Aber dem Könige ward es verdrießlich, daß ihn so vieleRitter verließen. Es zeigte sich nun die Menge Verwandten,Die sich, mit Reinekens Tod sehr unzufrieden, entfernten.Und der König sprach zu einem seiner Vertrauten:Freilich ist Reineke boshaft, allein man sollte bedenken,Viele seiner Verwandten sind nicht zu entbehren am Hofe.
Aber Isegrim, Braun und Hinze, der Kater, sie warenUm den Gebundnen geschäftig, sie wollten die schändliche Strafe,Wie es der König gebot, an ihrem Feinde vollziehen,Führten ihn hastig hinaus und sahen den Galgen von ferne.Da begann der Kater erbost zum Wolfe zu sprechen:Nun bedenket, Herr Isegrim, wohl, wie Reineke damalsAlles tat und betrieb, wie seinem Hasse gelungen,Euren Bruder am Galgen zu sehn. Wie zog er so fröhlichMit ihm hinaus! Versäumet ihm nicht die Schuld zu bezahlen.Und gedenket, Herr Braun, er hat Euch schändlich verraten,Euch in Rüsteviels Hofe dem groben, zornigen Volke,Männern und Weibern, treulos geliefert und Schlägen und WundenUnd der Schande dazu, die allerorten bekannt ist.Habet acht und haltet zusammen! Entkäm er uns heute,Könnte sein Witz ihn befrein und seine listigen Ränke,Niemals würd uns die Stunde der süßen Rache beschert sein.Laßt uns eilen und rächen, was er an allen verschuldet.
Isegrim sprach: Was helfen die Worte? Geschwinde verschafft mirEinen tüchtigen Strick; wir wollen die Qual ihm verkürzen.Also sprachen sie wider den Fuchs und zogen die Straße.
Aber Reineke hörte sie schweigend; doch endlich begann er:Da ihr so grausam mich haßt und tödliche Rache begehret,Wisset Ihr doch keine Ende zu finden! Wie muß ich mich wundern!Hinze wüßte wohl Rat zu einem tüchtigen Stricke:Denn er hat ihn geprüft, als in des Pfaffen BehausungEr sich nach Mäusen hinabließ und nicht mit Ehren davonkam.Aber Isegrim, Ihr, und Braun, ihr eilt ja gewaltig,Euren Oheim zum Tode zu bringen; ihr meint, es gelänge.
Und der König erhob sich mit allen Herren des Hofes,Um das Urteil vollstrecken zu sehn; es schloß an den Zug sichAuch die Königin an, von ihren Frauen begleitet;Hinter ihnen strömte die Menge der Armen und Reichen,Alle wünschten Reinekens Tod und wollten ihn sehen.Isegrim sprach indes mit seinen Verwandten und FreundenUnd ermahnete sie, ja, fest aneinander geschlossen,Auf den gebundenen Fuchs ein wachsam Auge zu haben;Denn sie fürchteten immer, es möchte der Kluge sich retten.Seinem Weibe befahl der Wolf besonders: Bei deinemLeben! siehe mir zu und hilf den Bösewicht halten.Käm er los, wir würden es alle gar schmählich empfinden.Und zu Braunen sagt' er: Gedenket, wie er Euch höhnte;Alles könnt Ihr ihm nun mit reichlichen Zinsen bezahlen.Hinze klettert und soll uns den Strick da oben befesten;Haltet ihn und stehet mir bei, ich rücke die Leiter,Wenig Minuten, so solls um diesen Schelmen getan sein!Braun versetzte: Stellt nur die Leiter, ich will ihn schon halten.
Seht doch! sagte Reineke drauf: wie seid ihr geschäftig,Euren Oheim zum Tode zu bringen! Ihr solltet ihn eherSchützen und schirmen und, wär er in Not, euch seiner erbarmen.Gerne bät ich um Gnade, allein was könnt es mir helfen?Isegrim haßt mich zu sehr, ja seinem Weibe gebeut er,Mich zu halten und mir den Weg zur Flucht zu vertreten.Dächte sie voriger Zeiten, sie könnte mir wahrlich nicht schaden.Aber soll es nun über mich gehn, so wollt ich, es wäreBald getan. So kam auch mein Vater in schreckliche Nöten,Doch am Ende ging es geschwind. Es begleiteten freilichNicht so viele den sterbenden Mann. Doch wolltet ihr längerMich verschonen, es müßt euch gewiß zur Schande gereichen.Hört ihr, sagte der Bär: wie trotzig der Bösewicht redet?Immer, immer hinauf! es ist sein Ende gekommen.
Ängstlich dachte Reineke nun: O möcht ich in diesenGroßen Nöten geschwind was glücklich Neues ersinnen,Daß der König mir gnädig das Leben schenkte und dieseGrimmigen Feinde, die drei, in Schaden und Schande gerieten!Laßt uns alles bedenken, und helfe, was helfen kann! denn hierGilt es den Hals, die Not ist dringend, wie soll ich entkommen?Alles übel häuft sich auf mich. Es zürnet der König,Meine Freunde sind fort und meine Feinde gewaltig;Selten hab ich was Gutes getan, die Stärke des Königs,Seiner Räte Verstand wahrhaftig wenig geachtet;Vieles hab ich verschuldet und hoffte dennoch, mein UnglückWieder zu wenden. Gelänge mirs nur, zum Worte zu kommen,Wahrlich, sie hingen mich nicht; ich lasse die Hoffnung nicht fahren.
Und er wandte darauf sich von der Leiter zum Volke,Rief: Ich sehe den Tod vor meinen Augen und werd ihmNicht entgehen. Nur bitt ich euch alle, so viele mich hören,Um ein weniges nur, bevor ich die Erde verlasse.Gerne möcht ich vor euch in aller Wahrheit die BeichteNoch zum letztenmal öffentlich sprechen und redlich bekennenAlles übel, das ich getan, damit nicht ein andrerEtwa dieses oder jenes von mir im stillen begangnen,Unbekannten Verbrechens dereinst bezichtiget werde;So verhüt ich zuletzt noch manches übel, und hoffenKann ich, es werde mirs Gott in allen Gnaden gedenken.
Viele jammerte das. Sie sprachen untereinander:Klein ist die Bitte, gering nur die Frist! Sie baten den König,Und der König vergönnt' es. Da wurd es Reineken wiederEtwas leichter ums Herz, er hoffte glücklichen Ausgang;Gleich benutzt' er den Raum, der ihm gegönnt war, und sagte:
Spiritus Domini helfe mir nun! Ich sehe nicht EinenUnter der großen Versammlung, den ich nicht irgend beschädigt.Erst, ich war noch ein kleiner Kompan und hatte die BrüsteKaum zu saugen verlernt, da folgt ich meinen BegierdenUnter die jungen Lämmer und Ziegen, die neben der HerdeSich im Freien zerstreuten; ich hörte die blökenden StimmenGar zu gerne, da lüstete mich nach leckerer Speise.Lernte hurtig sie kennen. Ein Lämmchen biß ich zu Tode,Leckte das Blut, es schmeckte mir köstlich! und tötete weiterVier der jüngsten Ziegen und aß sie, und übte mich ferner;Sparte keine Vögel, noch Hühner, noch Enten, noch Gänse,Wo ich sie fand, und habe gar manches im Sande vergraben,Was ich geschlachtet und was mir nicht alles zu essen beliebte.
Dann begegnet' es mir: in einem Winter am RheineLernt ich Isegrim kennen, er lauerte hinter den Bäumen.Gleich versichert' er mir, ich sei aus seinem Geschlechte,Ja, er wußte mir gar die Grade der Sippschaft am FingerVorzurechnen. Ich ließ mirs gefallen; wir schlossen ein BündnisUnd gelobten einander, als treue Gesellen zu wandern,Leider sollt ich dadurch mir manches übel bereiten.Wir durchstrichen zusammen das Land. Da stahl er das Große,Stahl ich das Kleine. Was wir gewonnen, das sollte gemein sein;Aber es war nicht gemein, wie billig: er teilte nach Willkür;Niemals empfing ich die Hälfte. Ja, Schlimmeres hab ich erfahren.Wenn er ein Kalb sich geraubt, sich einen Widder erbeutet,Wenn ich im überfluß sitzen ihn fand, er eben die Ziege,Frisch geschlachtet, verzehrte, ein Bock ihm unter den KlauenLag und zappelte, grinst' er mich an und stellte sich grämlich,Trieb mich knurrend hinweg: so war mein Teil ihm geblieben.Immer ging es mir so, es mochte der Braten so groß sein,Als er wollte. Ja, wenn es geschah, daß wir in GesellschaftEinen Ochsen gefangen, wir eine Kuh uns gewonnen,Gleich erschienen sein Weib und sieben Kinder und warfenÜber die Beute sich her und drängten mich hinter die Mahlzeit.Keine Rippe konnt ich erlangen, sie wäre denn gänzlichGlatt und trocken genagt; das sollte mir alles gefallen!Aber, Gott sei gedankt, ich litt deswegen nicht Hunger;Heimlich nährt ich mich wohl von meinem herrlichen Schatze,Von dem Silber und Golde, das ich an sicherer StätteHeimlich verwahre; des hab ich genug. Es schafft mir wahrhaftigIhn kein Wagen hinweg, und wenn er siebenmal führe.
