Chapter 5

Dennoch ist es der exakten Wissenschaft z. B. bis daher noch nicht gelungen, eine wirklich exakte, zentrumfeste Bewegungs- und Kraftlehre zu entwickeln!

Dennoch ist es der exakten Wissenschaft z. B. bis daher noch nicht gelungen, eine wirklich exakte, zentrumfeste Bewegungs- und Kraftlehre zu entwickeln!

Warum aber nicht? Weil eine wissenschaftliche Disziplin heute nicht imstande ist, aus gewissen großen endgültigen Errungenschaften der anderen für sich wirklich wesentliche und fruchtbare Folgerungen zu ziehen; so heillos haben sich die einzelnen Disziplinen in ihr Spezialistentum eingekapselt!

Denn wenn es der Bewegungs- und Kraftlehre etwa nicht gelingen könnte, auf eigenem Gebiet und mit eigener Methode sich zu einerzentral einheitlichen Polaritätslehrezu entwickeln, so hätte sich ihr doch unbedingt von derChemieaus dazu all und jede Möglichkeit dargeboten!

Der Chemie selbst mag es ja weiter nicht zu verdenken sein, wenn sie von dem von ihr festgestellten Urelement aus die Folgerung auf eine zentral einheitliche Polarität nicht gezogen hat, obgleich das vielleicht noch nicht ganz außer dem Bereich ihrer Disziplin läge: aber ist nicht zu beklagen, daß die Kraft- und Bewegungslehre aus der Tatsache des Urelementes keinen Vorteil zu ziehenwußte? Und doch ergibt sich vom Urelement aus mit unausweichlicher Notwendigkeit die Tatsache einer zentral einheitlichen Polarität!

Dieser Zusammenhang und sein logischer Duktus bietet sich zudem wahrhaftig einfach genug dar.

Zuvor wäre allerdings eine Frage zu lösen: nämlich die nach Lokalisation und Verteilung des Urelementes.

Hier würde sich ja aber auf der Stelle ein sehr fruchtbarer Gesichtspunkt ergeben und maßgebend sein. Nämlich der, daß, wenn alle vorhandenen Elemente aus dem Urelement hervorgegangen sind, bezw. Ausdifferenzierungen desselben darstellen, sie irgend einmal noch nicht vorhanden gewesen sein können, sondern daß stattdessen der gesamte kosmische Umfang eine einheitliche Urelementformation gewesen sein muß.

Ich kenne die Anschauungen über das Urelement, die heute in der Chemie bestehen, nicht des näheren: ich glaube aber, man nimmt eine ätherähnliche Beschaffenheit desselben an, und man würde also den sogenannten »Weltäther« als das Urelement ansprechen dürfen.

Damit wäre das Urelement bereits lokalisiert. Lokalisiert man es indessen wirklich solchermaßen, so würde sich sofort ein schwerwiegender Einwand erheben.

Da man nämlich eine unendliche Ausdehnung des Kosmos annimmt, muß mit dieser auch eine unendliche Ausdehnung des Weltäthers oder der vormaligen einheitlichen Urelementformation gegeben sein. Aus dem Weltäther, dem Urelement, bilden sich alsdann durch Kontraktion die übrigen Elemente hervor.

Wäre es denn nun aber wirklich angängig, von einersolchen uranfänglichen Entstehung der Elemente aus dem Weltäther (Urelement) zu reden, da die Elemente ja doch, angesichts derunendlichenAusdehnung des Kosmos, beständig und noch dazu in Gestalt von unendlich vielen körperlichen Gebilden vorhanden sein müßten?

Mit anderen Worten: es läßt sich angesichts einerUnendlichkeitdes Kosmos überhaupt nicht feststellen, daß die Elemente aus einem Urelement, einem Weltäther irgendeinmal erstentstandenwären! Vielmehr wäre ein anderes undenkbar, als daß die Elemente ewignebendem Weltäther und in ihm vorhanden wären. Alsdann aber könnte dieser letztere offenbar nichts anderes sein, alseinElement nebenanderen, oder noch besser: nichts als ein durch die Kontraktionen äußerst angespannter und verdünnter Zustand der Substanz.

Also nochmals: angesichts der bisher bestehenden Anschauung von einer unendlichen Ausdehnung des Kosmos kann von einer uranfänglichen Ausdifferenzierung der Elemente aus einem Urelement und einer einheitlichen Urelementformation hervor, deren Annahme doch vollständig unerläßlich ist, ganz und gar nicht die Rede sein, sondern es müssen ewig alle Elemente neben- und ineinander vorhanden sein. Dagegen ist nicht der geringste Einwand zu erheben.

