223. Die Wehklage.

Das Schrackagerl von Heinrichsgrün ähnelt dem Schreckgökerle der vogtländischen Sage, vor dem sich die Kinder fürchten und mit dem deshalb letzteren gedroht wird. (Köhler, Volksbrauch etc. S. 477.)

Das Schrackagerl von Heinrichsgrün ähnelt dem Schreckgökerle der vogtländischen Sage, vor dem sich die Kinder fürchten und mit dem deshalb letzteren gedroht wird. (Köhler, Volksbrauch etc. S. 477.)

(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 784. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 568.)

Im Erzgebirge giebt es ein Gespenst, die sogenannte Klagefrau oder Klagemutter; diese geht vor das Haus, wo ein Kranker liegt und fängt an jämmerlich zu heulen. Will man nun wissen, ob derselbe stirbt oder nicht, so wirft man vor die Thüre von oben ein Tuch herab, das demselben gehört; nimmt die Klagefrau, die nun zu heulen aufhört, dasselbe mit fort, so stirbt der Kranke, läßt sie es aber liegen, so findet das Gegenteil statt.

Im Jahre 1626, da ein großes Sterben war, wohnte Nikolaus Köhler, ein Schuster in Oberwiesenthal, am Markt. Da er sich abends zur Ruhe gelegt, höret er ein jämmerlich Geheule auf dem Markt, so daß er nicht schlafen kann. Er siehet hinaus und wird gewahr, daß es um den Holzstoß eines gegenüber wohnenden Nachbars so winselt und jammert. In dem Hause desselben aber lagen zwei Sterbende, wie er des folgenden Morgens allererst erfahren. Er spricht: »Ja heule, daß Dir was anders in Rachen fahre!« und legt sich wieder nieder. Gleich kommt das Heulgespenst vor die Kammer und heulet noch gräßlicher.Er fähret ins Bett hinein mit Furcht und Grausen, und das Weib verweist ihm seine Verwegenheit, warum er bei elenden Sterbezeiten so frech hinaus geschrien; sie fangen an mit einander zu beten. Das Heulding fähret hinauf auf den Oberboden, und von dannen zum Fenster in das Quergäßchen herunter, und heulet wieder aufs neue vor des Büttels Thür, und des Morgens erfuhr er, daß auch darinnen ein Patient am Tode läge. Der Schuhmacher aber hat noch über 30 Jahre gelebt und ist erst anno 1664 an der ungarischen Soldatenkrankheit gestorben.

(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 530.)

In der Nähe von Grünhain fließt der sogenannte Oswaldsbach. An demselben soll um die Mitternachtsstunde ein gespenstischer Schatten auf- und niederhuschen, der beständig Klagetöne ausstößt. Das Volk nennt denselben die Winselmutter und erzählt sich, einst habe ein Jüngling, dem seine Geliebte die Treue gebrochen, in dem genannten, an vielen Stellen sehr tiefen und reißenden Bache seinem Leben ein Ende gemacht; seine ihn liebende Mutter habe ihn darauf sieben Tage lang aufs sorgfältigste gesucht, aber doch seinen Leichnam nicht wiederfinden können, und so sei sie zuletzt selbst an Erschöpfung und gebrochenem Herzen gestorben. Weil sie dabei gegen Gottes weise Fügung gemurrt, so sei es nun ihr Los, ewig den Körper ihres ertrunkenen Sohnes unter steten Klagen und Wimmern suchen zu müssen.

Die Sagen von der Klagefrau, Winselmutter oder Wehklage sind auch dem Vogtlande und der Lausitz nicht fremd. Im Vogtlande stellt man sich jedoch das Gespenst nicht in menschlicher Gestalt, sondern als Kalb oder Schaf mit feurigen Augen vor, oder es wird als unförmliches Wesen beschrieben. (Köhler, Volksbrauch etc., S. 478.)

