Chapter 2

Am Ostersonntage, früh 3 Uhr, also vor Anbruch des Tages, führten uns die Mönche in die Kirche zum heiligen Grabe; ein ehrwürdiger, mächtiger Bau; eine Welt, in welcher besonders zur Nachtzeit und bei dem Scheine von tausend Lichtern undLampen, das Auge des Pilgers erst spät sich zurecht findet. Der erste Anblick schlägt mit Verwunderung und Ehrfurcht. Die Größe und Höhe der Mittelhalle, der Tempel im Tempel, die Gänge und Kirchen, die Stiegen und Höhlen; die verschiedenen Völkerschaften, welchezugleichden Gottesdienst üben; das Wohnen, Kaufen und Verkaufen in den Zwischenhallen; die Frömmigkeit, womit Christ und Mohammedaner vordemselbenGrabe sich beugen, machen diesen Tempel zum Mittelpunkte der Welt. Er ist bei Tag und Nacht besucht und niemals leer. Die Marken der Zeit sind da ohne Kraft.

Am Eingange sah ich eine Zahl reich gekleideter Türken in einer Nische zur Linken auf Teppichen ruhn und die Pfeife schmauchen. Diese sind die Zöllner und Wächter des Tempels. Sie nehmen jedem Raja beim Eintritt vier Piaster d. i. einige zwanzig Kreuzer ab. Franken sind frei, außer sie wollen sich die heilige Grabstelle, das Allerheiligste, zu Stunden, wo es geschlossen zu seyn pflegt, öffnen lassen, in welchem Falle sie ein beliebiges Trinkgeld geben. Während alle Sekten des Christenthums wie Strahlen in diesem einen Mittelpunkte sich vereinigen, tragen sie ihren Haß und Neid bis auf diese heilige Stelle mit sich, und schlagen sich da mit ihren Ketten. Die eine verspottet und verfolgt die andere, und sucht ihr ein Stückchen Raum oder ein paar Lampen abzudrängen. Die Türken, mit unstörbarer Ruhe undWürde, halten die Ordnung aufrecht und gebieten jeder Sekte Achtung für die Rechte und Gebräuche der übrigen. Sie schreiten vor den Priestern bei den heiligen Umgängen einher, öffnen das Gedränge des Volkes jetzt für Katholiken, jetzt für Griechen, jetzt für Armenier, jetzt für Kopten u. s. w., für jede Sekte nach ihrer Reihe und Weise. Ohne die Türken führen an dem ersten Festtage die Christen sich einander in die Haare, und machten den Tempel zur Mördergrube. Das ist die Wahrheit; ich weiß wohl, daß sie eben keine erfreuliche oder ehrenvolle für uns ist. —

Ich besah alle Heiligthümer, und blieb eine halbe Stunde im Allerheiligsten. Dann wohnte ich dem österlichen Hochamte und dem dreimaligen Umgange nach Weise aller Pilger, mit brennender Wachsfackel in der Hand, bei, und besah zuletzt noch die Ceremonien der Griechen und Armenier, welche das Palmenfest, zuerst jene, dann diese, mit Amt und Umgängen feierten. Es war eine große Menschenmenge im Tempel. Ein Theil des ärmeren Volkes schläft und wohnt darin während der Festzeit. Das Geschrei des Marktes dringt aus den Hallen. Die Orgel der Katholiken, die Cymbeln und Metallplatten der Griechen und Armenier, die Gesänge der Priester und Gläubigen, das Geschwätz der Müßigen, die Ordnungsrufe der Türken dringen in unddurch einander. Manche der sonderbarsten Gebräuche uralter Verbreitung im Orient, unserer viel zu verdorbenen Einbildung nicht faßlich, sind da herrschend. Wahrlich, es ist eine Welt, und rührend der Zusammenfluß der Völker und majestätisch die Nacht darin.

Ich will mich nicht in eine Kritik der heiligen Stellen einlassen. Der Glaube thut hierin das Meiste, und einige Klafter zur Rechten oder Linken thun nichts. Es ist höchst wahrscheinlich, daß die Nachweisung der heiligen Stellen von den ersten Christen ihren Kindern überliefert wurde; ja es ist unwahrscheinlich, daß, während die Christen in Asien und Europa Kirchen baueten, sie nicht die durch ihren Meister und Heiland merkwürdig gewordenen Stellen gekannt haben sollen, welche die Zeitgenossen Christi kennen mußten. Sechs und vierzig Jahre nach der Zerstörung der Stadt durchTituserhielten die Gläubigen von KaiserHadriandie Erlaubniß,über dem Grabe Christiein Gotteshaus zu errichten (Epit. Bell. Sacror.). Bis Hadrian war aber seit Jakob, welcher im Jahre 35 nach Christi zum ersten Bischof von Jerusalem gesalbt worden war, eine ununterbrochene Reihe von Bischöfen. Dieß und die natürliche Voraussetzung, daß man seit erster Zeit die Gebete lieber auf geweihten als anderen Stellen gehalten habe, bürgen für die Treue der Ueberlieferung.Konstantinbaute eine Basilika über dem heiligen Grabe.Hieronymus, der sich im Jahre 385 nachBethlehemzurück zog, gibt eine Schilderung der heiligen Stellen, welche die Einerleiheit der zu seiner Zeit und der heute dafür angesehenen darthut;EusebiusundCyrillusdeßgleichen, undGregor von Nissaeifert gegen den Mißbrauch der Pilgerschaften, denn damals schon kamen Pilger aus allen Weltgegenden dahin. Die Basilika Konstantins, vonKosroeszerstört, wurde vonHerakliuswieder hergestellt.Omarließ den Christen dies Gotteshaus.Hakemverwüstete es zum Theile (J. 1009). DielateinischenKönige stellten es her und erweiterten es, um die Schädelstätte,Golgatha, wovon das Grab nur fünfzig Klafter entfernt liegt, mit einzuschließen. Wir wissen, daß erst Hadrian den Golgatha mit in die Stadt zog. Nichts natürlicher als daß das Grab Josephs von Arimathäa sich in dessen Nähe befand. Tausende ähnlicher Gräber sind rings um Jerusalem, und kaum eine Felsspitze ragt dort über den Boden, in die nicht ein Grab oder der Eingang zu einem solchen gehauen wäre. Familiengräber im Fels seines Ackers oder seines Gartens waren seit ältester Zeit in diesem Lande üblich. Joseph von Arimathäa hatte aber seinen Garten am Golgatha.

Der Tempel, den die lateinischen Könige hinterließen, hatte 120° Länge, 70° Breite und drei Kuppeln,wovon die über dem heiligen Grabe zu 30 Klafter Durchmesser. Balken von Cedern des Libanons bildeten die Decke. — Dieser Tempel verbrannte vor wenigen Jahren. Die Katholiken geben den Griechen Schuld, den Brand angelegt zu haben. Wahr ist, daß diese zur Zeit, als das Unglück geschah, die Kapitale und Materialien zum Bau des heutigen Tempels bereit liegen hatten, und seit sie denselben ausführten, die Katholiken aus vielen ihrer Vorrechte verdrängten.

Der heutige Tempel ist von der Ausdehnung des früheren. Innerhalb dem Umfange desselben, nach Art des Allerheiligsten in den meisten Tempeln der alten Welt, steht als ein für sich geschlossenes Haus dasAllerheiligstedieses Tempels, nämlich dasGrab Christi. Die Pforte sieht nach Ost und hat 4' Höhe und 2' 4" Breite. Vor derselben sind zwei große Kandelaber aus Silber aufgerichtet, und an den Seiten zwei Marmorbänke angebracht; über der Pforte aber, in Marmor gehauen, sieht man die drei Marien, den Erzengel Gabriel und den auferstehenden Heiland. Durch diese Pforte tritt man in das erste, ganz mit Marmor ausgelegte, von zwölf Säulen an den Wänden gestützte Gemach, das des Engels genannt, weil darin, auf Fußgestelle von Marmor und in Marmor gefaßt, das Stück Kalkstein bewahrt wird, an welches, wie man glaubt, von dem Engel, der zu Marien sprach, der Schlußstein des Grabes gelehnt worden war. »Undder Engel des Herrn kam vorm Himmel herab und wälzte den Stein von der Thür und setzte sich darauf; Und seine Gestalt war wie der Blitz und sein Kleid weiß wie der Schnee.« (Matthäi, 28).