Nun steht es ja aber in Wahrheit so, daß die Chemie die gesamte organisch-anorganische Entwicklungsreihe bis auf eine ursprüngliche einheitliche Urelementformation tatsächlich hat zurückführen können; daß also vordem wirklich eine einheitliche Urelementformation bestanden hat.

Was kann daraus aber einzig noch folgen?Nichts anderes, als daß eine unendliche Ausdehnung des Kosmos ein völliges Unding ist! Und schon rein von der Chemie und der Tatsache des Urelementes aus muß sich diese Unmöglichkeit ergeben!

Also kann es sich denn in Wahrheit lediglich um einenendlichenKosmos handeln.

Alsdann wäre aber das Urelement bereits so gut wie lokalisiert.

Zunächst damit, daß einstmals dieser endliche Kosmos eine einheitliche Urelementform war, welche irgend eins der übrigen nachherigen Elemente noch nicht hervorgebildet hatte.

Indessen: war der Kosmos wirklich seinerganzenAusdehnung nach eine Urelementformation?

Kurz: Die Lokalisation des Urelementes bleibt erst noch näher zu spezialisieren.

Dazu gelangen wir, wenn wir in Erwägung ziehen, daß diese Urelementformation noch nicht der allereinfachste Zustand des Kosmos gewesen sein kann.

Element und Substanz besagt ja noch injedemFalle eine Aggregation, einen zusammengesetzten Zustand. Haben wir aber eine einheitlicheEntwicklungbis jetzt von einem allerkompliziertesten Zustand aus bis zu einem bereits so einfachen wie das Urelement zurückführen können, so werden wir diese Zurückführung auch noch des weiteren bewerkstelligen können.

Bedingt wird alles Zusammengesetzte durch das, woraus es sich zusammensetzt, oder was sich zu ihmaggregierte. Das kann aber angesichts des Urelementes schon nur mehr noch dasAtomsein. (Ich bin mir bewußt, daß man neuerdings von einer noch winzigeren Körperlichkeit spricht, als das Atom eine ist, von Elektronen, Ionen usw.: indessen, da es ja nur auf den Begriff einer kleinsten Körperlichkeit überhaupt ankommt, so möchte ich den für diese populär gewordenen Begriff des Atoms hier beibehalten.)

Es muß also vor der Urelementformation eine rein atomistische bestanden haben!

Da nun aber erst mit dem Urelement der Begriff und Zustand einer Substanzialität einsetzt, so kannvordem Urelement noch keine Substanz vorhanden gewesen sein und also kann das Atom kein substanzielles Gebilde sein. Also ist es eine unsubstanzielle Körperlichkeit. Und also ist es ein Gebilde reiner Kraft. Als solches aber wieder und als eine Körperlichkeit muß es und kann es nur noch ein primitivstes ProduktzwiepolarerSpannung und kann es selbst lediglich eine winzige zwiepolare Spannung sein. Also ein winzigsteselliptischesGebilde.

So wäre denn also der endliche (elliptisch in sich geschlossene) Kosmos vor dem Urelement eine rein zwiepolare Formation reiner, noch unsubstanzieller Kraft gewesen.

Doch auch dieser Zustand kann noch nicht der allererste Urzustand des Kosmos gewesen sein. Immer noch ermöglicht sich eine Zurückführung der Entwicklung zu einem noch einfacheren Zustand.

Die zwiepolareSpannung(bezw. beständige zwiepolareAuslösung) des Atoms bedeutet noch einenaktivenZustand von Kraft; und also einen immer noch komplizierten, wenn auch schon in keiner Weise mehr substanziell komplizierten. Es kann und wird sich also noch ein weiteres vollziehen; freilich nur mehr noch ein alleräußerstes: nämlich diese zwiepolare Spannung und Aktivität kann sich noch einziehen. D. h. der eine Pol kann den anderen in sich aufnehmen. Alsdann aber besteht weder mehr eine substanzielle noch eine unsubstanzielle Körperlichkeit, besteht keinerlei aktive Kraft mehr, sondern nur noch der einpolar neutrale Zustand ∞, der alle Entwicklungsformen sowohl ein- wie ausschließt und schlechthin punktuell ist! –

Wir wären mit alledem aber zu dem überaus wichtigen Ergebnis gelangt, daß die Substanz keine selbständige Bedeutung besitzt, sondern lediglich die einer vorgerückteren Form und Komplikation von Kraft.So daß also die Kraft der Substanz gegenüber – die überdies bekanntlich noch niemals anders alsschematischbegrifflich von jener getrennt werden konnte! – ein übergeordneter Zustand ist. – Im übrigen aber ist sie offenbar keineswegs der letzte Urgrund des Kosmos und aller kosmischen Erscheinung, sondern lediglich eineEigenschaft! Nämlich eine Eigenschaft des punktuellen Ein-Pols, der sie in dem Augenblick zu betätigen anfängt, sobald er zwiepolar wird, einen Gegenpol aus sich heraussetzt, um alsdann alle weitere Stufenfolge von Entwicklung zu bewirken.