Die Sagen von der Klagefrau, Winselmutter oder Wehklage sind auch dem Vogtlande und der Lausitz nicht fremd. Im Vogtlande stellt man sich jedoch das Gespenst nicht in menschlicher Gestalt, sondern als Kalb oder Schaf mit feurigen Augen vor, oder es wird als unförmliches Wesen beschrieben. (Köhler, Volksbrauch etc., S. 478.)

(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 421. Moritz Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 39.)

Am Schottenberge unter Annaberg giebts alte Bergkessel und Bingen, an denen der Fußsteig vorbei geht. Daselbst sind etlichemal bei Nacht, sonderlich zur Winterszeit, Reisende von Irrlichtern bethört und in Löcher und tiefen Schnee geführt worden, so daß man sie aufihr jämmerliches Schreien und Rufen mit Laternen aufgesucht und gerettet hat.

Im Jahre 1683 ging ein Witwer mit seiner Braut beim Scheibenberger Gottesacker vorbei und sagte: »Da drinnen liegt mein voriges liebes Weib.« In dem Wort blendet sie ein Licht und umgiebt sie ein Feuerschein zweimal, so daß sie mit Schrecken davon gelaufen sind.

Auch bei der Grube »Dorothea« auf Geiersdorfer Gebiet und bei der Grube »Stern« auf Mildenauer Revier läßt sich zu gewissen Zeiten ein Lichtlein sehen.

(Andrä, Chron. Nachrichten von Annaberg. 1837, S. 77. Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 491. Grimm, Das sächs. Erzgebirge, 1847, Seite 253.)

Nordöstlich von Geyer gegen den Greifenstein hin zeigt sich an Herbstabenden eine merkwürdige Lufterscheinung oder ein rötlich leuchtendes, beinahe 7 Ellen hohes Irrlicht, das, sobald es sich zu bewegen anfängt, immer kleiner wird, bis es endlich gar verschwindet, in der dortigen Gegend aber die Staatslaterne von Geyer genannt wird.

Sagen von Irrlichtern sind ungemein zahlreich; dabei erscheinen die Irrlichter entweder als selbständige Flammen, oder sie fließen mit der Vorstellung von feurigen Männern zusammen. Eine Laterne wandelt des Nachts zwischen dem Pfaffenholze und Martinsrieth bei Sangerhausen, dergleichen im Loh, einem Hölzchen bei Buttstädt; beide Laternen werden von einer Hand gehalten, ohne daß man sonst jemanden sieht. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 267 und 303.) Im Vogtlande will man dagegen bemerkt haben, daß jedes Irrlicht den Kopf zu einer dunkeln, gewöhnlich nicht sichtbaren Gestalt bilde. Hier nähert es sich dem feurigen Manne. Als wirklicher feuriger Mann, also offenbar als Kobold, erscheint es auf einer sumpfigen Strecke bei Loitzsch. An einem andern Orte tanzen die Nixe mit Irrlichtern. (Eifel, Sagen aus dem Vogtlande No. 449, 159 und 60.) In dem Volksglauben gelten die Irrlichter vielfach als die Seelen ungetauft verstorbener Kinder; die beiden Irrlichter in Holzzelle im Mansfeldischen sind dagegen die Seelen eines Mönchs und einer Nonne (Größler a. a. O. No. 49.) Das Licht ist ein Symbol für den Geist des Verstorbenen, darum erscheinen die Seelen als Lichter. Haupt weist dabei (Sagenbuch etc. No. 57.) auf den Gebrauch in der Lausitz hin, daß man zwei Lichter anzündet, wenn Brautleute bei Tische sitzen; wessen Licht zuerst verlischt, der stirbt zuerst. Eine ähnliche Bedeutung haben auch die Lichter, welche man im Erzgebirge wie anderwärts am Andreasabende oder zu Sylvester in Nußschalen auf einem Becken mit Wasser schwimmen läßt, um daraus die Zukunft der betreffenden Personen zu erfahren. In dem Märchen vom Gevatter Tod (Br. Grimm, Kinder- und Hausmärchen,1. B. No. 44) zeigt letzterer seinem Paten in einer unterirdischen Höhle die Lebenslichter der Menschen, und vielleicht ist auch auf die gleiche Vorstellung der Gebrauch zurückzuführen, daß man in katholischen Ländern bei Begräbnissen dem Sarge brennende Lichter voranträgt, oder am Vorabende des Allerseelenfestes Wachslichtchen anzündet.