Das zweite Gemach, 5' 11" lang, 5' 10" breit, 3' 7" hoch, ist das Grab des Heilandes, eine in das Leben des Felsens gehauene, mit Marmor ausgelegte Grotte. Ueber dem Eingange ist dieselbe Darstellung wie über dem ersten, aber statt der drei Marien,Magdalena,JakobiundSalome, deren die Evangelien desMarkusundLukasim letzten Kapitel erwähnen, erscheinen hier nur die ersten beiden, wie beiMatthäuszu lesen. — Zur Rechten, im Eingange selbst, zeigt man den gespaltenen Schlußstein, in der Grotte aber die Grabstelle, wo aus einem Steinblocke von 2' 4" Höhe, 5' 11" Länge und 2' 10" Breite der Leichnam, mit dem Haupte nach Abend gewendet, lag. Eine Marmorplatte deckt diesen Block und dient als Altar bei Lesung der Messe. Den Hintergrund schmücken ein katholisches und ein griechisches Bild. Vier und vierzig Lampen brennen darin, fünfzehn aber im Vorgemache. Drei Löcher sind in der Decke angebracht, um den Dampf hinaus zu lassen; über der Decke steht eine Art Thurm morgenländischen Styles. Im Vorgemache zwischen der zweiten und dritten Säule zu beiden Seiten des Einganges, sind länglichrunde Löcher durchdie Wand geschlagen, durch welche am Charsamstage der im heil. Grabe eingeschlossene griechische und armenische Bischofdas heilige Feuerden Gläubigen reichen. Die einen behaupten und die anderen glauben nämlich, der heilige Geist steige an diesem Tage vom Himmel, und zünde die Kerzen an. Diese Szene ist die feierlichste des Jahres. Der türkische Gouverneur mit seinem ganzen Hofstaate wohnet derselben in der Gallerie der Katholiken bei (wobei die Mönche des heil. Franziskus ihm Erfrischungen reichen müssen), und auf seinen Wink geschieht das Wunder. Das Volk reißt sich um das Glück, ein Kerzchen am heiligen Feuer anzuzünden, und jeder trägt es in seine Herberge, sorgsam bemüht, daß es nicht verlösche. Es gibt Beispiele, daß Gläubige es von Jerusalem bis Konstantinopel gebracht haben. Reste uralter, längst verschwundener Religionen leben als Erbstücke in den heutigen fort. —

Ueber das Allerheiligste wölbt sich die große Kuppel des Domes. Eine runde Halle umgibt dasselbe, die von achtzehn Pfeilern getragen wird. Die Pfeiler haben 5' 10" Breite und 4' Abstand unter sich, mit Ausnahme der beiden Paare in West und Ost, wovon die ersten 4' 6", die anderen aber, von dreifacher Breite der übrigen, 20' Raum zwischen sich haben. Auf den Pfeilern ruhen zwei Stockwerke von Bogengängen, worin jeder Sekte ihr besonderer Gebetplatz angewiesen ist. Im Osten desheiligen Grabes zwischen den beiden breiten Pfeilern hindurch tritt man in dieKirche der Griechen, die geräumigste und reichste derjenigen, welche die Mittelhalle umgeben. Sie ist mit Gold, Bildwerken, Marmor und Lampen geschmückt, und über sie wölbt sich die zweite Kuppel, zu deren geschlossener Krone von außen eine Stiege hinaufläuft. Die mittlere allein ist mit Blei gedeckt und oben wie die Rotonda geöffnet. Den Mittelstein ihrer Kirche sehen die Griechen als den Mittelpunkt der Erde an. Was Wunder, betrachtet sich doch jeder Mensch als den Mittelpunkt der Schöpfung; und warum sollte er es nicht? — Im Norden des heil. Grabes, zwischen dem zweiten und dritten Pfeiler hindurch, geht man in eine Vorhalle, worin die Orgel derKatholikenaufgerichtet steht, und kommt dann in die Kirche derselben. An diese ist ein Hospitium angebaut, für die Mönche, welche den Dienst im heiligen Grabe haben. Aus Mangel an Geld ist dieses sehr verfallen, und der Regen bricht durch. Das obere Stockwerk gehört den Türken, die gerade über der katholischen Kirche Pferdeställe haben, denn ob der Neigung des Berges ist der Eingang in dies Stockwerk von der einen Seite ebenen Schrittes.

Aus der Vorhalle der Katholiken geht man in ihre Sakristei, und über Stiegen in den ihnen zugewiesenen Theil der Bogengänge. In dieser Vorhalle wird die Stelle verehrt, woMagdalenadenauferstandenen Heiland für den Gärtner des Ortes nahm, und er ihr zurief: »Weib, was weinest du?« (Joh. 20).

An der Nordseite, gleichlaufend mit der Außenwand der griechischen Kirche, ziehen zwei Gallerien hin; die erste ist diejenige, wo heut zu Tage Markt gehalten wird für das Volk, so im Tempel nachtet und wohnet. Getreide, Grünzeug, Speisen aller Art werden da mit dem üblichen Geschrei verkauft und gekauft. Die andere Gallerie hat an ihrem östlichen Ende eine Grotte, 7' lang und 6' breit, die man dasGefängniß Christizu nennen pflegt, als den Ort, wo er vor der Kreuzigung, bis alles zu dieser Handlung bereit gelegt war, gehalten und verhöhnt worden seyn soll. Im Osten, hinter der griechischen Kirche läuft ein Bogengang, an dem mehrere Kapellen zur Linken angebaut sind, und zwar zuerst ein Altar der Armenier; dann Pforte und Aufgang ins griechische Kloster, welches an den Tempel gebaut ist; weiter die Kapelle zur Erinnerung an die Stelle, wo um die Kleider Christi gewürfelt wurde, »auf daß erfüllet würde die Schrift, die da sagt: sie haben meine Kleider unter sich getheilet und haben über meinen Rock das Loos geworfen« (Joh. 19. 24); weiter eine Stiege zu acht und zwanzig Stufen, welche in eine Grotte hinabführt. Dort ist die jetzt den Armeniern gehörigeKapelle der heil. Helena, von vier Säulen getragen, und derSitz, wo sie während der Kreuzauffindung betete. Dreizehn Stufen tiefer gelangt man in die Grotte derKreuzauffindung. Am oberen Ende der Stiege steht dieSchimpfsäule, 2' hoch und 1' Durchmesser, auf welcher Christus verspottet und gekrönt wurde. Nachdem man abermals an einer Pforte, die zum griechischen Kloster führt, vorüber gekommen ist, steigt man über zwanzig Stufen auf dieSchädelstätte, welche gerade Raum für eine Kapelle und Vorhalle hat. Die nördliche Hälfte der Kapelle enthält die Stelle der Kreuzigung. Da, wo man voraussetzt, daß Christus auf das liegende Kreuz geheftet wurde, ist eine Marmorplatte ausgebreitet. Die südliche Hälfte zeigt das Loch, worin das Kreuz aufgerichtet stand. Der Gekreuzigte sahabendwärts, als wenn sein letzter Hauch den Sieg vorzüglich nach dieser Richtung tragen sollte! — Das Kreuz des guten Sünders war also an der Nordseite. Der Vorplatz bezeichnet die Stelle, wo Maria weinte, und wo neben ihr stand der geliebte Jünger des Herrn. »Weib, siehe, das ist dein Sohn!« und Du: »Siehe, das ist deine Mutter!« (Joh. 19). Unter der Kapelle zeigt man eine Grotte und darin dieSpaltung des Felsens. »Und siehe, der Vorhang des Tempels zerriß von oben bis unten, und die Erde erbebte, und die Felsen spalteten sich, und die Gräber thaten sich auf.« (Matth. 27). In dieser Spalte, so glaubt das Volk, wurde damalsdas Haupt Adams gefunden; denn auf dem Golgatha soll er Gott dem Schöpfer sein letztes Opfer gebracht haben. So knüpft die Sage die beiden Epochen der Gründung und der Erlösung des Menschengeschlechtes an eine und dieselbe Stelle der Erde. Dort waren bis zum letzten Brande auch die RuhestättenGottfrieds von BouillonundBalduins; diesen gegenüber aber die vier anderer lateinischer Könige. Die Male bestehen noch, sind aber in der Mauer verborgen.

Neben dem Golgatha ist der Eingang in den Tempel und der Stein der Salbung, eine Platte aus dem Marmor des Sion, roth und gelbweiß, 7' 9" lang und 1' 11" breit. Dort knieen die Gläubigen aller Sekten zuerst und küssen mit Andacht den Stein. Neben dem Tempeleingang westlich folgt eine Halle, aus welcher die Stiege nach dem armenischen Theile der oberen Bogengänge führt. Aus dieser Halle tritt man zur Rechten zwischen dem zweiten und dritten Pfeiler in die große Mittelhalle, und hat den Kreisgang um die griechische Kirche vollendet. Alle Heiligthümer, mit Ausnahme des Grabes, fallen sonach in dieöstlicheHälfte des Tempels. Zwischen den Pfeilern der Haupt- und Mittelhalle sind kleine Gemächer angebracht, welche die Priester zu bewohnen pflegen.

Vormals theilte man die christlichen Besitzer des heil. Grabes inachtVölkerschaften, die Lateiner,die Griechen, die Abyssinier, die Kopten, die Armenier, die Nestorianer, die Maroniten und die Gregorianer. Jetzt bestehen dort nur mehr die ersten beiden, dann die vierte und fünfte. Die Griechen haben die oberste Hand und sind die Wärter des heiligen Grabes, was bis zum letzten Brande die Lateiner gewesen sind. Beide theilen unter sich den Golgatha, und die Griechen überlassen für den Charfreitag Abend ihren Theil (die Stelle der Kreuzerhöhung) den Lateinern. Diese besitzen allein eine Orgel, halten Lampen im Allerheiligsten und auf dem Salbungsteine (den sie an die Griechen verloren) und lesen die Messe, bevor die Griechen sie lesen dürfen. Dafür halten diese in der lateinischen Kirche Lampen. Die Gregorianer verloren an die Griechen das Gefängniß Christi und die Stelle der Kreuzerhöhung; die Abyssinier an die Armenier die Schimpfsäule; die Nestorianer an die Lateiner die Kapelle der Magdalena. Die Armenier besitzen die Kapelle der heil. Helena und die der Vertheilung der Kleider. Die Kopten haben eine kleine Kapelle außen an die Westseite des Allerheiligsten gelehnt, und sind die ärmsten und ruhigsten aus allen. Die großen Messen werden auf einem Tragaltare vor dem Eingange ins Gemach des Engels gelesen. Ist die Reihe hiezu an den Katholiken, so wird nur die rechte Hälfte der Kerzen auf dem Altare angezündet; so bei den Griechen nur die linke. — DerNeid und der Haß knien, wie Teufel neben der Unschuld, hier neben der Andacht und singen mit im Chor der Frommen.