Und es horchte der König, da von dem Schatze gesagt ward,Neigte sich vor und sprach: Von wannen ist er Euch kommen?Saget an! ich meine den Schatz. Und Reineke sagte:Dieses Geheimnis verhehl ich Euch nicht, was könnt es mir helfen?Denn ich nehme nichts mit von diesen köstlichen Dingen.Aber wie Ihr befehlt, will ich Euch alles erzählen,Denn es muß nun einmal heraus; um Liebes und LeidesMöcht ich wahrhaftig das große Geheimnis nicht länger verhehlen:Denn der Schatz war gestohlen. Es hatten sich viele verschworen,Euch, Herr König, zu morden, und wurde zur selbigen StundeNicht der Schatz mit Klugheit entwendet, so war es geschehen.Merket es, gnädiger Herr! denn Euer Leben und WohlfahrtHing an dem Schatz. Und daß man ihn stahl, das brachte denn leiderMeinen eigenen Vater in große Nöten, es bracht ihnFrühe zur traurigen Fahrt, vielleicht zu ewigem Schaden;Aber, gnädiger Herr, zu Eurem Nutzen geschah es!
Und die Königin hörte bestürzt die gräßliche Rede,Das verworrne Geheimnis von ihres Gemahles Ermordung,Von dem Verrat, vom Schatz, und was er alles gesprochen.Ich vermahn Euch, Reineke, rief sie: bedenket! Die langeHeimfahrt steht Euch bevor, entladet reuig die Seele;Saget die lautere Wahrheit und redet mir deutlich vom Morde.Und der König setzte hinzu: ein jeglicher schweige!Reineke komme nun wieder herab und trete mir näher;Denn es betrifft die Sache mich selbst, damit ich sie höre.
Reineke, der es vernahm, stand wieder getröstet, die LeiterStieg er zum großen Verdruß der Feindlichgesinnten herunter;Und er nahte sich gleich dem König und seiner Gemahlin,Die ihn eifrig befragten, wie diese Geschichte begegnet.
Da bereitet' er sich zu neuen gewaltigen Lügen.Könnt ich des Königes Huld und seiner Gemahlin, so dacht er,Wiedergewinnen, und könnte zugleich die List mir gelingen,Daß ich die Feinde, die mich dem Tod entgegengeführet,Selbst verdürbe, das rettete mich aus allen Gefahren.Sicher wäre mir das ein unerwarteter Vorteil;Aber ich sehe schon, Lügen bedarf es und über die Maßen.
Ungeduldig befragte die Königin Reineken weiter:Lasset uns deutlich vernehmen, wie diese Sache beschaffen!Saget die Wahrheit, bedenkt das Gewissen, entladet die Seele!
Reineke sagte darauf. Ich will Euch gerne berichten.Sterben muß ich nun wohl; es ist kein Mittel dagegen.Sollt ich meine Seele beladen am Ende des Lebens,Ewige Strafe verwirken, es wäre töricht gehandelt.Besser ist es, daß ich bekenne; und muß ich dann leiderMeine lieben Verwandten und meine Freunde verklagen,Ach, was kann ich dafür! es drohen die Qualen der Hölle.
Und es war dem Könige schon bei diesen GesprächenSchwer geworden ums Herz. Er sagte: Sprichst du die Wahrheit?Da versetzte Reineke drauf mit verstellter Gebärde:Freilich bin ich ein sündiger Mensch; doch red ich die Wahrheit.Könnt es mir nutzen, wenn ich Euch löge! Da würd ich mich selberEwig verdammen. Ihr wißt ja nun wohl, so ist es beschlossen:Sterben muß ich, ich sehe den Tod und werde nicht lügen;Denn es kann mir nicht Böses noch Gutes zur Hilfe gedeihen.Bebend sagte Reineke das und schien zu verzagen.
Und die Königin sprach: Mich jammert seine Beklemmung;Sehet ihn gnadenreich an, ich bitt Euch, mein Herr! und erwäget:Manches Unheil wenden wir ab nach seinem Bekenntnis.Laßt uns je eher je lieber den Grund der Geschichte vernehmen.Heißet jeglichen schweigen und laßt ihn öffentlich sprechen.
Und der König gebot, da schwieg die ganze Versammlung.Aber Reineke sprach: Beliebt es Euch, gnädiger König,So vernehmet, was ich Euch sage. Geschieht auch mein VortragOhne Brief und Papier, so soll er doch treu und genau sein;Ihr erfahrt die Verschwörung, und niemands denk ich zu schonen.
Fünfter Gesang
Nun vernehmet die List, und wie der Fuchs sich gewendet,Seine Frevel wieder zu decken und andern zu schaden.Bodenlose Lügen ersann er, beschimpfte den VaterJenseit der Grube, beschwerte den Dachs mit großer Verleumdung,Seinen redlichsten Freund, der ihm beständig gedienet.So erlaubt' er sich alles, damit er seiner ErzählungGlauben schaffte, damit er an seinen Verklägern sich rächte.
Mein Herr Vater, sagt' er darauf, war so glücklich gewesen,König Emmrichs, des Mächtigen, Schatz auf verborgenen WegenEinst zu entdecken; doch bracht ihm der Fund gar wenigen Nutzen.Denn er überhub sich des großen Vermögens und schätzteSeinesgleichen von nun an nicht mehr, und seine GesellenAchtet' er viel zu gering: er suchte sich höhere Freunde.Hinze, den Kater, sendet' er ab in die wilden Ardennen,Braun, den Bären, zu suchen, dem sollt er Treue versprechen,Sollt ihn laden, nach Flandern zu kommen und König zu werden.
Als nun Braun das Schreiben gelesen, erfreut' es ihn herzlich;Unverdrossen und kühn begab er sich eilig nach Flandern,Denn er hatte schon lange so was in Gedanken getragen.Meinen Vater fand er daselbst, der sah ihn mit Freuden,Sendete gleich nach Isegrim aus und nach Grimbart, dem Weisen,Und die vier verhandelten dann die Sache zusammen;Doch der fünfte dabei war Hinze, der Kater. Ein DörfchenLiegt allda, wird Ifte genannt, und grade da war es,Zwischen Ifte und Gent, wo sie zusammen gehandelt.Eine lange, düstere Nacht verbarg die Versammlung;Nicht mit Gott! es hatte der Teufel, es hatte mein VaterSie in seiner Gewalt mit seinem leidigen Golde.Sie beschlossen des Königes Tod, beschworen zusammenFesten, ewigen Bund, und also schwuren die fünfeSämtlich auf Isegrims Haupt: sie wollten Braunen, den Bären,Sich zum Könige wählen und auf dem Stuhle zu AachenMit der goldenen Krone das Reich ihm festlich versichern.Wollte nun auch von des Königes Freunden und seinen VerwandtenJemand dagegen sich setzen, den sollte mein Vater beredenOder bestechen, und ginge das nicht, sogleich ihn verjagen.Das bekam ich zu wissen: denn Grimbart hatte sich einmalMorgens lustig getrunken und war gesprächig geworden;Seinem Weibe verschwätzte der Tor die Heimlichkeit alle,Legte Schweigen ihr auf; da, glaubt' er, wäre geholfen.Sie begegnete drauf bald meinem Weibe, die mußt ihrDer drei Könige Namen zum feierlichen GelübdeNennen, Ehr und Treue verpfänden, um Liebes und LeidesNiemand ein Wörtchen zu sagen, und so entdeckt' sie ihr alles.Ebensowenig hat auch mein Weib das Versprechen gehalten:Denn sobald sie mich fand, erzählte sie, was sie vernommen,Gab mir ein Merkmal dazu, woran ich die Wahrheit der RedeLeicht erkennte; doch war mir dadurch nur schlimmer geschehen.Ich erinnerte mich der Frösche, deren GequakeBis zu den Ohren des Herrn im Himmel endlich gelangte.Einen König wollten sie haben und wollten im ZwangeLeben, nachdem sie der Freiheit in allen Landen genossen.Da erhörte sie Gott und sandte den Storch, der beständigSie verfolget und haßt und keinen Frieden gewähret.Ohne Gnade behandelt er sie; nun klagen die Toren,Aber leider zu spät: denn nun bezwingt sie der König.
Reineke redete laut zur ganzen Versammlung, es hörtenAlle Tiere sein Wort, und so verfolgt' er die Rede:Seht, für alle fürchtet ich das. So wär es geworden.Herr, ich sorgte für Euch und hoffte beßre Belohnung.Braunens Ränke sind mir bekannt, sein tückisches Wesen,Manche Missetat auch von ihm; ich besorgte das Schlimmste.Würd er Herr, so wären wir alle zusammen verdorben.Unser König ist edel geboren und mächtig und gnädig,Dacht ich im stillen bei mir: es wär ein trauriger Wechsel,Einen Bären und tölpischen Taugenicht so zu erhöhen.Etliche Wochen sann ich darüber und sucht es zu hindern.Auch vor allem begriff ich es wohl: behielte mein VaterSeinen Schatz in der Hand, so brächt er viele zusammen,Sicher gewänn er das Spiel, und wir verlören den König.Meine Sorge ging nun dahin, den Ort zu entdecken,Wo der Schatz sich befände, damit ich ihn heimlich entführte.Zog mein Vater ins Feld, der alte, listige, lief erNach dem Walde bei Tag oder Nacht, in Frost oder Hitze,Näss' oder Trockne, so war ich dahinter und spürte den Gang aus.