Diesen einpolar neutralen Zustand ∞ gewonnen, werden wir jetzt auch in der Lage sein, das Urelement im Kosmos exakt zu lokalisieren; und zugleich werdenwir mit aller Sicherheit erkennen, daß es tatsächlich unmöglich den Kosmos seiner ganzen elliptischen Ausdehnung nach eingenommen haben oder einnehmen kann. Mit anderen Worten: daß sich zugleich das Vorhandensein eines sogenannten »Weltäthers« als ein für allemal unmöglich erweist! Denn wenn jetzt die Entwicklung aus dem einpolaren Zustand hervor von neuem beginnt, so muß sich auch Zustandekommen und Ort des Urelementes auf das genauste feststellen lassen. –

Entwicklung und eine einheitliche zentrale Kraft als Eigenschaft eines punktuellen Ein-Pols sind also zwei mit jeder Sicherheit ausgemachte und feststehende Tatsachen.

Die elliptisch endlich in sich geschlossene Ausdehnung des Kosmos und die Einheitlichkeit des allgemeinen, absoluten kosmischen Systems ergibt sich von diesen beiden Tatsachen aus mit jeder Notwendigkeit; des näheren aber die Tatsache einer ehemalig einheitlichen Urelementformation und von ihr aus eine Entfaltung von Substanz und kosmischen Körpern, deren es von vornherein in einem elliptischendlichenKosmos nur eine endlich bestimmte Anzahl geben kann.

Aber wir können auch noch von einer anderen Seite her die elliptische Endlichkeit des Kosmos und die Einheit eines absoluten kosmischen Systems mit jeder Sicherheit nachweisen.

Ohne weiteres bieten sich uns nämlich im Kosmos Systeme dar. Diese Systeme bestehen wieder aus Untersystemen. Daraus ergibt sich die notwendige Folgerung, daß alle kosmischen Systeme Glieder eines einzigen allgemeinenkosmischen Systems sind. Weiterhin aber ergibt sich, daß, wie jedes Untersystem einen Zentralkörper und eine Peripherie hat, als welche letztere sich die Umlaufsbahn seines äußersten Körpers darstellt, auch das allgemeine kosmische System einen Zentralkörper und eine Peripherie, bezw. eine äußerste Umlaufsbahn besitzt.

Wollte man nun aber diese Peripherie und diese äußerste Umlaufsbahn ihrer Ausdehnung nach für unendlich halten, so wäre ein anderes vollständig ausgeschlossen, als daß auch der Zentralkörper des Systems räumlich unendlich wäre; denn einerunendlichenPeripherie könnte notwendigerweise auch nur eineunendlicheZentrale entsprechen. Alsdann wären ja aber Zentrum und Peripherie in eins zusammengezogen: nämlich in den Zustand ∞, der, da eine Zentrale gegen eine Peripherie nicht mehr unterschieden wäre, nicht anders als seiner Eigenschaft nach einpolar und neutral ist, so daß also keinerlei System und keinerlei kosmische Körper vorhanden sein würden. Da nun aber in Wirklichkeit doch kosmische Körper und Systeme vorhanden sind, so kann es sich nicht anders verhalten, als daß sie in einem allgemeinen elliptisch endlichen System stehen, in dem sich ein endlicher Zentralkörper gegen eine endliche Peripherie unterscheidet!

Also auch auf solchem Wege gelangen wir zu der unausweichlichen Erkenntnis, daß der Kosmos seiner Ausdehnung nach elliptisch endlich in sich abgeschlossen ist.