Sagen von Irrlichtern sind ungemein zahlreich; dabei erscheinen die Irrlichter entweder als selbständige Flammen, oder sie fließen mit der Vorstellung von feurigen Männern zusammen. Eine Laterne wandelt des Nachts zwischen dem Pfaffenholze und Martinsrieth bei Sangerhausen, dergleichen im Loh, einem Hölzchen bei Buttstädt; beide Laternen werden von einer Hand gehalten, ohne daß man sonst jemanden sieht. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 267 und 303.) Im Vogtlande will man dagegen bemerkt haben, daß jedes Irrlicht den Kopf zu einer dunkeln, gewöhnlich nicht sichtbaren Gestalt bilde. Hier nähert es sich dem feurigen Manne. Als wirklicher feuriger Mann, also offenbar als Kobold, erscheint es auf einer sumpfigen Strecke bei Loitzsch. An einem andern Orte tanzen die Nixe mit Irrlichtern. (Eifel, Sagen aus dem Vogtlande No. 449, 159 und 60.) In dem Volksglauben gelten die Irrlichter vielfach als die Seelen ungetauft verstorbener Kinder; die beiden Irrlichter in Holzzelle im Mansfeldischen sind dagegen die Seelen eines Mönchs und einer Nonne (Größler a. a. O. No. 49.) Das Licht ist ein Symbol für den Geist des Verstorbenen, darum erscheinen die Seelen als Lichter. Haupt weist dabei (Sagenbuch etc. No. 57.) auf den Gebrauch in der Lausitz hin, daß man zwei Lichter anzündet, wenn Brautleute bei Tische sitzen; wessen Licht zuerst verlischt, der stirbt zuerst. Eine ähnliche Bedeutung haben auch die Lichter, welche man im Erzgebirge wie anderwärts am Andreasabende oder zu Sylvester in Nußschalen auf einem Becken mit Wasser schwimmen läßt, um daraus die Zukunft der betreffenden Personen zu erfahren. In dem Märchen vom Gevatter Tod (Br. Grimm, Kinder- und Hausmärchen,1. B. No. 44) zeigt letzterer seinem Paten in einer unterirdischen Höhle die Lebenslichter der Menschen, und vielleicht ist auch auf die gleiche Vorstellung der Gebrauch zurückzuführen, daß man in katholischen Ländern bei Begräbnissen dem Sarge brennende Lichter voranträgt, oder am Vorabende des Allerseelenfestes Wachslichtchen anzündet.

(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.)

Man hat bei Schmiedeberg dann und wann Irrlichter gesehen, die man unheimliche Fackeln nannte. Die Leute hüteten sich, mit denselben Bekanntschaft zu machen und wichen ihnen aus, wo sie konnten.

Einst soll im Bogenhaus, in der Nähe des »letzten Pfennigs«, ein Mann durchs geöffnete Fenster eine unheimliche Fackel bemerkt und ihr vorwitzig zugerufen haben: »Komm her auf Courage!« In diesem Augenblicke erhielt er von unsichtbarer Hand eine tüchtige Ohrfeige; die Fackel aber war verschwunden.

Eine tüchtige Ohrfeige erhielt auch vom Irrlichte jener Schulmeister, welcher demselben bei der sogenannten Lerch am Saalwalde im reußischen Oberlande mit den Worten entgegentrat: »Was bist Du für ein Licht?« Neben der Ohrfeige erhielt er noch die Antwort: »Kümm're Dich um Dich, ich bin ein Licht für mich!« (Eisel, Sagenbuch des Vogtl., S. 163.)

