. In einem ruhigen Augenblick drückte ich los, das neugierige Schwein fiel um und zappelte bereits mit den 4 Pfoten in der Luft, bevor wir es erreichten. Meine Ruderer jauchztenaber noch nicht, sondern riefen: “djuwe, djuwe!” (noch ein Mal!) und so brachte ich mein Gewehr schnell wieder an die Schulter. Im Vorbeifahren bemerkte auch ich noch einige Schweine unter den Uferbäumen und feuerte wegen der grossen Schnelligkeit, mit der das Boot sich fortbewegte, einigermassen auf gut Glück einen Schuss ab. Zwei meiner Ruderer sprangen im nächsten Augenblick ins Wasser, schwammen ans Ufer und stürmten in das Gebüsch, aus dem der eine bald wieder mit einem blutigen Schwert hervorkam, mit dem er dem zweiten Opfer den Garaus gemacht hatte. Meine Kugel hatte das erste Schwein dicht über der Schnauze ins Gehirn getroffen, was den plötzlichen Tod des Tieres erklärte, während das zweite nur durch eine Kugel im Rückgrat am Weiterlaufen verhindert worden war. Die Freude unserer 140 Mann zählenden Reisegesellschaft über das köstliche Abendgericht war gross, nicht geringer war das Erstaunen und Entsetzen der Kĕnja über die Wirkung der zwei Schüsse meines kleinen Gewehrs.
Die Tiere wurden eilig in die Böte geladen und dann flog unsere Flotte wieder übers Wasser, das uns mit grosser Schnelligkeit an unseren Lagerplatz an der Ogamündung brachte. Die Kajan fanden ihren Reis dort in unverletztem Zustand wieder und begannen in Überfluss zu schweigen. In den letzten Tagen hatten die Kĕnja ihren ganzen Reisvorrat, der auch für die Rückreise hatte dienen sollen, mit uns geteilt, ohne dass von einem Verkauf die Rede war, nur auf mein Versprechen hin, dass ich sie am Mahakam mit neuem Reis versehen wollte. Die Kajan fanden die Handlungsweise der Kĕnja sehr dumm und vertrauensselig und lachten sie deswegen aus, doch liessen sie sich deren vorzüglichen Reis trotzdem trefflich munden.
Am anderen Morgen konnten wir nicht weiter, weil ein bestimmter Felsen an der Ogamündung nicht aus dem Wasser hervorragte, ein Beweis, dass das Wasser zu hoch stand, um den Boh mit seinen Wasserfällen ohne zu grosse Schwierigkeiten hinunterfahren zu können. Die Kajan und, trotz unserer Sehnsucht nach Hause, auch wir anderen fühlten ein lebhaftes Bedürfnis nach einem Ruhetag und einer körperlichen Stärkung durch Reis mit Schweinefleisch.
Das langsam sinkende Wasser ermöglichte am 1. Dezember eine ruhige Hinabfahrt. Der bewusste Felsblock ragte etwas über die Wasserfläche vor und prophezeite daher eine glückliche Reise. In der Tat boten sich keine besonderen Schwierigkeiten, nur mussten wir uns nachüberschwemmten Felsen und Wirbeln im Strom umschauen, doch sind diese beim fallenden Wasser viel ungefährlicher als bei steigendem von gleicher Höhe. Selbst die grossen Stromwirbel zwischen den roten Jaspisfelsen im Kiham Batu Blah (roter Stein) erschienen den Kajan jetzt nicht gefährlich; sie bugsierten ihre vollgeladenen Böte mit Geschick durch sie hindurch, gefolgt von den Kĕnja und Malaien. Sie rieten mir zwar, bis zum unteren Teil des Kiham Hulu über Land zu gehen, wagten aber selbst sogar die obere Hälfte dieser Fälle mit