Solch unbändiges Wesen zeigten auch Niederlausitzer Nixe. In einem Teiche bei Branitz bei Cottbus verursachten sie im Wasser ein »Prusten und Schnaufen, als wären Pferde hineingefallen und dem Ertrinken nahe.« (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 189.) S. auch No. 227.
Solch unbändiges Wesen zeigten auch Niederlausitzer Nixe. In einem Teiche bei Branitz bei Cottbus verursachten sie im Wasser ein »Prusten und Schnaufen, als wären Pferde hineingefallen und dem Ertrinken nahe.« (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 189.) S. auch No. 227.
(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 5.)
Hinter dem Dörfchen Aich erhebt sich dicht am linken Ufer der Eger eine Felsengruppe, welche den Namen Hans-Heiling-Felsen führt. Über dies Steingebilde meldet die Sage folgendes:
Vor alten Zeiten, als noch die mächtigen Markgrafen von Vohburg Schloß und Gebiet Elbogen beherrschten, fand ein armer Bauer, der auf das Schloß Frondienste zu leisten ging, dort, wo der Hochaltar der Schlaggenwalder Kirche steht, zwischen zwei großen Steinen ein verlassenes weinendes Knäblein. Andere sagen, am Berge Krudum sei dies gewesen, wieder andere, bei den drei Linden, dem heutigen Schönfeld. Von Mitleid ergriffen, hob er es auf und trug es mit sich. Im Schlosse angekommen, begab sich der Bauer sofort zu der Markgräfin Johanna und sprach: »Es ist pflichtiger Gebrauch, beim Erscheinen auf dem Schlosse eine Gabe mitzubringen. Ich habe heute, als ich eben zur Frone hierher ging, dies Kindlein gefunden und biete es Euch als Gabe dar. Möchtet Ihr doch, gnädige Herrin, an dem armen, hülfsbedürftigen Waislein Barmherzigkeit üben und sein besser pflegen als die eigene Mutter!« Die Worte des biederen Mannes erweichten der Markgräfin Herz. Sie nahm sich des Knäbleins an, das auf ihr Verlangen in der Taufe den Namen Hans, nach seinem Finder aber den Zunamen Heiling erhielt.
Hans Heiling wuchs unter dem liebreichen Schutze der Markgräfin zum blühenden Jüngling heran, der an den Wissenschaften, in die ihn der Burgkaplan einweihte, mehr Gefallen fand, als an den Ritterspielen. Er liebte die Einsamkeit, durchstreifte Wald und Flur und beschädigte sich unablässig mit dem Gedanken, den Urgrund aller Wahrheit zu erforschen.
Als er einmal am Ufer der rauschenden Eger saß und gedankenvoll nach dem Wasserspiegel schaute, tauchte aus demselben eine holde Nixe empor, die mit lieblicher, wunderbarer Stimme dem Überraschten zurief: »Ich kenne, wißbegieriger Jüngling, Deines Herzens tiefen Kummer, die schwarze Kunst ist Dein Begehr. Diese will ich Dir lehren, doch nur unter der Bedingung, daß Du Dich nie vermählst.« Hans Heiling, bezaubert durch die vielversprechenden Worte, strahlte vor Freude, daß er nach langem, erfolglosen Forschen endlich sein so heiß ersehntes Ziel erreichen könne, und schloß mit der Wassernixe unbesonnen den Bund. Die Nixe hielt Wort und Hans Heiling wähnte sich der Glücklichste unter der Sonne zu sein, als er des Wissens Drang erfüllt sah. Seit der Begegnung mit der Nixe war manches Jahr verflossen. Da faßte Hans Heiling mit Hintenansetzen seines gegebenen Versprechens den Entschluß, sich zu vermählen; denn er hoffte, selbst auf seine Kunst vertrauend, die Macht des geheimnisvollen Wasserweibes zu hemmen. Unbesorgt veranstaltete er also die Hochzeit. Der Tag der Trauung war erschienen und die Hochzeitsgäste hatten sich in den Räumen des Schlosses versammelt. Schon stand der Brautzug vor dem Traualtare, eben wollte das glückliche Paar das Jawort aussprechen – da stieg plötzlich mit furchtbaren Blicken die erzürnte Nixe aus den tobenden Wellen der Eger, ließ unter Blitz und Donner das Schloß verschwinden und verwandelte durch ihren Fluch die ganze Hochzeitsgesellschaft in Stein: das Brautpaar, den Mönch, die Gäste und die Musikanten.
Friedrich Bernau bemerkt in der Comotovia (4. Jahrg. S. 17), daß die Sage vom Hans Heiling zur Faustsage gehöre und jedenfalls durch diese erst hervorgerufen worden sei. Der in unserer Sage angeführte Berg Krudum, südlich von Elbogen gelegen, ist ebenso wie der Heilingsfels und die Stätte, wo einst Alt-Elbogen lag, von mythischer Bedeutung. Ursprünglich ist Hans Heiling die »heilige Wiese«. Im Archive zu Elbogen befindet sich ein aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts herrührendes Schriftstück, welches besagt: »Daß wißmuth So zum Stein Elpogen gehörig, vff der Heiling wissen 2 tagwergk Machen vnd haven die lethaditzer giebt 2 Fuder hew.« Noch im Jahre 1680 wird eine »heilige Wiese« genannt; der Zusatz »Hans« kommt zu dieser Zeit noch nicht vor, ebenso wie noch heute die Redeweise »Am Heiling« die allgemein übliche und gebräuchliche ist. Die in der obigenElbogener Urkunde genannten »lathaditzer« sind die Bewohner eines seit dem dreißigjährigen Kriege verschwundenen Dorfes auf dem Nordabhange des Aberges.
Friedrich Bernau bemerkt in der Comotovia (4. Jahrg. S. 17), daß die Sage vom Hans Heiling zur Faustsage gehöre und jedenfalls durch diese erst hervorgerufen worden sei. Der in unserer Sage angeführte Berg Krudum, südlich von Elbogen gelegen, ist ebenso wie der Heilingsfels und die Stätte, wo einst Alt-Elbogen lag, von mythischer Bedeutung. Ursprünglich ist Hans Heiling die »heilige Wiese«. Im Archive zu Elbogen befindet sich ein aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts herrührendes Schriftstück, welches besagt: »Daß wißmuth So zum Stein Elpogen gehörig, vff der Heiling wissen 2 tagwergk Machen vnd haven die lethaditzer giebt 2 Fuder hew.« Noch im Jahre 1680 wird eine »heilige Wiese« genannt; der Zusatz »Hans« kommt zu dieser Zeit noch nicht vor, ebenso wie noch heute die Redeweise »Am Heiling« die allgemein übliche und gebräuchliche ist. Die in der obigenElbogener Urkunde genannten »lathaditzer« sind die Bewohner eines seit dem dreißigjährigen Kriege verschwundenen Dorfes auf dem Nordabhange des Aberges.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 162.)
Bei Seestadtl am Fuße des Erzgebirges liegt an der Straße ein großer Teich, welcher durch einen breiten, mit Gebüsch bewachsenen Damm eingeschlossen ist und der »Steinteich« genannt wird. Bei diesem Teiche soll sich ein Wassermann öfter am Ufer sehen lassen. Gewöhnlich flickt er dann seine Kleider. Nach dem Glauben der Landleute steigt er immer nur während des Mittagsläutens an's Ufer, setzt sich am Fuße des Dammes hart am Wasser nieder und flickt. Wer ihn verspottet, der wird von ihm in's Wasser hinabgezogen; bloß demjenigen, welcher des Morgens vor dem Ausgehen gebackene Semmelschnitte verzehrt, kann er nichts anhaben. Hat einer den Wassermann beleidigt und keine Schnitten gegessen, so nutzt ihm selbst das Hersagen des Spruches nicht mehr:
»Wassermann plump,Zieh mich nich in Tump,Zieh mich nich zu tief nei',Daß ich nich stecken blei'.«
»Wassermann plump,Zieh mich nich in Tump,Zieh mich nich zu tief nei',Daß ich nich stecken blei'.«
Der Wassermann ist immer schlecht gekleidet. Sein alter zerdrückter Hut ist voll großer Löcher, durch welche oft Büschel struppiger, grüner Haare herausragen. Sein Gesicht ist mit einem starken Barte bewachsen, und wenn er seinen Mund öffnet, erblickt man seine großen grünen Zähne. Sein Rock sowie seine Hosen sind immer zerrissen und kotig, und er flickt daran, so oft er ans Ufer steigt. Hat er jemandem nachgestellt und ihn unter's Wasser gezogen, so läßt er sich lange nicht sehen.