Der erste Ritt, den ich außerhalb der Stadt machte, ging durch das Pilgerthor in das südwestliche Thal. Dieses, einerseits von demSion, anderseits von den Höhen eingefangen, worüber der Weg nachBethlehemführt, ist enge und felsig. Man findet ein Bend darin, hundert Schritte breit und vierhundert lang;[A]offenbar ein uralter, neben dieser Königsstadt unerläßlicher und später oft erneuerter Bau, dessen, wenn ich recht verstehe, das zweite Buch der Chroniken erwähnt als eines Werkes des KönigesHiskias, des ZeitgenossenSancheribsdes Assyrers. (XXXII. 30 und zur ErläuterungGihons, XXXIII. 14.) Die heute das Bend umgebenden Mauern sind sarazenisches Werk.

Die Thalwand zur Rechten zeigt viele Felsengräber, meist für Familien eingerichtet und bald aus einem, bald aus mehreren Gemächern bestehend, an Arbeit roh. Eine dieser Höhlen verehrt man alsdiejenige, worin die Jünger nach der Gefangennehmung Christi sich geborgen haben sollen. Sie ward von den Griechen behauen, bemalt und in ein Kirchlein umwandelt, auch am Eingange verziert, und ist ein Grab, wie die anderen, mit mehreren Kammern. Nahe daran ist eine andere Grabhöhle, in die ich durch ein enges Loch mich einschob. Sie besteht aus einer gewölbt ausgehauenen Halle zu 14 Fuß ins Gevierte und aus sechs Gemächern, zwei zu jeder Seite. Jedes Gemach hat zwei oder drei Felsenbänke, worauf die Leichname in Tücher gehüllt gelegt worden sind. In einem der hinteren Gemächer ist auch ein Schacht, wie in ägyptischen Gräbern; in anderen gehen Gebein- und Moderhöhlen in den Fels ein; alle diese Gemächer sind noch jetzt voll von Gebeinen. Über einer Grabhöhle las ich....ΤΗC ΑΓΙΑC....CΙΩΝ. Sonst fand ich nirgend Aufschriften. — Höher am Abhange ist eine breite, tiefe, in zwei Theile getheilte und mit einem mächtigen Vorbau aus christlicher Zeit versehene Grotte, worin bis vor kurzem noch die Armenier zu begraben pflegten. Die Stelle wird derBlutackergenannt,Hakeldama, den Judas um das Blutgeld erwarb (Apostelgesch. I. 19), oder den die Hohenpriester, nachdem der Verräther ihnen die Silberlinge zurückgeworfen und sich erhenkt hatte, zum Begräbniß derPilger um dieses Geld erkauften. »Und wird derselbe Acker der Blutacker genannt bis auf den heutigen Tag.« (Matth. 27)

Die Schlucht wendet östlich und führt in das ThalJosaphat, das hier nicht über hundert Schritte Breite hat. Auch dieses schließt, gerade unter der Vereinigung der beiden Thäler, ein Bend, vielleicht das BeckenAsuja, dessen Nehemias (III. 16) erwähnt. Man findet eine tiefe Cisterne dort und eine nun verlassene Moschee. Jene wird derBrunnen Mariasgenannt. Das Thal läuft nach Süden aus und erweitert sich dort. Die Meinung, daß im Thale Josaphat das Gericht des Herrn werde gehalten werden, gründet sich auf die Stelle des ProphetenJoel:

»Die Heiden werden sich aufmachen und herauf kommen zum Thal Josaphat: denn daselbst will ich sitzen, zu richten alle Heiden um und um.«..

»Schlaget die Sichel an, denn die Ernte ist reif; kommt herab, denn die Kelter ist voll, und die Kelter läuft über, denn ihre Bosheit ist groß.«

»Es werden Haufen Volkes seyn im Thale des Urtheils, denn des Herrn Tag ist nahe im Thale des Urtheils.«

»Sonne und Mond werden verfinstert und die Sterne ihren Schein versagen;«

»Und der Herr wird aus Sion brüllen und aus Jerusalem seine Stimme schallen lassen, daß Himmel und Erde beben. Aber der Herr wird seinem Volkeeine Zuflucht seyn, und eine Feste den Kindern Israel.« (III. 17-21).

Die Auslegung, welche diese Stelle und eine andere desselben Propheten bei den Juden fanden, mußte in den Jahrhunderten, wo die Religion in voller Frische Herz und Einbildung der Christen beschäftigte, auch bei diesen Glück machen. Übrigens ist des Thales Josaphat in keinem anderen Theile der Bibel gedacht.

Steigt man dies Thal von dem Bend aufwärts, so hat man zur Rechten denBerg der Verunreinigungund dann denÖhlberg; zur Linken denSionund denMorija. Der erste trägt seinen Nahmen von der Abgötterei, die darauf getrieben wurde; »da erhöhte Salomo einen Altar Chamos, dem Gräuel der Moabiter, auf dem Berge, der vor Jerusalem liegt, und Molech, dem Gräuel der Ammoniter« (Könige, XI. 7.) Aber Josia reinigte den Gottesdienst; »auch die Tempel, die vor Jerusalem waren, zur Rechten am Berge Mashith, welche Salomo, der König Israels, gebaut hatte Asthoreth, dem Gräuel von Sidon, und Chamos, dem Gräuel von Moab, und Milkon, dem Gräuel der Kinder Ammon, verunreinigte der König; und zerbrach die Säulen und rottete aus die Haine und füllete ihre Stätte mit Menschenknochen« (II. Könige, XXIII.)

In der schmalen Schlucht zwischen dem Sionund Morija, zur Linken des Pfades, wo ein mächtiger Felsblock sich thürmet, findet man die QuelleRogel. Sie fließt in ein schönes antikes Becken, und wird aus diesem durch in den Felsen gehauene Kanäle weitet geführt. Unter dem Becken ist ein nun unbenutztes Bend. Wohlthuendes Grün ziert diese Schlucht und ihren Ausgang ins Thal Josaphat, dessen Wände kahl und schon im April ausgebrannt erschienen, und kaum hie und da einen Öhlbaum nährten. Der Quelle Rogel erwähnt schon das Buch Josua (XVIII. 16) als eines der Punkte, welche die Gränze des Gebietes Benjamin bestimmten. Das zweite Buch Samuels zeigt unsJonathanundAchimaazan dieser Quelle stehend, »und eine Magd ging hin und sagte ihnen, wasAbsolomzum Angriffe gegen seinen Vater eingeleitet hatte.« (XVII.) Das erste Buch der Könige nennt auch den Felsen an der Quelle Rogel: »Und da Adonia Schafe und Rinder und gemästetes Vieh opferte an dem FelsenSoheleth, der neben der Quelle Rogel steht, lud er alle seine Brüder, des Königes Söhne und alle Männer Juda, des Königes Knechte; aber den Propheten Nathan und Benaja, und die Helden und Salomo, seinen Bruder, lud er nicht.« — (I. 9. 10.)

Wie geklebt an die Wand des Berges zur Rechten, der Quelle gegenüber, höchst malerisch zwischen Grabeingängen und Todtenmalen, liegt das DorfSilooderSiloa, das noch an 30 Häuser hat; nicht zu verwechseln mitSilo, derWohnung des Herrn. (Psalm 78. 60.)

Zur Linken, unten am Kedron, fließt die mit dem Orte gleichbenannte QuelleSiloa, wie die frühere so auch diese in ein antikes Becken. Da eben türkische Frauen darin sich badeten, so stieg ich nicht in dieß Becken hinab. An der Quelle, die Nehemias das BeckenSeloahnennt, war einst ein Garten der Könige. (III. 15.) Jesaias schreibtSiloha(VIII. 6); eben so Johannes, da er die Heilung des Blindgebornen erzählt, den Christus an dieser Stelle sich waschen hieß (9.)

Hoch schauen die Mauern der Stadt vom Berge Morija ins Thal desKedron. Dessen Bette ist tief eingeschnitten, enge; dessen Ufer sind ohne Baum. Ich fand diesen vielbesungenen Gießbach, dessen die Bücher Samuels, der Könige und der Chroniken oft erwähnen, ohne Wasser. Er zieht zwischen Gräbern hin, denn der östliche Abfall des Morija ist mit türkischen, der westliche des Öhlberges und des Berges der Verunreinigung mit jüdischen Malen bedeckt. Seit ältester Zeit scheint dieser Raum Grabstätten gewidmet zu seyn.DreiMale ziehen vor Allen den Blick auf sich. Das erste wird dasGrab Josaphats, das zweite das desZacharias, das dritte das desAbsolomgenannt. Alle drei sind antik, gemischten römisch-morgenländischen Geschmacks und mächtigerAusführung. DasGrab Josaphatsist ein aus dem Leben des Felsens gehauenes Tempelchen zu 21 Fuß ins Gevierte und etwa 30 Fuß hoch. Zwei Säulen und zwei Halbsäulen, die sich an Pfeiler schließen, jonischer Ordnung, schmücken jede Seite. Auf dem Gesimse läuft ringsum ein Aufsatz aus Akanthusblättern, etwa 3 Fuß hoch, der mich an das Fries des Portikus vonEsnein Oberägypten erinnerte. Dann folgt als Schluß nach oben eine vierseitige Pyramide, etwa 12 Fuß hoch. Der Eingang ist verschüttet oder unter der dermaligen Oberfläche. Die Arbeit an diesem Male ist reich, aber nicht rein. Das ganze Tempelchen steht in einer aus dem Felsen gehauenen Nische, jetzt sorgsam mit Gräbern belegt.