Einmal lag ich versteckt in der Erde mit Sorgen und Sinnen,Wie ich entdeckte den Schatz, von dem mir so vieles bekannt war.Da erblickt ich den Vater aus einer Ritze sich schleichen,Zwischen den Steinen kam er hervor und stieg aus der Tiefe.Still und verborgen hielt ich mich da; er glaubte sich einsam,Schaute sich überall um, und als er niemand bemerkteNah oder fern, begann er sein Spiel, Ihr sollt es vernehmen.Wieder mit Sande verstopft' er das Loch und wußte geschicklichMit dem übrigen Boden es gleichzumachen. Das konnte,Wer nicht zusah, unmöglich erkennen. Und eh er von dannenWanderte, wußt er den Platz, wo seine Füße gestanden,Über und über geschickt mit seinem Schwanze zu streichenUnd verwühlte die Spur mit seinem Munde. Das lernt ichJenes Tages zuerst von meinem listigen Vater,Der in Ränken und Schwänken und allen Streichen gewandt war.Und so eilt' er hinweg nach seinem Gewerbe. Da sann ich,Ob sich der herrliche Schatz wohl in der Nähe befände?Eilig trat ich herbei und schritt zum Werke: die RitzeHatt ich in weniger Zeit mit meinen Pfoten eröffnet,Kroch begierig hinein. Da fand ich köstliche Sachen,Feinen Silbers genug und roten Goldes! Wahrhaftig,Auch der älteste hier hat nie so vieles gesehen.Und ich machte mich dran mit meinem Weibe: wir trugen,Schleppten bei Tag und bei Nacht; uns fehlten Karren und Wagen;Viele Mühe kostet' es uns und manche Beschwernis.Treulich hielt Frau Ermelyn aus; so hatten wir endlichDie Kleinode hinweg zu einer Stätte getragen,Die uns gelegener schien. Indessen hielt sich mein VaterTäglich mit jenen zusammen, die unsern König verrieten.Was sie beschlossen, das werdet Ihr hören und werdet erschrecken.
Braun und Isegrim sandten sofort in manche ProvinzenOffene Briefe, die Söldner zu locken: sie sollten zu HaufenEilig kommen, es wolle sie Braun mit Diensten versehen,Milde woll er sogar voraus die Söldner bezahlen.Da durchstrich mein Vater die Länder und zeigte die Briefe,Seines Schatzes gewiß: der, glaubt' er, läge geborgen.Aber es war nun geschehn, er hätte mit allen Gesellen,Sucht' er auch noch so genau, nicht einen Pfennig gefunden.
Keine Bemühung ließ er sich reun; so war er behendeZwischen der Elb und dem Rheine durch alle Länder gelaufen,Manchen Söldner hatt er gefunden und manchen gewonnen,Kräftigen Nachdruck sollte das Geld den Worten verleihen.
Endlich kam der Sommer ins Land; zu seinen GesellenKehrte mein Vater zurück. Da hatt er von Sorgen und NötenUnd von Angst zu erzählen, besonders, wie er beinaheVor den hohen Burgen in Sachsen sein Leben verloren,Wo ihn Jäger mit Pferden und Hunden alltäglich verfolgten,Daß er knapp und mit Not mit heilem Pelze davonkam.
Freudig zeigt' er darauf den vier Verrätern die Liste,Welche Gesellen er alle mit Gold und Versprechen gewonnen.Braunen erfreute die Botschaft; es lasen die fünfe zusammen,Und es hieß: Zwölfhundert von Isegrims kühnen VerwandtenWerden kommen mit offenen Mäulern und spitzigen Zähnen,Ferner: die Kater und Bären sind alle für Braunen gewonnen,Jeder Vielfraß und Dachs aus Sachsen und Thüringen stellt sich.Doch man solle sich ihnen zu der Bedingung verbinden:Einen Monat des Soldes vorauszuzahlen; sie wolltenAlle dagegen mit Macht beim ersten Gebote sich stellen.Gott sei ewig gedankt, daß ich die Plane gehindert!
Denn nachdem er nun alles besorgt, so eilte mein VaterÜber Feld und wollte den Schatz auch wieder beschauen.Da ging erst die Bekümmernis an: da grub er und suchte;Doch je länger er scharrte, je weniger fand er. VergebensWar die Mühe, die er sich gab, und seine Verzweiflung:Denn der Schatz war fort, er konnt ihn nirgend entdecken.Und vor ärger und Scham—wie schrecklich quält die ErinnrungMich bei Tag und bei Nacht!—erhängte mein Vater sich selber.
Alles das hab ich getan, die böse Tat zu verhindern.Übel gerät es mir nun; jedoch es soll mich nicht reuen.Isegrim aber und Braun, die gefräßigen, sitzen am nächstenBei dem König zu Rat. Und Reineke! wie dir dagegen,Armer Mann, jetzt gedankt wird! daß du den leiblichen VaterHingegeben, den König zu retten. Wo sind sie zu findenDie sich selber verderben, nur Euch das Leben zu fristen?
König und Königin hatten indes, den Schatz zu gewinnen,Große Begierde gefühlt; sie traten seitwärts und riefenReineken, ihn besonders zu sprechen, und fragten behende:Saget an, wo habt Ihr den Schatz? Wir möchten es wissen.Reineke ließ sich dagegen vernehmen: Was könnt es mir helfen,Zeigt ich die herrlichen Güter dem Könige, der mich verurteilt?Glaubet er meinen Feinden doch mehr, den Dieben und Mördern,Die Euch mit Lügen beschweren, mein Leben mir abzugewinnen.
Nein, versetzte die Königin: nein! so soll es nicht werden!Leben läßt Euch mein Herr, und das Vergangne vergißt er.Er bezwingt sich und zürnet nicht mehr. Doch möget Ihr künftigKlüger handeln und treu und gewärtig dem Könige bleiben.
Reineke sagte: Gnädige Frau, vermöget den König,Mir zu geloben vor Euch, daß er mich wieder begnadigt,Daß er mir alle Verbrechen und Schulden und alle den Unmut,Den ich ihm leider erregt, auf keine Weise gedenket,So besitzet gewiß in unsern Zeiten kein KönigSolchen Reichtum, als er durch meine Treue gewinnet;Groß ist der Schatz! ich zeige den Ort, Ihr werdet erstaunen.
Glaubet ihm nicht! versetzte der König: doch wenn er von Stehlen,Lügen und Rauben erzählet, das möget Ihr allenfalls glauben;Denn ein größerer Lügner ist wahrlich niemals gewesen.
Und die Königin sprach: Fürwahr, sein bisheriges LebenHat ihm wenig Vertrauen erworben; doch jetzo bedenket,Seinen Oheim, den Dachs, und seinen eigenen VaterHat er diesmal bezichtigt und ihre Frevel verkündigt.Wollt er, so konnt er sie schonen und konnte von anderen TierenSolche Geschichten erzählen; er wird so törig nicht lügen.
Meinet Ihr so? versetzte der König: und denkt Ihr, es wäreWirklich zum besten geraten, daß nicht ein größeres übelDraus entstände, so will ich es tun und diese VerbrechenReinekens über mich nehmen und seine verwundete Sache.Einmal trau ich, zum letztenmal noch! das mag er bedenken:Denn ich schwör es ihm zu bei meiner Krone! wofern erKünftig frevelt und lügt, es soll ihn ewig gereuen;Alles, wär es ihm nur verwandt ihm zehenten Grade,Wer sie auch wären, sie sollens entgelten, und keiner entgeht mir,Sollen in Unglück und Schmach und schwere Prozesse geraten!
Als nun Reineke sah, wie schnell sich des Königs GedankenWendeten, faßt' er ein Herz und sagte: Sollt ich so törichtHandeln, gnädiger Herr, und Euch Geschichten erzählen,Deren Wahrheit sich nicht in wenig Tagen bewiese?
Und der König glaubte den Worten, und alles vergab er,Erst des Vaters Verrat, dann Reinekens eigne Verbrechen.Über die Maßen freute sich der; zur glücklichen Stunde,War er der Feinde Gewalt und seinem Verhängnis entronnen.
Edler König, gnädiger Herr! begann er zu sprechen:Möge Gott Euch alles vergelten und Eurer Gemahlin,Was Ihr an mir Unwürdigem tut; ich will es gedenken,Und ich werde mich immer gar höchlich dankbar erzeigen.Denn es lebet gewiß in allen Landen und ReichenNiemand unter der Sonne, dem ich die herrlichen SchätzeLieber gönnte, denn eben Euch beiden. Was habt Ihr nicht allesMir für Gnade bewiesen! Dagegen geb ich Euch willigKönig Emmerichs Schatz, so wie ihn dieser besessen.Wo er liegt, beschreib ich Euch nun, ich sage die Wahrheit.
Höret! Im Osten von Flandern ist eine Wüste, darinnenLiegt ein einzelner Busch, heißt Hüsterlo, merket den Namen!Dann ist ein Brunn, der Krekelborn heißt, Ihr werdet verstehen,Beide nicht weit auseinander. Es kommt in selbige GegendWeder Weib noch Mann im ganzen Jahre. Da wohnetNur die Eul und der Schuhu, und dort begrub ich die Schätze.Krekelborn heißt die Stätte, das merket und nützet das Zeichen.Gehet selber dahin mit Eurer Gemahlin: es wäreNiemand sicher genug, um ihn als Boten zu senden,Und der Schande wäre zu groß; ich darf es nicht raten.Selber müßt Ihr dahin. Bei Krekelborn geht Ihr vorüber,Seht zwei junge Birken hernach, und merket! die eineSteht nicht weit von dem Brunnen; so geht nun, gnädiger König,Grad auf die Birken los, denn drunter liegen die Schätze.Kratzt und scharret nur zu; erst findet Ihr Moos an den Wurzeln,Dann entdeckt Ihr sogleich die allerreichsten Geschmeide,Golden, künstlich und schön, auch findet Ihr Emmerichs Krone:Wäre des Bären Wille geschehn, der sollte sie tragen.Manchen Zierat seht Ihr daran und EdelgesteineGoldnes Kunstwerk; man macht es nicht mehr, wer wollt es bezahlen?Sehet Ihr alle das Gut, o gnädiger König, beisammen,Ja, ich bin es gewiß, Ihr denket meiner in Ehren.Reineke, redlicher Fuchs! so denkt Ihr: der du so klüglichUnter das Moos die Schätze gegraben, o mög es dir immer,Wo du auch sein magst, glücklich ergehen! So sagte der Heuchler.