voller Ladung hinabzufahren, ein grossartiges Schauspiel, das wir von einigen sehr hohen Felsen herab genossen. Beim untersten, viel kürzeren Teil der Fälle mussten die Böte vollständig ausgeladen und leer hinuntergelassen werden. Da viele Männer vorhanden waren und nur wenig Gepäck, ging die Fahrt von hier an schnell von statten, und voller Hoffnung, an diesem Tage noch Long Dĕho zu erreichen, fuhren wir den jetzt sehr breiten und beinahe zu sonnigen Fluss hinunter. Die Mannschaft, die von meiner Büchse einen neuen Schweinsbraten erhoffte, liess mein Boot auch jetzt wieder an der Spitze der Flotte fahren. Die vor uns liegenden Ufer waren wegen der Breite des Flusses bereits auf grossen Abstand zu übersehen und bald bemerkten wir auch vor uns am rechten Ufer eine Schweineherde, die übers Wasser schwimmen wollte. Meine Ruderer liessen sogleich wieder das Boot treiben und duckten sich hinter den Bootsrändern nieder, während ich mich unbeweglich hielt. Die eine Hälfte der Truppe ging nicht ins Wasser, nur eine grosse Sau mit drei halb erwachsenen Jungen verliess den Uferwall; sobald sie etwa ⅓ des hier ungefähr 100 m breiten Flusses erreicht hatte, begann die Mannschaft mit aller Macht zu rudern, um ihr den Weg abzuschneiden. Die Tiere leisteten ihr Äusserstes, um vor uns das andere Ufer zu erreichen und bei der Aufgeregtheit meiner Ruderer und dem Schwanken des Fahrzeugs erschien mir ein erfolgreicher Schuss unmöglich. Als wir uns den Tieren näherten, krochen diese gerade das Ufer hinauf; da alle Ruderer aufsprangen, um zuerst an Land zu sein, musste ich mit grosser Vorsicht schiessen. Ich feuerte 2 Mal auf die Sau. Beim zweiten Schuss zuckte sie zusammen, verschwand aber doch noch mit den Jungen im Uferwald. Meine Kajan, die ihr folgten, erzählten bald darauf, die Sau sei sehr bald tot niedergefallen und einer von ihnen habe auch noch eines der Jungen mit dem Schwert getötet, so dass wir jetzt wieder reichlich mit Fleisch versehen waren. Etwas weiter unten schoss ich nochmalsauf ein Schwein, doch fiel es nicht sogleich nieder und wir hatten keine Zeit, es zu verfolgen. So gelangten wir bereits um 1 Uhr an unseren alten Lagerplatz bei der Bohmündung. Die Kajan wollten hier nochmals kochen, wir aber fuhren mit den Kĕnja weiter, um noch Long Dĕho zu erreichen, wo wir in der Tat um ½ 4 Uhr anlangten. Das letzte Stück hatte viel Zeit gekostet, weil die Männer wegen der Hitze die Böte von der Strömung hinabtreiben liessen statt zu rudern.
In Long Dĕho hatten sich die Bewohner inzwischen mit Eifer daran gemacht, die altekubu, die man mir früher so oft zum Aufenthalt angewiesen hatte, durch eine neue zu ersetzen, wie sie sagten, um den Kontrolleur, falls er herauf kam, würdig aufzunehmen. Die Anlage des ganzen Hauses schien in der Tat auf einen derartigen Empfang berechnet zu sein, dafür sprachen die Grösse und die sorgfältige Ausarbeitung des halbfertigen Gebäudes. Wir konnten in ihm jedoch noch nicht übernachten, weil nur ein kleiner Teil gedielt war; unsere Malaien richteten daher in einem von Kahajan und anderen Waldproduktensuchern bewohnten Hause einen Raum für uns ein.