Durch die nördliche Wand dieser Nische ist ein Gang in den Felsen gebrochen, der in dasGrab des Zachariasführt. Dieses besteht aus einer Folge von Gemächern, unverziert und roh. Das Atrium ist von drei Säulen getragen. Alles aus dem Felsen gehauen.

DasGrab Absoloms, des Sohnes Davids, steht etwas höher und gleich demjenigen Josaphats in einer Felsnische. Es ist ein Tempelchen zu 24 Fuß ins Gevierte, dessen untere Hälfte, die Zelle, außen mit zwei ganzen und zwei halben Säulen, die sich an Eckpfeiler lehnen, auf jeder Seite geschmückt und aus dem Felsen gehauen ist. Der Architrav hat als Zierrath Triglyphen und dorische Rosen und Tropfen.Die Säulen aber sind jonischer Ordnung. Das Tempelchen ragt etwa 18 Fuß über den Boden bis zum Aufsatz über dem Architrave. Daraus ruht ein anderer Aufsatz aus zwei Vierecken, das obere schmäler, beide aus mächtigen Werkstücken und mit besonderem Fries geziert. Aus dem zweiten steigt als Zierde ein Spitzdach, das sich nach oben wie eine Blume aufschließt und wahrscheinlich mit Akanthus endete. Es gleicht dem obern Theile des Males des Lysikrates zu Athen. Was gebaut an diesem Male Absoloms ist, mag 20 Fuß Höhe haben. An der Hinterwand der Felsnische sieht man ein Tympanon, und darunter blickt ein verschütteter Eingang hervor. Auch das Grab Absoloms ist innen verschüttet, doch kann man zu oberst hineinkriechen. Was man da von den Wänden sieht, ist unverziert.

Es versteht sich, daß diese Male nicht aus der Zeit ihrer Namen seyn können. Josaphat ward im Grabe seiner Väter beigesetzt (Könige XXII. 51.); über Zacharias weiß ich nichts zu sagen; für ein besonderes Mal Absoloms spricht zwar entschieden folgende Stelle:

»Absolom aber hatte sich ein Mal aufgerichtet, da er noch lebte; das stehet im Königgrunde. Denn er sprach: ich habe keinen Sohn, darum soll dieß meines Namens Gedächtniß seyn; und hieß das Mal nach seinem Namen und heißt auch bis auf den heutigen Tag:Absoloms Stätte« (II. Sam. XVIII. 18.)

Diese Stelle erklärt, nach meiner Ansicht, wohl, warum man dem Male, das heut zu Tage das Grab Absoloms heißt, diesen Namen gab; nicht aber beweiset sie, daß der Name richtig gegeben wurde. Die Bauart spricht klar darüber ab.

Höher hinauf am Kedron, am Fuße des Öhlbergs, zeigt man den GartenGethsemane, ein mit trockener Haltmauer umfangenes Grasplätzchen, in welchem acht uralte Öhlbaume stehen. Man glaubt, daß sie aus der Zeit Christi sind, was durch die Versicherung des Josephus, daß Titus während der Belagerung alle Bäume auf hundert Stadien in die Runde niederhauen ließ (Bell. Jud.VII. 15), zweifelhaft wird. Indessen im Jahre der Eroberung Jerusalems durch die Muselmänner bestanden diese Bäume schon, denn sie zahlen nur acht Medinen; zu einer Medine aber wurde damals jeder Öhlbaum besteuert. Der Nachwuchs seit der Eroberung zahlt die Hälfte der Ernte. — Diese Stelle, mit welchem Auge man sie ansehen mag, ist eine derjenigen, deren Geschichte unwiderstehlich die Seele mit Rührung durchdringet. Welcher Held auf der Bühne des öffentlichen Lebens hat nicht eine Stätte Gethsemane, wo unter der Last des Neides und Hasses der Feinde, unter den Leiden des Undanks, der Schwäche und des Leichtsinns der Freunde, wo unter den Vorgefühlen der schweren Opfer und Prüfungen, wozu jedes edle Streben der Menschen verdammet, seine Seele trauert und zagt,betrübt bis in den Tod, und sein Herz fleht, daß, so es möglich sey, die Stunde vorübergehe! In solchen Augenblicken überzählt man die Wenigen, die wahrhaft an Einem hängen, und spricht im Geiste zu ihnen: »Bleibet hier und wachet mit mir!« Aber ach, auch von diesen, wie gering ist die Zahl derer, die eine Stunde mit ihm wachen! »Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.« (Matth. 26.)

Die Stelle, wo Christus betete: »Vater, überhebe mich dieses Kelches! aber dein Wille geschehe, nicht der meine,« lag vom Garten auf Entfernung eines Steinwurfs. (Luk. 22.) Man weiset eine Grotte an Gethsemane als diese Stelle, und die Katholiken haben dieselbe zum Gottesdienste eingerichtet. Nahe daran ist auch die schöne, in eine Felsnische eingesenkte Kirche über demGrabe der heil. Jungfrau, desheil. Joseph, derheil. Annaund desheil. Joachim. Man steigt über fünfzig Stufen in diese Kirche hinab, die nun ausschließend den Griechen gehört. Von allen Sekten hochverehrt, hatten auch alle eine Betstelle darin, und selbst die Türken ein frommes Plätzchen, an dem sie gerne der tiefen Andacht sich hingaben, mit welcher sie überhaupt Jerusalem betrachten.Ihnenist sie dieheilige Stadt,unsein Mährchen von ehemals. Was aber bei uns die wirkliche Geschichte des Tages ist, das sagen die Worte des Evangelisten: »Und alsbald trat er zuJesu und sprach: Gegrüßet seyst Du, und küssete ihn ...« (Matth. 26.)

Gethsemane und der Abhang des Morija war von einer unzähligen Menge türkischer Frauen und Mädchen besetzt. Auf allen Straßen kamen türkische Pilger unter Gesängen, lautem Gebet und vorgetragenen Fahnen und wurden von den Frauen mit dem Entgegenwerfen von Rosen und Palmzweigen empfangen. Gegen uns Christen hob manche schöne Hand einen Stein auf. Auch die Muselmänner haben zu unserer Osterzeit heilige Feste zu Jerusalem, und zwar durch acht volle Tage. Aus Ägypten, Arabien und Damaskus strömen sie nach der heiligen Stadt, wie wir aus den Ländern im Abend.

Bei Gethsemane führt eine Steinbrücke über den Kedron. Daran steht eine tiefe Cisterne. Steigt man nach der Stadt hinauf, so kömmt man an der Stelle vorüber, wo derheil. Stephangesteiniget wurde (Apostelg. VII.), und dann nach dem Thore, das nach ihm heißt. Darauf sind vier Löwen eingehauen. Durch dasselbe gelangt, hat man zur Rechten ein Wasserbecken, 150 Fuß lang und 40 Fuß breit, mit aufgemauerten Wänden, ein Bau aus Byzantinerzeit, denke ich, nun als Garten benützt. Die Priester halten es für dasStagnum Salomonis, für diePiscina probaticaoder des BeckenBethesda, dessen Wasser man zu den Zeiten Christi eine heilende Kraft zuschrieb. (Joh. V.).

Nicht ferne vom Thore St. Stephans weiset man dasHaus des Pilatus, ein großes Gebäude neuerer Zeit über den Ruinen eines älteren. Dort beginnt dieVia dolorosa, eine der Hauptstraßen der dermaligen Stadt, wo die Leidensstationen durch liegende Säulenschäfte, ursprünglich von der Kaiserin Helena gesetzt, angegeben sind. Dem Hause des Pilatus gegenüber ist das Gewölbe der Geißelung. Ruinen einer Kirche stehen an derjenigen Stelle, wo (nach Bonifazius und Anselmus) die heil. Jungfrau dem Sohne auf seinem letzten Wege begegnete und in Ohnmacht sank, hundert zwanzig Schritte vom Hause des Pilatus. Fünfzig Schritte weiter wendet die Straße aus West nach Süd. An dieser Ecke sollSimon von Kyrenedas Kreuz übernommen haben. (Luk. XXIII. 26.) Nahe daran ist die Stelle, wo Christus sich wendete zu den nachfolgenden Frauen und ihnen zurief: »Weinet nicht über mich, ihr Töchter Jerusalems! weinet über euch und eure Kinder!« (Luk. XXIII. 28.) Gerade vor sich hat man das Haus des bösen Reichen, den die JudenNabalnennen, und an dessen SchwelleLazaruslag. (Luk. XVI.) Nach Kurzem wendet die Straße wieder nach Westen und hundert zwanzig Schritte von der ersten Wendung zeigt man das Haus derVeronika. Nach anderen hundert Schritten aber ist der Aufgang zum Golgatha, der jetzt durch eine Mühle führt. Von dieser Stelle ist diejenige der Kreuzigungnoch zweihundert Schritte entlegen, also beträgt die ganze Länge derVia dolorosafünfhundert und neunzig Schritte.

Der höchste Berg in der nächsten Umgebung von Jerusalem ist derÖhlberg. Am Osterdienstage, mit frühem Morgen, bestieg ich denselben auf dem Wege, der anGethsemanevorüberführt. Die Lage dieses Berges im Osten der Stadt, durch das Thal des Kedron geschieden von ihr, ist aus alten und neuen Schriftstellern bekannt; ebenso, daß er schon in ältester Zeit wie heut zu Tage vorzüglich mit Öhlbäumen bekleidet war.

Auf der halben Höhe des Abhanges wies man mir einen Fels als die Stelle, wo Christus über den Untergang der Stadt weinte.