Eines Morgens trug ein Bauernmädchen Gemüse hinauf nach Eisenberg, und nahm, um zuzustrecken, ihre Richtung über den Damm. Sie war fast hinüber, als sie unten am Damme einen alten Mann sitzen sah, der an einem zerrissenen Rocke flickte und ihr zunickte. Das Bauernmädchen, welches eben nicht an den Wassermann dachte, gab ihm einen Schimpfnamen, worauf sich der Wassermann erhob und seinen Mund öffnete. Die Bäuerin erschrak und lief, so schnell es ihre schwere Last erlaubte, über den Damm hin; der Wassermann hinter ihr drein. Trotz ihres Schreiens sprang er auf den Korb, den sie auf dem Rücken trug und faßte sie beim Halse. Vor Todesschreckenrief sie: »Jesus Marie!« und sogleich war der Wassermann verschwunden. Das Mädchen kam halbtot im Schlosse an und wurde noch dazu ausgelacht, als sie vom Wassermann erzählte. Nach 3 Tagen starb sie und alle Leute waren fest überzeugt, daß daran nur die Berührung des Wassermanns schuld gewesen sei.
Der Nix hat hier grüne Zähne und Haare. Bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte wurde darauf hingewiesen, daß grün eine dämonische Farbe ist. Eine erzgebirgische Sage erzählt von einer grünen Frau am Kahleberge bei Altenberg. Dämonisch wird die verzauberte, ein Schlüsselbund tragende und Schätze hütende Jungfrau des Hausberges in der Grafschaft Mannsfeld; sie erscheint ganz grün gekleidet (Größler, a. a. O., No. 59); in Grün gekleidet waren auch die Hexen bei ihren Tänzen, und auf dem Blocksberge erschien der Teufel grün, der deshalb auch der »Grüne« genannt wird. (Österreich. Touristenzeitung 1881, No. 5.)Wie der Wassermann bei Seestadtl flicken auch Nixe in der Niederlausitz ihre Kleider; ja ein Nix in einer grundlosen Lache bei Buckow bittet Vorübergehende um einige Lappen und Flecken. Ein Nix in einem Teiche bei Wintsdorf besserte seine Schuhe aus. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 187–198.)
Der Nix hat hier grüne Zähne und Haare. Bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte wurde darauf hingewiesen, daß grün eine dämonische Farbe ist. Eine erzgebirgische Sage erzählt von einer grünen Frau am Kahleberge bei Altenberg. Dämonisch wird die verzauberte, ein Schlüsselbund tragende und Schätze hütende Jungfrau des Hausberges in der Grafschaft Mannsfeld; sie erscheint ganz grün gekleidet (Größler, a. a. O., No. 59); in Grün gekleidet waren auch die Hexen bei ihren Tänzen, und auf dem Blocksberge erschien der Teufel grün, der deshalb auch der »Grüne« genannt wird. (Österreich. Touristenzeitung 1881, No. 5.)
Wie der Wassermann bei Seestadtl flicken auch Nixe in der Niederlausitz ihre Kleider; ja ein Nix in einer grundlosen Lache bei Buckow bittet Vorübergehende um einige Lappen und Flecken. Ein Nix in einem Teiche bei Wintsdorf besserte seine Schuhe aus. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 187–198.)
(M. Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit, 1862, S. 39.)
In der obern Zschopau lebt ein Nix, welcher jedes Jahr sein Opfer fordert.
S. die Einleitung zu diesem Abschnitte.
S. die Einleitung zu diesem Abschnitte.
(Alfr. Moschkau, Gesch. des Benedictiner Klosters St. Walpurgis im Zellwalde, 1874, S. 8.SaxoniaI., S. 172.)
In dem genannten, ungemein lieblich im Zellwalde gelegenen Teiche sollen Nixe ihren Wohnsitz haben.
(Dr.Theile in »Über Berg und Thal«, 7. Jahrg., No. 5.)
Im Chemnitzthale hat das nagende und mit Sand und Geröllen schleifende Wasser in den Blöcken des Cordieritgneißes zahlreiche Strudellöchergebildet, welche man daselbst »Nixenwannen« nennt. Einen Teil der Chemnitz zwischen Alt- und Neuschweizerthal, eine Strecke von ungefähr 300 bis 400 Metern, wo die Chemnitz, zumal im Frühjahr und Herbst, am wildesten ist und so heftig schäumt und brüllt, daß man an ihren Ufern sein eigenes Wort nicht hört, bezeichnet man als Nixensteufe. Mitten in dieser Strecke befindet sich im Flusse ein großer, vollständig durchlöcherter Steinblock, der zu einer förmlichen Höhle ausgewaschen worden ist. Diese Höhle galt beim Volke als der Ausgang eines unterirdischen Nixenschlosses und man erzählte sich, daß man, besonders in mondhellen Nächten, die Nixe in langen weißen Gewändern durch das Thal habe ziehen sehen.
Nahe bei der Nixensteufe erhebt sich am rechten Ufer der Chemnitz ein mächtiger Fels, im Volke die »Ullrichsburg« genannt, der ehedem ein Raubschloß getragen haben soll.
Vor circa 35 Jahren aber war das ganze Terrain, welches jetzt den Namen Schweizerthal führt, ein großer Wald, der im Munde des Volks »Zietsch« hieß, und durch dessen Dunkel weder Weg noch Steg führte. Die Zietsch war gefürchtet von den Leuten, und nach Dunkelwerden wagte sich kein Wanderer mehr auf den unwegsamen Pfad, welcher der Chemnitz entlang lief. Dabei mußte man die obengenannte unheimliche Nixensteufe passieren.
(Ludw. Lamer im Glückauf 1882, S. 105.)
Etwa halbwegs im Rabenauer Grunde, da wo die rote Weißeritz, nachdem sie schäumend zwischen großen Steinen sich durchgewunden, einen Bogen macht und sich vertieft, also daß man trotz klaren Wassers nicht auf den Grund sehen kann, ist der Nixentump, in welchem der alte Nix haust.
Wenn die Lübauer Bauern mit ihren schwerbeladenen Wagen den steilen Feldweg am Anfange der nahegelegenen Planwiese hinauffuhren und die Gespanne trotz allen Antreibens die schweren Gefährte nicht den Berg hinaufzubringen vermochten, dann kam wohl der alte Nix mit seinen zwei Schimmeln, legte sich vor den Wagen und nun gings unter fröhlichem Hohrufen und Peitschenknall den Berg hinauf, als wären es bloß leere Geschirre; waren die Gefährte oben angelangt, so daß nur noch ebene Straße vor ihnen lag, dann verschwand plötzlich der alte Nix mit seinen Schimmeln, ohne Lohn oder Dank abzuwarten.
Auf der Planwiese pflegten auch die zwei Töchter des alten Nix die schneeweiße Wäsche zum Bleichen ausbreiten; war aber das Wetter dazu im Grunde nicht günstig, oder störte sie sonst öfteres Begängnis oder des Holzhauers Axtschlag, dann bleichten sie auf der Wiese, da wo rote und weiße Weißeritz ihre Wasser mischen.