Und der König versetzte darauf: Ihr müßt mich begleiten,Denn wie will ich allein die Stelle treffen? Ich habeWohl von Aachen gehört, wie auch von Lübeck und KöllenUnd von Paris; doch Hüsterlo hört ich im Leben nicht einmalNennen, ebensowenig als Krekelborn; sollt ich nicht fürchten,Daß du uns wieder belügst und solche Namen erdichtest?
Reineke hörte nicht gern des Königs bedächtige Rede,Sprach: So weis ich Euch doch nicht fern von hinnen, als hättetIhr am Jordan zu suchen. Wie schien ich Euch jetzo verdächtig?Nächst, ich bleibe dabei, ist alles in Flandern zu finden.Laßt uns einige fragen; es mag es ein andrer versichern.Krekelborn! Hüsterlo! sagt ich, und also heißen die Namen.Lampen rief er darauf, und Lampe zauderte bebend.Reineke rief. So kommt nur getrost, der König begehrt Euch,Will, Ihr sollt bei Eid und bei Pflicht, die Ihr neulich geleistet,Wahrhaft reden; so zeiget denn an, wofern Ihr es wisset,Sagt, wo Hüsterlo liegt und Krekelborn? Lasset uns hören.
Lampe sprach: Das kann ich wohl sagen. Es liegt in der WüsteKrekelborn nahe bei Hüsterlo. Hüsterlo nennen die LeuteJenen Busch, wo Simonet lange, der Krumme, sich aufhielt,Falsche Münzen zu schlagen mit seinen verwegnen Gesellen.Vieles hab ich daselbst von Frost und Hunger gelitten,Wenn ich vor Rynen, dem Hund, in großen Nöten geflüchtet.Reineke sagte darauf: Ihr könnt Euch unter die andernWieder stellen; Ihr habet den König genugsam berichtet.Und der König sagte zu Reineken: Seid mir zufrieden,Daß ich hastig gewesen und Eure Worte bezweifelt;Aber sehet nun zu, mich an die Stelle zu bringen.
Reineke sprach: Wie schätzt ich mich glücklich, geziemt' es mir heuteMit dem König zu gehn und ihm nach Flandern zu folgen;Aber es müßt Euch zur Sünde gereichen. So sehr ich mich schäme,Muß es heraus, wie gern ich es auch noch länger verschwiege.Isegrim ließ vor einiger Zeit zum Mönche sich weihen,Zwar nicht etwa dem Herren zu dienen, er diente dem Magen,Zehrte das Kloster fast auf; man reicht' ihm für sechse zu essen,Alles war ihm zu wenig, er klagte mir Hunger und Kummer.Endlich erbarmet' es mich, als ich ihn mager und krank sah,Half ihm treulich davon, er ist mein naher Verwandter.Und nun hab ich darum den Bann des Papstes verschuldet,Möchte nun ohne Verzug, mit Eurem Wissen und Willen,Meine Seele beraten und morgen mit Aufgang der Sonne,Gnad und Ablaß zu suchen, nach Rom mich als Pilger begebenUnd von dannen über das Meer; so werden die SündenAlle von mir genommen, und kehr ich wieder nach Hause,Darf ich mit Ehren neben Euch gehn. Doch tät ich es heute.Würde jeglicher sagen: Wie treibt es jetzo der KönigWieder mit Reineken, den er vor kurzem zum Tode verurteilt;Und der über das alles im Bann des Papstes verstrickt ist!Gnädiger Herr, Ihr seht es wohl ein, wir lassen es lieber.
Wahr, versetzte der König darauf: das konnt ich nicht wissen.Bist du im Banne, so wär mirs ein Vorwurf, dich mit mir zu führen,Lampe kann mich oder ein andrer zum Borne begleiten.Aber, Reineke, daß du vom Banne dich suchst zu befreien,Find ich nützlich und gut. Ich gebe dir gnädigen Urlaub,Morgen beizeiten zu gehn; ich will die Wallfahrt nicht hindern.Denn mir scheint, Ihr wollt Euch bekehren vom Bösen zum Guten.Gott gesegne den Vorsatz und laß Euch die Reise vollbringen!
Sechster Gesang
So gelangte Reineke wieder zur Gnade des Königs.Und es trat der König hervor auf erhabene Stätte,Sprach vom Steine herab und hieß die sämtlichen TiereStille schweigen; sie sollten ins Gras nach Stand und Geburt sichNiederlassen. Und Reineke stand an der Königin Seite;Aber der König begann mit großem Bedachte zu sprechen:
Schweiget und höret mich an, zusammen Vögel und Tiere,Arm' und Reiche, höret mich an, ihr Großen und Kleinen,Meine Baronen und meine Genossen des Hofes und Hauses!Reineke steht hier in meiner Gewalt; man dachte vor kurzem,Ihn zu hängen, doch hat er bei Hofe so manches GeheimnisDargetan, daß ich ihm glaube und wohlbedächtlich die Huld ihmWieder schenke. So hat auch die Königin, meine Gemahlin,Sehr gebeten für ihn, so daß ich ihm günstig geworden,Mich ihm völlig versöhnet und Leib und Leben und GüterFrei ihm gegeben. Es schützt ihn fortan und schirmt ihn mein Friede;Nun sei allen zusammen bei Leibesleben geboten:Reineken sollt ihr überall ehren mit Weib und mit Kindern,Wo sie euch immer bei Tag oder Nacht künftig begegnen.Ferner hör ich von Reinekens Dingen nicht weitere Klage;Hat er übels getan, so ist es vorüber; er wird sichBessern und tut es gewiß. Denn morgen wird er beizeitenStab und Ränzel ergreifen, als frommer Pilger nach Rom gehnUnd von dannen über das Meer; auch kommt er nicht wieder,Bis er vollkommenen Ablaß der sündigen Taten erlangt hat.
Hinze wandte sich drauf zu Braun und Isegrim zornig:Nun ist Mühe und Arbeit verloren! so rief er: o wär ichWeit von hier! Ist Reineke wieder zu Gnaden gekommen,Braucht er jegliche Kunst, uns alle drei zu verderben.Um ein Auge bin ich gebracht, ich fürchte fürs andre!
Guter Rat ist teuer, versetzte der Braune: das seh ich.Isegrim sagte dagegen: Das Ding ist seltsam! wir wollenGrad zum Könige gehn. Er trat verdrießlich mit BraunenGleich vor König und Königin auf, sie redeten vielesWider Reineken, redeten heftig; da sagte der König:Hörtet Ihrs nicht? Ich hab ihn aufs neue zu Gnaden empfangen.Zornig sagt' es der König und ließ im Augenblick beideFahen, binden und schließen; denn er gedachte der Worte,Die er von Reineken hatte vernommen, und ihres Verrates.
So veränderte sich in dieser Stunde die SacheReinekens völlig. Er machte sich los, und seine VerklägerWurden zuschanden; er wußte sogar es tückisch zu lenken,Daß man dem Bären ein Stück von seinem Felle herabzog,Fußlang, fußbreit, daß auf die Reise daraus ihm ein RänzelFertig würde; so schien zum Pilger ihm wenig zu fehlen.Aber die Königin bat er, auch Schuh ihm zu schaffen, und sagte:Ihr erkennt mich, gnädige Frau, nun einmal für EurenPilger; helfet mir nun, daß ich die Reise vollbringe.Isegrim hat vier tüchtige Schuhe, da wär es wohl billig,Daß er ein Paar mir davon zu meinem Wege verließe;Schafft mir sie, gnädige Frau, durch meinen Herren, den König.Auch entbehrte Frau Gieremund wohl ein Paar von den ihren,Denn als Hausfrau bleibt sie doch meist in ihrem Gemache.
Diese Forderung fand die Königin billig. Sie könnenJedes wahrlich ein Paar entbehren! sagte sie gnädig.Reineke dankte darauf und sagte mit freudiger Beugung:Krieg ich doch nun vier tüchtige Schuhe, da will ich nicht zaudern.Alles Guten, was ich sofort als Pilger vollbringe,Werdet Ihr teilhaft gewiß, Ihr und mein gnädiger König.Auf der Wallfahrt sind wir verpflichtet, für alle zu beten,Die uns irgend geholfen. Es lohne Gott Euch die Milde!
An den vorderen Füßen verlor Herr Isegrim alsoSeine Schuhe bis an die Knorren; desgleichen verschonteMan Frau Gieremund nicht, sie mußte die hintersten lassen.
So verloren sie beide die Haut und Klauen der Füße,Lagen erbärmlich mit Braunen zusammen und dachten zu sterben;Aber der Heuchler hatte die Schuh und das Ränzel gewonnen,Trat herzu und spottete noch besonders der Wölfin:Liebe, Gute! sagt' er zu ihr: da sehet, wie zierlichEure Schuhe mir stehn, ich hoffe, sie sollen auch dauern.Manche Mühe gabt Ihr Euch schon zu meinem Verderben,Aber ich habe mich wieder bemüht; es ist mir gelungen.Habt Ihr Freude gehabt, so kommt nun endlich die ReiheWieder an mich; so pflegt es zu gehn, man weiß sich zu fassen.Wenn ich nun reise, so kann ich mich täglich der lieben VerwandtenDankbar erinnern; Ihr habt mir die Schuhe gefällig gegeben,Und es soll Euch nicht reuen; was ich an Ablaß verdiene,Teil ich mit Euch, ich hol ihn zu Rom und über dem Meere.