Eine tüchtige Ohrfeige erhielt auch vom Irrlichte jener Schulmeister, welcher demselben bei der sogenannten Lerch am Saalwalde im reußischen Oberlande mit den Worten entgegentrat: »Was bist Du für ein Licht?« Neben der Ohrfeige erhielt er noch die Antwort: »Kümm're Dich um Dich, ich bin ein Licht für mich!« (Eisel, Sagenbuch des Vogtl., S. 163.)

(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz., S. 207 und 208.)

Zu Wildenau ist im Pöhlwasser ein unheimlicher Ort, der Grundtümpel genannt, da sich das Wasser einer Stuben groß in die Runde dreht, und sich öfters darin allerlei Spukgestalten sehen lassen, als Weiber, Männer und Pferde. Man hat auch in selbiger Gegend bis nach Schwarzenberg und Sachsenfeld viel Irrwische und feurige Drachen ziehen und spielen sehen. Wenn die Leute aus Raschau nach Wildenau gingen, oder von Schwarzenberg herüber gehen wollten, hat es sie oft die ganze Nacht irre und gar nahe an den besagten Tümpel geführt, so daß sie beim Anbruche des Tages an dem Wasser gesessen haben.

Teilweise ist ihnen ein Fischer mit Hamen begegnet, der sie bis an die Dorfhäuser täuschte, so daß sie 10 bis 12 Wochen darnach krank gelegen haben. Im Jahre 1624 wollte Andreas Illings Vater am Wildenauer Berge mit seinem Pferde arbeiten; da kam ein fremdes weißes Pferd mit allem Geschirr gelaufen und spannete sich selbst an.Nachdem es aber eine Weile hurtig gegangen, ahnte der Ackermann nichts gutes und wollte ausspannen und Mittag machen. Damit aber riß sich das wilde Pferd mit Haken und dem andern Pferde los und lief nach dem Tümpel zu; der Ackermann hing sich an sein Pferd, schrie und gab gute und böse Worte, bis sich das Gespenst verlor und ihn mit seinem Pferde in großer Bestürzung zurückließ.

(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)

Eine starke Viertelstunde unter Scheibenberg, am Elterleiner Wege, läuft der tiefe Stollen in einen Teich aus. Daselbst hat es die Leute oft bei Tag und Nacht erschreckt und den Weg bald in Gestalt eines großen, ungeheuren Mannes, bald eines Wolfes vertreten, oder sonst mit Tumult und Gerassel bethört.

(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)

Im Juli des Jahres 1644 waren die Oberscheibener oben bei ihren Teichen im Heumachen. Da kommt am Sonnabende vor dem zehnten Trinitatissonntage ein mächtiger Sturmwind mit Sausen und Pfeifen, fährt in die Teiche und wirft das Wasser hoch in die Höhe, als wenn sich zwei Pferde im Wasser mit einander schlugen. Darüber erschraken die Leute, liefen an die Heuschöber, die bösen Geister aber fuhren aus den Teichen in die Heuschöber, spielten damit in der Luft, fuhren über die Äcker hinaus und nahmen, wo sie gegen Crottendorf zu antrafen, alle Wipfel von den Bäumen mit.

(Mündlich. Spieß, Aberglaube etc. Progr., S. 30. Lehmann, a. a. O., S. 207.)