»Und als er nahe hinzu kam, sah er die Stadt an und weinte über sie.«

»Und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen.«

»Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten ängstigen.«

»Und werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern lassen; darum, daß du nicht erkannt hast die Zeit, da du heimgesucht bist.« (Luk. XIX.)

Diese Stelle soll auch dieselbe seyn, wo Titussein Zelt aufschlug. Und wirklich ist aus diesem Standpunkte der Blick über die Stadt, die sich sanft geneigt entgegenbreitet, völlig. Von hier aus besah ich mit meinem Glase die Moscheeel-Sakhra, die vonOmarauf dem Platze des Tempels Salomons erbaut wurde. Die Kreuzfahrer machten eine Kirche daraus. Saladin stellte die Moschee her. Sie nimmt das ganze südöstliche Viertel der heutigen Stadt ein und krönet die Flachhöhe Morija. Auf dem mit Marmor belegten Platze erhebt sich ein Fußgestell, 200 Schritte lang, 150 breit und acht Stufen hoch. Darauf ruht ein achteckiger Tempel, über den eine Kuppel sich wölbt mit Blei gedeckt. Diese endet in eine Spitze, die den Halbmond trägt. Die Fenster des Tempels, acht an der Zahl, sind so hoch als die Wände. Die Hauptfarbe ist die grüne; der Bau leicht und fein. Um den Platz läuft eine Rasenstelle, und diese ist von zwölf Portiken zu zwei und drei Bogen aus weißem Marmor umgeben. Den weiteren Umfang bilden ansehnliche Gebäude, die zur Moschee gehören. Der Rasenplatz mag 500 Schritte Länge und 460 Breite haben.

So viel von außen. Kein Ungläubiger darf durch die Portiken treten; er setzt sich dem Tode aus. Ein Englander wagte kurz vor meiner Ankunft dreimal in den Tempel zu gehen, und wurde, trotz der Verkleidung, beim dritten Male erkannt. Halbtodt geschlagen rettete ihn die Wache des Gouverneurs, und die Mönche zum heil. Erlöser kauften ihn von diesemfür 3000 Piaster los. Das Innere dieser Moschee, wo man den Stein zeigt, von welchem Mohammed sich auf zum Himmel schwang, ist mit Mosaik geziert. Sechzehn Marmorsäulen tragen das erste Stockwerk und eben so viele die Kuppel. Nach jeder Weltgegend sieht eine Pforte, wie dieß schon im alten Tempel der Fall war. (Hesekiel XL.) Sechs Marmor- oder Porphyrsäulen stützen dieselbe.

Ich kann hier nicht umhin zu bemerken, daß die Schilderung, welche die Bücher der Könige und der Chroniken von dem Salomonischen Tempel machen, auf eine den ägyptischen Tempeln sehr ähnliche Bauart weisen. Ägypten war auch zu Salomons Zeit das Musterland der Kunst für den ihm verbündeten Nachbarstaat. Es ist auch wahrscheinlich, daß Salomo, so wie er tyrischer und sidonischer Werkleute zum Behauen des Holzes und der Steine und tyrischer Künstler zu den Arbeiten in Erz, Gold und Elfenbein sich bediente (Könige V. VI.), ägyptische Meister zu Rathe gezogen habe, da er ja selbst die Tochter eines Pharaonen zur Gemahlin hatte und ihr das Wohnhaus am Tempel erbaute. (VII. 8. IX. 24.) Die Pracht und der Reichthum dieses Tempels können nur demjenigen unglaublich scheinen, der die ägyptischen Tempel nicht sah. Diese, in ihrer Zerstörung, beurkunden genug die ungeheure Kraft der Religion in jener Zeit, und den Umfang des Aufwandes, der für sie gemacht wurde. Ließe die Herrlichkeit Ägyptens nicht auf die Entwicklung derKunst in dem nächsten Nachbarlande gegen Osten schließen; die Schilderung selbst, die wir in der Bibel davon lesen, wäre Beweises genug. Daß diese Kunstbildung nicht erst von den Juden nach Palästina gebracht, sondern von ihnen dort vorgefunden wurde, geht aus vielen Stellen hervor. Aus den StädtenHadad-Esersund aus denen seiner übrigen Nachbaren nahm David eine große Menge von silbernen, goldenen und ehernen Gefäßen (Chron. XIX.) und die reiche Tyrus, deren Schiffe dem Könige Salomo dienten, war damals bereits auf einer Höhe der Entwicklung, die Jerusalem ein glänzendes Muster gab. (Könige V.) Wo aber kamen die ungeheuren Schätze hin, die im Tempel verwendet und aufgehäuft waren, die hunderttausend Centner Goldes und die tausendmal tausend Centner Silbers? (Chron. XXIII. 14.) Die Tempel von Ägypten und die Stellen der Bibel antworten darauf, die von der Eroberung Jerusalems durch den Pharaonen Schischak (Könige XXIV.), von dem Heereszuge des Königs von Syrien Hasael (II. Könige XII.), von der Plünderung durch Joas, König von Israel (II. Könige XIV.), von den Brandschatzungen Sancheribs, Königs von Assyrien (II. Könige XVIII.) und des Pharaonen Neko (II. Könige XXIII.), endlich von der Vernichtung des Reiches durch den Babylonier Nebukadnezar (II. Könige XXIV. XXV.) sprechen.

»Meister,« sagte einer der Jünger zu dem Herrn, dasie aus dem Tempel gingen, »welche Steine, welch ein Bau!« — Und Jesus antwortete: »Ja, staune an diesem mächtigen Bau, und doch, kein Stein wird da über dem andern bleiben und keiner seyn, der nicht zerbrochen werde!« — Und so ist es auch gegangen.

Aber zurück zu unserer Wanderung auf dem Öhlberge. Von der Stelle der Beschauung kam ich zu einigen Grotten, welche man dieGräber der Prophetennennt, dann zu einer Cisterne zu zwölf Bogen. An dieser sollen die Apostel dasGlaubensbekenntnißverfaßt haben. Nahe daran, wo die Trümmer einer Kapelle stehen, wird der Platz verehrt, wo Christus dasGebet des Herrnlehrte, und dreißig Schritte weiter, an einem Öhlbaume, derjenige, wo er dasWeltgerichtverkündete (Matth. 24. 25. Mark. 13). Aus der Spitze endlich steht die Moschee (einst Kirche) derHimmelfahrt. Ein kleines, achteckiges, nacktes Gebäude umschließt einen Stein, worin man den Abdruck eineslinkenFußes sieht, der im Begriffe des Aufschwunges ist. Das Haupt des Entschwebenden muß nach Norden sehend gedacht werden.

Auf dieser Höhe war seit ältester Zeit ein Gebetplatz. »David aber ging den Öhlberg hinan und weinete und sein Haupt war verhüllet und er ging barfuß ... und da David auf die Höhe kam,wo man Gott pflegte anzubeten« u. s. w. (II. Sam. XV.) Die Stelle, weithin die Gegend beherrschend,drang sich selbst zum Gottesdienste auf. Darum ist auch treffend das Bild Hesekiels: »Und die Herrlichkeit des Herrn erhob sich aus der Stadt und stellete sich auf den Berg, der ihr gegen Morgen liegt.« (XI. 23.) Eben so schön ist dasjenige in Zacharias. XIV.

Vom Öhlberge den Blick ringsum sendend, ist demselben wüstes, trauriges Land nach allen Seiten aufgethan. Hügel über Hügel geworfen scheinen ein Bild der Zerstörung. Im Norden ist Flachhöhe, über die aus 35° nordwestlich von hoher Felsspitze eine Moschee schaut, einst das Kirchlein Samuels und in frühester ZeitSilo, wo die Gemeinde des Herrn die Stifthütte aufrichtete und Josua das Loos warf zur Theilung des Landes. (Jos. XVIII.) Im Süden, nachHebronhin, öffnet sich das Thal. Im Osten sieht man die breite Ebene vonJericho, denJordan, und eine lange Strecke destodten Meeres, jenseits aber hohes, glattes, gleichförmiges, ausdruckloses Gebirge,Pisgain der Bibel genannt (V. Buch Mos. 34), von welchem herunter Moses das Land überblickte, das zu betreten ihm nicht gegeben war, und in das die Kinder Israel unter Josuas Führung zur Eroberung von Kanaan niederstiegen. Das Land zwischen Jerusalem und dem Jordan ist wie verbrannter Boden, aschenfarb und braun; nur in den Schluchten sind Feld, Feigen-, Mandel- und Öhlbäume, diese aber voll Kraft undFarbe. Die Entfernung vom Öhlberg zur Mündung des Jordans ins todte Meer ist sechs Stunden, kann aber in gerader Linie deren kaum drei betragen.

Ein Trupp Beduinen lag eben damals, jede Annäherung verbietend, in der Ebene vonJericho; dieß ließ uns einen Ritt an das Gestade destodten Meeresnicht ausführen.

Wir kamen durch das DorfBethphage, noch heute so genannt, und bis an den Brunnen, an welchem Christus mit den Aposteln auf dem Rückwege vonJerichoauszuruhen pflegte; dann nachBethania, wo man uns desLazarus Grabzeigte, ein Gemach und eine Grotte, 26 Stufen tief in den Felsen gehauen, den Katholiken gehörig und zum Gottesdienste eingerichtet. InAbutiß, einem nahen Dorfe, wies man uns dasHaus Magdalena's, und weiter östlich die Stelle, wo Christus die Büßerin traf. Alle Höhen im Osten des Öhlberges sind voll von Steinbrüchen, Grotten, Gräbern, tiefen und großen Brunnen und in den Felsen gehauenen Getreidebehältern.