Und Frau Gieremund lag in großen Schmerzen, sie konnteFast nicht reden, doch griff sie sich an und sagte mit Seufzen:Unsre Sünden zu strafen, läßt Gott Euch alles gelingen.Aber Isegrim lag und schwieg mit Braunen zusammen;Beide waren elend genug, gebunden, verwundetUnd vom Feinde verspottet. Es fehlte Hinze, der Kater;Reineke wünschte so sehr, auch ihm das Wasser zu wärmen.
Nun beschäftigte sich der Heuchler am anderen Morgen,Gleich die Schuhe zu schmieren, die seine Verwandten verloren,Eilte, dem Könige noch sich vorzustellen, und sagte:Euer Knecht ist bereit, den heiligen Weg zu betreten;Eurem Priester werdet Ihr nun in Gnaden befehlen,Daß er mich segne, damit ich von hinnen mit Zuversicht scheide,Daß mein Ausgang und Eingang gebenedeit sei! So sprach er.Und es hatte der König den Widder zu seinem Kaplane;Alle geistlichen Dinge besorgt er, es braucht ihn der KönigAuch zum Schreiber, man nennt ihn Bellyn. Da ließ er ihn rufen,Sagte: Leset sogleich mir etliche heilige WorteÜber Reineken hier, ihn auf die Reise zu segnen,Die er vorhat; er gehet nach Rom und über das Wasser.Hänget das Ränzel ihm um und gebt ihm den Stab in die Hände.Und es erwiderte drauf Bellyn: Herr König, Ihr habet,Glaub ich, vernommen, daß Reineke noch vom Banne nicht los ist.Übels würd ich deswegen von meinem Bischof erdulden,Der es leichtlich erfährt und mich zu strafen Gewalt hat.Aber ich tue Reineken selbst nichts Grades noch Krummes.Könnte man freilich die Sache vermitteln, und sollt es kein VorwurfMir beim Bischof, Herrn Ohnegrund, werden, zürnte nicht etwaMir darüber der Propst, Herr Losefund, oder der DechantRapiamus, ich segnet ihn gern nach Eurem Befehle.
Und der König versetzte: Was soll das Reimen und Reden?Viele Worte laßt Ihr uns hören und wenig dahinter.Leset Ihr über Reineke mir nicht Grades noch Krummes,Frag ich den Teufel darnach! Was geht mich der Bischof im Dom an?Reineke macht die Wallfahrt nach Rom, und wollt Ihr das hindern?
Ängstlich kraute Bellyn sich hinter den Ohren; er scheuteSeines Königes Zorn und fing sogleich aus dem Buch anÜber den Pilger zu lesen, doch dieser achtet' es wenig.Was es mochte, half es denn auch; das kann man sich denken.Und nun war der Segen gelesen, da gab man ihm weiterRänzel und Stab, der Pilger war fertig; so log er die Wallfahrt.Falsche Tränen liefen dem Schelmen die Wangen herunterUnd benetzten den Bart, als fühlt' er die schmerzlichste Reue.Freilich schmerzt' es ihn auch, daß er nicht alle zusammen,Wie sie waren, ins Unglück gebracht und drei nur geschändet.Doch er stand und bat, sie möchten alle getreulichFür ihn beten, so gut sie vermöchten. Er machte nun Anstalt,Fortzueilen, er fühlte sich schuldig und hatte zu fürchten.Reineke, sagte der König: Ihr seid mir so eilig! Warum das?—Wer was Gutes beginnt, soll niemals weilen, versetzteReineke drauf: ich bitt Euch um Urlaub, es ist die gerechteStunde gekommen, gnädiger Herr, und lasset mich wandern.Habet Urlaub! sagte der König, und also gebot erSämtlichen Herren des Hofes, dem falschen Pilger ein StückchenWeges zu folgen und ihn zu begleiten. Es lagen indessenBraun und Isegrim, beide gefangen, in Jammer und Schmerzen.
Und so hatte denn Reineke wieder die Liebe des KönigsVöllig gewonnen und ging mit großen Ehren von Hofe,Schien mit Ränzel und Stab nach dem Heiligen Grabe zu wallen,Hatt er dort gleich so wenig zu tun, als ein Maibaum in Aachen.Ganz was anders führt' er im Schilde. Nun war ihm gelungen,Einen flächsenen Bart und eine wächserne NaseSeinem König zu drehen; es mußten ihm alle VerklägerFolgen, da er nun ging, und ihn mit Ehren begleiten.Und er konnte die Tücke nicht lassen und sagte noch scheidend:Sorget, gnädiger Herr, daß Euch die beiden VerräterNicht entgehen, und haltet sie wohl im Kerker gebunden.Würden sie frei, sie ließen nicht ab mit schändlichen Werken.Eurem Leben drohet Gefahr, Herr König, bedenkt es!
Und so ging er dahin mit stillen, frommen Gebärden,Mit einfältigem Wesen, als wüßt ers eben nicht anders.Drauf erhub sich der König zurück zu seinem Palaste,Sämtliche Tiere folgten dahin. Nach seinem BefehleHatten sie Reineken erst ein Stückchen Weges begleitet;Und es hatte der Schelm sich ängstlich und traurig gebärdet,Daß er manchen gutmütigen Mann zum Mitleid bewegte.Lampe, der Hase, besonders war sehr bekümmert. Wir sollen,Lieber Lampe, sagte der Schelm: und sollen wir scheiden?Möcht es Euch und Bellyn, dem Widder, heute belieben,Meine Straße mit mir noch ferner zu wandeln! Ihr würdetMir durch eure Gesellschaft die größte Wohltat erzeigen.Ihr seid angenehme Begleiter und redliche Leute,Jedermann redet nur Gutes von euch, das brächte mir Ehre;Geistlich seid ihr und heiliger Sitte. Ihr lebet gerade,Wie ich als Klausner gelebt. Ihr laßt euch mit Kräutern begnügen,Pfleget mit Laub und Gras den Hunger zu stillen, und fragetNie nach Brot oder Fleisch, noch andrer besonderer Speise.Also konnt er mit Lob der beiden Schwäche betören;Beide gingen mit ihm zu seiner Wohnung und sahenMalepartus, die Burg, und Reineke sagte zum Widder:Bleibet hieraußen, Bellyn, und laßt die Gräser und KräuterNach Belieben Euch schmecken; es bringen diese GebirgeManche Gewächse hervor, gesund und guten Geschmackes.Lampen nehm ich mit mir; doch bittet ihn, daß er mein Weib mirTrösten möge, die schon sich betrübt; und wird sie vernehmen,Daß ich nach Rom als Pilger verreise, so wird sie verzweifeln.Süße Worte brauchte der Fuchs, die zwei zu betrügen.Lampen führt' er hinein, da fand er die traurige FüchsinLiegen neben den Kindern, von großer Sorge bezwungen:Denn sie glaubte nicht mehr, daß Reineke sollte von HofeWiederkehren. Nun sah sie ihn aber mit Ränzel und Stabe;Wunderbar kam es ihr vor, und sagte: Reinhart, mein Lieber,Saget mir doch, wie ists Euch gegangen? Was habt Ihr erfahren?Und er sprach: Schon war ich verurteilt, gefangen, gebunden,Aber der König bezeigte sich gnädig, befreite mich wieder,Und ich zog als Pilger hinweg; es blieben zu BürgenBraun und Isegrim beide zurück. Dann hat mir der KönigLampen zur Sühne gegeben, und was wir nur wollen, geschieht ihm.Denn es sagte der König zuletzt mit gutem Bescheide:Lampe war es, der dich verriet. So hat er wahrhaftigGroße Strafe verdient und soll mir alles entgelten.Aber Lampe vernahm erschrocken die drohenden Worte,War verwirrt und wollte sich retten und eilte, zu fliehen.Reineke schnell vertrat ihm das Tor, es faßte der MörderBei dem Halse den Armen, der laut und gräßlich um HilfeSchrie: O helfet, Bellyn! Ich bin verloren! Der PilgerBringt mich um! Doch schrie er nicht lange: denn Reineke hatt ihmBald die Kehle zerrissen. Und so empfing er den Gastfreund.Kommt nun, sagt' er: und essen wir schnell, denn fett ist der Hase,Guten Geschmackes. Er ist wahrhaftig zum erstenmal etwasNütze, der alberne Geck; ich hatt es ihm lange geschworen.Aber nun ist es vorbei, nun mag der Verräter verklagen!Reineke machte sich dran mit Weib und Kindern, sie pflücktenEilig dem Hasen das Fell und speisten mit gutem Behagen.
Köstlich schmeckt' es der Füchsin, und einmal über das andre:Dank sei König und Königin! rief sie: wir haben durch ihreGnade das herrliche Mahl, Gott mög es ihnen belohnen!Esset nur, sagte Reineke, zu! es reichet für diesmal;Alle werden wir satt, und mehreres denk ich zu holen:Denn es müssen doch alle zuletzt die Zeche bezahlen,Die sich an Reineken machen und ihm zu schaden gedenken.
Und Frau Ermelyn sprach: Ich möchte fragen, wie seid IhrLos und ledig geworden? Ich brauchte, sagt' er dagegen,Viele Stunden, wollt ich erzählen, wie fein ich den KönigUmgewendet und ihn und seine Gemahlin betrogen.Ja, ich leugn es Euch nicht, es ist die Freundschaft nur dünneZwischen dem König und mir und wird nicht lange bestehen.Wenn er die Wahrheit erfährt, er wird sich grimmig entrüsten.Kriegt er mich wieder in seine Gewalt, nicht Gold und nicht SilberKönnte mich retten, er folgt mir gewiß und sucht mich zu fangen.Keine Gnade darf ich erwarten, das weiß ich am besten;Ungehangen läßt er mich nicht, wir müssen uns retten.