Übrigens fängt die Astronomie neuerdings selbst an, einen seiner Ausdehnung nach elliptisch geschlossenen Kosmos und ein solches allgemeines kosmisches System anzunehmen. (Nachdem aber schon lange von Dühring und Helmholtz die Endlichkeit der kosmischen Raumausdehnungnachgewiesen wurde.) Von welch' ungeheurer und überraschender Tragweite aber die Tatsache eines elliptisch endlichen Kosmos und eines einheitlichen kosmischen Systems ist, davon werden wir uns gleich nachher überzeugen können. Die Astronomie hat denn heute auch ein Bewußtsein davon, daß sie vor einer großen fundamentalen Umwälzung steht. Einer ihrer namhafteren Vertreter, Prof. Turner in Cambridge, hat das ja auch anfangs dieses Jahres in einer öffentlichen Rede, die großes Aufsehen erregt hat, direkt ausgesprochen.

In was für unmögliche und geradezu unsinnige Hypothesen sich indessen die exakte Wissenschaft, nachdem sie selbst an den beiden Tatsachen der Entwicklung und der Erhaltung einer einheitlichen Kraft wieder unsicher geworden ist, vorderhand, und besonders gerade die Astronomie, noch verstrickt zeigt, dafür ein Beispiel.

Es ist bekannt, daß man neuerdings die Kant-Laplacesche Kosmogonie ein für allemal hat fallen lassen. Mit vollem Recht; denn sie ist wirklich nicht mehr aufrechtzuerhalten, und am allerwenigsten läßt sie sich noch mit der Tatsache eines elliptisch in sich geschlossenen kosmischen Raumes vereinbaren.

Wir wollen sie uns aber trotzdem hier in aller Kürze noch einmal vergegenwärtigen.

Im unendlichen Raum zieht sich überall Substanz zusammen. Sie befindet sich in einem feurig gasigen Nebelzustande, der rotiert. Diese Rotation vollzieht sich zunächst noch ganz langsam. Da aber der Nebel beständig Wärme in den kalten Weltraum hinein abgibt, so zieht der Nebel sich zusammen und in gleichem Maßenimmt auch seine Rotation zu, beschleunigt sich und wird kräftiger. Die Folge davon ist, daß von einer zentralen Verdickung aus, die sich später zum Zentralkörper des im Entstehen begriffenen Systems entwickelt, die Substanz ringförmig abgeschleudert wird. Diese Ringe zerreißen und ziehen sich zu Körpern zusammen, die alsdann den Zentralkörper in der Richtung von dessen Rotation umkreisen, festgehalten von seiner Gravitation und zugleich von einer Zentrifugalkraft, die ihnen eignen soll, von ihm abgedrängt und zu ihm in bestimmter Distanze gehalten.

Man sieht sofort, daß diese Kosmogonie sich mit einem elliptisch endlichen Kosmos und einem einheitlichen kosmischen System nicht mehr vereinbaren läßt. Denn hier wäre ja weder ein kalter, abkühlender Weltraum mehr, noch auch wäre für das Gesamtsystem noch ein Raum zu einer solchen Abschleuderung. Nur bei der Annahme eines unendlichen Weltraums konnte eine solche Hypothese Sinn und Überzeugungskraft haben. Auch verträgt sich im übrigen die mechanisch von außen her erfolgende Beschleunigung der zentralen Rotation keinen Augenblick mehr mit der Einheitlichkeit und Polarität der Kraft, die doch unbedingt verlangt, daß die Rotation sich durch sich selbst und aus zentraler Polarität heraus beschleunigt. Weiter aber ist überhaupt in der Kant-Laplaceschen Hypothese das Zustandekommen einer zentralen Rotation weder erklärt noch auch verständlich. Auch das Zustandekommen der Rotation der Trabanten bleibt durchaus unverständlich und ohne Erklärung. Ja sogar die Abschleuderung!

Aber das alles beiseite. Trotz allem eignete dieser Theorie an und für sich immerhin eine gewisse einleuchtende Kraft. Es muß einem sofort plausibel sein, daß kosmische Bewegung und Kraft die Substanz lokal kontrahiertund daß alsdann von einem durch solche Kontraktion sich ausbildenden Zentralkörper aus ganz einheitlich die weitere Ausbildung des Systems erfolgt. Auch die Rotation des Zentralkörpers, ob erklärt oder nicht, mußte die Ausbildung der Umlaufsbewegung des Systems sehr gut und mit geschlossener Einheitlichkeit einleuchtend machen. Außerdem durfte man ja an und für sich aus der tatsächlichen Rotation der Erde sehr wohl auch auf eine Rotation der übrigen Himmelskörper schließen.

Um es also banal zu sagen: Die Kant-Laplacesche Kosmogonie war sicherlich nichts weniger als dumm und bleibt nach wie vor, obgleich sie nachgerade nur noch historisch in Betracht kommt, aller Ehren wert.