Manchmal verlangte es die beiden Töchter des Nix auch nach menschlicher Gesellschaft; dann kamen sie wohl nach Lübau, wenn in der Schenke die Fiedeln zum fröhlichen Tanze aufspielten, und tanzten da mit den jungen Burschen, so daß sie nichts von den Bauerndirnen unterschied, wie ein handbreiter nasser Streifen am Saume des Gewandes. Sie ließen sich dann auch wohl von ihren Tänzern manchmal bis an den Nixentump geleiten, entschwanden aber, dort angekommen, plötzlich ihren Augen; nie hat man gehört, daß sie einem Burschen den Zugang zum Nixentump eröffneten.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 143.)
Geht man von Eisenberg auf dem Fußwege nach der Hütt' und nach dem Orte Kunersdorf, so kommt man aus dem Walde auf die Heide, die sich von Eisenberg bis gegen Kunersdorf und vom alten Seeberg bis hinab an die Straße ausbreitet. Der untere Teil besteht aus schönem Wiesengrunde, den man nur die »Haderwies« nennt. Über dem Eisenberger Walde liegt ein kleiner, stark mit Schilf bewachsener Teich, der »Haderwiesteich« genannt. Gegenüber demselben, einige hundert Schritte aufwärts, quillt aus steinigem Boden ein Bächlein. Diese Quelle hält sehr gutes Wasser, welches immer rein und kühl ist, und heißt das »Quakbrünn'l«.
Vor Zeiten kam oft die Seebergsjungfer herab, um sich in dem Teiche zu baden. Die Hütbuben, welche das Vieh auf der Haderwiese weideten, sahen sie oft dahin kommen. Sie war halb Fisch und halb Mensch. Einstmals war nur ein Junge auf der Wiese. Da stand auf einmal die Seebergsjungfer vor ihm und fragte, ob er sie wohl erlösen möchte, sie wolle ihm so viel Geld geben, daß er die Haderwiese kaufen könnte. Der Junge war damit zufrieden. Hierauf sagte sie ihm, er solle sich jetzt vom Teiche entfernen und nicht eher kommen, als bis sie ihm winken würde. Wenn er ohne Erlaubnis komme, so werde es ihm nicht gut gehen. Der Hütjunge lief eiligst weg, und während er nach seinem Vieh sah, badete sich die Seebergsjungfer in dem Teiche. Als sie fertig war, winkte sie dem Hütjungen. Der kam undschimpfte und warf mit Steinen nach ihr. Weinend kehrte sie nach dem Seeberge zurück und in der folgenden Nacht hörte man sie bis hinab nach Barthelsdorf weinen und jammern. Lange Zeit kam sie nicht mehr, um zu baden.
Auch erschien sie den Leuten oft in Gestalt eines alten Weibes.
Eines Tages ging ein Weib von Eisenberg in den »Busch«, um Holz einzuführen. Als sie am Seeberge ankam, ihre Huck niedersetzte und Holzstücke aufklaubte, sah sie ein altes Weib, welches ihrer Arbeit mit Aufmerksamkeit zusah. »Wohin geht Ihr?« fragte das Eisenberger Weib. »In's Gebarg'sche!« (übers Gebirge) antwortete die Alte und verschwand vor den Augen des Holzweibes. Diese hatte aber gesehen, daß sie hinter sich einen Fetzen von ihrem Kleide nachschleppte; es war also die Seebergsjungfrau gewesen.
Über die der deutschen Sage fremdartige Erscheinung einer Wassernixe, halb Mensch und halb Fisch, s. die Einleitung zu diesem Abschnitte. Noch mag darauf hingewiesen werden, daß auch die Nixe der Totenlache zwischen Schleusingen und Rappelsdorf hinter sich einen häßlichen Fischschwanz schleppt. (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H., No. 19.)
Über die der deutschen Sage fremdartige Erscheinung einer Wassernixe, halb Mensch und halb Fisch, s. die Einleitung zu diesem Abschnitte. Noch mag darauf hingewiesen werden, daß auch die Nixe der Totenlache zwischen Schleusingen und Rappelsdorf hinter sich einen häßlichen Fischschwanz schleppt. (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H., No. 19.)
(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 949.)
Im Jahre 1695, kurz vor Weihnachten, ereignete sich zu Lauter in einer Schenke bei einem Fleischhacker in der Kammer, wo er mit seinen Kindern geschlafen, von ungefähr 9 bis 11 Uhr abends, und von 1 bis 3 Uhr nach Mitternacht, bei der Kinder Bette ein Kratzen, welches sie in der Ruhe merklich störte. Anfänglich hielt er's für eine große Ratte und hat fleißig aufgestellt, aber nichts gefangen. Mit der Zeit hat's auch angefangen so laut zu pochen, daß man's im Keller hat hören können, und hat den Kindern keine Ruhe gelassen. Ein Knabe von zwölf Jahren hat fleißig gebetet und zu ihm gesagt: »Laß mich doch in Ruhe; wenn du nicht mit beten willst, auch nicht beten kannst, so gehe deiner Wege!« und ist dabei unerschrocken gewesen. Im Januar 1696 hat ein Kind von ohngefähr ein Band in den Händen mit ins Bette genommen, welches das Ungetüm dem zulaufenden Volk, durch ein Astloch der Decke herab ins Haus steckend, gezeigt und damit gespielt; wenn es jemand hat ergreifen wollen, ist's entwischt und bald zu einem andern Loch auf solche Weise herunter gehangen worden. Gedachter Fleischhacker hat dabei sein Geld aus einem verschlossenen Kasten vermisset und ist dazu gekommen, daß es eine ganze Bürde Wäschebis an die Kammerthür gebracht, welche er noch rettete. Der Schulmeistersubstitut des Ortes unterstand sich das Ungeheuer zu fragen, da es denn viel geredet, in einem Tone, wie ein zarter Knabe oder eine Weibsperson, es ist auch zornig auf ihn geworden, daß es ihn hinein in die Kammer gefordert, wohin er sich jedoch nicht getraute, sondern ist in der Thür stehen geblieben. Hernach haben auch andere ihren Fürwitz gebüßt und allerlei gefragt: unter andern, ob es von einer gewissen Person dahin gebannet wäre, da es denn mit Ja geantwortet. Als am 19. Januar die Wirtin eines Kindes genesen, und am 20. darauf das Taufmahl gegeben wurde, wobei sich auch nebst den Gevattern der Pfarrer und andere Leute befunden, ist weiter nicht das geringste gehöret worden.
Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte darauf hingewiesen worden, daß die Kobolde als unselige Geister erscheinen, welche nicht beten können. Als der Bauer dem Kobolde in Schmalzerode vorbetete und an die Worte kam: »Das Blut Christi,« setzte der Kobold an und sprach: »das Blut – das Blut –« dann sprang er verdrießlich auf, stampfte mit dem Fuße und rief: »Ach was, das Blut zicke, zacke, zicke, zacke!« bleckte die Zähne und lief aus der Stube und ist nicht wieder gekommen. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 32.)In einigen Sagen erscheinen die Kobolde sogar mit teuflischen Zügen. So nahm ein Kobold in Kloster Mannsfeld seinen Weg durch den Schornstein, als er einer Frau während des Gottesdienstes Speisen und Getränke brachte; er war dabei wie helles, loderndes Feuer anzusehen. Im Dorfe Wettelrode trug eine alte Frau Kobolde zum Verkaufe; wer einen solchen gekauft hatte, der mußte seinen Namen mit dem eigenen Blute in ein Buch schreiben, welches die Frau bei sich hatte. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 146 und 201.) Die zum Verkaufe ausgetragenen Kobolde erinnern übrigens an die Bilder von Hausgöttern (S. die Einleitung); Kobolde waren wie letztere klein, denn der Kobold (vom wälschencob, der Daumen) ist ein Däumling.
Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte darauf hingewiesen worden, daß die Kobolde als unselige Geister erscheinen, welche nicht beten können. Als der Bauer dem Kobolde in Schmalzerode vorbetete und an die Worte kam: »Das Blut Christi,« setzte der Kobold an und sprach: »das Blut – das Blut –« dann sprang er verdrießlich auf, stampfte mit dem Fuße und rief: »Ach was, das Blut zicke, zacke, zicke, zacke!« bleckte die Zähne und lief aus der Stube und ist nicht wieder gekommen. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 32.)
In einigen Sagen erscheinen die Kobolde sogar mit teuflischen Zügen. So nahm ein Kobold in Kloster Mannsfeld seinen Weg durch den Schornstein, als er einer Frau während des Gottesdienstes Speisen und Getränke brachte; er war dabei wie helles, loderndes Feuer anzusehen. Im Dorfe Wettelrode trug eine alte Frau Kobolde zum Verkaufe; wer einen solchen gekauft hatte, der mußte seinen Namen mit dem eigenen Blute in ein Buch schreiben, welches die Frau bei sich hatte. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 146 und 201.) Die zum Verkaufe ausgetragenen Kobolde erinnern übrigens an die Bilder von Hausgöttern (S. die Einleitung); Kobolde waren wie letztere klein, denn der Kobold (vom wälschencob, der Daumen) ist ein Däumling.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.)
Auf dem adeligen Vorwerk Grüna bei Scharfenstein hat ein Poltergeist im Stall an Menschen und Vieh großen Mutwillen geübt, daß fast kein Gesinde mehr bleiben konnte. Endlich sind Leute in einer Kammer, da es sich am meisten hat spüren lassen, mit bloßem Gewehr geordnet worden, welche alle Winkel durchhauen mußten, da sich endlich eine alte Haube oder Mütze soll gefunden haben, und hat damit die Gaukelei ein Ende gehabt.
(Lehmann a. a. O., S. 952.)
Bei dem Oberförster zu Thalheim war ein Kobold im Hause, welcher den Leuten große Last und Schalkheit anthat, daß sie nicht mehr bleiben konnten. Endlich brannte das Haus weg; etliche meinten, das böse Ding hätte es angezündet, andere, der Hausherr hätte es selber lassen anzünden, um das Ungetüm los zu werden. Da sie aber ihre Sachen ausgeräumt hatten und auf einem Wagen davon fahren, lässet es sich unter denselben mit vernehmlicher Stimme hören: »Wären wir nicht so gerannt, so wären wir wohl mit verbrannt.«
Ursprünglich sind die Kobolde schützende Hausgeister; sie gehören als Geister der Vorältern zur Familie, daher ist auch ihre Anhänglichkeit zu letzterer und allem was ihr gehört, erklärlich. Ihre neckische Natur ist ein späterer Zusatz.Rochholz erzählt in »Deutscher Glaube und Brauch« (I. S. 162.), daß man eine Wohnung abbrach, um dem darin spukenden Gespenste zu entgehen. Als man aber mit dem letzten Fuder alten Holzwerks in den Neubau einfuhr, sprang der Kobold als Katze zusammengebuckelt vom Wagen in die offene Scheune.
Ursprünglich sind die Kobolde schützende Hausgeister; sie gehören als Geister der Vorältern zur Familie, daher ist auch ihre Anhänglichkeit zu letzterer und allem was ihr gehört, erklärlich. Ihre neckische Natur ist ein späterer Zusatz.
Rochholz erzählt in »Deutscher Glaube und Brauch« (I. S. 162.), daß man eine Wohnung abbrach, um dem darin spukenden Gespenste zu entgehen. Als man aber mit dem letzten Fuder alten Holzwerks in den Neubau einfuhr, sprang der Kobold als Katze zusammengebuckelt vom Wagen in die offene Scheune.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.)
In eines Geistlichen, desM.Enoch Zobels Bürgerhause zu Annaberg hat sich im August und September des Jahres 1691 folgendes begeben:
Es hat mit Auf- und Niedergehen, Klappern, Schlagen, Auf- und Zumachen der Thüren, Werfen, Fallen, Verschleppen des Hausrats, Rufen, Lachen, Zupfen bei den Kleidern, schimpfliches Necken einer Magd viel seltsame Händel getrieben. Bisweilen ist es als ein dunkelgrauer fortrauschender Schatten erschienen und hat sich einst mit einem nackenden Arm erblicken lassen; im verschlossenen Gewölbe sahe man Licht brennen, es steckte grünes Waldreisig auf die Hausthüre, desgleichen es auch auf und an den Spiegel gethan. Im hintern Hofgewölbe hat sichs hören lassen, als ob Bergleute arbeiteten. Eine Kugel hat es die Treppe herunter ins Haus geworfen. Alte Kleider hat es hervorgetragen und seltsam aufgehängt. Den Schlafenden wollte es die Betten nehmen, bei Tage hat es etliche Betten verschleppt und brennendes Licht auf den Boden getragen. Einem wachenden beherzten Bürger überfiel etwas in der Nacht, seinen Gedanken nach wie ein zottiger brauner Bär. Es sah bisweilen zum Stallfenster herauswie ein altes Angesicht mit einer schwarzen Haube. Es gab der Hausgenossin eine starke Ohrfeige, daß man die roten Striemen noch des andern Tages sehen konnte. Es steckte die Ofengabel, Ofenkrücke, einen langen Borstwisch mit allerlei Lumpen behangen zur Hausthür hinaus auf die Gasse. Ferner zog es den großen Wassertrog ab und versteckte die Zapfen, setzte ein brennendes Licht auf die Hausbank und schürte Feuer auf dem Herde. Dergleichen Schalkheiten verübte es sehr viel, und wenn es etwas angestiftet, so lachte es. Es versteckte die Schlüssel, streute Korn vom Boden hinab in den Hof. Der Hausgenossin Betten trug es auf den Gang hervor, aber man sahe keinen Träger. Es steckte allerlei Sachen zusammen in den Ofentopf. Ein Studiosus sahe etwas wie ein altes Gesicht, es warf ihn mit einem Steinchen und hielt ihm rücklings beim Claviocordio mit kalten Händen die Augen zu. Es entführte unterschiedliche ausbreitete Wäsche. Den 26. Sept. befand sich Feuer und Dampf auf dem Holzstalle, worauf die Bewohner des Hauses Lärm machten, so daß es bald gelöscht wurde. Mittlerer Zeit war allenthalben gute Anstalt wider alle Gefahr getroffen worden. Im Hause wurde täglich zu gewissen Stunden gesungen und gebetet. Es wurde auch öffentlich in der Kirche Fürbitte angestellt. Nachgehends hat sich weiter nichts mehr spüren lassen.
Dieser Sage liegt eine wirkliche Thatsache zu Grunde, doch hat der Aberglaube viel dazu gedichtet. Richtig ist es nämlich, daß der Spuk in dem Hause des Archidiakonus Zobel zu Annaberg zum Teil von einem Manne mit Namen Anton Friebel hervorgerufen worden war, welcher sich in eine zottige Decke gehüllt und in dieser Verkleidung entweder als Hund oder selbst als altes Weib die Bewohner zwei Monate lang geängstigt hatte. Trotz des Geständnisse von Friebel hielt man eine derartige Täuschung auf natürlichem Wege für unmöglich, so daß selbst in dem Urteile des Schöppenstuhls zu Leipzig vom 8. Januar 1698, wodurch der Inquisit zum Strange verurteilt ward, seiner spukhaften Erscheinungen ausdrücklich und lebhaft gedacht wurde. Der Geistliche, der ihn hiernächst zum Tode vorbereitete, drang mit der Frage in ihn, ob er nicht ein geheimes Bündnis mit dem Satan habe, und als er sich erbot, seine Zauberstückchen vor aller Augen zu wiederholen, wenn man ihm seine zottige Decke geben wollte, verwies ihm dies der Geistliche mit heiligem Schauer und ermahnte ihn, die wenigen Stunden, welche er noch zu leben hätte, nicht zu zu solchen Teufeleien, sondern zu seiner Bekehrung zu verwenden. (Unterhaltungsblatt zum Erzgeb. Volksfreunde, 1884, No. 32.)