Auf einer sumpfigen Wiese unterhalb Neustadt bei Falkenstein, nach Dorfstadt zu, ist öfters der Drache gesehen worden. – Vielfach verbreitet ist der Glaube, daß der Teufel denen, welche mit ihm ein Bündnis geschlossen haben, in der Gestalt eines Drachen Geld und andere Gegenstände zuträgt, welche er anderswo geraubt hat. Der Drache fährt bei solchen Leuten zur Feueresse herein, und man muß ihm danneine Schüssel Hirsebrei auf den Oberboden setzen; er verzehrt den Brei und legt statt dessen Geld in die Schüssel. Bei Marienberg sagt man, daß ein solches Geldstück, welches der Drache gebracht hat, stets wiederkommt, wenn es auch ausgegeben worden ist. Thut es dagegen der Empfänger in ein Glas, das er mit einem Deckel verwahrt hat, auf den er einen Kreis mit Kreide beschreibt und innerhalb desselben die Kreide liegen läßt, so muß es bleiben.

Feurige Drachen hat man zugleich mit Irrlichtern auch in der Gegend von Schwarzenberg ziehen und spielen sehen.

Der Glaube, daß man dem Drachen eine Schüssel Hirsebrei auf den Oberboden setzen müsse, steht jedenfalls mit dem auch im Erzgebirge vorhandenen Gebrauche in Verbindung, am Neujahrstage Hirse zu essen, damit man das ganze Jahr über Geld habe. Auch nach einer slavischen Sage mußte der Drache, welcher einem Bauer Geld brachte, mit Hirse gefüttert werden. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 166.)

Der Glaube, daß man dem Drachen eine Schüssel Hirsebrei auf den Oberboden setzen müsse, steht jedenfalls mit dem auch im Erzgebirge vorhandenen Gebrauche in Verbindung, am Neujahrstage Hirse zu essen, damit man das ganze Jahr über Geld habe. Auch nach einer slavischen Sage mußte der Drache, welcher einem Bauer Geld brachte, mit Hirse gefüttert werden. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 166.)

(Mündlich.)

Drei Bürger in Schneeberg kamen einmal des Nachts in der zwölften Stunde aus dem Wirtshause. Als sie an den Frauenmarkt gelangten, trennten sich zwei von ihnen und der dritte ging allein über den genannten Markt. Auf einmal sprang ihm daselbst ein Kalb auf den Rücken und legte die beiden Vorderbeine fest auf seine Schultern; so mußte es der Mann bis an sein Haus tragen. Dort verschwand es, als die Frau ihrem Manne die Thür aufmachte. Die Frau verwunderte sich, daß ihr Mann so bleich und erschrocken aussah und fragte ihn nach der Ursache; doch er wollte ihr unter 9 Tagen nichts erzählen. Da drang seine Frau noch mehr in ihn, bis er ihr endlich das Begebnis erzählte und ihr zugleich die Spuren auf seinen Achseln zeigte, welche das gespenstische Kalb mit seinen Pfoten darauf zurückgelassen hatte. Das war sein Unglück, denn man soll von derartigen Erlebnissen, wenn sie nicht dem Betreffenden Verderben bringen sollen, unter 9 Tagen nichts erzählen. Der Mann starb auch noch innerhalb dieser Zeit.

Betreffs der dämonischen Natur des Kalbes s. die Einleitung. Auch nach einer wendischen Sage mußte ein Bauer vom Koselbruch in der Lausitz ein Kalbohne Kopf, das sich ihm auf den Rücken wälzte, bis in sein Dorf tragen. (Veckenstedt, a. a. O., S. 411.)

Betreffs der dämonischen Natur des Kalbes s. die Einleitung. Auch nach einer wendischen Sage mußte ein Bauer vom Koselbruch in der Lausitz ein Kalbohne Kopf, das sich ihm auf den Rücken wälzte, bis in sein Dorf tragen. (Veckenstedt, a. a. O., S. 411.)

(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 673.)

Ein Vorbote war es, daß vor dem deutschen Kriege, da der Feind einfallen sollte, sich zu Mildenau im Herbst des Nachts ein gräßliches Geblöke und Geschrei erhob; es lief etwas im Dorfe durchs Wasser auf und nieder in Gestalt eines Kalbes und brüllete so abscheulich, daß die Leute alle bestürzt wurden. Den folgenden Sommer ist der Feind eingefallen und hat geplündert und verheert.