Auf dem Rückwege zeigte man uns an der Südseite des Öhlberges die Stelle, wo sich Judas erhängt haben soll. —

Die Stellen, welche den christlichen Gläubigen in der Stadt insbesondere zur Verehrung empfohlen werden, sind außer den schon erwähnten dasHaus des Zebedäus, nun eine griechische Kirche; dasHausSimon des Pharisäers, nun eine zerstörte Kirche an derVia dolorosa; nicht ferne davon das Kloster zur heil. Anna mit derGrotte der Empfängniß, nun eine Moschee; der Ort der Erscheinung des auferstandenen Heilandes den drei Marien; das Haus derMaria, Mutter des Johann Markus, wohin Petrus sich begab, nachdem er von dem Engel gerettet worden war, nun eine Kirche der Maroniten; derKerker des heil. Petrus, nun eine verfallene Kirche und, nicht ferne davon, der Ort woAbrahamseinen fünf und zwanzigjährigen SohnIsaakopfern wollte (Jos.Ant.I. 13), nun mitten in einer Wiese zwischen Ruinen, nicht ferne vom heiligen Grabe. Indische Feigen bewachsen die eingestürzten Wände, und Palmen wiegen ihre Kronen darüber.

Dasgriechische Klosterund Hospitium am Tempel zum heil. Grabe ist von Konstantin und Helena gestiftet. Zwei Kapellen sind darin, groß und reich und mit vielen Gemälden geziert. Von der Terrasse dieses Klosters gelangt man auf diejenige des Tempels selbst, von welcher ein anderer herrlicher Ausblick über die Stadt ist. Ich verweilte auf den Zinnen des Tempels in der Stunde des Sonnenuntergangs. Eine Farbe der Wehmuth war über das ganze Gemälde ausgegossen, nur in den Klagliedern Jeremias errathen und ausgesprochen! — Im fernsten Süd glänzte mir ein Streifen der arabischenWüste entgegen, brennend in Gelb. Die SandfelderNubiens, schweigend und leblos, mit ihren schwarzen Felsmassen lebten in meiner Erinnerung auf, und es war mir als habe die Geschichte ein ähnliches Bahrtuch über den Boden gelegt, worauf ich stand.

In der Nacht kam Regen und Gewitter. Der Donner rollte über der Tochter Sions. — Am nächsten Morgen waren die Berge ringsum wie mit frischem Teppich des heitersten Grüns belegt.

DieMauernder heutigen Stadt sind ein Werk Soleimans, des Sohnes Selims, aus dem Jahre 1543. Sie sind durchaus gut erhalten, besser als diejenigen irgend einer türkischen Stadt, Konstantinopel nicht ausgenommen, stark, aber unbewaffnet. Geht man durch dasThor der Pilger, von den Christen auch das Thor vonBethlehem, das Thor von Jaffa, von den MohamedanernBab-el-Kzalil(Thor des Erwählten) oder auchBab-el-Khalil(Thor Abrahams) genannt, so hat man zur Linken die Schlucht zwischen dem Sion und dem Hügel des Blutackers, gerade vor sich aber die sanft aufsteigende Flachhöhe. Das Thor sieht nach NNW. Die Ummauerung nimmt links desselben die Richtung Süd und folgt durch 440 Schritte der Kante des Sion. Die Thürme und Mauern des Schlosses in der Stadt, dieBurg Davidsgenannt, sehen über die erste Hälfte dieser Strecke, der ein Bollwerk vorgelegt ist, für 36 Geschütze nach vornen und 7 nach Süd eingerichtet.Die Schießscharten sind dermalen fast alle vermauert, und ein paar geringe Stücke bilden die Bewaffnung dieses neuesten Baues. Aus der Richtung von Süd wendet die Ummauerung nach Ost, zieht quer über die Fläche des Sion und erreicht nach 240 Schritten dasThor von Sion,Bab-el-Nebi-Dahud(Thor des Propheten David). Von dort senkt sich der Boden. Längs dem Abhange des Sion hinab zieht die Ummauerung noch 364 Schritte nach Ost, dann den Morija hinauf erst 100 Schritte NO., dann 140 ONO. und wieder 100 NO.; weiter längs der Kante des Morija abermals 300 Schritte Ost. Durch die Westseite des zweiten Thurmes dieser Strecke geht das PförtchenBab-el-Mograbi(Barbareskenpforte) d. i. diePorta sterquilinia, durch welche die Juden Christum nach der Gefangennehmung zu Pilatus führten. Die Ummauerung bricht rechtwinklich aufwärts, 80 Schritte, wo eine vermauerte Pforte steht, und der Weg aus dem Thale Josaphat, Silo gegenüber, heraufkommt. Hoch über die Mauer schauen Gebäude zur Moscheeel-Sakhragehörig. Längs der Kante des Morija, wo diese am höchsten und steilsten ist, zieht die Ummauerung Ost 200 Schritte; dann Nord 450 Schritte bis an die goldene Pforte (Bab-el-Darabie). Diese, ein römischer Bau, aus zwei Bogen korinthischer Ordnung bestehend, führt gerade auf denPlatzel-Sakhra. Sie wird von den Türken vermauert gehalten, denn durch diese soll, der Sage zufolge, an einem Palmsonntage ein christlicher Eroberer einziehen. Von dort bis zum Thordes heil. Stephan(Bab-el-Sidi-Mariam, Thor der Jungfrau Maria) sind 250 Schritte Nord. Nun beginnt die Flachhöhe sanft sich zu heben. Nach 490 Schritten, abermals Nord, erreicht die Ummauerung die Nordostecke, derThurm Tankredsgenannt. Der Abfall, längs der Ostseite der Stadt hoch und steil, verschwindet nun, denn nahe an dieser Ecke nimmt dasThal Josaphatseinen Ursprung, dort auch derKedron. Die Flachhöhe im Norden der Stadt hat da ihre Verbindung mit dem Öhlberge.

Die Nordseite der Ummauerung ist die eigentliche Angriffsseite. Sie bildet einen ausspringenden Winkel. Es zieht nämlich ein Theil derselben West, der andere Südwest 430 Schritte in der ersten Richtung, wovon zweihundert sanftaufsteigend, führen bis zumPförtchen Herodes oder Ephraim, das durch den sechsten Thurm geht. Im Graben am dritten Thurm ist eine gedeckte Cisterne und ein Schöpfbrunnen daneben, dem ein Marmorsarg als Trog dient. Die Cisterne war, als ich sie sah, gefüllt.

Hinter dem Pförtchen senkt sich die Mauer durch 146 Schritte, und hebt sich dann wieder durch 170. Dort ruht sie auf Felsen, und nimmt dann die Richtung Südwest. Nach 180 Schritten trifft sie dasThor von Damaskus(Bab-el-Cham), auch das Säulenthor genannt (Bab-el-Hamond), das zierlichste aus allen, in der Einsenkung der Hügel liegend. Vor demselben an der Straße steht ein Brunnen. Von dort steigt die Ummauerung durch 500 Schritte wieder auf den Sion, springt 60 Schritte stumpfwinklich aus und hat in diesem Vorsprunge ein Wasserbecken vor sich. Dort zeigen sich auch auf wenige Schritte von den Mauern Reste der älteren oder römischen, Massen von Steinfülle mit schweren Quadern bekleidet. Nach 320 Schritten quer über die Höhe, mit vier Vorsprüngen, jeder zu 10 Schritten, erreicht man den anderen Winkel der Nordseite, der durch einen auf Felsen ruhenden Thurm zu 26 Schritten Breite gebildet wird. Dort endet der Graben, der vom Thore St. Stephan bis zu dieser Stelle der Ummauerung vorliegt, meist in den Felsen gehauen ist, bald 6 Fuß, bald 8 Fuß Tiefe und bis 24 Schritt Breite hat.

Nun geht die Mauer 60 Schritte tief ein, hält aber noch während 158 die Richtung S.N., worauf sie diejenige von S.S.O. nimmt und nach 300 Schritten das Thor von Bethlehem wieder erreicht.

Die Stadt hat demnachsiebenThore, und die Ummauerung in ihrer ganzen Entwicklung 5616 Schritte Länge.Vierzig Thürmeundsechs und zwanzig Halbthürmeoder Flankenbrechen dieselbe. Davon fallen auf

Die Mauern sind von behauenen Steinen, mit Mörtel verbunden, hinlänglich dick, mit Deckungen, Stiegen und Auftritten versehen, im Durchschnitt 22 Lagen hoch, die Lage zu 28 Zoll. Die Zinnen halten zwei andere Lagen. Die ganze Höhe der Mauern beträgt also 56 Fuß. Am niedrigsten sind sie an der Südseite, wo sie zurPorta sterquiliniaaufsteigen; am höchsten von dieser bis zum Südostwinkel. In dieser Strecke dienen die Reste älterer Mauern; es ruhen nämlich die zwei und zwanzig neuen Lagen auf fünf Lagen riesiger Werkstücke. Der Südostwinkel der letzten vierzehn Lagen, und der anderen zwei und zwanzig, und ist die mächtigste und zugleich, da der Berg ins Thal Josaphat abstürzt, die am wenigsten nahbare Stelle der Ummauerung. —Die Thürmehaben durchaus Vierecke oder Rechtecke zur Grundfläche. Ihre Abstände unter sich sind ungleich. Die Breite derselben ist es auch, und wechselt von 6 bis 24 Schritten. Sie greifen von 4 bis 14 Schritte aus der Mauer vor. Die stärksten Thürme sind die beiden südlichen der Westseite; derjenige zwischen dem Südwestwinkel und dem Thore von Sion; der erste und dritteöstlich von diesem Thore (jener ist fünf Schritte vorragend und 16 breit; dieser bildet den Winkel der Wendung aus Ost nach Nordost, hat 18 Schritte Breite und 8 und 9 Schritte Vorsprung); der Thurm Tankreds; der Thurm auf dem Felsvorsprung in der Nordseite, endlich derjenige welcher das westliche Ende dieser Seite bildet. DieHalbthürme(Flanken) greifen von der Breite eines Schrittes bis zu der von zehn vor. Die stärksten sind zu beiden Seiten des Nordwestwinkels.