Dieser Sage liegt eine wirkliche Thatsache zu Grunde, doch hat der Aberglaube viel dazu gedichtet. Richtig ist es nämlich, daß der Spuk in dem Hause des Archidiakonus Zobel zu Annaberg zum Teil von einem Manne mit Namen Anton Friebel hervorgerufen worden war, welcher sich in eine zottige Decke gehüllt und in dieser Verkleidung entweder als Hund oder selbst als altes Weib die Bewohner zwei Monate lang geängstigt hatte. Trotz des Geständnisse von Friebel hielt man eine derartige Täuschung auf natürlichem Wege für unmöglich, so daß selbst in dem Urteile des Schöppenstuhls zu Leipzig vom 8. Januar 1698, wodurch der Inquisit zum Strange verurteilt ward, seiner spukhaften Erscheinungen ausdrücklich und lebhaft gedacht wurde. Der Geistliche, der ihn hiernächst zum Tode vorbereitete, drang mit der Frage in ihn, ob er nicht ein geheimes Bündnis mit dem Satan habe, und als er sich erbot, seine Zauberstückchen vor aller Augen zu wiederholen, wenn man ihm seine zottige Decke geben wollte, verwies ihm dies der Geistliche mit heiligem Schauer und ermahnte ihn, die wenigen Stunden, welche er noch zu leben hätte, nicht zu zu solchen Teufeleien, sondern zu seiner Bekehrung zu verwenden. (Unterhaltungsblatt zum Erzgeb. Volksfreunde, 1884, No. 32.)
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 50.)
Wer von Joachimsthal aus auf der steilen, nach Mariasorg führenden Gemeindestraße wandert, genießt auf der Mariasorger Höheeine bezaubernde Fernsicht auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter Becken, die Ruine Engelhaus, auf das Mittelgebirge und einen Teil des Egergebietes; rechts streckt der Pleßberg, links der Koboldstein sein Haupt empor. Zu letztgenanntem Berge, der eine herrliche Aussicht gewährt, gelangt der Reisende in südlicher Richtung. Dahin wandert die Einwohnerschaft der Bergstadt Joachimsthal am Ostermontage um ein Uhr morgens. Vor Sonnenaufgang sieht man oben die Kobolde tanzen; doch die Auferstehung des Herrn verkündend, gewahrt man die Sonne, bevor sie sich ruhig über den Horizont hebt, vorerst dreimal emporhüpfen.
Man will jetzt den »Koboldstein« zu einem »Kobaltsteine« machen, weil daselbst Kobalterz mit Hornstein zu gewinnen sei. (Karl Viktor Ritter von Hansgirg.) Fremdartig ist in unserer Sage, daß Kobolde, welche doch vorzugsweise Hausgeister sind, auf einem Berge tanzen; jedoch mag daran erinnert werden, daß Kobolde auch zuweilen als Waldgeister auftreten.
Man will jetzt den »Koboldstein« zu einem »Kobaltsteine« machen, weil daselbst Kobalterz mit Hornstein zu gewinnen sei. (Karl Viktor Ritter von Hansgirg.) Fremdartig ist in unserer Sage, daß Kobolde, welche doch vorzugsweise Hausgeister sind, auf einem Berge tanzen; jedoch mag daran erinnert werden, daß Kobolde auch zuweilen als Waldgeister auftreten.
(M. Spieß, Aberglauben etc., des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 39. Gießler, Sächs. Volkssagen, S. 116.)
Auf dem Greifensteine bei Geyer läßt sich der Kaspar sehen. Er erscheint in weißen Hosen, rotem Fräckel, großen Kanonenstiefeln und Bonaparthut. Man erzählt: Eines Tages, nachmittags 4 Uhr, als die Arbeiter eines Steinbruchs, welcher dem Greifenstein sehr nahe liegt, ihr Brot verzehrten, ruft aus Unmut einer von den Arbeitern gegen die Höhe des Felsens: »Komm, Kaspar, iß mit!« In demselben Augenblicke kommt ein großer Stein vom Felsen herab und fällt gerade neben dem Arbeiter hin.
(Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, No. 554.)
Nicht weit von Freiberg ist ein Gehölz, das heißt der heimische Busch, und in demselben hauste vordem ein Kobold, den die Leute Mützchen nannten und damit an den bekannten Kobold Hütchen erinnerten. Geist Mützchen gehörte zu jenen gespenstischen Hockelmännchen, die sich den Reisenden und solchen Leuten, die im Walde Geschäfte hatten, aufhockten und sich weite Strecken tragen ließen, bis die Leuteganz abgemattet waren und fast odemlos umsanken. Wenn sie ihn nun fast nicht mehr tragen konnten, hüpfte er von ihrem Rücken plötzlich weg, schnellte auf einen Baum und schlug ein schmetterndes Gelächter auf. Dies arge Possenspiel trieb Geist Mützchen absonderlich im Jahre 1573 und sind viele Personen durch sein Aufhockeln krank geworden. Einst fand eine Butterhökerin einen prächtigen Käse im heimischen Busche. Des Fundes froh und überrechnend, was sie dafür lösen werde, legte sie ihn in ihren Tragkorb; da wurde der Korb so schwer, daß sie endlich von der Last niedergezogen ward und in die Knie sank und den Korb abwarf. Da rollte ein Mühlstein aus dem Korbe und in die Büsche, und aus den Büschen schaute Mützchen mit gellendem Gelächter, daher man auch von einem hell und grell Lachenden sagt: »Der lacht wie ein Kobold.« Den Namen aber hatte Mützchen von seiner Nebelkappe, die ihn unsichtbar machte, und wenn er sie abthat, so sah man ihn, und dann setzte er sie oft plötzlich wieder auf und war im Nu verschwunden. Davon ist das Sprichwort entstanden, wenn jemand etwas sucht und es an einem Orte gesehen zu haben glaubt und es doch nicht finden kann, daß man sagt: »Ja, da sitzt er und hat Mützchen auf!« – nämlich der Zwerglein unsichtbar machendes Nebelkäppchen.
Vom Geist Mützchen wird hier ausdrücklich hervorgehoben, daß er im Besitze der überhaupt keinem Zwerge fehlenden Tarn- oder Nebelkappe gewesen sei. Er hat aber offenbar die neckische Koboldnatur, welche den eigentlichen Zwergen fehlt. Letztere leben mit den Menschen auf freundschaftlichem Fuße und treten auch gewöhnlich als Volk auf; Kobolde leben dagegen meist einsam. Die Nebelkappe ist ein Abbild des Berges, dem Wohnorte der Zwerge. Auch nach anderen deutschen Sagen tragen Kobolde Mützchen und zwar von roter Farbe. (Sommer, Thüringsche Sagen, S. 171.) Der hildesheimische Kobold »Hütchen« hat von dem spitzen roten Hute seinen Namen. (Jac. Grimm, deutsche Myth., S. 290.)