Nun wollen wir uns aber mal ihr gegenüber einer der neuesten kosmogonischen Hypothesen ansehen, die prätentiert, die Kant-Laplacesche endgültig überwunden und erledigt zu haben!

Es handelt sich um die von Svante Arrhenius in seinem Buch »Das Werden der Welten« entwickelte sogenannte Explosionstheorie. Auch einem weiteren Publikum ist nicht unbekannt, welches Aufsehen ihr nobelpreisgekrönter Urheber mit ihr hervorgerufen und wie die astronomische Wissenschaft sie, wenn auch nicht mit vollständiger Einstimmigkeit, ernst genommen hat.

Wir bieten zunächst in aller Kürze den wesentlichsten Inhalt dieser Explosionstheorie.

Sie knüpft an die so interessante Erscheinung der »Novae«, jener plötzlich mit gewaltiger Kraft und ganz spontan aufleuchtenden Gestirne an, die mit diesem Aufleuchten zum ersten Mal in Erscheinung treten, um alsdann,nachdem ihre Leuchtkraft sich wieder vermindert hat, einen gewissen Ausbildungsprozeß zu zeigen, der im allgemeinen dem der kosmischen Spiralnebel entspricht. Man hat besonders im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte der Erscheinung der »Novae« eine nachhaltigere Aufmerksamkeit zugewandt und große Erwartungen für wichtigste Aufschlüsse in kosmogonischen Angelegenheiten an sie geknüpft; Erwartungen, die Arrhenius jetzt mit seiner Explosionstheorie gerechtfertigt haben soll.

Aber der Inhalt seiner Theorie!

Zwei erkaltete große Sonnen treffen im Weltraum aufeinander. Sie sind nicht vollständig erkaltet, sondern bergen in ihrem Innern noch heißen gasigen Stoff. Der Zusammenstoß macht die beiden Körper bersten und ihr heißgasiges Innere explodieren. Es entsteht eine ungeheure Erhitzung und eine zweiseitige Ab- und Ausschleuderung der erhitzten und gasig gewordenen Materie, die sich mit zwei Armen spiralig neblig um eine zentrale kugelige Verdickung herumlegt.

Nun sollte man meinen, die weitere Ausbildung des im Entstehen begriffenen Systems gehe dergestalt vor sich, daß infolge zentraler Rotation die beiden spiraligen Nebelarme selbständig Zentren ausbilden, die später als Trabanten den Zentralkörper in der Richtung der zentralen Rotation begleiten; indessen keineswegs! Zwar gibt Arrhenius zu, daß bis zu einem gewissen Grade eine solche Zentrenbildung stattfindet, aber trotzdem ist durchaus nicht sie es, welche die späteren Trabanten zustandebringt. Vielmehr sollen diese in der Hauptsache auf folgende Weise entstehen:

Beständig dringen nicht nur zahllose Meteoriten, sondern sogar größere Körper in den Nebel hinein. Diemeisten durchschlagen ihn zwar und setzen ihre Bahnen in den Raum hinein fort, immerhin aber werden diese und jene dennoch von dem Nebel festgehalten, geraten – obgleich sie doch an und für sich die Kraft haben, diese Rotation zu durchbrechen?! – in die Richtung von dessen Rotation, ziehen die Materie des Nebels und etwaige durch die Rotation bereits entstandenen Zentren an sich heran und werden so zu Trabanten des Zentralkörpers; wogegen die eigene Zentrenbildung des Nebels überhaupt so gut wie ganz und gar bedeutungslos bleiben soll!

Das ist die kosmogonische Theorie, die sogenannte »Explosionstheorie« von Svante Arrhenius! –

Sehen wir zu, was es mit ihr auf sich hat.

Ich glaube, der aufmerksamere Leser, der sie inzwischen mit der vorhin skizzierten Kant-Laplaceschen Hypothese verglichen hat, wird bereits bedenklich den Kopf geschüttelt haben. Wahrhaftig nur mit vollem Recht! Denn diese Explosionstheorie von Arrhenius ist nichts als eine unglaubliche Absurdität. (Ein Astronom, mit dem ich in Briefwechsel stand, hat sie mir gegenüber denn auch direkt als »lächerlich« bezeichnet.)