Der gute Erfolg unseres Zuges erfüllte manche Bewohner von Long Dĕho mit gemischten Gefühlen.Ibau AdjāngundLawingbegrüssten mich anfangs sehr herzlich, nachdem sie sich aber bei mir niedergesetzt hatten, verfinsterten sich ihre Gesichter mehr und mehr und sie sahen mit angstvollen und scheuen Blicken zu mir auf. Dass uns einige der angesehensten Kĕnjahäuptlinge begleiteten, war ihnen sehr unerwünscht, da sie diese jetzt nicht mehr als Bundesgenossen gegen die weiter unten lebenden Stämme, die unter unserem Schutze standen, ausspielen konnten.Ibaudrückte überdies auch die ziemlich hohe Schuld, die er bei mir durch den Einkauf von Rotang gemacht hatte und nicht bezahlen konnte. AuchBang Jokfühlte sich verpflichtet, mir seine Aufwartung zu machen, doch war er jetzt nicht mehr imstande, sein Missvergnügen wie bei früheren Gelegenheiten zu verbergen. Er war sehr bleich, wagte die Augen beinahe nicht aufzuschlagen und äusserte kaum ein Wort. Auch die Kĕnjahäuptlinge, die sich bei uns aufhielten, brachten ihn nicht zum Sprechen. Ich gab den Menschen Zeit, sich von ihrem Erstaunen zu erholen, und traf die notwendigen Anordnungen zu unserer Abreise am anderen Morgen. Darauf vertiefte ich mich mitDemmeniin die Briefe und Zeitungen, die uns hier erwarteten. Unterdessen zogen einige Malaien zum Hauseder Uma-Wak, um mein grosses Boot zu holen, das sie dort vor unserer Abreise nach Apu Kajan an Land gezogen und unter der Wohnung festgebunden hatten. Das über 20 m lange Fahrzeug befand sich im besten Zustand und, nachdem sie die Bretter der Reeling (rambin), von denen kein einziges fehlte, mit Rotang angebunden hatten, war das Boot bereits abends wieder fahrtbereit.
Die Frauen im Hause des verstorbenenAdjāng Lĕdjüdrückten ihre Freude über meine wohlbehaltene Rückkehr unverhohlen aus; sie wussten, dass ich es gut mit ihnen meinte, waren daher nicht bang und gaben sich nicht mit Politik ab. Von der grossen Menge Gepäck, die wir ihnen zur Aufbewahrung anvertraut hatten, fehlte nichts und war auch nichts beschädigt worden. Aus Furcht vor einem Brand hatten sie das Feuer auf dem Herde, sobald nicht mehr gekocht wurde, stets ausgelöscht, während sie es sonst sogar nachts fortglimmen lassen. Mit allerhand übrig gebliebenen Dingen machte ich der Familie noch eine Freude, nur die Regelung vonIbausSchuld verursachte einige Schwierigkeiten. Er besass entweder wirklich nichts oder wollte nichts geben, so dass ich mich schliesslich mit einem alten Gewehr zufrieden stellen wollte, dasGeorg Müllergehört haben sollte. Obgleich das Gewehr ganz wertlos war, glaubteIbaues gelegentlich doch für ein anderes, brauchbares austauschen zu können und war zur Abtretung desselben nur schwer zu bewegen. Am folgenden Morgen bei der Abfahrt brachte er es mir aber doch, denn er war zu anständig, um bei mir eine Schuld zu hinterlassen, die ich doch nie mehr hätte einlösen können. Das Gewehr übergab ich später dem Museum von Batavia.
Trotzdem die Dorfbewohner ihre unangenehmen Empfindungen bei unserer siegreichen Heimkehr nicht ganz verbergen konnten, liessen sie es im Verkehr mit uns an Freundlichkeit nicht fehlen.
Die FamilieBang Joksäusserte, wie früher bereits öfters, ihren praktischen Sinn, indem sie uns als Willkommen mit Zucker, Thee, Butter u.s.w. versah, Dingen, die wir bereits so lange entbehrt hatten.
Im Übrigen herrschte aber wieder Reisnot im Dorf und für unsere grosse Gesellschaft waren nicht genug Nahrungsmittel aufzutreiben; am anderen Morgen erregte uns daher allgemeine Freude, dass das Wasser nicht höher gestiegen war und uns daher eine bequeme Fahrt abwärts versprach. Unsere Reisegenossen hatten bereits sehr früh ihre eigenen Böte geladen und begannen sogleich auch die meinigen inOrdnung zu bringen, so dass wir bereits um 7 Uhr reisebereit waren. NachdemDemmeniund ich uns von der Häuptlingsfamilie verabschiedet hatten, verliessen wir die Hungerstätte und fuhren in einer langen Flotte erst an Batu Pala, dann an Ums Wak vorüber. Etwas weiter unten begegneten uns 4 Böte der Long-Glat von Long Tĕpai unter NjokLea, denen der KontrolleurBarthin Udju Tĕpu noch eine Post mit Briefen und Zeitungen für uns mitgegeben hatte. In unseren Böten sitzend vertieften wir uns mit dem grössten Eifer in die Briefschaften und die für uns neuesten Nachrichten aus der zivilisierten Welt.