Laßt uns nach Schwaben entfliehn! dort kennt uns niemand; wir haltenUns nach Landes Weise daselbst. Hilf Himmel! es findetSüße Speise sich da und alles Guten die Fülle:Hühner, Gänse, Hasen, Kaninchen und Zucker und Datteln,Feigen, Rosinen und Vögel von allen Arten und Größen;Und man bäckt im Lande das Brot mit Butter und Eiern.Rein und klar ist das Wasser, die Luft ist heiter und lieblich,Fische gibt es genug, die heißen Gallinen, und andreHeißen Pullus und Gallus und Anas, wer nennte sie alle?Das sind Fische nach meinem Geschmack! Da brauch ich nicht ebenTief ins Wasser zu tauchen; ich hab sie immer gegessen,Da ich als Klausner mich hielt. Ja, Weibchen, wollen wir endlichFriede genießen, so müssen wir hin, Ihr müßt mich begleiten.
Nun versteht mich nur wohl: es ließ mich diesmal der KönigWieder entwischen, weil ich ihm log von seltenen Dingen.König Emmerichs herrlichen Schatz versprach ich zu liefern;Den beschrieb ich, er läge bei Krekelborn. Werden sie kommen,Dort zu suchen, so finden sie leider nicht dieses, noch jenes,Werden vergeblich im Boden wühlen, und siehet der KönigDergestalt sich betrogen, so wird er schrecklich ergrimmen.Denn was ich für Lügen ersann, bevor ich entwischte,Könnt Ihr denken; fürwahr, es ging zunächst an den Kragen!Niemals war ich in größerer Not, noch schlimmer geängstigt,Nein! ich wünsche mir solche Gefahr nicht wiederzusehen.Kurz, es mag mir begegnen, was will, ich lasse mich niemalsWieder nach Hofe bereden, um in des Königs Gewalt michWieder zu geben; es brauchte wahrhaftig die größte Gewandtheit,Meinen Daumen mit Not aus seinem Munde zu bringen.
Und Frau Ermelyn sagte betrübt: Was wollte das werden?Elend sind wir und fremd in jedem anderen Lande;Hier ist alles nach unserm Begehren. Ihr bleibet der MeisterEurer Bauern. Und habt Ihr ein Abenteuer zu wagenDenn so nötig? Fürwahr, um Ungewisses zu suchen,Das Gewisse zu lassen, ist weder rätlich noch rühmlich.Leben wir hier doch sicher genug! Wie stark ist die Feste!Überzög uns der König mit seinem Heere, belegt' erAuch die Straße mit Macht, wir haben immer so vieleSeitentore, so viel geheime Wege, wir wollenGlücklich entkommen. Ihr wißt es ja besser, was soll ich es sagen?Uns mit Macht und Gewalt in seine Hände zu kriegen,Viel gehörte dazu. Es macht mir keine Besorgnis.Aber daß Ihr über das Meer zu gehen geschworen,Das betrübt mich. Ich fasse mich kaum. Was könnte das werden!
Liebe Frau, bekümmert Euch nicht! versetzte dagegenReineke, höret mich an und merket: besser geschworen,Als verloren! So sagte mir einst ein Weiser im Beichtstuhl:Ein gezwungener Eid bedeute wenig. Das kann michKeinen Katzenschwanz hindern! Ich meine den Eid, versteht nur.Wie Ihr gesagt habt, soll es geschehen. Ich bleibe zu Hause.Wenig hab ich fürwahr in Rom zu suchen, und hätt ichZehen Eide geschworen, so wollt ich Jerusalem nimmerSehen; ich bleibe bei Euch und hab es freilich bequemer;Andrer Orten find ichs nicht besser, als wie ich es habe.Will mir der König Verdruß bereiten, ich muß es erwarten,Stark und zu mächtig ist er für mich: doch kann es gelingen,Daß ich ihn wieder betöre, die bunte Kappe mit SchellenÜber die Ohren ihm schiebe, da soll ers, wenn ichs erlebe,Schlimmer finden, als er es sucht. Das sei ihm geschworen!
Ungeduldig begann Bellyn am Tore zu schmälen:Lampe, wollt Ihr nicht fort? So kommt doch! lasset uns gehen!Reineke hört' es und eilte hinaus und sagte: Mein Lieber,Lampe bittet Euch sehr, ihm zu vergeben, er freut sichDrin mit seiner Frau Muhme, das werdet Ihr, sagt er, ihm gönnen.Gehet sachte voraus. Denn Ermelyn, seine Frau Muhme,Läßt ihn sobald nicht hinweg; Ihr werdet die Freude nicht stören.
Da versetzte Bellyn: Ich hörte schreien, was war es?Lampen hört ich; er rief mir: Bellyn, zu Hilfe! zu Hilfe!Habt Ihr im etwas übels getan? Da sagte der klugeReineke: Höret mich recht! Ich sprach von meiner gelobtenWallfahrt; da wollte mein Weib darüber völlig verzweifeln,Es befiel sie ein tödlicher Schrecken, sie lag uns in Ohnmacht.Lampe sah das und fürchtete sich, und in der VerwirrungRief er: Helfet, Bellyn! Bellyn! o säumet nicht lange,Meine Muhme wird mir gewiß nicht wieder lebendig!Soviel weiß ich, sagte Bellyn: er hat ängstlich gerufen.Nicht ein Härchen ist ihm verletzt, verschwor sich der Falsche;Lieber möchte mir selbst als Lampen was Böses begegnen.Hörtet Ihr? sagte Reineke drauf: es bat mich der KönigGestern, käm ich nach Hause, da sollt ich in einigen BriefenÜber wichtige Sachen ihm meine Gedanken vermelden.Lieber Neffe, nehmet sie mit, ich habe sie fertig.Schöne Dinge sag ich darin und rat ihm das Klügste.Lampe war über die Maßen vergnügt, ich hörte mit FreudenIhn mit seiner Frau Muhme sich alter Geschichten erinnern.Wie sie schwatzten! sie wurden nicht satt! Sie aßen und tranken,Freuten sich übereinander; indessen schrieb ich die Briefe.
Lieber Reinhart, sagte Bellyn: Ihr müßt nur die BriefeWohl verwahren; es fehlt, sie einzustecken, ein Täschchen.Wenn ich die Siegel zerbräche, das würde mir übel bekommen.Reineke sagte: Das weiß ich zu machen. Ich denke, das Ränzel,Das ich aus Braunens Felle bekam, wird eben sich schicken,Es ist dicht und stark, darin verwahr ich die Briefe.Und es wird Euch dagegen der König besonders belohnen;Er empfängt Euch mit Ehren, Ihr seid ihm dreimal willkommen.Alles das glaubte der Widder Bellyn. Da eilte der andreWieder ins Haus, das Ränzel ergriff er und steckte behendeLampens Haupt, des ermordeten, drein und dachte daneben,Wie er dem armen Bellyn die Tasche zu öffnen verwehrte.
Und er sagte, wie er herauskam: Hänget das RänzelNur um den Hals und laßt Euch, mein Neffe, nicht etwa gelüsten,In die Briefe zu sehen; es wäre schädliche Neugier:Denn ich habe sie wohl verwahrt, so müßt Ihr sie lassen.Selbst das Ränzel öffnet mir nicht! Ich habe den KnotenKünstlich geknüpft, ich pflege das so in wichtigen DingenZwischen dem König und mir; und findet der König die RiemenSo verschlungen, wie er gewohnt ist, so werdet Ihr GnadeUnd Geschenke verdienen als zuverlässiger Bote.
Ja, sobald Ihr den König erblickt und wollt noch in beßresAnsehn Euch setzen bei ihm, so laßt ihn merken, als hättetIhr mit gutem Bedacht zu diesen Briefen geraten,Ja, dem Schreiber geholfen; es bringt Euch Vorteil und Ehre.
Und Bellyn ergötzte sich sehr und sprang von der Stätte,Wo er stand, mit Freuden empor und hierhin und dorthin,Sagte: Reineke! Neffe und Herr, nun seh ich, Ihr liebt mich,Wollt mich ehren. Es wird vor allen Herren des HofesMir zum Lobe gereichen, daß ich so gute Gedanken,Schöne, zierliche Worte zusammenbringe. Denn freilichWeiß ich nicht zu schreiben, wie Ihr; doch sollen sies meinen,Und ich dank es nur Euch. Zu meinem Besten geschah es,Daß ich Euch folgte hierher. Nun sagt, was meint Ihr noch weiter?Geht nicht Lampe mit mir in dieser Stunde von hinnen?
Nein! versteht mich! sagte der Schalk: noch ist es unmöglich.Geht allmählich voraus, er soll Euch folgen, sobald ichEinige Sachen von Wichtigkeit ihm vertraut und befohlen.Gott sei bei Euch! sagte Bellyn: so will ich denn gehen.Und er eilete fort; um Mittag gelangt' er nach Hofe.
Als ihn der König ersah und zugleich das Ränzel erblickte,Sprach er: Saget, Bellyn, von wannen kommt Ihr? und wo istReineke blieben? Ihr traget das Ränzel, was soll das bedeuten?Da versetzte Bellyn: Er bat mich, gnädigster König,Euch zwei Briefe zu bringen, wir haben sie beide zusammenAusgedacht. Ihr findet subtil die wichtigsten SachenAbgehandelt, und was sie enthalten, das hab ich geraten;Hier im Ränzel finden sie sich; er knüpfte den Knoten.