Zunächst, was für eine bedenkliche und befremdliche Freizügigkeit der kosmischen Körper! Nicht nur, daß überhaupt zwei »erkaltete Sonnen« solchermaßen und ganz ohne Rücksicht darauf, ob sie andere Systeme dabei etwa zerstören oder nicht, aufeinandertreffen und explodieren können, sondern auch noch alle diese zahllosen Meteoriten und Großkörper, die da kreuz und quer durcheinanderfahren und dabei, wie es gerade der Zufall fügt, zugleich den Nebel durchbrechen und sich von ihm fangen lassensollen. Welche regellose Willkür in der kosmischen Bewegung, die wir uns doch – Einheit und Erhaltung der Kraft und zentrale Polarität! – als eine völlig einheitliche und streng geregelte vorzustellen haben! Oder geben etwa die so befremdlich und problematisch exzentrischen Bahnen von Kometen und Sternschnuppenschwärmen Berechtigung zur Annahme einer derartigen Freizügigkeit? Unmöglich, da die Kometen und Sternschnuppen ihre Umlaufsbahnen ja immerhin einhalten und nach irgend einer offenbaren gesetzlichen Ordnung vollziehen, von den schweren Großkörpern aber, zwischen denen sie passieren, wohl Ablenkung erfahren, diese selbst aber und ihre Bahnen und Systeme nicht einen Augenblick zu stören vermögen. Zwar können Kometen sich sogar auflösen, indessen haben wir alle Ursache anzunehmen, daß die Sternschnuppenschwärme, in die ein Komet sich aufgelöst hat, sich gleichfalls, wie die anderen, in einer streng innegehaltenen Umlaufsbahn bewegen.

Im übrigen aber: wie sollte es wohl denkbar sein, daß Fremdkörper in einer Weise, wie Arrhenius dies annimmt, in den Bereich eines werdenden Systems hineingeraten und es in seinem Werdeprozeß stören könnten! Die Kraft der Rotation des Systems – man denke: die Wucht zweier aufeinanderprallender erkalteter großer Sonnenkörper: welch eine ungeheuere Rotationskraft und welch einen ungeheueren wirbelnden Reflex derselben nach allen Seiten hin müßte sie zur Folge haben! – läßt das ja nicht einen Augenblick zu!

Und würden nicht auch wir selbst, würde nicht auch unser Planetensystem täglich und stündlich erleben können, daß uns bei solch einer regellosen Freizügigkeit große Körper aus kosmischen Fernen zugelangten und Bestandund Gefüge der Erde und des Systems in schwerster katastrophaler Weise gefährdeten?!

Im übrigen zeigt gerade diese willkürliche, chaotische Freizügigkeit der kosmischen Körper, die von Arrhenius hier wieder angenommen wird, so drastisch wie möglich, wie völlig unsicher die Wissenschaft der Entwicklungstatsache und der Tatsache der ewigen einheitlichen Kraft und Polarität gegenüber inzwischen wieder geworden ist!

Aber ermessen wir jetzt die Theorie von Arrhenius erst noch in ihrer ganzen Unsinnigkeit! Wir haben nämlich noch lange nicht ihre ärgste und unbegreiflichste Gedankenlosigkeit ins Auge gefaßt!

Sie besteht aber darin, daß jene beiden »erkalteten Sonnen,« die da aufeinanderstoßen und explodieren, ihrerseits nicht einen Augenblick eine Erklärung erfahren!

Wenn nämlich die kosmischen Systeme auf eine Weise entstanden sein sollen, wie Arrhenius dies beschreibt, so frägt man ja sofort: ja wie sind denn aber, wennallekosmischen Körper solchermaßen zustandekommen, ihrerseits diese beiden »erkalteten Sonnen« entstanden? Kommen sie aus einem anderen, zugrundegegangenen System her? Zweifellos! Aber auch das ist ja durch Explosion zweier aufeinandergestoßener »erkalteter Sonnen« entstanden? – Kurzum: es bleiben schließlich diese beiden Körper völlig unerklärt; und Arrhenius hat auch noch nicht einmal den leisesten Versuch zu einer solchen Erklärung gemacht; ja, man muß sogar annehmen, daß, was das allerböseste und unbegreiflichste ist, Arrhenius diese Problematik seiner beiden »erkalteten Sonnen« da noch nicht einmal zu Bewußtsein gekommen ist!

Übrigens bleiben genau so alle die Meteoriten undGroßkörper vollständig unerklärt, die der Nebel eingefangen haben soll!

Unbedingt müssen doch nun aber alle diese Körper eine Entstehung gehabt haben, undmüssensie also erklärt werden! Wahrhaftig: da bliebe doch der alten, jetzt historisch gewordenen Kant-Laplaceschen Theorie noch zehnmal der Vorzug zu geben! Was man auch immer und zwar mit vollem Recht nachgerade gegen sie einzuwenden hat: solche faustdicken Gedankenlosigkeiten läßt sie sich denn doch nicht zu schulden kommen; vielmehr ist sie, wie wir gleich sehen werden, bis daher, obwohlnichtmehr möglich, immer noch die in ihrer Logik geschlossenste und einwandfreiste aller neueren Kosmogonien.