Der Kiham Udang verursachte bei diesem Wasserstand nur geringen Aufenthalt, da man ihn mit den halbvoll geladenen Böten befahren konnte. Bereits um 3 Uhr erreichten wir Long Bagung, wo wir auf den ausgedehnten Schuttbänken des rechten Ufers kampierten und ich sogleich die Gelegenheit benützte, um beim HändlerRaupzwei grosse Säcke Reis zu erstehen, die ich den Kĕnja als ersten Abschlag auf meine bei ihnen gemachte Schuld übergab. Ich versprach ihnen, sie in Long Iram mit einer grösseren Menge Reis für die Heimreise versehen zu wollen, was später auch geschah.
Am 3. Dezember fuhren wirBang Awanswegen, der gern bei seiner jungen zweiten Frau bleiben wollte, nur bis Laham den Fluss hinunter, doch vereinbarten wir, am folgenden Morgen sehr früh aufzubrechen, um noch an diesem Tage Long Iram erreichen zu können. Die Kĕnja nahmen diese Abmachung etwas allzu genau, denn ein Teil von ihnen fuhr bereits um 2 Uhr nachts wieder ab und die K)njabemannung meines grossen Bootes brachte unsere Malaien dazu, so früh aufzubrechen, dass wir vor Sonnenaufgang bereits an Long Howong vorüberfuhren und ununterbrochen weiterrudernd in Gesellschaft der Kĕnjaböte abends Long Iram erreichten. Die Kajan mitKwingtrafen erst sehr spät ein, da sie sich auf dem heissen Fluss von der Strömung hatten treiben lassen, statt zu rudern.
Barthempfing uns mit Salutschüssen und hiess uns mit seiner ganzen Besatzung von Schutzsoldaten sehr herzlich willkommen. Man hatte ihm unsere Ankunft auf beinahe unbegreiflich schnelle Weise bereits morgens gemeldet.
Während wir die Treppe zum hohen Uferwall hinaufstiegen, fiel es uns auf, wie viel in diesem neu gegründeten Ort in den letzten Monaten zu Stande gekommen war. Diesen Teil des Mahakamufers hatteBarthfür eine grössere Ansiedelung viel geeigneter erfunden,als das Landstück, das wir das Jahr zuvor mitBierhierfür ausgesucht hatten.Barthhatte sogleich damit angefangen, eine grosse Uferstrecke abholzen und provisorische Hütten für seine inländischen Soldaten und Sträflinge errichten zu lassen. Ferner war ein breiter Weg längs des Ufers angelegt worden, an welchemBarthsprovisorisches Haus aus Bambus und Palmblattmatten stand. Auch mit den eigentlichen Gebäuden dieses neuen Verwaltungszentrums war bereits ein Anfang gemacht worden, aber der Bau schritt nur langsam fort, weil alles Holz von Samarinda heraufgeführt werden musste.
Die Einsetzung der Verwaltung hatte ohne Schwierigkeiten stattgefunden und die äusserst unsicheren Zustände, die in der vorigen Jahreshälfte am Mittel-Mahakam geherrscht hatten, waren wie mit einem Zauberschlag verschwunden, nachdem der europäische Beamte sich hier mit seinen Bewaffneten niedergelassen hatte. Dabei hatte man bis jetzt noch nicht von den Waffen Gebrauch gemacht. Zwar blieb noch sehr viel zu verbessern, bevor sich die gegenwärtige sehr gemischte Bevölkerung wirklich regieren liess, aber der anfängliche Erfolg versprach viel für die Zukunft. Leider litten diese Pioniere der Kultur stark an Beri-Beri, die so häufig in neuen Siedelungen in Indien ausbricht.