Vom Geist Mützchen wird hier ausdrücklich hervorgehoben, daß er im Besitze der überhaupt keinem Zwerge fehlenden Tarn- oder Nebelkappe gewesen sei. Er hat aber offenbar die neckische Koboldnatur, welche den eigentlichen Zwergen fehlt. Letztere leben mit den Menschen auf freundschaftlichem Fuße und treten auch gewöhnlich als Volk auf; Kobolde leben dagegen meist einsam. Die Nebelkappe ist ein Abbild des Berges, dem Wohnorte der Zwerge. Auch nach anderen deutschen Sagen tragen Kobolde Mützchen und zwar von roter Farbe. (Sommer, Thüringsche Sagen, S. 171.) Der hildesheimische Kobold »Hütchen« hat von dem spitzen roten Hute seinen Namen. (Jac. Grimm, deutsche Myth., S. 290.)
(Ein gründlicher Bericht vom Schnackischen Katzen-Veite. Als einem wercklichen und würcklichen Abentheure beym Kohlenberge im Voigtlande etc. An den Tag gegeben von Steffen Läufepeltzen, aus Ritt mier ins Dorff. o. O. u. J. (1651.) Daraus bei Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 616.)
Um den Kohlberg bei Zwickau soll sich ein Gespenst sehen lassen, welches seiner lustigen Streiche wegen viele Ähnlichkeit mit dem Rübezahl hat und der Katzenveit heißt. Jener Berg hat seinen Namen vonden Steinkohlen, die er enthält und soll seit dem Jahre 1479, wo einmal ein Jäger einen Fuchs gehetzt und nachdem er solchen verfolgt, sein Gewehr von ohngefähr in eine Grube losgebrannt, innerlich brennen. Wer jener Katzenveit ursprünglich gewesen, darüber sind vielerlei Vermutungen aufgestellt worden. Unter anderem sagt man, er sei einst ein sehr ungetreuer Schösser oder Statthalter der Hessen, also ein Katten-Vogt gewesen, habe aber so viele Gelder und Einnahmen unterschlagen, daß er nach seinem Tode nicht habe ruhen können, sondern immer spukend umgegangen sei, bis er von einem Hexenmeister und Teufelsbanner in diese Wildnis verbannt worden; weil er sich nun nicht unter diesem Berge wolle bergen lassen, sondern sich über die schwere Last beschwere, so bewege er den Berg und speie aus Bosheit und Gift Feuer von unten in die Höhe. Am meisten läßt er sich zur Zeit des St. Veitstags spüren, wo die Sonne in das Zeichen des Krebses tritt. Von ihm werden nun verschiedene lustige Streiche erzählt.
So zog einst in einem vogtländischen Städtchen ein fremder Hausierer mit Brillen und einer Menge Kurzwaaren herum und betrog die Leute durch seine geschickte Redegabe um ihr Geld und hing ihnen dafür seinen unnützen Kram auf. Das verdroß den Katzenveit, der gerade dort herum strich, gewaltig, er kaufte ihm also ein hölzernes Pfeifchen für 15 Pfennige ab, obgleich jener 18 gefordert hatte, und versprach ihm noch mehr Waren abzunehmen, wenn er mit sich handeln ließe, betastete dann jedes einzelne Stück und steckte es wieder an seinen Ort, worauf er, angeblich um Geld zu holen, sich entfernte. Sobald er aber weg war, da hatte sich der ganze Kram des Hausierers in Seile, Stricke, Stränge, Sackbänder, Peitschenschnüre und Bindfaden verwandelt und an seinem Halse befand sich ein natürlicher Diebsstrang, an dem ein kleiner hölzerner Galgen baumelte. Da stand nun Matz Flederwisch ganz bestürzt da und wunderte sich, daß er auf einmal aus einem Materialisten ein Seiler geworden.
Einst hatte ein geiziger Bauer seinen ganzen Sinn auf die Bienen gestellt und wo er nur einen Schwarm vermutete, derselbe mochte nun von den Seinigen abgezogen oder anders woher gekommen sein, da hat er seinen Korb angeschlagen. Das hat den Katzenveit schwer verdrossen. Er hat sich also in Gestalt eines Bienenschwarms an einen Baum gehängt und ist von dem geizigen Bauer schnell in den Bienenkorb geschlagen worden. Als derselbe nun nachsehen will, wie sich der Schwarm im Gefäße geberde, da wird er gewahr, daß die vermeinten Bienen schon darin gearbeitet, Zellen und Honig gesetzt haben. Darüber hat er sich erst sehr verwundert, aber als er näher zuschaut, findet er, daß der vermeintliche Honig stinkender Kot sei, welchen ihm eine imStocke sitzende Eule mit den Flügeln ins Gesicht schleuderte, dann herausfuhr und auch seine übrigen Bienenstöcke, 200 an der Zahl, mit entführte; der Bauer aber, der ihr nacheilte und sie aufhalten wollte, brach vor lauter Eifer beide Beine.
Ein anderesmal kam ein fremder Botaniker auf den Kohlenberg und dachte dort kostbare Pflanzen zum Goldmachen zu finden; zu dem gesellte sich der Katzenveit als Kräutermann gekleidet und nannte ihm das reife Silberblatt, Pfennigkraut, Tausendgüldenkraut, Goldblümchen, Frauenmütze etc. als lauter Kräuter, die Gold brächten. Der Thor grub nun alle diese Kräuter aus, weil er meinte, Gold unter ihnen zu finden, allein er fand nichts, und als er mit seinem Funde schnell nach Hause eilte, brach er unterwegs den Arm, ja er erschlug zu Hause in der Hitze seine Frau, die ihn ausgelacht hatte, und grämte sich dann teils deswegen, teils weil er aus den Wurzeln nicht reich geworden war, zu Tode.
Einst ist er nach Tripstrille als Kammerjäger gekommen und hat vorgegeben, er könne Ratten und Mäuse vertreiben. Dafür hat man ihm eine Partie schöner Thaler versprochen, allein als er das Ungeziefer weggebannt, ihm solche nicht ausgezahlt. Da ist er nach Art des Rattenfängers von Hameln wiedergekommen und hat alle Katzen der Bürger, deren 666 gewesen sein sollen, aus der Stadt geführt, und seit dieser Zeit sollen dort keine Katzen mehr fortkommen.
Einmal hat ein Saufbruder vor Pfingsten Maien beim Kohlberge geholt und in seine Behausung gebracht, in Willens, eine grüne Lust dabei zu genießen und seine Biergötzen damit zu beehren; das hat den Katzenveit, der der rechte Waldmeister und Baumherr ist, schwer geärgert. Wie nun solcher Birkenschmuck hin und wieder in der Stube ausgebreitet und damit gleichsam eine Laubhütte gemacht worden war, da wird das Bierfaß hereingeschleppt, in die Mitte gestellt und der Saufbartel und seine Freunde setzen sich auf Schemeln rund herum und gießen so einen Becher nach dem andern in die Gurgel hinab und bringen sich einen Toast nach dem andern zu. Auf einmal fängt aus dem Laube ein Kuckuck zu schreien an, was ihnen anfänglich gar närrisch vorkommt, darauf fängt ein Storch an zu klappern und endlich singt die Nachtigall ihr Runda Runda Dinellula. Da erschrecken sie bald ein wenig und wissen nicht, wie ihnen geschieht, denn bald werden sie gezupft und sehen doch nicht, woher es kommt, bald schwingen und schütteln sich die Maien und schlagen auf die Tagediebe los, daß sie Zeter und Mordio schreien und aus der Stube hinweglaufen. Gleichwohl hoffen sie, der Spuk werde sich bald wieder verlieren, damit sie zu ihrem Gelage zurückkehren können. Sie gucken darüber zum Fensterhinein, siehe da waren aus allen Maien junge Mägdlein geworden, welche schöne Gläser in den Händen hatten. Da sprangen alle eilig wieder in die Stube, faßten sie an und sprangen mit ihnen um das Bierfaß herum. Wie sie sich aber ein wenig umschauen, da haben die Damen Teufelsklauen an Händen und Füßen, ein großes rundes Auge mitten im Kopfe und an diesem Ziegenhörner. Ei, wie teuer wurde ihnen jetzt das Lachen, wie gern wären die Hengste jetzt hinaus und davon gewesen! Aber sie mußten ausharren und bei etlichen Stunden also herumhüpfen, daß ihnen der Angstschweiß an allen Orten ausbrach und sie endlich für tot niedersanken. Zwar haben sie sich bald wieder erholt, aber ihre lose Pfingstlust war ihnen für immer vergangen.