(Mündlich.)

Zwischen der Stadt Eibenstock und dem dortigen Bahnhofe liegt in einem flachen Wiesengrunde der »Mielahr« oder Windischteich. Darin soll ein wunderbarer Fisch mit einem goldenen Reifen leben, und um den Fisch zu fangen, hat man vor einer Reihe von Jahren den Teich ausgepumpt, aber den Fisch doch nicht gefunden. Von dem Fische erzählt man, daß denselben einst eine Prinzessin in den Teich gesetzt habe.

Die Sage erzählt auch von dem Dorfbache in Neugersdorf in der Oberlausitz, daß darin Karpfen mit goldenen Halsbändern leben. Die goldenen Halsbänder der Fische erinnern an die Halsringe mythischer Schwäne. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 156.) Als mächtiger Karpfen mit einem goldnen Ringe um den Kopf erschien in der Oder bei Breslau auch Rübezahl. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. Jahrg. 1. und 2. H., S. 13.)Fische treten in der Sagenwelt seltener als andere Tiere auf. Seine dämonische Natur offenbart der schöne Fisch in der Elster bei Stublach; derselbe ist ein Nixenkind. (Eisel, Sagenbuch des Vogtlandes, No. 73.) Ein Fisch im Altshausenbache in Schwaben verläßt das Wasser und erscheint in Menschengestalt. Der ZwergAndwari, welcher sich in einen Hecht verwandelt, ist Hüter des Schatzes. Nach der wendischen Sage verwandeln sich Kobolde in Hechte. (Veckenstedt a. a. O., S. 420.) Auf dem Grunde des großen Arbersees befinden sich Fischlein, deren Schuppen gediegen Gold und deren Augen kostbare Edelsteine sind, jeder ein Königreich wert. (Pröhle, Deutsche Sagen, S. 225.)

Die Sage erzählt auch von dem Dorfbache in Neugersdorf in der Oberlausitz, daß darin Karpfen mit goldenen Halsbändern leben. Die goldenen Halsbänder der Fische erinnern an die Halsringe mythischer Schwäne. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 156.) Als mächtiger Karpfen mit einem goldnen Ringe um den Kopf erschien in der Oder bei Breslau auch Rübezahl. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. Jahrg. 1. und 2. H., S. 13.)

Fische treten in der Sagenwelt seltener als andere Tiere auf. Seine dämonische Natur offenbart der schöne Fisch in der Elster bei Stublach; derselbe ist ein Nixenkind. (Eisel, Sagenbuch des Vogtlandes, No. 73.) Ein Fisch im Altshausenbache in Schwaben verläßt das Wasser und erscheint in Menschengestalt. Der ZwergAndwari, welcher sich in einen Hecht verwandelt, ist Hüter des Schatzes. Nach der wendischen Sage verwandeln sich Kobolde in Hechte. (Veckenstedt a. a. O., S. 420.) Auf dem Grunde des großen Arbersees befinden sich Fischlein, deren Schuppen gediegen Gold und deren Augen kostbare Edelsteine sind, jeder ein Königreich wert. (Pröhle, Deutsche Sagen, S. 225.)

(Joseph Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 3. Jahrg., S. 114. Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, 1. B. 1864, S. 79.)

Die Beerensammler im Erzgebirge erzählen von einem Otternkönige, welcher ein goldenes Krönlein trägt und über das ganze Natterngezücht herrscht. Derselbe hat die Gewohnheit, in einer Quelle zu baden und zu trinken; weiß man die Stelle und breitet daselbst ein weißes Tuch aus, neben das man eine Schüssel mit Semmel und Milch gestellt hat, so legt dann der Otternkönig sein Krönlein während der Mahlzeit auf jenes Tuch. Wer sich desselben schnell bemächtigt, dem bringt es Reichtum und Glück; wird er aber von den durch das Pfeifen des Königs gerufenen und von allen Seiten herbeieilenden Nattern erreicht, so ist er unrettbar verloren.