Und es ließ der König sogleich dem Biber gebieten,Der Notarius war und Schreiber des Königs, man nennt ihnBokert. Es war sein Geschäft, die schweren, wichtigen BriefeVor dem König zu lesen, denn manche Sprache verstand er.Auch nach Hinzen schickte der König, er sollte dabei sein.
Als nun Bokert den Knoten mit Hinze, seinem Gesellen,Aufgelöset, zog er das Haupt des ermordeten HasenMit Erstaunen hervor und rief. Das heiß ich mir Briefe!Seltsam genug! Wer hat sie geschrieben? Wer kann es erklären?Dies ist Lampens Kopf, es wird ihn niemand verkennen.
Und es erschraken König und Königin. Aber der KönigSenkte sein Haupt und sprach: O Reineke! hätt ich dich wieder!König und Königin beide betrübten sich über die Maßen.Reineke hat mich betrogen! so rief der König. O hätt ichSeinen schändlichen Lügen nicht Glauben gegeben! so rief er,Schien verworren, mit ihm verwirrten sich alle die Tiere.
Aber Lupardus begann, des Königs naher Verwandter:Traun! ich sehe nicht ein, warum Ihr also betrübt seid,Und die Königin auch. Entfernet diese Gedanken,Fasset Mut! es möcht Euch vor allen zur Schande gereichen.Seid Ihr nicht Herr? Es müssen Euch alle, die hier sind, gehorchen.
Eben deswegen, versetzte der König: so laßt Euch nicht wundern,Daß ich im Herzen betrübt bin. Ich habe mich leider vergangen.Denn mich hat der Verräter mit schändlicher Tücke bewogen,Meine Freunde zu strafen. Es liegen beide geschändet,Braun und Isegrim; sollte michs nicht von Herzen gereuen?Ehre bringt es mir nicht, daß ich den besten BaronenMeines Hofes so übel begegnet, und daß ich dem LügnerSo viel Glauben geschenkt und ohne Vorsicht gehandelt.Meiner Frauen folgt ich zu schnell. Sie ließ sich betören,Bat und flehte für ihn; o wär ich nur fester geblieben!Nun ist die Reue zu spät, und aller Rat ist vergebens.
Und es sagte Lupardus: Herr König, höret die Bitte,Trauert nicht länger! was übels geschehen ist, läßt sich vergleichen.Gebet dem Bären, dem Wolfe, der Wölfin zur Sühne den Widder;Denn es bekannte Bellyn gar offen und kecklich, er habeLampens Tod geraten; das mag er nun wieder bezahlen!Und wir wollen hernach zusammen auf Reineken losgehn,Werden ihn fangen, wenn es gerät, da hängt man ihn eilig;Kommt er zum Worte, so schwätzt er sich los und wird nicht gehangen.Aber ich weiß es gewiß, es lassen sich jene versöhnen.
Und der König hörte das gern; er sprach zu Lupardus:Euer Rat gefällt mir; so geht nun eilig und holetMir die beiden Baronen, sie sollen sich wieder mit EhrenIn dem Rate neben mich setzen. Laßt mir die TiereSämtlich zusammenberufen, die hier bei Hofe gewesen;Alle sollen erfahren, wie Reineke schändlich gelogen,Wie er entgangen und dann mit Bellyn den Lampe getötet.Alle sollen dem Wolf und dem Bären mit Ehrfurcht begegnen,Und zur Sühne geb ich den Herren, wie Ihr geraten,Den Verräter Bellyn und seine Verwandten auf ewig.
Und es eilte Lupardus, bis er die beiden Gebundnen,Braun und Isegrim, fand. Sie wurden gelöset; da sprach er:Guten Trost vernehmet von mir! Ich bringe des KönigsFesten Frieden und freies Geleit. Versteht mich, ihr Herren:Hat der König euch übels getan, so ist es ihm selberLeid, er läßt es euch sagen und wünscht euch beide zufrieden;Und zur Sühne sollt ihr Bellyn mit seinem Geschlechte,Ja, mit allen Verwandten auf ewige Zeiten empfahen.Ohne weiteres tastet sie an, ihr möget im Walde,Möget im Felde sie finden, sie sind euch alle gegeben.Dann erlaubt euch mein gnädiger Herr noch über das alles,Reineken, der euch verriet, auf jede Weise zu schaden:Ihn, sein Weib und Kinder und alle seine VerwandtenMögt ihr verfolgen, wo ihr sie trefft, es hindert euch niemand.Diese köstliche Freiheit verkünd ich im Namen des Königs.Er und alle, die nach ihm herrschen, sie werden es halten!Nur vergesset denn auch, was euch Verdrießlichs begegnet,Schwöret, ihm treu und gewärtig zu sein, ihr könnt es mit Ehren.Nimmer verletzt er euch wieder; ich rat euch, ergreifet den Vorschlag.
Also war die Sühne beschlossen; sie mußte der WidderMit dem Halse bezahlen, und alle seine VerwandtenWerden noch immer verfolgt von Isegrims mächtiger Sippschaft.So begann der ewige Haß. Nun fahren die WölfeOhne Scheu und Scham auf Lämmer und Schafe zu wütenFort, sie glauben das Recht auf ihrer Seite zu haben;Keines verschonet ihr Grimm, sie lassen sich nimmer versöhnen.Aber um Brauns und Isegrims willen und ihnen zu EhrenLieß der König den Hof zwölf Tage verlängern; er wollteÖffentlich zeigen, wie ernst es ihm sei, die Herrn zu versöhnen.
Siebenter Gesang
Und nun sah man den Hof gar herrlich bestellt und bereitet,Manche Ritter kamen dahin; den sämtlichen TierenFolgten unzählige Vögel, und alle zusammen verehrtenBraun und Isegrim hoch, die ihrer Leiden vergaßen.Da ergötzte sich festlich die beste Gesellschaft, die jemalsNur beisammen gewesen; Trompeten und Pauken erklangen,Und den Hoftanz führte man auf mit guten Manieren.Überflüssig war alles bereitet, was jeder begehrte.Boten auf Boten gingen ins Land und luden die Gäste,Vögel und Tiere machten sich auf, sie kamen zu Paaren,Reiseten hin bei Tag und bei Nacht und eilten zu kommen.
Aber Reineke Fuchs lag auf der Lauer zu Hause,Dachte nicht nach Hofe zu gehn, der verlogene Pilger;Wenig Dankes erwartet' er sich. Nach altem GebraucheSeine Tücke zu üben, gefiel am besten dem Schelme.Und man hörte bei Hof die allerschönsten Gesänge,Speis und Trank ward über und über den Gästen gereichet,Und man sah turnieren und fechten. Es hatte sich jederZu den Seinen gesellt, da ward getanzt und gesungen,Und man hörte Pfeifen dazwischen und hörte Schalmeien.Freundlich schaute der König von seinem Saale hernieder;Ihm behagte das große Getümmel, er sah es mit Freuden.
Und acht Tage waren vorbei (es hatte der KönigSich zu Tafel gesetzt mit seinen ersten Baronen,Neben der Königin saß er), und blutig kam das KaninchenVor den König getreten und sprach mit traurigem Sinne:Herr! Herr König! und alle zusammen! erbarmet Euch meiner!Denn Ihr habt so argen Verrat und mördrische Taten,Wie ich von Reineken diesmal erduldet, nur selten vernommen.Gestern morgen fand ich ihn sitzen, es war um die sechsteStunde, da ging ich die Straße vor Malepartus vorüber;Und ich dachte, den Weg in Frieden zu ziehen. Er hatte,Wie ein Pilger gekleidet, als läs er Morgengebete,Sich vor seine Pforte gesetzt. Da wollt ich behendeMeines Weges vorbei, zu Eurem Hofe zu kommen.Als er mich sah, erhub er sich gleich und trat mir entgegen,Und ich glaubt, er wollte mich grüßen; da faßt' er mich aberMit den Pfoten gar mörderlich an, und zwischen den OhrenFühlt ich die Klauen und dachte wahrhaftig das Haupt zu verlieren:Denn sie sind lang und scharf, er druckte mich nieder zur Erde.Glücklicherweise macht ich mich los, und da ich so leicht bin,Konnt ich entspringen; er knurrte mir nach und schwur, mich zu finden.Aber ich schwieg und machte mich fort, doch leider behielt erMir ein Ohr zurück, ich komme mit blutigem Haupte.Seht, vier Löcher trug ich davon! Ihr werdet begreifen,Wie er mit Ungestüm schlug, fast wär ich liegen geblieben.Nun bedenket die Not, bedenket Euer Geleite!Wer mag reisen? wer mag an Eurem Hofe sich finden,Wenn der Räuber die Straße belegt und alle beschädigt?
Und er endigte kaum, da kam die gesprächige Krähe,Merkenau, sagte: Würdiger Herr und gnädiger König!Traurige Märe bring ich vor Euch, ich bin nicht imstande,Viel zu reden vor Jammer und Angst, ich fürchte, das bricht mirNoch das Herz: so jämmerlich Ding begegnet' mir heuteScharfenebbe, mein Weib, und ich, wir gingen zusammenHeute früh, und Reineke lag für tot auf der Heide,Beide Augen im Kopfe verkehrt, es hing ihm die ZungeWeit zum offenen Munde heraus. Da fing ich vor SchreckenLaut an zu schrein. Er regte sich nicht, ich schrie und beklagt ihn,Rief. O weh mir! und Ach! und wiederholte die Klage:Ach! er ist tot! wie dauert er mich! wie bin ich bekümmert!Meine Frau betrübte sich auch, wir jammerten beide.Und ich betastet ihm Bauch und Haupt, es nahte desgleichenMeine Frau sich und trat ihm ans Kinn, ob irgend der AtemEiniges Leben verriet', allein sie lauschte vergebens:Beide hätten wir drauf geschworen. Nun höret das Unglück.