Oft zog der Katzenveit als fahrender Schüler im Lande herum und foppte die Wirte. So kam er einst als armer Student zu einer Wirtin und legte sich ohne Weiteres in ein schönes Gastbett. Sie aber trieb ihn heraus, er aber stahl ihr das Bett und verkaufte es. Ein anderesmal sah er, daß eine Schankwirtin gebratene Tauben am Spieße stecken hatte; als sie nun aus der Küche abgerufen ward, huschte er hinein, nahm sie mit sich und aß sie ungescheut in der Stube am Tische auf. Wie nun die Frau das sah und ihr Eigentum vermißte, fragte sie ihn, wie er zu den Tauben komme, und er antwortete. »Wie kommt der Tag zum Winde (sintemal es gerade sehr stürmte)?« Damit nahm er die andere gestohlene Taube beim Kopfe und fraß sie auch auf. Endlich kam er einst in ein Dorf, wo ein geiziger Pfarrer wohnte, der niemandem etwas gab, sondern alle Ansprechenden entweder selbst, in einem dicken Bauernpelz vermummt, oder durch seine Leute oder mittelst seines Kettenhundes forttrieb. Bei diesem trug er sich so an, als gehe er auf Freiersfüßen und wolle seine Tochter ehelichen. Da nahm man ihn mit Freuden auf, der Vater ließ etliche Tauben zurichten und braten und die Mutter lief etliche Male vom Feuer weg und ließ die Küche leer stehen. Nun zog er schnell mitgebrachte junge, abgerupfte Raben aus dem Ränzel, lief zum Herde, spießte sie an und so wurden sie zusammen fertig. Als sie aber aufgetischt wurden, da partierte er letztere auf den Teller des Pfarrers und seiner Frau, und kehrte es also, daß die rechten Tauben auf den seinigen kamen, dann aber machte er sich, nachdem sein Appetit gestillt war, aus dem Staube.
Einst fragte man ihn, warum jetzt alles so teuer sei, und er antwortete, es gebe jetzt mehr Tribulierer und Flegel als sonst, besonders junge Drescher, die Prokuratoren hießen und sich für ihre Dienste allemal zuvor bezahlt machten, also, daß wenig in den Scheunen blieb.Das hörte zufällig ein Advokat, der dabei stand und sprach: »Ganz recht mein Knecht!« und indem er ihn bei der Hand faßte, sagte er: »Ich greife nach dem Flegel und marschiere auf die Tenne in Willens, den Rest vollends auszuklopfen und darauf zu schlagen, bis ich das Stroh aufreibe.« Aber jener nicht faul, packte den Rabulisten bei der Kartause, fuhr ihm erstlich über's Maul, warf ihn dann zu Boden und sprach. »Halt, Geselle, ich muß dich ein wenig zudreschen!« und indem schlug er mit allen beiden Klöppeln auf die ungegerbte Garbe los, daß das Schrot und Korn haufenweise (denn der Geizhals hatte eben einen Haufen Geldes bei sich) aus dem Strohjunker heraussprang, also daß der neue Drescher nicht allein eine große Ernte an ihm hielt und seine Säckel anfüllte, sondern auch die Zuschauer eine gute Nachlese halten konnten, weil der Katzenveit ihn wund geschlagen. So hatte der Patient keinen Beweis, seinen Beleidiger zu verklagen, und damit zu wuchern, sondern er mußte die Stöße hinnehmen, als hätte ihn ein Hund gebissen.
Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte auf die Ähnlichkeit des erzgebirgischen Katzenveit mit dem Rübezahl des Riesengebirges hingewiesen worden. Unter den derben Neckereien des ersteren erinnert z. B. die mit dem kotigen Bienenkorbe an eine Sage von Rübezahl; derselbe verkaufte nämlich Bienenkörbe, welche mit Menschenkot bestrichen waren. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. Jahrg. 1. und 2. H., S. 11.) Beiden Sagengestalten ist die Fähigkeit, verschiedene Gestalten anzunehmen, sowie Gegenstände zu verwandeln, gemeinsam.
Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte auf die Ähnlichkeit des erzgebirgischen Katzenveit mit dem Rübezahl des Riesengebirges hingewiesen worden. Unter den derben Neckereien des ersteren erinnert z. B. die mit dem kotigen Bienenkorbe an eine Sage von Rübezahl; derselbe verkaufte nämlich Bienenkörbe, welche mit Menschenkot bestrichen waren. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. Jahrg. 1. und 2. H., S. 11.) Beiden Sagengestalten ist die Fähigkeit, verschiedene Gestalten anzunehmen, sowie Gegenstände zu verwandeln, gemeinsam.
(Jugenderinnerung eines gebornen Nosseners.)
In der Beiermühle bei Siebenlehn sprach einmal der gespenstige Mühlknappe an, der seines eigentümlich geformten Hütchens wegen »Pumphut« genannt wurde. Die Leute waren eben beschäftigt, ein neues Wasserrad einzusetzen, sahen den Fremden gar nicht an und fertigten ihn kurz ab. Kaum war Pumphut weiter gegangen, so fand sich, daß die Zapfen am Rade zu kurz waren. Die Zeugarbeiter, die ihr Werk so sorgfältig wie immer ausgeführt hatten, zerbrachen sich den Kopf, bis einer auf den Gedanken kam, der Fremde möge wohl Pumphut gewesen sein und ihnen einen Schabernack angethan haben. Sofort eilten sie ihm nach und bald sahen sie ihn gemächlich an der Mulde weiter wandeln, aber so sehr sie auch rannten, sie konnten ihn nicht einholen, auch hörte er lange nicht auf ihr Rufen. Endlich blieb er stehen, erwartete sie und kehrte nach vielen Bitten mit umnach der Mühle. Dort klopfte er mit seinem Hütchen rechts und links an das Rad und nun paßte alles vortrefflich. Da ihm nun alle Ehre erwiesen ward, bannte er noch die Sperlinge, die dem Müller immer viel Schaden gethan hatten. Seitdem soll sich kein Sperling mehr dort wohlbefinden.
In Gräßes Sagenschatz von Sachsen (No. 672) ist eine im Wesentlichen mit der unsrigen übereinstimmende Sage vom Pumphut mit der Burkhardtsmühle im Vogtlande verknüpft; eine andere Sage, die Gräves Laus. Sagen entlehnt ist und auch von Karl Haupt mitgeteilt wird, verlegt die Begebenheit nach Volkersdorf (Sagenschatz No. 841.) Ebenso teilt Veckenstedt in seinen Wendischen Sagen und Märchen S. 86 etc. drei Überlieferungen mit, nach denen Pumphut Mühlwellen verkürzte. Mehr noch als durch seine übernatürlichen Künste, wie das Fahren in papiernen Kähnen über Flüsse, z. B. die Mulde, das Zerschneiden eines Mühlsteins in Bautzen, das Auffangen von Kugeln in seinem Hute u. a. m., erscheint uns Pumphut durch sein Ende und eine Begebenheit in seiner ersten Kindheit als ein dämonisches Wesen. Da er noch als Kind in der Wiege lag, verschwand er plötzlich und an seiner Stelle fand sich eine Schlange; wie ihn nun seine Eltern vergeblich überall gesucht hatten und wieder in die Wiege blickten, lag er auf einmal frisch und gesund in derselben. Hier tritt die dämonische Schlange an die Stelle des ebenfalls dämonischen Wechselbalgs. Pumphut wurde endlich nach seinem Wanderleben, auf dem er hauptsächlich Mühlen aufsuchte, von einer Schlange, welcher ein Kopf nach dem andern aus dem Halse wuchs, bis es an die Hundert waren, lebendig verzehrt.Eine wendische Sage bezeichnet ihn als großen Nix, der aber nicht gern im Wasser lebte. (Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 220 und Veckenstedt, Wendische Sagen und Märchen, S. 86 etc.)