In Schönlinde erzählt man: Wenn man mit Schlangen und Nattern in guter Freundschaft leben will, muß man sich vor allem die Schlangenkönigin zur Freundin machen. Dies geschieht, wenn man an einem heißen Tage zum Waldrande geht, ein weißes Tüchlein ausbreitet und ein Schüsselchen Milch mit Weißbrot darauf stellt. Jeden Tag muß man das thun, bis die Schlangenkönigin endlich ihr Krönlein auf dem Tuche liegen läßt. Wer dies Krönlein hat, ist vor Schlangen und Nattern sicher.

S. die Einleitung. Sagen vom Schlangenkönige oder der Schlangenkönigin, welche goldene Kronen tragen, finden sich allgemein. Im Fichtelgebirge wird erzählt, daß die eine goldene Krone tragende Schlange zuweilen zu den Kindern in die Stube kommt und dort ihre Krone ablegt, mitunter auch beim Weggehen vergißt. Einige behaupten, es sei ein Ei, besetzt mit kostbarem, strahlendem Gestein. (Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 49.)

S. die Einleitung. Sagen vom Schlangenkönige oder der Schlangenkönigin, welche goldene Kronen tragen, finden sich allgemein. Im Fichtelgebirge wird erzählt, daß die eine goldene Krone tragende Schlange zuweilen zu den Kindern in die Stube kommt und dort ihre Krone ablegt, mitunter auch beim Weggehen vergißt. Einige behaupten, es sei ein Ei, besetzt mit kostbarem, strahlendem Gestein. (Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 49.)

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 365. Alfr. Moschkau in derSaxoniaI., S. 22 und 23. Moschkau, Führer durch Nossen und Altzella, S. 8.)

In dem großen und gar zierlich gewölbten, aus dem Kloster Altzelle stammenden Hauptportale der Kirche zu Nossen hängt seit undenklichen Zeiten ein sonderbares Gewächs, welches von einigen für die Rippe eines Meerwunders oder Elephanten, von anderen für dieeines Riesenfräuleins von Nideck im Elsaß, deren Ältern hierher gezogen seien, ausgegeben wird. Diesen Gegenstand hat man auch der Rarität wegen in das Siegel der Stadt Nossen selbst mit aufgenommen. Erzählt wird von dem genannten Riesenfräulein, daß sie einst in Rhäsa einen auf dem Felde arbeitenden Bauer mit Pflug und Pferden in ihre Schürze nahm und ihrem Vater hineintrug. Auch soll sie öfter nach Haslau »in die Haselnüsse« gegangen sein. – Die Rippe kam Anfang des 17. Jahrhunderts in die Königl. Kunstkammer nach Dresden, 1657 aber wieder zurück nach Nossen. Nach einer andern Meinung wäre diese Rippe identisch mit der in Gold gefaßten Rippe der heiligen Katharina, welche zu den Reliquien des Klosters Altzella gehörte.

(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 759.)

Im Jahre 1650 ließen die Grumbacher ihre Kirche erweitern und den Grund graben, da sie dann übermäßig große Gebeine mit Verwunderung ausgegraben.Anno1652, als der Amtmann zu Wolkenstein, Johann Rechenberg, in der Kirche allda den kostbaren Altar von Marmor und Alabaster erbauen und dazu den Grund graben ließ, haben die Maurer riesenmäßige Menschenknochen angetroffen, von denen die Arme und Beine eine halbe Elle länger gewesen, als diejenigen gemeiner Mannspersonen.