Wie sie nun traurig und ohne Besorgnis dem Munde des SchelmenIhren Schnabel näher gebracht, bemerkt' es der Unhold,Schnappte grimmig nach ihr und riß das Haupt ihr herunter.Wie ich erschrak, das will ich nicht sagen. O weh mir! o weh mir!Schrie ich und rief. Da schoß er hervor und schnappte mit einmalAuch nach mir; da fuhr ich zusammen und eilte zu fliehen.Wär ich nicht so behende gewesen, er hätte mich gleichfallsFestgehalten; mit Not entkam ich den Klauen des Mörders,Eilend erreicht ich den Baum! O hätt ich mein trauriges LebenNicht gerettet! ich sah mein Weib in des Bösewichts Klauen.Ach! er hatte die Gute gar bald gegessen. Er schien mirSo begierig und hungrig, als wollt er noch einige speisen;Nicht ein Beinchen ließ er zurück, kein Knöchelchen übrig.Solchen Jammer sah ich mit an! Er eilte von dannen,Aber ich konnt es nicht lassen und flog mit traurigem HerzenAn die Stätte; da fand ich nur Blut und wenige FedernMeines Weibes. Ich bringe sie her, Beweise der Untat.Ach, erbarmt Euch, gnädiger Herr, denn solltet Ihr diesmalDiesen Verräter verschonen, gerechte Rache verzögern,Eurem Frieden und Eurem Geleite nicht Nachdruck verschaffen,Vieles würde darüber gesprochen, es würd Euch mißfallen.Denn man sagt: der ist schuldig der Tat, der zu strafen Gewalt hatUnd nicht strafet; es spielet alsdann ein jeder den Herren.Eurer Würde ging' es zu nah, Ihr mögt es bedenken.
Also hatte der Hof die Klage des guten KaninchensUnd der Krähe vernommen. Da zürnte Nobel, der König,Rief: So sei es geschworen bei meiner ehlichen Treue,Diesen Frevel bestraf ich, man soll es lange gedenken!Mein Geleit und Gebot zu verhöhnen! Ich will es nicht dulden.Gar zu leicht vertraut ich dem Schelm und ließ ihn entkommen,Stattet ihn selbst als Pilger noch aus und sah ihn von hinnenScheiden, als ging' er nach Rom. Was hat uns der Lügner nicht allesAufgeheftet! Wie wußt er sich nicht der Königin VorwortLeicht zu gewinnen! Sie hat mich beredet, nun ist er entkommen.Aber ich werde der Letzte nicht sein, den es bitter gereute,Frauenrat befolget zu haben. Und lassen wir längerUngestraft den Bösewicht laufen, wir müssen uns schämen.Immer war er ein Schalk und wird es bleiben. BedenketNun zusammen, ihr Herren, wie wir ihn fahen und richten!Greifen wir ernstlich dazu, so wird die Sache gelingen.
Isegrimen und Braunen behagte die Rede des Königs.Werden wir doch am Ende gerochen! so dachten sie beide.Aber sie trauten sich nicht zu reden, sie sahen, der KönigWar verstörten Gemüts und zornig über die Maßen.Und die Königin sagte zuletzt: Ihr solltet so heftig,Gnädiger Herr, nicht zürnen, so leicht nicht schwören; es leidetEuer Ansehn dadurch und Eurer Worte Bedeutung.Denn wir sehen die Wahrheit noch keineswegs am Tage;Ist doch erst der Beklagte zu hören. Und wär er zugegen,Würde mancher verstummen, der wider Reineken redet.Beide Parteien sind immer zu hören; denn mancher VerwegneKlagt, um seine Verbrechen zu decken. Für klug und verständigHielt ich Reineken, dachte nichts Böses und hatte nur immerEuer Bestes vor Augen, wiewohl es nun anders gekommen.Denn sein Rat ist gut zu befolgen, wenn freilich sein LebenManchen Tadel verdient. Dabei ist seines GeschlechtesGroße Verbindung wohl zu bedenken. Es werden die SachenNicht durch übereilung gebessert, und was Ihr beschließet,Werdet Ihr dennoch zuletzt als Herr und Gebieter vollziehen.
Und Lupardus sagte darauf: Ihr höret so manchen;Höret diesen denn auch. Er mag sich stellen, und was IhrDann beschließt, vollziehe man gleich. So denken vermutlichDiese sämtlichen Herrn mit Eurer edlen Gemahlin.
Isegrim sagte darauf: Ein jeder rate zum Besten!Herr Lupardus, höret mich an. Und wäre zur StundeReineke hier und entledigte sich der doppelten KlageDieser beiden, so wär es mir immer ein leichtes, zu zeigen,Daß er das Leben verwirkt. Allein ich schweige von allem,Bis wir ihn haben. Und habt Ihr vergessen, wie sehr er den KönigMit dem Schatze belogen? Den sollt er in Hüsterlo nebenKrekelborn finden, und was der groben Lüge noch mehr war.Alle hat er betrogen und mich und Braunen geschändet;Aber ich setze mein Leben daran. So treibt es der LügnerAuf der Heide. Nun streicht er herum und raubet und mordet.Deucht es dem Könige gut und seinen Herren, so mag manAlso verfahren. Doch wär es ihm Ernst, nach Hofe zu kommen,Hätt er sich lange gefunden. Es eilten die Boten des KönigsDurch das Land, die Gäste zu laden, doch blieb er zu Hause.
Und es sagte der König darauf: Was sollen wir langeHier ihn erwarten? Bereitet euch alle (so sei es geboten!),Mir am sechsten Tage zu folgen. Denn wahrlich das EndeDieser Beschwerden will ich erleben. Was sagen die Herren?Wär er nicht fähig, zuletzt ein Land zugrunde zu richten?Macht euch fertig, so gut ihr nur könnt, und kommet im Harnisch,Kommt mit Bogen und Spießen und allen andern Gewehren,Und betragt euch wacker und brav! Es führe mir jeder,Denn ich schlage wohl Ritter im Felde, den Namen mit Ehren.Malepartus, die Burg, belegen wir, was er im Haus hat,Wollen wir sehen. Da riefen sie alle: Wir werden gehorchen!
Also dachte der König und seine Genossen, die FesteMalepartus zu stürmen, den Fuchs zu strafen. Doch Grimbart,Der im Rate gewesen, entfernte sich heimlich und eilte,Reineken aufzusuchen und ihm die Nachricht zu bringen;Traurend ging er und klagte vor sich und sagte die Worte:Ach, was kann es nun werden, mein Oheim! Billig bedauertDich dein ganzes Geschlecht, du Haupt des ganzen Geschlechtes!Vor Gericht vertratest du uns, wir waren geborgen:Niemand konnte bestehen vor dir und deiner Gewandtheit.
So erreicht' er das Schloß, und Reineken fand er im FreienSitzen. Er hatte sich erst zwei junge Tauben gefangen;Aus dem Neste wagten sie sich, den Flug zu versuchen,Aber die Federn waren zu kurz; sie fielen zu Boden,Nicht imstande, sich wieder zu heben, und Reineke griff sie,Denn oft ging er umher, zu jagen. Da sah er von weitenGrimbart kommen und wartete sein; er grüßt' ihn und sagte:Seid mir, Neffe, willkommen vor allen meines Geschlechtes!Warum lauft Ihr so sehr! Ihr keichet! bringt Ihr was Neues?
Ihm erwiderte Grimbart: Die Zeitung, die ich vermelde,Klingt nicht tröstlich, Ihr seht, ich komm in ängsten gelaufen;Leben und Gut ist alles verloren! Ich habe des KönigsZorn gesehen: er schwört, Euch zu fahen und schändlich zu töten.Allen hat er befohlen, am sechsten Tage gewaffnetHier zu erscheinen mit Bogen und Schwert, mit Büchsen und Wagen.Alles fällt nun über Euch her, bedenkt Euch inzeiten!Isegrim aber und Braun sind mit dem Könige wiederBesser vertraut, als ich nur immer mit Euch bin, und alles,Was sie wollen, geschieht. Den gräßlichsten Mörder und RäuberSchilt Euch Isegrim laut, und so bewegt er den König;Er wird Marschall, Ihr werdet es sehen, in wenigen Wochen.Das Kaninchen erschien, dazu die Krähe, sie brachtenGroße Klagen gegen Euch vor. Und sollt Euch der KönigDiesmal fahen, so lebt Ihr nicht lange! das muß ich befürchten.
Weiter nichts? versetzte der Fuchs. Das ficht mich nun allesKeinen Pfifferling an. Und hätte der König mit seinemGanzen Rate doppelt und dreifach gelobt und geschworen:Komm ich nur selber dahin, ich hebe mich über sie alle.Denn sie raten und raten und wissen es nimmer zu treffen.Lieber Neffe, lasset das fahren, und folgt mir und sehet,Was ich Euch gebe. Da hab ich soeben die Tauben gefangen,Jung und fett. Es bleibt mir das liebste von allen Gerichten!Denn sie sind leicht zu verdauen, man schluckt sie nur eben hinunter;Und die Knöchelchen schmecken so süß! sie schmelzen im Munde,Sind halb Milch, halb Blut. Die leichte Speise bekommt mir,Und mein Weib ist von gleichem Geschmack. So kommt nur, sie wird unsFreundlich empfangen; doch merke sie nicht, warum Ihr gekommen!Jede Kleinigkeit fällt ihr aufs Herz und macht ihr zu schaffen.Morgen geh ich nach Hofe mit Euch; da hoff ich, Ihr werdet,Lieber Neffe, mir helfen, so wie es Verwandten geziemet.