Denn auch die ernster zu nehmenden neusten kosmogonischen Theorien sind kaum um ein Haar besser, als die von Arrhenius!

Und zwar lediglich aus demselben Grunde: weil nämlich die zentralen Großkörper der Systeme ohne auch nur die leiseste Spur einer Erklärung bleiben!

So besteht augenblicklich z. B. folgende, an die Theorien von den Kometen und Sternschnuppen anknüpfende Kosmogonie, die jüngst von der Astronomie, scheints, so ziemlich allgemein angenommen wurde.

Ein vorhandener rotierender Großkörper zieht vermöge seiner Schwerkraft Massen von in seiner Nähe vorübergehender, leichter verteilter Substanz an. Diese umkreist ihn, von ihm festgehalten, und durch Zentrenbildung zieht sie sich zu Trabanten zusammen, von denen der Großkörper alsdann umkreist wird.

Hier kommen nun zwar keine Meteoriten und andereKörper mehr in einen Nebel hinein, auch ist der rotierende Großkörper, was die Zentrenbildung und Ausbildung des Systems anbetrifft, nicht mehr so machtlos wie in der Theorie von Arrhenius: indessen scheitert auch diese Hypothese vollständig und ein für allemal daran, daß das Zustandekommen des rotierenden Großkörpers nicht einen Augenblick erklärt ist; ja die Problematik desselben auch noch nicht mal einen Augenblick bewußt erkannt und ins Auge gefaßt wurde! – Nochmals: wahrhaftig auch diese kosmogonische Hypothese hat nicht die mindeste Berechtigung zu prätentieren, daß sie die Kant-Laplacesche erledigt hätte. Auch sie ist eine ganz unmögliche Theorie.

Und doch ermöglicht sich eine endgiltig exakte Kosmogonie nachgerade unschwer.

Und zwar, immer wieder sei es betont, von der Entwicklungstatsache und von der einer einheitlichen zentralisierten Kraft und Polarität, und weiter von jenem einpolar neutralen Zustand ∞ aus, zu dem wir mit unantastbarer Sicherheit von der Tatsache des Urelementes aus gelangten.

Wir erkannten schon früher, daß der Kosmos und das allgemeine einheitliche kosmische System nur eine elliptisch in sich abgerundete, endliche Ausdehnung haben kann, und daß der absoluten elliptischen Peripherie ein allgemeiner kosmischer Zentralkörper entsprechen muß. Die Astronomie, die, wie wir schon sahen, neuerdings selbst zu der Annahme eines elliptisch endlichen Kosmos und eines einheitlichen kosmischen Systems – des sogenannten »Milchstraßensystems« – gelangt ist, mußunbedingt auf der Stelle die Notwendigkeit folgender Aussagen zugeben, die sich von diesem allgemeinen kosmischen System von vornherein ergeben:

1. Das System hat eine einheitliche Bewegung, die sich im wesentlichsten Betracht als Umlaufsbewegung darbietet.

2. Diese Umlaufsbewegung geht vom allgemeinen kosmischen Zentralkörper aus und wird beständig von ihm in Gang gehalten und geregelt.

3. Sie vollzieht sich, als deren Ausweitung, in der Richtung der zentralen Rotation.

4. Sie gliedert sich in eine Reihe von Zonen und Sphären, die sich durch die jeweilige Intensität des Umlaufs bestimmt.

5. Diese Intensität ist je näher die betreffende Zone und Sphäre dem Zentralkörper und der zentralen Rotation geht, um so stärker und um so schwächer je mehr gegen die kosmische Peripherie hin.

6. Zentrale Rotation und ihre Ausweitung, bezw. kosmischer Umlauf und seine Intensität, bedingen in den einzelnen Zonen und Sphären die Verarbeitung der Substanz, bezw. die Beschaffenheit der umlaufenden Körper.

7. Da der zentralen Rotation und ihrer Ausweitung eine zusammenziehende Kraft eignet und diese notwendigerweise am Zentralkörper selbst und in seiner Nähe am stärksten ist, so ist nichts anderes denkbar, als daß der Zentralkörper ein harter Körper ist (aberkein»Sonnenkörper«!), und daß die ihm nächst umlaufenden Körper mehr oder wenigerfesteKörper sind!