Ob die in den Kirchen zu Grumbach und Wolkenstein gefundenen großen Knochen wirklich menschliche Gebeine gewesen sind, erscheint als etwas fraglich, wenn man weiß, daß es allen Völkern gemeinsam zu sein scheint, die Knochen großer urweltlicher Tiere für menschliche Riesenknochen zu halten. S. auch E. Krause, Erasmus Darwin, S. 208 und Perty, Anthropologie I., S. 13. Albin Kohn erzählt (die Natur 1878, No. 51), daß es in der Provinz Posen mehrere Kirchen giebt, in denen sich an Ketten aufgehängte fossile Mammutzähne finden, welche das Volk für die Rippen vorsündflutlicher Riesen hält; dieselben wurden in der Nähe der Orte gefunden, in deren Kirchen sie sich jetzt befinden. Es läßt sich übrigens der Knochenkultus bis in die früheren Zeiten zurück verfolgen; besonders waren es auch die Gebeine von Helden und Heiligen, welche man aufbewahrte und gegen Zerstörung zu schützen suchte, weil man ihnen Wunderkräfte beilegte. – Es könnte noch eine Deutung versucht werden. Die Germanen veranstalteten zu Ehren ihres obersten Gottes Pferdeopfer, Pferde weissagten und die alten Sachsen steckten die Köpfe ihrer geschlachteten Rosse auf die Dächer ihrer Häuser. Dies sind Zeugnisse dafür, daß bei unsern deutschen Vorfahren das Pferd ein ihren Gottheiten geweihtes Tier war. Damit hängt auch der Glaube in Dänemark zusammen, nach welchem unter jeder Kirche, welche gebaut wird, ein lebendes Pferd eingegraben werden müsse. Sollte man auch beiuns dem Glauben an eine besondere Wirkung, wenn auch nicht lebendig vergrabener Pferde, so doch von Pferdegebeinen beim Baue von Kirchen gehuldigt haben?

Ob die in den Kirchen zu Grumbach und Wolkenstein gefundenen großen Knochen wirklich menschliche Gebeine gewesen sind, erscheint als etwas fraglich, wenn man weiß, daß es allen Völkern gemeinsam zu sein scheint, die Knochen großer urweltlicher Tiere für menschliche Riesenknochen zu halten. S. auch E. Krause, Erasmus Darwin, S. 208 und Perty, Anthropologie I., S. 13. Albin Kohn erzählt (die Natur 1878, No. 51), daß es in der Provinz Posen mehrere Kirchen giebt, in denen sich an Ketten aufgehängte fossile Mammutzähne finden, welche das Volk für die Rippen vorsündflutlicher Riesen hält; dieselben wurden in der Nähe der Orte gefunden, in deren Kirchen sie sich jetzt befinden. Es läßt sich übrigens der Knochenkultus bis in die früheren Zeiten zurück verfolgen; besonders waren es auch die Gebeine von Helden und Heiligen, welche man aufbewahrte und gegen Zerstörung zu schützen suchte, weil man ihnen Wunderkräfte beilegte. – Es könnte noch eine Deutung versucht werden. Die Germanen veranstalteten zu Ehren ihres obersten Gottes Pferdeopfer, Pferde weissagten und die alten Sachsen steckten die Köpfe ihrer geschlachteten Rosse auf die Dächer ihrer Häuser. Dies sind Zeugnisse dafür, daß bei unsern deutschen Vorfahren das Pferd ein ihren Gottheiten geweihtes Tier war. Damit hängt auch der Glaube in Dänemark zusammen, nach welchem unter jeder Kirche, welche gebaut wird, ein lebendes Pferd eingegraben werden müsse. Sollte man auch beiuns dem Glauben an eine besondere Wirkung, wenn auch nicht lebendig vergrabener Pferde, so doch von Pferdegebeinen beim Baue von Kirchen gehuldigt haben?

(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)

Als im Jahre 1753 zur Erbauung des neuen kostbaren Preßnitzer herrschaftlichen Amthauses das alte Hassenstein'sche Schloß niedergerissen und der Grund gegraben worden, hat man viele, zum Teil ungeheure große Menschengebeine gefunden; es soll auch öfters daselbst, bis diese Gebeine wieder begraben wurden, sehr gepoltert haben.


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