Obgleich die Nordseite die eigentliche des Angriffes ist, so kann dieser doch mit Vortheil über die halbe Ost und Westseite ausgedehnt werden. Die Nordseite, als auf den Ausläufen der Flachhöhe geführt, ist beherrscht; ihr schwächster Punkt an der PforteEphraim.

Die Burg(auch der ThurmPisanigenannt) steht hart innerhalb dem Pilgerthore, und ist ein mit tiefem Graben umgebenes Rechteck zu zweihundert Schritt Breite und etwa sechzig Länge. Sie ragt mit zwei hohen Thürmen über die Stadtmauer zur Linken des Pilgerthores, weiset gegen Süd andere zwei von bedeutender Stärke, und eben so viele gegen Ost, zwischen welchen der Eingang ist. Diesem wurde kürzlich eine Batterie vorgelegt, um die Stadt bequemer im Zaume zu halten. Diese Burg ruht ohne Zweifel über derjenigenDavids, die ihrerseits auf der Burg der Jebusiter ruhte. »David aber gewann die Burg Sion, das ist Davids Stadt.«(Chron. III. 5) »David aber wohnte auf der Burg; darum heißt man sie Davids Stadt« (e. d. 7.). Die Stelle ist die beherrschende der Stadt. Eine Burg in ihr kann daher nicht anderswo, als an diese Stelle gesetzt worden seyn. Ein Beleg hiezu sind auch folgende Worte: »Und der Knabe auf der Warte hob seine Augen auf und schaute; und sieh, eine Menge Volkes kam auf dem Wege herbei, an der Seite des Berges« (II. Sam. 13). Von keinem Orte der Stadt überschaut man besser die Wege, so von der Flachhöhe nach der Stadt führen, als von derjenigen, wo die Burg noch heut zu Tage errichtet steht. Von ihren Zinnen liegen vor dem Blicke zwei Wasserbecken auch heute noch so nahe, daß man sich an dem Anblicke eines darin Badenden hinlänglich ergötzen kann, das eine in der Schlucht gegen Westen des Pilgerthores, das andere, innerhalb der Stadt, im Norden der Burg; das eine oder das andere nimmt man für das Becken, worin David, von den Zinnen der Burg herab,Bethseba, das WeibUriasdes Hethithers belauschte.

Da zu den Zeiten Christi der Golgatha außerhalb den Mauern der Stadt lag, aus vielen Stellen der Bibel aber, und so auch aus der Natur des Bodens klar hervorgeht, daß im Osten, Süden und Westen und an der Nordostseite die Ummauerung der damaligen Stadt derjenigen der heutigen gleich kam, so ist nur die Strecke vom Pilgerthore bis zudemjenigen von Damaskus als vorgeschoben zu betrachten, und es ist wahrscheinlich, daß damals die Ummauerung von dem auf dem Felsvorsprunge stehenden Thurme der Nordseite längs dem Abfalle der Höhe Bethseda südlich zog, dieVia dolorosadurchschnitt und den Morija hinaufstieg, dort aber sich mit einem vom Pilgerthore, östlich den Sion herabziehenden Theile der Ummauerung traf. Die Bibel deutet häufig auf eine doppelte Mauer; z. B. »Und er (Hiskiä) ward getrost und besserte die Mauern aus, wo sie lückig waren und machte Thürme darauf, und bauete draussen noch eine Mauer« — (II. Chron. XXXII. 5). »Darnach baute er (Manasse) die äußersten Mauern an der Stadt Davids von abendwärts an Gihon im Bach, und da man zum Fischthor eingeht, und umher am Ophel, und machte sie sehr hoch« (II. Chron. XXXIII. 14).

Diese Mauern wurden aber durch die Babylonier niedergerissen. AlsKyrosden Juden die Rückkehr ins Vaterland gewährte, erlaubte er ihnen zwar den Tempel wieder aufzubauen; als sie aber, unterArtaxerxes(Arthasastha), auch die Mauern wieder herstellen wollten, verbot dieser König es zunächst (Esra.IV.), weßhalb auchNehemiaschreibt: »Und ich ritt zum Thalthor aus bei der Nacht, vor dem Drachenbrunnen und an das Mistthor; und that mir wehe daß die Mauern Jerusalemszerrissen waren, und die Thore mit Feuer verzehrt. Und ging hinüber zu dem Brunnenthor und zu des Königes Teich; und war da nicht Raum meinem Thier, daß es unter mir hatte gehen können« (II. 13. 14). Im folgenden Kapitel schildert Nehemia auf das genaueste den Zug der Ummauerung, wie unter seiner Leitung sie dennoch erbaut wurde. Der Bau, eigentlich gleichzeitig auf der ganzen Länge der Entwicklung geführt, fing amSchafthorean, ging von da nach demFischthor, wieder nach demalten Thore, über die breite Mauer nach demThalthore, nach dem tausend Ellen davon entlegenenMistthore, weiter nach demBrunnenthor, und vorbei an der Quelle Siloe (Seloah) am Garten des Königes und an den Stufen, die von der Stadt Davids heruntergingen, an den Gräbern Davids, am TeichAsujaund an der Burg der Krieger bis an den Winkel am Rüsthause, der hinauf die Höhe zog und wovon ein Theil schon auf der Höhe selbst lag. Weiter machte die Ummauerung ein paar Winkel bis nach einem hohen Thurme, der vom Königshause heraussah, umschloß denOphel(den ich für gleichbedeutend mit der Höhe Bethzeda halte), wo dasWasserthorstand, ging nach demRoßthoreund weiter nach demRathsthorebis an die Nordostecke, worauf sie das Schafthor wieder erreichte.

Aus dieser Folge ergibt sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit folgende Bestimmung: das Schafthor ist (Joh. V.) das heute nach dem heil. Stephan genannte. In den Raum von diesem bis zum Südostwinkel der heutigen Stadt fielen das Fischerthor und das alte Thor. Der Südostwinkel selbst ist die breite Mauer. Durch die Südseite gingen das Thalthor, das Mistthor (Porta sterquilinia), das Brunnenthor. Der Garten des Königs lag zwischen den Quellen Siloe und Rogel; an dieser letztern, die Schlucht hinauf, führten die Stufen zur Stadt Davids, die also, im weiteren Sinne des Wortes, den ganzen auf dem Sion gelegenen Theil von Jerusalem in sich begriff. Die Gräber Davids, worunter nur dann die eigentlichen Königsgräber zu verstehen sind, wenn man die Bezeichnung: »die Stadt Davids,« so oft im obigen Sinne versteht, als die Bücher der Könige sagen, »und wurde begraben in der Stadt Davids,« waren sonach an der Stelle, die man heute noch dafür bezeichnet. — Der Teich, oder vielmehr das Becken Asuja ist das in der Schlucht vor der Westseite, oder das etwas südlicher liegende. Die Burg der Krieger bezeichnet insbesondere das Schloß oder die Stadt Davids im engeren Sinne. Das Rüsthaus muß am nordwestlichen Abhange des Morija gelegen haben. Das Königshaus ist eines der Nebengebäude des Tempels. Das Wasserthor fällt indie Thalung nach dem heutigen Thore von Damaskus; das Roß- und Rathsthor in die Nordseite.

Die Bibel nennt aber noch einige andere Thore: nämlich dasThor Ephraimund dasEckthor, vierhundert Ellen von einander abstehend (II. Könige, XIV. 13); dasKerkerthor(Nehem. XII. 39); dasZiegelthor(Jerem. XIX.); dasThor Benjamin(Jerem. XXXVIII. 7); dasinnere Thor(Hesek. VIII. 3).

Schon aus dem Umstande, daß Joas, König von Israel, die Stadt zwischen dem Thore Ephraim und dem Eckthore angriff, beweiset sich, daß dieselben höchst wahrscheinlich an der Nordseite sich befunden haben. Das erstgenannte als ein kleineres ist vielleicht erst in späteren Zeiten wieder erneut worden, und wahrscheinlich ein und dasselbe mit dem heute sogenannten. Das Eckthor scheint nahe am Thurme Tankreds gewesen zu seyn, der die Nordostecke der heutigen Stadt bildet und 430 Schritte vom Pförtchen Ephraim absteht. Das Kerkerthor scheint ein inneres gewesen zu seyn, oder im Winkel nach der Schädelstätte gelegen zu haben. Das Ziegelthor, als nach dem ThaleBen Himmonsehend, fällt in die Südseite, und ist wahrscheinlich eines und dasselbe mit dem Brunnenthore. Die beiden anderen scheinen gleichfalls innere Thore, und deuten auf Mauerabschnitte innerhalb der Stadt, wieman deren heut zu Tage noch in allen orientalischen ummauerten Städten sieht. —

Außerhalb der Stadt zwischen dem Thore von Damaskus und der Pforte Ephraim, auf einen Steinwurf vom Graben, hebt sich ein niederer felsiger Hügel. Darin befindet sich eine Grotte, deren Eingang der Stadt zugewendet und durch ein schmales Gärtchen und dessen Umfangmauer geschlossen ist. In dieser Grotte sollJeremiasseine herrlichen Klaglieder verfaßt haben, die, so wahr am heutigen Tage, mit den Worten beginnen:

»Wie liegt die Stadt so wüste, die voll Volkes war! Sie ist wie eine Wittwe. Sie, die eine Fürstin war unter den Heiden und eine Königin in den Ländern, sie muß nun dienen!«

Jetzt wohnt ein muselmännischer Heiliger in dieser Grotte und verkauft Grabstellen in ihr und im Gärtchen, so davor liegt. Der innere Raum der Grotte ist fast rund, zu zwei und vierzig Schritte Durchmesser, von zwei massiven Pfeilern getragen, in der Mitte etwa 30 Fuß hoch. Der Meißel hat der Natur nachgeholfen. Rundum an der Wand, 1-1/2 Fuß über dem Boden, laufen einige Zoll hohe Durchzüge im Stein, so daß man ringsum ein Seil ziehen könnte. An dem rechten Pfeiler haben die Muselmänner einen Gebetplatz.