8. Aus alledem ergibt sich aber sofort hinsichtlich des Entstehens und Werdens des allgemeinen kosmischenSystems, daß die Entstehung der einzelnen Körper und Systeme nicht willkürlich hier und da durch eine Kontraktion vor sich geht, die auch kaum jemals in auch nur einigermaßen zureichender Weise erklärt werden konnte, sondern daß sie zentral streng geregelt ist nach Zonen und Sphären und nach Intensitätsstufen des allgemeinen kosmischen Umlaufes, bezw. der Ausweitung der zentralen Rotation!

Das alles durften wir, da die Tatsache eines elliptisch endlichen Kosmos und kosmischen Systems feststeht, auf der Stelle mit jeder Sicherheit und Zuverlässigkeit folgern. Und zugleich sind wir nunmehr in der Lage zu einer allgemeinen Kosmogonie wie auch zu der eines jeglichen Einzel- und Untersystems zu gelangen. Und zwar zu einer wirklich exakten, mit unantastbarer Lückenlosigkeit geschlossenen und endgültigen!

Vergegenwärtigen wir uns jetzt diesen kosmogonischen Vorgang:

Wir sahen weiter oben, daß Urelement und Substanz keine selbständige Erscheinung neben der Kraft sind, sondern nichts als eine Komplikation der letzteren, so daß Substanz sich also auf die ihr übergeordnete Erscheinung der Kraft zurückführen läßt. Kraft erkannten wir dann wieder als absolute Eigenschaft eines Ein-Pols. Und alle Entwicklung sahen wir uns genötigt bis auf einen einpolar neutralen Zustand ∞ zurückzuführen.

Von diesem aus tritt dann das allgemeine kosmische System wieder in Entfaltung. Und zwar unbedingt durch einen Akt von Kraft und Bewegung. Denn zeigtePol-Kraft Bewegung, zeigte das kosmische System sich im ausgelösten Zustande zwiepolar, und sind im einpolar neutralen Zustande zwei Pole in einen übergegangen, so muß zunächst der eine Pol sich wieder vom anderen trennen und sich gegen ihn in Distanze setzen.

Das aber kann sich offenbar nur in Gestalt eines spontanen Ruckes vollziehen.

Da nun ferner, bevor Substanz erreicht wird, zunächst die unsubstanzielle Atomen-Formation zustandekommen muß, und da ferner, damit alle Atome zustandekommen können, zunächsteinAtom erreicht werden muß, so beginnt die kosmische Entwicklung uranfänglich mit der AusbildungeinesAtoms!

Diese Tatsache ergibt sich aber ganz unausweichlich damit, daß im Bestand des ausgewirkten Kosmos kein einziges Atom rotieren kann, wie überhaupt im Kosmos kein einziger Körper eine Achsenrotation besitzt. Mit einziger Ausnahme des kosmischen Zentralkörpers, der, wie wir in unserem früher gegebenen Verzeichnis sahen, rotieren muß, weil eine kosmische Umlaufsbewegung besteht, die als nichts anderes erklärt werden kann, als die Ausweitung einer zentralen Rotation!

Was nun aber diese Rotation des Zentralkörpers anbetrifft, so ist zu berücksichtigen, daß der Zentralkörper ja entstanden ist, und ferner ist zu beachten,wieer entstanden ist.

Dieses Wie? werden wir sogleich kennen lernen. Und zwar werden wir sehen, daß schlechterdings es sich bedingt durch eine einzige erste minimalste Auslösung von Kraft und Polarität, und durch ein zentrales Uratom und dessen Rotation. So daß also ganz streng genommen in allem Bereich des Kosmos und des kosmischenSystems nur ein einziges Atom und ein einziger Körper eine Rotation hat: nämlich das zuerst ausgelöste zentrale Uratom, und daß im übrigen aller übrige kosmische Bestand, auch die Substanzmasse des Zentralkörpers mit seinen Schichtungen, lediglich einenUmlaufum das rotierende Zentralatom haben, der sich in der Richtung von dessen Rotation vollzieht, von ihr bewirkt wurde, und in Gang erhalten wird.

Schlechterdings durch ein einziges zentrales Uratom und seine Rotation bedingt sich aller kosmische Bestand deshalb, weil alle seine Atome, ob in ihrem noch unsubstanziellen oder substanziellen Zustand, erst durch Schneidung, bezw. Verknüpfung zweier Richtungen von Kraft zustandekommen; wozu zunächst unbedingt das Zustandekommen eines Atoms vonnöten war, und zwar eines rotierenden.


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