In Gräßes Sagenschatz von Sachsen (No. 672) ist eine im Wesentlichen mit der unsrigen übereinstimmende Sage vom Pumphut mit der Burkhardtsmühle im Vogtlande verknüpft; eine andere Sage, die Gräves Laus. Sagen entlehnt ist und auch von Karl Haupt mitgeteilt wird, verlegt die Begebenheit nach Volkersdorf (Sagenschatz No. 841.) Ebenso teilt Veckenstedt in seinen Wendischen Sagen und Märchen S. 86 etc. drei Überlieferungen mit, nach denen Pumphut Mühlwellen verkürzte. Mehr noch als durch seine übernatürlichen Künste, wie das Fahren in papiernen Kähnen über Flüsse, z. B. die Mulde, das Zerschneiden eines Mühlsteins in Bautzen, das Auffangen von Kugeln in seinem Hute u. a. m., erscheint uns Pumphut durch sein Ende und eine Begebenheit in seiner ersten Kindheit als ein dämonisches Wesen. Da er noch als Kind in der Wiege lag, verschwand er plötzlich und an seiner Stelle fand sich eine Schlange; wie ihn nun seine Eltern vergeblich überall gesucht hatten und wieder in die Wiege blickten, lag er auf einmal frisch und gesund in derselben. Hier tritt die dämonische Schlange an die Stelle des ebenfalls dämonischen Wechselbalgs. Pumphut wurde endlich nach seinem Wanderleben, auf dem er hauptsächlich Mühlen aufsuchte, von einer Schlange, welcher ein Kopf nach dem andern aus dem Halse wuchs, bis es an die Hundert waren, lebendig verzehrt.
Eine wendische Sage bezeichnet ihn als großen Nix, der aber nicht gern im Wasser lebte. (Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 220 und Veckenstedt, Wendische Sagen und Märchen, S. 86 etc.)
(Lehmann, Hist. Schauplatz, etc. S. 930. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen No. 561.)
Man kennt im ganzen Erzgebirge ein Kindergespenst, das sogenannte Jüdel (richtiger »Gütel«, von gut) oder Hebreerchen und erzählt, daß, wenn die kleinen Wochenkinder während des Schlafs die Augen halb aufthun, die Augäpfel in die Höhe wenden, als wollten sie etwas sehen, dabei zu lächeln scheinen und dann wieder fortschlafen, manchmal auch zu weinen anfangen, daß das Jüdel mit ihnen spiele. Damit nun aber die Kinder nicht ferner von demselben beunruhigt werden, so kauft man ein kleines, neues Töpfchen samt einem Quirlchen, und zwar so teuer, als man es bietet, ohne zu handeln; da hinein wird von dem Bade des Kindes gegossen und es dann auf den Ofen gestellt und man sagt, das Jüdel spiele damit und plätschere das Wasserso lange heraus, bis nichts mehr im Töpfchen sei. Andere blasen Eier aus den Schalen in des Kindes Brei und der Mutter Suppe und hängen solche hohle Eierschalen samt etlichen Kartenblättern und anderen leichten Sachen mehr mit Zwirn an die Wiege des Kindes, daß es frei schwebe. Wenn nun die Thür aufgemacht wird, oder es geht und bewegt sich jemand in der Stube, also daß die am Faden schwebenden Sachen sich in der Luft bewegen, so sagen die Weiber, man solle nur acht geben, wie das Jüdel mit den Sachen an der Wiege spiele. Wenn zuweilen die Kinder rote Flecke haben, da sagt man, das Jüdel habe sie verbrannt; dann soll man das Ofenloch mit einem Speckschwärtlein schmieren. Das Jüdel spielt aber auch des Nachts mit den Kühen, dann werden sie unruhig und brummen, macht man aber Licht an, so sieht man nichts. Ebenso geht es in die Pferdeställe und fängt an die Pferde des Nachts zu striegeln, dann werden dieselben wild, beißen und schlagen um sich, ohne daß sie sich des Gespenstes, welches auf ihnen hockt, entledigen können. Um das Jüdel als Hausgeist zu unterhalten, muß man ihm Bogen und Pfeile und Spielsachen in den Keller und die Scheune legen, damit es damit spiele und Glück in's Haus bringe. Wenn aber die Wöchnerin vor demselben ganz sicher sein soll, so muß ein Strohhalm aus ihrem Bette an jede Thür gelegt werden, dann kann weder das Jüdel noch ein anderes Gespenst herein.
Man will auch das nächtliche Fallen, welches einen Tod anzeigen soll, mit dem Jüdel in Verbindung bringen.
In Scheibenberg diente vor Jahren eine alte Magd, welche bei solchem nächtlichen Fallen sagte. »Gütchen, ich geb' dir mein Hütchen, willst du den Mann, ich gebe dir den Hahn; willst du die Frau, nimm hin die Sau; willst du mich, nimm die Zieg'; willst du unsere Kinder lassen leben, so will ich dir alle Hühner geben!« Es ist in Elterlein geschehen, daß man bei solchem gespenstischen Fallen eine Henne oder Ziege dem Ungetüme gegeben, auch solche Stücke des Morgens tot gefunden hat.
Das erzgebirgische »Jüdel« ist das »Gütel« (Heugütel) der vogtl. Sage, oder das »Hütchen« in den deutschen Sagen der Brüder Grimm (I. No. 75.) Es ist ein guter, hülfreicher Hausgeist, dessen Name jedenfalls auf »gut« zurückweist. Es mag hierbei auch an das in Oberungarn gebräuchliche »Gödchen« für Patenkind und an das oberösterreichische »Göd« ein Taufkind, hingewiesen werden. Göthe spricht im Faust von den »frommen« Gütchen. In mancher Beziehung hat es Ähnlichkeit mit den Kobolden, welche in Gestalt kleiner Kinder erschienen.
Das erzgebirgische »Jüdel« ist das »Gütel« (Heugütel) der vogtl. Sage, oder das »Hütchen« in den deutschen Sagen der Brüder Grimm (I. No. 75.) Es ist ein guter, hülfreicher Hausgeist, dessen Name jedenfalls auf »gut« zurückweist. Es mag hierbei auch an das in Oberungarn gebräuchliche »Gödchen« für Patenkind und an das oberösterreichische »Göd« ein Taufkind, hingewiesen werden. Göthe spricht im Faust von den »frommen« Gütchen. In mancher Beziehung hat es Ähnlichkeit mit den Kobolden, welche in Gestalt kleiner Kinder erschienen.
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B. 1864, S. 16 und 234.)
Das Schrackagerl ist im Erzgebirge ein Hausgeist; es sitzt im Stalle auf der Raufe und sieht aus wie ein kleines Kind. Wo es ist, gedeiht alles, das Vieh, das Geflügel; nur darf man nicht fluchen, sonst verwirrt es den Pferden die Mähnen, bindet die Kühe los und treibt sie durcheinander. Das Schrackagerl hilft den Mägden arbeiten, so daß alles rein im Hause ist; nur muß ihm die Magd von ihrem Essen immer einen Teil aufheben und hinlegen.
In Heinrichsgrün heißt das Schrackagerl auch Strackagerl; es verwirrt den Kindern die Haare. Wenn die Kinder des Morgens mit verwirrten und verfilzten Haaren aufstehen, sagt man: Da ist auch das Strackagerl darüber gewesen.