DieFlachhöheim Norden der Stadt, die auf eine Stunde Länge fast eben so viele Breite hat,ist ein Gemenge von Felsspitzen, die von zwei bis zwanzig Fuß über den Boden ragen, und zwischen denen Saaten und Öhlbäume stehen. Fast jede dieser Spitzen zeigt den Eingang in eine Todtenkammer, in die man bald ebenen Fußes geht, bald abwärts steigt. Die Eingänge sind jederzeit rechtwinkelig, manchmal mit einem Fries und Tympanen versehen, meist aber unverziert. So viele davon ich auch besah, ich konnte nirgends eine Inschrift entdecken.

Die Beschreibung zweier genügt, um die übrigen zu kennen. Nicht ferne von der GrotteJeremiäist eine Nische, fünfzehn Schritte breit und vierzig lang in den Felsen gehauen, in deren linker Wand ein nur wenige Fuß hoher, gewölbter Durchgang sich befindet. Durch diesen tritt man in einen Hof zu vierzig Fuß ins Gevierte, von geglätteten Felswänden umfangen. Durch die südliche Wand, siebzehn Schritte breit, ist der Eingang in ein Vorgemach, das sieben Schritte Tiefe hat. Das Fries über dem Eingange ist von feiner Meißelarbeit; es besteht zu oberst aus mehreren Leisten, dann folgt eine Reihe Triglyphen, die mit Blumenkränzen, Rosen, Trauben, Palmen- und Akanthuszweigen wechseln, und darunter eine Rinne mit Tropfen unter den Triglyphen und Zweigen; weiter ein schönes Band aus Weinblättern, Granatäpfeln, Blumengewinden und Pinienfrüchten, endlich der gewöhnlicheArchitrav. Diese Zierden sind hoch und schön ausgehauen; ihre Wahl und Anordnung erinnert an die Schilderung der Meißelarbeiten im Tempel des Salomon, so wie die Bücher der Könige sie geben. Das Vorgemach ist unverziert. Durch den Boden desselben, zur Linken, kriecht man in ein Loch, das bis 8 Fuß Länge und 2 Fuß Höhe haben mag, und kommt in ein Gemach zu 22 Fuß ins Gevierte. Dieses hat in der Hinterwand zwei Thore. Das linke führt in einen Saal, in welchem die Eingänge zu sechs Gemächern, jedes für zwei oder drei Leichenstellen, sich finden; das rechte in einen ähnlichen Saal, das außer den sechs Seitengemächern noch eines acht Stufen tief unter sich hat. Durch die rechte Seitenwand des ersten Gemaches kommt man in ein anderes zu 15 Fuß ins Gevierte und 10 Fuß hoch; aus diesem aber in zehn Seitenkammern.

Alle diese unterirdischen Gemächer sind in den Felsen gehauen, und gegen unsere Grüfte gehalten eben so wunderbare Werke, als die ägyptischen durch Pracht, Ausdehnung und Zierath solche gegen die jüdischen sind. Die Thore haben nur 2 Fuß 6 Zoll Breite und sind oben gerundet. Die Thüren liegen häufig darneben. Jede besteht aus einem einzigen starken, einfach verzierten Steinblocke. Jedes Gemach hat in der Mitte des Bodens eine Rinne, 8 Zoll breit und eben so tief; jeder Saal in der Mitte eine Vertiefung, so zwar, daß nur längs den Wänden der höhere Auftritt besteht. Sehr merkwürdigsind die Leichendeckel, die in einigen Kammern noch ganz, in andern in Trümmern zu sehen sind. Sie haben 7 Fuß Länge, aber nur 11 Zoll Breite und sind innen ausgehöhlt, außen aber mehr oder weniger fein mit Eichen- und Weinblättern, mit Blumen und Früchten verziert. Sie müssen unmittelbar auf den Leichen geruhet haben. In der Wand zur Seite der Schlummerstätte ist nicht selten eine kleine, seichte, dreieckige Nische, gerade groß genug, um eine Lampe zu fassen. Man sieht den oberen Winkel nicht selten noch geschwärzt.

Man nennt diese Grabhöhlen dieGräber der Könige. Welcher Könige? Die des Reiches Juda wurden großentheils in der Stadt Davids begraben (Könige XIV. XV. — II. Könige VIII. IX. XII. XIV. XV. XVI. XXI.); Ausnahme machtenManasse,Amon,Josias, die im Garten Usa begraben wurden. (II. Kön. XXI. II. Chron. XXXV.) Lag dieser auf der Flachhöhe, so kann die obige Bezeichnung allerdings eine richtige seyn, und würde sich dann auf die genannten Könige dieses Reiches anwenden lassen. SchonJoramundJoaswaren nicht in den Gräbern der Könige beigesetzt worden (II. Chron. XXI. XXIV.), und vonUsiassagt die Chronik: »und sie begruben ihn bei seinen Väternim Felde bei dem Begräbnisse der Könige.« (XXVI. 23.) — Die Gräber derMakkabäerkönnendiese nicht wohl seyn, da dieselben vom Meere aus sichtbar gewesen seyn sollen. Nicht unwahrscheinlich sind es die Gräber der FamilieHerodes, dieJosephusals im Norden der Stadt gelegen schildert. Mir schienen Anlage und Verzierung aus römischer Zeit, obwohl nicht durch römische Hand bewirkt. —Pausanias(VIII. 16) undJosephus(Ant.XX. 2) sprechen auch von bewunderungswürdigen Gräbern derHelena, Gemahlin desMonobazus, Königs von Adiabene, die im ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung lebte, sammt ihrem SohneItazesnach Jerusalem zog und dort die jüdische Religion annahm. Drei Pyramiden sollen über ihrer Grabstätte, drei Stadien weit von der Stadt, aufgerichtet worden seyn. Die Pyramiden bestehen nun freilich nicht mehr, was nichts für die Bezeichnung unserer oben beschriebenen Ruhestätten beweiset. Diese letzteren sind aber für eine weit größere Zahl von Leichen eingerichtet.Pausaniasspricht von einer besondern Schließungsweise der Grabstätte dieser Königin, und der MönchBernardino von Gallipoliin seinem sonst verdienstlichenTrattato delle piante ed immagini de' sacri Edifizi di terra santa, Firenze 1620, erzählt bei Schilderung derSpelonche Regievon etwas ähnlichem. Ich habe davon nichts gesehen, und finde überhaupt seine Zeichnung dieser Gräber ganz und gar unpassend auf diejenigen, die man mir und Andern als dieGräber der Königewies.

Eine Stunde weiter gegen Nord, wo sich die Flachhöhe, der Spitze des KirchleinsSamuelsgegenüber, senkt, und ein Thal nach Osten ausläuft, sind dieGräber der Richter. Der Eingang ist mit Akanthus im Fries und Tympanum verziert; eben so die kleine Pforte, die aus dem fünf Schritte tiefen Atrium in ein Gemach, zu 29 Fuß 8 Zoll ins Gevierte, führt. In diesem sind in der linken Seitenwand, in zwei Reihen über einander, dreizehn Geschiebe, d. i. wagrechte Löcher, 16 Zoll breit, 26 Zoll hoch und 7 Fuß 6 Zoll tief, unten eben, oben gerundet und jedesmal vorne in ein vertieftes Rechteck eingefangen. In jedem Geschiebe war nur für eine Leiche Raum, und zwar ohne Sarg; man wickelte dieselbe wahrscheinlich in Leinen und gab Spezereien hinzu. (II. Chron. XVI. 14.) Die Eingangswand dieses Gemaches, das eben hoch genug ist, um darin stehen zu können, hat zur Linken ebenfalls ein solches Geschiebe, zur Rechten aber ein anderes Gemach und zwar eingesenkt. Durch die rechte Seitenwand kommt man in ein Gemach, das unten neun Geschiebe, oben aber eine breite Steinbank ringsum zeigt, als habe man da die Leichen erst umwickelt und bereitet, bevor man sie in ihre letzte Wohnung schob. Durch die Hinterwand gelangt man in ein Gemach mit zwölf Geschieben oben und neun unten, und durch eine Stiege links zuerst in eines zu drei und dann in ein anderes zu dreizehn Geschieben.

Ich halte diese Gräber für weit älter als die früher beschriebenen. Sie sind auf wenig Raum berechnet. Ähnliche gibt es auf der syrischen Küste, gegenüber der InselRuad(Aradus), beiSidonund in der Nähe vonDamaskus. (Maundrell, Voyage d'Alep à Jérus. 1525) Ich erinnere mich in keinem anderen Lande deren gesehen zu haben.


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