Man hatte bereits Massregeln getroffen, um hier von regierungswegen ein Salzdepot einzurichten, in dem sich die Bewohner des Oberlaufs gegen festen, mässigen Preis mit diesem notwendigen Artikel versehen konnten. Um eine Aufsicht über den übrigen Handel ausüben zu können, hatte der Kontrolleur die Händler in Udju Tĕpu dazu gebracht, nach Long Iram überzusiedeln. Da diese Leute beinahe alle in schwimmenden Häusern lebten, liess sich der Handelsplatz leicht verlegen und während meines Aufenthaltes wurden die ersten Häuser heraufgezogen. Hieraus ging hervor, dass nicht nur die eingeborene Bevölkerung dieses Gebiets sich gern in den neuen Zustand fügte, sondern dass auch die buginesischen und bandjaresischen Händler, die bis jetzt ihren Vorteil in einem betrügerischen Handel mit den Dajak gesucht hatten, geordneten Zuständen unter europäischer Verwaltung den Vorzug gaben, wie sie es uns früher übrigens bereits versichert hatten.
Ihre Zufriedenheit mit den politischen Resultaten meiner Reise gaben die Händler dadurch zu kennen, dass sie allgemein beflaggten, als der Kontrolleur uns 2 Tage später mit seinen Böten zum Schiffnach Udju Tĕpu geleitete, von wo uns der “Sri Mahakam” in Gesellschaft von etwa 20 Kajan und Kĕnja nach Samarinda bringen sollte.
Kwing Irangbehauptete, auch jetzt nicht gern mit dem Sultan von Kutei in Berührung kommen zu wollen, weswegen er mich auch nicht zur Küste begleiten könne. Er kam jedoch mit allen seinen Kajan mit zum Schiff, ebenso diejenigen Kĕnja, die nicht mit uns fahren sollten. Ich musste hier also vonKwingAbschied nehmen. Zum Schluss hatte ich ihm doch sehr viel zu danken, wenn er auch durch die Eigentümlichkeiten seiner Rasse und seines Glaubens bei der Ausführung meiner Pläne viele Schwierigkeiten verursacht hatte. Obgleich ich nach beinahe 3 jähriger Reise mit einem Gefühl der Erlösung Abschied nahm, liess ich meine Reisegenossen doch mit Wehmut zurück und sehr leid tat es mir, als ich im folgenden Jahr hörte, dassKwingeinige Monate nach seiner Heimkehr einem neuen Malariaanfall erlegen war. Während unseres Zusammenseins hatte er sich als der achtungswerteste Häuptling gezeigt, dem ich begegnet war, und die Rolle, die er am Ende seines Lebens bei der Einsetzung einer niederländischen Verwaltung in Mittel-Borneo gespielt hatte, wird seinem Stamm und vielen anderen zum Segen gereichen, wie es auch seine Rechtschaffenheit und Friedensliebe für sie gewesen sind.
Anjang Njahuund einige andere Kajan begleiteten mich nach Samarinda, wo sie vorteilhafte Einkäufe zu machen hofften und von wo sie meine Abschiedsgeschenke an alle Zurückgebliebenen mitnehmen sollten.Kwing Irangwünschte sich einen meiner Stahlkoffer und einige Packen Kattun, die ich ihm auch zukommen liess.
Von den Kĕnja begleiteten mich verschiedene Häuptlinge, u.a.BitundIbau Anjè, die in Samarinda ihre Unterhandlungen mit dem Sultan unter Vermittlung des Assistent-Residenten zu einem Abschluss zu bringen hofften.
Die europäische Kolonie in Samarinda gab vielfache Beweise ihrer Teilnahme an dem Gelingen unserer Expedition und die Tage, die bis zur Ankunft des Schiffes nach Batavia verliefen, wurden in angenehmer Gesellschaft und mit dem Ordnen unseres Gepäcks zugebracht.
Auch von den Malaien musste ich hier Abschied nehmen; nur zwei von ihnen gebrauchten das auf der Reise verdiente Geld, um über Bandjarmasin in ihr Geburtsland am Barito zurückzukehren. Von den übrigen traten einige in Dienst bei der bewaffneten Polizei von Long Iram, andere wurden wieder in die von Samarinda aufgenommen,während die meisten Malaien, die ich vom oberen Mahakam mitgenommen hatte, wieder dorthin zurückkehrten.
So fuhren nurDemmeniund ich mitDoris,MidanundAbdulin guter Stimmung und bester Gesundheit mit dem Schiff über Surabaja nach Batavia zurück, wo wir am letzten Tage des Jahres 1900 glücklich anlangten.